JOACHIM KÄPPNER

Der Schreibtisch-Faschist

Autor: U. Gellermann
Datum: 27. Februar 2014

Er sieht irgendwie nett aus, der Ressortleiter bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Joachim Käppner. Ein rundliches Gesicht, ein vages, durchaus sympathisches Lächeln, nicht mehr so viel Haare, eher ein deutscher Durchschnittsmann. Käppner ist im gemütlichen Bonn geboren, hat im beschaulichen Bonn studiert und wenn er keinen Hund hat, dann hat er eben eine Katze. Seine journalistischen Lebensstationen lesen sich wie aus dem Who-is-Who der gut bürgerlichen deutschen Blätter: Vom Bonner Generalanzeiger über das ZEIT-Magazin und das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt bis eben zur SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. So einer kann kein Faschist sein.

Denn ein Faschist, der überfällt doch kaltblütig anderer Leute Länder. Der hält sich und seine Rasse anderen Leuten gegenüber für überlegen, der liebt den Krieg und den Überfall, dem sind Tote scheißegal, der findet Gewalt geil, der wichst auf Bilder von Soldaten, die gerade einen Bauch aufschlitzen. Der gehorcht auf´s Wort wenn sein Chef sagt "sitz!" und wenn er selbst treten kann, dann tritt er. Kräftig in den Arsch. Diesem oder jenem Bimbo. Obwohl der moderne Faschist politisch viel zu korrekt ist, um so ein Wort in den lächelnden Mund zu nehmen. Also, der Joachim Käppner, der kann doch nie im Leben ein Faschist sein. Oder?

Jüngst philosophierte Käppner - unter Philosophie tut es der gewöhnliche Ressortleiter nicht mehr - in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über die "Zukunft des Krieges". Denn, da ist sich der Mann mit dem Lächeln sicher, der Krieg hat Perspektive. Und so ein wenig Speichel tropft ihm schon aus dem Mund, wenn er beschreibt, wie die Taliban bei Kunduz aus den Dörfern gedrängt wurden: "US-Spezialkommandos suchten nachts nach Taliban-Führern, starke Bodentruppen sicherten das Erreichte durch ein Netz neuer Stützpunkte". Ein "asymetrischer Krieg" schreibt der tapfere Mann, nur von seinem Schreibtisch geschützt, kann nur "mit boots on the ground . . . erfolgreich geführt werden". Hah, wenn er nur abkömmlich wäre in seiner Redaktion, er wurde seine Stiefel aber auf diesen oder jenen Boden stellen und den Kanaken in den diversen Ausländern mal zeigen was eine deutsche Harke ist.

Und er macht sich Sorgen, der SZ-Schreiber, sogar über die Drohnenkampagne der USA. Nicht, dass er sie für mörderisch, hinterhältig und irregulär hielte. Nein, sie sei ein "Beispiel für allzu viel Technikgläubigkeit". Zwar merkt er schon an, dass die Drohne auch das Leben Unbeteiligter kosten kann. Die seien dann eben "Opfer einer Technologie, die nur so gut sein kann wie die militärische Strategie, der sie dient." Man muss den neuen Mörder-Sprech übersetzen: Gäbe es präzisere Drohnen, wäre auch der Krieg besser. Und weil unser besorgter Stratege militärisch mitdenkt, will er die "Bevölkerung gewinnen". Dafür seien "Bodentruppen notwendig, und besser nicht zu wenige." Merkt er es? Merkt er, dass ihm der Krieg in anderer Leute Länder völlig selbstverständlich erscheint? Falls er es merkt, ist es ihm scheißegal, eben so, wie ein Faschist beschaffen ist.

Und weil er dem gewöhnlichen Faschisten auch in seiner Kriegspropaganda ähnlich sein will, lügt er frech, um vor seinen Lesern den Krieg zu rechtfertigen: "Nach 9/11 ist die NATO ja nicht aus Abenteuerlust an den Hindukusch gezogen, sondern weil die al Qaida dort ihre Terrorbasis errichtet hatte." Die 9/11-Täter kamen nicht aus Afghanistan, zumeist waren es Saudis. Osama bin Laden war im Land der Taliban isoliert und die USA verhandelten bis fünf Tage vor dem NATO-Überfall auf Afghanistan mit ihren alten Taliban-Freunden aus dem Krieg gegen die Sowjetunion über die Auslieferung bin Ladens. Sie hatten nur nicht genug Geduld oder wollten keine Geduld haben.

Der nette Joachim Käppner hat in seinem Lebenslauf zwei Stationen, die widersprüchlich erscheinen: Im Jahr 1984 studierte er ein Sommersemester lang an der Hebräischen Universität in Jerusalem und hatte im selben Jahr ein Praktikum bei der FINANCIAL MAIL im südafrikanischen Johannesburg. Wie kommt ein damals 23-jähriger auf die Idee ein Praktikum im Südafrika der Apartheid, der Folter, des täglichen Terrors zu machen? Wo er doch im allgemein als demokratisch geltenden Israel ein Semester lang studieren konnte. Wusste er von den guten Beziehungen Israels zur afrikanischen Diktatur? Liebäugelte er mit ihr?

Käppner ist natürlich inzwischen nichts anderes als ein Beispiel von vielen. In einem Land, in dem der Mehrheits-Journalismus einem Kanzler sein mangelndes "Engagement" im Irak-Krieg übelnimmt, in einem Land, in dem die Medien den Libyen-Krieg herbeischreiben und einen Dichter schriftlich lynchen, der vor einem Krieg warnt, ist Käppner wohlgelitten. Auch der kräftige mediale und politische Beifall für diesen oder jenen Bürgerkrieg kann den Mann nur in seiner festen Haltung unterstützen. Vielleicht bewirbt er sich mit solchen Kommentaren um einen Chefredakteursposten. Vielleicht will er unbedingt Redenschreiber bei Gauck oder von der Leyen werden. Vielleicht merkt er in seiner Gewöhnlichkeit gar nicht mehr, dass er faschistisches Gedankengut verbreitet.

Mehr Schmöcke gibt es hier:

http://www.amazon.de/Der-Schmock-Das-bekannte-Unwesen/dp/3844276165


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. März 2014 schrieb Wolfgang Blaschka:


mir geht es nicht um übertriebene Vorsicht, etwa vor Inflationierung des F-Wortes (welches nun: "Ficken"?, "Fotze"? "Finanzkapital"?), sondern um die Richtigkeit der Aussage, um die Zutreffendheit der Etikettierung, um (meinetwegen gebe ich es zu:) Korrektheit in der politischen Auseinandersetzung. Ihren Aufschrei im Ohr ("Wie deutsch aber auch!") möchte ich kurz erklären wieso: Das berüchtigte A-Wort vom Big Broder ist ja nicht deswegen so widerlich, weil es so oft oder gar unbedacht in Stellung gebracht wird gegen jede Israel-Kritik, sondern weil es absichtsvoll unzutreffend gebraucht wird mit der Häme im Hinterkopf bei der Vorstellung, wie sehr sich die so gebranntmarkten Rassismus-Gegner, Feinde des Faschismus und Aufklärer über Antisemitismus verkannt, verballhornt und beleidigt fühlen müssen ob solcherart Schmähung, die sie bewusst herabwürdigend mit bösartigem Vorsatz in einen Topf wirft mit Nazis und Holocaust-Leugnern. Mit der häufigen Verwendung des Begriffes allein wäre ich durchaus einverstanden, wenn damit eine harte Auseinandersetzung mit den wirklich zahlreichen Antisemiten verbunden wäre anstatt mit Attacken auf Antiimperialisten. Aber genau daran krankt es.

Eine echte offensive Auseinandersetzung mit völkischem Gedankengut, mit nationalistischen Denkweisen und tatsächlich antisemitischen, aber auch ziganophoben und islamfeindlichen Ressentiments findet kaum statt und wird weder von Israel noch von dessen falschen Freunden eingefordert. Sonst müssten sie sich ja mit einem Großteil der deutschen Bevölkerung anlegen und auch die offizielle Politik hart angehen. Das A-Wort wird also nicht mit der Intension der Warnung vor solchen Tendenzen in den Mund genommen, also antifaschistisch intendiert, sondern in der Absicht der "vernichtenden Entlarvung" mit dem Ziel, die so Beschimpften kaltzustellen und mundtot zu machen. Mit dem F-Wort möchte ich ebensowenig unlauter umgegangen wissen, zumal es wenig fruchtet und meist in den Wald wildwuchernder Paragraphen-Knüppel führt: Was ist als Beleidigung strafbar und was gilt noch als zulässige Meinungsäußerung? Um diese formale Ebene sollte es nicht gehen, wenn gefährliche politische Tendenzen zu bekämpfen sind, die weit übers Persönliche hinausgehen. Joachim Käppner und Stefan Cornelius stehen und schreiben exemplarisch für jene schleichende Militarisierung des öffentlichen Lebens und des veröffentlichten Denkens, die das Land erst wieder kriegstauglich machen soll jenseits humanitätsduseliger Hilfsverklärungen, wie sie noch im NATO-Krieg gegen Jugoslawien vonnöten waren.

Ihre Gefährlichkeit richtig einzuschätzen sollte uns nicht der Mühe entheben sie zutreffend zu charakterisieren als das, was sie tatsächlich sind, und nicht danach, wozu uns zumute ist sie zu qualifizieren. Mag die romanische Sprachenwelt noch so gefühlsbetont überschäumen, ich argumentiere lieber. Nicht dass ich nicht Ekel empfinden würde, doch auch im Abscheu, in der Verdammung sollte doch ein beißender Realitätsbezug liegen. Da geht es um Aufklärung, um Analyse, um Enthüllung strategischer Absichten und nicht um private Groll-Abfuhr. Nur so können wir die Apologeten der "Sicherheitsdiktatur" und ihre Pläne wirksam bekämpfen, wenn wir sie weder verharmlosen noch dämonisieren. Ihre Bestrebungen laufen eiskalt auf schrittweise Entsorgung demokratischer (Rest-)Strukturen hinaus. Dennoch: Auf den Kladden ihrer Blaupausen für eine ungeschminkte Diktatur des Kapitals klebt kein verfassungswidriges Logo, ihre Stecknadeln enthalten keine Hakenkreuze, ihre Anzüge müssen nicht unbedingt braun sein. Es genügt vollauf ein diskretes Grundverständnis für die Anliegen der grauen Herren von den Kartellen. Man musste sie nicht einmal extra bestechen. Die Hugenberg-Schreiberlinge der Zwanziger Jahre bereiteten objektiv der Hitler-Partei zwar publizistisch den Weg, waren aber nicht durchweg NSDAP-Parteigänger, meist deutsch-national eher dem ollen Hindenburg zugetan. Dass dieser dann an Hitler übergab, ergab sich eben. Man ergab sich gern dem Strom der "neuen Zeit". Für die wenigsten Reaktionäre ein Bruch, vielmehr eine begrüßenswerte Zäsur auf dem Weg zur konsequenten Vollendung ihres Sehnens und Trachtens. Nazis wurden sie erst, als das salonfähig geworden war.

Die Kommunisten haben das kommen gesehen. Auf einem Wahlplakat von 1932 titelten sie: "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt den Krieg". Schon dieser traurig banale, aber wahre Dreisatz war für viele Sozialdemokraten ein überfordernder Erkenntnisschritt, für Konservative eine glatte Provokation. Monate später wussten alle, dass es genauso gelaufen war, doch da waren die Meisten bereits mit fliegenden Fahnen übergelaufen, aus dem "nationalen Lager" husch ins "nationalsozialistische" Lagerland, in dem die weitsichtigen Warner bereits eingesperrt waren. Das hat die Wenigsten gestört.

Sie hätten genausogut jede andere Form brutaler Notstandsdiktatur freudig begrüßt. Um reaktionäre Ordnungsvorstellungen, patriarchale Herrschaftsmodelle oder bluttriefende "Krisenlösungen" gutzuheißen, muss man kein Faschist sein. Es genügt, dass man sein Heil an der Seite der Mächtigen zu finden wähnt und Angst vor sozialem Abstieg hegt. Nichts schlimmer für einen autoritär strukturierten Charakter als sich auf der Seite der Ohnmächtigen, der Armen und Ausgestoßenen zu finden, dann müsste man ja gegen die herrschende Ordnung rebellieren. Da sei die gute Erziehung davor! Anders die "Systemzeit"-Nazis, die sich gern als Underdogs, als ungerecht Verfolgte und Opfer der "Novemberverbrecher" stilisierten. Denen hielten viele Bürgerliche angewidert deren "Straßenkrakeelertum" vor und distanzierten sich halbherzig von allzu offenem braunen Terror, zumindest solange, bis dieser zur Staatsraison geworden war. Hätte man so einen "national gesinnten" Mitläufer vor der Machtübergabe an die Faschisten als "Nazi" angesprochen, hätte er vermutlich pikiert die Nase gerümpft und sich überhaupt nicht angesprochen gefühlt. Damals hätte er das wohl nicht als rufschädigend befunden, aber auch nicht als ihn betreffend. Die vermeintliche Verbalattacke wäre voll ins Leere gegangen.

Nicht jedes Militaristen-Schwein, nicht jedes reaktionäre Arschloch ist in der NS-Ecke angesiedelt. Es gibt auch genug bürgerliche und (schein-)demokratische "Landser-"Verklärer und Möchtegern-Strategen mit einem durch und durch rassistisch-kolonialistischen Weltbild, die alles und jedes aus der angemaßten Perspektive des Feldherrnhügels deuten. Denken wir nur an die Militaristen und Kolonialisten bei den Franzosen und den Briten, die sind ganz "normale" Imperialisten, dazu braucht es das NS-Etikett gewiss nicht. Wäre Käppner ein Faschist, dürfte er in der SZ nicht publizieren. Er gilt ja gerade deshalb nicht als Verfassungsfeind, weil er den Krieg als Feldzug für "Freiheit und Demokratie" zu verkaufen sucht. Was ihn nicht daran hindert, ein paar Hektoliter Blut und Eingeweide einzukalkulieren in seine perversen Weltbefriedungs-Phantasien. Er verkörpert eben den zeitgemäßen Militaristen mit einem nostalgischen Hang zu solidem Mordhandwerk.

Sein Plädoyer gegen zuviel Maschinerie und Kriegstechnik klingt ja beinahe menschlich, geradezu kriegsromantisch: Der wackere Bodentruppler, der in den besetzten Ländern Brunnen gräbt, Schulen baut und nebenher störende Taliban abmurkst, um das Vertrauen der Zivilbevölkerung zu gewinnen. Ähnlich mögen auch manche von Hitlers Generälen gedacht haben. Nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern um zu verhindern, dass Partisanen und Widerständler unnötig Zulauf erhielten, also letztlich um ihre eigenen Truppen zu schonen. Die fühlten sich am Ende gar noch als Hitler-Gegner, als Widerständler, die sie freilich nie gewesen waren. Also: Derb Daherreden im Privaten geht schon in Ordnung. Öffentlich Glossieren und Kommentieren dagegen verlangt eine stechende Zielgenauigkeit, wenn die Kritik ins Schwarze treffen soll. Und das soll sie, das muss sie, sonst ist es schade um das Pulver.

Übrigens: Danke für den packenden Paco-Nachruf! Auch der "Schreib-Tischler" hat mir sehr gefallen. Genau das meinte ich: Treffend muss es sein. Vulgarität stört mich nicht die Bohne, wenn sie stimmt. Es geht nicht um "Anständigkeit" bei meinem "Correctness"-Begriff. Es ist mir um die Wirksamkeit zu tun. Da ist man mit Wahrhaftigheit allemal gut bedient.


Am 02. März 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Lieber Herr Blaschka,

wenn’s nicht schon kompliziert genug war – setzen Sie mit diesem Kommentar in seiner verblüffenden, pardòn, irgendwie auch schrecklich deutschen Umständlichkeit der Begründung der F-Wort-Diskussion die einsame Krone auf. Ich habe die Schmock-Abteilung der Rationalgalerie aus ihrer Selbstbeschreibung heraus bisher eigentlich nicht als Vorbereitung aufs Politologie-Proseminar wahrgenommen, ganz im Gegenteil.
„Wir sollten vorsichtig mit politischen Etikettierungen umgehen, um der Stringenz der Argumentation willen“, schreiben Sie. Das ist in der Tat zu wünschen. Trotzdem: Ich kann in einer solchen ins andere Extrem rutschenden Übervorsicht, das F-Wort als klares und starkes persönliches Statement in einem Schmock (!) zu wählen ebenso wenig einen adäquaten, realistischen Umgang mit dem Begriff Faschismus erkennen wie im anderen Extrem einer Broder’schen Antisemitismus-Inflation.
Doch diese Sicht mag vielleicht mit meiner nichtdeutschen Herkunft zusammenhängen: Käppners Kriegsejakulat würde im gesamten hispanischen Raum zu nahezu hundert Prozent von welcher wie auch immer sich selbstverstehenden Linken als eindeutig faschistisch bezeichnet werden. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.


Am 01. März 2014 schrieb Wolfgang Blaschka:

Es ist gewiss kein Zufall, dass die siegreichen Alliierten in Potsdam Beschlüsse fassten zur "Befreiung des deutschen Volkes von Nazismus und Militarismus". Ja, genau in einem Atemzug! Beide Begriffe haben viel miteinander zu tun, bedingen sich zeitweise, sind aber nicht dasselbe. Die Spuren dieser Aufzählung lassen sich heute noch im Art. 139 (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland) nachlesen: Für Faschisten und Militaristen gelten die Grundrechte nicht, die Verordnungen der Alliierten "werden von den Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt". Es gibt also kein Recht auf Nazipropaganda, ebensowenig wie eine "Meinungsfreiheit" zur Anstachelung zum Mord, zur geistigen Vorbereitung eines Angriffskrieges, zur Propagierung, Verharmlosung oder Rechtfertigung von Krieg als Mittel der Innen- oder Außenpolitik. Joachim Käppner und Konsorten schreiben also ihre geistlosen Gewaltverherrlichungen im rechtsfreien Raum, außerhalb der verfassungsmäßigen Ordnung; genau genommen ist ihre Schreibe schlichtweg verfassungswidrig. Das kümmert anscheinend niemanden in den Chefredaktionen, weil es durchaus erwünscht ist und auf Regierungslinie liegt. Dennoch sollten wir vorsichtig mit politischen Etikettierungen umgehen, um der Stringenz der Argumentation willen. Es gibt gewiss auch Bellizisten der "demokratischen" Sorte, das sind meistens die Humanitäts-Kriminellen, wie sie oft genug bei den Oliv-Grünen verortet sind. Ich selbst hätte diese/n Herren als Militaristen tituliert, als "Kriegstreiber" oder "Kriegstrommler", als "Kopfschuss-Journalisten" oder "Killer-Kommentator", vielleicht am zutreffendsten als "Schreibtischtöter". Womit wir schon wieder ganz nah dran wären an jenem intellektuellen Sumpf, aus dem solche zivilen Komiss-Kreaturen schöpfen, manchmal ohne zu ahnen, wie dünn das Eis ist, auf dem sie ihre medialen Maschinengewehre in Stellung bringen.


Am 28. Februar 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Ich kann offen gesagt die Begriffsklauberei rund um das böse F-Wort nicht nachvollziehen. Ich frage mich dabei, ob Gellermann einen Schmock über Herrn Käppner geschrieben hat, den er als Schreibtisch-Faschisten wahrnimmt oder etwa einen Schmock über den gemeinen Faschisten an sich, in dem der arme Käppner quasi nur als Testimonial herhalten soll – oder gar gleich einen Schmock über den Faschismus in Deutschland oder auch weltweit oder auf dem Mond oder...?
Ich hatte mich ja schon dahingehend geäußert, dass ich die Begriffswahl Gellermanns ausdrücklich unterstütze, andererseits wäre es mir ziemlich egal gewesen, wenn er Käppner ersatzweise nur als gefährliches Arschloch oder was weiß ich was bezeichnet hätte. Aber ehrlich ins engagierte Leserrund gefragt: Welchen Überbegriff würden Sie denn alternativ über das Denken und Wirken eines Schreib-Tischlers wie Käppner gewählt haben? Denn an der chirurgisch-präzisen Beschreibung eines solchen Hirns, die Gellermann hier auf vergleichsweise engem Raum vorgenommen hat, wurde ja bisher allgemein kein Anstoß genommen. Hand aufs Herz: welche Begriffs-Alternative? "Zeitgeistschranze" etwa?! Oder schlicht "Kriegstreiber". Also mir, wenn ich so nachdenke, hm, mir also...würde wahrscheinlich spontan - jetzt hab´ ich´s, Faschist einfallen. Aber das tut nichts zur Sache.

Natürlich: Die Geschichte mit der Inflation, klar. Die weltweiten Antisemitismus-Wächter machen es ja vor, wie man es nicht machen sollte und wie man einen Begriff durch Inflation völlig der Absurdität opfert. Tut das Gellermann mit dem Begriff Faschismus? Wirklich? Oder tut er es zu wenig? Sollte nicht besser gleich ganz Deutschland als faschistisch bezeichnet werden und Käppner nur als Systemschranze? Die Verführung ist in der Tat groß. Deshalb: Herr Thielken teilt die Bedenken des Kommentators Flegelskamp, ich hingegen finde die Antwort Gellermanns auf Flegelskamp geradezu selbst erklärend, wenn nicht abschließend erklärend über den eigentlichen Inhalt hinaus.


Am 28. Februar 2014 schrieb Peter Bürger:

Beunruhigender kann es nicht mehr werden: 12 Jahre "Afghanistan-Vietnam" (ohne Widerstand im Land), verfassungswidrige Wirtschafts- und Geostrategie-Doktrinen der Regierenden (ohne Empörung), weitere militärtechnologische Revolutionen mit totalitären Potenzen (ohne dass dies als Teil des zivilisatorischen Ernstfalls wahrgenommen würde), eine von Denkfabriken gelenkte Offensive für eine noch aggressiver militarisierte Außenpolitik - unter Opferaufrufen des Staatsoberhauptes und abgestimmten Voten aus beiden "Volksparteien" (Zustimmung oder breite Gleichgültigkeit im sog. Bürgertum, den Kirchen usw.) ... und schließlich eine Linke, die sich nicht mehr traut, das eigene Land - mit den Augen der Elenden auf dem Globus betrachtet - expressis verbis dem Lager der Täter zuzuordnen. Es verschlägt einem die Sprache, und es wäre doch so nötig, eine neue Sprache des Widerspruchs zu finden. Ob der Terminus "Faschismus" hier hilfreich ist? Das glaube ich nicht ...


Am 28. Februar 2014 schrieb Ralf Thielken:

Stirnrunzeln! 
Faschismus und Krieg gehören untrennbar zusammen. Aus dieser Sicht lässt sich schnell jemand als Faschist bezeichnen, der sich als Kriegstreiber outet. Kann man machen. Muss man?
Für mich sind es Kriegstreiber, in diesem Fall eine Zeitgeistschranze wie so viele. 
Es gibt Menschen, die beklagen den inflationären Umgang mit solchen Bezeichnungen wie Faschist. Sie sehen die Gefahr der Relativierung des Faschismus, dieser grausamsten Missgeburt bürgerlicher Herrschaft. 
Dazu passt:
"Versammlungen rechtsextremer Organisationen an Gedenktagen lassen sich künftig nur noch in Ausnahmefällen mit Auflagen versehen oder verbieten. Schuld daran ist ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig von Mittwoch." ( jw, 27.02.2014)
Traditionspflege! Ich teile die Bedenken des Herrn Flegelskamp.



Am 27. Februar 2014 schrieb Jochen Scholz:

Da sitzt jedes Wort. Bedenkt man, das die Süddeutsche die Tageszeitung mit der höchsten verkauften Auflage ist, gerne auch von den eher gebildeteren Schichten gelesen wird, und rechnet man die Leserschaft des eigentlichen Zentralorgans von Atlantis, der ZEIT, hinzu, dann weiß man, warum dieses Land auch nach dem Verschwinden jeder Interessenübereinstimmung mit den USA noch so tickt, wie es tickt.
Dem jetzigen Redenschreiber des Bundespräsidenten kann Käppner jedoch nicht das Wasser reichen: Thomas-Kleine Brockhoff, direkt aus der Washingtoner Zentrale des German Marshall Fund abgeordnet, zuvor ZEIT-Redakteur, wie seine Kollegin Constanze Stelzenmüller, die das Berliner Büro des GMF bewacht. Wie sagt Karl Valentins Buchbinder Wanninger nach seiner vergeblichen Telefon-Odyssee? Saubande, dreckerte.


Am 27. Februar 2014 schrieb Klaus-Jürgen Bruder:

Den Käppner hatte ich mir ohnehin für meinen Symposiums-Beitrag "man muss zum Krieg planvoll erziehen" vorgenommen.

Deshalb danke für Deine klaren Worte!


Am 27. Februar 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Schmachtend liege ich Ihnen wieder einmal zu Füßen ob dieses köstlichen Schmocks, verehrter Herr Gellermann! Besonders herzlichen Dank dafür, dass Sie nicht vor dem bösen F...-Wort zurückschreckten und Tacheles geschrieben haben. Ihre kleine Abhandlung über den allgemeinen Faschismus ist ein (Alb-)Traum! Jeder Satz ist in seiner ekelhaften Wahrheit eine willkommene Kotzhilfe.
Selbstverständlich ist Joachim Käppner ein Schreibtisch-Faschist. Und es ist wichtig, das genau so zu benennen. Und ich frage mich wieder einmal, was in einer solchen Biografie schief gegangen sein muss, die eine derartig menschenverachtende Haltung generiert? Hey, und der Sack schreibt für ein sich als Qualitätsmedium schimpfendes Drecks-Blatt! Einfach unglaublich. Ich frage mich eh, woher die SZ diesen merkwürdigen Ruf herhat, ein angeblich liberales Blatt zu sein? Das muss vor meiner Zeit hier gewesen sein. Bloß wegen ihrer traditionell kritischen Distanz zur CSU? Das ist doch lächerlich. Außer den hausinternen Feigenblättern wie Prantl und Leyendecker kann ich weit und breit nichts erkennen, was diesen Ruf rechtfertigte. Und auch Prantl und Leyendecker sind mit Vorsicht zu genießen. Das Blatt wird doch hauptsächlich von Figuren wie dem neoliberalen Wirtschafts-Schweinchen Marc Beise (er sieht wirklich so aus), dem pathologischen Chefbellizisten-Bubi Stefan Kornelius und solchen Typen wie seinem Faktotum Käppner dominiert.

Und nochmals besonderen Dank für einen so deutlichen, kraftvollen Satz wie diesen: „Der Faschist...wichst auf Bilder von Soldaten, die gerade einen Bauch aufschlitzen“! Ausnahmsweise einmal nicht, weil ich eh eine Präferenz für diese Ausdrucksweise pflege, sondern weil er schlicht, ich wiederhole mich, die ganze eklig-hässliche Wahrheit ausdrückt.


Am 27. Februar 2014 schrieb Dario Fo:

Habe mich schon gefragt, wann diese Kolportagen in der Buchhandlung zu finden sind. Seit dem frühen Enzensberger hat da nur Daniela Dahn ein wenig die Lücke gefüllt.


Am 27. Februar 2014 schrieb Gert Flegelskamp:

Sind Sie sicher, dass Ihre Antwort an Sarah Steinbrück richtig ist? Warum wird eigentlich die Quelle des Faschismus im Nazi-System verortet? Namensgeber für den Faschismus war doch die Partei Mussolinis und deren Verbrüderung mit dem Kapital gegen das Volk und das bereits vor der Verbrüderung mit Hitler.
Und wen ich mir unser politisches System so anschaue, ist es doch näher am Faschismus als an einer Demokratie, denn regiert wird mit und für das Kapital und gegen das Volk.

Antwort von U. Gellermann:

Das Land in dem wir leben ist nicht faschistisch: Es existiert kein staatlicher Rassismus, die Linke sitzt nicht in KZ´s, niemand wird in den Kriegsdienst gepresst und was der Nazi-Merkmale mehr sind. Was es allerdings gibt ist eine zunehmende öffentliche Kriegsbereitschaft. Um die geht es wenn ich dem Käppner die Verbreitung von "faschistisches Gedankengut" vorwerfe.


Am 27. Februar 2014 schrieb Rainald Irmscher:

Danke Uli. Wie in Mainstream Medien eigentlich längst überholtes Gedankengut immer wieder propagiert wird oder naiv als selbstverständlich vorausgesetzt wird, wird in dem Artikel genüsslich ausgeführt und vorgeführt.

Das finstere Mittelalter ist 2014 halt immer noch nicht ganz vorbei.

Dabei hat wohl die Sonne nach all dieser Zeit der Erde noch nie gesagt: "Du schuldest mir etwas."

Und die Menschheit ist eben immer noch nicht in der Lage, zu erkennen, dass unsere derzeitigen Strukturen von Menschen gemacht und veränderbar sind, und dass es an der Zeit ist, Wirtschaft und Gesellschaft frei von Schuld und Sühne und Krieg zu organisieren.

Da ist ein Joachim Käppner wahrlich in illustrer Gesellschaft. Schon Einstein hatte gesagt: "gesunder Menschenverstand: eigentlich nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat."

Ich denke es ist lohnend, sich an dieser Erkenntnis zu orientieren: "Selbst nach all dieser Zeit hat die Sonne der Erde nie gesagt: "Du schuldest mir etwas."

Die Erde - die Natur - stellt uns Menschen genug zu Verfügung, wenn wir Wirtschaft nach ihren Gesetzen orientieren und nicht nach der geplanten Mangelsituation eines auf Schulden basierenden Geldsystems in dem wenige Reiche immer reicher werden auf Kosten der verarmenden Mehrheit..

Und auf dem Weg dahin ist es wohl unerlässlich, die Widersprüche und propagandamäßigen Manipulationen der immer noch Herrschenden aufzuzeigen und ihre Lächerlichkeit deutlich zu machen.


Am 27. Februar 2014 schrieb Markus Gärtner:

Ich kann ja Ihre Wut verstehen, aber den Käppner und seine Militärphantasien als faschistisch zu bezeichnen, das geht zu weit.


Am 27. Februar 2014 schrieb Fred Schnitter:

Gerade heute wieder in der Süddeutschen Zeitung: Stefan Kornelius entdeckt einen alten "Russischen Reflex", das sei der von "Reiz und Reaktion". Putin solle sich doch nicht so haben, der "schwadroniere" doch nur "vom Aufmarsch der Braunhemden", ja, des ukrainisch Parlament habe "im Rausch des Erfolgs Russisch als Amtssprache verboten" aber die Russen sollten doch gefälligst das "Freund-Feind-Schema" überwinden. Geschmeidig will er die berichtigte Sorge der Russen wegen der Osterweiterung der EU und der NATO kleinschreiben. Wie würden die USA reagieren, wenn Mexiko einen Militärpakt mit Russland abschliessen würde? Auf diesen "Reiz" hin würde die amerikanische Flotte vor den Küsten Mexikos paradieren und einen "Systemwechsel" einleiten, wegen der Freiheit der Mexikaner wahrscheinlich. Die SZ wird leider zunehmend zum Zentralorgan des deutschen Bellizismus.


Am 27. Februar 2014 schrieb Joe Bildstein:

Ein kleiner Blick auf Wiki lueftet das Geheimnis

http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_K%C3%A4ppner

Im Leben des Herrn tauch in fast jeder Zeile taucht etwas mit "Holocaust, Nazi, Krieg" auf, sprich der Mann hat eine tiefen "Wir sind Schuld Komplex"..... den kann nur mit mehr Krieg heilen und sich "alternativlos" mit den Opfern solidarisieren, koste es was es wolle - bis zu eigenen Hirnvergewaltigung.

Aber es zeigt wohin unser Mainstream Media geht. Schade um die SDZ - hab sie immer gerne gelesen. Aber mein alter Kaefer (BJ 1963) braucht immer Papier fuer unter die Fussmatten, wenn es feucht wird.


Am 27. Februar 2014 schrieb Sarah Steinbrück:

Wollen Sie mit dem neuen Schmock etwa andeuten, dass unser Land faschistisch sei?

Antwort von U. Gellermann:

Nein.

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