Eine Leiter für die Tagesschau

Wie der Kampf gegen die Gelbe Gefahr Größe braucht

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. Oktober 2017

Es war mal wieder einer der schlechteren Tage in der Redaktion der „Tagesschau“. Der Hausmeister lief durch die Räume und suchte einen guten Platz für eine große, sehr große Leiter: „Nein, hier können wir sie nicht aufstellen. Da stößt Herr Doktor Gniffke ja an die Decke, wenn er drauf steigt. Und hier vorne reicht die lichte Höhe auch nicht. Ach, da hinten kann ich sie wohl ausklappen.“ Befragt was denn das kryptische Gerede und die riesige Leiter solle, antwortete der Hausmeister: „Na, der Herr Chefredakteur will das große, sehr große China anpinkeln. Da hat er dann die Leiter geordert.“ Das war der Tag, an dem in der Tagesschau über die neue Führung der KP Chinas berichtet wurde (siehe unten). 

Eingabe
China-Berichterstattung

https://www.tagesschau.de/ausland/china-xi-119.html
 
Sehr geehrte Rundfunkräte,
wieder ein Beispiel von tendenziöser Mischung aus Nachricht und Kommentar, mieser Meinungsjournalismus, weil einfach nur hochgradig spekulativ:
 
"Chinas KP hat den engsten Führungszirkel ordentlich durchgemischt - fünf von sieben Mitgliedern wurden ausgetauscht. Die neuen Gesichter sind vor allem: zu alt. Als Nachfolger für Parteichef Xi kommen sie kaum in Frage. Absicht?"
Diese Diktion ist weder "objektiv" noch "sachlich", wie es in den Programmrichtlinien des NDR-Staatsvertrages gefordert wird.
Man stelle sich einen Bericht in der Tagesschau vor: "Deutschlands CDU hat den engsten Führungszirkel ordentlich durchgemischt – fünf von sieben wichtige Vorstandsmitgliedern  wurden ausgetauscht. Die neuen Gesichter sind vor allem alt. Als Nachfolger für die CDU-Chefin Merkel kommen sie kaum in Frage. Absicht?"
Das Geschrei über einen solchen Beitrag bei ARD-aktuell würde vermutlich schlaflose Nächte verursachen. Was sich die ARD-Hofberichterstatter mit der Kanzlerin niemals erlauben würden, getrauen sie sich mit dem Staatsoberhaupt und Parteichef der Chinesen: Das ist erlaubt, weil es auf die antichinesische Propaganda-Matrix passt,  und was Berlin genehm ist, nimmt sich dann eben auch die ARD-aktuell heraus. 
Wir erinnern uns: EU-Kommissar Oettinger nannte bei einem Vortrag in Hamburg die Chinesen verächtlich "Schlitzaugen". Unter Druck geraten, versuchte Oettinger zwar, den klar rassistischen Begriff als „saloppe Äußerung“ zu verharmlosen; glaubwürdig war er dabei nicht. Dass er sein hohes EU-Amt weiterführen darf, zeigt, wie salonfähig sogar Verunglimpfung der Volksrepublik China und ihrer Menschen im deutschen Politik-Establishment ist. Die herrschende Respektlosigkeit vor Völkern wie dem chinesischen wird bruchlos in die Berichterstattung übernommen; zugleich aber wird lauthals die political correctness geltend gemacht, wenn sich die xenophobe AFD entsprechend äußert. Doppelstandards, die den deutschen Journalismus, speziell diesen öffentlich-rechtlich missratenen, ständig disqualifizieren.
Im hier diskutierten Beitrag werden keinerlei Sachinformationen von Interesse vermittelt. Kein Wort darüber, welche politischen Ziele auf welchen Wegen der Parteichef und sein Politbüro zukünftig anstreben werden, auch kein Wort darüber, in welchen gesellschaftlichen Rollen die neuen Führungsmitglieder bisher gearbeitet haben. Die dreistündige Rede des Vorsitzenden? Keine Fakten daraus, keine Zusammenfassung, keine Analysen bei ARD-aktuell. Und für für diese "Null-Nummer " hält die ARD sich ein teures Studio in Bejing. Es steht zu vermuten, dass die nach Beijing entsandten Journalisten dort nicht mal in der Lage sind, mit der chinesischen Sprache umzugehen.
Der Beitrag verstößt gegen das staatsvertragliche Gebot der "umfassenden und objektiven" Berichterstattung. Er ist, mit Verlaub, einfach nur eine Zumutung.
Wie ein informativer Beitrag über den KP-Kongress  aussehen kann, haben (wieder einmal) andere Medien vorgemacht:
http://www.atimes.com/article/xis-road-map-chinese-dream/
 
Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer V. Bräutigam

Das Anti-Tendenz-Buch:

http://shop.papyrossa.de/Gellermann-Uli-Klinkhammer-Friedhelm-Braeutigam-Volker-Die-Macht-um-acht


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 01. November 2017 schrieb Klara Mensah-Attoh:

Allein zum schwäbisch-oberpeinlichen
OETTINGER würde ja wohl so manch einem
so manch eine "saloppe Äußerung" einfallen!
Nasing for angood!


Am 30. Oktober 2017 schrieb Lutz Jahoda:

DEMOCRACY LIGHT
made by ARD-aktuell
Behauptung
Gegenbehauptung
Schlussfolgerung

Die täglichen Sicht-Tröpfchen
Aus dem Tagesschau-Gift-Töpfchen
Wirkten bisher!

Die Beeiflussungs-Brühe
Lohnt nicht die Mühe.
Sie schmeckt keinem mehr!

Egal, ich bin Leiter,
Drum steige ich weiter,
Bin absturzgeschützt.
Der Dummen sind Viele.
Wir nennen die Ziele
Und tun, was uns nützt!


Am 30. Oktober 2017 schrieb Pit Heinrich:

Ich kann ihn regelrecht auf der Leiter sehen, den kleinen Gniffke, und immer ist der Strahl zu kurz. Da hat Gellermann mal wieder ein Erste-Klasse-Stück abgeliefert. Aufklärung und Kabarett zugleich. Danke!


Am 30. Oktober 2017 schrieb Elke Zwinge-Makamizile:

Zur China-Berichterstattung bei ARD und anderen Sendeanstalten: Sehr richtig und notwendig sind die Eingaben von Klinkhammer und Bräutigam. Man könnte im konkreten Fall (19. Parteitag) rückschließen, dass die Politik Chinas unter Führung ihrer kommunistischen Partei chinesischer Prägung global eine solche Bedeutung bekommen hat, dass der neoliberale und Kriege befürwortende Kurs ein wirkungsvolles Gegengewicht bekommen hat, so dass die genannten Medien entweder billige Geschütze auffahren wie Verschweigen, Verleumden usw.. Wir fordern aber sachliche Aufklärung und Information, gerade über solch bedeutende Ereignisse/Entwicklungen. Sonst kann ich bald diese Medien hinsichtlich journalistischer Erfordernisse ganz abschreiben und mich nur noch alternativ informieren. Aber es geht nicht um mich, sondern um das Recht aller auf gute journalistische Arbeit!
Mein Fazit: bei der Tagesschau gibt es unfähige Ewiggestrige, Protest tut not! Sonst hinken wir total hinterher...


Am 30. Oktober 2017 schrieb Otto Bismark:

Sehr geehrter Herr Gellermann,
noch eine kurze Anmerkung zum Beitrag über die China-Berichterstattung der Tagesschau. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber als ehemaliger DDR-Bürger kenne ich die Herrschaften eigentlich nur so. Das ist m.E. der häßliche Deutsche, wie er leibt und lebt. Was er nicht kennt, was er nicht versteht und noch schlimmer, was er nicht mag, das wird verunglimpft, passendenfalls bekämpft. Es zählen nur seine Maßstäbe und Werte, alle Anderen habe doch eigentlich keine, die haben sich gefälligst nach seinen zu richten! Nun will ich beileibe nicht behaupten, alle Landsleute wären so. Das Schlimme ist nur, wir lassen solche Leute an den maßgeblichen Stellen gewähren. Und wer dagen aufsteht, läuft Gefahr, seinerseits nicht ernst genommen und verunglimpft zu werden.

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