John McCain

Ein Mann gegen Merkel

Autor: U. Gellermann
Datum: 05. Mai 2014

"Freunde" nennt die merkwürdige Merkel die Leute in den USA, die ihr, vor allem aber uns, immer in jene Gegend treten, in die das offizielle deutsche Herz rutscht wenn es um die USA geht - in die Hose. US-Senator John McCain, auch so ein "Freund", hat nun die Obama-Versteherin Merkel "peinlich" genannt. Nicht ihrer devoten NSA-Neigung wegen. Nicht weil Merkel immer noch kein neues Handy besitzt. Nicht weil die schlechte Kanzler-Darstellerin eine Freundin amerikanischer Chlorhühnchen ist. Nein, die Merkel, so McCain, liefere ihr Land der deutschen Industrielobby aus. Nur weil die weiter mit Russland gute Geschäfte machen wolle, habe diese ehemalige DDR-Bürgerin immer noch keinen schärferen Sanktionen gegen Russland zugestimmt.

McCains Verbitterung rührt aus dem Präsidentschafts-Wahlkampf 2008, in dem er gegen Obama antrat. Denn während die größere Fraktion der amerikanischen Oligarchie den späteren Gewinner mit mehr als 770 Millionen Dollar Korruptionsgeld in den sogenannten Wahlkampf schickte, wollte die andere Lobbyisten-Gruppierung den McCain mit nur schäbigen 240 Millionen ausstatten und so verlor der arme Mann seinen Kampf in jener lupenreinen Demokratie, in der Mehrheiten entscheiden - Dollar-Mehrheiten. Für die US-Kriegsindustrie war das kein schlechtes Geschäft. Vom Afghanistan- bis zum Drohnen-Krieg: Obama macht bis heute einen tödlich guten Job.

Die eisenharte Haltung McCains rührt aber auch aus einem hübschen Detail seiner Wahlkampf-Spendensammlung. Hatte er doch damals den russischen Botschafter in den USA, Vitali Tschurkin, angeschrieben und um 5.000 Dollar angebettelt, um Barack Obama zu schlagen und "Freiheit und Demokratie in der Welt zu verbreiten". Die Russen gaben nichts. Das hat den Senator zur Überzeugung gebracht, dass diese Knauser nichts von "Freiheit und Demokratie" in der amerikanischen Ausführung halten. Auch später, als der Senator sich für einen Krieg gegen den Iran aussprach und das Barbara-Ann-Lied der Beach Boys in "Bomb, bomb, bomb, bomb Iran" umtextete, mochten die Russen ihm nicht zustimmen. Deshalb hält er heute die Politik Russlands für "revanchistisch" und die Deutschlands gegenüber den Russen für eine "Schande".

Dabei hatte die Merkel, eng an Obama gekuschelt, doch schon brav mit der "dritten Sanktionsstufe" gegen Russland gedroht und zuvor in herausragender Eigeninitiative eine Bundeswehr-Spionage-Truppe unter der falschen Flagge der OSZE in die Ukraine geschickt. Schon dieser kleine Trick hätte die ohnehin explosive Lage weiter verschärfen können und wenn Putin jetzt die Nerven verloren hätte, dann hätten wir jenen Krieg, den Obama und McCain in schöner Gemeinsamkeit mit den deutschen Medien seit Wochen herbei schwätzen. Aber dem Vietnamkriegsveteran McCain ist das alles nicht genug. Anders als Obama, der mit chirurgischer Drohnen-Präzision einzelne Russen aus dem Putingeflecht eliminieren will, möchte der alte Bomber-Pilot einen richtigen Krieg mit allem was an Toten dazu gehört.

In einem Punkt, dem Vorwurf der triefenden Freundschaft zu Lobbyisten, hat die Merkel ihren Kritikern scheinbar Recht gegeben. Bei ihrem Besuch der US-Handelskammer hat sie vehement für die Wirtschafts-NATO, das neue USA-EU-Handelsabkommen geworben. So lobte die Dame das TTIP sei "ein Schlüsselvorhaben der transatlantischen Zusammenarbeit" und werde "beide Wirtschaftsräume noch enger als bisher zusammenführen". Aber da das Abkommen der US-Wirtschaft deutlich mehr nutzen wird als der deutschen, kann der Vorwurf McCains, die Merkel habe eine zu große Nähe zum deutschen Lobbyismus kaum zutreffen. So wird der Mann, der schon im Dezember des letzten Jahres auf dem Kiewer Maidan zu Besuch war, sich mit Frau Merkel sicher in jenem damals von ihm skandierten Satz treffen können: "Die Ukraine wird Europa besser machen, und Europa wird die Ukraine besser machen. Die freie Welt ist mit Ihnen, Amerika ist mit Ihnen, und ich bin mit Ihnen“. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Juni 2014 schrieb A. Led.:

Nun bin ich heute zum ersten Mal auf dieser Seite und kann Ihnen mitteilen, der Schreibstil gefällt mir! Er fällt auf und ist nicht so emotional niederschmetternd wie auf manchen anderen Seiten. Das ist sehr schön finde ich!
Zur Abhängigkeit von unserem Land von den USA lässt sich eigentlich nur eins schreiben, jeder ist so lange abhängig, inwieweit er es zulässt! Aber nicht nur Frau Merkel hat Angst vor einer Auseinandersetzung mit den USA auch Monsieur Hollande und damit ist eigentlich schon klar, dass die gesamte EU ihre USA Abhängigkeit nur lösen können in einer Verbindung mit Russland.
Allerdings wird diese Variante konsequent gestört, sicherlich deswegen, weil sich ein Gegengewicht, das sich auch noch gegen US Interessen behaupten könnte, entstehen würde.
Ansonsten werden wir immer weiter in das Netz verstrickt und kommen irgendwann nicht mehr aus diesem heraus, bis zum bitteren Untergang! Kennen wir das nicht von der Vergangenheit?


Am 21. Mai 2014 schrieb Daniel L.:

Ich finde Ihren Schreibstil mit dieser direkten sarkastischen Art klasse. Was mich an den Tatsachen allerdings stört:
"Alle Leute wissen es. Wissen das die Angie nur mit dem Barack spielt, der aber immer gewinnt (wahrscheinlich wie immer mit gezinkten Karten) aber niemanden interessiert es. Wir hören von amerikanischen Banken, die den Finanzmarkt manipulieren, dabei Billionen verdienen und sich danach mit läppischen einstelligen Milliardenbeträgen freikaufen. Und regen uns auf und sagen, dass wir ja sowieso nichts ändern können. Oder ärgern uns wenn wir die hundertste neue Abgabe zahlen müssen wegen angeblichen Ausgabensteigerungen wo wir damit ja wieder nur irgendeinen neuen Krieg finanzieren und die Elite nebenbei noch ein paar Milliarden einheimst.
Die breite Masse fragt sich schon nicht mehr warum, nimmt alles nur zur Kenntnis und zahlt fleissig. Und obwohl das TTIP so überflüssig ist wie ein Kropf ist, es unterm strich nur den USA nützt (auch wenn sich Angie bemüht es wie warme Semmeln zu verkaufen) und wir ab Inkrafttreten alle Verbraucherrechte verlieren und Genfrass bekommen würden, wird alles dafür getan um die Öffentlichkeit uninformiert zu lassen.

Aber je mehr ans Licht kommt, egal von welchen Sauereien der Politstatisten (was ja mit der Scheibchentaktik ziemlich gut funktioniert) schüttelt das Volk nur den Kopf und geht danach wieder seinen Weg als ob nichts wäre, nur um die Erfahrung reicher, von einer von korrupten, anglotreuen Drückebergern regiert zu werden.

Und der normale Mensch steht abseits und schreit: "Wann unternimmt endlich mal jemand was gegen diese Sauereien ?"


Am 05. Mai 2014 schrieb Walter Dyroff:

"Dabei hatte die Merkel, eng an Obama gekuschelt . . "

Ob den Menschen in Schland bewußt ist, dass, wenn die Regierung nicht "spurt" , die Knute niedersaust? Ich denke da an Salvador Allende, Saddam Hussein, Muammar al Gaddafi u. v. a. Die Hunde des Krieges würden auch nicht zögern, Frau Merkel als Diktatorin zu brandmarken und Schland zu zerreißen. 
Sie liebt vielleicht auch das Leben. Hätten die Menschen in Deutschland die Nase voll von der Bevormundung durch die USA, würden sie z.B. zu Spazier-gängen um US Einrichtungen aufbrechen. Sie werden es nicht tun, weil eine korrupte Elite ihnen eingeimpft hat, das Varus der Gute ist.




Am 05. Mai 2014 schrieb Jenny Westphal:

Zu den Wahlen in den USA fällt mir immer der Satz von Emma Goldman ein:

"If voting changed anything, they´d make it illegal." (Frei übersetzt: „Würden Wahlen etwas ändern, so wären sie verboten!“)


Am 05. Mai 2014 schrieb E. Rehfeld:

Danke für den Artikel.
Da sich doch unser Volk immer mehr vom Regierungswillen entfernt, wäre es an der Zeit, endlich auch den lieben Freunden ganz ehrlich zu zeigen, was wir von ihrem leichtsinnigen Tun und verbalen Getöse halten.
Nun sind wir Bürger nicht unbedingt in der Lage, dem üblen Treiben Einhalt zu gebieten, aber wir haben trotzdem eine beeindruckende und wirksame Möglichkeit, unsere Wünsche kundzutun. Das Zauberwort heißt Boykott und dessen Auswirkung tut gerade in diesen Zeiten richtig weh. Es gibt da so viele Möglichkeiten, man muss nur wollen und ausführen.


Am 05. Mai 2014 schrieb Gideon Rugay:

"Mir scheint - angesichts des immer noch erheblichen Militärpotentials - der Tiger ist nicht aus Papier."

Können wir uns (mit einem Augenzwinkern) auf "Hartpappe" einigen" ? :)

Spaß beiseite, natürlich gebe ich dir hinsichtlich der weltweiten Präsenz des US-Militärs Recht. Ich weigere mich allerdings, mich von Angstszenarios "für nützliche Idioten" in die Tasche stecken zu lassen..Angst und Hysterie sind sozusagen die perfekten Schmiermittel für klandestine
Millitär- und Politmaschinerien mit hegemonialem Sonnenstich..

Die letzte Messe ist noch lange nicht gelesen.

Antwort von U. Gellermann:

Neben dem Militärpotential verfügen sie auch a) über kleine Gehirne und b) über einen heftigen Profithunger. Das ist eine unberechenbare Mischung. Zwar sollten wir uns nicht ängstigen, aber trennen sollte sich das Land, die EU von den USA. Leider ist das nicht gleich zu erwarten.


Am 05. Mai 2014 schrieb Gideon Rugay:

"Irgendwie" und das stammt aus den Regionen meiner meist recht zuverlässigen Intuition, habe ich das nicht zu unterdrückende Gefühl , dass Kettenrasseln, Rumgeschnauze, hier und da rumintrigieren/manipulieren und "auf dicke Hose machen" alles ist was die Amerikaner noch zu bieten haben. Die US-Gesellschaft ist innerlich zerissen (Teaparty, Sezessionsbewegungen, Truther aller Couleur, ein offensichtlich hinter den Kulissen tobender innerpolitischer Machtkampf). Das Monoploly-Gelddrucken ist nur noch Makulatur um lieber bei Schrecken ohne Ende zu bleiben als erschreckenden Wahrheiten auf den Grund zu gehen (von wg. "Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung"). Last not least gab es kürzlich noch diesen irgendwie amüsanten Bericht über einen russischen Standard -Jagdbomber der mit seiner Störelektronik Keise um ein ein ach so überlegenes US-Hightech-Kriegsschiff geflogen ist und die Besatzung derart demoralisiert hat, dass ein Teil eben dieser am nächsten Hafen ausgemustert hat.

Was bleibt da noch ausser den stark nach Herz-Kreislauf Erkrankung aussehenden Ketttenhund und Namensvetter der Frittenkönige (Spitzname: "Insane McCain" ) loszulassen um heiser (und zahnlos) zu bellen ?

Gut ich will die Situation nicht übermäßig verharmlosen, zumal schliesslich die sprichwörtliche Unberchenbarkeit eines in die Ecke gedrängten Raubtieres durchaus noch zur realistischen Option werden kann.

Tja , man sieht als O-Normalverbraucher halt nur die Reflektionen auf der blankgewienerten Medien-Oberfläche(-flächlichkeit), denn das was wir im Multimedia-Theater an Meldungen und Entscheidungen zu hören und sehen bekommen entspricht der berühmten Spitze des Eisberges . Da wird nur verkündet was hinter verschlossenen Türen (und ohne nennenswerte Zeugen) möglicherweise schon vor Jahren beschlossen wurde...

Antwort von U. Gellermann:

Mir scheint - angesichts des immer noch erheblichen Militärpotentials - der Tiger ist nicht aus Papier.


Am 05. Mai 2014 schrieb Hannes Bergmann :

Mich hat vor allem die Kleinigkeiten-Recherche wie die Spendenbitte an den russischen Botschafter beeindruckt. Natürlich hat Robert Verden Recht, wenn er sagt, dass wir über die Haltung von McCain und Merkel bescheid wissen. Aber wie die Ausprägung dieser Politgrößen ist und mit wie wenig Wasser die kochen, dass erzählt Herr Gellermann doch allerliebst. Und deshalb liegt Herr Carrillo einfach richtig: Doppelter Schmock ist doppelte Freude.


Am 05. Mai 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Da Ihre Schmock-Abteilung u.a. eben auch das äußerst wichtige Kriterium der Unappetitlichkeit der in ihr gewürdigten Personen erfüllt, haben Sie mit Ihrer Wahl von Mr. McCain selbstverständlich einen geradezu idealen Protagonisten gefunden. Allerdings stellen Sie – wie selten zuvor in dieser Abteilung - mit der „Kanzlerin-Darstellerin“, Frau Dr. Merkel, dem Protagonisten eine so stark, gleichstark, vielleicht sogar stärkere magenreizende Kotzbrockin zur Seite, dass sich der geneigte Leser dieses Mal äußerst schwer tut, in welche Kotztüte er nun kotzen soll: die Merkel-Tüte mit der Rauten-Gravur oder die McCaine-Tüte mit dem Bomberjacken-Emblem? Ich persönlich habe schließlich keine andere Lösung gefunden, als beide Tüten zu bereihern. Zudem muss ich dann nochmal in Ihr Buch gucken, ob es ihn vielleicht doch schon einmal gab – den Doppel-Schmock.

Ansonsten wieder vielen Dank auch für dieses unappetitliche Mahl!


Am 05. Mai 2014 schrieb Heidi Schmid:

Danke für die präzise Zusammenfassung der aktuellen Situation lieber Uli ! Bitte weiter so.


Am 05. Mai 2014 schrieb Robert Verden:

Dass McCain ein alter, reaktionärer Sack ist, ist so wenig neu, wie die Tatsache, dass die Merkel ein US-Liebchen ist.


Am 05. Mai 2014 schrieb Jürgen Heiducoff:

Zum Staatsbesuch Merkels in den USA:
Ereignisse in der Ukraine, Haltung Deutschlands zu Russland und Abhörskandal ? aus US Sicht alles untergeordnete Themen während des Staatsbesuches Merkels bei Obama.
Wichtigstes Ergebnis dieser Begegnung war für die US Regierung und Opposition Merkels Loblied auf das US ? EU Freihandelsabkommen TTIP.
Mit dessen Implementierung wird der deutsche Markt dann schon so deformiert werden, dass die derzeit guten deutschen Handelsbeziehungen zu Russland und China in Gefahr geraten.
Den US Eliten, ob Demokraten oder Republikanern geht es im Grunde um die Weltmärkte und Freihandelszonen der Zukunft. Es geht im Wesen um den Erhalt des Dollar auch künftig als Weltwährung.

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