Spanien spricht

Als die Tagesschau mal mit ganz Spanien sprach

Autor: U. Gellermann
Datum: 20. November 2017

Kaum ein Land in West-Europa ist zur Zeit so zerrissen wie Spanien. Nicht nur an Katalonien scheiden sich die Geister. Auch der aktuelle Ministerpräsident Rajoy kann keinesfalls für „die“ Spanier sprechen. Wer bei Verstand ist, der weiß das. Doch die Tagesschau textet unverdrossen: „Spanien hat vor einer mutmaßlichen (russischen) Desinformationskampagne in Katalonien gewarnt.“ Ganz Spanien! Da wird die Redaktion sicher mit allen Spaniern persönlich telefoniert haben. Ohne sich auf eine seriöse Umfrage zu stützen. Oder auf irgendeinen Beweis. Ach Quatsch. Der Chefredakteur der Tagesschau hat lange an seinem Daumen gelutscht. Dann fiel ihm ein, dass er schon seit Stunden nichts über „die“ Russen gebracht hatte. Also lässt er mal eben ganz „Spanien“ vor den Russen warnen. Morgen warnt vielleicht „England“. Auch „Frankreich“ hat schon lange nicht vor den Russen gewarnt. Was ist eigentlich mit Liechtenstein? Oder Luxemburg? Auch von den Seychellen und den Salmonellen hat man seit Tagen keine Warnung vor den Russen gehört. Atemlos wartet die ganze Redaktion auf diese Schlagzeile: „Russland warnt vor Russland“. Das erst wäre wirklich glaubhaft. Denn wer sollte die Russen besser kennen als die Russen? Doch auf Dauer muss die Kampagne verstärkt werden. Da warten noch ganze Kontinente: Australien warnt vor Russland, zum Beispiel. Nicht schlecht auch Berufsgruppen: Mediziner warnen vor Russland! Auch Anwälte könnten warnen. Haben Kinder schon vor Russland gewarnt? Damit der Redaktion nicht die Warner ausgehen, wäre an ein Preisausschreiben zu denken: Wer der Redaktion die besten Warn-Gruppen nennt, gewinnt ein Essen mit Doktor Gniffke, dem Chefredakteur von ARD-aktuell. Da kommt die neue Tagesschau-Schlagzeile dann wie von selbst: „Auch Erbrecher warnen vor Russland.“

Eingabe“ und „Anregung“
Katalonien - Dreckiger Journalismus

http://faktenfinder.tagesschau.de/ausland/katalonien-russland-101.html
 
Sehr geehrte Rundfunkräte, 

„Spanien spricht von russischer Kampagne“,
titelt der Faktenfinder, und wir titeln zurück: Diese Faktenfinderei ist unter aller Sau.
Das einzige Faktum, das hier aufgeführt wird, ist, dass die spanische Regierung im Streit mit ihrer katalonischen Separatistenbewegung tatsächlich zu diesem letzten der billigen Propagandamittel griff. Auf Argumentation und Beweisführung für die spanische Variante der Behauptung „der Russe ist an allem schuld“ verzichtete Madrid, aus nachvollziehbaren Gründen: Die Regierung hat nichts davon auf der Pfanne. 
Auf dieses Defizit wies der „Faktenfinder“ allerdings nicht ausdrücklich hin. Sonst hätte er ja vor der Frage gestanden: Weshalb schreiben wir hier überhaupt darüber? Er erfüllte lieber seine Funktion als antirussische Dreckschleuder.

Der Beitrag über Katalonien verstößt gegen sämtliche Prinzipien, die seriösen Journalismus ausmachen (und er verstößt damit auch gegen den Rundfunkstaatsvertrag). Die spanische Regierung ist in dem Konflikt Partei. Zu ihren Beschuldigungen wäre selbstverständlich die Gegenseite zu hören, wenn denn schon argumentationslose Anmache in dieser Form überhaupt aufgegriffen wird. Die regierungsamtliche Beweislosigkeit wird zwar in dem Faktenfinder-Beitrag sichtbar, aber es ergibt sich nicht, warum trotzdem über die bloßen Anschuldigungen berichtet wird. Eigene Recherchen hat der Faktenfinder offenkundig nicht vorgenommen, er hat nichts zu bieten. Stattdessen liefert er dieses:

„In sozialen Netzwerken seien gefälschte Nutzerkonten entdeckt worden, die zur Hälfte nach Russland und zu 30 Prozent nach Venezuela zurückverfolgt worden seien. (Verteidigungsministerin) Cospedal sprach ihrerseits von Belegen, dass staatliche und private russische Gruppen über Internet-Plattformen wie Twitter und Facebook die Separatisten gefördert hätten.“
(Außenminister) Dastis verwies nach AP-Angaben zudem auf ein Treffen einer führenden Persönlichkeit der Unabhängigkeitsbewegung mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Es gebe Hinweise, dass Assange und andere versuchten, sich in der Katalonien-Krise "einzumischen und zu manipulieren".
Der „Faktenfinder“ berichtet hier über reines Hörensagen, er stellt keine Nachfragen, qualifiziert diese lachhafte Darstellung nicht, zieht nichts davon in Zweifel, liefert keine eigenen Erkenntnisse. Er bläst damit zwar nur indirekt, dafür aber allen Ernstes den kritischen Niederschlag in sozialen Netzwerken distanzlos zur "russischen Einmischung“ auf. Und weil es ihm nicht gelingen kann, diese Seifenblase weiter zu vergrößern, ohne sich zur Gänze der Lächerlichkeit preiszugeben, vollzieht er unter Beibehaltung des Grundmusters einen Wechsel in der Wahl seines „Angeklagten“. Plötzlich nimmt er den Wikileaks-Gründer Assange aufs Korn und erhebt ihn praktisch zum Ehren-Russen, obwohl der Mann nach wie vor Australier ist und in der ecuadorianischen Botschaft in London Asyl gefunden hat:

Tatsächlich hatte sich Assange massiv in die Debatte um eine Unabhängigkeit eingeschaltet. Auf Twitter provozierte er mit einem gewagten Vergleich. Dort verbreitete Assange ein Foto vom Platz des Himmlischen Friedens von 1989 und setzte das katalanische Streben nach Unabhängigkeit mit dem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in China gleich.
Auf Medienseiten und in sozialen Netzwerken toben Kampagnen rund um das katalanische Referendum. Dabei reihen sich Falschmeldungen und Missverständnisse aneinander – befeuert von vielen Seiten.
Das hat nun schon gar nichts mehr mit der Titelaussage zu tun „Spanien spricht von russischer Kampagne“. Deshalb endet dieser journalistische Schund denn auch mit einer Bezugnahme in Form eines Dementis, das zugleich verdachtsverstärkend wirkt
Ein Vertreter der katalanischen Separatisten wies erneut die Vorstellung zurück, eine russische Einflussnahme habe das Referendum beeinflusst. Auch die Regierung in Moskau dementierte entsprechende Vorwürfe.
Nach dem Muster: Wo viel Rauch ist, da ist auch ein Feuer. Oder gemäß der Frage: Schlagen Sie ihre Frau? Wer das etliche Male gefragt wird, mutiert zum Verdächtigen.
Dass die Ereignisse in Katalonien im Internet in aller Breite diskutiert werden, in allen europäischen Sprachen, ist wahrlich nicht verwunderlich. Die Regierung in Madrid kommt in diesen Diskussionen durchgängig schlecht weg. Aus diesem Faktum russische Einmischung zu konstruieren, ist einfach nur dummdreist, aber einem korrupten Ministerpräsidenten Rajoy und seiner Entourage durchaus gemäß. Es aufzugreifen, sich formal zu distanzieren und es trotzdem verdächtigmachend weiterzutragen, ist ARD-aktuell-Faktenfinder-gemäß. 
Der Gedanke, dass US-Regime-Change-Politik oder deutsche „Übernahme von mehr Verwantwortung in der Welt“ in Form von Bundeswehr-Einsätzen eine sehr viel konkretere, blutigere Form der Einmischung in die Angelegenheiten fremder Völker darstellen als im Internet geführte Debatten über Ereignisse da und dort, kommt journalistischen Ausfall-Erscheinungen wie hier den „Faktenfindern“ offenbar schon gar nicht. 
Wir haben unseren Einspruch als „Eingabe“ und als „Anregung“ deklariert.  Der Teil „Anregung“ folgt hier: Der Rundfunkrat möge prüfen, ob den ARD-aktuell-Faktenfindern ein Schulungsseminar in Form einer halbjährigen Hospitanz in der „Telepolis“-Redaktion verordnet werden sollte. Die Kollegen dort demonstrieren laufend, wie sauberer Journalismus aussieht. Den Katalonienkonflikt betreffend ist das hier schön dokumentiert:
https://www.heise.de/tp/features/Die-Russen-sollen-sich-auch-in-Katalonien-eingemischt-haben-3890128.html

Wir haben zwar in Erinnerung, dass Chefredakteur Dr. Gniffke einst die Frechheit besaß, Ihnen und uns gegenüber das Magazin Telepolis als für ARD-aktuell nicht seriös genug zu bewerten. Deshalb erinnern wir Sie daran, dass er seine Sprüche gleich darauf in einem peinlichen Verfahren zurücknehmen musste. Er ist in solchen Dingen jedoch äußerst flexibel. Ein biegsames Rückgrat scheint für ARD-aktuell-Chefredakteure zu den professionellen Kompetenzen zu gehören.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer

Die Macht um Acht
Ein Buch für Tagesschau-Versteher
http://shop.papyrossa.de/Gellermann-Uli-Klinkhammer-Friedhelm-Braeutigam-Volker-Die-Macht-um-acht


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 23. November 2017 schrieb Michael Weiß:

Der anscheinend völlig faktenfreie "Faktenfinder" muss eine mißverstandene Satireseite sein. Der Name ergibt ungefähr so viel Sinn, als ließe ein Metzger sich Tierarzt nennen.
Vielleicht wird daraus ein neues Gesellschaftsspiel... "Der Russe wars".


Am 21. November 2017 schrieb Benny Thomas Olieni:

Tagesschau:

Aliens warnen vor Rußland.

- - -
Spaß beiseite, zu den 'gefälschten Nutzerkonten':
Falsche Fährten nach jedem beliebigen Land, das elektrifiziert ist und über einen Internet-Anschluß verfügt,
dürften für jeden besseren Geheimdienst ein Kinderspiel sein.
Solche Angaben sind in etwa so seriös
wie die Aussage: Im Tatfahrzeug wurde
ein Koran in russischer Übersetzung
gefunden. ; - )


Am 21. November 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Was Russland alles kann. Wenn dieser sich hochschaukelnde Russenhass nicht so ernst genommen werden müsste, könnte man sich wirklich tot lachen. Doch man weiß um die Bedeutung von Sprache, Inhalt und Ausdruck, und das macht die Tagesschau so brisant und entsetzlich gefährlich, weil der Glaube an das, was dort in die Zimmer der Republik geplusterst wird, sich in die Herzen und Köpfe, oftmals unreflektiert hinein schleicht, dort breit macht, und als Wahrheit angenommen wird. Russland kann einem fast leid tun. Für alles und jedes verantwortlich gemacht zu werden, und immer noch auf friedliche Nachbarschaft, vor allem mit Deutschland zu drängen. Respekt, und die Erwartung, dass die Politik dem endlich gerecht wird, und die Interessen des Volkes vertritt, und das kann nur Frieden mit Russland sein, das wäre doch eine gute Meldung in der Tagesschau.
Sollen sie doch den Staatssender endlich mal für etwas sinnvolles und vernünftiges nutzen. Mit Gniffke wird das ein frommer Wunsch bleiben.
Kataloniens Geschichte gibt ihr jedes Recht an Fortschritt, Selbstbestimmung, ihr Parlament wählen, und eigene Entscheidungen zu treffen.
Da die Interessen der Völker die Grundlage für Fortschritt sein müssen, und nicht die Interessen des Staates, wie einem ständig in bürgerlichen Medien verbraten wird macht es manchmal schwierig eben genau dieses zu differenzieren, denn Staat und Volk sind nicht eins,die Interessen sind grundsätzlich verschieden, wie immer offensichtlicher wird. Von den Arbeitskämpfen in Frankreich ist nichts durchgedrungen, aber der Staatsbesuch von Hariri bei Macron flimmerte durchs Land.-
Der Anarchismus spielt in der Geschichte Spaniens eine große Rolle. Die 1910 gegründete anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT (Nationale Konföderation der Arbeit) zählte 1918 rund 700 000 Mitglieder. 18 Jahre später hatte sich ihre Mitgliederzahl verdoppelt. Die Zentren des Anarchosyndikalismus waren das vergleichsweise stark industriealisierte Katalonien , Aragonien und das agrar- feudalistische Andalusien. Die Anhänger waren in erster Linie, Menschen, die in den Industriebetrieben des Nordostens, in der Landwirtschaft, und in den Handwerksbetrieben des Südens arbeiteten.
Viele wichtige Daten, die noch tieferen Einblick in die Geschichte geben würden sprengen den Rahmen.
Obwohl es inhaltliche Differenzen gegeben hat, waren die Internationalen Brigaden Teil des Kampfes gegen die Franco Diktatur. Aufstände gibt es seit 1521, aber seit 1870 gab es ständig Aufstände. Franco war übrigens Galizier.-
Die Katalanen verloren im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) ihre Unabhängigkeit. Sie verloren neben der politischen Freiheit, viel von ihrer Sprache und Kultur, als die französische und spanische Armee Barcelona überfielen. Besonders brutal war die lange Zeit der blutigen Diktatur Francisco Francos von 1939 - 1975. Unabhängigkeitsbestrebungen sind ja nichts Neues in Europa. Die Austeritätspolitik, die besonders das Proletaritat in der EU mit aller Härte getroffen hat, nach Griechenland wurde Spanien in eine der tiefsten Krisen durch die Finanzkrise gestürzt im Jahr 2008.
Die Wirtschaft rutschte ab, und Spanien, die Völker kämpften ums Überleben, während sich Staat und Banken den schlanken Fuß machten, um es vereinfacht zu sagen. Die Korruption der spanischen Regierung ist allgemein bekannt.Für große Teile der Katalanen ist die spanische Verfassung ein historisches Momentum, was überwunden werden muß. Neben eigener Sprache, eigener Kultur, Geschichte, Identität scheint seit einem Jahrhundert der unbändige Wille der Mehrheit des katalanischen Volkes eine Republik zu werden und die eigenen Ressourcen ohne ständige Einmischung einer Zentrastaats verwalten zu können.
Der Kampf Kataloniens ist der Kampf vieler Völker, nicht nur in Spanien.
Solidarität und Internationalismus mit allen Völkern, die für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte aufstehen muß unterstützt werden, denn ohne Zusammenhalt und Unterstützung mit den Völkern gibt das nix.
Pablo Neruda, chilenischer Poet, 1971 Literaturnobelpreis. Als sein Kollege und Freund Frederico Garcia Lorca im Zuge der beginnenden spanischen Kämpfe von den Faschisten ermordet wurde , begann sich der chilenische Schriftsteller zu politisieren. Von Chile aus unterstützte er 1937/38 den Kampf der Spanischen Republikaner. Sein Werk "Canto General" (1950) unvergesslich mit Mikis Theodorakis vertont, auf Anregung von Salvator Allende. Seiner Lyrik kann man verfallen. Metaphern und Symbolik in eine Sprache eingebettet von betörender Schönheit , der Stimme des einfachen Volkes. Sinnlich, zärtlich, politisch radikal, und seine Liebeslyrik ist untrennbar mit dem politischen Kampf verbunden.
...."eine Dichtung ist, die mit der Macht natürlicher Kraft Schicksal und Träume eines Kontinents zum Leben erweckt begründet das Nobelpreis- Komitee den Preis. Die Todsursache scheint geklärt. Mord, einer von Tausenden im blutigen Chile unter dem Faschisten Pinochet. Der letzte Beweis muß noch erbracht werden.


Am 20. November 2017 schrieb Daniela Lobmueh:

Daniela Lobmueh≈Putins Trolle in Barzelona! Katalonen im Visier der kybernetischen Kalaschnikow
ARD: Bei uns schwitzen sie in der ersten Reihe -besonders wenn der Russe mal wieder zur kybernetischen Kalaschnikow greift. Auch die Separatisten in Barzelona werden aus Moskau ferngesteuert. Das hat Präsident Rajoy in Madrid aufgedeckt. Russen steuern Katalanen. Genau wie die Separatisten in der Ostukraine. Und wie die vom Brexit. Russische Agenten sitzen im Internet hinter jedem Bit & Byte! Zu Hilfe! Bitte, bitte liebe NSA und CIA rettet uns! ...
https://jasminrevolution.wordpress.com/2017/11/16/putins-trolle-in-barzelona-katalonen-im-visier-der-kybernetischen-kalaschnikow/


Am 20. November 2017 schrieb Ernst Blutig:

Am Samstag war es auch mal wieder in der Sportschau um 23Uhr soweit.

Ein Bericht stand an über die Korruptionen der FIFA-Funktionäre und einer erkauften WM in Qatar. Eingeleitet wurde das Ganze mit einem Titelsatz, in dem auch das Wort "Russland" eingebaut war.

Auf den Zusammenhang mit Russland wartete man dann beim ZDF-Faktencheck des Berichtes vergeblich. Ich Gegensatz dazu gabs jede Menge zu berichten über die Korruptionsfähigkeit westlicher Fußball(mehr)werte.

So läuft kriegsvorbereitende Agit-Prop im ÖR/ZDF.

Daß man die Causa Katalonien entsprechend damit impft war zu erwarten. So wie man tiefgefrorenen Ware mit Wasser impft, um den alten Fisch und das Fleisch für mehr zu verkaufen als es in Wirklichkeit ist.
Die ÖR treiben auch das noch auf die Spitze:
Sie verhökern dem Zuschauer gefrorenes Wasser für Fisch und Fleisch.
Heil Mehrwert...


Am 20. November 2017 schrieb Reiner Feldmann:

Ich bewundere Ihre Geduld, danke! Aber ob die i Hamburg noch mal Journalismus lernen ist unsicher.


Am 20. November 2017 schrieb Susanne Hofmann:

Sehr geehrter Herr Dr. Hörmann,

ich wende mich an Sie in Ihrer Funktion als Vorsitzender des NDR-Rundfunkrates. Zusammen mit Ihrem Gremium des Rundfunkrates vertreten Sie meine Interessen (da ich mich zur "Allgemeinheit" zähle). Sie berücksichtigen "die Vielfalt der Meinungen der Bürger und Bürgerinnen". Sie wirken "darauf hin, dass der NDR seine Aufgabe nach diesem Staatsvertrag erfüllt". Sie überwachen "die Einhaltung der Programmanforderungen". Kurzum, was Sie und Ihr Gremium nicht gutheißen, was also den Programmanforderungen des NDR nicht voll entspricht, geht nicht über den Äther bzw. wird umgehend richtig gestellt.
Wohl dem Publikum, das über eine solche machtvolle Instanz verfügt, die sicherstellt, dass es einen "objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen" bekommt!

Seit geraumer Zeit nun, genauer seit Beginn der Ukraine-Krise, hadere ich allerdings mit dem Programmangebot der "Tagesschau". Statt objektiver Berichte liefert diese Sendung Beiträge, die sich auf die Seite einer Partei schlagen - im Falle der Auseinandersetzungen in der Ukraine auf die Seite der EU und der USA . Russland erscheint dagegen als Unruhestifter, als verdeckt kriegsführende Partei. Und der Ton der "Tagesschau"-Beiträge wird zunehmend anti-russisch. Diese Entwicklung macht mir Sorge.
Die gleiche Richtung schlägt u.a. auch die Syrien-Berichterstattung der Tagesschau ein - auch hier wird ein schwarz-weiß Bild gezeichnet, das mit der Realität nicht in Übereinstimmung zu kriegen ist: Hier der autokratische Faßbomben werfende syrische Präsident und seine russischen Verbündeten - dort die "Rebellen" und die "internationale Koalition", die vorgeblich für die Demokratie, de facto aber ohne UN-Mandat, also gegen das Völkerrecht dort bombardieren und Menschen zerfetzen. Die USA haben in Syrien, wohlgemerkt auf fremden Staatsgebiet!, inzwischen 16 Militärbasen. Wieso erfahre ich das nicht in der Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?
Werter Herr Dr. Hörmann, werden Sie tätig! Zur Einstimmung schlage ich Ihnen ein informatives, sachlich hieb- und stichfestes Interview zweier der ARD gewogenen und für die Qualität der öffentlich-rechtlichen Nachrichten streitenden Herren vor:

https://m.youtube.com/watch?v=ftrxalAq1xg&feature=youtu.be

Ich zähle auf Sie als Wahrer der Zuschauerinteressen. Wer, wenn nicht Sie, sollte denn für ein Programm eintreten, das "die internationale Verständigung" fördert und "für die Friedenssicherung" eintritt?
Bitte walten Sie Ihres Amtes!

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Antwort von U. Gellermann:

Mit der Bitte um Nachsicht für die Plattitüde: Die Hoffnung stirbt ziemlich spät.


Am 20. November 2017 schrieb Andreas Schell:

Zu "Spanien spricht"
Man lese, auch wenn's weh tut, die zitierte Meldung im ARD Faktenfinder komplett, incl. Reaktion des zahlenden Publikums. Nach 80 Kommentaren war zwar, wie üblich, die "Kommentierung zu dieser Meldung beendet", aber ein Blick in die 80 Kommentare beruhigt. Es scheint auch den Lesern der ARD tatsächlich sehr deutlich aufzufallen, dass der so genannte Faktenfinder offenkundigen Schwachsinn ohne jeglichen Beleg verbreitet. Was dabei in die Gehirne einsickert: die Russen sind böse, die Russen sind böse, die Russen sind bööööseeee. Irgendwann glaubt der Michel das einfach, egal wie blöd die Message ist, und das ist der Kern. Zwei Prozent vom BIP für die Rüstung sind halt irgendwie zu begründen, und diesen Grund zu liefern ist der wahre Auftrag der ARD-Staatsfunker.


Am 20. November 2017 schrieb Eva Hammbruch:

„Russland warnt vor Russland“. Gellermanns Sprachartistik schlägt mal wieder Salti, bravo!


Am 20. November 2017 schrieb Hella-Maria Schier:

Die Gleichsetzung von Rajoy und seiner PP mit "Spanien" , von beiden Seiten des Konfliktes praktiziert, ist schon ziemlich nervig. Sie ist sicher noch weniger zutreffend als die von Puidgemont mit "Katalonien". Aber so hat man nun natürlich eine griffige Front: Real...äh..Spanien gegen Barca...äh...Katalonien. Das ist sicher manchem lieber als reich gegen arm oder demokratisch gegen autoritär.
Ein Podémos-Anhänger aus Madrid dürfte sich in dem Bild kaum wiederfinden, es wird vielmehr von den Einen suggeriert, dass "die Spanier" eben alle vernünftig, großmütig aber gesetztestreu gegenüber den Seperatisten seien und von den Anderen, dass Spanier per se zu Faschismus neigten und Franco nachtrauerten. In den Kommentaren ist dann schnell auch immer wieder vom Stierkampf, der Inquisition und der blutigen Eroberung Südamerikas die Rede. Die Katalanen hingegen, an scheinend nur sie, waren dieser Darstellung gemäß stets nur die (einzigen!)Verfechter von Demokratie, Menschenrechten und Fortschritt.
Das unterschlägt natürlich, dass es Hochburgen spanischer Anarchisten ebenso zumindest in Aragón, Asturien und Andalusien gab. Und Madrid kämpfte noch länger, nämlich bis ganz zuletzt, gegen Francos Schergen als Barcelona. Und es hat meines Wissens heute auch eine linke Bürgermeisterin.
Cadiz, das eine wichtige historische Bedeutung für Spaniens Demokratie hat, befindet sich auch nicht in Katalonien.
Es stimmt auch nicht, dass es im 15. Jahrhundert die beiden großen Reiche Kastilien und Katalonien gewesen seien, wie ich von Seperatistenanhängern gelesen habe. Es waren Kastilien und A r a g ó n und von letzterem war Katalonien, wenn auch recht selbständig, nur ein Teil.
Dies erwähnte ich 2013 während einer Reise durchs Land mal in einem der katalanischen Kulturzentren "CAT" in Cervera, in dem ich nur hatte fragen wollen, ob ich meine Kamera aufladen kann. Ich und mein Begleiter waren die einzigen, auch noch zufälligen, Besucher. Der einsame Junge an der Rezeption präsentierte uns ganz kostenlos eine Super-Multimedia-Show über die ruhmreiche und verdienstvolle Geschichte Kataloniens - auf Deutsch! Das Wort Aragón fehlte allerdings komplett, was mich am Schluss zu meiner "deutsch-besserwisserischen" Frage veranlasste, ob Katalonien denn nicht zu selbigem gehört habe. Der Junge wirkte ziemlich verlegen, bejahte aber widerstrebend. Später las ich im Buch "Vergessene Königreiche" über Aragón, dass nicht wenige Katalanen es gar vermeiden, den Namen der großen Nachbarregion auszusprechen. - "Die Spanier", "die Katalanen", und dann natürlich "die Russen". Solange man sich darauf fokussiert, schaut man halt nicht auf die wirklichen Probleme.
Der Erfolg: Spanien ist zerrissen und der Gefahr (für EU und auch USA), dass auf Rajoy eine linke spar- und natoskeptische Regierung, z-B. mit Podémos folgen könnte, wurde entgegengewirkt. Podémos hat Anhänger verloren, auch dort eine Spaltung zwischen Befürwortern und Gegnern der Unabhängigkeit.
Und was die Förderer der Seperatisten angeht, ist mir da doch der Name George Soros begegnet, vielleicht nicht in großem Umfang, aber immerhin. Falls sich eine Farbenrevolution als zweckmäßig erwiesen hätte ...

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