Vitali Klitschko

Ich krieg dich, der Teufel kriegt dich

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. September 2014

"Ich bin ein rollender Donner, ein gießender Regen - Ich komme wie ein Hurrikan an", so beginnt "Hells Bells", jenes Stück der Rockgruppe AC/DC, das den Boxer Vitali Klitschko lange Jahre als Einlauflied in den Ring begleitete. "Ich will keine Gefangenen nehmen, kein Leben verschonen - Keiner legt sich mit mir an . . ." so klingen die verrockten Höllenglocken des alten Boxers und neunen Bürgermeisters von Kiew. Und wer jetzt unwillkürlich an die Soldateska denkt, die das Kiewer Regime in die Ost-Ukraine geschickt hat, um die dortigen Autonomie-Bestrebungen mit großkalibrigen Geschützen in Trümmer zu legen, der sollte sich in Acht nehmen: Denn Klitschko ist in Potsdam gerade zum "M100 Media Award"-Preisträger gekürt worden. Das ist schon was.

Das "M100 Sanssouci Colloquium" versammelt jährlich, rund um einen harten Kern von Springer-Verlags-Leuten, die angebliche Elite des deutschen Journalismus und preist dann jemanden, der auch irgendwie zur Elite gehören soll. Nicht, dass die Kai Dickmanns (BILD), Matthias Döpfners (Springer-Chef), Ulrich Deppendorfs (ARD) oder Hans-Ulrich Jörges´ (Stern) besonders gute Journalisten wären. In dieser Ecke der Branche schreibt ohnehin nur jeder von jedem ab und nennt das dann Meinungsvielfalt. Nein, aber man sitzt dort wo die Meinung gemacht wird, das macht wichtig. Nun darf also Vitali Klitschko auch das Gefühl haben er wäre was - was auch immer.

Doch Vitali, der Junge, der sein Boxhandwerk auf einem sowjetischen Militärstützpunkt erlernt hat und bis heute besser Deutsch als Ukrainisch spricht, war zu Höherem berufen. Die deutsche Kanzlerin hatte eigentlich ihn als neuen Präsidenten der Ukraine vorgesehen und die deutschen Medien, allen voran Springers WELT und Springers BILD taten alles, um den Mann während der Aktionen auf dem Kiewer Maidan in bestem Licht erscheinen zu lassen. Dumm nur, dass die Springer-Blätter nicht in der Ukraine gelesen wurden. Die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU hat viel gutes Geld und jede Menge schlechter Ratschläge in Klitschko investiert. Und der SPD-Koalitionspartner in Gestalt von Frank Walter Steinmeier hat sich sogar höchst persönlich auf den Maidan begeben, um den Boxer ganz nach vorne zu bringen.

Der gute Boxer und ständige politische Verlierer konnte auf seinem Weg nach oben jede Hilfe brauchen. Denn bei Wahlen, dem klassischen Mess-Instrument für politischen Erfolg, zog er immer den Kürzeren: Im März 2006 trat Vitali Klitschko erstmals bei der Wahl zum Bürgermeister der Stadt Kiew an und wurde mal so gerade zweiter Sieger. Dann gab es zwei Jahre später vorzeitige Neuwahlen zum Bürgermeisteramt und Vitali erreichte nur den dritten Platz. Zwischenzeitlich hatten die USA ein paar Milliarden in eine echte ukrainische Revolution investiert. Die fand dann auch auf dem Maidan statt. Dort wurde Vitali zu einer richtig überragenden Figur. Bei einer Länge von 2.00 Metern kein wirkliches Wunder. Immerhin spielte er gemeinsam mit Oleg Tjahnynok von der Nazi-Swoboda-Partei und dem Timoschekko-Schützling Arsenji Jazenjuk zeitweilig Chef im Ring des Maidan. Als dann noch Frank Walter Steinmeier und der bewaffnete RECHTE SEKTOR zur Verstärkung auftauchten, gelang es, den bisherigen, ziemlich demokratisch gewählten Präsidenten der Ukraine ins Exil zu schicken. Glückwunsch! wollte man dem Vitali schon zurufen, aber Präsident wurde dann doch ein anderer, immerhin konnte Klitschko endlich den Job des Kiewer Bürgermeisters ergattern.

Nun stand der baumlange Kerl in Potsdam wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, das sich eigentlich eine schöne Kanone gewünscht hat aber mit einer Zwille vorlieb nehmen musste und wußte nicht wohin mit seinen großen Händen. Ein goldenes Bambi von Burda hatte Klitschko schon, auch ein Bundesverdienstkreuz hatte ihm das Kanzleramt bereits umhängen lassen, der Rest ist Mauer: Er hätte doch die Absicht eine Mauer zu bauen, sagte er am Rand der Preisverleihung, entlang der Grenze zu Russland, 2300 Kilometer lang. Es gehe darum, die Separatisten im Osten des Landes von weiterem Nachschub an Waffen und Kämpfern abzuschneiden. Das Volk im Osten der Ukraine ist wirklich undankbar. Da hilft nur der Mauerbau. - "Ich habe meine Glocke" glaubt man im Hintergrund AC/DC zu hören, "ich werd dich mit mir in die Hölle nehmen. Ich krieg dich, der Teufel kriegt dich."


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 15. September 2014 schrieb Hans-Ulrich Jörges:

Hallo Herr Gellermann,

wie bitte kommen Sie darauf, dass ich mit der Preisverleihung an Herrn Klitschko etwas zu tun habe? Aus dem M-100-Beirat bin ich ausgetreten, an der Veranstaltung in Potsdam habe ich nicht teilgenommen. Wegen des Austritts war ich auch gar nicht mehr eingeladen.

Mit besten Grüßen

Uli Jörges

Ach ja, und wenn Sie den Stern lesen würden, wüssten Sie, dass ich zum Ukraine-Konflikt eine völlig andere Position vertrete als Sie offenbar vermuten.

Das war´s aber jetzt wirklich ;-)

Antwort von U. Gellermann:

Hallo Herr Jörges,

meinen Fehler bedaure ich sehr: Ich bin auf WIKIPEDIA reingefallen. Aber das spricht mich nicht frei.- Den Stern lese ich schon lange nicht mehr. Und wenn Sie es noch tun, dann wissen Sie auch warum.

Mit besten Grüßen, Uli Gellermann


Am 15. September 2014 schrieb curti curti:

Bei Analyse des politischen Werdegangs Klitschkos, dessen aktueller Höhepunkt der Potsdamer Medienpreis ist. bedarf es für den kritischen Geist einem Schlag (Udar) mitten in die Fresse, um derart benebelt die weitere Wahrnehmung auszutricksen. Wohltuend wirkt im Gegenzug der technische K.O., den der Schmock seinem Gegenüber versetzt hat!

Klitschko beherrscht weder die ukrainische, noch die russische, geschweige denn die deutsche Sprache, dafür umso mehr die des Körpers mittels Zuschlagen, das spürbarste Argument schlechthin. Dafür steht auch der Name seiner Partei, der "UDAR". Vieler Worte bedarf es so nicht mehr.

Wie die Faust auf´s Auge passt in diesem Reigen auch der Laudator des ausgelobten Medienpreises, der naßforsch österreichische Außenminister Kurz, der den Schläger Klitschko kurzerhand zum Brückenbauer erklärt. Kurz ist derjenige, der das gelbe Guidomobil zum schwarzen Geilomobil potenziert hat. mit allem drum und dran um Defizite an den wirklich entscheidenden Stellen zu kaschieren.

http://www.youtube.com/watch?v=q6LmeJvtKH0

http://derstandard.at/2000005535718/Kurz-wuerdigt-Klitschko-als-Brueckenbauer

Rundum lobt und preist sich so was zusammen gehört und um das Niveau all dessen noch ein wenig zu liften, darf auch die KAS nicht fehlen, die ergänzend einen letztwöchigen Pressetermin nebst Ansprache ihrer Creation vorhält. Letztere (als Audioformat) hat es besonders in sich. Offen ist dabei, ob in beidem der fortschreitenden Demenz gehuldigt wird oder der medialen Verblödung. Letztere wiederum würde auch den Preis erklären, vollumfänglich und damit nicht erst seit diesem Jahr!

http://www.kas.de/wf/de/33.38765/

P.S. Der frenetische Lärm der Höllenglocken scheint Klitschko dermaßen den Verstand geraubt zu haben, diese nicht mehr in sich selbst sondern tief im Osten zu vernehmen!


Am 14. September 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Für die "Gesamtinszenierung Vitali Klitschko" verleihe ich der Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU eine ehrliche Eins plus.
Ein wenig störend nur diese gesungenen Worte der Rockgruppe AC/DC: "Ich will keine Gefangenen nehmen, kein Leben
verschonen ..."
Passt zwar peinlich genau zu den Taten der Knüppelhorden in Odessa, die den Gesangstext blutig umsetzten, aber eignet sich leider wenig zur angestrebten Ästhetik einer Stiftung.
Doch keine Bange, Deutschland kriegt das schon hin. Beweglichkeit und Taktik, antäuschen, zurückfedern, mit der linken Führhand sich die Linke fernhalten und - jab, jab - mit der Rechten ... Freunde des Boxsports kennen und schätzen das ... , und so bin ich überzeugt, dass sich für Vitalis breite Brust noch einige Orden mehr finden werden.


Am 14. September 2014 schrieb Hans Jon:

Alle längere Zeit "kämpfenden" BOXER leiden "mehr oder weniger" an sog. BOXER-DEMENZ alias Chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE) als Folge von Kopfverletzungen.
Dr. Andrew Gardner, Prof. Peter Stanwell dazu:
Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) ist ein Begriff, der ursprünglich im Jahr 1928 von Dr. Harrison Martland für ein eigenes Krankheitsbild mit Urteils- & Kritik-Störungen eingeführt wurde. Er führte den Begriff Punch-Drunk ein, um ein charakteristisches Spektrum von Veränderungen für Boxer zu beschreiben, die beträchtliche Kopftreffer hinnehmen in dem Bemühen, einen Knockout-Schlag zu landen und wurde auch allgemein für zweitklassige Kämpfer, die zu Trainingszwecken eingesetzt werden?, verwendet.
Die Frühsymptome, die er beschrieb, waren eine leichte geistige Verwirrung, allgemein verlangsamte Muskelbewegungen, Sprachverzögerung und Zittern der Hände. Diese Symptome wurden bei fast der Hälfte der Kämpfer, die lange genug im Spiel blieben, mit den Spätsymptomen Bewegungsdefizite und ausgeprägtem geistigen Verfall beschrieben, die eine Einlieferung in eine Anstalt erfordern. Später wurde durch Millspaugh (1937) der Begriff Dementia pugilistica geprägt, um den gleichen Symptomkomplex zu beschreiben.

Bekanntlich sind viele nicht-boxende Politiker "heimliche" Trinker, die als erstes Symptom unter der alkoholischen Urteils- & Kritik-Schwäche (= beginnende Alkohol-Demenz) leiden, die aber bei den Politikern sowieso nicht weiter auffällt!



Am 13. September 2014 schrieb Gerhard Gust::

Wenn der Herr Klitschko, der in seiner ersten beruflichen Karriere offenkundig zu viele Schläge an den Kopf bekommen hat, sich Rat und Hilfe für seinen geplanten `Mauerbau´holen will, ist er ja in Deutschland um ein Vierteljahrhundert zu spät dran Aber nur Mut, noch ist nichts verloren, was die Konstruktion solch eines Bauwerkes angeht kann er sich aktuell Rat bei den Israelis holen, oder was noch sinnvoller wäre, bei seinen Gringo-Freunden die damit noch wesentlich mehr Erfahrung haben und ihm ja mal beim nächsten Besuch in "Gottes eigenem Land" die Grenzbefestigungen zu Mexico vorführen können, an denen seit Jahrzehnten jährlich mindestens 250 Menschen zu Tode kommen. Das wird ihn sicherlich beeindrucken.


Am 13. September 2014 schrieb Ralf Dombrowski:

Was mag der Ex-Boxer wohl bekommen haben? So einen unbequemen Job nimmt ein Mann der eigentlich ausgesorgt hat doch nicht ohne finanziellen Ausgleich an.

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