Peter Sloterdijk über Syrien

Zum schwarzen Loch der TAGESSCHAU

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. September 2016

„Guten Tag verehrter Herr Professor Sloterdijk“, begrüßte Dr. Gniffke, Chef von ARD-aktuell, jüngst einen deutsche Gebrauchs-Philosophen in der TAGESSCHAU-Redaktion. Es ging um ein schwerwiegendes philosophisches Problem: Wie etwas beendet werden kann, das nie begonnen hatte. Denn die TAGESSCHAU hatte der syrischen Armee die Beendung eines Waffenstillstandes vorgeworfen, obwohl der noch gar nicht angefangen hatte. Das verlangte dringend nach einer philosophischen Erklärung, die nur der TV-Philosoph Peter Sloterdijk der Redaktion geben konnte.

Sloterdijk, rückt die Brille zurecht: „Da stellen wir uns mal ganz dumm. So ein Waffenstillstand ist wie ein großes schwarzes Loch. Das kennen Sie doch aus der Relativitätstheorie. So ein Loch erzeugt eine so starke Gravitation, dass weder Materie noch Information diese Umgebung verlassen kann. Und wenn, was durchaus üblich ist, Ihr Verstand in das Loch fällt, dann werden Ihre Nachrichten so gravitätisch, das vorne hinten und hinten vorne ist. Ehrfürchtiges Klatschen in der Redaktion. Gerührt fielen sich der Chef des Haussenders der Kanzlerin und der Hausphilosoph der FDP in die Arme.

Eingabe/Programmbeschwerde:
Tendenzberichterstattung der ARD-aktuell über den Krieg gegen Syrien
 
Werte Damen und Herren Rundfunkräte, werter Herr Marmor,
dass die Redaktion ARD-aktuell tendenziös über den Krieg in Syrien berichtet, ist Anlass auch für die hiermit vorgelegte Beschwerde. Gerade eben noch (Sonntag, 20 Uhr) hatte die Tagesschau versucht, ein halbwegs stimmiges Bild davon zu liefern, warum der zwischen Russland und USA ausgehandelte (ohnehin nur partielle) Waffenstillstand in Syrien nicht hielt, nämlich, weil die Terroristen in und um Aleppo von vornherein nicht bereit gewesen waren, ihn zu respektieren,
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-16039.html
schon übergletschert die Redaktion diesen leichten Tau von Objektivität wieder mit einer ARD-aktuell-typischen Schweinerei: „Die syrische Armee hatte die Waffenruhe am Nachmittag für beendet erklärt.“
http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-konvoi-103.html
Wie etwas für „ beendet erklärt“ werden kann, was de facto gar nicht begonnen hat, bleibt das Geheimnis dieser Redaktion.
Allerdings hatte sich schon am 17. September ein Zwischenfall ereignet, den ARD-aktuell zwingend hätte berichten müssen und der einen klärenden, informativen Blick auf die Unmöglichkeit einer sicheren Feuerpause gewährt hätte: 
Von den USA unterstützte Terroristen in Ost-Aleppo, sogenannte "moderate Oppositionelle“ (Wortwahl Volker Schwenck und prowestliche Nachrichtenagenturen) haben 26 Zivilisten hingerichtet, darunter neun Jugendliche;  sie hatten versucht, über einen „humanitären Korridor“ aus Aleppo zu flüchten, der von der syrischen Armee freigemacht worden war. Die Fluchtwilligen und weitere hunderte Zivilisten hatten die terroristischen Milizionäre um Durchlass gebeten und darum, die Kämpfe hier einzustellen, denn es handle sich um eine international verabredete Sicherheitszone. Einzelheiten berichteten übereinstimmend mehrere Stellen unabhängig voneinander auch der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konashenkov, gab in Moskau Details bekannt. Das Kriegsverbrechen ereignete sich in einem der sechs „humanitären Korridore“ die Ende Juli eingerichtet worden waren und auch von Milizionären genutzt werden können, wenn sie zur Übergabe ihrer Waffen bereit sind.
Quellen u.a.: https://southfront.org/us-backed-moderate-oppositioneers-execute-26-civilians-attempting-to-leave-aleppo-city/
http://katehon.com/news/us-backed-moderate-opposition-murder-26-people
http://www.veteranstoday.com/2016/09/19/syrian-war-report-september-19-2016-isis-obtains-air-force/
Bei den Kriegsverbrechern handelt es sich um Terroristen, die von den USA als sogenannte „Gemäßigte“ unterstützt werden. Dies wird hier noch einmal hervorgehoben, weil es ein Schlaglicht auf den alles entscheidenden Kriegsverursacher wirft und damit in eine Ecke, die ARD-aktuell als Tabuzone behandelt. Eine Nachrichtenredaktion, die wie ARD-aktuell erklärtermaßen nur ausgewählte Quellen zugunsten einer USA-NATO-konformen Berichterstattung nutzt und das journalistische Grundgebot missachtet, im Wege von Gegenrecherchen immer auch die andere Seite zu betrachten und zu Wort kommen zu lassen, wie beispielsweise
http://tass.com/world/900588
muss zwangsläufig zu tendenziöser, verfälschender Berichterstattung kommen. Das geschieht auch nicht versehentlich fehlerhaft, sondern bewusst, absichtlich per Quellenauswahl fälschend. Dabei kommen dann Texte wie dieser heraus:
„Nach dem Ende der Waffenruhe in Syrien sind die Kämpfe mit aller Härte fortgesetzt worden. Nach Angaben der oppositionsnahen "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" wurden bei Luftangriffen in der Provinz Aleppo mindestens 20 Zivilisten getötet.“
Und die Redaktion meldet in diesem Zusammenhang eben die Bombardierung eines UN-Konvois mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes, wiederum unter Verzicht auf genaue Recherche, aber mit kontextual induzierter  Schuldzuweisung: die syrische Armee war´s.
 Als ein vorschnelles Urteil in propagandistischer Absicht lässt sich das nur begreifen, und so sehen es andre kritische Beobachter auch. 
 
Quelle:http://www.heise.de/tp/artikel/49/49471/1.html
Zwar wäre es längst geboten, dass ARD-aktuell dem deutschen Publikum auch den Blickwinkel eines US-kritischen Beobachters wie Paul Craig Roberts öffnete, eines Mannes, der als Unterstaatssekretär in der Regierung Reagan und nunmehriger Publizist sowohl politischen Durchblick wie Bedeutung hat. Der stellte zwar fest, dass Washington unverschämterweise eine „Erklärung“ von Moskau über das Scheitern des Waffenstillstands verlange, was die gesamte Welt jedoch wirklich brauche, sei eine Erklärung Washingtons, warum es Dschihadisten nach Syrien sende und unterstütze, die sich weigerten, den Waffenstillstand zu wahren; Washington habe diesen Söldnern befohlen, sich nicht an die Waffenruhe zu halten. Urheber des blutigen Krieges seien die USA, und wenn es denn noch gelingen sollte, einen sich abzeichnenden Weltenbrand zu verhindern, sei das allein ein Verdienst Russlands und der VR China, nicht der USA...
Quelle: http://www.paulcraigroberts.org/2016/09/19/syria-declares-ceasefire-terminated-by-washingtons-jihadists/
ARD-aktuell ermöglicht entgegen den Bestimmungen des Staatsvertrags keine umfassende und faktenorientierte Sicht auf das Kriegsgeschehen, sondern bewährt sich als nützliche Propagandatröte, zu treuen Diensten den transatlantischen Eliten und den Interessen des militärisch-industriellen Komplexes des „Westens“ (in Anführungszeichen, weil Australien, Neuseeland, Japan u.a. eben auch dazugehören). 
ARD-aktuell ist Teil einer Desinformationsmaschinerie geworden, und dies unter den Augen von Gesellschaftsrepräsentanten, die dazu berufen wurden, die Einhaltung journalistischer Normen und der Regeln des Staatsvertrags zu überwachen und sicherzustellen.
Falls Sie noch ein wenig Platz haben auf Ihrem dicken Fell, werte Damen und Herren: Die Nachricht, dass Saudi-Arabien am Sonntag ein Krankenhaus im Jemen in Schutt und Asche legte und auch noch Phosphorbomben abwarf, die es aus den USA bezogen hatte, wurde von ARD-aktuell ebenfalls unterdrückt.
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/49/49470/1.html
Nein, werte Damen und Herren Räte, werter Herr Intendant: Von Ihnen hat der an aufrichtiger und vollständiger Information interessierte Zuschauer wirklich nichts dergleichen zu erwarten.  Den Gegenbeweis können Sie jederzeit antreten, rauschender Applaus wäre Ihnen sicher.
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 25. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Lieber Andreas Schell,
nun habe ich schwer nachgedacht, was sie mir sagen wollen ?
Sicher werde ich auch in Zukunft jede Gelegenheit nutzen, den genannten Herren, Rückendeckung und Unterstützung zu geben.
In meiner täglichen Arbeit kann ich immer wieder erkennen, wie es ist, gegen den Strom zu schwimmen, und die Menschen, und die dazu gehörenden Menschenrechte in einem System in den Mittelpunkt zu stellen, dass es einem manchesmal fast unmöglich macht,dieses tun zu können.
Umso wichtiger sehe ich es an, diese Arbeit immer und wieder zu unterstützen. Und einiges wird auch weiterhin munter kommentiert werden.
......"zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat." R. Luxemburg


Am 24. September 2016 schrieb yat com:

Ach ja "unser" Dr. Goebbels-Gniffke, schon lange war Deutsche Propaganda ähnlich massiv, wie unter diesem Goebbelsclon und seiner Analjournallie. Nur nervt dabei die Penetrante Geldgier dieser Propagandaaffen.
Dr. Goebbels-Gniffke und seine Propagandaaffen in den Ruhestand, da können die nichts mehr verbrechen diese Verbrecher


Am 23. September 2016 schrieb Andreas Schell:

Frau Spurgat, ich bemerke Ihre Kommentare. Was sollen wir sagen, was sollen wir tun? Eine vielchörige Bestätigung für die brillante Arbeit der Beschwerdeführer ist angemessen, damit sie motiviert sind, weiter zu recherchieren und zu schreiben. Ich unterstelle wachsendes Publikum, und ich bin sicher, es wird ein Wenig helfen. Meine Hoffnung ist die, dass der Tag kommt, an dem wir die Herren Marmor, Gniffke und die angegliederten Propaganda-Bordsteinschwalben aus unseren (!) öffentlich-rechtlichen Medien hinaus, und hinein ins Prekariat oder in die Untersuchungshaft schicken dürfen.

Es ist doch offensichtlich, dass wir Deutsche unter einer von oben herab gesenkten medialen Käseglocke zu leben haben. Jeden einzelnen Punkt der vorliegenden Programmbeschwerde kann ich nachvollziehen. Sagen wir es also immer lauter: die Amerikaner zünden unseren eurasischen Kontinent deswegen an, weil Einigkeit und Recht und Freiheit hier ihr vermeintlicher Untergang wäre. Das ist ein katastrophaler Irrtum. Die USA müssten nur vom alles zerstörenden Weltmachtanspruch zurücktreten, sich am Friedensprozess beteiligen und Raub durch Handel ersetzen. Die USA sind nicht bedroht, das ist reine Zweck-Paranioa, und viele Amerikaner wissen das auch. Die Verlustängste des Clubs der Superreichen sind es, die uns in den Untergang treiben, wenn wir die Antreiber nicht zum Therapeuten schicken.

Frau Spurgat, mir persönlich ist jede Stimme Recht, die hier erscheint, auch wenn Sie nur die bloße Zustimmung signalisiert. Über Maßnahmen, Forderungen, Einzelschritte unterhalten wir uns dann, wenn wir uns ge- und versammelt haben. Es ist nicht zweckdienlich, uns unter Geistreichem Geistreiches abzufordern. Unsere Zustimmung und Ermutigung zu mehr und Dank den Vordenkern, in egal-wie-vielen Zeilen ist doch auch schon etwas.


Am 22. September 2016 schrieb Lutz Jahoda:

DAS VERSCHWEIGEN
HAT INZWISCHEN DIE GRADE
BÖSARTIG BIS KRIMINELL
ÜBERSCHRITTEN,
WOMIT DER UNTENSTEHENDE
FÜNFZEILER
ALS VERALTET ABGELEGT
WERDEN DARF,
DENNOCH EINE GEWISSE
GÜLTIGKEIT BEHALTEN WIRD.

Vernunft kommt häufig ungelegen
dem System und jenen Oben.
Unvernunft bis Dumm hingegen,
fühlen sich auf allen Wegen
allerbestens aufgehoben.


Am 22. September 2016 schrieb Benny Thomas Olieni:

Herr Sloterdijk ist eine peinliche Figur,
ein Früchtchen am Akademia-Baum der Eitelkeiten.
Bei Herrn Gniffke liegt etwas weitaus Gravierenderes vor:
Der veruntreut Gebührenzahlers Geld, um eben diesen Gebührenzahler fehlzuinformieren. Das ist kriminell!
Ob es ein weiteres Mal zu "Nürnberger Prozessen" kommen wird?
- Erneuten Dank an das Duo Bräutigam-Klinkhammer für die höchst wertvolle Arbeit, die Propaganda-Kriminalität bei der ARD zu dokumentieren!


Am 22. September 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

@ E.Hartmann
Würde ihnen dringend empfehlen die Artikel in der RTIONALGALERIE zu lesen, die das Thema behandeln.
Diese mit Moralin und wenig intelligenten, fundierten zusammen gesetzten Worte sagen nur etwas über nix aus. Bisschen wenig, angesichts des Ausmasses menschlicher, humaner Katastrophen ,wo die Gründe in aller erster Linie da zu suchen sind, wo die Verursacher ihr Unwesen treiben.
Irgendwie ist es eine "Beleidigung" für all die, die sich täglich für Demokratie, für Menschenrechte, und vieles mehr einsetzen, was in besonderer Weise die Herren Gellermann, Klinkhammer und Bräutigam tun.
Dafür ist ihnen hier, ausdrücklich zu danken.


Am 22. September 2016 schrieb Gert Wingert:

@ John Smith
Es geht um zwei Autoritäten. Dr. Gniffke ist eine Autorität im Verkauf von vorgeblich objektiven Nachrichten und Sloterdijk ist eine Autorität im Verkauf von Geschwätz als Philosophie.


Am 22. September 2016 schrieb John Smith:

Manchmal - verstärkt in diesen Tagen - komme ich in einen Zustand großer Resignation, wenn ich sehe, wie im Arsch große Teile der Welt sind. Gestern morgen fahre ich zur Arbeit und erwische - mehr zufällig - die sog. "Nachrichten" auf NDR Info. Da ging es - im üblichen Ton gespielter Betroffenheit um die UN, den scheidenden, machtlosen Ban und um die üblichen Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit Syrien. Ich musste aufpassen, dass ich mir nicht auf die Pedale kotze..
Im Moment lese ich das neue Buch von Karin Leukefeld (Syrien zwischen Schatten und Licht). Zum quasi 100. "Jubiläum" von Sykes-Picot komme ich zu dem Schluss, dass sich an der Anwendung des "teile und herrsche"-Prinzips nichts, aber auch gar nichts geändert hat.
Es wird keinen Frieden in Syrien geben, weil es keinen Frieden geben soll. Das, was von dem Land übrig ist, wird unter den anwesenden Raubtieren aufgeteilt, und es werden viele Lügen in die Geschichte eingehen.
Wie gesagt, manchmal resigniere ich halt angesichts dieser Zustände.

@ Herr Wingert: Betrachten Sie Gniffke wirklich als Autorität.. ? Worin!?


Am 22. September 2016 schrieb Elena Hartmann:

Statt den geschundenen Syrern mit objektiven Nachrichten zu helfen, um das aufgeheizte Konfrontationsklima zu mildern, heizen Gniffke & Co. nur noch die Stimmung an. Das ist widerlich und hat mit Journalismus nichts zu tun.


Am 22. September 2016 schrieb Gert Wingert:

Die Methode Gellermann: Mit einer Klappe zwei Autoritäten schlagen. Ich hab mich über den Auftritt der Herren Sloterdijk und Gniffke schlapp gelacht. Alles wie im richtigen Leben. Nur in einer radikalen, burlesken Kurzfassung. Erhebend!

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