AUFSTEHEN! BEWEGEN!

Das Video zur Dialog-Veranstaltung

Autor: U. Gellermann
Datum: 25. Oktober 2018

Im gut besuchten Berliner Buchhändler-Keller war man gespannt auf den Dialog zwischen der Sammlungsbewegung AUFSTEHEN, vertreten durch Harri Grünberg (DIE LINKE) und die Vertreter der Bewegungen: Kurt Jotter (Mieterbewegung) und Pedram Shahyar (Friedensbewegung). Neben kritischen Anmerkungen zu AUFSTEHEN – „eine Pressekonferenz ist keine Bewegung“ – wünschten sich viele Teilnehmer der Diskussion dringend gemeinsame Aktionen der Bewegungen. Harri Grünberg versicherte dem Publikum, es gäbe bald eine größere Konferenz der Bewegungen, veranstaltet von AUFSTEHEN, von der dann Aktionen ausgehen würden. Aus der Mieterbewegung konnte Kurt Jotter von einer geplanten Kampagne zur Enteignung der DEUTSCHE WOHNEN, dem größten deutschen Wohnungskonzern, berichten. Pedram Shahyar wünschte sich „Vertrauen in die Kraft der Einzelnen“ und eine Orientierung auf kleine Gruppen zur Organisation der Sammlung.

Uli Gellermann fasste zusammen, es gäbe einen wesentlichen inhaltlichen Punkt, der den verschiedenen Bewegungen gemein wäre: Der Kampf gegen das private Eigentum. Ob in der Wohnungswirtschaft oder der Rüstungsindustrie.

Aber sehen Sie selbst:
https://www.youtube.com/watch?v=8pYtdgCKmzk



Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. November 2018 schrieb Michael Meisel:

Ich möchte dem Herrn zustimmem, der in seinem Kommentar Folgendes schrieb:

"Deshalb sollte der gemeinsame Nenner der Bewegungen und Bewegten am Anfang die lautstarke, vielstimmige und penetrante Forderung nach transparenten Prozessen und nachvollziehbaren Entscheidungen sein, d.h. der Anspruch auf Rechenschaft der Verantwortlichen und schonungslose Kritik an Prozessen und Entscheidungen, die ihre wahre Zielsetzung verschleiern, Partikularinteressen bedienen, Tatsachen ausblenden oder verbiegen oder sich hinter Geheimhaltungserfordernissen verstecken.

Ich denke, auch diese Forderung verbindet alle Bewegungen, die sich dafür einsetzen, dass dieses Land und diese Welt gerechter und friedlicher werden und Einzelinteresse sich nicht gegen soziale Errungenschaften, öffentliche Einrichtungen, die Umwelt und Natur und natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen durchsetzen - letztlich auch die Leser und Macher der Rationalgalerie.

Erst wenn es gelingt, dieser Forderung an Politik, Medien, Gerichten und Verwaltung Gehör zu verschaffen und die Angriffe auf die freie Meinungsbildung und -Äußerung abzuwehren, eröffnet sich die reale Chance, die Grundlagen dieser Gesellschaft neu zu verhandeln. Anders ausgedrückt: Vor dem Sturm auf die Bastille steht die Aufklärung!"

Die aufklärische Forderung nach Transparenz nicht nur der Systeme und Bürokratien, sondern auch nach der Art und Weise des Zustandekommens wichtiger und alle betreffenden Entscheidungen, das Offenlegen der Einflußnehmer und Verdreher und Umwandler von Gesetzesinitiativen u.ä. gehört für mich inhaltlich an den Anfang. Daran könnten sich dann weitere notwendige Diskussionen entzünden.


Am 05. November 2018 schrieb Mia Wanders:

Eine wirklich gute Dokumentation!


Am 03. November 2018 schrieb Andreas Schlüter:

Lieber Uli,
ganz erstaunt bin ich, dass mein Redebeitrag aus dem Publikum herausgeschnitten ist, obwohl ich meine, dass er nicht ganz substanzlos war!

Antwort von U. Gellermann:

Da es im Ergebnis der Veranstaltung zwei Stunden Video-Material gab, musste gekürzt und geschnitten werden, um den Beitrag für das Internet kompatibel zu gestalten. Die Podiumsbeiträge wurden in sich gekürzt, von den 17 Diskussionsbeiträgen mussten mehr als die Hälfte wegfallen.


Am 01. November 2018 schrieb Petra Ugrinsky:

danke für diese öffentliche Anregung an aufstehen, alle anderen engagierten und fortschrittlichen Bewegungen in die Sammlungsbewegung mit einzubeziehen. Ich hatte diesen Vorschlag dort auch schon gemacht, aber bisher noch keine Antwort bekommen. Meine Favoriten sind Lobby Control, finanzwende e.V. und .Fabian Scheidler mit Kontext TV. Es würde mich sehr freuen, wenn ein solcher Kongress zustande kommt.


Am 29. Oktober 2018 schrieb altes Fachbuch:

@ herr schneider
- jeder schritt muss sich lohnen! deshalb sollte das EINE programm stimmig sein. eben auch, weil EINIGKEIT die stärke ausmacht, nicht die partielle organisiertheit!!
- "Gegen die Machts des Kapitals stehen die Gewerkschaften und die linken Parteien."???
seit 100 jahren gibt es zwischen dem BDI, der spd und deren gewerkschaften den pakt der sozialpartnerschaft!! "Nichts hat sich daran geändert" - da gebe ich ihnen recht;)
- verstehe ich den galeristen richtig, dann soll #aufstehen uä. den parlamentarischen "linken" in den hintern treten, damit die ihre agenda ändern!! also nicht stärken der "organisationen der arbeiterbewegungen????" (weiter so), sondern abkehr von DERER(!!!) austeritätspolitik, hin zu wirklicher sozialpolitik auch um den preis von enteignungen, hin zu einer entspannungspolitik, die uns überleben lässt, hin zu einer wirtschaft, die bedarfsorientiert, ressourcenschonend und umweltgercht funzt.....

@herr storz
wie haben das gandhi, mandela oder m.l.king geschafft??
ziviler ungehorsam als ökonomische waffe, DAS verstehen die feinde!! sind sie zum verzicht auf konsum bereit??


Am 29. Oktober 2018 schrieb Marie Weber:

Eine überzeugende Dokumentation über die Möglichkeiten (!) der Vernetzung.


Am 29. Oktober 2018 schrieb altes Fachbuch:

nachfrage von einem, der nicht dabei sein kann:
herr gellermann, hatten sie wirklich das gefühl, dass ein dialog stattfand bzw. dieser gewollt war? die kürze des video's ließ nicht darauf schließen. eher grenzte sich scheinbar insbesondere der friedensbewegte von #aufstehen (gemeint war aber wohl die PdL) ab: lernt erstmal bewegung zu sein!?
letztendlich brachten SIE als moderator eine gemeinsamkeit ins spiel: die frage nach eigentum! glauben sie, dass sich diese frage in den einzelnen bewegungen stellt??
ja, ich habe den volksentscheid gegen die dt. wohnen zur kenntnis genommen. auch wer das rechtsgutachten als basis des aufrufs verfasst hat (PdL und holm waren nicht dabei?;)
das vielgelobte grundgesetz sieht allerdings enteignung nur bei ENTSCHÄDIGUNG vor!!

Antwort von U. Gellermann:

Es gab einen ernsthaften Dialog. - Schon wenn das Wort „Enteignung“ – seit Jahren geradezu verboten – in den öffentlichen Diskurs käme wäre das ein Fortschrittchen.


Am 27. Oktober 2018 schrieb Heinz Schneider:

@Albrecht Storz
Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist mehr wert als tausend Programme.
Es ist doch seit den Anfängen der Arbeiterbewegung keine Frage mehr, wie eine Bewegung gegen die Übermacht des Gegners ankommen: organisiert!!

Gegen die Machts des Kapitals stehen die Gewerkschaften und die linken Parteien. Nichts hat sich daran geändert.

Bevor deren Mitgliederzahlen nicht wieder steigen, wird sich nichts ändern. Durchgängig gibt es Mehrheiten gegen den neoliberalen Kapitalismus. Nur nicht organisiert.

Aufstehen ist ein Versuch, genauso das zu ändern. Also die Organisationen der Arbeiterbewegung wieder zu stärken.

Wie? In dieser Reihenfolge: Steht auf, bewegt euch, organisiert euch!


Am 27. Oktober 2018 schrieb Jan Dark:

Lieber Uli Gellermann,

gute und wichtige Initiative, die Ziele der Bewegung in Einzelschritte zu übersetzen. Denn die Fürsprecher und Unterzeichner der Initiative haben eines bewiesen: Es gibt ein großes Bedürfnis und die Bereitschaft, sich für Wichtiges selbstlos zu engagieren. All jenen Betätigungsfelder aufzuzeigen ist etwas, worauf zahllose #Aufsteher warten.

Ebenso ehrenwert die Absicht, originär linke Forderungen an die Sammlung zu stellen, bevor die Hoffnung all jener, die etwas bewegen wollten, enttäuscht wird.

Widersprechen möchte ich jedoch Deiner Formulierung des gemeinsamen Nenners.
So wünschenswert und wichtig es ist, die Systemfrage zu stellen, die letztich immer auch die Eigentumsfrage impliziert, denke ich doch, dass diese Zuspitzung verfrüht ist und gleichzeitig zu spät zu kommen droht:

Verfrüht, weil es aussichtslos wäre, unter den herrschenden Machtverhältnissen in Parlamenten, Parteien, Polizei, Justiz und Medien das System ganz offen und radikal, d.h. grundsätzlich, in Frage zu stellen und herauszufordern. Das Drehbuch, so einen "Aufstand der Anständigen" physisch und medial niederzuknüppeln, wurde beim G20 in Hamburg, dann in Chemnitz, aufgeführt.

Zu spät, weil die public private Propaganda ein so totalitäres Ausmaß erreicht hat und gleichzeitig die Zensurpläne auf nationaler und europäischer Ebene so konkret Gestalt angenommen haben, dass bereits absehbar ist, dass die Gegenöffentlichkeit demnächst mit technischen Mitteln abgeschaltet oder bespitzelt, kriminalisiert und verfolgt wird.

Deshalb sollte der gemeinsame Nenner der Bewegungen und Bewegten am Anfang die lautstarke, vielstimmige und penetrante Forderung nach transparenten Prozessen und nachvollziehbaren Entscheidungen sein, d.h. der Anspruch auf Rechenschaft der Verantwortlichen und schonungslose Kritik an Prozessen und Entscheidungen, die ihre wahre Zielsetzung verschleiern, Partikularinteressen bedienen, Tatsachen ausblenden oder verbiegen oder sich hinter Geheimhaltungserfordernissen verstecken.

Ich denke, auch diese Forderung verbindet alle Bewegungen, die sich dafür einsetzen, dass dieses Land und diese Welt gerechter und friedlicher werden und Einzelinteresse sich nicht gegen soziale Errungenschaften, öffentliche Einrichtungen, die Umwelt und Natur und natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen durchsetzen - letztlich auch die Leser und Macher der Rationalgalerie.

Erst wenn es gelingt, dieser Forderung an Politik, Medien, Gerichten und Verwaltung Gehör zu verschaffen und die Angriffe auf die freie Meinungsbildung und -Äußerung abzuwehren, eröffnet sich die reale Chance, die Grundlagen dieser Gesellschaft neu zu verhandeln. Anders ausgedrückt: Vor dem Sturm auf die Bastille steht die Aufklärung!


Am 26. Oktober 2018 schrieb Albrecht Storz:

Man sollte sich vielleicht auch einmal über die Nichtgleichheit der "Waffen" in diesem Kampf gegen die neoliberale Vorherrschaft und Deutungshoheit Gedanken machen.

Tatsache ist doch, dass wir in einem kapitalistisch organisierten System gegen eben dieses vorgehen wollen/müssen. Ein Widerspruch in sich, denn die verfügbaren "Waffen" oder "Werkzeuge" sind ja eben kapitalistisch organisiert (und großteils in den Händen der Kapitalisten).

AUFSTEHEN hat Umsetzungsprobleme. Woran liegt das wohl? Am Mangel an Geld und Personal, am Mangel an "kapitalistischen Ressourcen", vielleicht?

Die (zumindest für mich) entscheidende Frage ist doch: wie kann eine Bewegung gegen diese Übermacht des Gegners anstinken?

Diese Frage nicht zuallererst und klar und offen zu stellen bedeutet doch, sich in eine WünschDirWas-Diskussion einzulassen.

Ein hoffnungsvoller Ansatz ist sicherlich, gegen das Große Geld möglichst viele Menschen in Stellung zu bringen. Insofern Vielen Dank an Herr Gellermann für seinen Beitrag dazu.

Antwort von U. Gellermann:

Ressourcen kann man in der Aktion finden. Die nächste bekannte ist am Samstag, den 3. November 2018 um 14:00 Uhr am Berliner Wilhelmplatz: "Würde statt Waffen“.


Am 26. Oktober 2018 schrieb Ulrike Spurgat:

Sollte "Der vom Heimholtzplatz" richtig liegen, was "Das linksliberale Juste Milieu aus sPD, Grüne und auch Teile der Linken angeht," dann sind die Genannten noch um einiges dämlicher, als ich dachte.


Am 25. Oktober 2018 schrieb Ria Lengerich:

Ein super Video. Erstmalig wird mir klar worin der Sinn von AUFSTEHEN liegen könnte. Klar wird mir auch, dass die Sammlungsbewegung bisher nur ein Versprechen ist. Mal sehen was Gellermann demnächst dazu bringt.


Am 25. Oktober 2018 schrieb Der vom Helmholtzplatz:

"es gäbe einen wesentlichen inhaltlichen Punkt, der den verschiedenen Bewegungen gemein wäre: Der Kampf gegen das private Eigentum. Ob in der Wohnungswirtschaft oder der Rüstungsindustrie."
Wenn diese eine gennante Gemeinsamkeit die erste Forderung von AUFSTEHEN! BEWEGEN! werden soll dann kann man das ganze auch lassen. Warum? Das linksliberale Juste-Milieu aus SPD, Grüne und auch Teilen der Linke, die ja mit aufstehen auch umworben und gewonnen werden sollen, wittern an dieser Stelle dann Kommunismus und Sozialismus. Diese beiden Begriffe sind verbrannt und werden mit Unterdrückung, Bespitzelung Mangelwirtschaft etc. konotiert. Kampf gegen das private Eigentum kann ausserdem mit Enteignung verglichen/verwechselt werden, das freut diejenigen die mühsam ihre Raten für die neue Eigentumswohnung/Haus aufbringen müssen mit Sicherheit nicht (eine Wohnung kaufen vs. sich dem Mietenmarkt auszusetzen ist ein starkes Argument der Immobilienspekulanten). Vergesellschaftung bzw. Genossenschaftsmodelle wären hier die eigentlichen Schlagworte und Alternativen.
Wenn ich die Motivation der Initiatoren und Intension von aufstehen richtig verstanden habe ist der Rechtsruck der Bevölkerung (auch innerhalb Europas) einer der wesentlichen Punkte um eine Bewegung zu initiieren. Hier kommt das Thema Flüchtlinge in den politischen Diskurs und damit sollten eigentlich auch die Ursachen für derartige Völkerwanderungen benannt werden. Krieg und Frieden sollte, bei aller Dringlichkeit der sozialen Verwerfungen der vergangenen 20 Jahre entgegen treten zu mussen, in den Focus gestellt werden. Ihre Beiträge, Hr Gellermann, zum Thema tagesschau und den damit verbundenen Lügen, Halbwahrheiten, Desinformation etc. der ÖR Propagandaschleudern veranschaulichen doch die Problematik. Wohnungsnot z.B. rückt für die meisten Menschen erst in den Focus wenn sie selber davon betroffen sind oder, s.o., wenn Enteignung droht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist gegen völkerrechtswidrige Kriege, ein politisches Feld das durch Propaganda verdeckt wird, das brach nahezu liegt.


Am 25. Oktober 2018 schrieb Ullrike Spurgat:

Mit großem Interesse habe ich die Veranstaltung, ( mit den unterschiedlichen Ansätzen) deiner Gäste verfolgt und denke, dass der Versuch an sich bereits einen Wert an sich darstellt.
Meine politische Überzeugung finde ich dort nicht wieder, aber das ist wurst, weil es darum nicht geht.
Wenn der Linken-Mann Grünberg "überrascht" tut, dass es solch einen Zulauf gibt und man nicht darauf eingestellt war, dann ist das irgendwie naiv, aus meiner Sicht. Varoufakis, mit seiner Bewegung hatte ähnliche Probleme, wie andere Bewegungen auch und das ist denen, die einiges übernommen haben doch nicht entgangen.
Vieles kam mir einfach zu "dünn" rüber, zu substanzlos, zu wenig überzeugend, zu wenig Schwung.

Bisschen mehr Lust, mehr Streitkultur, mehr Bewegung, im wahrsten Sinne des Wortes is nich weg. Ein großer Fortschritt wäre, wie es der GALERIST denkt, dass sich Kräfte bündeln und man an Stellen gemeinsam "zuschlägt."
Als Außenstehende kann ich gut meckern.

Es ist gut und sinnvoll die verschiedenen Schwerpunkte, der Teilnehmer näher zu erörtern, mit einem Moderator, der die Veranstaltung souverän gestaltet hat, unter Einbeziehung eines interessierten Publikums.
Eine abschließende Meinung habe ich noch nicht, doch eines wird sehr deutlich: So, wie es jetzt ist, kann es in diesem Land, in unserem Land nicht weitergehn und die Bewegungen haben das Potential an den Grundfesten des Systems zu rütteln und den gemütlich, sich eingerichteten Herrschenden so richtig Feuer unterm Hintern zu machen, denn nichts macht den Herrschenden mehr Angst, als die, wenn ihnen die Kontrolle über die Köpfe und Herzen der Menschen verloren gehen könnte, dann wird eng.

In der GALERIE wird man sicherlich immer wieder über den Stand der Bewegungen sachlich und klug informiert werden.

Antwort von U. Gellermann:

Fraglos zeigt die Veranstaltung nur einen Teil der Diskussion um AUFSTEHEN, also auch nur ein Fragment der Kritik an diesem Denkansatz. Sicher ist eins: Viele Menschen wissen, dass gesellschaftliche Veränderung not tut. Sie arbeiten häufig an verschiedenen Abschnitten der Änderungsfront. Sie zusammenzuführen wäre nützlich. Ob und wie AUFSTEHEN das leistet werden wir sehen.


Am 25. Oktober 2018 schrieb Michael Kohle:

AUFSTEHEN! BEWEGEN! Eine "Dialog-Veranstaltung zur Sammlung der Kräfte" - mit Verlaub Herr Gellermann, was haben Sie sich nur dabei gedacht, dieses Video auf einer Behinderten-Plattform („For-Disabled-people.tv") ins Netz zu stellen? Oder sollten Sie sich gar etwas davon erhofft haben? Ist zwar zweitausend Jahre her, daß schon mal Einer auf einen böse darniederliegenden Behinderten eingeredet haben soll: Stehe auf und wandle. Und - oh Wunder - damals hat es sogar ganz gut funktioniert. Der so Angesprochene stand auf und wandelte dahin. Allerdings soll das der herrschenden Elite überhaupt nicht gefallen haben. Und wie verkündet ein gewisser Matthäus (12. 14) dann auch: „… und deshalb verfolgten die Juden Jesus und suchten ihn zu töten, weil er solches am Sabbat getan hatte.“ Das Ende vom frühen Heilpraktiker kennen wir ja. Aber immerhin hat er eine Staatsreligion hinterlassen und in dieses Jesus Namen wird seither und bis in diese Tage allerlei Schabernack getrieben.

Nein, gewiß nicht! Das kann der Galerist nicht so angedacht und auch nicht beabsichtigt haben. Stattdessen wollte er uns - seinen Jüngern und Jüngerinnen - etwas über Mengenlehre beibringen. Schnittstellen, Schnittmengen forderte er einundzwanzig Minuten lang ein. Von was? Von drei bereits real existierenden Bewegungen, der gegen Mietenwahnsinn, für den Frieden im Allgemeinen und der gegen Neoliberalismus in jeder Form. Nicht dass Gellermanns Anliegen nicht honorig wäre, seine Anstrengung(en) nicht lobenswert. Warum nur habe ich dann auch noch zweimaliger Ansicht der Aufzeichnung so ein - zugegebenermaßen - saudummes Gefühl. Fühlte ich mich doch sofort an fünfzig Jahre zurückliegende endlose nächtliche Diskussionen bis in die Puppen erinnert. Über Wolkenkuckucksheime, eierlegende Wollmilchsäue, neu erfundene, handgeschnitzte Räder. Und den passenden Minimal- bis Maximalforderungen. Ging schon damals nicht so gut aus. Hau weg den Scheiss - damals Restfaschismus, Springer Staatskapitalismus, heute globaler Neoliberalismus. Oh, Harri!

Vor hundert Jahren sollen ja solcherlei Zusammenkünfte mit ausufernden Labereien - zumindest in Zürcher Dachkammern - letztendlich zu erstaunlichen Ergebnissen und wenigstens mal zu einer richtigen, auch noch erfolgreichen Revolution geführt haben. Bloß, damals war die Gemengelage eine andere. Da gab es nämlich Sponsoren mit Klimpergeld, die die frustrierten Zürcher Diskuttanten auf dem Schienenwege zur Jagd trugen. Da gab es überall Arbeiter und auch noch richtige Bauern, die nichts (mehr) zu verlieren hatten. Aber heutzutage? Die Arbeiter, von denen gab es vor fünfzig Jahren schon nicht mehr allzu viele. Und die wenigen, die frühmorgens um fünf beim Schichtwechsel von Studenten mit Aufrufen zu allerlei Bewegungen aufgehalten wurden, reagierten schon damals äußerst unwirsch. Der Unterschied von heute zu damals? Heute gibt es auch keine Studenten mehr, die zu so etwas fähig, willig und in der Lage wären. Da wurde längst vorgesorgt, die Chancen für solcherlei Faxen getilgt. Und sollten sich dennoch irgendwo ein paar Hansel zusammen rotten, ist der Spuk schnell wieder vorbei. Da werden dann aus Großdeutschland sämliche SEK’s, Schützenpanzer, Räummaschinen zusammengekarrt, deren die Machthaber habhaft werden können. Hoch lebe die freiheitlich demokratische Grundordnung, der Rechtsstaat, die Wertegemeinschaft.
Gegen das „System“ anzustinken war schon immer schwer und mühsam, auch schon vor fünf Jahrzehnten. Heute ist es fast so gut wie unmöglich geworden. Für alles Aufmüpfige gibt es die probate Keule. Seit Jahrzehnten und von Tag zu Tag übler wird über alle Propagandakanäle das noble Verhalten der besitzenden und herrschenden Elite über den grünen Klee gelobt. Letzmals letzte Nacht, als bei Sandra M. es mal wieder geboten schien, Sahra Wagenknecht auf die gewohnte perfide Art und Weise nieder zu machen. Dégoutant allein schon das dümmliche Grinsen der Moderatorin, wenn der Kotzbrocken von der FAZ mal wieder zur Tat schritt, mit hämischem Grinsen aufgemotzt. Ansonsten ein einziges Hochamt des hochwohllöblichen Kapitalismus. Pausenlos erscholl es, das „Danke für all die guten Taten!“ Und der Restplebs, der zu dieser Uhrzeit noch vor der Glotze hängt, frisst es auch noch. Oder auch nicht und wählt am Sonntag in Hessen deswegen aus dankbarer Wut die Blauen.

Wenn man dann - so wie ich letzte Nacht - direkt nach der vorgenannten Runde sich das Video vom Dialog im Bücherkeller reinzieht und dann die wahrlich umwerfenden Gedanken, Ideen und Vorhaben zur Kenntnis nehmen darf bzw. muß, wie dem ganzen Elend begegnet werden sollte, bleibt man erschüttert zurück. Ganz bestimmt nicht, vor den Folgen solch eines Aufstehens braucht gar niemand zu erzittern. Ich kann sehr wohl Gellermann mit seinem Ansinnen verstehen, ich sagte es bereits. Aber könnte es sein, dass er mit dieser Aktion inkl. dem Video der „Sache“ einen Bärendienst erwiesen hat?

Antwort von U. Gellermann:

Die Plattform, betrieben vom Kameramann, Regisseur, Texter und im Vorstand von verschiedenen Gremien Peter Bringmann-Henselder, die sich mit Mißbrauch und Mißbrauchsopfern befassen, wurde der RATIONALGALERIE kostenfrei zur Verfügung gestellt.

In den zitierten Zürcher Dachkammern saß Lenin bei den Diskutanten. Ein solches Format findet sich bei AUFSTEHEN eher nicht. Auch wird in Deutschland zur Zeit eine tatkräftige Arbeiterklasse arg vermisst. Was sollen jene, die immer noch an der Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse arbeiten, nun machen? Jammern? Es wird mit dem Material und dem Personal gearbeitet das vorhanden ist.


Am 25. Oktober 2018 schrieb Johannes M. Becker:

Danke für die Aufzeichnung, lieber Uli!


Am 25. Oktober 2018 schrieb Marc Britz:

Danke, lieber Uli, für den unermüdlichen Einsatz!

Nach Betrachten des Veranstaltungsvidoes fielen mir 2 Dinge auf:

1. Kaum einer der Anwesenden war unter vierzig Jahren alt. Wie erreichen wir die Jugend?

2. Der Tenor der Veranstaltung mag sich mit dem Problem der Übermacht durch das Eigentums der Gegener zusammenfassen lassen. Das Problem der Bewegung aber - also wie man denn aus den Puschen kommt - ist die Frage, wie Information, Kommunikation und Koordination zur politisch wirksamen Aktion werden. Wie kann man systemunabhängig kollektives Wissen in kollektive Handlungen umsetzen?

Tut mir leid, wenn ich mich diesbezüglich dauernd wiederhole: Alle drei Probleme könnten sich durch eine eigene, einfach gestaltete mit Abstimmungsapp versehene Website lösen lassen. Das Hauptproblem von Aufstehen ist das Fehlen einer wahrhaft zeitgemässen Medienstrategie jenseits von kapital-getriebenen Tech-Giganten mit eingebautem Verfassungsschutz-Link. Das zweite Problem ist das Fehlen einer einzigen politischen „Wirtspartei" für die Durchsetzung der politischen Ziele im Parlament . Da es schon schwierig genug ist die Linkspartei selbst zu bewegen und es absolut utopisch ist bei SPD und Grünen die Parteimaschienerie umzugestalten, muss dringend ein parlamentarischer Arm her. Bei allem Druck den die Strasse aufzubauen vermag, die Gesetze dieses Landes werden trotz Medienübermacht, Tiefenstaat, US-und EU- Hegemonie, Kapital- und Industrie-Lobbyismus und persönlicher Korruption unserer Politiker im Parlament ratifiziert. Dort muss ein Wörtchen mitgeredet werden! Wenn wir das nicht schaffen, werden das bald ganz andere Kräfte übernehmen!

Antwort von U. Gellermann:

Auf die erste Frage weiß ich keine gute Antwort. Allerdings: KenFM, bei dem meine MACHT UM ACHT stattfindet, erreicht deutlich mehr junge Leute. Deren Format ist Bild, nicht Reden. Zu zwei: Mit einigen Machern von AUFSTEHEN bin ich im kritischen Dialog, Deine Überlegungen spielen dort eine Rolle. Schwer sind die Mühen der Ebenen wenn der Gipfel kaum zu sehen ist.


Am 25. Oktober 2018 schrieb Lisa Brettscheider:

Ich bedaure sehr, dass ich nicht in Berlin zur Dialogveranstaltung war. Das Video zeigt die Stimmung aber anschaulich. Danke.


Am 25. Oktober 2018 schrieb H. W. Menge:

Das war ja wohl eine lahme Veranstaltung. Gut, dass ich nicht da war.

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