Der Wahlkampfkrieg

Benjamin Netanyahu ist ein Terrorist

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. November 2012

Gershon Baskin war einer der israelischen Unterhändler, die den von der Hamas gefangenen Soldaten Gilad Schalit nach Hause geholt haben. Er ist Journalist und israelischer Friedensaktivist. Und vor allem: Er ist ein ehrlicher, zuverlässiger und unabhängiger Mensch. Gershon Baskin wollte vor ein paar Wochen, mit Wissen und im Kontakt mit der israelischen Regierung, ein Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas aushandeln. Ein Papier wurde ausgearbeitet und abgestimmt, es wurde dem Hamas-Militärchef im Gazastreifen, Ahmed Jaabari, vorgelegt. Wenige Stunden später wurde Jaabari von seinen israelischen Verhandlungspartnern ermordet. Er konnte nichts mehr unterschreiben. Gershon Baskin sagt dazu: "Der Mord an Jaabari war ein Präventivschlag gegen die Möglichkeit eines lange anhaltenden Waffenstillstandes. Netanyahu hat äußerst verantwortungslos gehandelt." (http://www.aixpaix.de/autoren/baskin/mord.html). Baskin geht, wie auch die israelische Zeitung "Haaretz", davon aus, dass Netanyahu diesen Mord als Initialzündung für mehr Terrorismus beauftragt hat. In der Hoffnung, dass mehr Terrorismus und mehr militärische Aktivitäten, mehr Wählerstimmen bringen werden.

Glaubt man den deutschen Mehrheitsmedien, dann erleben wir im Gazastreifen mal wieder den Hamas-Fall: Aus Gaza werden Raketen auf israelisches Gebiet geschossen. Getroffen werden unschuldige israelische Zivilisten. Daraufhin, erst daraufhin, wird behauptet, schlägt der bedrohte israelische Staat, an dessen Spitze der gute Friedensfürst Netanyahu steht, zurück und verteidigt so die von der Hamas bedrohte Existenz Israels. Deshalb heißt das Wort des Monats Gegenschlag. Ohnehin ist die Hamas, die Mehrheitspartei in Gaza, ein prima Feindbild: Sie ist so aggressiv wie die israelischen Siedler im Westjordanland, so extrem gläubig wie die amerikanischen Evangelikalen und so antisemitisch wie etwa ein Drittel der Deutschen (laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung). Auch deshalb lassen die deutschen Qualitätsmedien zur Erklärung des aktuellen Gaza-Krieges höchstens die "Spirale der Gewalt ohne Anfang" zu: Keiner weiss angeblich so genau, wer mit der Gewalt in und um Israel begonnen hat.

Aber der Gewaltfall ist eindeutig: Nach etwa 2000 Jahren Besiedlungs-Pause kehrten Juden in das gelobte Land zurück. Leider wohnten dort schon ziemlich lange Menschen, die keine Juden waren. Es gab schlichte Besitzverhältnisse. Die wurden von den zionistischen Siedlern, spätestens als sie sich im jungen Staat Israel formierten, mit Gewalt ignoriert. Eine ideologische Stütze für diesen Akt des Landraubs war der millionenfache Mord an den europäischen Juden. Aber für den waren die Deutschen verantwortlich. Nicht die Palästinenser. Die andere ideologische Stütze, in den letzten Jahren zunehmend aggressiver ausgelegt, ist die Bibel. Ein Text dessen Wahrheitsgehalt, gelinde gesagt, umstritten ist. Aus dem dort kaum erwähnten, ziemlich mystischen "Eretz Israel" wird die heutige Landnahme hergeleitet. Es wäre außerordentlich spannend zu beobachten, wenn die Nachfahren der aus Spanien um 1500 vertriebenen Araber, heute versuchen würden Granada, die Alhambra und umliegende Gebiete wieder in Besitz zu nehmen. Dass die Araber gemeinsam mit den spanischen Juden vertrieben wurden, könnte ihre Ansprüche im Westen stärken.

Natürlich muss das historische Faktum, die Existenz des Staates Israel, unumkehrbar sein und bleiben. Alles andere würde nur noch mehr Leid verursachen. Aber welches Israel ist gemeint? Das Israel in den Grenzen vor 1967? Da will sich der inzwischen als "jüdisch" apostrophierte Staat (obwohl in seinen alten Grenzen mehr als 20 Prozent Andersgläubige leben) nicht festlegen. Man will die Grenzen ausdehnen, um noch mehr Juden anzusiedeln. Historisch belegt haben immer mehr Mitglieder der jüdischen Religionsgemeinschaft außerhalb Israels gelebt als in seinen Grenzen: Mal in Babylonien (Irak), mal in Ägypten, heute in den USA. Dass die Landnahme des Staates Israel nicht beendet ist, erfahren heute die Palästinenser im Westjordanland mit brutaler Siedlergewalt äußerst schmerzlich. Und wer dem israelischen Außenminister Liebermann zuhört, der jüngst den Palästinenserpräsidenten Abbas zum "politischen Terroristen" erklärt hat, weil der am 29. November 2012 bei den Vereinten Nationen einen Beobachterstatus beantragen will, der weiß, wie Terroristen auch gemacht werden: Per Erklärung durch das offizielle Israel. Welches Israel muss in seiner Existenz garantiert werden? Das von vor dem Sechstagekrieg oder der immer aggressiver werdende, nach immer mehr Land gierende Staat, der für seine arabischen Nachbarn eine permanente Bedrohung darstellt? Der Staat Israel will diese Frage nicht beantworten: Es gibt kein israelisches Gesetz, das die Grenzen des Landes beschreibt.

Nächst dem wunderbaren Wort "Vergeltung" liebt der deutsche Medienmainstream den Begriff "menschliche Schutzschilde". Das stellt sich ein Mensch, der dem publizistischen Müll ungeschützt durch besseres Wissen ausgesetzt ist, ganz praktisch vor: Der Hamas-Terrorist sucht sich eine Gruppe von Gaza-Bewohnern, versteckt sich in der und schießt dann seine Rakete ab. Im Gaza-Streifen leben pro Quadratkilometer etwa 4.000 Menschen. Das entspricht ungefähr der Besiedlungsdichte von München. Da gibt es kein Menschenversteck, da lebt man. Als Milchhändler oder als Raketenschütze. Eins allerdings ist anders als in München: Die Oma in Ramallah (Augsburg) kann der Mensch aus Gaza ebenso wenig besuchen wie den Bruder in Hebron (Nürnberg). Denn rings um Gaza, an Land und erst recht an der Küste, entscheidet das israelische Militär wer rein und raus darf. Im Normalfall: Niemand. Das gilt auch für Essen und Trinken. Denn der Gazastreifen - viel Sand, kaum Landwirtschaft, wenig Industrie - ist von Importen (Hilfslieferungen) abhängig. Was reinkommt entscheidet das israelische Militär. Im Normalfall: Wenig. Die Lebensform im Gazastreifen nennt man überall auf der Welt Ghetto. Natürlich nicht in den deutschen Medien. Übrigens ist die Ghetto-Bildung eine beliebte Ursache für Terrorismus. Das war in den katholischen Vierteln Nordirlands ebenso zu beobachten wie man es heute in den armen, farbigen Wohnvierteln in den USA analysieren kann: Den dort vorherrschenden Individual-Terrorismus nennt man Kriminalität.

Eine vorläufige Waffenruhe zwischen der Hamas und der israelischen Regierung ist vereinbart. Das ist mehr als nichts. Aber nicht viel mehr. Wer die Existenz Israels sichern wollte, der müsste dringend die Regierung Netanyahu abwählen und den mordsgefährlichen israelischen Ministerpräsidenten (gemeinsam mit Liebermann und anderen) wegen Terrorismus vor Gericht stellen. Leider wird sich die Mehrheit der israelischen Bürger dazu nicht bereit finden. Also werden wir in den nächsten Jahren aus den deutschen Medien wieder Nachrichten vom palästinensischen Terror erfahren. Vom israelischen deutlich weniger.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. Dezember 2012 schrieb Wolfgang Blaschka:

Sehr geehrter Herr Markus Wendt,

Sie machen es sich einfach: Entweder man akzeptiert die israelische Besatzungspolitik, die Landnahme, die Enteignung der Palästinenser, deren Vertreibung, den Siedlungsbau, die martialischen Mauer- und Zaunanlagen, die extralegalen Tötungen, oder man ist in Ihren Augen ein Antisemit. Wie billig! Und dabei so unredlich: Denn auf die Ermunterungen falscher Freunde zu Staatsverbrechen können Israelis gut verzichten. Es braucht keine verlogene Nibelungentreue, schon gar keine teutonische. Das mögen viele Juden gar nicht. Ebensowenig wie Wagnermusik. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer Israels Kriegspolitik kritiklos hinnimmt, scheint nicht sonderlich besorgt um das Leben der Menschen in Israel, sonst würde er seiner Regierung nicht zum Amoklauf und zur internationalen Isolierung raten, also zur letztendlichen Selbstzerstörung. Er müsste konsequenterweise auch solche Leute von jeder Kritik verschonen, wie sie jüngst gegen Gaza zum Gemetzel trommelten: "Unter den Palästinensern gibt es keine Unschuldigen. Mäht sie nieder!", nämlich weil der, der so etwas sagte, ein Jude ist. Das wäre aber nun gewiss nicht Judenfreundlichkeit, sondern perversester Zynismus (und obendrein ein ziemlich absurder Bärendienst am Zionismus). Es handelt sich dabei nämlich um einen glasklaren Aufruf zum Völkermord, um ungeschminkte Volksverhetzung und übelste Faschistensprache. Dass der Typ nicht irgend ein durchgeknallter Privat-Jude im Schummer einer New Yorker Nachtbar ist, sondern Regierungsmitglied, sollte Ihnen zu denken geben. Wollen Sie wenigstens diesen einen Juden kritisieren? Schon sind Sie Antisemit nach Ihrer Logik! Sie können natürlich auch diesen Drecksack verteidigen und sich seine Verbalattacken zueigen ma¬chen. Aber dann kommen Sie mit dem Gewaltverherrlichungs-Paragraphen in Konflikt. Sie haben die Wahl zwischen Kritik an der Unmenschlichkeit oder der Parteinahme an der Strafwürdigkeit solcher Mord-Aufstachelung. Oder aber Sie wählen den "dritten" Weg, der in Deutschland seit Kriegsende am bevorzugtesten gegangen wird: Wegsehen. Nicht-Wissen-Wollen: Von den Verbrechen der eigenen Vorfahren nicht und nicht von denen, die daraus folgten, und genausowenig von den aktuellen, etwa der verfassungswidrigen Kriegsbeihilfe durch Lieferung atomwaffentauglicher U-Boote für einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, angekündigterweise gegen den Iran.

Ich weiß nicht, welchen Weg Sie wählen. Ich gehe den ehrlichen. Gerade, weil ich keinen Grund sehe, mich für die Verbrechen meines Vaters zu schämen. Ich könnte mich dafür auch gar nicht entschuldigen. Ich muss dafür geradestehen, das ja. Ich kann Verantwortung übernehmen, aber ich muss mir nicht die ausgelatschten Wehrmachtstiefel anziehen und sein schlechtes Gewissen beruhigen. Die Amerikaner haben ihn verurteilt. Ich habe daraus die Lehren gezogen: Nie wieder Faschismus. Und nie wieder Krieg. Seit ich politisch denken kann, spätestens ab dem 14. Lebensjahr, kämpfe ich gegen Faschismus, gegen Antisemitismus und Rassismus, also sagen Sie nicht, ich sei Antisemit, wenn ich Israel kritisiere. Ich habe mich aktiv (und immer im Konflikt mit den hiesigen Staatsorganen) gegen Nazi-Aufmärsche gestellt, sie blockiert, wo immer möglich, Gegenkundgebungen mitorganisiert, dafür im Polizeiknast gesessen und Geldbuße bezahlt, und Sie? Wieso wollen Sie uns davon abhalten, mit dem Finger auf die Strafverfolgungsbehörden und die offizielle Politik zu zeigen?! Mal wieder nicht wissen wollen, wie tief "unsere" staatlichen Behörden im braunen Sumpf verstrickt sind? Nicht sehen wollen, wie Justiz und Exekutive die Braunen quasi unter Denkmalschutz stellen, wie?!

Sie verweisen zurecht auf den großen Prozentsatz der Deutschen, die ein mehr oder weniger geschlossenes rechtsradikales Weltbild pflegen. Was meinen Sie, wie schnell die umdenken (oder im stillen Kämmerlein schweigen) würden, wenn es nur ein Quentchen "staatlich verordneten" Antifaschismus geben würde bei uns? Dabei sind die Hardcore-Faschisten inzwischen einen Zacken weiter in der Geschichte: Sie treten heute auf Türken, Araber, Moslems, und manche sympathisieren mehr oder weniger offen mit den strammen Pro-Zionisten und Palästinenserfeinden, etwa auf Internetplattformen wie "pi" (politically incorrect) oder anderen "Querfront"-Foren, nicht selten nur mühsam zu unterscheiden von den "Antideutschen". Vielleicht informieren Sie sich mal, bevor Sie denken, Israel-Bewunderung könne nicht kongruent gehen mit Faschismus- und Apartheid-Sympathien. Da stehen die wirklichen Menschheitsfeinde. Werden Sie gegen diese aktiv, und verschonen Sie uns mit der selbstgerechten Vorhaltung des Antisemitismus, wenn wir israelischen Kolonialismus bekämpfen.

Wir tun das, zumal als Deutsche, immer auch in dem Bewusstsein, dass die Bewältigung des eigenen Traumas (der Shoah) nicht durch die Weitergabe an andere gelingen kann. Manch deutscher "Philosemit" denkt vielleicht insgeheim: "Machen wir sie doch zu dem, was wir einst waren. Rüsten wir sie auf. Lass sie sich selber schmutzig machen. Dann können sie uns nichts mehr vorwerfen". Schon mal in die Richtung gedacht? Die Adenauer-"Wiedergutmachung" war genau das: Nicht individuelle Entschädigung für die Holocaust-Opfer oder deren Angehörige und Nachfahren (das hätte ja die Beschäftigung mit jüdischen Schicksalen zur Folge gehabt), sondern Pauschalzahlungen für die israelische Aufrüstung. Aus dem Krieg nichts gelernt! Oder genau das Falsche. Und diese verlogene "Staatsraison" tradiert sich bis heute fort, auch wenn sie in den Krieg führt. Ich will hoffen, dass Sie sich daran nicht (gedanklich) mitschuldig machen, um nachher sagen zu müssen: "Ja, wenn wir das damals schon alles gewusst hätten". Denn zweimal dieselbe Ausrede gilt nicht. Wir sollten generell auf Ausreden, Zurechtbiegungen und Loyalitätslügen verzichten. Daraus wird nur unehrliche Politik. Zwar sehr bequem, aber brutal gesundheitsschädlich für alle Beteiligten, und mies für die Luft, die sie atmen.


Am 28. November 2012 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Nicht nur als ein "Nestbeschmutzer" in den Augen derer, die uns ständig mit "Antisemitismus" kommen, gilt dann sicherlich auch jener israelische Nukleartechniker namens Mordechai Vanunu (der publik machte - und dafür zur Strafe wg. "Geheimnisverrat" zu Jahren Knast verurteilt wurde): wie sehr Israel vielfache ATOMMACHT ist!

Damit hat er offenbar - BINGO - ins Schwarze getroffen und sich den Titel "Antisemit" wahrlich verdient !! - So wie Günther Grass und wir andern alle dann eben auch "Antisemiten" sind, die Nethanyahu und die unterdrückerische, menschenfeindliche Israelpolitik kritisieren! Wie tröstlich, daß es aber auch Israelis gibt, die das genauso sehen . . . .


Am 27. November 2012 schrieb Rüdiger Becker:

Lieber Herr Wendt,

mein Vater brauchte in keiner Armee dienen. Sein Vater starb Anfang der 30er. Ich habe, ganz ohne verordneten Antifaschismus, so manches KZ besucht, nachgedacht und und viel gelesen, "SS im Einsatz" etwa, oder die themenbezogenen Bücher von Heym, Hermlin, und Jurek Becker. Wer heute gegen "die Juden" angeht, hat mich zum Gegner. Und gerade deshalb sage ich Ihnen: Leute wie Sie wollen mit rhetorischer Akrobatik und unter demagogischem Missbrauch des Antisemitismus-Begriffs - sh. heute Augstein jr. auf Spiegel online - doch nur eins erreichen: Das alles so bleibt wie es ist. Dass die rigide Besatzungspolitik in Gaza immer neuen, natürlich kontrollierbaren, Klein-Terrorismus als Rechtfertigung für immer neue Landnahme und die Verschiebung einer fairen Friedenslösung auf den Sankt-Nimmerleinstag hervorruft. Wendet man es eine Weile hin und her, wägt die wirklichen viralen Interessen der Israelis in ihrem gegebenen Umfeld ab, wird klar: Der eigentliche Antisemit sind Sie.


Am 26. November 2012 schrieb Markus Wendt:

Man sieht es an den meisten Leser-Reaktionen, dass die von Uli Gellermann zitierte Studie, dass ein Drittel der Deutschen antisemitisch eingestellt ist, leider zutrifft. Wenn es um Israel geht, wird der emotionale Turbo eingeschaltet mit den üblichen Begründungen la „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Man mag von Henryk M. Broder halten, was man will, aber sein Einlassungen, dass viele Deutsche sich so benehmen wie Bewährungshelfer, die verhindern wollen, dass ihre eigenen „Opfer nicht rückfällig werden“ und versuchen, unter dem Deckmäntelchen des „Nie wieder“ die eigene Geschichte vor der Tür der Opfer zu entsorgen, trifft es auf den Punkt. Es ist auch ein inzwischen abgegriffener Klassiker des Salon-Antisemitismus, Gaza zum Ghetto zu erklären und damit die Assoziation Warschau zu wecken. Was soll denn damit anderes bezweckt werden, als eine Gleichung aufzumachen, dass es entweder unter den Nazis in Warschau nicht ganz so schlimm war oder der Aufstand im Warschauer Ghetto aus heutiger Sicht mit Terrorismus zu bezeichnen ist? Ich finde es ziemlich peinlich, dass wir hier in Deutschland als Gesellschaft (jetzt nicht wieder gleich mit dem Finger auf Strafverfolgungsbehörden und Politik zeigen) nicht dazu in der Lage sind, den immer offener und frecher agierenden Rechtsextremisten Einhalt zu gebieten – und gleichzeitig meinen, den Israelis Ratschläge erteilen zu können.

@ Uli Gellermann: Wenn Sie einen guten Arzt kennen, der Paranoia behandelt, sollten Sie den vielleicht gleich auch den Kommentatoren nennen, die hier offenbar mit der Geschichte ihrer eigenen Vorfahren massive Probleme haben und das als „Kritik“ am israelischen Regime verbrämen.

Mit vielen Grüßen und toi, toi, toi für dieses ambitionierte Projekt,

Markus Wendt

Antwort von U. Gellermann:

Wie landesüblich halten Sie Kritik an der israelischen Regierung für antisemitisch. Leider argumentieren Sie kaum, sonst kämen Sie nicht an der Erkenntnis vorbei, dass der Kern meiner Kritik sich auf Informationen und Haltungen von Israelis stützt. Die dann, folgt man Ihren Vorwürfen, natürlich auch antisemitisch sind. Herr,wirf Hirn vom Himmel.

Einmal versuchen Sie sich ein wenig in Argumentation, wenn Sie auf meinen Begriff vom Ghetto eingehen. Ihnen fällt dazu nur jenes in Warschau ein, um damit Fantasiekonstrukte von Nazi-Entschuldung ins Feld zu führen. Dass der Begriff Ghetto auch für andere Gegenden, andere Hauptfarben und Religionen genutzt wurde und wird, ist ihnen entgangen.

Was nun ihr Junktim zwischen dem Kampf gegen Rechtsextremismus und der Kritik an Israel anbetrifft liegen Sie doppelt schief: Zum einen habe ich schon wegen körperlicher Auseinandersetzung mit Rechtsextremen vor Gericht gestanden, zum anderen kritisiere ich zuweilen auch islamische Regierungen, also eine Glaubensrichtung, die in den letzten Jahren besonders unter den Rechtsextremen zu leiden hatte. Würde man Ihnen folgen, hätte ich das zu unterlassen bis in Deutschland der Rechtsextremismus verschwunden ist.

Philosemitismus ist nur die Kehrseite des Antisemitismus: Auch er macht blind und blöd.


Am 25. November 2012 schrieb Lea Budzinsky:

Was sie mit dem Artikel "Wahlkampfkrieg" fabrizieren ist übelster Antisemitismus. Israel kämpft um seine Existenz und sie fallen dem Land - rot angestrichen, im Inneren aber braun - schreibend in den Rücken. Sie sollten sich schämen!

Antwort von U. Gellermann:

Ganz sicher ist der Israeli Gershon Baskin, der den von Netanyahu beauftragten Mord aufdeckt, auch Antisemit. So wird es mit den Redakteuren der israelischen Zeitung “Haaretz”, die im Kern das gleiche schreiben wie ich, auch sein: Alles Antisemiten.

Paranoia ist medikamentös steuerbar. Soll ich Ihnen einen guten Arzt empfehlen?


Am 23. November 2012 schrieb Georg Bach:

Ich halte es für eine Unverschämtheit, dass man im heutigen Deutschland wohl schon als Antisemit beschimpft werden kann - und das nicht nur von Herrn Broder und anderen Schreiberlingen, sondern auch vom Zentralrat der Juden dieses Landes - wenn man sich darüber lustig macht, wie Netanjahu seine Haare über die beginnende Glatze kämmt.

Dass es Israel gibt, verdankt sich einem UNO-Beschluß, der Grenzen festgelegt hat, die das Land sofort ignoriert hat. Wer gab ihm das Recht, nach einem aufgezwungenen Krieg erobertes Land einfach in sein Staatsgebiet einzugliedern? Die UNO nicht. Sie tat es auch nicht nach dem sogenannten Sechs-Tage-Krieg, es gibt unzählige Resolutionen, die die "Landnahme" über die Siedlungspolitik und den "Mauerbau" verurteilen. Richtet sich Israel danach? Hat die jüdische Einwanderung nach Palästina je Rücksicht darauf genommen, daß da schon andere Menschen lebten, und zwar seit etwa besagten zweitausend Jahren? Herzl tat schlicht so, als ob das Land herrenlos sei. Seine Nachläufer gehen bis heute davon aus, daß es genauso sei. Da folgen sie einerseits der Bibel, wo der HErr den Kindern Israels ja auch das Land versprach, das die Kanaaniter seit langem bebauten, und andererseits ihren Aushältern von Übersee. Die schlossen sogar einen Vertrag nach dem anderen mit den Ureinwohnern, gehalten wurde wohl nur einer. Und so kann einem eigentlich nur schlecht werden, wenn sich die USA wieder mal als moralischer Lehrmeister der Welt aufspielen. Nicht, daß sie nur Verträge gebrochen hätten, sie waten zudem auch noch knöcheltief im Blut ihrer vormaligen Vertragspartner. So wird ihnen wohl auch die einzige Lösung des Nahostkonflikts nicht in die Nähe des Überlegenswürdigen geraten: Geldhahn zu für Netanjahu! So schnell könnte wahrscheinlich niemand "Kuckuck" rufen, wie ein seit Jahrzehnten glimmender Kriegsherd in sich zusammenfallen würde.

Du hast das Argument mit den zweitausend Jahren schon ad absurdum geführt, mir war immer ein anderer Vergleich eingefallen: Nach jener Logik könnte in Kiew jederzeit eine mongolische Delegation auftauchen, die der ukrainischen Regierung erklärte: "Liebe Leute, es ist ja ganz nett, daß Ihr Euch um das Land hier gekümmert habt, aber jetzt schleicht Euch - im 13. Jahrhundert war das unsers." Und wenn ich an die wechselnden Besiedlungen Ostelbiens denke, wird erst recht deutlich, wie schwachsinnig eine solche Argumentation ist und wie verheerend in ihren Folgen, wenn man ihr heute folgte.

Noch ein Wort zum Beitrag Deiner Leserin Helga Franken: Hat sie vielleicht mal daran gedacht, wie die Leute in Gaza leben? Und das seit Jahrzehnten? Nicht bedroht von Raketen, deren Streuung eher der eines Kinderkatapults entspricht - gleichwohl tödlich - ,sondern von einer technologisch hochgerüsteten Luftwaffe, die es schafft, mit unvergleichlich höherer Sprengkraft ein ganz bestimmtes Auto zu treffen?
Es hätte übrigens sein können, daß ich als "nichtjüdischer" Säugling in Stutthof gelandet wäre (ich hoffe, Frau Franken weiß, was das heißt), und ich sage ihr: Ich habe das Recht, mich über eine Regierung zu beschweren, die seit Jahren den Frieden bedroht! Alle, die wir auf der Erde leben, haben es. Die israelische Regierung hingegen hat längst das Recht verwirkt, im Namen "der Juden" zu sprechen und gar zu handeln. Und wenn Frau Franken mir mit obenerwähnter Keule kommt, dann können wir gern einmal miteinander reden und auseinandernehmen, was eigentlich "Antisemitismus" heißt und was darunterfällt.


Am 22. November 2012 schrieb Bert Kummer:

Lese eben - epd zitiert "Reporter ohne Grenzen" - Israels Luftwaffe habe völkerrechtswidrig zwei Journalisten des Hamas nahestehenden Al-Aksa-TV im Gazastreifen in einem speziell gekennzeichneten Fahrzeug gezielt attackiert und getötet. Begründung: Man sehe Mitarbeiter dieses Senders nicht als "legitime Journalisten" an. Und das Echo der Branche (oder gar der Politik) in Deutschland? Keins. Wie schäbig.


Am 22. November 2012 schrieb Wolfgang Blaschka:

Bei Betrachtung der Trefferquoten wird das ganze Elend deutlich: 130 : 5. Staatsterrorismus ist und bleibt das unvergleichlich große Verbrechen.


Am 22. November 2012 schrieb Rüdiger Becker:

Ich fürchte, Ihr Beitrag hat das Zeug zum Dauerbrenner. Denn leider wird sich an der sorgfältig analysierten Situation - fehlt nur der Hinweis, dass die Zahl der Toten, gewiss: jeder ist einer zuviel, auf Seiten der "ewig aggressiven Araber" seit vielen Jahren und gewiss auch künftig stets um das 10- bis 30fache über der der prinzipiell nur defensiv agierenden Israelis liegt - kaum etwas ändern. Einschließlich der manipulativen Berichterstattung der deutschen Leitmedien. Und der gesetzwidrigen Waffenlieferungen. Dafür bezahlen wir jetzt die medizinische Behandlung verwundeter Frauen und Kinder im Gazastreifen. Das nenne ich pervers.


Am 22. November 2012 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

DAS trifft ja genau den Punkt! (Und wenn OBAMA Netanjahu noch so sehr "lobt" - wie heute gemeldet wird)....

Daß wir "als Juden-Mörder" uns gefälligst aus israel. Angelegenheiten raushalten sollen, so wie es Helga F. zurechtweisend verlangt, ist der Klassiker unter den ausgeleierten Totschlag-Argumenten, aber das zieht nicht mehr!

So lange größenwahnsinnige Hardliner wie Netanjahu in ISRAEL wg. ihrer unmenschlichen Unterdrückungspolitik nirgendwohin als vor ein Kriegsverbrecher-Tribunal gehören... wird es unweigerlich ins Desaster führen, wenn wir uns nicht endlich einmischen - statt demütig immer weiter U-Boote und anders Kriegsgerät zu finanzieren... und uns "klare Worte" verkneifen.

("Sie sind aber a l l e aus ein- und demselben Teig" sagt ein arab. Sprichwort) .... Ohne Ausnahme alle - nicht einmal der damalige "Friedensnobelpreisträger"
Izhak Rabin - war menschlicher, denn auch er - jaaaa, er auch hat eigenhändig an Folterungen teilgenommen (diese unschönen Details sollen wir ja aber am besten gar nicht erfahren).

Genausowenig, daß Israel weltweit FÜNFT größte Atommacht ist! Das kleine Israel und der Große Bruder im Hintergrund - es wird nicht müde, mit Fingern auf den IRAN zu zeigen, am liebsten schon heute statt morgen würde man gleich auch in Richtung Iran seine militärische Potenz beweisen! Israel wird niemals, niemals aufhören, das Blut anderer Menschen zu vergießen, und seine wodurch auch immer in Schach gehaltenen Claqueure dazu bringen, paralysiert dazu schweigen und demütig ZAHLEN !

Wäre Israel wirklich am Frieden gelegen, müßte es ja einfach nur den widerrechtlichen Siedlungsbau im Westjordanland stoppen und E N D L I C H die zu PALÄSTINA gehörenden Gebiete zurückgeben - und schon wäre der Weg frei für FRIEDEN . . .

Aber schon 2008/09 hat der Terror-Staat viele viele Menschenleben im GAZA-Streifen - dem größten Gefängnis der Welt - ausgelöscht und die Opfer werden gleichzeitig zu Tätern erklärt, auch durch Merkel, Westerwelle und Co!

Wirklich HELDENhaft von Israel, eingesperrte Menschen mit Phosphor und anderen zerstörenden Bomben zu attackieren, um den Palästinenser-Lebensraum immer weiter zu reduzieren! !
Die simple Absicht dahinter: Gewaltsame endgültige Vertreibung der unliebsamen arabischen Nachbarn! Es erinnert schon auch fast ein wenig an das "Warschauer Ghetto!" - mörderischen Attacken auf eingesperrte Menschen . . . -

Israel unterscheidet sich nicht mehr von den Nazis, weil es nämlich präzise dieselbe Mentalität wie Hitler selig - der mit Eifer seine Gegner auszurotten suchte.... an den Tag legt. Der "Goliath" ISRAEL mag sich auf seine - von uns Steuerzahlern finanzierte - Übermacht an Hightech-WAFFEN verlassen - und meinen, damit den Rest der Welt auf Dauer in Schach halten zu können....
Doch irgendwann wird es so sicher nicht mehr zu handeln sei ... dann spätestens werden wir uns der Worte GÜNTHER GRASS zu erinnern haben, der ja ebenfalls von Israel als "antisemitisch" beschimpft wurde...

Insofern hoffe ich - daß ISRAEL bald
zur Vernunft kommt und neue Weichen stellt - zu Gunsten PALÄSTINAS - auch wenn das Leuten wie dieser Dame H. Franken gar nicht schmecken wird. Glücklicherweise gibt es aber a u c h israelische Menschen, die wissen, wie "Frieden" geht!, und d i e würden uns auch nicht den Mund verbieten!


Am 22. November 2012 schrieb Hella Bergmann:

Noam Chomsky geht weiter als Sie. Er nennt den Gaza-Streifen ein "Open Air-Gefängnis"

http://weltnetz.tv/video/430

Wo bleiben die deutschen Intellektuellen, wo bleibt der Protest? Jeder hat Angst davor, als Antisemit abgemeiert zu werden. Die RATIONALGALERIE offensichtlich nicht. Danke.


Am 22. November 2012 schrieb R.A.Witvoet Assen, Nederland:

Anregung!
Gutes Informiertsein und informieren is was Sie geschrieben haben.
Eine grosse Kompliezierung ist, das auch im Judentum(von Israel aus gesehen) im Ausland, Europa und die V.S. es Menschen gibt die anti-Zionistisch sind und stark miet der Jüdischen Tradition verbunden, ehemals Hannah Arendt, heute lebend und schreibend Judith Butler, und Seyla Benhabib, Jüdische Philosophinnen,die wie Sie tun das Nachdenken und von daraus das Kritisieren nicht unterlassen. Bei uns in den Niederländen gibt es ein "Ander Joods Geluid", eine andere jüdische Stimme.
Von Martin Buber gibt es eine Sammlung Tekste: A Land of Two Peoples, Martin Buber on Jews and Arabs, ausgegeben und kommentiert und mit einem neuen Vorwort by Paul Mendes-Flohr, er ist ein Philosoph.
Als Anregung schreibe ich diese Reaktion und damit sage ich auch: Vielen Dank!


Am 22. November 2012 schrieb Helga Franken:

Sie leben ja im ruhigen Deutschland. Wenn Sie jeden Tag mit Raketen rechnen müssten, würden Sie die Dinge auch anders sehen. Ausserdem sollten Sie als Nachfahre der deutschen Juden- Mörder sich gefälligst aus den israelischen Angelegenheiten raushalten!

Antwort von U. Gellermann:

Ich folge nur meiner Regierung: Sie liefert von meinem Geld U-Boote nach Israel, hält sich also auch nicht raus.


Am 22. November 2012 schrieb Lutz Meininger:

Aber, aber, das war doch kein Mord an Ahmed Jaabari, es war eine "gezielte Tötung", so steht es jedenfalls in den Zeitungen. Und gezielte Tötungen sind allemal besser als ungezielte. Oder?

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