Rainald Becker (ARD)

Der tägliche Terror der TV-Anstalten

Autor: U. Gellermann
Datum: 23. Oktober 2014

Was ist ein Terror-Experte? Das ist sicher einer, der mit großem Wissen über den Terror ausgestattet ist. Wo erwirbt man sich diese Kenntnisse? Am besten bei der Terrorisierung seiner Mitmenschen: Das ist dann authentisches Wissen, das ist dann echt, geprägt von gutem terroristischem Handwerk. Ein geradezu amtlicher Terror-Experte ist der stellvertretende Chefredakteur Fernsehen im ARD Hauptstadtstudio Rainald Becker. Jedenfalls steht dieser Begriff häufig unter den Becker-TV-Bildern, so wie die Banderole die Zigarre ziert.

Gerade wußte Becker es mal wieder besser: Beim Abschuss des malaysischen Flugzeuges über der Ukraine, so referierte der Terror-Experte "deute alles darauf hin", dass die Separatisten den Abschuss zu verantworten hätten. Gemäß der Auswertung von Satellitenaufnahmen, Fotos und Gesprächen, die der Bundesnachrichten Dienst (BND) am 8. Oktober dem geheimen, zum Schweigen verpflichteten Parlamentarischen Kontrollausschuss vorgelegt habe. Es gibt keinen Fakt, keine überprüfbare Nachricht, kein Bild, kein Statement, aber die ARD titelt den Becker-Beitrag mit der zitierten Behauptung: "Es waren pro-russische Separatisten".

Die NSDAP-Nachfolge-Organisation BND, die sich über die Jahre zur redlichen Filiale der "NSA" hochgearbeitet hat, wird in den Snowden-Dokumenten wie folgt charakterisiert: "Der BND hat die deutsche Regierung aktiv beeinflusst, um die Gesetze über Privatsphäre langfristig aufzuweichen damit es bessere Möglichkeiten für den Austausch von geheimdienstlichen Informationen gibt". Dieser Dienst öffentlichen Unrechts, gilt der ARD und ihrem Nachrichten-Terroristen Rainald Becker als seriöse Quelle: "Eine Reihe von Plausibilitäten . . . legen einen bestimmten Schluss sehr nahe." Plausibel kommt vom Lateinischen `plaudere´ für klatschen, schlagen, Beifall klatschen. Dass können sie gut, die deutschen Medien, der Regierung und ihren Ämtern Applaus spenden.

Becker sondert gern so etwas ab: “Was Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bürger angeht, sollten wir uns an den USA orientieren. Telefonüberwachung, Onlinedurchsuchung, Datenspeicherung und ab und zu ein Fingerabdruck, das ist kein Teufelszeug. Wer das nicht will, kann sich ja zuhause hinter dem Ofen verkriechen.” Kommt hinter dem Ofen hervor tapfere Deutsche, stellt Euch dem internationalen Terror, woher er auch immer kommen mag: "Der Westen lässt sich von Russlands Präsidenten Putin am Nasenring durch die Politarena führen. … Kanzlerin Merkel telefoniert und ist besorgt. Außenminister Steinmeier reist und redet. Aber hilft das? Kaum. Um Putin in die Schranken zu weisen, um eine Spaltung der Ukraine zu verhindern, wenn man es denn wirklich will, braucht es jetzt klare Kante und starke Geschütze", so Becker jüngst in der ARD. Drauf auf den Feind, ran an die Geschütze, so tickt die Terror-Bombe im Berliner Hauptstadtstudio.

Man mag das gut-katholische, nette niederrheinische Städtchen Tönisvorst, aus dem Rainald Becker stammt, nicht für den TV-Terror verantwortlich machen, unter dem der Gebührenzahler leiden muss obwohl er ihn nicht bestellt hat. Aber die am Niederrhein herrschende Messdienerei wird es gewesen sein, die den jungen Rainald Becker in die Fänge des "Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp)" getrieben hat. Das Institut - getragen von der Deutschen Bischofskonferenz, im ehemaligen Münchner Kapuzinerkloster beheimatet - ist seit über 40 Jahren der Brutkasten der katholischen Kirche zur Aufzucht indoktrinierter Journalisten. Über 2000, so vermeldet das Institut stolz, haben dort ihre Ausbildung absolviert.

Kein Wunder, dass solch ein Gotteskrieger wie Becker am Abend der norwegischen Terroranschläge des Jahres 2011 in den "Tagesthemen" über die "ziemlich sichere Vermutung" schwadronierte, dass die Tat einen islamistischen Hintergrund habe. Obwohl die norwegische Polizei zu diesem Zeitpunkt bereits den wirklichen Täter, Anders Behring Breivik, festgenommen hatte. Doch das Weltbild der Beckers lässt nur wenig Spielraum: Entweder war´s der fremde Glaube oder das fremde Volk, Russen und so was. So wird der tägliche TV-Terror, jene Mixtur von halb falscher Information, ganz falscher Information und nassforscher Gewissheit so lange weitergehen wie der Gebührenzahler zahlt und schweigt.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Oktober 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Unter dem Focus der RationalGalerie erscheinen manche Dinge auch im Nachhinein plötzlich bedeutsam. Die RG schärft den Blick, und man kommt zu einem umfassenderen Gesamtbild - auch für "Laien" wie mich.
Ich gebe zu: die Details zB zum Terroranschlag in Norwegen - und die damalige Berichterstattung darüber - sind mir total entgangen!

Rainald Becker (ARD) habe damals sogleich von "islamischem Hintergrund" schwadroniert, und das, obwohl schon früh bekannt war, daß es ein Norweger war, auf dessen Kappe diese Massenmorde gingen. Ein S K A N D A L per se!

Wurde Rainald Becker jemals dafür belangt, daß er abenteuerliche Mixturen aus Mutmaßungen, Halbwahrheiten oder ganz falschen "Fährtenlegungen", bzw. "naßforscher Gewißheit" öffentlich verbreitet?

Solange aber der Gebührenzahler zahlt und schweigt - so Uli Gellermann - YES, stimmt! Doch der Bürger kommt einfach oft gar nicht mehr nach mit dem Achten auf diese superwichtigen Details - und vor allem mit seinem Protest.... (jeden Tag kommen immer neue Skandale ans Licht!)
Jedoch genau darauf werden sie spekulieren, diese elenden Falschspieler - ähm - Meinungsmacher/-verwirrer vom Schlage des Rainald Becker und anderen "Klofrauen",
wie der große GEORG SCHRAMM sie einmal nannte....


Am 24. Oktober 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Am Donnerstagabend, dem 23. Oktober 2014, reihte sich nun auch Maybrit Illner (ZDF) in den Reigen der Ausklammer-Experten und Geschichtsvergessenen ein.
Es ging um das bevorstehende Zusammengehen der Linken und der SPD in Thüringen, wobei der Zuschauer bereits optisch auf die Gangart der Diskussion hingewiesen wurde, indem unübersehbar im Hintergrund die verschränkten Hände und die Buchstaben SED prangten.
Gegen dieses Regierungsbündnis Linke/SPD und Grüne wetterten Herr Markus Söder (Finanzminister der CSU Bayern) und AfD-Chef Bernd Lucke. Besonders eifrig - phonetisch wie auch optisch gallig - zeigte sich der ehemalige Bürgerrechtler Werner Schulz (Bündnis 90/Die Grünen), der sich in seinem Geifer-Eifer dazu verstieg, Nationalsozialismus und Kommunismus auf eine Ebene zu stellen, was endlich Herrn Dietmar Bartsch (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Bundestag) zu heftiger Widerrede veranlasste.
Aus taktischen Gründen gegenüber der SPD-Generalskretärin Yasmin Fahimi verzichtete Dietmar Bartsch auf den Hinweis, dass in der Weimarer Republik ein rechtzeitiges Zusammengehen der SPD mit Ernst Thälmann (KPD) den Hitler-Faschismus hätte verhindern können.
Als erneut auf dem Begriff "Unrechtsstaat DDR" herumgeritten wurde, wäre ein Hinweis auf die Gründung der Bundesrepublik Deutschland angebracht gewesen, als Konrad Adenauer die Herren Globke und Gehlen an seiner Seite duldete und Blutrichter der Nazi-Zeit in der Justiz des ersten deutschen Staates West. Dazu hätte Herr Bartsch etwas sagen müssen. Aus Rücksicht auf den Regierungswunsch in Thüringen unterblieb auch dies.
Frau Illner gefiel der Verlauf dieses Polittalks. Vergnügen bereitete ihr, Bernd Lucke in Verlegenheit zu bringen, indem sie ihm Ausschnitte seiner Reden vorführte und um Stellungnahme bat, die Lucke entlarvend zu umgehen versuchte.
Indem Frau Illner im Sinne vorgegebener ZDF-Manöverdirektiven den Attacken der Herren Söder, Schulz und Lucke genüsslich freien Lauf ließ, stellte sie sich zu den genannten Kollegen der ARD.
Dass ich mich im Anschluss bei Markus Lanz erholen konnte, will schon etwas heißen.


Am 24. Oktober 2014 schrieb Peter Lind:

Rainald Becker, na ja - ein eigenartig-schlichter, aber hierzulande durchaus nicht seltener Journalist. Aber ist er allein? Was ist (Ladies first? Soviel Zeit muß sein) mit Caren Miosga, und was mit Rolf-Dieter Krause, und Claus Kleber, und Elmar Thevensen, Thomas Bellut? Thomas Roth nicht zu vergessen, der geradezu Schaum vor seinem nuschelnden Mund hat, wenn er von Russland oder Putin spricht, und all den anderen öffentlich-rechtlichen Hasspredigern? Diese hätten durchaus auch eine "Würdigung" in der Rationalgalerie verdient
.

Antwort von U. Gellermann:

Ich gestehe: Ich habe gefehlt. Die anderen kommen auch noch.


Am 23. Oktober 2014 schrieb Markus Schmitz:

Zu Paul-Wilhelm Hermsen
Ihre (rethorische) Frage Herr Hermsen ist leicht zu beantworten: Immer schön nicken, wenn der Chefredakteur etwas sagt und als möglichst erster Zustimmung zu dessen Äusserung zeigen! Männer schlafen sich gewöhnlich nicht hoch, sie kriechen sich hoch bis zur erbarmungslosen Selbstverleugnung! Frauen sind da wesenlich geschickter, sie nutzen Ihre Reize und haben auch noch Spaß dabei! (Die Frauen unter den Lesern mögen mir verzeihen, aber es ist meine ehrliche Bewunderung und kein Sexismus!)


Am 23. Oktober 2014 schrieb Aleksander von Korty:

Diese Zigarren-Banderole und Terror-Spezialist hat sich offenkundig eine Erkenntnis seines großen Vorbildes dieser drittklassigen Charlie-Chaplin-Parodie aus dem Örtchen Braunau am Inn zur Maxime seines journalistischen Denkens erwählt: "Mache die Lüge groß, mache sie einfach, wiederhole sie immer wieder, letztendlich wird man sie glauben!":


Vermutlich lernte er dieses Weisheit schon während seiner Ausbildung im Münchner Kapuzinerkloster beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses. Geistige Verwandschaft zwischen faschistischer und klerikal-katholischer Ideologie ist viel zu nahe liegend, als dass sie von der Hand zu weisen wäre. 
Erstens sind beide Organisationen - Katholische Kirche und Faschistische Parteien zutiefst undemokratisch und hierarchisch strukturiert.


Zweitens hat es im vergangenen Jahrhundert eine Vielzahl klerikal-faschistischer Regime in Europa gegeben, nicht nur der Franquismus in Spanien, sondern auch der Horty-Faschismus in Ungarn, der Ustacha-Faschismus in Kroatien, der Austro-Faschismus des Herrn Schuchnigg in Österreich und weitere mehr. 
Drittens kommt hinzu, dass Faschismus nicht abhängig ist von der politischen Organisationszugehörigkeit oder gar der braunen oder schwarzen Uniform, sondern erkennbar wird an den braunen Windungen im Stammhirn, woher auch die geistige Verwandschaft zu deutschen Stammtisch-Parolen gehört. 
Damit ist dieser Terror-Spezialist genauso qualifiziert, wie es vor Jahrzehnten sein geistiger Großvater war, der einstige Bolschewismus-Experte und Reichsminister für Propaganda und Volksaufklärung Dr. Joseph Goebbels.
 


Am 23. Oktober 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Und wieder ein Kandidat, der bei mir ganz weit oben auf meiner persönlichen rabenschwarzen Hassliste stand: Rainald Becker, das stets irgendwie spöttisch grinsende Stoppelhaarköpfchen. Hab’ also Dank für diese gelungene Auswahl und vor allem für die einmal mehr als köstliche Auswahlbegründung!
Auch die von @Paul-Wilhelm Hermsen aufgeworfene Frage „…wie man sich als Mann hoch schläft?“ ist angesichts dieser Kartoffelbirne von nicht abzuweisendem Interesse. Andererseits: Nach der Wandlung der ARD zum treudienlichen NATO-Propagandasender sind solche Karrierebeschleuniger gar nicht mehr nötig – wer glaubwürdig am Dreistesten lügt, der darf nach oben. Golineh Atai ist das beste Beispiel dafür. Wetten, dass wir sie nach ihrem unermüdlichen Ukraine-Einsatz schon bald in höheren ARD-Etagen sehen werden müssen?


Am 23. Oktober 2014 schrieb F. Riemann:

Ihre Schmock Spalte kannte ich noch nicht. Ich wußte nicht dass Sie so witzig sein können. Diesem unsympathischen Becker haben sie´s gegeben, das spricht für Sie.


Am 23. Oktober 2014 schrieb Hans Jon:

"TERROR" existiert seit 10T.J. sog."KULTUR"!
"TERROR" ist der schreckliche KAMPF "Jeder gegen Jeden" in einer GIER- & MACHT-KULTUR! "Der KRIEG gegen den TERROR" ist ebenso "TERROR"!


Am 23. Oktober 2014 schrieb Paul-Wilhelm Hermsen:

Mich würde wirklich mal interessieren, wie man sich als Mann hoch schläft?

Zur Erinnerung:
http://blogs.taz.de/arabesken/2011/07/23/plaedoyer_zur_abschaffung_des_berufstand_des_terrorexperten_selten_lagen_so_viele_so_schnell_auf_dem_holzweg/




Am 23. Oktober 2014 schrieb Ulla Cieslak:

Sie mal an, die katholische Kirche bildet "ihre" Medien-Agenten selbst aus. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wer alles auf die Medien Einfluss nimmt.

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