Buy an Eurofighter

Wie Sie dem Verteidigungsminister helfen können

Autor: U. Gellermann
Datum: 09. Juli 2013

Der arme Thomas de Maizière, nun taumelt er in letzter Zeit von Skandal zu Skandal und nun noch dies: Der Eurofighter, der bisher zu einem Schleuderpreis von 80 Millionen Euro das Stück zu haben war, soll nun doch 100 Millionen kosten. Das hat der Minister natürlich nicht wissen können. Wie schon bei den Drohnen waren es eine Reihe von Vorgängern, die all ihre Energie auf die Beschaffung des Fliegers konzentrieren mussten: Seit den 80er Jahren wird an diesem Kampfjet gebastelt, der ursprünglich als Antwort auf die "sowjetische Bedrohung" gedacht war. Als die dann endgültig wegfiel, hätte eigentlich auch der Eurofighter wegfallen können, oder auch dieser oder jener Verteidigungsminister, aber, na ja, die Rüstungsindustrie muss auch Umsatz machen. Und nun fallen die unnützen Mordmaschinen ausgerechnet dem preußischen Bürokraten in Merkels Mannschaft auf die Füße. Also, greifen Sie zu. Wenn Sie und Ihre Freunde auch nur zehn Stück Fighter kaufen, könnte de Maizière so ungefähr das geplante Budget einhalten und aufatmen.

Eigentlich ist die Maschine eine echtes Schnäppchen, ein schicker Zweisitzer, mit dem Sie mal eben in zweifacher Schallgeschwindigkeit, ohne Nachzutanken von München nach Madrid fliegen könnten. Kaum aufgestiegen, schon da! Falls Sie sich allerdings an der Jagd nach Aufständischen oder gerade missliebigen Regierungstruppen beteiligen wollten, werden sie nachtanken müssen. Wie jene 24 Eurofighter, die erfolgreich im Libyen-Einsatz waren. Dort wurden insgesamt "600 Missionen und 3000 Flugstunden" erflogen. Die Zahl der erledigten Feinde war schwer zu ermitteln, das Land ist ja derart unübersichtlich. Sollten Sie, wie die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff, an einen Afghanistaneinsatz des Eurofighters denken, stünde Ihnen serienmäßig eine Fünfkammerrevolverkanone der Firma Mauser zur Verfügung, mit der Sie pro Minute 1.700 Schuss verballern können: Da bringen Sie den Ziegenhirten mal das Laufen bei.

Was kriegt man sonst schon für 100 Millionen? Picassos Gemälde "Junge mit Pfeife" hat so viel bei der letzten Versteigerung gekostet. Aber kann das Bild fliegen? - Christiano Ronaldos Ablösesumme ist ungefähr so hoch. Ja, auch der Fußballer kann schießen, aber bei weitem nicht so schnell. - Die Saudis müssen etwa 100 Millionen für 30 deutsche Panzer vom Typ Dingo hinlegen. Aber haben Sie denn so viel Personal, dessen möglichen Aufstand Sie unterdrücken müssen? Hören Sie auf einen Experten, den seligen Hindukusch-Freiheitskämpfer Peter Struck, der wußte zum Eurofighter zu sagen: "Das Geld ist sicher gut angelegt. Das ist kein Prestigeprojekt." Obwohl, da nicht viele Ihrer Freunde so ein Gerät haben werden, steigt Ihr Prestige nach dem Kauf ganz beträchtlich.

Wenn Sie dann mal eben nach Madrid geflogen sind, könnte die spanische Luftwaffe, während Sie ihre Runde im Prado drehen oder auf der "Calle Serrano" Klamotten kaufen, Ihre Maschine warten. Denn Spaniens stolze Ejército del Aire besitzt bereits 41 Maschinen vom Typ Eurofighter, 32 weitere sollen noch geliefert werden. Die Gesamtkosten sind fast so hoch wie die spanischen Staatsschulden, die über den Euro-Rettungsschirm auch die Ihren sind. Wenn Sie jetzt denken, der Name Euro-Fighter könnte eine Bedeutung bei der Bekämpfung der Euro-Krise haben, die Spanier brauchten nur ihre Kampfflugzeuge veräußern, beziehungsweise gar nicht erst liefern lassen, und schwupp wäre der Haushalt saniert, dann denken Sie falsch. Denn Spanien ist einer der Teilhaber der "Eurofighter Jagdflugzeug GmbH", die ihren Sitz im beschaulichen Hallbergmoos bei München hat, und wenn man der GmbH keine Flugzeuge mehr abkaufen würde, dann ginge die Pleite und schon wäre ein großes europäisches Projekt beendet. Denn neben Spanien sind auch Deutschland, England und Italien an der GmbH beteiligt. Und wenn auch die Italiener auf die Idee kämen ihre zwei Billionen Staatsschulden durch die Nichtabnahme jener 165 Eurofighter, die sie bestellt haben, zu sanieren, ja, wo kämen wir denn dann hin?

Sie sollten mit dem Kauf Ihres Eurofighters nicht zögern. Denn, wie Sie sicherlich jetzt begreifen, retten Sie mit diesem Kauf nicht nur den Arsch des Verteidigungsministers. Sie retten irgendwie auch Europa. Denn was wäre, wenn zum Beispiel die brandgefährlichen Marrokaner ihre spanisch besetzten Exklaven zurück haben wollten? Oder wenn die Äthiopier Reparationen für die mörderischen Verwüstungen durch italienische Truppen bei deren Invasion des Landes verlangen wollten? Schließlich verweigern die Russen hartnäckig die Herausgabe der Beutekunst, mit dem albernen Argument, Deutschland habe immer noch keinen Ausgleich für die Kriegszerstörungen durch die Nazi-Truppen geleistet. Wie sollte sich Europa also schützen, wenn es ganz ohne Eurofighter dastünde? Kaufen Sie, lieber Herr, kaufen Sie und animieren Sie Ihre Freunde zum Kauf. Damit die Zukunft des Thomas de Maizière und die der Europäischen-Rüstungs-Union gesichert werden kann.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 09. Juli 2013 schrieb Wera Blanke:

Bloß gut, das Sie nur die Herren ansprechen - sonst hätte ich gleich mal nachgesehen, wieviel vom letzten Aldi-Besuch übrig gelieben ist ...

Antwort von U. Gellermann:

Das ist natürlich wider jede Emanzipation. Ich gehe sofort für Sie und Ihren Flieger sammeln.


Am 09. Juli 2013 schrieb Svenja Mittelstedt:

Der Eurofighter-Artikel ist eine wirklich kluge und unterhaltsame Arbeit. Sie schleichen sich regelrecht an, um dann plötzlich zuzuschlagen. Ds ist gemein und überzeugend.


Am 09. Juli 2013 schrieb Hannes Herzog:

Warum soll ich einen Minister retten? Wer rettet mich?

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