Postfaktisch kann auch präfaschistisch werden

Wie die ARD eigene Wahrheiten subkutan verabreicht

Autor: U. Gellermann
Datum: 02. Januar 2017

Erneut hat die ARD ein Foto des angeblich in Ost-Aleppo verschütteten kleinen Omran Daqneesh zu Propagandazwecken eingesetzt. Obwohl der Redaktion und selbst dem unauffällig begabten ARD-Korrespondenten Volker Schwenck bekannt sein müsste, dass dieses Foto von der Firma Innovative Communications & Strategies (InCoStrat) in Umlauf gebracht wurde, eine Gründung des Britischen Geheimdienstes MI6 zum Zweck, die Propaganda der NATO zum Thema Syrien zu organisieren. Ebenfalls dürfte den Verantwortlichen bekannt sein, dass der „Fotograf“ Mahmud Raslan ist, ein Dschihadist der Gruppe Harakat Nour al-Din al-Zenki (unterstützt durch die CIA, die ihr BGM-71 TOW Panzerabwehrraketen geliefert hat). Mahmud Raslan war zumindest zugegen, als am 19. Juli 2016 einem palästinensischen Kind, Abdullah Tayseer Al Issa (12 Jahre alt), der Kopf abgeschnitten wurde.

Diesen Vorspann zur folgenden Programmbeschwerde von Bräutigam und Klinkhammer unterzeichne ich persönlich. Denn ich erhebe einen Vorwurf gegen die ARD, mit dem ich die beiden Kollegen nicht belasten will: Die Art mit dem dieses Foto inszeniert wird, halte ich methodologisch für faschistische Propaganda. Das beginnt mit der widerlichen Ausbeutung eines kleinen Kindes und setzt sich fort in der völligen Verbiegung der Wahrheit unter Ausblendung der Fakten und der Kumpanei mit einem nachweislichen Terroristen-Sympathisanten. Ganz bewusst wird ein Foto, das unter die Haut geht, benutzt, um eine eigene Sender-Wahrheit durchzusetzen, die mit der Wirklichkeit nicht einmal mehr verwandt ist. Das geht weit über die gewöhnliche Manipulation der ARD im Syrienkrieg hinaus. Auf diesem Weg der vorgeblichen Berichterstattung wird Postfaktisches umgehend präfaschistisch.

Uli Gellermann

ARD-Jahresrückblick 2016 - Beitrag V. Schwenck über Syrien
 https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-242113.html

Sehr geehrte Rundfunkräte, sehr geehrter Herr Intendant,

zu den abscheulichsten Mitteln der psychologischen Kriegsführung (PsyOps) gehören die Inszenierungen für Gräuelpropaganda unter missbräuchlicher Bezugnahme auf tatsächliches bzw. vorgegebenes Leid von Kindern. Die „Brutkastenlüge" ist auch vielen unter Ihnen noch in Erinnerung - das Gräuelmärchen, die irakische Armee  habe in Kuwait Frühgeborene aus den Brutkästen genommen und an die Wand geschleudert. Diese  „Fakenews“ – so heißt das neudeutsch; auch wieder so eine schöne Wortschöpfung aus dem US-Vokabular – dienten seinerzeit als Vorwand  zu „Desert Storm“, dem ersten Krieg der USA gegen den Irak. Die Geschichte fand, wie man weiß, mit weiteren Propagandalügen ihre Fortsetzung und mündete in die Eroberung und Zerstörung des Irak im zweiten verbrecherischen US-Krieg gegen dieses Land. ARD-aktuell war damals und ist heute wieder eine der Plattformen, auf denen Kriegslügen unter Verweis auf kindliches Leiden ausgebreitet werden. Im Jahresrückblick 2016 überschreitet die Redaktion erneut die Schamgrenze vor solchen journalistischen Regelverletzungen, und zwar mit der Hereinnahme des Syrien-Beitrags des ARD-Korrespondenten Volker Schwenck. ARD-aktuell übernimmt damit kritiklos die USA-typische und terroristen-geprägte Propagandalinie und instrumentalisiert zwecks vorgeblicher Information erneut mit unbewiesenen Behauptungen das Leid von Kindern.

Wir erinnern uns an die Falschdarstellungen über den Bub Omran Daqneesh, der angeblich in Ost-Aleppo nach einem Bombenangriff verschüttet gewesen war, jedoch ebenso angeblich, denn  gerettet wurde er von den „Weisshelmen“. Deren Wesensverwandtschaft mit den Terroristen war schon daran erkennbar, dass sie sich in dem von der Al-Nusra beherrschten Ost-Aleppo völlig frei bewegen konnten. Der Propagandafilm über den kleinen Omram und seine Errettung war vom terrornahen Aktivisten Mahmud Raslan gedreht und dann der Weltöffentlichkeit zugespielt worden. Selbstverständlich stürzte sich auch ARD-aktuell auf den herzzereißenden Streifen, ohne zu berücksichtigen, dass die ganze Story von keiner unabhängigen anderen Quelle bestätigt werden konnte. Mittlerweile gibt es viele Filmbeweise dafür, dass die Söldner und Terroristen Kinder als Hauptdarsteller für ihre widerlichen AgitProp-Produkte missbrauchten.
Obwohl inzwischen erwiesen ist, dass der ARD-Auftragnehmer Mahmud Raslan ebenso enge Kontakte zu Terroristen hatte, wie die „Weißhelme“ wahrscheinlich aktive Propagandahelfer der Terrorristenbanden waren, hält Märchenerzähler Schwenck es im Jahresrüblick nicht für nötig, auf die höchtstwahrscheinlich agitatorischen Hintergründe der Omran-Geschichte zu verweisen. Er tut völlig unbeeidruckt so, als sei sie erweislich wahr und schrecklich real und ein gültiger Hinweis auf Unmenschlichkeit des russischen und syrischen Bestrebungen, Ost-Aleppo zu befreien. Schwenck tut unbeirrt weiter so, als sei der Film über jeden Propagandaverdacht erhaben. Auch über Mahmud Raslans  - und seines mit Rundfunkgebühren bezahlten „Aleppo Media Center“ AMC  - Zwielichtigkeit verliert Schwenck kein Wort. Mit seiner verzerrenden Darstellung versucht er vielmehr erneut, seine häufige Nutzung terroristennaher Kontakte zu vernebeln. Er unterschlägt, was über diesen Filmemacher Mahmud Raslan zwingend hätte mitgteilt werden müssen: Der posierte für ein Foto vor einer Gruppe von Terroristen der Nureddin al-Zinki Brigade, er ist offenkundig verbrüdert mit exakt jenen Schlächtern, die am 19. Juli einen 12jährigen palästinensischen Jungen mit einem Küchenmesser auf der Ladeflache eines Pick-Ups enthaupteten. Das albtraumverursachende Video dieser fürchterlich grausamen Ermordung eines Kindes ist noch immer im Internet abrufbar.
Dass Gniffke und Schwenck diese Zusammenhänge ignorierten und Informationen darüber unterdrücken, zeigt nachdrücklich, dass sich beide noch immer terrornahen Quellen verbunden fühlen.  Entsprechendes gilt für den Beitrag über die „Weisshelme“. Die erhielten von der westlichen Kriegsallianz in drei Jahren Geldzuwendungen von mehr als 70 Millionen US-Dollar und Ausrüstungsgüter von nicht bezifferbarem Wert, aber den Al-Kaida-Gestank in den Klamotten konnten sie damit auch nicht wegparfümierten. Das Geld und das Material sind verschwunden, aber ein Vorturner dieser "Weisshelme“ demonstrierte dieser Tage, wes Geistes Kinder diese Leute sind: Er bejubelte das Attentat auf den russischen Botschafter in Ankara.
Die Gniffke-Schwenck-Desinformtionen im ARD-aktuell-Jahresrückblick haben mit einer der Wahrheit verpflichteten Berichterstattung nichts zu tun und sind deshalb ein Verstoß gegen die Programm-Richtlinien.

F. Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. Januar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

POST FACTUM HEISST EIGENTLICH NACH DER TAT
WELCH EIN TRAURIGES JAHRESZEICHEN
FÜR UNSEREN DEUTSCHEN NACHWENDESTAAT
MIT LEIDER FALSCH GESTELLTEN WEICHEN

Ansage an die Meinungsmacher

Das, was man fühlt, ist auch Realität?
Das ist ein typisch postfaktischer Satz.
Historische Ursachen und Qualität
finden post factum kaum einen Platz.

Die öffentlich-rechtliche Nachrichtenmühle,
die wir Bürger brav finanzieren,
bemüht neuerdings den Weg der Gefühle,
um uns salzig zu manipulieren.

Euer Streben, uns über Tränen
in die Mitleidsspur zu drängen,
bringt uns bestenfalls zum Gähnen,
weit entfernt von Euren Zwängen.

Der Vorgang post factum, wie Ihr ihn bestückt,
ist Euch Dilettanten gehörig missglückt!


Am 04. Januar 2017 schrieb Michael Weiß:

Vielen Dank für diese klaren Worte, ich gehe mittlerweile davon aus, dass die ARD Desinformation gezielt und vorsätzlich verbreitet, mildernde Umstände wie Nachlässigkeit oder äußere Zwänge sind nicht erkennbar. Vielleicht gibt es eines Tages wenigstens punktuelle Wiedergutmachung im Nachtprogramm?


Am 03. Januar 2017 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

Heute, am 1. Januar - am frühen Abend - wurde auf PHOENIX ("Zoom") einmal kritisch beleuchtet, wie das gezielte Verbreiten von Fakes über Social media - Facebook und Co (ebenso subkutan) funktioniert.

(Dieses schmutzige Spiel verhalf letztlich Trump zum Sieg - doch auch Hillary C. war Social Media-mäßig kein bißchen weniger skrupellos, wie die Macher von "Zoom" herausgefunden haben...)

So kreiert eine einzelne fettleibige pensionierte AfD-Person aus Erfurt, ehem. SPDler (der sich mit vollem Namen sogar hat interviewen lassen) - hauptamtlich und mit Hingabe den lieben langen Tag zugunsten der AfD widerliche Unwahrheiten und verbreitet sie im Netz! Ebenso auch ein Roboter, eine Maschine ("Robot bots"). Ohne diese künstlichen Fakten, die der potenzielle Otto-Normal-AfDler u.U. weder zu durchschauen vermag, sie aber als bare Münze nimmt, wäre von den so verbreiteten Hassmeldungen, die auf gerade ZWEI Erzeuger zurückzuführen sind, gar nicht mehr sooo viel Hass übrig, wie es hieß. Dochwerden Hass-News über verschlungene Wege geteilt und immer weiter geteilt, bis ein Monstrum riesigen Ausmaßes daraus wird - mit häßlichen Folgen. Falls ich das alles richtig verstanden habe.

Anscheinend läge das alles nicht im Interessen von Facebook, doch habe man "Besserung" versprochen. Womöglich wieder ein Fake!?
Anhand dieser zwei aufgedeckten Beispiele läßt sich jedoch leicht hochrechnen, wie der Bürger tagtäglich zugeschissen wird mit Fehlinformationen zu allem und jedem. Es kann einem angst und bange werden .....


Am 02. Januar 2017 schrieb Andreas Schell:

Hat jemand den Kommentar von Dr. Kai Gniffke in den Tagesthemen vom 30.12.16 gesehen? So geht Heuchelei. Was mir dabei einfällt: der wirkt bei dem, was er da an Belanglosem absondert so harmlos, ehrlich, nahezu einfältig, dass man meinen könnte, er hätte bei dem riesigen Schaden, den er als Chefredakteur anrichtet, noch einen richtig fiesen Beißer an seiner Seite. Hier die himmlische Verkündung, ab ca. 6:40:
http://www.ardmediathek.de/tv/Tagesthemen/30-12-2016-tagesthemen-22-00-Uhr/Das-Erste/Video-Podcast?bcastId=3914&documentId=39737880


Am 02. Januar 2017 schrieb Peter Lind:

Liebe Leserbriefschreiber, habt Ihr Eure sehr berechtigte Wut auch gegenüber dem Sender zum Ausdruck gebracht, und nicht nur hier als Kommentar hinterlassen?
TIPP: nicht die ARD als Adressaten anschreiben, sondern den NDR. Dieser sei, so die Zuschauerredaktion der ARD, für Reaktionen zu Gniffke und Co zuständig!


Am 02. Januar 2017 schrieb Spargel Tarzan:

Ende letzter Woche hörte ich so im Vorbeigehen einen Beitrag im Mittagsmagazin (ZDF?).
Zum Glück hatte ich noch nichts gegessen, mein Magen hätte wohl rebelliert. Propaganda der übelsten Sorte, um nicht zu sagen Kriegshetze und die Wahrheit wurde wieder mal auf den Kopf gestellt. Man hat das Gefühl diese Herrschaften haben Vorlesungen bei Goebbels belegt, zumindest lagen sie an der Mutterbrust von Löwenthal und Walden. Beides ausgewiesene Hetzer im kalten Krieg, als Antwort auf den Schwarzen Kanal, doch waren sie selbst so Schwarz, da reflektierte nichts.


Am 02. Januar 2017 schrieb altes Fachbuch:

wäre der anlass nicht so besorgnis erregend, würde ich mich über die sprachlogik und den sprachwitz freuen!!

@herr bräutigam
die vertretungsberechtigten kassieren die tantiemen:(


Am 02. Januar 2017 schrieb Peter Schönfelder:

Hallo Zusammen,

mit großen Interesse lese ich wöchentlich die Programmbeschwerden über die ARD. Dies schärft die Sinne und man kann die aufgeführten Punkte mit seinen persönlichen Eindrücken vergleichen. Ohne diese Hilfe ist es schwierig für einen "Normal"-TV-Konsumenten.

Leider geht das ZDF dabei leer aus. Und hier fällt es sogar einen Laien wie mir auf, dass das Hofberichterstattung der CDU/CSU ist. Das Morgenmagazin ist in dieser Hinsicht eine absolute Unverschämtheit. Nicht nur, dass der Oberbayer Maier jeden 2. Tag seinen Senf abgeben darf. Und wenn der nicht, dann der Brock von der EU. Kritisches Nachfragen natürlich Fehlanzeige (Außer man hat einen von den Linken vor dem Mikro: Dann wird der Kettenhund losgelassen). Aber dafür Stimmung machen, dass noch mehr Überwachung nötig ist, und die meisten Bundesbürger es so sehen (Sicherheitsbedürfnis nennt man das).

Die "Klofrauen" und die "emotionale Pissrinne" meide ich ja schon wie der Teufel das Weihwasser. Und wenn ich Herrn Kleber sehe, schalte ich um. Das mache ich allerdings auch bei den Transatlantikern der ARD (Zamperoni und vorher Roth).

Beste Grüße und Danke an die Herren Bräutigam und Klinkhammer.

Und am Morgen bleibt künftig die Kiste komplett aus.

Antwort von U. Gellermann:

Natürlich ist das ZDF nicht besser. Aber wir halten die TAGESSCHAU für die wichtigste deutsche Nachrichtensendung. Ganz sicher ist sie exemplarischen.


Am 02. Januar 2017 schrieb Volker Bräutigam:

Anmerkung zum Vorspann: Danke für die Rücksichtnahme auf uns Autoren der Programmbeschwerde, aber das war nicht nötig. Uli Gellermanns Einschätzung ihrer publizistischen Linie als fallweise tendenziell präfaschistisch hat sich die Redaktion ARD-aktuell weidlich verdient. Die nunmehr wiederholte Sendung des Kindervideos, mutmaßlich ohne Zustimmung der Vertretungsberechtigten des Fünfjährigen ist nach unserer Auffassung zudem eine strafwürdige Rechtsverletzung. Diese Anmerkung erfolgt ausdrücklich auch im Namen meines Kollegen Friedhelm Klinkhammer.
Volker Bräutigam

Kürzlich...

22. Mai 2017

Heisst es – so geht ARD-Nachricht

Neues TAGESSCHAU-Wording soll Sprachpreis erhalten
Artikel lesen

10. Mai 2017

Dr. Gniffke: Wo Rauch ist, ist auch Gift

Testis unus, testis nullus. Ein Zeuge ist kein Zeuge
Artikel lesen

05. Mai 2017

Programm beschwerde

ARD-aktuell Fake news - Facebook Security
Artikel lesen

17. April 2017

Fakten-Suchen in der NDR-Kantine

Ostern zum Fest der faulen Eier degradiert
Artikel lesen

13. April 2017

Kanzleramt an Dr. Gniffke

Ein Brief zum Völkerrecht der Frau Merkel
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen