Weihnachten an der Ukraine-Front

Die FAZ wäscht den Rechten Sektor weiß

Autor: U. Gellermann
Datum: 04. Dezember 2014

Es geht auf Weihnachten zu. Und wie damals, als die Deutschen beinahe in Stalingrad gegen die Russen gewonnen hätten, muss der Kriegswinter romantisch illustriert werden. Damals machte das der "Völkische Beobachter", grob und eindeutig. Heute besorgt die FAZ und ihr Autor Konrad Schuller das schmutzige Geschäft der Kriegspropaganda. Natürlich ist die FAZ irgendwie feinsinniger. Schuller besuchte das "Ukrainische Freiwilligenkorps (DUK)" an der Front. Ja, das sei zwar "der bewaffnete Arm des Rechten Sektors", aber Nazis oder Antisemiten, das seien sie natürlich nicht. Nur Nationalisten eben, die für ihre Heimat kämpfen.

Doch bevor der FAZ-Autor sich an das Reinwaschen wagt, illuminiert er erst mal die Szene. Da plagen sich die Freiwilligen mit einer alten Panzerabwehrkanone ab. Gott sei Dank kommt ihnen die reguläre ukrainische Armee zu Hilfe. Der DUK-Kommandeur vor Ort ist "Bärtig, herzlich, unerbittlich, unerschöpflich im Männervokabular der Kasernen". Und was kommt bei den kernigen Jungs vom DUK auf den Tisch? "Auf dem Esstisch liegt zwischen Hering und Kohlsuppe, unschuldig wie ein Stück Butter, ein gelbes Päckchen TNT (Sprengstoff)." Und genau so unschuldig ist auch der Führer des Rechten Sektors Dmytro Jarosch inzwischen. Damals, als der Rechte Sektor als "Speerspitze der pro-europäischen Revolution" entstand, da mögen sie sich ja mit "zweifelhaften" Kräften eingelassen haben. Inzwischen arbeiten sie "offen mit dem jüdischen Oligarchen Ihor Kolomojskij zusammen".

Nun kommt man als ausgewiesener Antisemit wahrscheinlich nicht gut an, wenn man seine Truppen von einem jüdischen Milliardär finanzieren lässt. Da ist der offizielle Gesinnungswandel zwingend. Denn Ihor Kolomojskij, der drittreichste Mann der Ukraine, gibt nicht nur Geld für die Kämpfer des DUK. Er zahlt auch für jeden verhafteten pro-russischen Separatisten eine Prämie von 10.000 US-Dollar. Tot oder lebendig. Zu seinen nationalen Verdiensten gehört ebenfalls, dass er in das Freiwilligen-Bataillon Dnipro zehn Millionen Dollar investiert hat. Die Ausbilder für die Legionäre kommen aus Israel, Rumänien und Georgien. Das wird so eine Marotte bei Kolomojskij sein, ähnlich jener wie Schuller sie bei seinem Jarosch vom Rechten Sektor feststellt, wenn er in dessen Programm einige "Extravaganzen - etwa die Forderung nach Atomwaffen für die Ukraine" findet. Da wären Strapse unter der Uniform doch ungleich "extravaganter".

"Der Stolz dieser Kämpfer auf die Ukraine ist überall präsent, aber er ist kein Nationalismus", schreibt Schuller und lässt seinen Kommandanten sagen, ihm sei der damalige Widerstand gegen die Rote Armee heilig. Dass bei dieser Gelegenheit polnische und jüdische Bewohner der Ukraine massakriert wurden, unter anderem die Menschen der Orte Huta-Pieniacka, Podkamień und Palikrowy, was soll es den tapferen Reinwäscher Schuller kümmern. Falls er je den Namen der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS, in der ausschließlich ukrainische Freiwillige Dienst taten, gelesen haben sollte, hat er ihn längst verdrängt.

"Die Kerze ist runtergebrannt, in der Dunkelheit hört man das ferne Wummern der Raketenwerfer", notiert der FAZ-Autor aus dem Untertstand. Schöner Raketen nie klingen, als zu der Weihnachtszeit, so tönt der schwärmerische Text des FAZ-Propagandisten. Und dann zitiert Schuller noch den Kommandeur der vom Oligarchen angeworbenen Freiwilligen: "Ja, wir wollen Europa. Aber ohne Blut geht das nicht."


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. Dezember 2014 schrieb Christoph Pauli:

Ist Kolomojskij nicht der Oligarch mit den drei Staatsangehörigkeiten von Israel, der Ukraine und den USA?
Ach putzig: nur weil der jüdisch ist kann er keinen Rechten Sektor unterstützen?
Ohje Schuller. Anfangs des Ukraine Kriegs bemühte sich Schuller noch einigermaßen neutral zu schreiben.
Das hielt er aber nicht lang durch.


Am 04. Dezember 2014 schrieb Benny Thomas Olieni:

Danke für diese "Aufklärungs-Arbeit"!
- Es ist unfaßbar, auf welchem Regressions-Niveau Journalismus landen kann.
Es ist, wie es Uli Gellermann benennt: Der Geist des Völkischen Beobachters unseliger Zeit feiert fröhliche Urständ. Das gilt für die Presstitutions-Organe FAZ, Zeit, Speigel, Blöd, Welt, Stern... wie für die entsprechend gepolten Transatlantik-Presstituierten des per Zwangsabgabe finanzierten Parteien-Funks.
- Gut, daß Artikel wie dieser ein Gegengewicht darstellen, nach dem homöopathischen David-Goliath-Prinzip.
Die Wahrheit kann für sich stehen - die Lüge benötigt ein System von stützenden Lügen.
Deshalb die Angst des Lügensystems vor jeder einzelnen Wahrheit.
Wie mal jemand sagte: "Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch frei machen."
Da schaudert es jeden neofeudalen Machthaber.


Am 04. Dezember 2014 schrieb Hans Jon:

Nicht nur "SOLDATEN SIND MÖRDER" (K. Tucholsky), sondern auch "KALTE Zeitungs-KRIEGER"!


Am 04. Dezember 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Gehört diesem Geldschaufler Ihor Kolomojskij nicht der Flughafen Dnjepropetrowsk? Und war es nicht das Leitzentrum dieses Flughafens, das die unglückselige Passagiermashine MH17 von ihrem sicheren Kurs in ausreichend sicherer Flughöhe umdirigiert hat, wesentlich niedriger zu fliegen und auch noch etwas nördlicher: genau über Kriegsgebiet? - Kolomojskij (mit israelischem Pass) und Netanjahu sollen befreundet sein, wird gemunkelt. Auch von israelischen Elitesoldaten mit Scharfschützen-Erfahrung (Sniper) auf dem Majdan ist die Rede, wie auch von Inszenierungsgeldern zum Odessa-Massaker.
"Die Kerze ist runtergebrannt", Herr Schuller? - Ja, die Kerze der Wahrheit flackert schon seit geraumer Zeit in den Redaktionsräumen der FAZ - und speziell Herrn Schullers Denken, scheint mir auf Schnuller-Niveau gesunken.


Am 04. Dezember 2014 schrieb Svenja Griesheim:

Das nenne ich guten Journalismus gegen schlechten Journalismus. Wunderbar formuliert und notwendig scharf. Danke!

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