Ein teures Schlafmittel

NDR: Norddeutscher Schnarch-Funk

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. November 2017

Als der HERR die Welt erschaffen hatte, ist ihm der Fehler mit der Schlaflosigkeit unterlaufen. Doch weil er ein Einsehen hatte, ist ihm, nach langem Grübeln, die Tagesschau vom NDR eingefallen: „Ich aber sage Euch, beunruhigt mir die TV-Zuschauer nicht! Auch die brauchen ihren Nachtschlaf. Deshalb: Wenig Inhalte, viele Worthülsen und nur ja keine Einzelheiten, die verwirren nur. So können die Zuschauer beruhigt schlafen!“ Und das tun sie auch nach Acht. Nicht selten direkt nach Knopfruck. Und während der HERR die Welt in sieben Tage erschuf, braucht ARD-aktuell viele Stunden in vielen Redaktionskonferenzen, um den original NDR-Fernsehschlaf zu produzieren. So wurde dann der Chefredakteur Doktor Gniffke zum Lieblingsjünger des HERRN befördert. Und wenn er nicht gestorben ist, dann predigt er noch heute.

Tagesschau
Jamaika-Show-Laufen
 
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-343623.html
 
Sehr geehrte Rundfunkräte,

wir alle wissen, dass eine Minute Tagesschau knapp 2.000,0 Euro kostet, aufzubringen aus den Rundfunkgebühren. Diese 2.000,0 Euro pro Minute, das ist zum Verständnis unserer Beschwerde und als gedankliche Kulisse wesentlich, sollen der sachgerechten Information der Rundfunkteilnehmer dienen. Nun schauen wir uns vor diesem Hintergrund die o.g. Sendung vom 3. November um 20 Uhr an (Min 00:21 bis Min 03:35): ein dreieinviertel Minuten langer Beitrag in der Tagesschau über die Sondierungsgespräche zur Bildung einer Koalitionsregierung von CDU, CSU, FDP und Grünen. Wortreich, doch bei kritischer Würdigung vollkommen inhaltslos. Ein Programmangebot über ein Show-Laufen der Berliner Polit-Prominenz, die ebenfalls nichts Inhaltliches mitzuteilen hatte. Die Rahmen-Information darüber, dass die „Jamaika-Verhandlungen“ stattfänden, hatte nullkommakeinen Neuigkeitswert.

Nichts Gehaltvolles gab es darüber, welche Themen inwieweit zwischen den Parteien strittig waren und wer da in welcher Frage welche Positionen vertritt. Es hieß lediglich, es habe in den "Kernthemen der Parteien Konflikte" gegeben. Ach ja? Diese Konflikte wurden allerdings mit keinem Wort benannt, geschweige denn dargelegt, und sei es auch nur mit ein paar skizzenhaften Schlüsselbegriffen. Zumindestens wäre zu erwarten gewesen, dass die an diesen Tag diskutierten zentralen Konfliktlinien (in der Flüchtlingspolitik, Klimapolitik, Verkehrspolitik, Steuerpolitik?) zwischen Grünen, der CSU und der FDP nachgezeichnet würden, ein Faktenangebot en miniature, auf dass das Publikum nicht im Sessel vor der Wunderlampe einschlafe. Nichts dergleichen wurde geliefert ...
Stattdessen nur inhaltloses Geschwätz über die Befindlichkeiten der Gesprächsteilnehmer (Christian Lindner als Sprachschöpfer: "Kollateralnutzen"). Dazwischen O-Ton einer Kanzlerin, die wie immer leeres Stroh drosch, Kostprobe: "Ich glaube nach wie vor, dass wir die Enden zusammenbinden können..." Und diese Plattitüden wurden, das war der Gipfel, vom Tagesschau-Personal auch noch als "offenbar positive Wende“ interpretiert. 
Zusammenhanglos der ebenfalls vollkommen faktenfreie Hinweis auf die "Finanzen" und auf die Befindlichkeit des "unter Druck stehenden" Horst Seehofers. Als krönender Abschluss schließlich die "Einschätzungen" der Berliner „Nachrichten-Queen", Studio-Leiterin Tina Hassel (Mitglied der Atlantikbrücke): "....nach zahllosen Fouls (???), gezielten Indiskretionen (warum nicht?), hat die Kanzlerin intern heute noch einmal ein klares Machtwort (???) gesprochen und einen anderen Umgang eingefordert.“ Angela die Große. Das ARD-aktuell-Bild des „hosenanzugtragenden Sprechblasen-Automaten“ (Volker Pisper).
Unter informationellen Aspekten bot die Tagesschau hiermit einen vollkommen unkritischen, wertlosen und überflüssigen Beitrag an, denn an keiner Stelle war ein Bezugspunkt zu den Interessen der Bevölkerung sichtbar. Nicht einmal die Minimalinformation wurde vermittelt, dass da in Berlin eine Truppe aus Steuermitteln hochbezahlter Politiker sich selbst und ihrer Mitwelt die Zeit stahl. Der Verstoß gegen alle Programmverpflichtungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks war nicht zu übersehen. Weder das Hauptstadtstudio der ARD in Berlin noch die Tagesschau-Zentrale in Hamburg verfügten über irgendwelche handfesten Erkenntnisse darüber, was da hinter verschlossenen Türen in Berlin wirklich besprochen worden war. Demzufolge hätte eine 20-Sekunden-Nachricht genügt: dass die Koalitionäre in spe ihre Gespräche in Berlin fortgesetzt, aber keinerlei konkretes Ziel erreicht hatten. 
Die 6.500,0 Euro für diesen Beitrag waren zum Fenster hinausgeworfenes Geld. Was soviel bedeutet, als dass zusätzlich gegen § 31 NDR-Staatsvertrag verstoßen wurde, in dem die Pflicht zur sparsamen Haushaltsführung vorgegeben ist. 

Mit freundlichen Grüßen

F. Klinkhammer    V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 15. November 2017 schrieb Ernst Blutig:

"Das ARD-aktuell-Bild des "hosenanzugtragenden Sprechblasen-Automaten" (Volker Pisper)"

Jetzt mal mit Ernst^^.
Die WählerInnen von Merkel verlautbaren nicht umsonst in aller Regel, daß sie "eine von uns" sei. Sie ist bei Weitem nicht die einzige Automatin für geblasenes Sprechdeutsch (oder wars gesprochenes Blasendeutsch?) im gesamten Alldeutschland (zusammengesetzt aus Deutschland und Antideutschland), in dem man sich nach ´45 mit "Konsum Heil!" grüsst.


Am 14. November 2017 schrieb Eva Hansen:

Immerhin muss sich Doktor Gniffke keine Pillen für seine niedrigen Blutdruck kaufen. Mal wieder super auf den Punkt gebracht.


Am 14. November 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Liebe Herren der Galerie,

regelmäßig werden sie gelesen; nicht nur von mir, und nun will ich die Gelegenheit nutzen ihnen von Herzen zu danken für ihren unermüdlichen, kraftvollen, beständigen Einsatz, der immer wieder zur Klärung der Verhältnisse im ÖR beiträgt, und mich meist schlauer werden lässt.
Unschlagbar, mutig, gewissenhaft, das im Auge, um was es geht, und aufzuzeigen, wie wir veräppelt werden, und dafür noch bezahlen dürfen zeigen sie in unschlagbarer Art und Weise auf.
Bitte bleiben sie noch lange am Ball, und lassen sie uns an dem weiter teil haben, wie sie denen auf die Füße treten, die es brauchen.
Alles Gute, und weiterhin viel Kraft, Mut und Zuversicht.


Am 13. November 2017 schrieb Benny Thomas Olieni:

Die Lieferung der ARD-tagesschau und co. von Inhaltsleere, Spin, Propaganda, Kriegshetze, nebst unterschlagenen Nachrichten verstößt in einem solchen Maße gegen das Rechtsprinzip von Treu und Glauben, daß der Beitragszahler aus diesem Grund berechtigt sei, die Gebührenzahlung zu verweigern.
Meint jedenfalls Herbert Ludwig, der "Fassadenkratzer" in einem ausführlich begründenden Artikel:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/11/10/rundfunkpropaganda-und-der-rechtsgrundsatz-von-treu-und-glauben/


Am 13. November 2017 schrieb Lutz Jahoda:

ODE ANS BÖSE NICHTS

Preis und Lob zur Inhaltsleere,
Teures Telemedium!
Kühn befreit von aller Schwere,
Dreht Ihr euch im Kreis herum!

Schweigend träumen wäre noch besser.
Geht leider nicht, weil hoch bezahlt.
Wohl verwahrt sind Beil und Messer.
Noch wird in Hamburg bunt gemalt.

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