Feuerpause: Keine Pause für Fälschungen

Zum schweren Los von Kriegs-Propagandisten

Autor: U. Gellermann
Datum: 24. Oktober 2016

Einmal saßen sie in der Redaktion der TAGESSCHAU zusammen. Die von Syrern und Russen angeordnete Feuerpause dauerte schon den zweiten Tag an. Nun hatten die Redakteure doch Tag für Tag erklärt, dass die Russen keinen Frieden in Syrien wollen. Und nun dies: Die hatten sogar Korridore zur Flucht aus den umkämpften Vierteln in Aleppo angeboten. Ein Redakteur brach weinend über seinem Schreibtisch zusammen: „Was soll ich denn jetzt berichten? So können die Russen doch nicht mit uns umgehen. Wie sollen wir denn in dieser Scheiß-Pause nur den täglichen Russen-Horror senden?“ schluchzte er in die Tastatur seine Computers.

Doch der Chef von ARD-aktuell, Dr. "Tricky" Gniffke, wußte Rat: „Wir melden zwei echte Tatsachen: `Den Vereinten Nationen gelang es während der Feuerpause nicht, Kranke und Verletzte aus der Stadt zu bringen. - Nach UN-Angaben verließ nur eine Handvoll von Zivilisten und Aufständischen den Ostteil der Stadt. (http://www.tagesschau.de/ausland/aleppo-syrien-101.html)´. Dann verschweigen wird, dass die Rebellen die Bewohner als menschliche Schutzschilde festhalten, und dass es die Rebellen sind, die keine Garantien für den ungehinderten UN-Zugang geben wollen!“ So fand das Schluchzen ein Ende und die tägliche Nachrichten-Fälschung nahm ihren fröhlichen Fortgang.


Programmbeschwerde: AgitProp statt Information
(über Abbruch der Syrien-Verhandlungen USA-Russland) 
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-16453.html 

Werte Damen und Herren Rundfunkräte, werter Herr Intendant,
am 15. Oktober krönte die Tagesschau (20 Uhr) einen Bericht über Verhandlungen zwischen Russland und den USA über eine neue Feuerpause in Syrien mit diesen Worten:
„Bisher haben Waffenruhen immer nur wenige Tage gehalten. Zuletzt hatten die USA die direkten Gespräche abgebrochen aus Protest gegen anhaltende Luftangriffe, etwa auf Krankenhäuser in Aleppo.“
Schon diese Formulierung spiegelt die ganze Verlogenheit und ungeprüfte Übernahme US-gesteuerter Nachrichtenagentur-Propaganda wider. Im anschließenden Reporterbericht heißt es dann über den Krieg in Aleppo u.a. :
„...Im Ostteil der Stadt sitzen auch Kämpfer der ehemaligen al-Nusra-Front. Für Russland sind dies Terroristen.“
Damit wird der von den USA behauptete Grund für den Abbruch der Gespräche blanko und distanzlos als in der Sache zutreffend übernommen und diese zur unumstößlichen Tatsache gemacht. Es erfolgt keinerlei Relativierung, kein Hinweis auf andere Gründe, keine für eine sachgerechte Einordnung notwendige analytische Ergänzung, was (außerdem) zum Gesprächsabbruch geführt haben könnte: Bei den in Ost-Aleppo eingekesselten Kämpfern handelt es sich um Terroristen einer Melange aus al-Kaida und Jabhat al-Sham (vormals „al-Nusra-Front“), die den Waffenstillstand von Anbeginn nicht akzeptiert haben. Die Terroristen der al-Sham/al-Nusra waren und sind zudem gemäß den früheren (folgenlosen) Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen USA und Russland ausdrücklich von jeder Feuerpause ausgenommen. Die USA sind weder willens noch fähig, ihre Söldner und „gemäßigten“ al-Kaida-Kopfabschneider aus dieser Melange zu lösen und sie zu bewegen, unter sicherem UN-Geleit die Stadt zu verlassen. Die heuchlerische „Empörung“ der USA über eine humanitäre Katastrophe in Aleppo gründet also (hauptsächlich) darauf, dass es der terroristischen Mörderbande dort jetzt endgültig an den Kragen geht und Washington das kaum mehr verhindern kann; seine im Krieg gegen Libyen noch erfolgreiche Strategie, mit Terroristen und Söldnern einen „Bürgerkrieg“ gegen die Staatsführung anzetteln zu lassen, scheint in Syrien aufgrund der russischen Intervention endlich fehlzuschlagen.
Eine bemerkenswert fälschende Reporter-Aussage über die Kämpfer der al-Nusra-Front macht in diesem Tagesschau-Beitrag die propagandistische Absicht der Redaktion deutlich:
„Für Russland sind dies Terroristen“.
Ach ja, nur für Russland? Den Vereinbarungen gemäß war die al-Nusra bisher auch für die USA terroristisch. Und im übrigen steht sie auf der UN-Liste der zu verfolgenden Terrororganisationen. Sie zu bekämpfen, wie Russland es gerade tut, war und ist demnach legal. Das Bemühen der Redaktion, die Zusammenarbeit der USA mit den Terroristenbanden der al-Kaida und al-Nusra bis zum IS zu kaschieren, ist nicht zu leugnen, der manipulative pro-westlich-transatlantische Charakter solcher Meldungen nicht zu bestreiten.
Unerträglich wird langsam auch die Häufung von Mitteilungen über bombardierte Krankenhäuser. Nähme man diese propagandistischen Exzesse der ARD-aktuell noch ernst, so müsste man zu dem Schluss gelangen, Aleppo sei die Stadt mit der größten Krankenhausdichte der Welt.
Zum bald 150. Male fordern wir Sie auf, ARD-aktuell zur Beachtung der Programmrichtlinien des NDR-Staatsvertrags anzuhalten. 

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Oktober 2016 schrieb Andreas Schell:

Danke, der Beitrag ist super, wie immer. Laut gelacht bei Aleppo und der Krankenhausdichte. Das stimmt wirklich! Auch das Wort Fassbombe kommt mir übrigens zu oft vor. Das ist auch nur ein Behälter voll Sprengstoff. So was schmeißen in Syrien etliche Nationen wild durch die Gegend und sind sich noch nicht mal einig wozu. Ausnahme: die Russen. Die unterstützen die syrische Regierung bei der Wiederherstellung der inneren Ordnung im Staat. Das geht gar nicht. Warum fragt man sich schon gar nicht mehr. Dieser Beitrag von Frau Göring-Eckardt ist mir noch in die Hände gefallen:
http://goering-eckardt.de/detail/nachricht/der-druck-auf-assad-und-putin-muss-wachsen.html
Die sagt tatsächlich genau das, was die Tagesschau sagt. Das ist der Weg einer weiteren Fanatikerin auf eine Regierungsbank - die USA lassen grüßen - und schlimmstenfalls unser aller Weg in den Krieg mit Russland.
Also meine geschätzten Herren: weiter machen! Bitte sagen Sie es allen, die noch schlafen, dass hier im Land etwas stinkt. Angemessen erscheint ziviler Widerstand, Gebührenverweigerung, und den Fernseher gar nicht, oder nicht als Informationsquelle benutzen.
Wenn die Informationen wieder ausgewogen, inhaltlich stimmig und alle auf dem gleichen Stand sind, dann können wir auch über Maßnahmen reden. Das ist ein sehr lohnenswertes, erreichbares Ziel. Vorher kann man eigentlich nur stänkern und hoffen, dass nach Hillarys Ernennung nicht sehr schnell etwas noch viel Schlimmeres passiert. Danach schaut's nämlich aus.


Am 24. Oktober 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Nun ergibt sich die Frage, nach den nicht endenden Programmbeschwerden welche Möglichkeiten, wir die Menschen in diesem Land haben, diesem Spuk ein Ende bereiten zu können ?
Die Tagesschau und Gniffke sind die, die an diesen Massakern und humanitären Katastrophen mit menschlichen Verlusten sich gemein machen, es unterstützen, und letztendlich irgendwann die Verantwortung zu übernehmen haben, weil sie wissentlich die Gesellschaft belügen und betrügen mit den fast alltäglichen Falschinformationen.
Sie benutzen in der Darstellung grundsätzlich immer das, was kaum Fragen aufkommen lässt. Es wird als Tatsache, als wahre Begebenheit in die Wohnzimmer gepustet, und die Berieselung berieselt so, dass garantiert und immer etwas von dem Mist hängenbleibt. Den Amis ist es immer schon total egal gewesen, wen sie unterstützen in ihrer von angezettelten Kriegen Geschichte. Es muss ihren Interessen dienen. An Frieden können sie kein Interesse haben, weil es gegen eine der Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus verstoßen würde, und der muss am Leben erhalten bleiben. Es ist wie nach 1945, wo Truman die Sowjetunion zum Feind erklärt hat, und das ist bis heute, egal unter welchem Präsidenten, Kennedy war eine Ausnahme, die er mit dem Leben bezahlt hat, geblieben. Und diese gefährliche, rücksichtslose nach hinten gewandte Politik, weil den Menschen, weder in seiner Gesamtheit, noch in seiner Freiheit, auch von ökonomischen Zwängen, zu begreifen nicht möglich ist, werden wir ständig als unselbständige, unfreie, irgendwie uns auf bestimmten Ebenen alles abnehmen wollende und vor allem aber kontrollierende und brav das zu tun, was die Unternehmen und die Politiker von uns wollen, angesehen.
Sie gehen nicht von sich entwickelnden Menschen aus, dass würde ihr Bild vom unselbständigen, immer bedürftigen und letztendlich zum freien, eigene Entscheidungen treffenden fähigen Menschen zerstören, "Wir nehmen dir das ab, weil du das nicht können kannst." würde sich als hinfällig erweisen. Und der Staat und die Medien müssten dann auf den Prüfstand, und die Tagesschau mit ihrem Gniffke würde dann als unfähig entlassen werden müssen, allerdings nicht ohne zur Verantwortung gezogen zu werden.
Immer weiter machen, und die Leser werden es ihnen danken.


Am 24. Oktober 2016 schrieb Lutz Jahoda:

SATZ ZUM MONTAG

Die allabendlichen Unwahrheiten in den Nachrichten fallen inzwischen auf wie
Kuhfladen in einer Apotheke.


Am 24. Oktober 2016 schrieb altes Fachbuch:

was haben meine liebe frau und ich vor 1990 bei den "bösen kommunisten" gefeixt, wenn wir uns zum gemeinschaftsempfang eingefunden haben:)
nun treffen wir uns vor der goebbelsschnauze, das feixen ist uns vergangen:(


Am 24. Oktober 2016 schrieb Jens Bernert:

Wenige Tage später das Gleiche: http://blauerbote.com/2016/10/23/ard-deckt-angriffe-der-al-qaida-auf-zivilisten/

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