Tatort ARD: Informations-Unterschlagung

Die TAGESSCHAU weiß was Regierende wünschen

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. Februar 2016

Auf der Startseite der RATIONALGALERIE wird von den staatlichen Mühen berichtet, den Informationshorizont der Medienkonsumenten so klein wie möglich zu halten: Die Geheimdienste sollen für eine lückenlose Einheitsbericht-Erstattung sorgen. Durch die Ausschaltung der russischen Nachrichtenkonkurrenz. Aber auch inländische Mitbewerber, wie Maren Müllers "Ständige Publikumskonferenz“ sollen, geht es nach der GRÜNEN Marie-Luise Beck, vom Geheimdienst eingeschüchtert werden. In ungewöhnlichem Deutsch verlangt die Bundestagsabgeordnete gegenüber Maren Müller „wo ich hoffe, dass der Verfassungsschutz endlich nachhakt“. Aber wer regelmäßig die ARD-Beobachtungsstelle KLINKHAMMER & BRÄUTIGAM liest, weiß wirklich nicht, warum der Staatsapparat weitere Maßnahmen ergreift. Denn auch diese erneute Programmbeschwerde weist nach: Die öffentlich-rechtlichen Medien wissen, was Regierende wünschen.
 
Programmbeschwerde:  ARD-aktuell-Tendenzberichterstattung über den OHCR-Bericht
Tagesschau 08.02. 2016, 20 Uhr, Min 04.37 – Min 05.07
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-12491.html
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
ein weiterer Fall von Halbinformation (und damit ein Fall von Desinformation) seitens der Redaktion ARD-aktuell ist zu beklagen. In diesem o.g. 30 Sekunden langen Filmbericht werden der syrischen Staatsführung genozidaler Massenmord und Massenfolter vorgeworfen, zitiert wird das aus der Pressekonferenz des Hohen UN-Kommissars für Menschenrechte (OHCR).
Was die Tagesschau allerdings unterschlägt, ist der zweite Berichtsteil des OHCR, in dem allen Terrororganisationen in Syrien, von IS und Jabat al-Nusra bis sogar zur „Freien Syrischen Armee“ (FSA) die gleichen schweren Vorwürfe gemacht werden: Geheimgefängnisse, Folter, Mord, Massaker in ungezählten Fällen. Diesen Teil des Berichts, gut nachzulesen bei
http://m.heise.de/tp/artikel/47/47357/1.html
unterschlägt ARD-aktuell komplett, darüber berichtet die Tagesschau kein Wort. Ihr gelten, wie wir mittlerweile von Dr. Gniffke und Volker Schwenck wissen, ja einige der Terrororganisationen nur als „bewaffnete Opposition“. Es sind die „gemäßigten Rebellen“, und mit der FSA sogar der Heils- und Demokratiebringer für Syrien schlechthin, denen die OHCR den gleichen verbrecherische Charakter nachsagt, wie der „Westen“ ihn der staatlichen syrischen Seite vorwirft.
Das passt natürlich nicht in einen TS-Agitprop-Bericht fürs deutsche Publikum, schon gar nicht, weil Kanzlerin Merkel sich in der trauten Obhut von Kurden-Mörder Erdogan so mächtig über die Bombardierung der Terroristen in Aleppo aufgeplustert hatte. UN-Informationen über den islamistischen Terroristen könnten in diesem Zusammenhang ja zu dem Rückschluss führen, dass die Hauptschuldigen an all den Kriegsverbrechen Mitglieder der "westlichen Wertegemeinschaft" sind, die sich mit Hilfe der deutsch-orientierten Waffenimporteure aus Saudi-Arabien und der unverzichtbaren Flüchtlingshelferin Türkei zum Regime Change in Syrien verschworen.
Irren wir uns? Gut, wir nehmen also an, dass wegen der Fülle anderer wichtiger Themen an diesem 08.02. 2016 es der Redaktion ARD-aktuell nicht möglich war, die zusätzlichen Ausführungen des OHCR-Berichtes über Syrien dem Publikum nahezubringen. Sicher wird Chefredakteur Dr. Gniffke wieder Belege dafür bringen, dass vor undenklicher Zeit die Tagesschau sehr wohl einmal einen kritischen Bericht über die FSA und andere „Rebellen" in Syrien gebracht hat. Auf jeden Fall hat er erneut unter Beweis gestellt, dass Propaganda sein bevorzugtes Handwerk ist.
Wir halten also fest, dass die hier angesprochene TS-Sendung eine absolut einseitige Darstellung des OHCR-Berichts veröffentlichte und mit dieser Nachrichtenmanipulation gegen den Auftrag gem. Staatsvertrag sowie gegen alle journalistischen Anstandsregeln verstieß.
Wir fordern den Rundfunkrat zur kritischen Prüfung des Falles auf.
 
Höflich Grüßen
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Februar 2016 schrieb Ernst Blutig:

Wenn Worthülsen, gepaart mit Bildrahmen oder Filmkulissen,
wie "bewaffnete Opposition?" und "gemäßigten Rebellen“ in Leitpresse und Öffentlich-Richtigem auftauchen, sollte man grundsätzlich vermuten, daß damit recht[s] eigentlich „Geschäftspartner" gemeint sind.


Am 23. Februar 2016 schrieb Christel Buchinger:

Hinzuzufügen wäre noch, dass auch der Mörder und Folterer Assad bis vor gar nicht allzu langer Zeit der "westlichen Wertegemeinschaft" angehören durfte. Dann war er urplötzlich im Wege (des Westens zur ungetrübten Weltherrschaft) und schon durften die Medien ihm die Maske vom Gesicht reißen. "Maske vom Gesicht reißen" ist echt investigativer Journalismus - und das mit der Erlaubnis der "Freunde" - das macht doch richtig Spass und stolz!



Am 22. Februar 2016 schrieb helder yurän:


leider muss ich sie enttäuschen, denn ich habe keine kritik im negativen sinn. sie haben mir aber auch kaum eine gelegenheit zur negativkritik geboten.
also bleibt mir nur positvkritik. sprachlich und argumentativ haben sie exemplarisch gezeigt, wie mit der tagesschau umzugehen ist.
es fehlte allenfalls noch die konklusion, dass die öffentlich-rechtlichen sender für solche ablieferungen zwangsgebühren erheben.


Am 22. Februar 2016 schrieb Herbert Ludwig:

Ja, täglich halten die Medien ein ungeheures Lügengebäude um die furchtbaren Ereignisse in Syrien und ihre Ursachen aufrecht.

Schon die lancierten und ständig gebrauchten Begriffe „Bürgerkrieg" und „Opposition", die „gemäßigt" sein soll, sind bewusst irreführend. Die Fassade eines schrecklichen Tyrannen, der die Proteste seines geknechteten Volkes mit Waffengewalt brutal niederschlägt, muss vollkommen durchschaut werden.

Zum Vorschein kommt ein von den USA, Großbritannien und Frankreich von langer Hand vorbereiteter Krieg gegen die Regierung Syriens, der von aufgebauten und eingeschleusten Terror-Gruppen ausgeführt wird. Eine konzentrierte Darstellung hier:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2016/02/22/der-vom-westen-besorgte-buergerkrieg-in-syrien/


Am 22. Februar 2016 schrieb Lutz Jahoda:

SAMMELKLAGE

Scham ist ein Fremdwort in diesen Kreisen.
Sie fühlen sich stark und immer im Recht.
Dieses allabendliche Entgleisen,
uns desiformierend abzuspeisen,
erinnert an reichsdeutsches Ellbogenrecht.


Am 22. Februar 2016 schrieb Stefan Heuer:

Willy Wimmer (CDU, ehem. parl. Staatssekretär im Bonner Verteidigungsministerium) gab diesen Hetzmedien goebbelscher Manier den richtigen Namen: "ANGRIFFsmedien". Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die BR-deutschen NATO-Hetzmedien sollen das Volk kriegsreif quasseln, dies ist das Ziel, und wer an einem x-beliebigen Tag auch nur 30 Minuten durchs ÖR-Debakel, von ARD bis ZDF, von Arte bis Phoenix, zappt, von Intelligenztieffliegern wie N24 (Springer) und n-tv (Bertelsmann / Mohn) ganz zu schweigen, kann bei Vorliegen gesunder Sinneswahrnehmungen schlicht nur zu diesem Eindruck kommen.

Der längst beschlossene kommende Krieg wird diesen ekelhaften Reichspropagandagniffkes wohl gefallen. Ob sie ihn überleben, und zu welchem Preis, bleibt abzuwarten.


Am 22. Februar 2016 schrieb Klaus Madersbacher:

Auch wir hier in Ösistan haben amtliche Einrichtungen, bei denen man sich über Dinge beschweren kann, mit denen man nicht einverstanden ist. Euer Rundfunkrat heißt hier wohl anders, vielleicht Salzamt oder so.
Dafür habt ihr keinen Kultursender, der euch "die Wuchteln einidruckt" (die Wuchteln ins Hirn hineindrückt:-)) Hätten wir doch einen Chefredakteur Dr. Gniffke, dann könnten wir uns beim Salzamt über den Piefke Dr. Gniffke beschweren! Das würde wenigstens ein bisschen Farbe in den versalzenen bürokratischen Alltag bringen. Der Berg würde zu kreißen beginnen - obs aber wenigstens ein Mäuschen abgeben wird, bleibt abzuwarten. Eher schon einen Propheten, den wir euch dann gerne zur Verfügung stellen werden ..

Kürzlich...

28. Juli 2016

Schweigen der ARD-aktuell-Redaktion

Religions-Redaktion will tägliche Schweigeminute
Artikel lesen

22. Juli 2016

Frieden bringt keinen Gewinn

NDR-Intendant fragt nach dem Cashflow in der Ukraine
Artikel lesen

19. Juli 2016

ARD: Die USA haben immer Recht!

Gniffke: Ein Gerichts-Hof? Da sage ich doch Mahlzeit!
Artikel lesen

14. Juli 2016

Ein Krankenhaus, ein Königreich für ein Krankenhaus

Wie die TAGESSCHAU kaum Nachvollziehbares doch Vollziehbar macht
Artikel lesen

11. Juli 2016

ARD: Legal, illegal, scheiß-egal

US-Drohen sind einfach nur Angriffe
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

DIE WAFFEN NIEDER!

Kooperation statt NATO-Konfrontation - Abrüstung statt Sozialabbau

DEMONSTRATION IN BERLIN

8. Oktober 2016
Auftakt: 12.00 Uhr

Alexanderplatz/Ecke Otto-Braun-Straße


www.friedensdemo.org
Bundesausschuss Friedensratschlag | Kooperation für den Frieden | ViSdP: Laura von Wimmersperg, Friedenskoordination Berlin