Gold-Spekulation der ARD

Es gibt Kriege, die gibts einfach nicht

Autor: U. Gellermann
Datum: 23. Januar 2017

Jüngst auf der Geburtstagsfeier von Doktor Gniffke. Man zitiert Goethe, Faust: „Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen - Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, - Wenn hinten, weit, in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen.“ Und der Vortragende ergänzt, das sei doch nun das tägliche TAGESSCHAU-Brot, die Kriegsberichterstattung. Deshalb wolle er doch zu gerne wissen, warum denn über den brutalen Krieg in Deir Ez-Zor in der TAGESSCHAU nichts zu erfahren sei!

Doktor Gniffke erhebt sein Glas und erinnert erstens, dass der genannte Ort nicht in der Türkei liege. Und zweitens, wenn hier schon deutsches Kulturgut zitiert würde, wolle er doch mal an den klugen deutschen Spruch erinnern, nach dem Reden nur Silber, Schweigen aber Gold sei. Und da aus dem genannten Ort keine Nachrichten über die sonst üblichen dubiosen Quellen zu haben sei, wolle er, Gniffke, doch nicht spekulieren. Außer eben in Gold, jenem Metall das den belohnt, der den Mund hält.

Programmbeschwerde: Schweigen über Deir Ez-Zor

Sehr geehrte NDR-Rundfunkräte, sehr geehrter Herr Intendant,

einen weiteren Beweis für die Einseitigkeit der Berichterstattung erbringt die ARD-aktuell-Redaktion mit ihrem Schweigen über den Belagerungskrieg des IS gegen die ost-syrische Großstadt Deir Ez-Zor. Die Stadt mit ihren ungefähr 150 000 Einwohnern, seit Mitte 2014 nur noch über ihren benachbarten Militärflughafen erreichbar und vom IS vollständig eingekesselt, wird von der World Food Programme über eine Luftbrücke versorgt. Sie ist eine Enklave der syrischen Regierung, gehalten von der Syrischen Armee. Trotz russischer Luftangriffe auf die IS-Belagerer ist es bisher nicht gelungen, die Stadt zu befreien.
Details über die Situation erfährt man nun nicht etwa von Tagesschau & Cons, sondern von einem relativ kleinen Internet-Magazin:
https://www.heise.de/tp/features/Deir-ez-Zor-Ueber-100-000-Bewohner-und-syrische-Armee-vom-IS-eingekesselt-3598933.html?wt_mc=nl.tp-aktuell.taeglich
Jetzt, mitten im Winter, hat der IS eine Offensive zur Eroberung der Stadt begonnen. Erstes Ziel ist offenbar der Militärflughafen. World Food Programme  hat bereits vor drei Tagen die Versorgungsflüge einstellen müssen. Informationen darüber hier:
http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-un-idUSKBN15119X
Deir Ez-Zor ist nicht Ost-Aleppo. Hier gibt es keinen terroristischen AMC-Propagandazirkel und keine schauspielernden „Weißhelme“, die antirussische „getürkte“ Agitationsfilmchen an die Weltpresse schicken, hier gibt es keine islamistischen Schufte, die sich als Zuträger für das ARD-Korrespondenten-Büro in Kairo eignen und geschmiert werden könnten. Die Belagerer des IS sind anerkanntermaßen keine „Rebellen“, sondern mit Gniffkes Billigung firmieren sie im Allgemeinen als tatsächlich als Mörder. Und dass diese Kopfabschneider von den Russen und der syrischen Armee bekämpft werden, auch das gibt für Gniffkes Qualitätsjournalisten eben keine Nachricht her.
Nicht einmal jetzt, da mitten im Winter die Versorgung der 150 000 eingekesselten Zivilisten unterbunden wurde. Das Schicksal vom Krieg betroffener Menschen interessiert ARD-aktuell nicht, wenn sich kein Kapital für antirussische Medienkampagnen daraus schlagen lässt.
Es hat vielmehr den Anschein, dass ARD-aktuell in Sorge um den Ruf unserer lieben Freunde und Verbündeten, der großartigen Vereinigten Staaten von Amerika, sorgfältig wegschaut und gar nicht wahrnehmen will, was in Deir-Ez-Zor nun geschieht, nämlich ein weiteres Kriegsverbrechen ungeheuerlichen Ausmaßes. Es deutet Einiges darauf hin, dass die überraschenden militärischen Erfolge des IS bei Deir-Ez-Zor von unseren lieben großartigen US-Freunden gewollt und gefördert wurden.
http://www.informationclearinghouse.info/46256.htm
Und während ein windiger syrischer Klamottenhändler in Coventry von der ARD-aktuell noch stets unbekümmert zitiert wurde (wenn auch unter Absonderung von relativierenden Floskeln), gelten der Gniffke-Qualitätsjournalistentruppe Informationen aus anderen Quellen nichts, auch wenn sie noch so realistisch und nachvollziehbar erscheinen.
Denn schließlich ist Dr. Gniffke ein ehrenwerter Mann. Er lässt nicht in jede Informationsquelle schauen. Das entspräche seinem Rollenverständnis als Wächter Westlicher Werte nicht. Und selbstredend unterstützt ihn darin Ihr Honoratiorenclub von NDR-Rundfunkräten, weil es halt angenehmer ist, den Spitzentee des NDR zu schlürfen, als gegen das NDR-Management den Mund aufzumachen.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 25. Januar 2017 schrieb Andreas Schell:

@ Y. Hagenbuch: das mit der Streichung des §80A StGB ("Vorbereitung eines Angriffskriegs") stimmt. Der besagte Straftatbestand wurde aber zum 1.1.2017 im § 13 VStGB untergebracht und zugleich juristisch umformuliert. Ich lese als Laie daraus keine inhaltliche Änderung - die Intention bleibt aus meiner Sicht erhalten. Sie lautet: "von Deutschland darf nie wieder Krieg ausgehen, und wer's doch probiert, der geht für den Rest seiner Tage in den Knast". Die deutsche Geschichte gebietet zusätzlich, dass unser Strafrecht einen solchen Paragraphen ganz besonders ernst nimmt und konsequent anwendet. Eventuell ist die Eröffnung einer entsprechenden Serie von Strafprozessen eine Frage der Hauptströmung im Staat. Die kann sich in diesen Zeiten auf demokratischem Wege ändern, und ich persönlich hoffe sehr darauf.


Am 24. Januar 2017 schrieb Yorck Hagenbuch:

Ihre Nachricht: Vielen Dank für den Beitrag von Andreas Schell.
Inhaltlich denke ich genau so. Es liest sich unterhaltsam wie eine Satire, aber es ist leider die bittere Realität.
Ergänzen möchte ich, dass die Verantwortlichen sich "der Sache" durchaus bewusst sind und zum 1.1.2017 den Paragraphen 80 aus dem StGB entfernt haben. Siehe dazu den Beitrag "Angriffskrieger lassen sich straffrei stellen":
http://www.grundrechtekomitee.de/node/831


Am 24. Januar 2017 schrieb altes Fachbuch:

@ a.schell
die vorführung des dr. gniffkes durch die autoren geht in deren erzwungener zurückhaltung zwar nicht unter, aber Ihr beitrag macht seine öffentliche bloßstellung (darf man verarschung sagen?) komplett!! ich liebe sprachwitz;)
ihren post würde ich glatt noch um die lügen/auslassungen um das astana-treffen erweitern: berichtet wurde erst, nachdem die konferenz durch eine AUSLANDSopposition ins wackeln gebracht wurde. und na klar, hauptkritikpunkt - der ami, westen und die uno durften nicht mitwirken, was auch wieder gelogen ist!! dass im barada-tal ein kriegsverbrechen läuft (kappung der trinkwasserversorgung für 5 mille zivilisten, übrigens typische WESTLICHE militär. ziele - zivile infrastruktur) wird nicht erwähnt!
die eingeflogene auslandsopposition fordert zur zementierung des status quo eine landesweite waffenruhe!! das bedeutet minimal festschreibung der spaltung und erlaubt restruktuierung und wiederauffüllung der "rebellen"!
UND:
die klebers, die doppelspitzen, die gniffkes sind nicht doof!! "vorbereitung eines angriffkrieges" gibt es nicht mehr im dt. strafrecht;) das wurde fristgerecht (?) ins völkerrecht transferiert:(
bei chips und pils bin ich dabei - aber auch bei der jagd auf den bock!


Am 24. Januar 2017 schrieb Andreas Schell:

Aufgeladen mit den Beiträgen aus dieser hellwachen Kolumne ist es mir dieser Tage ein Hochvergnügen, Tagesschau, Tagesthemen und auch Heute Journal zu sehen. Der klebrige Klaus vom ZDF, offenbar ein Sprechandroid, war einige Tage zwecks Update seiner CIA-Software in Brain-Washington. Der macht sich mit seinem Trump-ist-doof-Singsang so lächerlich, dass ich mir glatt 'ne Tüte Chips und ein Bier aufmachen musste. Trump meinte (sinngemäß, mit seinen Worten), er stünde mit den Medien auf Kriegsfuß. Ja genau! Was denn sonst? Der Trump mag ja ein Depp sein, aber da blickt er durch. In der ARD das gleiche Programm, alles komplett abgestimmt.

Das Geflatter der transatlantischen Hühner, die sich noch vor ein Paar Wochen mit nahezu animalischer Geilheit den Krieg mit Russland herbei gesehnt hatten, ist nur noch putzig. Im Zusammenhang mit Aleppo wurden schlimmste russische Kriegsverbrechen begackert. Gefühlte 850 Krankenhäuser wurden da von den Russen mit Fassbomben dem Erdboden gleich gemacht. Darin waren ausschließlich süße Kinder mit großen Kulleraugen - kein einziger verletzter Terrorist. Killery wurde als die Heilsbringerin vorgefeiert. Man wollte offiziell (!) einen noch größeren Krieg. Das transatlantische Medienkartell, die Obama Administration und unsere Merkel-Junta haben sich der "Vorbereitung eines Angriffskriegs" auf Russland verdächtig gemacht. Das ist ein handfester Straftatbestand, auf den immerhin Lebenslänglich steht. ((An dieser Stelle Grüße an die neue ferngelenkte NATO-Doppel-Gefechtsspitze der Oliv-Grünen!))

Es war offenbar nicht möglich, in allen Städten, in denen der IS von wem-auch-immer bombardiert wird, die Berichterstattung so zu lenken, dass ein zweckdienlicher Schuh draus wird. In Mossul gibt es offenbar keine Krankenhäuser, und die Kulleraugen-Kinder wurden auch schon zu oft in Wiederholung inszeniert. Die ausbleibende Berichterstattung über Deir Ez-Zor wundert mich nicht. Es geht ja nicht darum, dem Zuschauer zu vermitteln, wie unmenschlich Kriege sind oder wie entkernt eine menschliche Seele sein muss, um Waffenlieferungen dort hin zu genehmigen. Es geht bei der Berichterstattung ausschließlich darum, dem Zuschauer zu zeigen, wer die Bösen sind. Dann toleriert oder ignoriert der Zuschauer auch mal 2500 Militärfahrzeuge, die von Bremerhaven ins Baltikum transportiert werden.

Wenn wir anfangen, im Zusammenhang der Syrien-Berichterstattung und der damit verbundenen Russland-Hetze die Klebers, Gniffkes und ihre korrupten Intendanten und vordergründig ahnungslosen Sprecher vor den Kadi zu schleifen ("Vorbereitung eines Angriffskriegs") und rechtsgültig einzusperren, sind wir auf dem richtigen Weg. Einen minder schweren Fall, der nur mit ein Paar Jahren Freiheitsstrafe ausgeht, mag ich nicht erkennen, aber vielleicht tut das ja das Gericht. Ich mache mir wieder eine Tüte Chips auf, wenn die kleineren Sprechpuppen vorm Urteil mit großen Kulleraugen erläutern, sie hätten doch nur vom Teleprompter abgelesen. Und ich freue mich auf die Intendanten, die nichts von der Manipulation der Kleber-Software gewusst haben wollen. Als Kronzeugen schlage ich Friedrich Merz, den Vorsitzenden der Atlantikbrücke e.V. vor (George Soros geht voraussichtlich nicht mal ans Telefon). Das wird zwar richtig teuer, aber vielleicht lohnt es sich. Käuflich ist der Merz sicher, und Bescheid weiß er auch. Beim Doktor Gniffke bin ich mir da nicht so sicher - Bock zu Gärtner und so.


Am 23. Januar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

SPRUCH ZUM MONTAG

Seht, wie sie schweigen, die sonst so beredten
Meldungsverstümmler und Apologeten
Unchristlicher Werteverfechter.
Sie dünken sich als die Lenkenden,
Finanzweisheit Verschenkenden,
Und sind doch nur zum Spott und Gelächter
Vieler zum Glück noch klar Denkenden.


Am 23. Januar 2017 schrieb Angela Hecker:

Der Artikel ist wirklich goldig. Aber das Verschweigen dieses blutigen Krieges ist ein typisches TAGESSCHAU-Spiel. Traurig.

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