TAGESSCHAU: Wie Sie sehen, hören Sie nichts

Dr. Gniffkes Quantensprung: No News - No Picture in the TV!

Autor: U. Gellermann
Datum: 20. Juni 2016

Neulich in der Technik-Abteilung des Norddeutschen Rundfunks. Ein Wissenschaftler trägt vor: „Bald wird es HDR-TV, High Dynamic Range, zu Deutsch: hoher Dynamikumfang, geben. Mit den neuen ‚Quantum Dots‘ – winzige Nanokristalle, die dafür sorgen, dass Farben kräftiger erscheinen und schwarz dunkler dargestellt wird – können wir einen Quantensprung in der Betrachtungsqualität erzielen.“ Aufgeregt unterbricht ihn der Chefredakteur der TAGESSCHAU, Dr. Gniffke: „Also meine neue Technik schlägt alles was es auf dem Markt gibt. Sie heiß NNNP-TV, in English No News - No Picture! Wie Sie sehen, hören Sie nichts. Das ist die Dynamik von heute.“

Schamvolle Stille breitet sich aus. Dr. Gniffke redete trotzdem unbekümmert weiter: „Ich gucke in meine Nano-Kristallkugel, spreche zum Beispiel langsam und feierlich den Namen Gerhard Schröder aus- und sehe nichts. Wenn meine Kugel nichts zeigt, dann gibt es auch nichts Neues zu Schröder, No News also. Hihihi.“ Keiner will mitlachen. „Also das ist ein Quantensprung in der Nachrichtensäuberung. Denn wo nichts Neues, da auch no Picture in the TV! Das gibt dem Zuschauer die Möglichkeit sich auf das Wesentliche zu konzentrieren! Zum Beispiel auf die Eurovision Song Contest-Finalisten, die wir an dem Tag gemeldet haben als Schröder vor irgendeiner Kriegsgefahr warnte. Hihihi.“

Programmbeschwerde
Nachrichtenunterdrückung - Ex-Kanzler Gerhard Schröder

Sehr geehrte Damen und Herren,
den aktuellen militärischen Drohgebärden der NATO an Russlands Grenzen gegenüber zeigt ARD-aktuell sich erneut als engagierter Gehilfe bei der Verbreitung  transatlantischen Propaganda, ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Generation der friedensorientierten Journalisten in den deutschen Redaktionsstuben durch Scharfmacher abgelöst ist.
Auch ARD-aktuell  gaukelt dem Publikum vor, westliche Aufrüstung bedeute mehr Frieden in der Welt. Äußerungen von Prominenten, die das anders sehen, werden schlicht ignoriert und unterdrückt
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte dazu aufgerufen, die Beziehungen zu Russland zu verbessern und die Pläne kritisiert, Deutschland in Führungsaufgaben bei Nato-Verbänden im Baltikum zu manövrieren. Angesichts des unmittelbar bevorstehenden Jahrestages des Angriffs Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 sei dies ein schwerwiegender Fehler gewesen und habe die nötige Sensibilität vermissen lassen, sagte der Altkanzler in seiner Rede bei der Frühsommerveranstaltung der Deutschen Handelskammer in Salzburg. Die Fortsetzung der Sanktionspolitik des Westens, vor allem der europäischen Länder, gegen Moskau bezeichnete Schröder als falsch. Wenn die Regierungschefs die Sanktionen schon aufrechterhalten wollten, sollten sie „nicht zu feige sein, sich selbst hinzustellen und es ihren Bevölkerungen zu erklären“.Schröder sah damit eine Entwicklung  in Gang gesetzt, die letztlich die friedensstiftende  Ostpolitik der Kanzler Helmut Schmidt und Willy Brandt in Mitleidenschaft ziehen könne.
Dass ARD-aktuell Nachrichten über diese Stellungnahme unterschlägt, ist im Hinblick auf ihren "Qualitätsjournalismus"-Anspruch bemerkenswert. Sogar "BILD" hatte sich zu einer Veröffentlichung der Schröderschen Kritik durchgerungen.
ARD-aktuell ist verpflichtet, umfassend und objektiv über wichtige Ereignisse zu berichten. Das ist hier nicht geschehen. Eindeutig ein Verstoß gegen die Programm-Richtlinien.
Beschämend für uns alle ist, dass Chefredakteur Dr. Gniffke die Redaktion ARD-aktuell den zeitlichen Zusammenfall der Schröder-Kritik mit dem 22. Juni 1941 nicht beachten lässt. Wir leben im 75. Erinnerungsjahr eines Krieges, der erst nach der Ermordung von mehr als 20 Millionen Sowjetbürgern durch deutsches Militär endete. Unsere Berliner Regierung wagt dennoch wieder aggressive politische Aktionen, und die Mahnungen und Warnungen namhafter Kritiker wie eines vormaligen Kanzlers werden von ARD-aktuell nicht übermittelt. Es ist schändlich, auch für die Rundfunkräte, die dies alles wieder einstimmig unterstützen werden.
Mit höflichem Gruß
F. Klinkhammer + V. Bräutigam
 
P. S. Nachhilfeunterricht für Rundfunkräte
http://www.rationalgalerie.de/home/nato-fucks-european-union.html


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 21. Juni 2016 schrieb Philip Makowski:

"Vergebt... denn sie wissen nicht was sie tun."
... das wäre die optimistische Sicht der Dinge. Dann könnte man auch Rosa Luxemburg hier wieder anwenden, liebe Frau Spurgat.
Der Realität näher kommt man wohl leider wenn man annimmt, dass ein Basisverständnis aufklärerischer Prinzipien und grundlegender Voraussetzungen demokratischen Handelns nicht nur keine Anforderung in der job-description eines Rundfunkrates ist, sondern eher ein Ausschlusskriterium.
Die entscheidenden Posten scheinen mit willfährigen, interessengesteuerten Söldnern besetzt zu sein. Nach dem Ausschlussprinzip fällt mir keine bessere Erklärung dafür ein, dass hier eine relativ simple Aufgabe, nämlich die journalistische Integrität gebührenfinanzierter Nachrichten zu überwachen, so dermaßen NICHT wahrgenommen wird.
Ich könnt heulen wenn ich nicht grad mit brechen beschäftigt wäre.


Am 20. Juni 2016 schrieb Anke Zimmermann:

Die Rundfunkräte sind schon mal entschuldigt, wir unterstellen aus Erfahrung, sie hatten nur ein mangelhaft in Geschichte.


Am 20. Juni 2016 schrieb Anke Zimmermann:

75. Erinnerungsjahr, 20 Millionen getötete Sowjetbürger, ein Exkanzler, der an den 22. Juni 1941 erinnert, da stehen Gniffke & friends aber so was von drüber.

Kann man nicht wissen, aber laut einer Diskussion im Deutschlandfunk wurden sie (jetzt wird die Stimme leiser) höchstpersönlich durch Gauck vom friedenspolitischen Mehltau befreit.

Sie sind jetzt so frei und wir können uns nur angeekelt abwenden.


Am 20. Juni 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

....auch wenn das Lachen im Halse stecken bleibt bin ich über "Gniffke, den Schlingel" mehr als amüsiert.
An die Herren: Gellermann, Bräutigam und Klinkhammer!
Begrüßen würde ich einen Preis, der Ihre Arbeit, den unermüdlichen Einsatz, die wichtigen und wesentlichen Themen, die uns alle betreffen, würdigt. Ohne den Humor wäre es noch unerträglicher, die Ignoranz, die Dummheit, die Geschichts Vergessenheit und die fehlenden Gehirnwindungen der kleinkapitalistischen Krämerseelen ernst zu nehmen, damit der weiteren Verblödung entgegen gewirkt werden kann.
Dafür gebührt Ihnen Dank.
"Man kann die Menschen nur verstehen, wenn man sie liebt" sagt Rosa Luxemburg.
Die von den Öffentlichen wird sie sicherlich nicht gemeint haben.


Am 20. Juni 2016 schrieb Andreas Gehrmann:

Da machen Schröder und auch jüngst Steinmeier einmal in ihrem verpfuschten Leben etwas richtig, und schon wird entweder nicht berichtet oder die transatlantische Kampfpresse schäumt vor Wut.

Schröder können sie gerade noch ignorieren, bei Außeneule Steinmeier ist das schwierig! Hier eine Kostprobe des Kalten Kriegers und widerlichen Kriegshetzers Berthold Kohler in der FAZ (natürlich kann dieser "Artikel" nicht kommentiert werden):

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/steinmeiers-kriegsgeheul-hatte-putin-geburtstag-14296192.html


Am 20. Juni 2016 schrieb Lutz Jahoda:

Wo kein Weg, ist auch kein Wille,
Wo kein Wille, auch kein Weg.
Dank drum der beredten Stille
Für den Peinlichkeitsbeleg.


Am 20. Juni 2016 schrieb Michael Kohle:

Auch Schröders treuer Knappe von einst und heutiger Außenminister hat gerade - interessanterweise oder zufällig zu Barbarossas Geburtstag und kurz nach Besuch reichlich gefüllter Aufmarschräume - Ähnliches von sich gegeben. Ausgerechnet unser Frank-Walter. Das treibt einem den kalten Schweiss auf die Stirn. Wenn der so etwas glaubt tun zu müssen, dann dürfte längst Fünf nach Zwölf sein.

Doch, tatsächlich! Steinmeiers Philippika kam bei "Doktor Gniffkes gesammeltem Katzbuckeln" tatsächlich zum Einsatz! Wie das? Ganz einfach, man streue solcherlei unziemliche Äußerungen unter "miscellanous" ein und gebe umgebend irgendwelchen wadenbeißenden Hinterbänklern von der meinungsführenden Wertegemeinschaft Gelegenheit, den Unsinn wieder zurechtzurücken. Nicht ohne sich jenes "Duktus" zu bedienen, den es braucht, um jeden Russen-Schwurbler ein für alle Mal beim Volk unmöglich zu machen.

Wenigstens dieses Mal könnte sich das ein oder andere Rundfunkratmitglied aus der devoten Sozenecke mal aus der Deckung wagen und so etwas von sich geben wie "Wäre es unter Umständen und natürlich nur wenn es keinen allzu großen Aufwand macht möglich, dem Herrn Bundesminister des Äußeren gebührende Aufmerksamkeit zu schenken und ihn ausnahmsweise mal nicht zu verhohnepippeln?" Jetzt wo er doch mal ausnahmsweise die seltene Gelegenheit ergriffen hat, auch mal etwas existentiell Wichtiges von sich zu geben?


Am 20. Juni 2016 schrieb Aleksander von Korty:

Benötigen die bei der ARD nicht bald größere Archive um all die Beschwerden gegen ihre Desinformation ablegen zu können ?

Antwort von U. Gellermann:

Zu Fürchten ist, dass sie größere Papierkörbe kaufen.


Am 20. Juni 2016 schrieb Benny Thomas Olieni:

Ausgezeichnet!

Besonders wertvoll: Der Nachhilfe - Link für
Rundfunkräte.

Wenn das nicht hilft, was dann? ; - )

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