Goethe-Preis an Dr. Gniffke

TAGESSCHAU-Chef wird für sein Schweigen belohnt

Autor: U. Gellermann
Datum: 09. Januar 2017

Der Goethe-Preis dieses Jahres wird dem Preisträger Dr. Kai Gniffke vom TV-Philosophen Peter Sloterdijk übergeben. Wir zitieren aus seiner Laudatio: „Lieber Herr Doktor, Sie haben es erkannt: Die wesentliche Tugend des Journalisten ist das Schweigen! So ist es aus Goethes Poem ‚Über alle Gipfelnd ist Ruh‘ nachdrücklich zu erfahren. Mit Goethe schweben Sie über allen Gipfeln, wenn Sie ein mal mehr Nachrichten, die das TV-Publikum verunsichern könnten einfach verschweigen. In allen Wipfeln, so fährt Goethe fort, spürest Du – und offenkundig duzt er Sie – kaum einen Hauch. Ja, lieber Herr Doktor, wenn einer verdient hat von Goethe geduzt zu werden, dann zweifellos Sie. Denn Sie spüren den leisesten Hauch der Zuschauer-Irritation, wenn Sie sicherheitshalber jene zehn Milliarden verschweigen, die der Steuerzahler der maroden HSH-Nordbank hinterherwerfen soll. Geradezu elegant tricksen sie die Spatzen aus, die von den Dächern eine gigantische Pleite pfeifen, wenn Sie jene Vögelein im Walde beschwören, denen der große Geheimrat ebenfalls Schweigen empfohlen hatte. Keineswegs will ich Sie, den Besten der elektronischen Nachrichtenschnitzerei kritisieren, wenn ich Ihnen rate, doch in Ihre Syrien- oder Ukraine-Berichterstattung auch den letzten der Goetheschen Sätze einfließen zu lassen, um dem Gebührenzahler zu versichern: Warte nur, balde ruhest auch Du!“

Programmbeschwerde zur HSH Nordbank
 
Sehr geehrte NDR-Rundfunkräte, sehr geehrter Herr Intendant,
die Qualitätsjournalisten von ARD-aktuell produzieren und liefern täglich eine Menge Meldungen, bei deren Rezeption man sich fragt, welche Auswahlkriterien für sie sprachen. Am 09.12.2016 berichtete das Flaggschiff der ARD in Tagesschau.de zum Beispiel:
"Wie es um die Bestechung der Welt steht", "Wie gefährlich sind Filterblasen" und "Plattencover-Ausstellung".
Am selben Tag erklärte der Chef der Pleiten-Bank HSH Nordbank, Stefan Hermisch, auf einer Pressekonferenz, dass seine Bank nunmehr die Garantie von 10 Milliarden Euro der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein vollständig in Anspruch nehme. 1,9 MRD Euro wurden bereits eingesackt. Die Aussage ist vor dem Hintergrund des bekannt  unverantwortlichen Finanzgebarens dieses Bankinstituts zu werten. Quellen dazu u.a.:
http://www.nachdenkseiten.de/ 
http://www.diedeutschenbadbanks.de/10-milliarden-hsh-braucht-gesamte-laendergarantie/ 
https://www.welt.de/regionales/hamburg/article160158793/Am-Ende-zahlt-sowieso-der-Steuerzahler.html
 
Klartext: Der Chef der HSH Nordbank teilt erstmals offen mit, dass für die Versäumnisse dieser Bad-Bank die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. 10 MRD Euro, das ist das zehnfache der Baukosten für das Eurograb Philharmonie, von der Summe könnte Hamburg zwanzig Jahre lang Sozialhilfe zahlen. Das hochverschuldete Schleswig-Holstein dürfte mit dieser Schuldenlast endgültig in die Knie gehen. 
ARD-aktuell schweigt zu dem Skandal und verschweigt auch, dass die Vorstandsriege der Bank den Reedern kürzlich noch eine halbe Milliarde Schulden erlassen hatte. 
http://www.newsdeutschland.com/n/Deutschland/759w4b4n2/Schuldenerlass-Reeder-Kort%C3%BCm-sa%C3%9F-im-Beirat-der-HSH.htm 
An diesem Vorfall zeigt sich ein weiteres Mal, wie wenig der öffentlich-rechtliche Rundfunk bereit und in der Lage ist, die ihm zugeschriebene Aufgabe der „Vierten Gewalt“ im Staate zu erfüllen, des kritischen Gegenparts der Öffentlichkeit zum Handeln der Staatsgewalten Gesetzgeber, Regierung und Justiz. Statt Kontrolle von Politik und Wirtschaft zu praktizieren und zu demonstrieren, schläft ARD-aktuell vor sich hin oder betreibt eine völlig unkritische Hof-Berichterstattung. 
ARD-aktuell hätte zwingend über die gigantische Inanspruchnahme der Steuerzahler durch eine Bad-Bank informieren müssen. Das Versäumnis ist ein Verstoß gegen die Programmrichtlinien.
 
F. Klinkhammer V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 10. Januar 2017 schrieb Jörg Janßen:

Nun ja - ist wohl nur ein unbedeutendes, weil regionales Vorkommnis.....


Am 10. Januar 2017 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

Jedem Laien, der bei dieser Meinungsmanupulation noch wenigstens einigermaßen durchsteigt, dem gratuliere ich ehrlichen Herzens!
Mich jedoch, uneingeweiht und sozus. nur von außen darauf
gelenkt bzw. fokussiert - quasi den Blick geschärft (RationalGalerie), den beutelt und beunruhigt dieses Thema "Gniffke & Consorten" täglich zutiefst - läßt einen nicht mehr ruhig schlafen. Der Stoff ist einfach deprimierend... dazu geeignet, daß es einem den Boden unter den Füßen wegzieht.
Doch sich einfach wegducken und wegsehen - das will einem erst recht nicht gelingen....!
Merke: Life can be so easy - when you are stupid.


Am 09. Januar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

DEUTSCHLAND,
EIN TRAURIGES SACKGASSENHAUSEN?

Mit Doktor Gniffkes gesammeltem Schweigen,
schließt sich der Vertuschungsreigen.
Doch schon lauert die nächste Last:
Wohin mit der Beweiskraftshalde?
Nutzlos drum, Goethes "Warte, nur balde".
Schlimm, wenn das eine zum andren nicht passt!

Davor warnte als Unrechtskenner
schon Schiller und wandte sich ab mit Grausen.
Ich bringe es schlicht auf einen Nenner
und sage: Willkommen in Sackgassenhausen!


Am 09. Januar 2017 schrieb Elke Zwinge-Makamizile:

Sloterdijk, dem glattgebügelten TV-"Philosophen" entgegne ich mit dem Liedtext von Bertolt Brecht "Liturgie vom Hauch" und auch als Warnung an Gnifke. Hier heißt es: "Da kam ein großer roter Bär einher...über allen Wipfeln ist UNruh, über allen Gipfeln spürest du jetzt einen Hauch" (natürlich des Widerstands).
Ich teile Ihren Zorn und wie immer mit Fakten bestens unterlegt. Der verstorbene Eckart Spoo hat Gniffke auch öfter decouvriert; das könnte man am laufenden Band, Sloterdijk dagegen ist ein gebrauchter Steigbügelhalter.


Am 09. Januar 2017 schrieb Karl Döll:

Eine Anregung:
Herr Gellermann hat sich um Baron Hanns von Gumppenberg aus Miesbach verdient gemacht. (Das teutsche Dichterross).
Daher möge das offizielle Bayern, da lebe ich, einen entsprechenden wohldotierten Preis verleihen. Bei der Preisübergabe empfehlen sich feste Handschuhe. Er beißt!

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