Wie NENA in den Journalismus kam

Doktor Gniffke baut die TAGESSCHAU aus Sand

Autor: U. Gellermann
Datum: 28. November 2016

An der Hamburger Journalistenschule. Es referiert Dr. Gniffke: "Wurde getroffen! Welch eine wunderbare Formulierung. Irgendwie, irgendwo irgendwann, heißt es in einem berühmten Text der Sängerin NENA. Und genau so hält es der TAGESSCHAU-Journalist, wenn er sich raushalten will.

Wurde getroffen: Das verrät keinesfalls, wer von wem warum getroffen wurde. Schließlich soll der Zuschauer bei unseren Nachrichten eine gewisse Spannung empfinden. Platt zu berichten, dass die saudische Mörderbande jemenitische Zivilsten bombardiert – geht gar nicht. Schließlich handelt es sich um ein Königshaus. Mitten in der Wüste baut das Schlösser. Oder, um mit NENA zu sprechen: Ich bau Dir ein Schloss aus Sand, irgendwie, irgendwo, irgendwann! – Das trifft es, wird getroffen, wurde getroffen!"

Programmbeschwerde
Zum Krieg in Jemen
http://www.tagesschau.de/ausland/jemen-feuerpause-105.html
 
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Intendant, 
die Nachrichten der ARD-aktuell über den Krieg und das Massenmorden im Jemen sind desinformativ, verfälschend, oberflächlich und einseitig,  sie folgen der transtlantischen Leitlinie der Redaktion. Trotz der brutalen Bombardements unter Führung der Saudis, trotz der hohen Zahl von Opfern wie im Krieg gegen Syrien sind die „Informationen“ seitens ARD-aktuell vergleichsweise dürftig. Der Grund: Das völkerrechtswdrige Massenmorden findet in der alleinigen Verantwortlichkeit des „Westens“ statt, die Saudis und ihre fürstlichen arabischen Kumpane sind allein seine Schweinehunde, mit ihrer Schlächterei lässt sich keine Stimmung gegen Russland machen, denn Russland ist nicht beteiligt.

 
Kleine Statistik: Zum Syrienkonflikt gibt es von ARD-aktuell in der Zeit zwischen 15. und 18. November 20 Meldungen, Berichte und Filme, alle weisen russland- und syrienfeindliche Akzente auf. Die Nöte der Zivilbevölkerung werden (mittels Filmen von terrorverdächtigen Aktivisten der Schwenck-Kompanie) in den Vordergrund gerückt, der human touch kommt nie zu kurz, hingegen wird kein Wort verloren über die materielle und politische Unterstützung der Terroristen durch Obama, Merkel und Co. Dass das Eingreifen der Russen ein Beitrag zur Befreiung der geplagten Bevölkerung vom Dschihadistenterror ist, findet vollends keinerlei Niederschlag bei dieser Form von medialem Missbrauch und Publikumsverachtung.  
Über den Jemen gab es im gesamten November (bis 18.11. 16) gerade einmal 3 (!!) Meldungen. Dabei versuchen die Saudis seit fast zwei Jahren, das Land mit logistischer Unterstützung der verbündeten "Westlichen Werte-Demokraten" aus USA, Frankreich, Großbritannien und Deutschland – und mit deutschen Waffen – in die Steinzeit zurückzubomben. Dass Dr. Gniffke dazu weitgehend Stillschweigen wahren lässt, zeigt einmal mehr seinen komplizenhaften Anschluss an die Corporate Media und die regierungshörige journalistische Ausrichtung. 
Die heute, am 18.11. 16 verkündete Waffenruhe hat die Berichtsfrequenz zwar geringfügig erhöht, aber einen korrekten, informativen, brauchbaren Überblick über die Situation lieferte ARD-aktuell deswegen trotzdem noch nicht.
Behauptet wird, der Iran unterstütze die Huthi-Rebellen. Damit übernimmt ARD-aktuell eine Propagandaformel, die nicht bewiesen ist. 
"Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des gewählten und international anerkannten sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen und andere Milizen..." heisst es weiter. Das ist falsch: Hadi war mit geradezu realsozialistischen  99,3 % der Stimmen Präsident geworden, am 22. Januar 2015 aber vom Amt des Staatspräsidenten zurückgetreten. Ohne Neuwahlen hatte er sich einen Monat später wieder zum Präsidenten ernannt. Wenn ARD-aktuell hieraus einen "gewählten und international anerkannten" Präsidenten macht, zeigt sich ein bemerkenswert
eigenwilliges Rechts- und ein verkommenes Demokratieverständnis.  
In der hier kritisierten Meldung wird die Beteiligung des IS am Kampf gegen die Huthi-Rebellen unterschlagen. Dr. Gniffke verschweigt sie, um die Mitwirkung und Verantwortung des Westens bei der Entstehung und Organisation des IS und die fallweise gepflegte Kumpanei mit dieser Mörderbande zu bemänteln. Deutsche Zuschauer könnten sonst gar zu viele und zu problematische Fragen stellen. 
"Sie (die Saudis) werden von den USA unterstützt. Doch auch mit Tausenden Angriffen gelang es nicht, die Huthis aus der Hauptstadt Sanaa zu vertreiben. Stattdessen wurden wiederholt Schulen, Märkte, Krankenhäuser und Wohnhäuser getroffen".
Diese Sprache ist verräterisch: "Huthis vertreiben" ist abfällig und heisst mit anderen Worten: Die Huthis werden von den militärisch hoch überlegenen Saudis zu Recht bombardiert. „Es wurden getroffen“ ist eine wunderbar verschleiernde Sprache im Passiv, sie lässt so schön offen, dass „es“ der Zufall gewesen sein könnte, der hier zur Zerstörung von ein paar Gebäuden und Anlagen führte; dass Saudis und Kumpane hier immer wieder Massaker anrichteten, dass sie aktiv und vorsätzlich Kriegsverbrechen begingen, muss nicht so deutlich gesagt werden, nein? Dass da ein paar Krankenhäuser getroffen werden kann schon mal vorkommen? Ja, Jemen ist nicht Syrien, da macht ARD-aktuell schon feine Unterschiede... 
Wie wenig ARD-aktuell das Schicksal jemenitischer Menschen kümmert, zeigt sich nicht nur an der unvollständigen und oberflächlichen Berichterstattung, sondern auch an der dabei gewählten Reihenfolge darzustellender Gegebenheiten. Verschwiegen wird der Ausbruch der Cholera, und die hohe Anzahl von Binnenflüchtlingen findet ebenfalls keine Erwähnung. Man kann sie ja eh nur nach Hunderttausenden schätzen, nicht?. Erst ganz am Schluss der Meldung steht in dürren Worten eine Bemerkung über die zivilen Opfer des Krieges, sie wirkt wie ein Ausdruck von als lästig empfundener Pflichterfüllung. Unübersehbar der Unterschied zur Syrienberichterstattung: In Syrien fällt, so könnte man meinen, jede zweite russische Bombe auf ein Krankenhaus und der Rest auf Kindergärten, auch in Gebieten ohne solche Einrichtungen, aber immer mit dicken Schlagzeilen bei ARD-aktuell... Beispielhaft die neueste Meldung auf "Tagesschau.de" 
http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-ost-aleppo-101.html 
Ein Human-touch-Propaganda-Filmchen vom terrornahen Medieninstitut AMC (Herr Schwenck war wieder zu feige, sich selbst in Ost-Aleppo umzusehen!), mit dem Verweis auf - wie so oft - völlig unglaubwürdige Quellen, die mit ihren Zahlen sogar noch den Kleiderhändler aus Coventry unterbieten. Unverhüllt propagandistischer kann Journalismus nicht sein.
Die Jemen-Berichterstattung ist skandalös defizitär und berücksichtigt nicht die Programmrichtlinien des NDR-Staatsvertrags. 

F. Klinkhammer, V. Bräutigam
 


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 28. November 2016 schrieb Gideon Rugai:

Gerade gefunden betreffs des ZDF- Fernsehrats und die sogenannten "Freundeskreise" aus denen sich die Mitglieder rekrutieren - das dürfte beim Rundfunkrat möglicherweise nicht viel anders aussehen und erklärt u.a. die Chuzpe mit der ein Gniffke sämtliche Kritik vom Tisch zu wischen vermag ohne dafür fristlos gekündigt zu werden...;)

Auch interessant für jene die immer noch glauben ein bisschen ÖR-Flunkerei und Weglassung angeblich irrelevanter Fakten gehöre zum "Geschäftsklappern" und sei schon in Ordnung (bevor man noch irgendwelchen Verschwörungstheoretikern das Feld überlässt)....

http://www.watergate.tv/2016/11/25/volker-hahn-enthuellt-freundeskreis-zdf-gez-luegenpresse/?hvid=HWC9X


Am 28. November 2016 schrieb Lutz Jahoda:

IM DIENSTE HOHER SUMMEN

Ich dämpfte einst alte Hüte auf,
musikalisch und möglichst gefällig.
Heut sind alte Hüte im Ausverkauf
alles andre als gesellig.

Sie sind inzwischen wieder aus Stahl.
Die Jugend soll sie tragen.
Besonders für Deutschland allemal
in wertegestärkten Lagen.

Für Oligarchie und Flaschenpfand,
kämpfend für ein Vaterland
der Banken und Konzerne.
Von Kriegsberichten unterstützt,
damit es den Bilanzen nützt,
starb Deutschland immer schon gerne.


Am 28. November 2016 schrieb Ernst Kämmerer:

Was hatten Sie denn erwartet? Dass es zum Jemen-Krieg eine faire Berichterstattung geben würde? Na also!


Am 28. November 2016 schrieb Grit Weber:

Ein schönes Beispiel für die vielseitige Verwendung von Popkultur. Wenn das die Nena wüsste!

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