Türkei kauft Zypern

Ein Telefonat zwischen Merkel und Erdogan

Autor: U. Gellermann
Datum: 20. März 2013

Durch die Pleite-Banken der griechisch geprägten Republik Zypern ist die EU in eine gefährliche wirtschaftliche Situation geraten. In dieser Lage hat der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan - der wegen der Türkischen Republik Nordzypern ein besonderes Interesse an der geteilten Insel hat - zum Telefon gegriffen und Angela Merkel angerufen. Wir veröffentliche einen Mitschnitt des Telefonates.

Merhaba (Hallo) Angela!

Tachchen Tayyip, alter Türke, warum rufst du an?

Du hast doch so Schwierigkeiten mit Zypern, da wollte ich mal behilflich sein.

Das wird doch wieder ein getürkter Vorschlag sein, wie ich dich kenne. Aber lass´ mal hören.

Na ja, ich kauf ihn dir ab, den griechischen Teil der Insel. Gehört doch sowieso zu Asien, die andere Hälfte wird zudem von Türken bewohnt, wir könnten morgen schon die Türkische Lira einführen und du musst nicht die kleinen Sparer ausrauben, tamam (okay)?

Mach dich nicht wichtig, oller Osmane, wo willst du denn das Geld hernehmen?

Hör mal zu şekerim (Süße), dein Almanya hat rund 80 Prozent Schulden vom Bruttoinlandsprodukt, ich hab nur die Hälfte. Von eurem Wirtschafts-Wachstum kannst du dir gerade mal `nen Döner kaufen, unseres liegt auf der Höhe von China, also was?

Na schön Tayyip, was würdest du denn springen lassen?

Also die EU will zehn Milliarden Euro zur Rettung der Banken versenken, knappe sechs wollt Ihr den Zyprioten abknöpfen, macht sechzehn Milliarden, das ist soviel wie das ganze Bruttoinlandsprodukt der Insel, also schön, ich zahle glatte zehn, da könntet ihr davon in Stuttgart euren Bahnhof bauen, und in Berlin noch `nen Flughafen dazu.

Wir sind doch hier nicht auf `nem Billig-Basar, Du alter Atatürk, außerdem muss ich noch die anderen EU-Länder fragen . . .

. . . das machst du doch sonst auch nicht!

Aber die Engländer haben in Akrotiri und Dekelia Militärstützpunkte, die gehören denen sogar völkerrechtlich!

Engländer, Engländer! England ist doch auch bloß `ne Insel. Und das Pfund wackelt gerade.

Also gut, für 15 Milliarden kannst du den ganzen Ramsch haben, sonst muss ich mit Putin über den Inselverkauf verhandeln.

Na, teşekkürler (danke schön) dann auch, Gazprom will doch nur die Gasfelder vor der Südküste der Insel übernehmen, da sitzt dann demnächst Gerhard Schröder als Staatspräsident in Zypern, willst du das wirklich?

Na schön, also sagen wir 13 Milliarden und ich lege noch meinen Wirtschaftsminister drauf. Na?

Allah, Allah (mein Gott)! Den Rösler kannst Du nun wirklich behalten, aber ich würde die Kristina Schröder, deine Familien-Ministerin nehmen, die hat in Frauenfragen ähnliche Ansichten wie ich.

Wenn du mir die abnimmst lege ich noch ein U-Boot drauf, alles klar?

Tamam (einverstanden).

Na, Tschüss denn.

Güle güle, Angela!


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 22. März 2013 schrieb Wolfgang Blaschka:

Kurz nach dem Erdogan-Telefonat muss noch ein anderes gekommen sein:

Merkel: "Annette ...?"
Putin: "Quatsch nicht, ich bin's, Wladimir."
Merkel: "Welcher Wladimir?"
Putin: "Wladimir eben. Tu nicht so. Du kennst mich doch: Putin calling."
Merkel: "Ach so, Du schon wieder! Du rufst mich während der Dienstzeit an. Worum geht's denn?"
Putin: "Zypern, mein Täubchen. Zypern!"
Merkel: "Kein Problem. Schon so gut wie gelöst."
Putin: "Ich könnte Euch helfen."
Merkel: "Danke-danke, wir haben alles im Griff. Habe schon mit den Türken alles ..."
Putin: "Mit den Türken?! Willst Du ihnen die ganze Insel überlassen?!"
Merkel: "Es geht nicht um die Insel. Es geht um die Banken."
Putin: "Was werden da die Griechen dazu sagen!"
Merkel: "Die haben nicht mehr viel zu sagen."
Putin: "Sei nicht so imperialistisch! Das schickt sich nicht für ein altes FDJ-Mädchen."
Merkel: "Hör auf damit. Du kannst mich mit nichts erpressen, Du alter KGB-Mann."
Putin: "Vergiss es. Wir haben tatsächlich ein Interesse an der Insel, nicht nur an Banken."
Merkel: "Das lässt sich denken. Du brauchst einen neuen Hafen, falls Syrien ..."
Putin: "Nicht nur."
Merkel: "Was denn noch?"
Putin: "Es gibt da Erdgas. Der Schröder meinte ..."
Merkel: "Red' nicht von dem! Du willst Europa unterminieren. Kriegst Du aber nicht."
Putin: "Ich will Dir helfen."
Merkel: "Zypern gehört zur EU, das ist ausschließlich unser Bier."
Putin: "Und da verhandelst du mit der Türkei? Ist die neuerdings in der EU?"
Merkel: "Nö. Aber Geld stinkt nicht. Es könnten auch die Chinesen sein."
Putin: "Siehste Angelinka, es ist doch alles noch offen."
Merkel: "Ich muss arbeiten. Europa retten. Wenn Du was überweisen willst, gerne."
Putin: "Du brauchst 16 Milliarden, kein Problem."
Merkel: "Eure Oligarchen sollen bluten."
Putin: "Und die Kleinsparer auch? Das gibt eine Revolution, sag ich Dir."
Merkel: "Das ist Sache der zypriotischen Autoritäten, hat der Schäuble klar gesagt."
Putin: "Das ist Enteignung durch den Kapitalismus!"
Merkel: "Mit sowas kennst Du Dich aus."
Putin: "Nun werd' nicht pampig. Ich rette Zypern, und Du rettest Europa."
Merkel: "Wir reden später. Ich wollte eigentlich mit der Schavan telefonieren."
Putin: "Na gut, überleg's Dir. Das Angebot steht."
Merkel: "Spassiba. Und tschüss"!
Putin: "Ich wusste doch, ..." (ein Knacken und Rauschen unterbricht die Leitung).

Weitere Anrufe konnten noch nicht abgehört werden.


Am 21. März 2013 schrieb Meret Andersen:

Habe mich schon lange nicht mehr so amüsiert. Die Satire entlarvt beide: Den Erdogan in seinem Osmanen-Gewand und die Physikerin in der Verkleidung der einfachen Hausfrau.


Am 20. März 2013 schrieb Heidi Schmid:

Danke für den Beitrag, das Ganze ist eine "Gülle" ... (für Stadtmenschen die Übersetzung: flüssige Fäkalien, früher vom Sammelbehälter unter dem Misthaufen eines bäuerlichen Betriebs aufgefangen)... wir reden ja schon lange davon, dass Umverteilung eigentlich anders geschrieben werden muss, nämlich so : Umfairteilung, also der Reichtum wächst ja ständig, auf dass die Pyramide der Armen unten immer breiter werde... es ist zum Haare ausraufen... solange wir die bestehenden Systeme beibehalten, wird das nichts werden mit einem gleichwertigen Leben für alle... wo soll das bloß hinführen?


Am 20. März 2013 schrieb Sonja Schmid:

Schöner Kommentar, danke.


Am 20. März 2013 schrieb Wolfgang Schade:

Was da in Zypern passiert, ist nur das Vorspiel auf ganz Europa. In dieser bedrohlich Situation hätte ich von Ihnen einen ernsthaften Text erwartet.

Antwort von U. Gellermann:

Wenn die Lage gaga ist, dann kann der Text nur Dada sein.


Am 20. März 2013 schrieb Kurt Bozkurtlar:

Das ist eine Beleidigung der türkischen Nation. Das wird Dir noch leid tun.


Am 20. März 2013 schrieb Yildirim Ahmet:

Wie Sie den großmäuligen Ton von Erdogan getroffen habe, das ist einfach großartig! Gibt es eine Fortsetzung?

Antwort von U. Gellermann:

Leider ja: Im wirklichen Leben.


Am 20. März 2013 schrieb Helmut Schnug:

Du bist einfach der Hammer.

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