TAGESSCHAU: Einzug der Ehrlichen

Wie Golineh Atai den Gniffke-Journalismus perfektioniert

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. Mai 2016

Manchmal fragt man sich, was die TAGESSCHAU-Meckerer Bräutigam & Klinkhammer denn jetzt schon wieder wollen. Geht doch die ausgezeichnete Ukraine-Kraft der ARD, Golineh Atai, in ihrer Sawtschenko-Heldenverehrungsnummer ganz offen mit ihrer „Widerstandskämpferin“ um. Zwar erwähnt die Atai, dass ihre Heldin, die ukrainische Pilotin die aus dem Gefängnis kam, ins ukrainische Parlament nicht gewählt, sondern „ernannt“ wurde. Um dann aber das undemokratische Verfahren in ihrem Kommentar mächtig zu veredeln: „Sie (Sawtschenko) beschwört den Einzug der Ehrlichen in das Parlament.“ Ja und, Bräutigam? Wer ehrlich ist bestimmt immer noch die Sawtschenko und die Preisträgerin Atai! Ist das klar Klinkhammer?

Damals, am 29. September 2014, war die TAGESSCHAU mal echt ehrlich und berichtete: „Besonders berüchtigt ist das Bataillon AIDAR, zu dem rechtsgerichtete ukrainische Nationalisten gehören, von denen sich einige mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen schmücken, als Abzeichen auf der Tarnkleidung oder als Tätowierung auf dem Körper. Die Anführer und viele Mitglieder sind bekennende Neonazis und Mitglieder von rechtsextremen Gruppen.“ Dem Bataillon AIDAR gehörte die ARD-Heldin Sawtschenko an. Das wird zwar im aktuellen TAGESSCHAU-Bericht beiläufig erwähnt, aber als „umstritten“ bezeichnet. Richtig, Adolf Hitler war auch ziemlich umstritten. So geht ehrlicher Journalismus. Aber wer weiß, vielleicht lernen Klinkhammer & Bräutigam irgendwann mal wie das läuft, mit dem Doktor-Gniffke-Journalismus.

Programmbeschwerde über die ARD-Berichterstattung zur Ukraine

http://www.ardmediathek.de/tv/Tagesschau/tagesschau-20-00-Uhr/Das-Erste/Video?bcastId=4326&documentId=35566106

 Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

ARD-aktuell hat in der Berichterstattung über die Ukraine belegt, dass sie nicht gewillt ist, die für sie geltenden maßgeblichen Rechtsvorschriften einzuhalten:
Im Rundfunkstaatsvertrag (§ 11 RstV) heisst es :
Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, als Medium der öffentlichen Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. (Sie) haben einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.
Die Rundfunkanstalten haben die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Misst man die Realität an diesen Vorschriften, dann ergibt sich, dass ARD-aktuell nur punktuell über die Ukraine berichtet, in der Regel mit der Tendenz zur Schönfärberei und dem Ausblenden wichtiger Ereignisse, offensichtlich mit dem Ziel, das von den USA und der EU vereinnahmte Land der deutschen Bevölkerung realitätsfern und desinformativ darzustellen. Statt Informationen über den bedrückenden Alltag der Ukrainer, die zunehmende Verarmung, um sich greifende Korruption in Staat und Wirtschaft, das üble Treiben der Oligarchen, den wachsenden Einfluss und die Rechtsbrüche der Faschisten und den konfligenten Politikstil des Präsidenten liefert ARD-aktuell Nachrichtenschnipsel über unwichtige Events und malt Ukraine-Bildchen in bunten Farben.
Auffällig ist die Vorliebe für Themen, die russophobe Vorurteile pflegen. Beispiele: Die ESC – Entscheidung und die Streitereien über die Ergebnisfindung (also kleinstes intellektuelles Karo) wurden in einer 20 Uhr- Tagesschau-Ausgabe - zur Topmeldung gekürt. 
Auch die Freilassung der Ukraine-"Heldin" Sawtschenko schaffte es zum Top-Ranking-Platz in der wichtigsten Tagesschau-Ausgabe um 20 Uhr. Das neueste Mittelmeer-Flüchtlingsunglück (500 Betroffene und 5 tote Afrikaner) wurde dagegen mit keinem Wort erwähnt. Afrikanische Opfer westlicher Politik haben bei Dr. Gniffke wieder einmal keine Chance.
Die "Heldin Sawtschenko" (so Frau Atai als geübte und bewährte Milizensympathisantin) war unbestritten Mitglied der faschistischen Aidar-Miliz. Mitglied einer verbrecherischen Organisation, verächtliche Mittäterin bei kriminellen Aktionen. Verurteilt wegen Kriegsverbrechen. Das kam weder atmosphärisch in dem Bericht zum Ausdruck noch gar expressis verbis.
Über die Aidar-Miliz berichtete Amnesty am 8.4.14:
"Obwohl das Aidar-Bataillon landesweit als entschlossene Kampfeinheit gefeiert werde, sei es auf lokaler Ebene für brutale Vergeltungsaktionen, Raub, Prügeleien und Erpressung berüchtigt. Einige seiner Taten seien praktisch Kriegsverbrechen, für die "laut dem Völkerrecht die Täter und möglicherweise die Kommandanten die Verantwortung tragen".
 
Diese illustren Freiheitshelden sind nach den moralischen Grundsätzen von ARD-aktuell keine Verbrecher, sondern im neuesten "Dr. Gniffke wording" lediglich "umstrittene rechtsradikale Freiwilligenbataillions-Angehörige".
Das hat System und liegt ganz auf ARD-Propaganda-Linie. Die wichtigeren ukrainischen Alltagsnöte haben bei ARD-aktuell dagegen keine Chance.
Konkretes Beispiel: Dass der neue Parlamentspräsident Parubij ein Rechtsextremist ist und im Verdacht steht, in das Odessa-Pogrom verstrickt zu sein, war der ARD-aktuell keine Meldung wert. Gniffkes Begründung: Kein Platz in der Sendung. Es reiche zur Information der Bürger aus, wenn über die Regierungsumbildung in Kiew berichtet wird.
Als in der vorigen Woche 5000 Faschisten die Straßen in Kiew beherrschten, verschwieg ARD-aktuell das ebenfalls, auf allen Ebenen, in allen Sendeformaten. Offensichtlich wollte man dem deutschen Publikum die "Freiheitskämpfer und Maidan-Helden“ nicht als die Faschisten und Rechtsextremisten präsentieren, die sie sind. Das führt nun allerdings zu der Frage, warum man sich gegen den Hofer aus Österreich oder die AfD und die Pegida so demokratisch-kritisch-kämpferisch aufspielt und über ukrainische Faschisten die schützende Hand hält.
Wir sehen in dieser Art der Berichterstattung einen gravierenden Verstoß gegen die o.g. Programmgrundsätze.
 
Mit höflichem Gruß
F. Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 01. Juni 2016 schrieb Gideon Rugai:

Nun habe ich über eine Talkshow (via YT, ich verweigere "Fern-Sehen" komplett weil sich Dinge aus der Nähe- sofern man sie denn herstellen möchte- besser betrachten lassen)..habe ich also mal einen Eindruck von der Golineh bekommen. Liest oder hört man aus zweiter Hand über derlei Mediengestalten, könnte man der Mutmaßung verfallen , dass wir rettungslos im eisernen Griff soziopathischer Medienhaie gefangen sind, aber nein, wir sind anscheinend wieder da wo wir auch Anno 33 schon mal waren - nämlich im Griff kleinbürgerlich-moralinsaurer Emporkömmlinge die sich als Steigbügelhalter für andere machtversessene Emporkömmlinge über ihnen betätigen, die wiederum dem Tenor von Soziopathen, Oligarchen und Elite -Dynastien folgen.
Ist sie nicht süß die Golineh ? Mit ihrem hübschen Püppchengesicht, gar unschuldig, über jeden Zweifel erhaben, die Quotenfrau mit Migrationshintergrund, dem deutschen Staate vermutlich ewig dankbar für Ausbildung , Anerkennung und "Freiheit", die nur deswegen so süß ist, weil die Ketten aus Gold sind und sich ergonomisch anschmiegen anstatt ins Fleisch zu schneiden ? Nein, ich konnte nichts Böses an der Dame finden, mit ihrem bezaubernden Mädchenlächeln, mit dem sie wahrscheinlich schon Papa rumgekriegt hat, wenn sie wieder irgendwas Schickes haben wollte....die können die Familien Müller, Meier, Schulze doch nur vorbehaltlos lieben und sich als Schwiegertochter für den Sohn wünschen, der gerade frischgebackener Bankkaufmann (oder BWLer) geworden ist.
Gell ?
Ähnlich gings mir auch mit Gniffke, vermeintlich knallharter Untermanager der ARD, der aber doch nur ein hängeschultriger, blutleerer Apparatschik ist...eine Golineh mit Geheimratsecken und ohne Titten.


Am 31. Mai 2016 schrieb Günther Wassenaar:

Wenn man den Widerstand gegen dieses faschistoide System BRD STÄRKEN WILL; IST JEDER DER SICH GEGEN DAS SYSTEM ÄU?ERT WILLKOMMEN:

WILL MAN HN SCHWÄCHEN; DANN KRITISIERT MAN WEGEN NEBENSÄCHLICHKEIETEN; DIE; DIE NOCH AKTIV SIND - WIE IM OBEN ANGEGEBENEN FALL:

DIE PUBLIKUMSKONFERENZ - HAT ZWISCHENZEITLIC; ÜBER 100 PRÄZISE FORMULIERTE UND BEGRÜNDETE "BESCHWERDEN" INS NETZ GESTELLT: FÜR MICH; DER DIEZAHLUNG VON BEITRÄGEN; DIE FÜR KRIEGSHETZE VERWENDUNG FINDEN;EIN GUTER FUNDUS DER VOR GERICHT VERWEDET WERDEN KANN:

WO IST EURE UNTERSTÜTZUNG FÜREINEN SOLCHEN PROZESS?

Antwort von U. Gellermann:

Die Publikumskonferenz hat eine ganze Reihe von Beschwerden der Kollegen Bräutigam und Klinkhammer übernommen. In jeder dieser Beschwerden stecken Arbeit und Kenntnis. Wie auch im Betrieb der Site, den die beiden Kollegen für Ihre Analysen nutzen. Das nenne ich mehr als Unterstützung: Das ist konkrete Arbeit der Aufklärung. - Wer sich über Kriege, deren Ursachen und Urheber informieren will, der sollte sich auf die Seiten der RATIONALGALERIE begeben, und noch besser: An deren Seite.


Am 31. Mai 2016 schrieb Volker Ziel:

Hat die ARD denn auf den Brief reagiert ?
Wenn ja, auf welche Weise ?

Antwort von U. Gellermann:

Dazu eine Stellungnahme von Volker Bräutigam:

Nach dem NDR-Regelwerk muss der Intendant auf unsere Beschwerde innert vier Wochen antworten. Diese Frist lastet er regelmäßig aus und antwortet auch meistens inhaltlich nicht selvbst, sondern übermittelt ein Rechtfertigungsschreiben des Chefredakteurs von ARD-aktuell, das damit den Rang einer offziellen Antwort bekommt. Bisher enthielt noch keine einzige von rund hundert Antworten das Eingeständnis eines Fehlers. Wir erwarten das auch diesmal nicht. Deswegen werden wir, wie in fast allen anderen Fällen zuvor, auch diesmal die NDR-Antwort als ungenügend zurückweisen und darauf bestehen, dass sich der Rundfunkrat damit formell beschäftigt. Dessen „endgültigen“ Bescheid werden wir dann etwa ein halbes Jahr nach Eingang unserer Beschwerde in der Hand halten. Und es wird, dazu bedarf es keiner prophetischen Begabung, auch der Rundfunkrat keine Mängel in der ARD-Berichterstattung einräumen.
Wir, mein Kollege Klinkhammer und ich, machen uns die ganze Mühe aber auch nicht formaler Zugeständnisse des NDR-Managements wegen. Sondern, weil wir aufklärerischen Journalismus für eine Selbstverständlichkeit halten.


Am 30. Mai 2016 schrieb Lutz Jahoda:

WÜRDIGUNG UND WARNUNG
IM DOPPELPACK

Wir stecken, keineswegs umstritten,
Gebühren zahlend, dick inmitten
einer Nachrichtenmalaise.
Klinkhammer und Bräutigam,
unnachgiebig, emsig, stramm,
nahmen sich der Sache an,
ganz nach Art der Beerenlese.

Ob der Saft bekömmlich ist,
den wir daraus pressen,
dürfte zu bezweifeln sein.
Das Gift bleibt unvergessen.

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