Tagesschau: Gift macht auch satt

„Weitere drei Milliarden Menschen zu ernähren“

Autor: U. Gellermann
Datum: 02. Oktober 2017

Also ich habe dieses Glyphosat nicht beim Essen rausgeschmeckt“, rief Chefredakteur Doktor Gniffke stolz in die Redaktion der Tagesschau. „Das ist der Beweis, entweder gibt das gar nicht oder aber es ist nicht schädlich.“ - Der Mann von der Wissenschafts-Redaktion der ARD machte ein bedenkliches Gesicht: Er wusste um die Gefahren des Herbizids. Aber der aus der Wirtschafts-Redaktion konnte den Chef von Bayer-Leverkusen fließend zitieren: Schließlich gehe es um die Antwort auf die Frage, wie bis zum Jahr 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden könnten. Ja, aber, mochte dieser oder jener denken. Aber Doktor Gniffke, der von den Kollegen hinter seinem Rücken „NVD“ genannt wird (Nichtwisser Vom Dienst) rief in die Runde: „Paperlapapp, Hauptsache satt!“ Einzelne Redakteure steckten demonstrativ den Zeigefinger in den Mund. Andere würgten hinter vorgehaltener Hand. Und wieder ging ein Tag in der Tagesschau-Redaktion seinem wohlverdienten Ende zu.

Programmbeschwerde
Skandal um Glyphosat verschwiegen
 
http://www.tagesschau.de/inland/glyphosat-103.html
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/bayer-monsanto-111.html
http://www.tagesschau.de/inland/glyphosat-103.html
 
Sehr geehrte NDR-Rundfunkräte,
 
das „umstrittene“ Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat des US-Pharma-Riesen Monsanto war zwar Thema in einer ganzen Reihe von Sendungen der ARD-aktuell (s. Betreffzeile). Dass Glyphosat im Verdacht steht, Krebs zu verursachen, wurde ebenfalls erwähnt, sogar im Zusammenhang mit der Übernahme von Monsanto durch die deutsche Bayer AG. 
Zwei wesentliche Aspekte allerdings blieben in allen Sendungen außen vor: Dass die deutsche Agrarindustrie jährlich mehr als 6 000 Tonnen Glyphosat zur Herstellung und Bewirtschaftung flächendeckender Monokulturen versprüht und damit eine nationale ökologische Katastrophe anrichtet – und dass das regierungsamtliche Institut für Risikobewertung, BfR, ungeachtet aller Bedenken beträchtliche Anstrengungen unternahm, um den weiteren Gebrauch von Glyphosat aufgrund einer EU-Zulassungsverlängerung zu gewährleisten. 
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, hatte anno 2015 der EU-Kommission ihren Schlussbericht über die Verträglichkeitsuntersuchungen bezüglich Glyphosat vorgelegt: angeblich ohne Verdacht auf krebserregende Wirkungen. Kürzlich allerdings wurde bekannt, dass rund 100 der insgesamt 4 300 Seiten des EFSA-Berichts Textbausteine enthalten, die von Monsanto-Autoren stammen. Der Chemiekonzern fungierte also zumindest teilweise für die EU als Begutachter seines eigenen Produkts.
Quellen u.a.: 
http://www.heute.de/medien-berichten-dass-die-eu-behoerde-efsa-bei-ihrem-glyphosat-bericht-beim-hersteller-abgeschrieben-hat-efsa-bestreitet-das-47958754.html
http://www.lemonde.fr/planete/article/2017/09/16/glyphosate-l-expertise-europeenne-truffee-de-copies-colles-de-documents-de-monsanto_5186522_3244.html
https://www.merkur.de/wirtschaft/skandal-im-glyphosat-streit-eu-behoerde-uebernahm-argumente-von-monsanto-zr-8688054.html 

Eine Untersuchung der europäischen Bürgerinitiative „Stopp Glyphosat“ hat ergeben, dass Monsanto mit allen Mitteln versuchte, ein Glyphosat-Verbot durch die EU zu verhindern und deshalb den genannten, massiven Einfluss auf den Prüfbericht nahm. Quelle: http://bit.ly/2s2nab8 . 
“Die Kapitel im EFSA-Bericht über die bisher veröffentlichten Studien zur Wirkung von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit sind quasi Wort für Wort von einem Monsanto-Bericht aus dem Jahre 2012 übernommen“, 
stellte die italienische Tageszeitung „La Stampa“ fest. 
Die Monsanto-Textbausteine, so berichtet der Österreichische Rundfunk, seien nicht unmittelbar von den EFSA-Gutachtern selbst übernommen worden. Vielmehr seien sie in einem Bericht Deutschlands enthalten, das in der Causa Glyphosat Berichterstatter für alle nationalen Regierungen ist. Quelle: http://orf.at/stories/2407060/2407061/
Die europäischen Medien sind voller Beiträge über diesen Skandal, sogar die ZDF-heute-Redaktion berichtete darüber. Falls die publik gemachten Vorwürfe zutreffen, wäre eine weitere Ungeheuerlichkeit offenbar, nämlich dass sich die Regierungsbehörde BfR die Interessen des Chemiekonzerns Bayer/Monsanto zu eigen machte, um damit eine Entscheidung der EU-Kommission zu präjudizieren (Kanzlerin Merkel, CDU, und Landwirtschaftsminister Schmidt, CSU, sind eh für Glyphosat, Umweltministerin Hendriks, SPD, ist allerdings strikt dagegen).
Das Bekanntwerden des Skandals im unmittelbaren Vorfeld der Bundestagswahl könnte unabsehbare Konsequenzen haben – das sich aufdrängende Motiv dafür, dass ARD-aktuell kein Wort über die Vorgänge verlor und auch das ARD-Hauptstadtstudio der Geschichte nicht weiter nachging.
In Kalifornien steht Glyphosat seit kurzem auf der Liste verbotener Chemikalien. Schon 2015 hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) erklärt, Glyphosat sei sehr wahrscheinlich verantwortlich für die Entstehung von Krebs. In der deutschen Bevölkerung gibt es schon seit Jahren erhebliche Befürchtungen wegen möglicher Gesundheitsgefahren infolge des flächendeckenden Einsatzes der Chemikalie. Dies hätte die Redaktion ARD-aktuell in Rechnung stellen müssen statt den Skandal schlicht zu übergehen und damit ihre staatsvertragliche Pflicht zu verletzen, nämlich „umfassend über alle wesentlichen Lebensbereiche“ zu informieren.
Sehr geehrte Damen und Herren, in Ihrem Gremium, dem NDR-Rundfunkrat, ist mindestens ein Repräsentant der Verbraucherschutz-Organisationen vertreten. Für Sie alle aber, so sollte man meinen, sollte Verbraucherschutz keine quantité négligeable sein, die von ARD-aktuell ignoriert werden darf. 
Die bisherige Erfahrung lehrt uns allerdings, dass Zusammensetzung und Selbstverständnis dieses NDR-Rundfunkrats ihn darin hindern, seinen Auftrag im Sinne der Bevölkerung und gemäß Rundfunkstaatsvertrag wahrzunehmen. Es steht füglich zu erwarten, dass Sie ein weiteres Mal Ihre Unzuständigkeit für nicht gesendete Nachrichten (d.h. Verletzung des Informationsauftrags) vorschützen werden und hinnehmen, dass ARD-aktuell mit seiner Nachrichtenauswahl im Interesse des politischen Machtgefüges und der Konzerne handelt – und sei es um den Preis der Gesundheit der eigenen Bürger.
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer

DAS BUCH ZUR TAGESSCHAU:
http://shop.papyrossa.de/Gellermann-Uli-Klinkhammer-Friedhelm-Braeutigam-Volker-Die-Macht-um-acht


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 06. Oktober 2017 schrieb Susanne Hofmann:

In Südtirol leistet das Dorf Mals übrigens Widerstand gegen Monsanto/Bayer und sein krebserregendes Glyphosat: Die Bewohner haben per Volksabstimmung beschlossen: Kein Gift auf unsere Felder. Gegen den Willen der Landesregierung, die die Abstimmung prompt für null und nichtig erklärt hat.
(http://wundervonmals.com)
Subsidiarität, Demokratie und Menschenschutz sind halt Mist, weil sie den Geschäftsinteressen von Konzernen entgegenstehen. Das sieht eine ordentliche Behörde wie das BfR zum Glück ein.


Am 03. Oktober 2017 schrieb Lutz Jahoda:

FRAGE UND ANTWORT

Was zählt wohl mehr in rechtlichem Sinn:
Gesundheit oder Konzerngewinn?
Die Erfahrung benennt es ungeniert:
Konzerne gewinnen - Gesundheit verliert.


Am 02. Oktober 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Liebe Galerie Männer,
über diese Programmbeschwerde freue ich mich besonders, weil ich weiß, dass sie sehr viele Menschen erreichen wird; nicht nur in Deutschland.
Dafür ist ein kräftiges, giftfreies Danke fällig.-
In Brasilien ist gegen einen katholischen Geistlichen ermittelt worden, der bereits 2012 auf Verunreinigen im Schulessen aufmerksam gemacht hat. Die Schulköchin hat von Bohnen berichtet, die nach Pestiziden gerochen haben.
Er hat 2012 ein Video veröffentlicht, doch erst jetzt, wo die kleine Welle droht ein Tsunami zu werden, muß das Video entfernt werden, ansonsten droht ihm eine Gefängnisstrafe. Er führt zu seiner Verteidigung an, sein Recht auf freie Meinungsäußerung, und auf körperliche Unversehrtheit. Brasilien hat sich zum größten Importeur von Pestiziden weltweit im Zeitraum von 1990 und 2010 entwickelt. -
In Argentinien wurde im Rio Parana, dem sechstgrößten Fluss der Erde, stellenweise bedenklich hohe Konzentrationen des Herbizids Glyphosat und seines Abbauprodukts nachgewiesen. Auf mehr als 22 Millionen Hektar werden in Argentinien, Genpflanzen angebaut. Seit Jahren wird von Wirtschaftsverbänden, Unternehmen und Regierungspolitikern, Glyphosat für die durch Gentechnologie erreichte Produktivkraftsteigerung in der Agragindustrie geworben. Dass Glyphosat krebserregend ist, wie die Internationale Agentur für Krebsforschung ( IARC) vertritt, gilt unter den Profiteuren, bis heute als ein Mythos. Gustavo Grobocopatel, Präsident eines der größten Agrarunternehmen des Landes vergleicht das Herbizid in zahlreichen Interviews etwa mit dem Medikament Aspirin: "Nur wenn man deutlich zuviel benutze,sei die Substanz schädlich."
Soziale- und Umweltbewegungen, wie etwa die Betroffenheitsorganisation Madres del Ituzaingo setzen ihre konkreten Erfahrungen dagegen, inmitten mit Glyphosat behandelter Felder. Seit dem massiven Anstieg der Produktion von Genpflanzen haben sie Kinder durch Krebs und andere Krankheiten verloren. Der Dokumentarfilm "Desierto Verde" (Grüne Wiese) gibt einen Einblick, was Glyphosat anrichtet.
Seit Jahren wird und wurde gekämpft, dass die "Warner" im Land Gehör finden wollen, und wie oft wurden sie ingnoriert und abgebügelt. Tausende von Unterschriften haben den Schmidt und die EU nicht sonderlich beeindruckt. Trotz massiver Proteste ist Glyphosat (Handelsnahme Roundup) mit fadenscheinigen Argumenten verlängert worden. Der Protest darf nicht aufhören, und deshalb ist diese Programmbeschwerde, neben den vielen anderen von immenser Wichtigkeit, und umso wichtiger ist, den Damen und Herren bei den ÖR Dampf unterm gut gepolsterten Sessel zu machen.


Am 02. Oktober 2017 schrieb Gideon Rugai:

Die Information , dass hier über 6.000 T von dem Zeug versprüht werden halte ich für wichtiger und brisanter als den Kommentar zur französichen Zuckermakrone deDünnbrett-Rothschild (obwohl beide, das Makrönchen und das Glyphosat bzw. Monsanto sicherlich irgendwo ihre Schnittstellen haben).
Gesunder Geist in gesundem Körper ist nicht nur eine altgriechische Redensart und geistige Beweglichkeit, Kritikfähigkeit, selbstständiges Denken nicht allein eine Frage ausgefeilter Rhetorik.

Wir regen uns manchmal zu viel über die eine und dann viel zu wenig über die anderen Sachen auf...wie auch hier - und werden nebenbei schleichend vergiftet - zumindest solange irgendein Institut sich endlich bemüßigt den Nachweis (der Gesundheitsgefährdung) unter Zaudern und Zagen zu erbringen, den der gesunde Menschenverstand auch ohne Wissenschaftsdiplom längst abgeheftet hat.
Wie werden zukünftige "History" Sendungen wohl betitelt ?

"Merkels, Junckers und Macrons Helfer " vielleicht ?


Am 02. Oktober 2017 schrieb Werner Weber:

Wie lange wollen Sie denn diese Beschwerden ohne echte Resonanz im Sender noch schreiben? Das ist doch vergeben Liebesmühe.

Antwort von U. Gellermann:

Immer mehr TV-Zuschauer wollen den Fake-Produzenten in Hamburg nicht vergeben. Schauen Sie auf die Website der Tagesschau und lesen Sie dort die Zuschauer-Kommentare.


Am 02. Oktober 2017 schrieb Bert Werner:

Der arme Doktor Gniffke! Es gibt doch noch ganz viel andere in im NDR. Können Sie Ihre Zielperson nicht mal wechseln?

Antwort von U. Gellermann:

Gniffke ist nur ein auswechselbares Symbol. Aber er eignet sich gut.

Kürzlich...

08. Dezember 2017

Grabung bei der Tagesschau

Wie Doktor Gniffke wieder gar nix versteht
Artikel lesen

01. Dezember 2017

Umstritten geht immer

Tagesschau: Wie man Gefahren kleinredet
Artikel lesen

27. November 2017

Tagesschau für Trump

Mama Grizzly als Zeugin gegen Russland
Artikel lesen

20. November 2017

Spanien spricht

Als die Tagesschau mal mit ganz Spanien sprach
Artikel lesen

13. November 2017

Ein teures Schlafmittel

NDR: Norddeutscher Schnarch-Funk
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen