CETA - Biegen oder brechen?

320.000 Menschen: Stimme erheben, nicht abgeben

Autor: U. Gellermann
Datum: 19. September 2016

Da kamen sie: Frauen und Männer, Alte und Junge, auch Babys wurden gehört. Vom Berliner Alexanderplatz aus strömten sie zum Start der Demonstration gegen TTIP und CETA gegen Konzerne und für Demokratie. Ausgerechnet über die Karl-Marx-Allee. Ein Strom der elektrisierte. Und zeitgleich strömten sie auch in Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart. Sogar in Wien, Linz, Graz, Salzburg und Innsbruck waren sie parallel unterwegs. So hatte sich der Führer den Anschluss nicht vorgestellt. – Am 22. und 23. September treffen sich in Bratislava die EU-HandelsministerInnen und wollen dort den Beschluss zur Unterzeichnung des CETA-Vertrags auf den Weg bringen. Scheissegal, denken sie, was ihre Völker so denken. Da dachten manche Völker doch glatt: DENKZETTEL!

Mit Demokratie hat das TTIP-CETA-Gewürge der Eurokratie, sponsored by USA, natürlich nichts zu tun: In den deutschen Umfragen gab es eine vernichtende Mehrheit von 70 Prozent gegen die Freihandelsverträge. Gegen CETA reichten die Gegner jüngst Verfassungsbeschwerde ein - mit mehr als 125.000 Klägern ist ihr “Nein zu CETA" die größte Verfassungsbeschwerde, die es jemals gab. Nur mit faulem Zauber können Befürworter der Ausbeuter-Verträge ihre eigene Gefolgschaft überzeugen: Sigmar Gabriel, sozialdemokratischer Trickbetrüger, ließ sein altes JA zu TTIP verschwinden, Simsalabim, um aus der anderen Tasche CETA rauszujubeln: Das sei viel besser, obwohl das gleiche Zeugs drin steht, Simsalabumm, so will er seinen SPD-Parteikonvent zum Kaninchen machen. Und aus der zersägten Kiste meldet sich Steinbrück (Wer? Der mit der Fahrradkette!) und sagt mit Grabesstimme: „Für meine Partei wäre es fatal, wenn wir Sozialdemokraten uns in die Reihen der Freihandelsgegner eingliedern“. Dieses düstere Krächzen des ewigen Verlierers sollte eigentlich jeden Sozialdemokraten endgültig gegen CETA bewegen.

Vorne vor dem großen Demonstrations-Strom in Berlin standen auf Traktoren ein paar dicke blaue Plakate: „Hier ist kein Platz für Rassismus, Rechtspopulismus und Antiamerikanismus.“ Mmhm, landläufig nennen Regierung und angeschlossene Medien genau die, die gegen Freibeuter-Abkommen sind oder auch gegen US-Kriege „antiamerikanisch“. Was nun? Musste sich die Demonstration auflösen? Ach nee, meinte der Pressesprecher hinter der Bühne, mit „antiamerikanisch“ ist die AfD gemeint. Aha. Die AfD ist für die NATO, also antiamerikanisch? Ach nee, meint der Pressesprecher, mehr so allgemein. Das meinte auch der Kollege aus der ersten Demo-Reihe von der IG Bau: Mehr so allgemein. – Im Strom: Keine AfD. Aber ein Motorradgespann: Voller US-Flaggen mit Totenköpfen statt der Sterne. Das ist doch!? Ja, ein altes MZ-Motorrad-Gespann aus Zschopau. Die MZ war doch!? Ja, aus der DDR. Die war natürlich schwer antiamerikanisch. Weiter im Strom: Gute Gesichter, fröhlich, eher aufgeschlossen als geschlossen die Reihen. Hie und da wird getanzt. Ist Salsa antiamerikanisch? Na klar, sagte einer der Tänzer, lateinamerikanisch eben! Ach so.

Es grüßten per Transparent der „Berliner Landesmusikrat“, diverse Gewerkschaften, die LINKE, die GRÜNEN, die Naturfreunde. Längst hatte der Regen nachgelassen. Kiek mal: Der ist auch dabei, und die und der da auch. Und noch mehr und noch mehr. Widerstand macht gute Laune. Sichtbar auch auf den Gesichtern von Gerti und Ute, den Hüterinnen der legendären Berliner Medienkneipe „Florian“. Ja, wenn der Widerstand die Berliner Szene erreicht hat, wer soll dem noch widerstehen wollen? – „Jetzt sind es 320.000 Teilnehmer in ganz Deutschland bei den Anti-CETA-Demonstrationen“, sagt der Pressesprecher der Demo und grinst infernalisch über das ganze Gesicht. – Was meldet die TAGESSCHAU als erstes? Die Polizei sage, die Teilnehmer-Zahlen blieben nach iher Einschätzungen hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Das ist gut pro-amerikanisch. Die von der TAGESSCHAU hätten also an der Demonstration durchaus teilnehmen dürfen.

Was nun? Wird die Eurokratie den Hinweis von den Straßen lesen wollen, lesen können? Wird man den Widerstand so lange biegen – über dem Dampf der Massenmedien, im Gequatsche der Hinterzimmer, über dem Feuer aus dem Geld des Lobbyismus – bis er sich den scheindemokratischen Entscheidungen der Gremien anpasst? Oder werden die Menschen auf den Straßen und Plätzen sich nicht biegen lassen? Lieber mit der Gewohnheit brechen und wieder und wieder aufbegehren, in der besten Schule der Demokratie, außerhalb der Parlamente, auf den Straßen, versteht sich. Da wo man lernt für sich selbst zu sprechen und nicht nur seine Stimme abzugeben.

Ach ja, Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus fanden anderntags auch statt. Die parlamentarische Demokratie hatte am Sonntag Ausgang. Und so sind die Wahlen dann auch ausgegangen: Wahrscheinlich wird es eine rot-rot-grüne Landes-Regierung geben. Eine parlamentarische Kompromissgeburt. Was wird das ändern? Der Verkauf von rund 61.000 landeseigenen Wohneinheiten an die Finanz-Spekulanten Cerberus und Goldman Sachs durch eine SPD-LINKE-Regierung im Jahr 2004 wird sicher unverzüglich rückgängig gemacht. Der Berliner Flughafen RBB, von der selben Rot-Rot-Regierung 2006 gestartet, wird dann gleich morgen eröffnet. Weihnachten und Ostern werden von der Koalition umgehend auf einen Tag gelegt.

Gellermann im Bilde: Zu den Berliner Wahlen:
https://weltnetz.tv/video/907-uli-gellermann-zum-berliner-wahlergebnis-2016


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 23. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

biegen oder brechen?
war sie so, die auseinandersetzung? auf des messers schneide? auf der spitze von irgend was, was irgend jemanden wirklich weh tat?

2 tage später die erwartete klarheit: der konvent stimmt ceta zu. das gebrabbel um rechtsverbindliche "klarstellungen" kann man sich sparen. und so werden auch ttip und tisa ihren weg machen, früher oder später und unter welchem namen auch immer!
was bleibt sind fragen:
- wie denkt jetzt so ein demonstrant (verkäufer, bandarbeiter....) nach dem ignorieren der "massenhaften" ablehnung durch den konvent (ohne verkäufer, ohne bandarbeiter....) über seinen verein? der historische exkurs hat doch bewiesen, dass dies seit 100 jahren so läuft. für den koalitionsvertrag macht man eine mitgliederbefragung, bei der ceta-zustimmung lässt man die basis außen vor!
- nahles kleinrechnen des hartz-warenkorbes, die traute gemeinsamkeit beim erbschaftsgeschenk für die reichen, die fehlende solidarität für die kaiser/tegelmann belegschaft.... - ereignisse einer woche, aber auf biegen und brechen?
- und wie lange erträgt man das spiel zwischen neoliberaler daumenschraube und erfolglosen reformistischen heilungsansätzen verstandesmäßig?
- ist das differenzieren zwischen führung und mannschaft gerechtfertigt? mein respekt für persönliches und organisiertes engagement ist hoch, aber muss es nicht auch sinn machen? verliert eine elf das spiel, ist der trainer schuld? ziehen die soldaten in den krieg ist der führer schuld? und wenn in die vernichtungslager züge fuhren, hat der lokführer keine schuld?
- im zeitalter der deindustrialisierung, der automatisierung, der globalen zergliederungen ganzer fertigungsprozesse, der rechtlichen umdefinierung des beschäftigungstatus - gibt es sie noch die arbeiterklasse? oder geht es nur noch mitte gegen extremisten?
- vielleicht sollten die basen verschiedenster organisationsformen über einen neuen politischen träger der 99% im krieg arm gegen reich, unten gegen oben nachdenken?

die woche war ernüchternd!


Am 22. September 2016 schrieb Brigitte Clara Mensah-Attoh:

320.000 Menschen: Stimmen erheben, nicht abgeben!
Welche Wohltat zu sehen, daß die häßliche Fratze des
Kapitalismus offenbar zunehmend als Bedrohung
wahrgenommen wird und riesige Menschenmassen
an vielen Orten in Europa mobilisiert
und auf die Straßen treibt.
"Freiheit ist indessen nichts, was gewährt werden kann.
Freiheit wird genommen und gelebt!" (Erich Mühsam)


Am 21. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

@ u.spurgat
gehen sie bitte davon aus, dass mich der gleiche antrieb leitet!
in meiner diskussion geht es mit nur um argumente und deren austausch. ich kann auch mal eine diskussion sein lassen, weil ich genug zum nachdenken habe. niemals möchte ich es so stehen lassen, dass ich einen mitforisten persönlich insbesondere wegen seiner meinung angehe. ich mag um meine denkweise streiten wollen, aber nicht um den gesprächspartner zu geringschätzen.
mein entpersonifizierendes "man" in den fragen sollen genau das zum ausdruck bringen! "man" bedeutet, dass es auch argumente oder überlegungen oder möglichkeiten geben kann, die aber nicht zwingend meine eigenen sind!!
daher freue ich mich auf die nächste debatte, und ihren beitrag;)

ps: bezüglich meines nicknamens werde ich mich dem galeristen erklären! wie im richtigen leben oder in der philosophie gilt: das wahre leben ist ganz anders, als es erscheint!


Am 21. September 2016 schrieb Manfred Ebel:

Liebe Foristi, Uli hat, wie zu sehen, ganz richtig differenziert zwischen Mitgliedern und (einigen) Funktionären.
Der Fehler, nicht klar zu unterscheiden, hätte mir nicht passieren sollen. Besonders bitte ich die Gewerkschaftsmitglieder um Entschuldigung.


Am 21. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Souverän genug, heikle Themen, mit der Offenheit und Fairness zu zulassen, zeichnet dich in hohem Maße aus.
Danke, für die Veröffentlichung meines Kommentares. Nachdenken: laut,wenn nötig, reflektieren, korrigieren, auch das, doch ohne den Anspruch auf die historische Wahrheit erheben zu wollen, treibt mich an.


Am 21. September 2016 schrieb Manfred Ebel:


Uli, und wenn er Recht hat, der A.F.? Vielleicht nicht nur selbst nicht Opfer, sondern dem Kampf für dauerhafte Ziele, die sozialistische Gesellschaftsordnung, zuvorzukommen und regelrecht zu verhindern. Wozu? - oder wie gehabt: Wem nützt es? Sich selbst, um den "Dienstwagen", das Seminar in der Toskana, die Hähnchenschenkel, die vielen kleinen Annehmlichkeiten und Privilegchen für sich selbst zu bewahren. Dazu auch die Kungeleien abseits des kämpferischen Schleiertanzes. Ein spürbares und vorzeigbares Bischen besser leben als die anderen, in den Mittelstand aufsteigen, den Stehkragen zeigen.
So habe ich die beiden Kommentatoren verstanden und kann dem nur zustimmen.
Ein Bourgeois ist berechenbarer und zuverlässiger als ein Kleinbürger. Das Wesen des Kleinbürgers ist Schein und Verrat.

Antwort von U. Gellermann:

Lieber Manfred,

die Fach-Bücherei bescherte uns folgenden Satz:
"seit dieser zeit (1914) wird ein gewerkschafter sich immer und nur für sein unternehmen/branche/gewerkschaft einsetzen und damit NUR für sich entscheiden“

Dem setzte ich eine Reihe Fakten entgegen, die sehr wohl beweisen, dass es immer wieder Gewerkschaften und Gewerkschafter gab, die sich über den unmittelbar Lohnkampf hinaus politisch engagierten. Fachbuch beschäftigte sich in der Antwort ausschließlich mit dem Generalstreik gegen den Kapp-Putsch und verzierte ihn mit der unbewiesenen Behauptung "den generalstreik 1920 haben die spd ausgerufen, um auch dem versuch des bewaffneten widerstandes (rote ruhramee etc.) der uspd/kpd zuvor zu kommen“ und Du schiebst noch die Dienstwagen und das Seminar in der Toskana hinterher, um dann den Gewerkschafter als Kleinbürger zu definieren. Ich vermute, ihr meint den Gewerkschaftsfunktionär. Die Mehrheit der Kollegen der Roten Ruhrarmee war gewerkschaftlich organisiert. Und die Mehrheit der Gewerkschafter heute sind Verkäuferinnen und Schichtarbeiter, die fahren keine Dienstwagen. Oder wolltet ihr die Arbeiterklasse mal eben zu den Kleinbürgern zählen? Doch auch unter den hauptamtlichen Gewerkschaftern, den Funktionären, gibt es jede Menge Kollegen, die in zäher Kleinarbeit die Masse der Kollegen in den Kampf für die eigenen Interessen führen: Der Grund-Schule für den Kampf der Interessen aller.

Zuletzt: Selbst wenn A. F. Recht hätte, dass sich der Gewerkschafter „nur“ der eigenen Haut gewehrt hätten war das historisch notwendig und nützlich. Das sah die KPD damals, nach einem kurzen Zögern, auch so, und schloss sich dem Aufruf zum Generalstreik an und forderte sogar eine Arbeiterregierung unter Leitung des „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes“.


Am 21. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

spd-mann schröder bekommt für sein lebenswerk den ludwig-erhard-preis!! laudatio kommt von der schwarzen null schäuble! was soll man sagen?
den generalstreik 1920 haben die spd ausgerufen, um auch dem versuch des bewaffneten widerstandes (rote ruhramee etc.) der uspd/kpd zuvor zu kommen bzw. etwas gegen die fällige sozialistische revolution zu tun, die sie mit ihrer konterrevolution zuvor verhindert haben!! lieber sich mit den kapitalisten und monarchisten verbünden, als ihre weimarer republik mit kommunisten zu teilen und zur soz. republik zu führen!!
bei allen auseinandersetzungen die der galerist erwähnte (und ich will verdienste der gewerkschaften gar nicht schmälern) wurde nie wieder ein massenstreik angewendet. der von u.spurgat angeführte grundwiderspruch des kap. spielt in diskussionen oder kämpfen als ZIEL überhaupt keine rolle!
kein wunder, dass auch im grundgesetz der generalstreik ausgeschlossen ist!
wohlstand statt klassenkampf (erhard),
ein schröder pervertiert das (burgfrieden trotz armut) und im saal werden auch gewerkschafter applaudieren!

Antwort von U. Gellermann:

Fällt jemand einer Mörderbande in den Arm. Kommt Herr A. F. des Weges: "Das macht der nur, um nicht selbst zum Opfer zu werden.“


Am 21. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

.....die "Kungelei" in den Führungen, der SPD, als auch in den Gewerkschaften sollten in meinem Kommentar erzählt werden. Die Differenzierung ist nicht in ausreichendem Maße von mir vor genommen worden.
"Der Fisch stinkt vom Kopf her."
Gewerkschafter habe im Kampf gegen den Faschismus und bei vielem mehr eine wesentliche Rolle gespielt, dieses ist und bleibt unbestritten, doch unbestritten bleibt auch, dass die revolutionären Kräfte in den Gewerkschaften sich nicht durchsetzen konnten. Die Möglichkeit, sich für den Generalstreik zu entscheiden, war gegeben.Dieses ist in erheblichem Maße beeinflußt und manipuliert worden, von den Spitzen der SPD, als auch den Gewerkschaften. "Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat." R.Luxemburg
Mit den Errungenschaften, die die Frauen und Männer erkämpft haben, hat das nichts zu tun..
Nicht die Spitzen haben auf den Strassen gekämpft; die Frauen und Männer sinds gewesen; und darauf will ich aufmerksam machen.


Am 21. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

satt ODER frei sein?
wer unter "massenstreikdebatte" googelt und im archiv der friedrich-ebert-stiftung fündig wird, kann sich noch umfassender und in richtigeren zusammenhängen informieren, als es u.spurgat hier kurz skizieren konnte!
mir fehlt die einordnung in die konkrete zeit und deren umstände.
1870/71 dt./fr. krieg mit dem ergebnis der staatlichen vereinigung der feudalen einzelländer bzw der reichsgründung von oben, den reparationszahlungen der franzosen. beides förderte den boom in deutschland, der als gründerjahre bis 1914 anhielt. und wenn es den bürgerlichen gut ging, hatten die auch 1870 in frankreich (pariser commune) gesehen, muss man die lohnabhängigen teilhaben lassen. und deren anführer etwas mehr! das stehkragenproletariat entstand. gesättigte gewerkschafter oder gar eine mehrheit der beschäftigten nahmen die veränderungen in ihrer arbeits- und lebenswelt als ergebnis gewerkschaftlichen kampfes hin, und emanzipierten oder verabschiedeten sich von den politischen ambitionen der partei spd! mir geht es gut, und das habe ich im streik besser erzielt als die spd-parlamentarier.
und so beginnt mit dem fressen und satt sein, das interesse für höhere ziele zu schwinden!! revolution, wirkliche soziale gerechtigkeit, krieg gegen das 1%? und damit haben wir auch den bogen zum thema:)
seit dieser zeit wird ein gewerkschafter sich immer und nur für sein unternehmen/branche/gewerkschaft einsetzen und damit NUR für sich entscheiden. was interessieren uns die schlecker-frauen, werden die von kaiser und tengelmann sich satt gesagt haben, und bekommen nun die quittung. und einen vw'ler juckt das gleich gar nicht, der is too big to fail! eine gesellschaftliche klasse ausgebeuteter? kenn ich nicht!!
und die spd?? bebel konnte sein lebenswerk auch dank seiner empfehlung erhalten. aber das zunehmende abweichen von den fälligen zielen eigentlicher arbeiter- bzw. sozialer gesell. bewegung (das manifest war 50 jahre alt) und die entscheidung für den krieg 1914 war der genickschuss und der beginn der verratsära!! die niederschlagung der novemberrevolution, der mord an karl und rosa, die verweigerung des einheitswahlkampfes gegen hitler und krieg,......der doppelraketenbeschluss unter einem spd-chef mit nazivergangenheit, die agenda 2010, und wenn es nur um brille und zähne geht, nun ceta/ttip!!
wenn es den bürgerlichen gut geht, werden die schon die lohnabhängigen mit verwöhnen;)
wohlstand statt klassenkampf!!
oder:
wer satt ist, weiß nicht mehr, was frei bedeutet!!

Antwort von U. Gellermann:

Gewerkschaften haben sich in den 20er Jahre mit einem Generalstreik aktiv gegen den Kapp-Putsch gewandt. Sie waren in Hessen, unmittelbar nach dem Krieg, aktiv an den Volksabstimmungen zur Verstaatlichung beteilig. Ihr linker Flügel nahm in den 50er Jahren Beziehungen zu SED und FDGB auf (Viktor Agartz, z. B.) Die Gewerkschaften im Westen waren in den 60er Jahren führend im Kampf gegen die Notstandsgesetzte, an der westdeutschen Friedensbewegung der 80er Jahre waren sie aktiv beteiligt, auf den CETA-Kundgebungen waren nicht wenige Gewerkschaften zu sehen.


Am 20. September 2016 schrieb Hans Tigertaler:

Es geht nur und ausschließlich um eins als Fernziel: Private Konzerne im praktischen Völkerrecht über den Staaten anzusiedeln.

Was uns übrigens in Wahrheit mit den eigentlich geplanten,
gegen die Gemeinwesen gerichteten geheimen
Schiedsgerichten ohne Chance des Widerspruchs drohte,
war der Schrecken wieder auferstandener Femegerichte
rechtsunsicherer Zeiten. Deren wesentliche Charakteristika
werden von den Schiedsgerichten geteilt. Da sie aber aus
dem Dunkeln heraus außerdem summarisch gegen ganze
Völker gerichtet werden sollten, hätten sie alle bisherigen
historischen Femegerichte noch bei weitem übertroffen.
Das war ein Tiefpunkt der Geschichte: Die Verantwortlichen
der EU-Kommission haben hier nichts anderes versucht als
die Aristokratisierung der Rechtssprechung zugunsten der
Reichen aus vergangenen Zeiten über eine
Sondergerichtsbarkeit wiederherzustellen. Man sollte nicht
glauben, dass die Anschlagsversuche eingestellt worden
sind: Die Furie des Privatinteresses wird wohl nicht eher
Ruhe geben, bis mit diesen Femegerichten des Kapitals
gegen die Völker die Herrschaft des neuen Finanz-
Feudaladels auch in der Judikative vollendet ist. Wenn wir
die Partei-Verantwortlichen für diese Verschwörung gegen
den fundamentalen rechtlichen Gleichheitsgrundsatz der
Aufklärung in ihren Ämtern belassen, was werden diese
Individuen uns in Zukunft antun? Sie werden es immer
wieder versuchen. Deshalb müssen sie sich darauf verlassen
können, dass schon der Versuch solchen Handelns
regelmäßig ihr politisches Ende bedeutet.


Am 20. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Zur Haltung der SPD.
"Mannheimer Abkommen."
1906: Gleichberechtigung von Partei und Gewerkschaften.
Die ursprüngliche, sozialdemokratische Zukunftserwartung den Zusammenbruch des Kapitalismus, wurde von den Gewerkschaften, nicht mit getragen.. Das neue Selbstbewusstsein der Gewerkschaften, vor allem die sozialen Erfolge, die erkämpft wurden, haben die Gewerkschaften zu einer Massenbewegung werden lassen.
"Eine ruhige Entwicklung" wünschte sich der damals Vorsitzende Carl Legien 1899 der Komission der Gewerkschaften Deutschlands. Auch Bebel rückte von elementaren Ansichten, zugunsten der "Kumpanie", "aufeinander angewiesen zu sein," ab.
1904 beim Kongress der Sozialistischen Internationale wurde der Massenstreik als äußerstes politisches Mittel, die Rechte der Arbeiterklasse zu erkämpfen, dem wesentlich,effektiverem Generalstreik, vorgezogen. "Eingeknickt" würde ich bemerken wollen.
Bevor die Resolution verabschiedet wurde hat Bebel sich klar positioniert, dem Massenstreik, zu zustimmen, um SPD und Gewerkschaften auf Linie zu bringen. Selbstzweck und Erhalt spielte in diesen Entscheidungen eine viel zu große Rolle. Im Sinne der Arbeiterklasse hätte der Generalstreik sich durchsetzen müssen.
Die Probleme in der SPD und die Rolle der Gewerkschaften sind bis heute nicht geklärt, weil die vielbeschworene "Sozialpartnerschaft" nicht möglich sein kann. Der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital dürfte ihnen doch nicht entgangen sein.
Eines ist geblieben: Die Staatshörigkeit, die kein Volk, welches selbstbestimmt leben will, braucht.
Und Gabriel bleibt eben dieser Linie treu, und somit verrät die SPD, die berechtigten Interessen der Menschen in unserem Land zum wiederholten Mal.
Es ist und bleibt der Honigtopf, dem sie nicht wiederstehen können und wollen.
Besonders dem Sigi ist es anzusehen, wie gut es ihm doch schmeckt. Gefüllt wird der Honigtopf von denen, die manches mal nicht genug zum essen haben. Es sind die Menschen, wo die Rente nicht reicht, die Alleinerziehenden, die Niedriglöhner, die Sozialhilfe- und Arbeitslosengeld II,
Bezieher, um nur einige zu nennen, die Gabriel und Co. satt machen. Und eines fällt in der Arbeit immer auf: Die genannten Menschen schämen sich für etwas, was von ihnen nicht verursacht wurde. Soviel zur SPD.
@ M. Duebler, den Konstantin Wecker empfehle ich sehr gerne mit:
er bekommt den Erich Mühsam Preis.
Verdient, denke ich.
Doch möchte ich anschließend bemerken dass unsere fleißigen Schreiber, der RATIONALGALERIE mehr als preisverdächtig sind, und ein solcher dürfte bald mal fällig sein..


Am 20. September 2016 schrieb Thomas Nippe:

Alles, was ich hätte sagen können, ist schon gesagt. Besser und geschliffener als ich es hätte tun können. Ich war in Hamburg mit Freunden dabei. Die Zusammensetzung der Demos war nicht unproblematisch. Darauf wurde in Beiträgen schon hingewiesen Stichwort Antiamerikanismus: völlig unreflektierter Begriff, bis in "linke" Kreise hinein, Propaganda!


Am 20. September 2016 schrieb Michael Duebler:

Sehr geehrter Herr Gellermann,
Ich Danke Ihnen vielmals für Ihren konstruktiven Artikel.
Was das Thema Antiamerikanisch angeht so wurde der Begriff in Leipzig auf der Demo mehrfach bei der Kundgebung laut erwähnt und es wurde sich bewusst davon distanziert, er wurde auch in einem Atemzug mit Rechtspopulismus genannt.
Das alles hat mir ganz bitter aufgestoßen und ich habe mich gefragt was das soll und warum die verantallter dieses tun.
Es soll wahrscheinlich ein weiterführender größer werdender Protest verhindert werden und jegliche Kritik an der üblen Führungselite in Amerika unterdrückt werden.
Davon sollten wir uns allerdings nicht einschüchtern und spalten lassen.
Wir sollten unseren eigenen Kopf zum denken benutzen, Parteien jeglicher Coleur können keine Antwort sein, da sie in Pyramidenstrukturen funktionieren und immer die Ziele der Finanzelite verfolgen werden, es sind Nebelkerzen und Augenwischerei.
Das zeigt auch die Zustimmung zu CETA.
Auch von diesem Rückschlag dürfen wir uns nicht entmutigen lassen.
Wir müssen weiterkämpfen und dürfen uns nicht mit Denkverboten belegen lassen.
Ich hoffe am 08.10.2016 kommen viele Menschen und ich hoffe, dass vorallem untereinander kommuniziert wird, und durch Dialog und Empathie die Kreativität angeregt wird , was getan werden muss und wie es getan werden sollte.
Ich empfehle allen noch die schöne CD "ohne Warum" von Konstantin Wecker.
Sie hat mich sehr positiv beeinflusst und jeder sollte sie kennen.
In diesem Sinne - Gott segne Euch!


Am 20. September 2016 schrieb Alfred Matejka:

"Die SPD ist eine Scheißpartei"so die Aussage von Egon Bahr in einem Zeitungsinterview. Siegmar Gabriel darauf angesprochen,sagte,er würde es nicht wagen,Egon Bahr zu widersprechen.Ich habe das mal einem "alten"Sozialdemokraten erzählt.Der sagte mir dann,ja,aber ohne die SPD geht es leider auch nicht.Was tun?Sozialdemokraten gibt es eh kaum noch in der SPD,die sind in die Linkspartei gewechselt.In der SPD macht man wie schon vor Jahrzehnten Parteikarriere von links unten nach rechts oben.In UK treten wenigstens tausende in die "Laaberpartei " ein um ihren linken Vorsitzenden zu stützen.Hier kaum vorstellbar,der Weg durch die Parteiinstanzen ist zu lang.Wann wird dick und doof in einer Person gestürzt?Der Druck muss wohl verstärkt werden.Ich war in Frankfurt dabei,habe viele Mitstreiter noch aus den 70er Jahren getroffen. Also legen wir noch einen Zahn zu,gehen wir die eine Million an,oder gibt es schon eine Obergrenze bei Demos?


Am 20. September 2016 schrieb Dirk Sandmann:

Jetzt hat der dicke Siggi es geschafft und Ceta in Wolfsburg durchgebracht. Ich hoffe nur, die SPD verreckt an diesem Brocken jetzt endgültig...


Am 20. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

So bietet der Artikel die Möglichkeit, an der Stimmung, der Zuversicht und den lebensbejahenden und politischen Botschaften auf diese Weise, teilhaben zu können. Der bodenständige Artikel, in der besonderen Art, unnachahmlich, geschrieben vom Galeristen, lässt nur die Möglichkeit des Dankes, zu. Danke !
"Sich fügen, heißt lügen." E.Mühsam


Am 20. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

"Sie verliert bei Arbeitern und Arbeitslosen, sie verliert den Charakter der fundamentalen Opposition."
verloren hat sie die stimmen und den charakter, als sie mit der spd im bett lag!!
ick bin keen börlinner, aba man munkelt in der pampa, dat rot-rot mit der "haushaltssanierung" eenen sozialen kahlschlach hinjelegt hat!!
und die leute kriegt man so einfach nicht zurück!
muss eine regierungsbeteiligung jetzt wirklich sein?? noch dazu mit der dreier-konstellation und den "grünen".
die afd sitzt das aus und feixt sich eins, weil sich 3 künftige oppositionsparteien aufreiben werden! wenn die cdu den lagerwahlkampf initiiert, wird die afd plötzlich deren freund!


Am 19. September 2016 schrieb Heiner Bergkamp:

In Ihrem TV-Beitrag tun sie so, als ob die LINKE am Berliner Ergebnis der AfD schuld trüge. Dass sie gegenüber den letzten Wahlen immerhin 3,9 Prozent dazu gewonnen hat, das verschweigen Sie. Und rund 24.000 SPD-Wähler wanderten von dort zur AfD. Die Linke verlor nur 12.000 Stimmen an die recht Partei.

Antwort von U. Gellermann:

Die Linkspartei-Gewinne berechnen sich aus dem schlechten Ergebnis der letzten Wahlen. Die 22,6 Prozent der PDS aus dem Jahr 2001, in dem unter wesentlich schlechteren ideologischen Bedingungen gekämpft wurde, sind immer noch nicht wieder erreicht. Und die beträchtlichen Zugewinne der LINKEN aus dem Stimmentopf der „Piraten“ (24.000) zeigen klar: Die Stimmenzuwächse aus einer eher gebildeten, saturierten Schicht, weisen scharf auf das Problem der LINKEN hin: Sie verliert bei Arbeitern und Arbeitslosen, sie verliert den Charakter der fundamentalen Opposition.


Am 19. September 2016 schrieb Christoph Simon:

Nicht nur der Antiamerikanismus wird den Gegnern von TTIP, CETA und TISA unterstellt. Eine weitere gängige Behauptung (wie auch vor zwei Wochen im honorigen ARD-Presseclub) ist, die Gegner dieser Geheimverträge würden nur nationalistisch denken und sich die alten Grenzen und den entsprechenden Protektionismus abgeschotteter Märkte zurück wünschen. So kann man die Demonstranten leicht zu Ewiggestrigen stilisieren, die eine globale Gesellschaft nicht akzeptieren wollen.

Aber die Wahrheit ist dann doch exakt umgekehrt. Denn es sind die Mächte des entfesselten Kapitalismus, also aus den USA und aus Westeuropa, die mit allen Mitteln weiterhin ihre Pfründe sichern und den Status Quo der Ausbeutung aufrechterhalten wollen. Das ist gelebter, reaktionärer Protektionismus. Von einem wirklich globalen Handel wollen sie nichts wissen. Könnte ja sein, dass sich plötzlich Afrika, Südamerika und Südostasien nicht mehr mit armseliger Entwicklungshilfe abspeisen lassen. Hierbei ist es völlig egal, ob der Begriff „Nation" territoriale Grenzen meint, oder die Abgrenzung einer „Wirtschaftselite" vom Rest der Welt.


Am 19. September 2016 schrieb Michael Degler:

Zu 19. September 2016 Aleksander von Korty:

Sehr richtig. Amerika ist größer als die USA. Die Antiamerikaner bzw. deren Vertreter sitzen im Weißen Haus genau wie die Antisemiten in Jerusalem. Beide Konsorten machen Politik gegen das eigene Volk.


Am 19. September 2016 schrieb Eric Boule:

Der Westen ist verwundert ueber die Folgen von ihrer Politik Man macht Kriege+Sanktionen i/d ganzen Welt, Kriegsdrohungen an China+Russland und dann ist man verwundert das die Wirtschaft nicht laeuft??? Nebenbei wird noch verhandelt ueber TTIP wobei 80% der Weltbevoelkerung ausgeklammert wird, nach TTIPunterzeichnung wobei kleinere+mittlere EUunternehmen keinen Zugang zu NordAmerika bekommen,noch immer verwundert das die Wirtschaft nicht laeuft??? CETA Handelsabkommen mit Canada ist unterschriftsreif weil die EUverhandler sich weigerten weiterzubehandeln, das Abkommen ist noch viel schlimmer wie TTIP und ueber Canada bekommen die USA Zugang zum EUmarkt was ueber TTIP nicht mehr gelingt. Noch immer verwundert das die Wirtschaft nicht laeuft???


Am 19. September 2016 schrieb Andreas Gehrmann:

Wieder mal ein grandioser Beitrag!!
Ich selbst bin in Köln mitgelaufen. Die Stimmung und die Reden waren insgesamt gut!
Zwei Dinge sind mir allerdings sauer aufgestoßen:
1. Der Hinweis der Veranstalter, man wolle keinen "Anti-Amerikanismus" schüren. Ich bin aber der Meinung, ein "Anti-Amerikanismus" ist dringend erforderlich. Natürlich ist damit nicht das amerikanische Volk gemeint sondern die US-Administration. Das hätte man schon auch differenzieren und klar stellen können.
2. Der Beitrag der Gewerkschaften war zwar richtig und gut, allerdings scheinen alle wieder vergessen zu haben, dass eben auch die Gewerkschaften fleißig bei der Durchsetzung der neoliberalen Agenda mitgemischt haben, angefangen beim "Bündnis für Arbeit" 1999 im Kanzleramt. Und auch heute sehe ich keine wirkliche Anstrengung der Gewerkschaften, den Neoliberalismus zu überwinden. Das Lohnniveau, die Armut, etc. in DE sprechen da eine eindeutige Sprache. Offensichtlich glauben führende Gewerkschafter immer noch, dass sinkende Löhne zu mehr Beschäftigung führen. Ein wenig Selbstkritik wäre angebracht gewesen! Ich vermute eher, dass die Gewerkschaften einen massiven Machtverlust befürchten, wenn die Verträge durchgesetzt werden, und sie sich darum gegen diese Verträge positionieren.


Am 19. September 2016 schrieb Manfred Ebel:

Wohltuend und erstaunlich ist, dass und wenn eine unüberschaubare Meinungsvielfalt sich auf einen Kleinsten Gemeinsamen Nenner besinnen und sich in einer gemeinsamen Aktion darauf beschränken kann.

Wohltuend sind die Inspiration und das Mitreißende, wenn man mit seinen Gedanken oft an allgemeiner Gedankenlosigkeit zerschellt und nun plötzlich 70 000 Menschen mit ähnlichen Gedanken trifft. Denen fühle ich mich zugehörig.

Wohltuend, wenn man in dem, worüber man sich zuvor Gedanken macht und wovon man zutiefst überzeugt ist, von so vielen bestärkt wird.

Wohltuend, wenn man diese und jenen - z.B. Galeristen :-)) - in der Demo umarmen kann; oder auch Leute trifft, von denen man es ganz und gar nicht erwartet hatte.

Wohltuend auch, wenn man einerseits erlebt, vor und nach der Demo nur wenige hundert Meter weiter als Demonstrant wie 'n Mondkalb angeglotzt zu werden oder Sprüche hört "TTIP? CETA? - nie gehört" - andererseits aber hieb- und stichfest erlebt (!) hat, wie rasch sich eine aufbegehrende Masse zum Widerstand formieren kann.

Wohltuend, geradezu überwältigend und sinnbildlich war, wärend des Regengusses kaum jemanden zu sehen und bald daran zu verzweifeln, dass so wenige kommen - und dann erlebt, wie die Massen in wenigen Minuten zusammenströmen.

Wohltuend , die Avantgarde der 99% zu erleben.

Es war ein Tag der großen Zuversicht. Lasst ihn uns, so oft es nötig ist, wiederholen.
Machen wir den 8. Oktober zum Friedensfest!


Am 19. September 2016 schrieb Andreas Schell:

Das ist zwar nur ein Anfang, aber in der Tat ein sehr guter. Noch ist die Empörung über unsere übergestülpte Scheindemokratie kanalisiert, termingerecht und angemeldet. Sie findet friedlich statt. Letzteres ist aber das Einzige, was so bleiben muss.

Der dicke Lügner von der SPD, der sich gerade in Sozialpopulismus befleissigt, während er im Hintergrund für seine zynischen Auftraggeber und Kraft seines Amtes Waffenexporte genehmigt und in großen Schritten die bestehende Konzerndiktatur weiter legalisiert, darf keine Stimmen bekommen. Die Kanzlerin und die Verteidigungsministerin, diese fiesen alten Kriegstreiberinnen, und der antidemokratische Rollstuhlfahrer, der vermittels Troika auftragsgemäß den europäischen Zusammenhalt zerstört, dürfen keine Stimme bekommen. Die AFD, die für Neid und Missgunst steht und die nur als komplett systemkonformes Auffangbecken für schlecht Informierte und Frustrierte installiert wurde, darf keine Stimme bekommen. Die Grünen, die sich in ihrer Selbstgefälligkeit kaum an die noch immer nicht umgesetzten Ideen von Umweltschutz, Frieden (haha!) und Atom-ausstieg erinnern, dürfen keine Stimme bekommen. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen. Alle Parteien dienen dem gleichen Wirtschaftssystem, dem Neoliberalismus. Gegen den erhebt sich der CETA und TTIP Protest als zartes Pflänzchen. Das muss unbedingt noch massiv ausgebaut werden.

Worum geht es wirklich? Es geht doch nicht darum, dass wir von Übersee aus regiert werden. Das werden wir schon seit Mai 1945. VW entschädigt offensichtlich Amerikaner, keine Deutschen, und von USA aus wird nach den eingesammelten Milliarden der Deutschen Bank gegriffen, nicht etwa von unserem eigenen Fiskus. Ob der heutige Zustand durch eine Konzern-Paralleljustiz überhaupt noch verschlimmert werden kann? Vielleicht wär's ja mal angeraten, Göttin Justitia und dem deutschen Michel, der an sie glaubt, für ein paar Minuten die Augenbinde (und ggf. das Parteibuch) abzunehmen.

Es geht um mehr. Es geht darum, einem übergeschnappten Club von Superreichen und ihren Provisionsempfängern, also dem Neoliberalismus in seinem heutigen Endstadium, nicht in den dritten Weltkrieg zu folgen.


Am 19. September 2016 schrieb Ute Plass:

Danke, Uli Gellermann, für den vergnüglich zu lesenden Demobericht.


Am 19. September 2016 schrieb Alexander Kocks:

Der Herr Steinbrück ist für mich nicht der Herr mit der Fahrradkette, sondern der Schutzpatron aller außerbilanziellen
Zweckgesellschaften. Damit hat der Herr die BRD zur größten Steueroase für Banken und Großkonzerne gemacht.
Herr Junker in Luxemburg und die Holländer verblassen vor dieser Leistung. Mir wäre Herr Steinbrück lieber wenn er Fahrräder repariert und sich um Fahrradketten gekümmert hätte.
Ansonsten kann man um den Volkswillen in wichtigen Dingen durchzusetzen sich für direkte Demokratie nach dem Schweizer Model
einsetzen. Als unterstützende Parteien fallen mir dazu nur die Linke und die AFD ein, alle anderen Parteien schließen eine Beteiligung der Bürger mittels direkter Demokratie strickt aus.
Der Gang zum Verfassungsgericht für Bürgeranliegen endet nämlich regelmäßig als Schlag ins Wasser.

Antwort von U. Gellermann:

Man sollte sich nichts weismachen: Die AfD will die Volksabstimmungen primär, um die Todesstrafe durchzusetzen: Das Volk soll völkisch sein.


Am 19. September 2016 schrieb Michael Kohle:

Samstagabend, bei der Verkündung der staatlich festgestellen Teilnehmerzahlen bei Gniffkes brauchte es natürlich auch dringend einer berichtigenden, positiven Stellungnahme zu CETA, zu TTIP. Ohne hätte es kaum abgehen können. Da wg. der Wahl am Folgetag keiner der deswegen mit zwischen den Hinterläufen eingeklemmtem Schwanz dahin schleichenden Parteivertreter aufzubieten war, musste ausgerechnet ein Vertreter der "Initiative neue soziale Marktwirtschaft" warnend den Zeigefinger heben und sein Sprüchlein aufsagen. Sie schämen sich nicht! Soziale Marktwirtschaft? Jenes verlogene Schlagwort, spätestens mit der Verkündung der marktkonformen Demokratie im Krematorium entsorgt und seither dankenswerterweise auch nicht mehr benützt?

Zu Beginn des Beitrags zum Thema - Gniffke und die Seinen sind ja helle, psychologisch geschult und auf unsere Kosten beraten dazu - konnte tatsächlich der bildqualitätsmäßig mieseste Sekundenstreifen von der 81er Friedensdemo aufgeboten werden. Nun, die läppische Demo fand ja auch im letzten Jahrhundert statt, aber es waren dennoch Unmengen mehr an Teilnehmern zu verzeichnen, so wurde mit offener Schadenfreude verkündet. So jedenfalls war es zwischen den Zeilen zu hören, bevor es überhaupt richtig angefangen hatte.

Auch die Friedensdemo von einst hat bekanntlich nichts bewirkt, im Gegenteil. Ob jetzt heuer eine Wirkung eintritt? Immerhin hätte es die Sozen nachdenklich stimmen müssen und die Gabriels nebst ausrangierten Fahrradketten an die Kandare nehmen. Aber die sind jetzt so besoffen von ihrem Erdrutschsieg am Sonntag, kommen sie doch immer näher an jene 18 Prozent von Guido - Gott habe ihn selig. Zwar von der falschen Seite, egal. Und das in der Stadt von Willy Brandt. Wir sollten mal bei Gelegenheit die Herrschaften im Willy-Brandt-Haus fragen, wie sie eigentlich "Weckruf" definieren. Womöglich schätzen sie das hell erschallende Totenglöcklein falsch ein.


Am 19. September 2016 schrieb altes Fachbuch:

"Weihnachten und Ostern werden von der Koalition umgehend auf einen Tag gelegt."

das ist so undenkbar nicht und daher sollte der galerist den idioten nicht den weg zeigen;)
die LINKE hätte noch gestern abend ihr "ja" für eine koalition mit der heutigen entscheidung des spd-konvents ("zufällig" in DER spd-stadt, die für betrug und sozialen raubbau steht) verknüpfen MÜSSEN!!! das wäre mal eine hilfe gewesen. dafür holen sie sich lieber die abfuhr vom oppermann ab.

und so macht man das mit den stimmen in einer demokratie: die abgegebenen werden nicht als wählerauftrag umgesetzt, und die erhobenen werden nicht gehört (da außerhalb des parlamentsgebrabbel)!!


Am 19. September 2016 schrieb Dörte Zimmermann:

Ich habe noch nie so einen heiteren, klugen und eleganten Bericht über eine Demosntratio gelesen. Häufig wir Gellermann hier mit Tucholsky verglichen, das mache ich nicht. Er ist einfach Gellermann, einer für sich und für uns.


Am 19. September 2016 schrieb Heinz Schneider:

Im Prinzip hat Peer Steinbrück vollkommen Recht. Es wäre fatal, wenn der heute tagende Konvent seiner Partei gegen die glasklare Mehrheitsmeinung ihrer Basis dem Vorstand folgen und mittels Zustimmung zu CETA sich in das Lager der Freihandelsgegner einreihen würde.

Denn ein Freihandelsabkommen ist CETA nicht, sondern es verbirgt unter Elementen desselben das glatte Gegenteil.

Freihandel, so sagt schon der Begriff, ist Handel, der auf dem freien Willem der beteiligten Vertragspartner beruht und demokratisch legitimiert ist. Daraus folgt, dass Freihandel gesetzeskonform unter Beteiligung der Parlamente zustande kommt und gemeinwohlorientiert ist.

Ein Abkommen, das eine rechtsstaatswidrige Paralleljustiz etabliert, die Händler von Gemeinwohlverpflichtungen freistellt und den anmaßenden Anspruch hat, künftigen Abkommen beliebiger Vertragspartner diese Eigenschaften aufzunötigen, trüge die Bezeichnung "Freihandelsabkommen" vollkommen zu Unrecht!

Antwort von U. Gellermann:

Aber Steinbrück will genau das: Er will den Konvent auf CETA verpflichten.


Am 19. September 2016 schrieb Lutz Jahoda:

FESTSTELLUNG

Berlin hat immerhin besser als Mecklenburg gewählt, aber immer noch nicht vernünftig genug. Was erhoffen sich die Berliner von der SPD? Eine Träne im Knopfloch reicht nicht aus, um die Tragik zu beweinen. So mutierte die Schwachmatenpartei inzwischen zur Partei der Sozial-Imperialisten, und einige Linke im Westen schwächeln da bereits mit .

Da hilft kein Klagen, eher Schelten.
Links von Links sollte längst gelten.
Das Elend politischer Dummheit ist groß.
Der Schaden lässt sich nicht leimen.
So werde auch ich das Gefühl nicht los:
Die Mehrheit wählt falsch. Was mach ich bloß?
Und weiß darauf nichts mehr zu reimen.


Am 19. September 2016 schrieb Ursula Brümann:

Stimme demonstrativ erheben, nicht abgeben!
Ihre Nachricht: Könnte das nicht der Slogan vor der nächsten Bundestagswahl werden, um die Friedensbewegung wieder auf die Straßen oder vor die Tore von Africom, Eurocom und Ramstein zu bringen?


Am 19. September 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Ja, die Demo war schön.
Ich bin in Köln mitgegangen so lange mein derzeitiger Fersensporn es zuließ, schließlich ist ja sehr bald auch ein Marsch in Berlin zu bewältigen. Die Friedensdemo.
Mal sehen ob die Deutschen es ebenso wichtig finden, für ihr eigenes physisches Überleben und die Zukunft ihrer Kinder auf die Straße zu gehen, bisher sind sie da ja sehr unbekümmert.

Wahrscheinlich wird es für mich die zweite Demo sein, die vom 8., weil der Fuß sich bis dahin eher erholen kann.
Am 1.10. gibt es, wie ich sah, auch schon eine Friedensdemo, initiiert von KenFm.
Zwei Friedensdemos in Berlin kurz hintereinander? Seltsame Zeiten.
Da fällt mir das erwähnte blaue Schild ein mit seiner Distanzierung vom "Antiamerikanismus", welches ich hier in Köln auch bewundern durfte (die beiden anderen Sünden habe ich bei Ken Jebsen noch nie feststellen können), von dem man Ken Jebsen nicht wirklich freisprechen kann.
Da mit Anti-Amerikanismus eigentlich Anti-US-Imperialismus gemeint ist, mich auch nicht.
Eigentlich weiß ja jeder, dass man den amerikanischen Normalbürger, wenn auch nicht immer beliebt, hier nicht vor ethnischer Diskriminierung schützen muss. Viele Amerikaner sind außerdem ebenfalls keine Freunde mehr des eigenen Systems. Worum kann es also nur gehen?
Jemand will die US-Regierung nicht zu sehr brüskieren. Seltsam, als man zu Schröders Zeiten gegen den Irakkrieg protestierte waren solche Unterwerfungsgesten noch nicht notwendig, . Aber vielleicht ist das den USA eine Lehre gewesen und sie haben danach ihren Einfluss verstärkt.
Bei der kommenden Friedensdemonstration wird man diese blauen Schilder sicher mindestens ebenso unverzichtbar finden. Um im Zusammenhang mit der Kriegstreiberei der Nato die USA, z.B. Obamas Drohnen oder Hillary Clintons Weltbeherrschungspläne nicht zu kritisieren, wird man sich allerdings sehr verrenken müssen. Darauf hat Jebsen vermutlich keine Lust - und mich graust auch schon der Gedanke daran -, sofern ihm nicht sowieso schon sein Unerwünschtsein mitgeteilt wurde..

Allgemein bin ich auch dafür nicht n u r die USA zu kritisieren, sondern auch die internationale Rolle der EU und die eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interessen von Frankreich, England und auch Deutschland mal kritischer zu beleuchten. Die verbrecherischen Freihandelsabkommen mit afrikanischen Ländern sind hier kaum bekannt und Deutschlands praktizierter Anspruch, über Brüssel Europa zu führen (nein, dann ist es nicht "nationalistisch", ist ja EU...)erfährt hier leider wenig öffentliche Kritik. .
Beim Thema Atomwaffen und Kriegsgefahr aber stehen die USA vorne.
Sicher kommt dann das Argument, man müsse Russland ebenso kritisieren, aber einmal hat Russland mit der neuen Spannungslage nicht angefangen und zum anderen gelten Demos immer erstmal der eigenen Regierung, deren Handeln man eher beeinflussen können sollte, als das der "Gegenseite".
Ich hoffe auch, dass am gefälschten Image von Frau Clinton dann mal endlich gehörig gekratzt wird.


Am 19. September 2016 schrieb Pat Hall:

Danke Uli G. , tja das Volk wollte es doch so,oder ? Nun sieht und schaut zu wie Wohnungseinheiten & Abwasserkanäle an Investoren verkauft wurden und sich Per Steinbrück in die Schweiz absetzt ?
Da steht der Piffke nun vor vollendeten Tatsachen und schläft nun unter den Brücken,tja...so isses ,


Am 19. September 2016 schrieb Aleksander von Korty:

Der rationale Galerist hat einmal mehr eine Satire vom Allerfeinsten geliefert, geschliffen im Wort und treffend in der Sache ! Mein Lieblingssatz; " So hatte sich der Führer den Anschluss nicht vorgestellt!"
Zum sogenannten ANTIAMERIKANISMUS-Begriff: Der ist schon deshalb haltlos und völlig schwachsinnig, weil diese weißen Gringos nur die Nachkommen der Eindringlinge aus Europa und die schwarzen Gringos die Nachfahren der von Ihnen aus Afrika eingeführten Negersklaven sind. Das sie ihr Land "Vereinigte Staaten von Amerika" nennen und damit den Eindruck erwecken, sie seien die einzigen und wahren Amerikaner ist nur Ausdruck ihrer überheblichen, anmassenden Arroganz. Und die Europäer sind dumm genug, immer nur zunächst an diese USA zu denken, wenn der Begriff 'Amerika' fällt. Dabei sind die Kanadier, die Mexikaner, die Kubaner, die Nicaraguaner, die Panamesen, die Argentinier, die Chilenen, die Haitianer, die Brasilianer und alle Einwohner aller anderen Staaten des amerikanischen Kontinentes selbstverständlich mindestens genauso Amerikaner, die diese Gringos.
Denn wer wollte bestreiten, dass wir Beide Herr Galerist, Sie und ich, als deutsche Staatsbürger selbstverständlich EUROPÄER sind. Genau so wie die Franzosen, die Dänen, die Russen, die Slowaken, die Polen, die Albaner, die Spanier usw. Selbst die Affen auf dem Felsen von Gibraltar, sind KEINE Afrikaner, sondern waschechte Europäer und sogar reinrassige britische Staatsbürger.
Sprache ist NICHT Ideologie-frei. Schon mit der Wahl der Worte und Begriffe werden in demagogischer Weise politische Inhalte in die Gehirne transportiert. Einer dieser demagogischen Sprachkünstler ist der vom Galeristen erwähnte, sozialdemokratische Trickbetrüger!

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