Der Schulz-Effekt und der Quandt-Effekt

Wahlen sind dem Stockholm-Syndrom unangenehm ähnlich

Autor: U. Gellermann
Datum: 27. März 2017

Die Wahlen an der Saar sollten die Probe auf den Schulz-Effekt sein. Was das Auftauchen von Martin Schulz aus den dunklen Tiefen der Eurokratie bewirkt hat, ist eine höhere Wahlbeteiligung als bei den letzten Landtagswahlen. Ähnlich wie bei sportlich Ereignissen ist es auch bei Wahlen so, dass der neue Stürmer-Star den Besuch im Stadion anregt. Aber ansonsten hat Schulz für die SPD im Saarland einen Erfolg in den Umfragen bewegt. Träumereien von einer rot-roten Koalition, die vom Saarland aus die Bundeseben erreichen könnte sind vorläufig begraben. Nicht Umfragen bewegen die Politik. Nur politische Bewegungen ändern politische Verhältnisse. Wahlen sind nicht wesentlich mehr als der Test für den politische Reifegrad der wählenden Bevölkerung. Aber eben auch nicht weniger.

Wie Schiffe auf hoher See begegneten sich jüngst zwei Nachrichten auf dem Medien-Meer: Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten werden in Kürze mit mehr als einer Milliarde Euro Dividende aus ihrem BMW-Besitz überschüttet. Und: In brave Kameras erzählt die Arbeitsministerin Nahles von einer „verfestigten Ungleichheit bei den Vermögen“. Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besäßen mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens. Ein Tuten hallte über das Wasser. Dann fuhr das eine Schiff in diese, das andere in jene Richtung. Als hätten sie nichts miteinander zu tun.

Die Quandts sind eine weit verzweigte Sippe. Zurückzuführen lassen sich die Zweige auf Günther Quandt. Der wurde gut reich durch die „Arisierung“ jüdischer Unternehmen, als Produzent von Rüstungs- und Industriegütern in der Nazi-Zeit und durch die brutale Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Zwar wurde er auf Anordnung der US-Militärregierung verhaftet und blieb zwei Jahre interniert. Aber der Kriegsverbrecher Quandt entkam der blinden alliierten Justiz. Er wurde 1948 zum „Mitläufer“ erklärt. Alles Geld der Quandts ist verzinstes Blutgeld.

Einem der Quandt-Erben, Sven Quandt, fielen dazu diese Sätze aus dem Mund: „Wir haben ein Riesenproblem in Deutschland: Dass wir nie vergessen können. In der Familie … und wir haben über die Themen oft genug gesprochen … Wir finden es aber schade, denn es hilft Deutschland unheimlich wenig weiter. Je mehr wir […] da drüber nachdenken und daran erinnert werden alle, genauso wird man im Ausland daran erinnert. Und wir müssten endlich mal versuchen, das zu vergessen“. UNHEIMLICH ist das Wort: Leider hat niemand den Quandt zu einem Todesmarsch zum KZ Bergen-Belsen befohlen, wie es jenen VARTA-Zwangsarbeitern geschah, die den Erben Sven und Sonja Quandt das VARTA-Erbe erst ermöglichten. Unheimlich auch, dass die bewährte Firma erst die U-Boote der Nazi-Marine und später die U-Boote der Bundesmarine mit Batterien ausrüstete.

"Sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu groß und wird erworbener Reichtum als überwiegend leistungslos empfunden, so kann dies die Akzeptanz der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verringern", heißt es im jüngsten Armutsbericht der Bundesregierung. Der Satz sollte den Konjunktiv nutzen: Die gesellschaftliche Unordnung, die das unrechte Gut oben schwimmen und die jene ohne Güter ersaufen lässt, „könnte“ die Akzeptanz der Unordnung verringern. – Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besäßen mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens, sagt Arbeitsministerin Nahles. Was sie nicht sagt: Dass fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche im Hartz IV-Ghetto leben. Dass sie, wenn sie unter 17 Jahre alt sind, ganze 306 Euro monatlich zugewiesen bekommen. Dass die Menschenwürde ihrer Mütter mit 409 Euro monatlich beziffert wird. Und dass im Jahre 2015 rund 12,9 Millionen Menschen in Deutschland unter der Einkommens-Armutsgrenze lebten, das fügt der PARITÄTISCHE Gesamtverband hinzu.

Manchmal muss man dem Bayerischen Rundfunk dankbar sein. In Vorbereitung der Saarland-Wahlen verwies er den Schulz-Effekt ins Reich der religiösen Legende: „Ähnlich wie wir unsere Zeitrechnung einteilen in vor und nach Christi Geburt, kann man Umfragewerte zurzeit einteilen in vor und nach Martin Schulz. Bevor der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments im Januar designierter SPD-Chef und Kanzlerkandidat wurde, standen die Sozialdemokraten im Saarland bei 26 Prozent. Die jüngste Umfrage von Infratest dimap sieht sie bei 34 Prozent.“ Der Effekt, so sagen Martin Schulz und Frau Nahles übereinstimmend, läge nicht im Kippen, sondern im Nachjustieren der Agenda 2010. Es geht dabei also auf keinen Fall um mehr Arbeitsplätze sondern um mehr Almosen. Der „Effekt“, sagt Wikipedia, sei mit „Wirkung“ zu übersetzen. Was er bisher bewirkt – darin einem Vollrausch durchaus ähnlich – ist eine Aufhellung der Stimmung für die SPD.

Der Schulz-Effekt ist nur durch ziemlich verzweifelte Hoffnungen auf irgendeine soziale Besserung zu erklären. Denn ob Nahles oder Schulz, beide waren in unterschiedlichen Ämtern und Funktionen brave Parteisoldaten der Sozialdemokratie. Jener Partei, von der die Agenda 2010 nicht nur erfunden, sondern in unterschiedlichen Koalitionen auch exekutiert wurde. Der Schulz-Effekt ist also nur eine Unterart des Stockholm-Syndroms. Jenes psychologischen Phänomens, bei dem die Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Das kann dazu führen, dass die Opfer mit den Tätern sympathisieren und mit ihnen kooperieren. Fraglos wurden und werden erheblich Teile der sozialdemokratischen Wähler in Geiselhaft genommen. Und weil der maximale Kontrollverlust bei einer Geiselnahme nur schwer zu verkraften ist, redet sich das Opfer ein, es sei zum Teil auch sein Wille, und identifiziert sich mit den Motiven der Entführer: Bis heute wird ja behauptet und offenkundig geglaubt, die Agenda 2010 – von der SPD erfunden, von der CDU mit Begeisterung umgesetzt – sei gut für „Deutschland“.

--------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Macht um acht.


15 Minuten Tagesschau


Aus dem Alltag eines Regierungs-Senders

Uli Gellermann

Ein Veranstaltung des Berliner Buchhändlerkellers


Am 28-03-2017 - um 20:30 Uhr


Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 03. April 2017 schrieb marie becker:

Ergänzung zu meinem Beitrag, gefunden auf der Website der Urenco

"As a key employer in the area, URENCO employs 280 people and provides the community with long-term, stable employment in a technical environment, as well as providing opportunities for young people to pursue engineering and scientific careers.

A variety of local sport teams, schools and initiatives in the local community are supported in both a practical and financial manner. URENCO Deutschland has been awarded several prizes, in recent years, including the ?Top Job? award for which URENCO Deutschland was nominated by other companies, institutions and clubs, and the BestPersAward 2011 for outstanding Human Resources activity. In 2015, URENCO Deutschland was awarded as ?Excellent Employer? by TÜVRheinland. Also in 2015, URENCO Deutschland received a certificate underlining the increased and continuous efforts in the field relating to a Work-Life Balance (Audit berufundfamilie) by the State Secretary in Berlin."

nur Quands lebten und leben von Blutgeld???auch unser Staat , unsre Gemeinden bereichern sich am Sterben von Menschen, nein, nicht direkt, aber eben indirekt, genauso wie wir in Syrien mit dem Westen indirekt bombardieren durch die Lieferung der Ziele mit "unsern"Tornados in Incirlik.....


Am 03. April 2017 schrieb marie becker:

"...eine Partei, die Deutschland aus der NATO herausbräche und die Bundeswehr zu einer Friedensarmee umbauen wollte,..."

vielleicht erwächst ja eine solche, Uli, aus den Ostermärschen...
meine Hoffnung ist zwar sehr gering, aber die Teilnahme an solchen Veranstaltungen kann immerhin der Aufklärung dienen, sie zeigt die hohe Brisanz dessen, worum es geht z.B. auch bei nuklearer Wiederaufbereitung und Herstellung von angereichertem Uran in einem Betrieb wie der URENCO in Gronau/Westfalen, die so "unscheinbar und unschuldig" daherkommt und zeitweilig ihre Fässer mit dem Material , was der Aufarbeitung harrt unter freiem Himmel auf einem Lagerplatz deponiert hat ( wen soll das schon interessieren - vor allem interessiert es die Städte des nördlichen Münsterlandes nicht, wie sind sie wohl schuldenfrei geworden???)


Am 01. April 2017 schrieb F.X. Neun:

Was ist der Unterschied zwischen #sPD und #LINKE?

Die "Sozialdemokraten" haben den Klassenkampf längst durch einen von interessierter Seite lancierten Geschlechterkrieg ersetzt. Divide et impera. Man schafft einen Popanz 1) und bekämpft denselben anschließend. Kennen wir dieses Muster nicht irgendwoher? Aus der Literatur? Na klar: der "Ritter von der traurigen Gestalt". Besser bekannt unter dem Namen Don Quichulz. Die genannte Art von "Lohngerechtigkeit" ist eine veritable Windmühle. Und zweifellos wird Don Q. Schulz bis zur Wahl noch weitere Prachtexemplare finden, gegen die er auf seiner Rosinante (#Schulzzug) zu Felde ziehen kann.

Zumindest Teile der Linken sind noch nicht auf diesen neoliberalen, diesen neo-linken 2) Zug aufgesprungen. Sahra Wagenknecht sprach erst diese Woche zu diesem Thema Klartext: "Das Problem ist nicht, dass Männer mehr verdienen als Frauen, sondern dass alle gleich schlecht verdienen." 3)

In einer Zeit, in der die Massen langsam unruhig werden, ist der Ritter von der traurigen 4) Gestalt der perfekte Kandidat der Neoliberalen. Einer von uns...

1) https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html
2) https://deutsch.rt.com/meinung/38442-rt-deutsch-spezial-logik-neuen/
3) https://www.youtube.com/watch?v=4P0V8FMpbyc
4) https://www.taz.de/!5374798/


Am 30. März 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

@Flach Flash (bewusste Wortwahl)
Das sich mit dem, was sie schreiben so ausführlich auseinandergesetzt wird, spricht sowohl für den Galeristen, als auch die Kommentatoren.
Sie haben aus meiner Sicht überhaupt nichts zu bieten, womit ich bereit wäre mich auseinanderzusetzen, weil sie ab und zu hier auflaufen, aus Langeweile oder was auch immer, und denselben Kappes verzapfen, wie immer.Sparen sie sich eine Antwort: Bei mir sind sie abgehakt.


Am 30. März 2017 schrieb Marc Britz:

@Altes Fachbuch

Sehr geehrtes Altes Fachbuch,

Das ist der springende Punkt im Engels-Zitat:

"In dem Maß aber, worin sie ihrer Selbstemanzipation entgegenreift, in dem Maß konstituiert sie sich als eigne Partei, wählt ihre eignen Vertreter, nicht die der Kapitalisten."

Sich als eigene Partei zu konstituieren und eigene Vertreter, nicht die der Kapitalisten zu wählen war zu Engels Zeiten vielleicht nicht möglich - heute prinzipiell aber schon. Dass trotzdem nichts passiert, ist das eigentlich tragische Moment.

Dennoch würde ich die Schuld nie bei den vom "Spektakel" (nach Guy Debord) so erfolgreich eingelullten Massen suchen, sondern immer bei denen, die es - wenn nötig mit Waffengewalt - veranstalten. Jene Massen, die man eigentlich auf seiner Seite haben will zu verhöhnen, zu diffamieren, als willentlich schwach oder gar als ebenso gierig wie die Täter abzustempeln, halte ich für wenig hilfreich.

Es gilt die fundamentale Tiefenindoktrination der Machthabenden zu brechen, dann gibt es auch andere Wahlergebnisse, und vielleicht auch den ein oder anderen erfolgreichen Generalstreik (auch ich halte diesen für ein ausserordentlich wirksames Mittel).
Das erfordert leider Geduld und Ausdauer.
Und es bedarf - trotz allem - der Hoffnung auf Änderung.


Am 30. März 2017 schrieb Michael Weiß:

Für mich war und ist fast unheimlich anzusehen, in welchem Gleichschritt die Massenmedien die Inszenierung "spannendes Wahljahr 2017" gestalten und weiterentwickeln. Ausgehend von dem lähmenden Gefühl der völligen Irrelevanz der Stimmabgabe über die gelungene Polarisierung mittels AfD/Pegida bis hin zum herbeifantasierten Kopf an Kopf Rennen zwischen dem falschen Hasen Schulz und dem Igel Merkel ist die ganze Show so lächerlich durchschaubar und wird trotzdem ernstgenommen. Es sieht genauso aus, wenn Kinder Kaufmannsladen spielen und voller Ernsthaftigkeit nicht vorhandenes gegen Nachgeahmtes eintauschen.


Am 29. März 2017 schrieb altes Fachbuch:

also:
herr gellermann, egal wer gewählt wird, wünsche ich ihnen ein langes leben!
damit wir auch morgen wieder "streiten" können:)

zur quellendiskussion und dem thema:
ich kann ja mit brecht und engels gut, wobei das engelszitat nun ja eine menge fleisch für die diskussion mitbringt!
einmal ordnet es den stellenwert von wahlen korrekt ein ("Mehr (als die erfassung des reifegrades) kann und wird es nie sein...". und zweitens klassifiziert das damalige zitat schon den heutigen zustand der wählerschaft qualitativ ("..politisch der Schwanz der Kapitalistenklasse, (vielleicht) ihr äußerster linker Flügel (zu) sein"!!

bei wiki wird ein reifegradmodell erklärt: die deutschen sind in diesem sinne FÄHIG (arbeitsreife), aber nicht WILLIG (motivation, psychol. reife), ihre situation zu verändern.
und dann helfen auch keine appelle an eine vernunft! auch die schramm's und pispers' werden das nach jeder veranstaltung wahrnehmen, dass ihr publikum am sonntag das wählen, worüber sie den tag zuvor sich noch amüsiert haben:( die klatschen den leuten wahrheiten um die ohren, pointiert mit genialem wortwitz, und die schenkelklopfer wählen tags darauf das eigene elend! da muss man im saarland nicht mehr auftreten:)
eine merkel darf sich auf einer PK am montag darüber belustigen, dass es eine partei gibt, die den nato-austritt erwägt, und das wahlvolk lacht mit!!
übrigens ist das keine wählerschelte: bescheinigt ein lehrer seinem schüler eine ungenügende leistung, dann meint er ja auch nicht, der schüler sei blöd!!
das engels-zitat zeigt aber auch den wichtigsten grund für die selbstverleugnung auf: es geht dem deutschen zu gut!

@u.gellermann
also die gesetzl. möglichkeit zum politischen generalstreik würde mich schon interessieren?? als lernfrage!

Antwort von U. Gellermann:

Es gibt aus dem Jahr 1952 (im Ergebnis eines Streiks für mehr Rechte im Betriebsverfassungsgesetz) einen Spruch des Freiburger Landesarbeitsgerichtes, der als generelles Verbot politischer Streiks interpretiert wird. Aber, sagte das Gericht damals zugleich: "Sollte durch vorübergehende Arbeitsniederlegung für die Freilassung von Kriegsgefangenen oder gegen hohe Besatzungskosten oder gegen hohe Preise demonstriert werden, dann könnte dieser politische Streik wohl kaum als verfassungswidrig angesehen werden.“ Also juristisch: Strittig. Viel wesentlicher wäre das Faktische: Würden alle Mitglieder von ver.di zum Beispiel alle Flughäfen, Krankenhäuser, Schulen und Behörden bestreiken, um Auslandeinsätze zu verhindern, kann ich mir keine Polizisten vorstellen, die jene Kollegen zur Arbeit zwingen könnten.


Am 29. März 2017 schrieb Flash Flash:

Noch eine Erwiderung auf Andreas Schöbel und Marc Britz:

Wie wenig Marc Britz von der Welt verstanden hat, ergibt sich daraus, daß sich seiner Ansicht nach aus einer "Handmühle" zwangsläufig eine "Gesellschaft mit Feudalherren" und aus einer "Dampfmühle" eine mit "industriellen Kapitalisten" ergeben würde.
(Und aus Feuerzeugen ergibt sich wahrscheinlich eine Gesellschaft mit Feuerwehren. Humor aus.)

Das ist weitgehend derselbe Schwachsinn, den schon die früheren "Realsozialisten" von sich gegeben haben und daraus eine ganze Geschichtsphilosophie entwickelt haben.

Dann fragt sich nur noch, warum der "Realsozialimus" gescheitert ist angesichts von soviel "Einblicke in die verborgenen Geheimnisse der gesellschaftlichen Entwicklung".

Die Frage von Andreas Schobel wiederum ist einfach zu beantworten.
Die Welt ist heute deshalb in einen derart trostlosen Zustand, da die allermeisten Menschen die Marktwirtschaft bzw. den Kapitalismus wollen und keine Alternative sehen.
(Nicht zuletzt auch wegen der Fehler der damaligen "Realsozialisten" und deren Scheitern.)

Während Herr Gellermann die Freude, daß die Leute eine Partei wählen, die seinen Wünschen entspricht, sicher nicht mehr erleben wird.
Wählen lassen sich bekanntlich nur die ausführenden Personen in unterschiedlichen Varianten, während das Entscheidende, d.h. der Kapitalismus, gar nicht zur Wahl steht.
(Eine solche Partei würde- auch wenn diese nur die geringsten Aussichten auf Erfolg hätte - gar nicht zur Wahl zugelassen werden.)
So funktioniert die "bürgerliche Demokratie".

Antwort von U. Gellermann:

Ob man auf Gehässigkeit studieren kann? Dann sollte man Ihnen unbedingt ein Diplom in dieser Sparte verleihen.


Am 29. März 2017 schrieb Peter Andreas Schöbel:

Zur Quellenlage des Satzes zu den Wahlen (ich hab‘ ein bisschen in den 40 Bändern gestöbert). Engels hat zwar nicht diesen Satz, aber einen ähnlichen niedergeschrieben. Wobei der ganze Sinninhalt erst durch den Kontext deutlich wird.

Hier der Satz (MEW 21, 168 – Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates):
„Und endlich herrscht die besitzende Klasse direkt mittelst des allgemeinen Stimmrechts. Solange die unterdrückte Klasse, also in unserm Fall das Proletariat, noch nicht reif ist zu seiner Selbstbefreiung, solange wird sie, der Mehrzahl nach, die bestehende Gesellschaftsordnung als die einzig mögliche erkennen und politisch der Schwanz der Kapitalistenklasse, ihr äußerster linker Flügel sein. In dem Maß aber, worin sie ihrer Selbstemanzipation entgegenreift, in dem Maß konstituiert sie sich als eigne Partei, wählt ihre eignen Vertreter, nicht die der Kapitalisten. Das allgemeine Stimmrecht ist so der Gradmesser der Reife der Arbeiterklasse. Mehr kann und wird es nie sein im heutigen Staat; aber das genügt auch.“

Antwort von U. Gellermann:

Ich halte es mit Brecht, der darauf bestanden haben soll nur bei den Besten zu klauen.


Am 29. März 2017 schrieb altes Fachbuch:

wahlen und zahlen

wer das als trost oder das als fingerzeig für die bewertung der medien braucht, soll zur kenntnis nehmen, dass auf grund der deutlich höheren wahlbeteiligung in absoluten zahlen R2 ca. 6850 stimmen dazu gewonnen haben, also nicht verloren!! die spd hat gegen 2012 ca. 14.250 stimmen gewonnen, die PdL aber ca. 7.410 verloren.
korrekt natürlich ist, dass die CDU reichlich gewonnen hat, und R2 prozentual und in abgeordnetenanzahl eingebüßt hat! bekriegen sich die großen, kannibalisieren sie die flügel, was mit einem schleichenden rechtsruck verbunden ist: morgen sind die AFD-positionen die mitte!
ABER:
CDU und R2 stehen pari pari. wenn die SPD sich also künftige optionen offen halten will, kann sie die CDU zur minderheitsregierung oder koalition mit der AFD zwingen!!
kommt es zur groko, wünschte ich mir die gleiche schelte, wie sie wieder über die "postenschacherpartei" nieder geht!

@herr schneider
mitnichten hat die CDU bei der jugend eingebüßt!
bei den bis 25jährigen hat sie wie die SPD 30%, und danach geht es mit jedem alterssprung bergauf.
https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2017-03-26-LT-DE-SL/umfrage-alter.shtml
also auf 2030 hoffen ist nicht; nach der ausbildungs- und studienzeit entscheidet sich der saarländer für den konservativen, besitzstandwahrenden weg, wie ihn generationen vorgelebt haben!!
satte hunde beißen eben nicht, und dann
@ herr britz
ist es durchaus genehmigt, "mehr oder weniger allen Teilen der Gesellschaft die gleiche perverse Raffgier vom Schlage Quandt zu unterstellen..."
prozentual wird das wieder stimmen, auch wenn die quandts nominal natürlich alles schlagen:)
was die "bürger" dieser "gesellschaft" gemein macht, ist das bestreben, jeder für sich mit dem hinterteil an die wand zu kommen:)


Am 29. März 2017 schrieb Peter Andreas Schöbel:

Kleine Korrektur zu meinem vorherigen Kommentar: Quandts &Co. verdienen natürlich nicht in jeder Minute des Jahres mehr als ein Normalbürger im ganzen Jahr, sondern "nur" in jeder Viertelstunde. Das ist schon ein beträchtlicher Unterschied. Man sieht gleich, was für arme Leute das sind.

@Uli Gellermann
Da liegt wohl ein dickes Missverständnis vor. Ich habe nicht behauptet, der Satz, dass Wahlen Tests des politischen Reifegrades der Wählerschaft seien, sei total falsch. Ich habe nur behauptet, er sei breit auslegbar - auch in Richtung der gern betriebenen Wählerschelte. Natürlich sagt das Wählerverhalten auch etwas über den politischen Reifegrad der Wählerschaft. Aber eben nicht nur: Er sagt auch etwas über den politischen Reifegrad der Parteien. Und das ganze muss man auch noch im Kontext der Situation sehen.

Nur ist eben die gängige Behauptung von Parteien nach Wahlniederlagen, dass der Wähler zu dump / unreif wäre. Dass das Blödsinn ist, sind wir uns sicher einig. Aber zu diesem Blödsinn kann man so einen kurzen Satz immer gut missbrauchen. Das ist der Pferdefuß kurzer Sätze.

Ich gebe zu, es ist schwer hieb- und stichfest zu argumentieren und trotzdem ausdruckstark zu sein. Mir ist klar, dass Sie da immer sehr Beachtliches leisten müssen (und auch leisten). Darum habe ich auch lange überlegt, ob ich dass überhaupt schreiben soll. Aber die oft betriebene allgemeine Wählerschelte geht mir halt total gegen den Strich. Am liebsten würde ich da rufen: "Dann sucht euch doch ein anderes Volk, dass euch mehr mag!".

@Marc Britz
Ich erlaube mir einfach ein Zitat, nicht weil das etwas beweisen würde, sondern, weil der Autor die dinge viel prägnanter dargestellt hat, als ich das könnte:
"Mit der Erwerbung neuer Produktivkräfte verändern die Menschen ihre Produktionsweise, und mit der Veränderung der Produktionsweise, der Art, ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, verändern sie alle ihre gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten."

Ich möchte dass aber nicht weiter ausdiskutieren und auf die ganze Erwiderung eingehen, denn es führt vom Thema weg. Es ging mir vor allem darum, vor der Gleichsetzung von Warenproduktion und Kapitalismus zu warnen. Dass Warenproduktion etwas mit Arbeitsteilung zu tun hat, sollte doch als sicher gelten. Dass hierfür schon wegen des höheren Alters der Warenproduktion nicht deren industrielle oder gar nur deren kapitalistische Form die Ursache liefert, das wollte ich darstellen.

@Flash Flash
Sie vertreten da ein schönes simples Weltbild, genauso simpel wie die von AfD u. a., nur farblich umgekehrt.

Nun tun sie sich doch mal den Gefallen und beantworten Sie die Frage, "warum die Welt heute derart trostlos ist, wenn das die meisten (die sog. kleinen Leute) alles gar nicht möchten" und werfen Sie nicht bloß die Frage auf. Oder besser noch: gehen Sie hin und fragen Sie die Leute selbst. Oder nehmen Sie etwa an, die "sog." kleinen Leute wöllten das wirklich so, wie's ist? Und warum eigentlich "sog."? Meinen Sie dass sich die Gedrückten nur klein machen? Hatten Sie schon mal eine Familie durchzubringen und einen dreisten Arbeitgeber? Mehr als 12 Millionen leben in relativer Armut. Ahnen Sie auch nur im Entferntesten was das bedeutet und welche Folgen das hat? Können Sie sich vorstellen, wie einer Mutter zu Mute ist, die ihrem Kind keine Vestpermalzeit in die Kita mitgeben kann, weil das Geld nicht reicht? Und glauben Sie, dass diese Frau riskieren würde, den Mund aufzumachen und dann noch weniger für ihr Kind zu haben? Und das gab es schon zur Jahrtausendwende und nicht nur bei sozial verwahrlosten Menschen. Und auch letztere wurden nicht so geboren. Erst neuerdings ist Armut in Deutschland wider erblich geworden, auch dank Schröter & Kumpanen.

Und dass die Leute Hitler nachgelaufen sind, hatte neben mächtigen Stippenziehern auch seine Ursache in der Uneinigkeit der großen Arbeiterparteien. So sah das die KPD jedenfalls bereits am 11.06.1945 und gab sich dabei durchaus eine Mitschuld.

Antwort von U. Gellermann:

Wähler zu schelten fiele mir nie ein. Ich stelle nur fest. Wenn eine klare Mehrheit der Wähler eine Partei wählen wollten, die mit der Aufhebung von Hartz Vier begänne und mit der Enteignung der Quandts enden würde, eine Partei, die Deutschland aus der NATO herausbräche und die Bundeswehr zu einer Friedensarmee umbauen wollte, dann könnte ich mich vor lauter Beifall nicht halten.


Am 29. März 2017 schrieb Marc Britz:

@ Flash Flash

Sehr geehrte/r/s Flash Flash,

erst kein Mitgefühl für die Verlierer dieser Welt und jetzt sind "die da unten" auch noch alles Nazis.
Wie gut, dass es "Linke" wie Sie gibt, da brauchen wir keine Neoliberalen mehr. Mehr so aus Amüsement heraus gefragt: betrachten Sie sich als Anti-Deutschen?

Die Welt ist derart trostlos weil die Quandts dieser Welt mit der Macht ihres Kapitals, der Macht ihrer Medien und der Macht ihres politischen Einflusses alles dran setzen dass dies so bleibt. Warum? Weil sie nur auf diese Weise so geil viel Geld einnehmen ohne selbst auch nur einen Finger krumm machen zu müssen. Lesen Sie mal Piketty.

Es kann schon sein dass es auch unangenehm raffgierige Lumpenproletarier und bürgerliche Arbeitnehmer gibt. Aber die haben nicht einmal annähernd so viel zu melden wie die Quandts und können mit ihrem Verhalten auch nicht den Planeten an den Rand der Auslösschung bringen. Was ja ein Kinderspiel fürs Grosskapital ist. Sie merken also dass sich bei Ihnen gewaltig die Proportionen verschoben haben.


Am 28. März 2017 schrieb Flash Flash:

Eine Erwiderung an Marc Britz:
Na klar.
"Oben" sitzen die mir der "perversen Raffgier" (z.B. die Quandts usw.) und "unten" die braven, rechtsschaffenen Leute, die nur in "Würde und Frieden" leben möchten.

Da fragt sich nur noch, warum die Welt heute derart trostlos ist, wenn das die meisten (die sog. kleinen Leute) alles gar nicht möchten.
(Und dennoch weiterhin genau die Parteien wählen, die das veranstalten und neuerdings zunehmend auch die "AfD", die bekanntlich vor allem mit einer Feindschaft gegen Flüchtlinge punktet.)

Nur am Rande:
Die meisten würden auch heute wieder einen "Hitler" nachlaufen, wenn es denn einen gäbe.
(Zumal, wenn sich die derzeitige kapitalistische Krise weiter verschärft.)


Am 28. März 2017 schrieb Marc Britz:

@ Peter Andreas Schöbel

"Aufhebbar ist das ganze nur durch die Aufhebung der Arbeitsteilung zwischen hochspezialisierten Einheiten, also durch allgemein wirksame Produktionsmittel. Anfänge dazu sind der Computer in der Informationsbearbeitung und der 3D-Drucker in der materiellen Fertigung. Bei diesen Geräten handelt es sich um sogenannte Universalmaschinen. Da stehen wir aber noch ganz am Anfang."

Sehr geehrter Herr Schöbel,

Arbeitsteilung ist meiner Ansicht nach nicht nur eine Frage wie man mit maschineller Technik der Komplexität der modernen Gesellschaft gerecht wird, sondern auch eine Frage der Psychologie und von intellektuellen Kapazitäten. Fachwissen braucht auch bei weitestgehender Automatisierung Fachleute die zusätzlich(!) in der Lage sind zwischenmenschliches Vertrauen herzustellen. Kein Computer-3D-Drucker-Aggregat kann den Zahnarzt oder die Grundschullehrerin ersetzen. Schon gar nicht die Pflegeberufe. Von allein daher wird es immer Arbeitsteilung geben. Und auch wenn es einmal Maschinen geben sollte, die selbst diese Leistungen übernehmen können, übertragen sich die ethischen Probleme der Arbeitsteilung lediglich von der Ebene Mensch-Mensch auf die Ebene Mensch-Maschine ohne sich dabei notwendigerweise aufzulösen.


Am 28. März 2017 schrieb Peter Andreas Schöbel:

Ich habe lange überlegt, ob ich folgende Sätze schreiben soll, denn sie werden sicher Widerstand erregen. Und zu dem gefallen mir Uli Gellermanns Artikel in der Rationalgalerie. Aber vor dem Satz muss ich warnen: „Wahlen sind nicht wesentlich mehr als der Test für den politische Reifegrad der wählenden Bevölkerung.“ - Egal von wem er ist.

Zum Einen ist er breit auslegbar und daher missverständlich. Nur zu oft üben sich Parteien nach Wahlen in Wählerschelte und motzen über den unreifen Pöbel. Allenfalls wird eingestanden, nicht "alles richtig 'rüber gebracht zu haben. Kritik an der eigenen politischen Linie ist selten. Dazu kann dieser Satz sehr leicht missbraucht werden. Zum Anderen sind im Wechselverhältnis Wähler - Parteien wohl die Parteien die aktiveren und organisierteren. Sie sind damit auch die mit der höheren Verantwortung. Mithin testen Wahlen wohl mehr die politische Reife der Parteien. Und um die ist's in Deutschland jämmerlich bestellt. Man schaue sich mal das Innenleben vieler Parteien an. Gibt´s da eigentlich noch mehr als Konferenzen, Parteitage und Fraktionsarbeit? Vor Jahren schon hat eine große Zeitung festgestellt, dass bei allen Parteien viele Austritte daher rühren, dass Mitglieder einfach allein gelassen werden. Und ich kann aus Erfahrung bestätigen: Man muss sich Parteien und auch politischen Vereinen nahezu aufdrängeln, um wahrgenommen zu werden. Kommt man zu einer Veranstaltung, dann wird man nicht selten nach dem Motto behandelt: "Setz dich mal da hinten hin, da störst'e nicht. Und vergiss nicht zu spenden."

Eine zweite Sache, die mich immer wieder stört: Ganz selten können sich viel Linke in die verschiedenen Schichten hinein versetzen. Sie ahnen nicht einmal, wie sehr das Leben und Denken der Menschen durch ihre Lebensverhältnisse, also zuförderst durch ihre Zugehörigkeit zu Schichten und Berufen geprägt ist. Notwendig geprägt ist. Oft reden sie gerade über die Köpfe der Ärmsten hinweg. Ich habe nun eine sehr breite persönliche Erfahrungen: u. a. vom Fließbandarbeiter bis zum Akademiker, von Armut bis zum kleinen Wohlstand und in den unterschiedlichsten Bereichen. Und das alles durchaus im Achterbahnformat und nicht in beständig aufsteigender Linie. Meine Erfahrungen habe ich auch mit viel Leid bezahlt. Darum stört es mich ungemein, wenn auf "kleine Leute" herabgeblickt wird oder deren Lebensverhältnisse ignoriert werden. Solche Leute wie die Quandts - und deren Zahl hat sich seit der Jahrtausendwende verzehnfacht - werden das nie verstehen können. Bei diesen Leuten platzt mir regelmäßig der Kragen und ich habe zu tun, nicht in extremistische Ansichten zu verfallen. Immerhin nehmen sie in jeder Minute des Jahres mehr ein, als ein Durchschnittsarbeiter im ganzen Jahr. Und es ist schwer zu begreifen, dass diese Leute auch geistige Opfer sind - die ihrer eigenen Gaunereien.

@Flash Flash
Vorsicht! Marktwirtschaft ist nicht gleich Kapitalismus, sondern viel älter! Im Kapitalismus ist sie nur dominante Form der außerbetrieblichen Arbeitsteilung und damit ein Hauptelement des Reproduktionsprozesses von Waren, Arbeitskraft und Kapital. Notwendig ist sie immer dort, wo eine mehr oder minder komplexe Wirtschaft spezialisiert in abgegrenzten Wirtschaftseinheiten operiert. Das ganze begann mit der frühen Arbeitsteilung zwischen Bauern und Handwerk. Das ist so, weil mit dem Komplexitätsgrad der Wirtschaft der Aufwand einer technologisch begründeten Arbeitsteilung exponentiell steigt. Aufhebbar ist das ganze nur durch die Aufhebung der Arbeitsteilung zwischen hochspezialisierten Einheiten, also durch allgemein wirksame Produktionsmittel. Anfänge dazu sind der Computer in der Informationsbearbeitung und der 3D-Drucker in der materiellen Fertigung. Bei diesen Geräten handelt es sich um sogenannte Universalmaschinen. Da stehen wir aber noch ganz am Anfang.

Antwort von U. Gellermann:

Was mögen Wahlen im Kapitalismus denn wesentlich mehr sein, als Reifegrad-Tests? Nehmen wir einen Ausschnitt den wir alle gut kennen: Das vereinigte Deutschland seit 2000.

In diesen mehr als 25 Jahren gab es mehr deutsche Kriegsbeteiligungen als zuvor. Gemessen seit 1945. Eine der Parlamentsparteien, die PDS/LINKE hat sich konsequent gegen diese Beteiligungen gewandt, die GRÜNEN waren beim Jugoslawien-Krieg bereits munter dabei, Zustimmung gab es von ihnen lange Zeit auch zur Agenda 2010 und ihrer Umsetzung. In der Krieg- und Frieden-Frage wie in der sozialer Spaltung hat sich in diesen Jahren über Wahlen nichts bewegt.

Wahlen und ihre parlamentarischen Ergebnisse können gesellschaftliche Änderungen durchaus befördern/begeleiten. Aber wir alle dürften sicher sein, dass z. B. ein ordentlicher Generalstreik gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr mehr bewirken würde als die 100. Bundestags-Diskussion zum Thema. Wer jetzt einwendet, dass der politische Streik verboten sei, der kennt 1. die Gesetzeslage nur unzureichend und verkennt 2. dass die Selbstermächtigung der Massen der erste Schritt in die gesellschaftliche Änderung ist.


Am 28. März 2017 schrieb Marc Britz:

@ Flash Flash

Sehr geehrte/r/s Flash Flash

Mehr oder weniger allen Teilen der Gesellschaft die gleiche perverse Raffgier vom Schlage Quandt zu unterstellen, ist schon ziemlich arrogant und auch beleidigend. Die allermeisten wollen zunächst mal nur ein angemessenes Auskommen in Würde und Frieden.

Dass Sie kein Mitgefühl mit "denen da unten haben," nur weil Sie glauben, was Marktwirtschaft und Kapitalismus betrifft, die reine Lehre gefunden zu haben, macht Sie zumindest mir eher unsympathisch. Gerade "die da unten" können meist am wenigstens für die Lage, in die sie von Leuten wie den Quants versetzt wurden. Und gerade deswegen dürfen "die da unten" sich auch beschweren soviel sie wollen. Mein Verständnis haben diese Leute, auch wenn sie keine Avantgarde-Kader in Sachen Kapitalismuskritik sind.


Am 28. März 2017 schrieb marie becker:


War es von vornherein keine Inszenierung, diese Jubelorgie um Schulz? Er ist ein cleveres Kerlchen, das genau wusste, woher es der SPD neue Stimmen gewinnen und damit die Groko weiter erhalten konnte...Gleich zu Anfang als es mit den Jubelorgien los ging, musste allen klar sein, dass er Wahlhelfer für Merkel werden würde; die Wahl an der Saar ist der erste Streich, und wenn auch NRW vielleicht nicht als zweiter folgen wird, denn ein Laschet hat nicht das Format und den Biss; aber im Bund wird leider die Groko weiter gepflegt werden. Deutsche Wähler lieben "Traditionen" und deren "Sicherheit". Sie werden erst wach, wenn die Trümmer um sie herum rauchen, dank der Walküren, die Waffen und Kriege im Sinne führen "zur reinen Verteidigung"

(Ich weiß, dass ich an den Profiteuren Quandt etc...vorbeispreche, aber mir ist es wichtig noch mal darauf hinzuweisen, wo diejenigen sitzen, die ihnen zuarbeiten, ob gewissenlos oder dumm. )


Am 28. März 2017 schrieb Heinz Schneider:

Selbstverständlich darf jeder aus dem Wahlergebnis im Saarland folgern, dass es die sinnvollste Reaktion ist, künftig am Straßenrand "Wacht auf, ihr Lämmer dieser Erde" zu skandieren.

Wer dagegen zu Kenntnis nimmt, dass die CDU bei den über 60-jährigen ein um 20%-Punkte höheres Ergebnis als bei den unter 30-jährigen erzielt hat, bei dieser Altersgruppe also SPD und LINKE um 12 %Punkte vor der Union liegen, sollte ernsthaft über zukunftsgerichtete Strategien nachdenken.

Diese müssten naturgemäß nicht zwanghaft den September 2017 im Blick haben, sonder eher das Jahr 2030. Bis dahin müssen nämlich auf unserer Erde die entscheidenden Weichenstellungen für eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft getroffen sein.

Mir scheint, überall haben das die jüngeren eher verstanden. Sie kennen auch meist die SDG und wissen, dass dort das Programm steht, welches sie wählen wollen, aber nicht können. Die jungen Menschen wissen aber, wem sie im dessen Aufstellung im Zweifel eher zutrauen.


Am 28. März 2017 schrieb Flash Flash:

Die private Bereicherung ist das Prinzip der bürgerlichen Gesellschaft.
(Und keineswegs auf die Quandts usw. beschränkt.)

Wer allerdings Marktwirtschaft und Kapitalismus möchte (und das sind die allermeisten trotz dem einen oder anderen "Gemeckere" gegen "die da oben"), sollte sich darüber nicht beschweren.
(Deshalb hält sich auch mein Mitgefühl mit denen "da unten" in engen Grenzen.)


Am 28. März 2017 schrieb Manfred Sautter:

hallo allerseits. puhh, pfff, ächz.
danke. so brilliant, genial und schonungslos entlarvend, (was für ein wort!).


Am 28. März 2017 schrieb Paulo H. Bruder:

Andreas Schell schreibt in seinem Kommentar des Kommentars an die Adresse derer, die sich die Linke nennen: "Stellt Euch hin und sagt 'ohne uns - wir machen Opposition bis die Lämmer aufwachen.' Wie wertvoll wäre das?" Vollste Zustimmung!


Am 27. März 2017 schrieb Andreas Schell:

Wieder ein sehr guter Kommentar - Danke.

Das Wahlergebnis im kleinen Saarland sagt uns dazu noch vieles, aber die Deutungshoheit haben andere.

Hier sei nur dieses erwähnt. Vermögen wie das der Quandt-Sippe sind sehr hoch, Einkünfte aus Kapitalvermögen oberhalb 10 Mio. zu 100 Prozent zu besteuern. Verliert Merkel durch so ein Gesetz die Mehrheit? Nein. Nützt es allen? Ja. Wieso machen die das dann nicht? ... ... Genau!

Und was macht die Linke? Die pennt und träumt dabei von hellrot-braunrot-olivgrünem Postenschacher. Dafür die Strafe gestern, die Oskar sicher geschmerzt hat. Wir brauchen die Enteignung des Großkapitals, nicht die Beteiligung der letzten ansatzweise oppositionsfähigen Partei an der Korruption im Land. Stellt Euch hin und sagt "ohne uns - wir machen Opposition bis die Lämmer aufwachen." Wie wertvoll wäre das?

Aber macht gerne weiter so wie heute: die Linke im Bund unter 10% und gut. Und noch viel schlimmer: alles bleibt mal wieder beim Alten, bis es kracht.



Am 27. März 2017 schrieb Michael Riecke:

Da haben wir es wieder. Kaum hat der Kanzlerkandidat Schulz den Sozialismus ausgerufen und spricht von Ungleichheit in der Gesellschaft. Schon laufen bei nächster Gelegenheit die verschreckten Wähler zur CDU. Den Quandt’s/Klatten soll man die lumpige eine Milliarde Euro an Dividende doch gönnen. Dafür haben sie als Erben ja hart arbeiten müssen. Und sie müssen immerhin davon 25% als Steuern zahlen. Wenn sie überhaupt Steuern zahlen. Der BMW-Arbeiter, wenn er allein stehend ist und ca. 2500 Euro Brutto im Monat verdient zahlt auch nur 25 % Steuern. Das ist doch eine Form der sozialistischen Gleichmacherei. Da kann man doch nicht von Ungleichheit in der BRD sprechen.Und der Arbeiter wird nicht mit solchen Forderungen wie Reichen Steuer belästigt. Dem sind nur die Quand´s/Klatten´s ausgesetzt.


Am 27. März 2017 schrieb Adalbert Olma:

Schönes Erlebnis ist der Gellermann-Pisper-Effekt in den Kommentaren!
Eine Bitte an Volker Pispers:
Unterstützen Sie bitte unseren Widerstand aufs Neue auf der Bühne.
Eine Bitte an das Publikum: Lachen Sie bitte nicht mehr! Die Lage ist überhaupt nicht lustig.


Am 27. März 2017 schrieb Karl Heinz Bernhart:

Das Stockholm Syndrom scheint mir - boshaft gesprochen - ein Beweis für "das Hündische" in der menschlichen Natur zu sein. Der Hund leckt die Hand, die die Knute führt. Letztlich ist auch die ganze Berechenbarkeit des Kuschens und der "Treue" gegenüber Eliten, die nichts, aber auch gar nichts Anderes im Sinn haben, als sich selber nach Kräften zu bereichern und/oder ihre Macht zu erweitern, charakteristisch für den erduldenden Kleinbürger, der in seiner implantierten Sklavenidentität gefangen ist, egal wie prekär seine Lebensverhältnisse auch werden.
Ich bin völlig überzeugt, dass die Mutation der Sozialdemokraten von einer Arbeitervertretung zu einer Arbeitgebervertretung nur auf dem unbändigen, in der Person Schröders geradezu inkarnierten Wunsch bestand und besteht, persönlich so reich zu werden wie die konservativen Korruptokraten. Deswegen, und m.E. nur deswegen, haben sich diese Figuren an das große Geld rangewanzt und tun es noch immer. Die Sozialdemokratie ist zu einer bedeutungslosen Worthülse ohne Inhalt verkommen und verdient die politische Bedeutungslosigkeit, auf die sie sich zu bewegt. Daran wird die Figur Schulz auch nicht das Geringste ändern. Er ist ganz einfach für jeden informierten Zeitgenossen unglaubwürdig.


Am 27. März 2017 schrieb Helmut Ische:

@ lea merker

ein großartiger artikel,
es bleibt mir jeder kommentar erspart. kein ironischer...zu nachdenklich ihr aufgezeigter sachverhalt. kein irgendetwas hinzufügender...es ist alles gesagt.
nur eines treibt mich um........
auf die frage von "lea merker" antworten sie - " alles eigenbau".
meines wissens hat schon friedrich engels folgenden satz geprägt: zitat...

" wahlen in bürgerlich-kapitalistischen gesellschaften zeigen im ergebnis nichts anderes als den reifegrad der arbeiterklasse auf." zitatende.

liege ich falsch? egal.............ihr artikel ist einfach großartig und bringt alles auf den punkt. marx/engels - vielleicht, ach was, lenin auch, hätten an ihnen ihre helle freude. und hätte ich recht..engels würde mit einem augenzwinkern ihnen den satz als eigenbau durchgehen lassen.
weiter so.

Antwort von U. Gellermann:

Nach einer Internet-Recherche habe ich keine andere Quelle für den Satz gefunden als meinen eigenen Kopf. Aber falls ich doch geklaut haben sollte, bitte ich um mildernde Umstände: Bei Engels träfe es keinen Armen.


Am 27. März 2017 schrieb Ernst Blutig:

Ich bleibe nachwievor bei meiner Einschätzung, daß Deutschland die gefährlichste Nation der Welt ist und ihre Nationalisten die gefährlichsten bleiben.
Das mag pathetisch klingen, wenn man das nach eienr Saarlandwahl erzählt, aber die Einlassungen von Herrn Gellermann bestätigen meine Überzeugung.
Eher kommt es noch in den USA zu revolutionären Paradigmenwechslen (im Sinne und zum Wohle der ArbeiterInnen und ProletarierInnen, nicht wie aktuell im Sinne einer Milliardärsclique), als in Deutschland.


Am 27. März 2017 schrieb Charlotte Ullmann:

Lieber Herr Gellermann,
köstlich, Ihr Vergleich mit dem Stockholm-Syndrom bei den in Geiselhaft Genommenen. Denn, wie groß muss die Verzweiflung sein, wenn die Gekidnappten ihrem Henker noch dankbar dafür sind, dass die Henkersmalzeit ihrem Geschmack entspricht.
Doch, immerhin, der Rattenfänger von Hameln vermag mit seinem betörenden Flötenspiel die Kinder nur solange in seinen Bann zu ziehen, bis sie merken, wo sie gelandet sind. Aber dann ist es wieder mal zu spät, zumindest für die nächsten vier Jahre.


Am 27. März 2017 schrieb Marc Britz:

Vielen Dank, Herr Gellermann, wie immer den Nagel auf den Kopf getroffen!

Martin Schulz ist ein Kriegsgewinnler. Wie Warren Buffett das so schön formuliert hat, befinden wir uns in einem Krieg, den die Klasse der 0,001 Prozent Superreichen gerade gegen den Rest der Weltbevölkerung gewinnt. Kriegsgewinnler sind Personen die in solchen Kriegszeiten die Schwächesituation der jeweiligen Klientele ausnutzen, um überproportional hohen Gewinn zu erwirtschaften. Schulz verkauft ein bisschen Hoffnung für den Preis einiger Wählerstimmen. Nach dem wir bereits feststellen konnten, dass Schulz weder Messias noch Heiliger ist, dass er zwar kein Unmensch aber dennoch ein Verbrecher gegen die Menschlichkeit ist, könnte man versucht sein, nach dem Wahlergebnis im Saarland zu sagen, dass er auch kein besonders guter Geschäftsmann ist. Es sei denn, das Geschäft besteht im Mehrheitsbeschaffen für die große Koalition. Dann hat er seine Sache gut gemacht. Ethisch fragwürdig aber immer völlig legal - die Moral des Kriegsgewinnlers.


Am 27. März 2017 schrieb Spargel Tarzan:

Welche der etablierten Parteien kann oder soll man wählen? mir fällt keine ein.
Selbst Die Linke diskreditiert sich selbst und der linke Herr Bartsch bescheinigt dem rechten Herrn Gauck er hätte dem Amt des Bundespräsidenten die Würde zurück gegeben! Und jetzt haben wir den nächsten Transatlantiker, den Steinmeier.
Neue Parteien gründen sich und bleiben im Sektiererischen hängen. Und Wikipedia vergibt Gütesiegel mit der Aufschrift "Verschwörungstheoretiker". Das führt dann zur alsbaldigen Absage bestätigter Veranstaltungstermine in zu mietenden Räumlichkeiten. Die DM (Deutsche Mitte) kann davon ein Lied singen und Herr Ganser kann sogar ein garstig Lied davon singen.
Wer aber von den etablierten Parteien ist denn Willens und in der Lage den Karren aus dem Dreck zu ziehen, in den ihn die altbekannten Protagonisten gefahren haben? Und wer will die hiesigen Machtstrukturen aufbrechen und die Einflüsse der im medialen Monopol befindlichen Medien Einhalt gebieten.
Wie sich die DM entwickelt ist zu beobachten, ob sie aus der Anonymität heraus treten kann und wie sie dann das einsetzende mediale Stahlgewitter, nebst aller bekannten Diffamierungsszenarien, überdauert.
Wie bereit ist der teilparalysierte Bundeswähler sein oben beschriebenes Stockholmsyndrom abzulegen und wie bereit sind die Menschen nicht bei sich bietender Gelegenheit die Nazikeule zu schwingen und die sogenannte Antifa wie eine SS2.0 auf die Massen zu hetzen, damit alles hübsch so bleibt wie es ist und die Machtstrukturen wachsen und gedeihen.
Es ist erschreckend zu lesen was Huxley in seinem Essay "Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt", Ende der 1950er Jahre schrieb, im Rückblick auf seinen Roman von 1932, und wie zeitaktuell es sich darstellt.
60 Jahre des immer weiter so und man fragt sich, sind wir näher an den Verhältnissen in "1984" oder werden wir in einer Zeitrechnung nach Ford enden? Der Richtungszeiger weist nach "1984", denn Überwachung, Bespitzelung, Meinungsmonopole und in der täglichen Berieselung und Indoktrination sollen uns das Hirn vernebeln, auf daß wir nicht wahrnehmen was schon längst beschlossene Sache ist.
Da stören nur andere Gedanken, Meinungen und Aktivitäten, die sich gegen den Zeitgeist wenden, in dem sich die Massen gleich einem Malstrom bewegen, denn die Lüge ist all gegenwärtig und wird zur alleinigen Wahrheit erhoben.


Am 27. März 2017 schrieb Michael Kohle:

Achtzehn Uhr, null Minuten am 26. März anno 2017. Auf der Mattscheibe das heiß ersehnte Balkendiagramm. Ein fetter Block wächst und wächst, dunkelschwarz. Achtzehn Uhr, zwei Minuten! Fühle mich erinnert an den März vor sechs Jahren. Der im Fokus stehende, Heil versprechende nächste Block, doppel rot glühend, war erschienen, wie auch die ein, zwei weiteren Hoffnungsträger. Wie einst an Japans Gestaden hatte es kräftig Baff gemacht, über den kärglichen Überresten Dampfsäulen hinterlassend. Der imaginäre Block mit dem Bäpper 100% über allen Wipfeln schwebend, nahm atompilzähnliche Formen an, ein kurzer, greller Blitz darüber, eine lähmende, entsetzte Stille, schließlich der wohlbekannte grau-triste Horizont, sonst nichts mehr. Erst unreife, kindische Schadenfreude (Motto: das war doch abzusehen), dann doch schieres Entsetzen ob der Konsequenzen. Jedenfalls bei mir.

Was war passiert? Doch nur das Übliche. Noch bis kurz vor Toresschluss war der ÖRtillerie-Beschuss flächendeckend erfolgt gegen diese erschröckliche dunkelrote, bedrohlich naherückende Walze am Horizont. Auch noch die letzte in der nachmittäglichen, frühlingshaften Sommerfrische verweilende Saarland-Familie wurde an die Wahlurne beordert. Es ging - so hieß es ohne Unterlass bis kurz vor knapp - um Kopf- und Kragen beim Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schneeweischen Annegret und dem roten Drachen. Die ganzen letzten Tage hatten die Trommeln und Schalmeien aus den Klöppelstuben derer zu Lerchenberg & Gniffke auf die gefährliche Bedrohung hingewiesen. Selbst die Heuteshow-Welkes und die Extra-Ehrings hatten nochmal in die Vollen gegriffen. Fast stündlich gab es neue erschütternde news von der Umfragefront. Und damit das saarländische Wahlvolk auch gut in den Wahltag hinüber schlummern konnte, durfte sogar Helene Fischer aus der Versenkung auftauchen und ihre neuen Werke vorstellen. Die BAMS wusste am Sonntagmorgen noch davon zu schwärmen. Es geht uns doch so gut - auch und gerade im Saarland. Warum da was ändern? Wäre doch alles verloren, wenn ...

So geht Demokratie. Bei dem Ergebnis steht nicht einmal zu befürchten, dass wir konfrontiert werden mit Vorwürfen, die Wahl sei von Putins Schergen gehackt worden. Ob da unser aller Justizminister, Lokalpatriot und Oskar-Zögling Maass-Noske mit seiner Hasshäscherei tatkräftig dazu beigetragen hat? Wie nennt man das? Kräftig in die Hose gegangen? Sei´s drum, wird er sich sagen. Bei dem Ergebnis könnte durchaus das Pöstchen bis ans Ende aller Tage gesichert sein. Die babylonische Gefangenschaft der Sozen in der Groko sicherlich auch. Da stellt sich auch die Frage, ob sich Geschichte nicht doch zu wiederholen vermag. Wie das? Nun, bei entsprechendem Wahlausgang im Mai und September, könnte es sich durchaus ergeben, dass nach dem suboptimalen Ausgang des Kanzlerprojektes von dem Mann aus Würselen, Frau Merkel ab Oktober eine Finanzministerin aus NRW transferiert bekommt, volle Kraft voraus. Vizekanzlerin wirdseabernich! Das würde - Müntes einstige Nachtmar - Frau Nahles, so wie Münte vor zwölf Jahren eben um dann alsbald von eben dieser aus dem Amt geschreckt zu werden. Einfach ürre, diese Aussichten!

Wenn wir schon mal bei der nahen Zukunft sind: gestern Abend - so ab ca. 18 Uhr drei Minuten - hatte unsere ewige Kanzlerin von ihren diensthabenden Kurieren aus Mainz (und wohl auch aus Hamburg) doch tatsächlich erfahren dürfen, von wem sie irgendwann einmal abgelöst werden wird.

Annegret wird es sein, der Zungenbrecher Kramp-Karrenbauer wurde schon gar nicht mehr über die Lippen gebracht. Von Angela zu Annegret, doch, das hat was, so oft wie uns Letztere dann auch für den Rest des Abends und der Nacht immer nur herzhaft lachend herzallerliebst mit diesem Ansinnen auf unsere Gebührenkosten dargeboten wurde. Ein arg saurer Wein für die Ex-Weinkönigin Julia K. von nahebei, für Ursula vdL und Norbert R.. Sollte demnächst Annegret auf Truppenübungsplätzen oder NATO-Konferenzen auftauchen, zumindest bei Unpässlichkeiten der üblichen Besetzung, dann können sich die Vorgenannten abstrampeln wie sie wollen.

Wäre da noch was? Nein, zu Martin ist alles gesagt. Es sei denn, er könnte sich noch zu irgendetwas aufraffen, was man ihm nicht zutraut. Dummes Zeuch, wie denn! Bezüglich Susanne und Sven ist auch kein Quan(d)tensprung zu erwarten. Die werden - the same precedure as every year - bestimmt per Spendenbeleg ihre Steuern optimieren können und dürfen. Die Menge der Nullen dort rechts neben den Ziffern größer als 6 (bei dem Thema wage ich nicht, sechs zu schreiben) ist auch nicht kleiner als der des Betrages der Jahresdividende von Weiß-Blau. Man bedenke, sollte sich Frau Kanzlerin beim Thema E-Auto nicht irren - und wann je hätte sie sich geirrt - dann erinnert sich sicherlich selbst Sven Q. wieder gerne. Allerdings wohl mehr an Varta oder die im Besitz befindliche Nachfolgefima. An Wohlprosperierendes erinnert man sich immer wieder gerne. Oder sind die Gewinnaussichten tatsächlich so unheimlich? Der dazu offensichtlich erforderliche Produktionsfaktor Arbeit kann dank tatkräftiger Unterstützung der Spendenempfängerin zwischenzeitlich ja auch schon vorgehalten werden. Nein, von Zwangsarbeitern wollte ich in diese Zusammenhang nicht sprechen. Da steht der Mindestlohn vor.


Am 27. März 2017 schrieb Gert Flegelskamp:

Vielleicht noch eine Anmerkung zu den Quandts. 2007 gab es einen Bericht im Fernsehen; "Das Erbe der Quandts", in dem die Quandts und die NAZI-Zeit ein wenig durchleuchtet wurden. Ich habe darüber 2007 einen Beitrag beschrieben, der ein wenig über die Quandt-Thematik hinausging: http://www.flegel-g.de/mitlaeufer.html
Der ursprüngliche Bericht des Fernsehens ist über YouTube auch heute noch einsehbar: https://www.youtube.com/watch?v=l9hNjmJxc0U


Am 27. März 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

Geschätzter ULI, Du "RUFER in der KAPITAL-WÜSTE"! Ich weiß warum Du (noch?) nicht "interniert" wirst: Die "herrschenden Demokraten" wissen um den "politischen Un-Reifegrad" des deutschen Wählervolkes!
"Die mit WAHRHEIT laufen laufen allein!" (Christian Morgenstern). Die mit WAHNHEIT laufen haben viele Mit-Läufer! (Rebell-Ion).


Am 27. März 2017 schrieb Lutz Jahoda:

OSTEREIERSUCHEN
GARANTIERT ERGIEBIGER
ALS DAS SUCHEN
NACH POLITISCHEN REIFEGRADEN

Polit-Reifegrade in deutschen Landen
Erwiesen sich immer schon als träge.
Sie sind verlässlich dabei zu versanden
Und damit auf unwiederbringlichem Wege
Für unser Wahlgeschehen verloren:
Bis zum Sankt Nimmerleinstag versickert.
Was da noch raschelt, knistert und tickert,
Sind letzte Signale der Sensoren.


Am 27. März 2017 schrieb dario vo:

Was für eine Ungerechtigkeit!
Alfred Krupp musste nur ein Jahr in Haft verbringen, Quandt gleich zwei. Obwohl der Ötker ungeschoren blieb? Hat Familie Quandt da nicht eine Opferentschädigung verdient? Nur weil Kanonen in der Nachkriegszeit wichtiger waren, als Autos und Banken musste der Quandt länger sitzen?
Na gut, die französische Resistance und die Rote Armee waren in beiden Fällen etwas konsequenter. Aber die BRD als Rechtsnachfolger des dritten Reichs hätte mit ihren Verbündeten schon dafür sorgen können, alle Nazis gleich zu integrieren. So wie Heinrich Lübke oder Hans-Martin Schleyer.


Am 27. März 2017 schrieb Thomas Hohnerlein:

Grandios, Uli, wie immer. Ich hoffe nur, dass der politische Reifegrad der Bevölkerung in erlebbaren Zeiträumen die "verfestigte Ungleichheit" ins Rutschen bringt und die Herrschaften zum Teufel jagt. Dazu reichen eben Stimmungsaufhellungen nicht aus und es wird nicht besser, wenn die Linke von einem ordentlichen Ergebnis für sich selbst spricht, weil es hätte schlimmer kommen können. Ich kann eine gewisse Verzweiflung nicht verhehlen, auch wenn ich mir vom saarländischen Reifetest keine Wunder erwartet hatte und das zu erwartende Wunder bei einem Wechsel uns wahrscheinlich früher oder später auf die Füße gefallen wäre. Ein Wunder, gestrickt von Anke Rehlinger und Oskar Lafontaine ist halt auch schwer vorstellbar.


Am 27. März 2017 schrieb Johannes M. Becker, Privatdozent Dr.:

Glänzend und - wie so oft - außerordentlich faktenreich. Danke!
Nun verlässt die heisse Luft den Schulz-Ballon früher als erwartet. Gut, dem Dinge! Die Referentin des Marburger Politischen Salon Ulrike Eifler wies am Freitag am Rande ihrer Ausführungen zu "Griechenland- die Geschichte einer Zerstörung" darauf hin, dass Herr Schulz an ALLEN Sauereien gegen Griechenlands Volk und Linksregierung tragend beteiligt war. Einigen der Anwesenden war das doch tatsächlich nicht mehr hinreichend präsent...


Am 27. März 2017 schrieb Volker Pispers:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

ich wollte Ihnen immer schon mal mitteilen, dass ich mit großem Vergnügen, wenn man in diesem Zusammenhang von Vergnügen sprechen darf, Ihre Artikel lese.

Ich bewundere Ihren unermüdlichen Eifer.

Vielen Dank, dass Sie mich in Ihre mailingliste aufgenommen haben.
Ich habe Sie wiederholt weiterempfohlen.

Herzliche Grüße

volker pispers

Antwort von U. Gellermann:

Sehr geschätzter Volker Pispers,

wann immer ich Ihre Programme sehe oder höre bessern sie meine Laune, meine Kenntnisse und mein Durchhaltevermögen. Ihr Lob ist mir wertvoll.

Ihnen gute Grüße und meine Hochachtung

Uli Gellermann


Am 27. März 2017 schrieb Heinz Schneider:

Uli hat Recht, wir alle kennen das. Am Ende eines alkoholgeschwängerten Abends sind wir nur noch einen Windhauch vom Aufstand gegen die ungerechten Verhältnisse entfernt, aber schon am nächsten Morgen kapitulieren wir wieder vor der Größe der Aufgabe und schleichen mit eingezogenen Schultern ernüchtert zur Arbeit.

Für die eher Machtbewussten, nicht besoffenen haben CDU und CDU gestern Abend schon mal den Kampf für die Rettung des Dieselmotors ausgerufen (in der Berliner Runde) und damit vorsorglich den vorerst nur partiellen Schulterschluss mit den rechtspopulistischen Leugnern des Kimawandels geprobt. So recht passte das nicht zum euphorisch begrüßten Wahlergebnis im Saarland, war aber wohl dem Umstand geschuldet, dass die Protagonisten ihre abzusondernden Floskeln bereits für den befürchteten Sieg von Rot-Rot einstudiert hatten. Sie haben damit ungewollt offengelegt, welchen Stumpfsinn sie einer Bewegung , deren Entstehen sie offenkundig fürchten wie der Teufel das Weihwasser, entgegensetzen werden.


Am 27. März 2017 schrieb Lea Merker:

"Wahlen sind nicht wesentlich mehr als der Test für den politische Reifegrad der wählenden Bevölkerung." Das ist ein genialer Satz. Selbst gemacht oder zitiert?

Antwort von U. Gellermann:

Alles Eigenbau.

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

13. August 2018

Star-Wars is back

Trump macht den Reagan
Artikel lesen

13. August 2018

Das Versprechen der Kraniche

Reisen in Aitmatows Welt
Artikel lesen

09. August 2018

Wenn die Scheiße hochsteigt

Gift-Sanktionen gegen Russland
Artikel lesen

06. August 2018

Aufstehen! Und Widersetzen?

Sahra Wagenknecht startet eine Sammlungsbewegung
Artikel lesen

06. August 2018

Blondes Gift aus der Pfalz

Die Weinkönigin regiert das Klima
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen