Brrm, brrm, brrm!

Prima Klima in Katar

Autor: U. Gellermann
Datum: 27. November 2012

"Ich gratuliere Sebastian Vettel sehr herzlich zum Gewinn des Weltmeistertitels", sagte die Kanzlerin fröhlich. Benähe hätte sie noch ein kerniges "brrm, brrm" hinterhergeschickt. Zeitgleich zum Weltklimagipfel in Katar ist dieser Glückwunsch nur angemessen: Vettels Auto braucht auf 100 Kilometer gerade mal 70 Liter, was bei einer Höchstgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern wirklich sparsam ist. Auch das Prinzip der Formel-1-Fortbewegung - stundenlang im Kreis drehen und nicht Vorwärtskommen - entspricht dem Charakter der Klimakonferenzen. Ob das Emirat Katar wegen seines weltweit größten Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlendioxid als Tagungsort ausgewählt wurde oder weil dort die Menschenrechte so interessant geregelt sind - in der Katar-Diktatur kann Gotteslästerung mit sieben Jahren Gefängnis bestraft werden, Homosexualität kostet nur fünf Jahre - weiß man nicht so genau. Viele Teilnehmer sind schon froh, dass die Konferenz nicht in der Nachbardiktatur des Emirates Bahrein stattfindet. Zwar hatte dort unser Sebastian jüngst auch einen Formel-1-Titel errungen, aber das war nur möglich, nachdem deutschen Panzer aus Saudi Arabien in Bahrein Ruhe und Ordnung wiederhergestellt hatten: Die Bevölkerung hatte demokratische Reformen verlangt, das ging natürlich zu weit.

Die hohe Panzerdichte in Katar und Umgebung - sowohl in Katar als auch im benachbarten Saudi Arabien sind jede Menge deutsche Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 geparkt - könnte ein weiterer Grund dafür sein, die Klimakonferenz in der Hauptstadt Doha auszurichten: Der Leopard 2 gehört mit seinen 410 Litern auf 100 Kilometer zu den echten Spritsparern unter den Panzern. Auch wenn der Bundesumweltminister in Vorbereitung der Konferenz warnte: "Das aktuelle Tempo des internationalen Klimaschutzes ist absolut unzureichend, um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen", wissen doch alle Kenner, dass zumindest unser Panzer jenes Tempo entwickelt, das für ein gutes Gefecht nötig ist. Als sich Angela Merkel noch Klimakanzlerin nannte, hat sie sicher die ökologischen Parameter bei der Panzerherstellug durchgesetzt.

Seit Merkel sich zur Autokanzlerin entwickelt hat - ihre Abwrack-Prämie hatte nicht nur den Automobilumsatz sondern auch die CO2-Werte ordentlich stabilisiert - tut sie alles, um die deutsche Autoindustrie mit dem Klima zu versöhnen. Ihr Mann für Umweltfragen in Brüssel, Günther Oettinger, hatte im Vorfeld der Klimakonferenz in seinem Brief an den VW-Chef klar formuliert, dass nun "die Belastung der Industrie vermindert" werde. Denn die wenigen deutschen Elektro-Autos kann die Industrie in ihrer Umweltbilanz mehrfach aufführen und kommt so zu sauberen Traumwerten, die zwar nicht die Belastung des Klimas, aber eben jene der Industrie deutlich verringern.

Während die Polkappen stärker abschmelzen, der Meeresspiegel weiter steigt und die Wirbelstürme an Häufigkeit und Intensität zunehmen, preist Angela Merkel die "fabelhafte Nervenstärke" von Sebastian Vettel. Der Sponsor des Rennfahrers - Hersteller jenes Bonbonwassers namens Red Bull, das sich als Energy-Drink ausgibt - wird Vettels mentale Verfassung sicher auf sein Getränk zurückführen. Nervenstärke braucht man angesichts der drohenden Umweltkatastrophen wenn man, wie die Kanzlerin, im Wesentlichen ein "Weiter-So" praktiziert. Das Zwei-Grad-Ziel muss dringend fallen gelassen werden", forderte Oliver Geden, der Klimapolitik-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, in Vorbereitung des Weltklimagipfels. Der Stiftung, eigentlich ein Denk-Tank für die Außen- und Militärpolitik der Bundesregierung, hat erheblichen Einfluss auf die Politik der Bundesrepublik. Auch wegen solcher Reduzierungs-Vorhaben werden die rund 15.000 Teilnehmer in Katar im Wesentlichen heiße Luft produzieren. Das wird nur von denen als prima Beitrag zur Besserung des Klimas angesehen werden, die ernsthaft glauben, dass Red Bull Flügel verleiht.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 29. November 2012 schrieb Wolfgang Blaschka:

Sosehr mich diese Grundsatz-Fragen (s. Kommentar zur Rating-Zuschrift) auch interessieren (Wieso schmeißen Granatwerfer Edelsteine in die Luft? Was nützt ein Sturmgewehr bei Windstille? Was macht ein Bergepanzer im Tal?), möchte ich doch darauf hinweisen, dass diese Zuckerwasser-Tandler aus dem Salzkammergut in ihren UFO-artigen Zeltrotunden doch ein Potenzial verwalten, das ein Überflieger wie Dr. rer.plag. Guttenberg längst militärisch zu nutzen gewusst hätte: Fallschirmspringen aus der Raumstation, Panzerwettrennen auf dem verwaisten benachbarten Salzburgring (um ihm den Rest zu geben) oder andere Extremsportarten für die Sportbataillone der Bundeswehr: Freeclimbing mit 40 kg Gepäck am Buckel oder Snowboarding mit MG ohne Stützen (Gebirgsjäger), Tiefseeschnelltauchen im Torpedo-Ritt (Kampfschwimmer), Extrem-Skating (Straßenkampf), Mountainbiken (vermietbar an die Fahrrad-Kompanien in der Schweiz), Paragliding im Sixpack (Fallschirm-jäger) oder Ausdauer-i-phoning (Fernmeldetruppe). Soviel können die doch gar nicht mit Getränkeverkauf verdienen, wie sie für Sponsoring rauspulvern. Sollten sie pleitegehen, wäre das ein Auffang-Auftrag an de Maizière. Soll keiner sagen, die RATIONALGALERIE hätte es nicht schon vorausgeahnt! Mal im Spaß: Wird Vettel jetzt Umweltminister oder oberster Heeresausbilder? Wird Merkel gratulieren? Wird sie eine Panzerkette tragen? Das sind Artikel zum Nachdenken! Umweltschutz in Katar, das ist wie freies Atmen bei Katarrh.


Am 28. November 2012 schrieb Jo Heyne:

Merkel ist der bessere Formel-1-Pilot: Ihr Regierungsstil - Brems-und Gas-Pedal gleichzeitig drücken - verhindert die unnütze Kreisfahrt: So bleibt die Karre gleich stehen.


Am 27. November 2012 schrieb Arnulf Rating:

Ein wie stets präziser Kommentar. Sprachlich und inhaltlich geschliffen. Leider wird er die Formel 1- und autobegeisterte Nation nicht restlos überzeugen.
Schließlich: Wir tun was für die Energiewende. Nach einer Berechnung von "Auto Bild" ist der Leopard 2 immerhin in der in der gleichen Öko-Effizienzklasse wie ein Golf 1.4 Trendline. Denn bei den Effizienzklassen hat die deutsche Automobilindustrie dafür gesorgt, dass das Gewicht mit berücksichtigt wird. Im Praxistest verbraucht der Leopard 2 allerdings schon mal im Gelände 530 Liter auf 100 km. Umweltfreundlicher ist da schon das Verfahren der israelischen Armee im Gaza-Streifen. Hier wird der Feind gezielt mit der Rakete im Auto erwischt. Vortrefflich! Umweltschonender geht es nur noch mit Drohnen. Da müssen wir in Deutschland noch nachrüsten!

Antwort von U. Gellermann:

Deine Hinweise führen zu weiteren, fundamentalen Fragen: Wird auf Schlachtschiffen geschlachtet? Haben Handgranaten Finger? Stellt ein Maschinengewehr Gewehre oder Maschinen her? Können U-Boote anderen ein X vormachen? Was machen eigentlich die Vergaser in den Panzern? Und können die neuen Drohnen Königinnen begatten?


Am 27. November 2012 schrieb Friedemann Wehr:

Nicht so pessimistisch sein. Unsere Qualitätskanzlerin hat schon alles auf dem Schirm. Mit \"Klima\" ist nichts mehr zu reissen und da packt sie eben was anderes an. Von Schellnhubers und Rahmstorfs würde auch ich mich nicht gerne verarschen lassen. Es muss ja einen Grund haben, weshalb die der IPCC nicht eingeladen wurde. Nebenbei, von dem Pachauri würde ich auch keinen Gebrauchtwagen kaufen. Meine Sicht der Dinge ist versöhnlicher:
http://www.friedemann-wehr.de/12,319,winter-in-doha,item,0.html

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