Η Ευρώπη είναι σκατά

Europa ist Scheisse!

Autor: U. Gellermann
Datum: 17. Juni 2011

Mit satten Plopps schließen sich die Türen schwerer, schwarzer Limousinen. Männer in dunklen Maßanzügen steigen ein, steigen aus und schauen wichtig über die Ränder ihrer Brillen: Finanzminister, Wirtschaftsexperten, Bänker tagen und sitzen und sitzen und tagen. Sie lassen bedeutende Halbsätze in Mikrophone fallen: Ob Griechenland zu retten sei oder auch nicht. Wie bei all den vorausgegangen Finanzkrisen auch, wissen die Experten zwischen Nichts und Garnichts. Außer vielleicht, dass die Banken unbedingt gerettet werden müssen. Ungerührt und immer wieder spielen uns die Nachrichten das gespenstische Staatsdrama vor, ein Drama, in dem die großen Staatenlenker dem kleinen Volk eine Welt erklären, von der sie weniger verstehen als jene, die mit unendlich weniger Geld auskommen müssen als sie selbst.

Auf einem der vielen Schilder, die von protestierenden Griechen in die Höhe gehalten wurden, war zu lesen: Η Ευρώπη είναι σκατά - Europa ist Scheisse! - Seit Monaten folgte ein Sparprogramm dem anderen. Renten und Gehälter wurden gekürzt, die Mehrwertsteuer drastisch erhöht, die Arbeitslosenzahlen wanderten an die 20-Prozent-Marke. Rund 60 Prozent der Rentner muss mit 600 Euro im Monat auskommen. Das Preisniveau in Athen ist von dem in München nicht weit entfernt. Schon vor der Krise lag Griechenland am Ende der europäischen Sozialstandards. Doch die Herren in Schwarz wollen mehr: Diesen oder jenen Hafen, ein paar Inseln, hie und da eine staatliche Unternehmensbeteiligung. Und weil jeder weiß, dass es Notverkäufe sind, zahlen die Käufer auch nur das Nötigste.

In Ägypten waren es zumeist junge Leute, die auf die Straße gegangen sind, um das System Mubarak abzulösen. Sie sahen keine Arbeit, keine Zukunft für sich. In Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 30 Prozent. Auch auf den Athener Straßen sind es die jungen Leute, die ihre Verzweiflung demonstrieren. Doch während die Europäer - die Bürger sofort, die Politiker später - den Ägyptern Respekt zollten und den Kampf gegen die Mubarak-Diktatur mit ihrer Sympathie unterstützten, werden die Griechen eher als unwillkommene Sozialfälle gesehen. Doch es geht um mehr als um soziale und wirtschaftliche Fragen. Es geht auch um Demokratie.

Zwar haben die Griechen Jahr um Jahr ihr Parlament gewählt. Doch beherrscht werden sie von der Diktatur der Großbanken, von jenen Apparaten, die ihren Chefs im letzten Jahr erneut ein Drittel mehr an Gehalt genehmigt haben. Wer hat die Bank-Chefs gewählt? Wem sind sie rechenschaftspflichtig? Niemand und Niemandem. Aber sie regieren das Leben der Nationen. Im Falle Griechenland über die Europäische Zentralbank, über die Administration der EU, über eine undurchsichtige Bürokratie, die von keinem Parlament kontrolliert wird. Der griechische Protest mag ohne Perspektive sein. Aber er hat Recht: Η Ευρώπη είναι σκατά.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 19. Juni 2011 schrieb Heike Hurst:

Das Europa, das die uns beschert haben, ist Scheisse, die Idee an sich aber nicht.


Am 17. Juni 2011 schrieb Jorgos Petridis:

Wie nebenbei ist zu erfahren, dass die private "National Bank of Greece" Anleihen des griechischen Staates im Wert von 4,8 Milliarden Euro verlauft hat (Spiegel Online). Es ist an der Zeit den Banken das Handwerk zu legen!

Antwort von U. Gellermann:

Bitte sehr! Bitte gleich!


Am 17. Juni 2011 schrieb Omar Saavedra-Santis:

Seit langem ehrst Du mich mit den (Röntgen)Bildern Deiner Rationalgalerie. Jedesmal schaue ich mit grossem Vergnügen in sie hinein.

Antwort von U. Gellermann:

Geehrt werde ich. Danke.

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