Stasi, Stasi, ruft´s aus dem Wald

Ein Minister aus brauner Behörde

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. Oktober 2013

Pünktlich vor Schnittstellen LINKER Entwicklung hat sich die Stasi-Unterlagenbehörde immer mit Akten über dieses oder jenes Mitglied der LINKEN zu Wort gemeldet. In bekannter Gauck´scher Tradition - dessen Behörde hatte z. B. den Schriftsteller Stefan Heym 1994, kurz vor seiner Rede als Alterspräsident des Bundestages, mit Stasi-Dreck beworfen - kommt auch diesmal aus einem der Gauck-Behördenlöcher die Sensationsmeldung: Ruth Kampa, Angestellte der LINKEN-Bundestagsfraktion, soll für die DDR Auslandsspionage betrieben haben. Den Chor der Verurteilungen stimmt natürlich die WELT an: "Die Stasi-Frau an Gregor Gysis Seite", und der Rest der Medien weiß genau, dass jetzt die ohnehin höchst geringe Möglichkeit einer rot-rot-grünen Regierungs-Koalition, endgültig gescheitert ist. Die Anschuldigungen gegen den Widerstandskämpfer Heym stellten sich damals schnell als falsch heraus. Was an den Anschuldigungen gegen Frau Kampa dran ist, weiß man nicht genau. Was man genau weiß: Dem deutschen Medien-Mainstream ist die Farbe Braun allemal gut genug für hohe Ämter. Die Farbe Rot geht gar nicht.

Als der FDP-Mann Klaus Kinkel 1992 Außenminister wurde, gab es gegen ihn keinen sonderlichen öffentlichen Einwand. Obwohl der schwäbische Jurist von 1979 bis 1982 Chef der bundesrepublikanischen Auslands-Spionage, also Präsident des Bundesnachrichtendienstes gewesen war. Rund drei Jahre hätte Kinkel Zeit gehabt, sich die Wurzeln dieses Dienstes anzuschauen. Tat er aber nicht, warum auch immer. Er hätte allerdings die Chance wahrnehmen können, tief in den braunen Sumpf, in die Nazivergangenheit seines Amtes zu blicken und der westdeutschen Demokratie einen Blick auf ihre Herkunft zu geben um einer besseren Zukunft willen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) war eine reine Nazigründung. Im Dezember 1947, in der ehemaligen "Rudolf Hess Siedlung" in München-Pullach, formierte der gewesene Generalmajor der Wehrmacht und Sturmbannführer der SS, Reinhard Gehlen, eine besonders widerliche Nazi-Nachfolgeorganisation zum BND. Mit Vorliebe stellte er ehemalige Mitglieder der NSDAP, der SS und der Gestapo ein. Rund 28 Prozent de Mitarbeiter des neuen Dienstes, so schätzte die CIA damals ein, waren ehemalige NSDAP-Mitglieder. Das war nicht überraschend, verweist doch der CIA-Bericht darauf, dass im zweiten deutschen Bundestag 129 von 487 Bundestagsabgeordneten auch in der Nazi-Partei gewesen waren und so mit 26,5 Prozent NSDAP-Anteil das vom BND vorgegebene Ziel nur knapp verfehlte.

Die Internet-Enzyklopädie WIKIPEDIA weiß über den braunen Haufen zu berichten: "Für den BND bzw. seinen Vorläufer, die Organisation Gehlen, waren unter anderem der ehemalige Gestapo-Chef in Lyon Klaus Barbie, der ehemalige enge Eichmann-Mitarbeiter Alois Brunner, der ehemalige Leiter der Geheimen Feldpolizei Wilhelm Krichbaum, der ehemalige Leiter des "Judenreferats" des Auswärtigen Amtes Franz Rademacher, der Erfinder der mobilen Gaswagen Walther Rauff, der ehemalige Offizier im SS-Einsatzkommando 9 Konrad Fiebig, sowie der ehemalige Chef des Vorkommandos Moskau der Einsatzgruppe B Franz Alfred Six tätig." Wollte man den Auslandsgeheimdienst der DDR mit dem der Bundesrepublik vergleichen, landete man schnell bei der bekannten Äpfel-und-Birnen-Konfrontation. Macht man es doch, bleibt eins sicher: Judenmörder und Zivilisten-Schlächter hatten im DDR-Dienst keinen Platz.

Im Jahr 1968 wurde die "Mercker-Kommission", benannt nach dem Staatssekretär Reinhold Mercker, mit einer internen Untersuchung des BND beauftragt. Denn selbst als die verdienten Nazis im Dienst schon alle ihre üppigen Renten verzehrten, war dem Amt Korruption und Vetternwirtschaft nicht fremd. Zudem spionierte der BND gesetzeswidrig auch westdeutsche Politiker aus. Der Untersuchungs-Bericht ist bis heute unter Verschluss. Als dann die Zeiten sich wendeten und eine Enttarnung der braunen Vergangenheit denkbar wurde, vernichtete der Dienst 2007 etwa 250 Personalakten mit Bezug zur NS-Zeit. Doch zu dieser Zeit war Klaus Kinkel, der ehemalige Präsident der Behörde und ehemalige Außenminister längst Chef der Telekom-Stiftung und Mitglied des Kuratoriums der Bundesliga-Stiftung.

So wird der Fall Ruth Kampa den Deutschen, insbesondere den Ost-Deutschen erneut eine Lehre erteilen: Spionage Ost ist böse, Spionage West ist gut. - Wer allerdings die Koalitionen der Linkspartei mit der SPD in Berlin, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern beobachtet hat, der gerät ins Grübeln. Denn dort ist die LINKE regelmäßig unterhalb der SPD verschwunden. Vielleicht meint es die Gauck-Behörde doch gut mit uns und will dem Bundestag einfach seine letzte Opposition erhalten.

PS.
Am 15. 10. 2013 um 20.30 Uhr:

Vortrag und Diskussion mit dem Herausgeber der RATIONALGALERIE
Uli Gellermann: Medien. Macht. Krieg.

Im "Buchhändlerkeller" Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 09. Oktober 2013 schrieb Brigitte Mensah-Attoh :

Also - was mich betrifft, mir wärs - ganz im Ernst - viel, viel wohler, wäre an "Muttis" Stelle eine Sahra Wagenknecht + Gregor Gysi!


Am 09. Oktober 2013 schrieb Thomas Nippe:

So ist das in diesem Land. Drücken wir es mal so aus: links steht der Antichrist, rechts der Heilige Geist.


Am 09. Oktober 2013 schrieb Peter Lind:

Jetzt ist das lay-out wirklich gut gelungen, lesbar, anregend, sehr übersichtlich und gut strukturiert.


Am 08. Oktober 2013 schrieb Bengt Behrendsen:

Ihren Stasi-Artikel kann man doch nur als Werbung für die kaputte DDR verstehen, das ist doch total eklig.


Am 08. Oktober 2013 schrieb Heidi Schmid:

Wer sachlich beurteilt, sieht, dass West wie Ost bis heute überwacht wird, ich verstehe die Angst der Leute vor den Linken nicht. Die wirkliche Gefahr geht von BRAUN aus... schon vergessen, was Braun angerichtet hat? Und immer noch anrichtet, WELTWEIT ??? Niemand weiß, wie es in Deutschland aussähe (?) wäre Die Linke an der Regierung. Alle können sehen, wie es aussieht mit der letzten und jetzigen Regierung. Wer Angst vor LINKS hat, befürchtet doch nur, etwas von seinem Reichtum einzubüssen, befürchtet eine gerechte Umverteilung vorhandener Güter.
Jede Partei hat Fehler, das soll auch den Linken zugebilligt werden.


Am 08. Oktober 2013 schrieb Johannes M. Becker,:

....genial, Dein Stasi-Text.


Am 07. Oktober 2013 schrieb Dirk Müller:

BND und Verfassungsschutz, innerlich wie die Logen und Tempel strukturiert, mit guten Seelen an der Eingangspforte und nach Außen hin und auf den hohen Leveln durchsetzt mit Verrat. Ihr Außenbild, lächerlichste Begriffe, Schlagwörter für das Gegenteil was sie bewirken, wie viele Vertrauenssysteme die den konformen Schafen auf der Schlachtbank gedanklichen Frieden bringen sollen. Wie ein Krankenhaus,aber bunt und freundlich, mit erotischen Schwestern, wo aber jedem Organe geklaut werden, bei jeder Routineuntersuchung.
Bundes-Szenarien-Erfinder und Kapital-Hierarchieschutz wären Begriffe die den Punkt dieser kriminellen Organisationen treffen.
Und mit diesen High-Tech Feinden im Nacken wird die Humanität ihre Sollbruchstellen behalten, die als Hintertür gegen gesunde Umbrüche beibehalten werden, stets von jedem Schädling und jeder Ideologie noch ein Exemplar bewahrend, damit man biologische Feinde gegen jede höhere Logik ins Rennen setzen kann. Würde man den problembewußten ausgeglichenen Menschen zu Wort bitten, er würde den Völkern noch helfen können, aber das ist schon lange kein Thema mehr. Die Nationen werden abgewrackt, die Wachen denunziert, die Naiven gefördert so lange man sie im Griff hat und in diesen hohen braunen Kreisen existieren keine Ideologien oder Werte sondern nur Utopien und Shizophrenie, ein Psychiater könnte dort alle Formen der antisozialen Persönlichkeitsstörung diagnostizieren, doch ab einem gewissen Kapital gelten die Menschen als komplett geheilt, nämlich als reich denn krank werden ja immer nur arme Leute, besonders durch Ungerechtigkeit.
Die Menschen wurden nur in solche Ideologien gespalten, damit sie ihre kognitive Logik verlieren, so wie es heute über das Bildungssystem und die Klassengesellschaft erreicht wird, man kann quasi lernen und studieren, den Bruder als Feind zu sehen, wenn er dem kranken Denksystem widerspricht. Der Mensch ist zum geistigen Edelschrott verkommen, ist nicht Herr seines Glücks, er reitet nur die Pferde anderer Erfinder von Utopien. Alle EInfachheit und Logik ist nichts mehr wert, nur noch die mentale Verweichlichung für den Gewinn.
Die ausbeutbare Kollektivschuld wird stets mit solchen Roboter und Doppelagenten erzeugt und jeder Herkunft angelastet, die man entkräften will. Dort werden verdrehte Karikaturen der Menschheit gezeichnet und mit den typischen korrekten Propagandasystemen in Verkehr gebracht.
Bewährte Strukturen behält man aufrecht, ob es die braunen Totengräber des Deutschtums, oder die neue programmierte Pest ist, die Initiatoren der Kriege bedienen sich immer bei den besten konformsten Statusjunkies, weil man sie zu jeder Sauerei gebrauchen kann, ob mal mit völkischen Idealen geschmückt, oder als demokratischer Weltbürger getarnt, da geht es mehr darum was unter der Motorhaube jeder Idealogie passiert und dort ist sich der primitive Abschaum aller Fronten ähnlicher, als diese Leute in ihren programmierten Köpfen wahrhaben wollen, fern der Menschlichkeit und dort wo man den kleinen Mann als Komplize dafür gewinnen muß. Die Welt steht Kopf, die Bösen sind nicht erkennbar, oder als die pure Unschuld getarnt, manchmal ist das schlimmste Ereignis gerade richtig für die Herren (Gewinnlastig). Die Psychopathen ihrer Ausbeuterkonzepte hatten niemals einen Glauben, aber haben sich immer am Glauben anderer bedient, finanziert, gelenkt, gesteuert - So kann der Maulwurf in alle Nischen blicken und sich als neutral eichen, während er im Außen
hektorliterweise Blut fließen läßt, aber anonymisiert hinter seinen staatlichen Einrichtungen verharrt, die ihm Immunität gewähren.


Am 07. Oktober 2013 schrieb Hans Canjé:

Irgendwer bei der "Stasi-Verwalter-Behörde" muss geschlampt haben.Wie sonst ist es zu erklären, dass die "Top-Agentin" erst nach der Bundestagswahl ans Licht gezerrt wurde? In der Regel erfolgen Blattschüsse dieser Art doch immer vor den Wahlen. Die Gauck-Birthler-Jahn-Behörde ist auch nicht mehr das was sie war. Aber vielleicht kommt da wieder Ordnung rein, wenn die SPD mit bei Mutti am Tisch sitzt. Da die Stasi-Überprüfung der Ostdeutschen bis 2019 verlängert wurde, besteht Hoffnung, dass derartige Unterlassungen nicht wieder geschehen. Bei diesem oder jenem Links-Funktionär wird sich ja wohl ein der Denunziation würdiger Enkel auftreiben lassen. Jahn, übernehmen Sie!


Am 07. Oktober 2013 schrieb Jens Schnak:

Die LINKE wird von "Reformern" unterlaufen und ist antideutsch, also rechts durchseucht. Bald schon sind sie bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen, NATO Einsätze zu unterstützen, Steuern zu senken und Banken zu stopfen. Die grüne Blaupause greift auch hier bestens. Als Berliner vermag ich zu berichten, das während der Regierungszeit mit Beteiligung der LINKEN bereits neoliberale Politik gemacht wurde. Da hilft auch das linke Image nicht. Selbst die berufsschwule Sektflöte kann kraft ihrer Blendwirkung nicht über Tatsachen hinwegtäuschen. Und ohne das neoliberale Gekrähe korrupter Medien wäre in Berlin sicher niemand auf die Idee gekommen, das da "Linke" am Werke sind.
Diese Partei zu schädigen, das fällt schwer. Ich möchte es mal mit einem Boxkampf vergleichen: der neoliberale Champion gegen den linken Underdog! Das Publikum feuert den Aussenseiter an, aber dann wirds peinlich. Der Champion muss nur kurz zucken, und der Herausforderer haut sich sofort selbst auf die Fresse - immer und immer wieder. Bald schon wenden sich alle angewidert ab. Ein erbärmliches Schauspiel. Später in der Pressekonferenz stammelt ein zugeschwollenes Gesicht: "War super! Ich bin froh, überhaupt antreten zu dürfen. Und alle anderen Boxer sind doch noch viel erbärmlicher. Ich werde hart trainieren, um mir im nächsten Kampf noch fester auf die Fresse..."

Antwort von U. Gellermann:

Wenn ich nur an die Berliner LINKE und ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Berliner Wassertisch (eine echte breite Bürgerbewegung) denke, bin ich kurz geneigt Dir recht zu geben. Aber dann frage ich mich, was denn auf Bundesebene die Alternative wäre. Und finde nix. Also finde ich mich mit einer unvollkommenen Linkspartei in der Opposition ab, setzte darauf, dass sie vom Bundestag aus weiterhin gegen Rettungsschirme, Auslandseinsätze und die Hartz-Sklaverei auftritt und hoffe, dass sich die Linken in der Linkspartei dauerhaft durchsetzten.


Am 07. Oktober 2013 schrieb Gerd Kämmer:

Unter dem Deckmantel der Solidarität mit den LINKEN versuchen Sie die Partei zu beschädigen. Die Koalitionen mit der SPD in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg waren, bzw. sind durchaus erfolgreich.

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