Einmarsch in die USA?

Ein Gespräch mit Wolfgang Schäuble über Steueroasen

Autor: U. Gellermann
Datum: 05. April 2013

Alle Nachrichten sind voll von "Offshore-Leaks". Eine anonyme Quelle hat 250 Gigabytes über zehn Steueroasen einer Reihe internationaler Medien zur Verfügung gestellt: Auch Namen deutscher Steuerflüchtlinge sind im Datensatz enthalten. Es stellt sich die Frage, wie denn die deutschen Steuerbehörden auf die Billionen versteckter Euros reagieren sollten. Wir sprachen mit dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble:

Herr Schäuble, waren Sie schon mal in Rarotonga?

Was soll ich denn da, spreche ich etwa Pukapukanisch?

Immerhin wissen Sie, wie eine der Sprachen heißt, die auf der größten der Cook-Inseln gesprochen wird. Dort zum Beispiel gibt es jene anonymen Firmenkonstrukte bei denen Billionen verschwinden und so auch dem deutschen Fiskus entzogen werden . . .

. . . wie Sie selbst sagen: Die Firmen sind anonym, also privat, und die Privatsphäre sollte ja wohl geschützt sein.

Aber die Gelder der Briefkastenfirmen, wenn man an sie herankäme, könnten doch in der jetzigen Finanzkrise den Euro sofort sanieren.

Ja und? Sehen Sie mal, Staatsoberhaupt der Inseln ist die englische Königin Elisabeth. Sollen wir England den Krieg erklären, unsere Flotte dahin senden und die Briefkästen auf Raratonga durch Marinesoldaten abmontieren lassen, um an das Geld zu kommen?

Nun, Ihr Kollege, der Bundesverteidigungsminister, hat im letzten Jahr erklärt, dass er sich Bundeswehr-Einsätze überall auf der Welt vorstellen kann, Bundespräsident Gauck hat bei seinem Besuch der Bundeswehr-Akademie mehr Offenheit für Auslandseinsätze gefordert . . .

. . . Papperlapapp! Die meinten natürlich den Kampf für das deutsche Menschenrecht auf Rohstoffe. Ich habe schon beim Ankauf von Schweizer Steuer-CD´s von der `Perversion des Rechtsstaates´ gesprochen und damals gewarnt: `Zufällige CD-Käufe können immer nur eine Behelfskrücke sein´. Und jetzt erwarten Sie von mir, dass ich mit der Krücke auf die englische Königin losgehe? Auf keinen Fall!

Es gibt doch eindeutige Fälle: Die Deutsche Bank parkt Geld auf den Cayman-Inseln, VW hat seine Werksluftflotte dort registriert . . .

. . . Sie wollen mich schon wieder auf die englische Königin hetzen. Die ist auch Staatsoberhaupt der Caymans. Da werden Sie keinen Erfolg mit haben. Wenn die Bundesrepublik Deutschland Geld braucht, dann bohren wir nicht in dunklen Quellen, sondern bedienen uns ganz legal aus den Taschen unserer Bürger.

Aber die Deutsche Bank ist doch, wie der Name schon sagt, ein deutsches Unternehmen. Trotzdem wickelt sie ein Fünftel ihrer Aktivitäten im Steuerparadies des US-Bundesstaates Delaware ab.

Da würde nicht mal der Thomas de Maizière einmarschieren wollen, oder sollen wir uns mit der US-Armee anlegen?

Um auf die von Ihnen erwähnten "dunklen Quellen" zurück zu kommen: Wo kamen eigentlich jene 100.000 Mark her, die Ihnen der Waffen-Lobbyist Schreiber vor Jahren übergeben hatte und wo gingen sie hin?

Ich habe schon im Dezember 1999 vor dem Deutschen Bundestag, erklärt, dass ich `irgendwann im Spätsommer oder im Frühherbst 1994 bei einem Gesprächsabend in einem Hotel in Bonn (. . . ) einen Herrn kennengelernt (habe), der sich mir als ein Mann vorgestellt hat, der ein Unternehmen leitet. Ich habe später festgestellt, dass es dieser Herr Schreiber war. (. . . ) Auf der damaligen Veranstaltung bin ich Herrn Schreiber begegnet. Das war es.´

Herr Schäuble wir danken Ihnen für dieses erhellende Gespräch.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 22. April 2013 schrieb Peter Herrmann:

Herzlichen Glückwunsch zu einer perfekt geglückten Satire! Ich finde sie großartig und kann Ihnen nur absolut zustimmen. Sie entspricht leider der Wirklichkeit.


Am 09. April 2013 schrieb Paul Kämper:

"Deutschland kann nicht bestimmen, wie die Rechtsordnung anderer Länder aussieht." Sagt Kubicki.

Also raus aus allen Ländern in denen mit deutschen Soldaten/innen Recht und Freiheit verteidigt werden.

Ich wähl FDP!


Am 07. April 2013 schrieb Wolfgang Blaschka:

Ich vermute, dass Dein Schäuble nicht die ganze Wahrheit gesagt hat. Er hat beispielsweise nicht erwähnt, dass bereits Aufträge an namhafte Grafiker zur Gestaltung neuer 1000-Euro-Scheine herausgegangen sind, mit denen die Notenbank die Milliardenlöcher wesentlich höher-nennwertig und doppelt so schnell wie mit Fünfhundertern stopfen kann. Außerdem wurden die Baupläne von Dagobert Ducks Geldspeicher gestohlen; von wem wohl? Von BND-Agenten, die wegen der Nichtfertigstellung ihrer Büroräume in Berlin ohne festen Arbeitsplatz durch die Welt touren? Wahrscheinlich für die abhörsichere Einlagerung der heimtrudelnden Goldreserven. Aber das stärkste Indiz ist, dass die FDP diesmal (noch) nicht offen von Steuersenkungen spricht. Da läuft doch was im Hintergrund! Frag nicht, was. Irgendwas planen die! Auch, dass der Kanzlerin zu Hollandes Bredouille wegen seiner Ministerialen kein Wörtchen über die hängenden Lippen kommt, ist doch verdächtig, oder? Irgendwo muss da ein Leck sein, aus dem ständig frisches Geld sprudelt. Du wirst es durch investigativen Journalismus herausfinden, da bin ich zuversichtlich. Meine 58,53 Euro auf dem Girokonto habe ich vorerst nicht nach Dallaware transferiert, sondern auf der Stadtsparkasse gelassen, nachdem mich der Direktor persönlich bei Plätzchen und Latte Macchiato händeringend beschworen hatte, keine Kundenpanik auszulösen. Ich solle meine Verschwörungstheorie nur ja bei mir behalten, es sei da nämlich mehr dran als mir bewusst sei. Recherchiere also heimlich weiter, und häng's nicht an die große Glocke! Es gibt jedenfalls keinen Anlass, an der Bonität der Bundesrepublik zu zweifeln, wurde mir augenzwinkernd versichert. Die haben einen Trick gefunden, die Krise dauerhaft wegzuklicken. Irgendwas mit Exportüberschüssen. Aber nichts militärisches, auch wenn das so klingt.


Am 05. April 2013 schrieb Renate Wertheim:

Eine beissende Satire von der zu vermuten ist, dass sie von der Wirklichkeit schnell übertroffen werden wird.


Am 05. April 2013 schrieb Steffen Skalé:

Die (weltweiten) juristischen Entwertungen des kleinen Erregungswellchen Offshore-Leaks wird (garantiert) ergeben, dass alles so bleibt, wie es schon immer war.

Geldlichst,
Ihr(e) Rechtsstaat(en)

Darauf (ver)wette ich das süffige Sixpack "Lawless is flawless!", das aus 1 Schäuble, 2 Merkel und 3 Westerwelle besteht. Cheers!


Am 05. April 2013 schrieb Caroline Bischoff:

Die FTT (financial transaction tax) in höhe von 0,3 % würde schon reichen !

Dran bleiben...

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