Ein Kurs für Doktor Gniffke

TAGESSCHAU-Redaktion zur Umschulung

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. Januar 2017

Man hatte in der ARD gesammelt: Die gesamten Sender-Mannschaften hatten zusammengelegt, um der TAGESSCHAU-Redaktion eine Umschulung zu ermöglichen. Die Personalräte der Anstalten hatten den Kurs angeregt. Sie waren zur Überzeugung gekommen, dass die Kluft zwischen der Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die Zuschauer und deren sonderbare Abbildung durch ARD-aktuell langsam zu zwei höchst unterschiedlichen Realitäten führen würde.

„Auf Dauer zahlen die Leute zwar noch Gebühren,“ sagte einer der Kollegen, „aber wenn immer weniger glauben was sie gucken, lassen sich die Zwangs-Gebühren nicht ewig durchsetzen. Und was wird dann aus unseren Arbeitsplätzen?“ Und so lernte sogar Golineh Atai langsam, dass Wahrheit nicht das ist, was sie aus dem eigenen Kaffeesatz liest. Der Washington-Korrespondent Stefan Niemeier stolperte sogar über die Wahrheit beim Lesen eines Geheimdienst-Berichtes. Nur Doktor Gniffke schwebt noch im Obama-Gestern. Es wird jetzt ernsthaft über einen Zwangskurs für den Chefredakteur nachgedacht.

Eingabe (§ 13 NDR Staatsvertrag): Anpassungskurs für Dr. K. Gniffke
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-17781.html 
 
Sehr geehrte NDR Rundfunkräte, sehr geehrter Herr Intendant,

 der Wechsel in Washington steht unmittelbar bevor, und es wird absehbar, dass die USA ihren entschieden russlandfeindlichen Kurs ändern. Für die Sprachregelung unserer Hauptinformationsquelle ARD-aktuell bleibt das selbstverständlich nicht folgenlos. In der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau am 7. Januar wurde schon deutlich: Die anti-russische Position des „Flaggschiffs des deutschen Nachrichtenwesens“ wird von der Kimm her korrigiert. Die Korrespondenten in Washington und in Moskau demonstrieren ansatzweise bereits Neues Denken. Nur in der Hamburger Zentrale ist das informationelle Ancien Régime noch dran, sie serviert eben nur „Berliner Bückling“.  Studio-Text für die Aufmacher-Nachricht des Tages: 
 
„Die US-Geheimdienste haben ihre Vorwürfe gegen Russland  bekräftigt: Präsident Putin habe eine Cyber-Kampagne zur Beeinflussung der US-Wahl angeordnet. ... Ziel sei es gewesen, Vertrauen in den demokratischen Prozess zu untergraben und die Kandidatin Clinton zu verunglimpfen“.
 
Wir sehen: Es wird wie eh und je nachgebetet, was die US-Geheimdienste äußern, und nichts davon wird hinterfragt. Dass die US-Dienste statt Beweisen nur Bockmist vorgelegt haben, wird nicht gemeldet. Und nachdrücklich verschwiegen wird erneut, dass, wer immer die kriminellen, korrupten und mörderischen Aktivitäten der Hillary Clinton mittels Verbreitung ihrer E-Mails aufdeckte, sich um die Demokratie in den USA und um den Frieden in der Welt verdient gemacht hat.
 
Die Korrespondenten hingegen, weniger auf Berliner Regierungskurs fixiert als den geopolitischen Richtungswechsel bedenkend, legen sich bereits erstaunlich flach in die neue Kurve:
 
Stefan Niemeier (BR), Washington: „... im nur teilweise veröffentlichen Bericht heißt es vage...“ „...Beweise sind nicht zu lesen....“ „...Kontroverse sei eine politische Hexenjagd der Wahlverlierer...“
 
Und die Barrikadenbraut der ARD versucht ebenfalls, den Anschluss nicht zu verpassen:
Golineh Atai (WDR), Moskau: „Russland ...warte auf den Amtsantritt Trumps, um die Beziehungen wieder... zu verbessern...“ „...die Vorwürfe seien haltlos...“ „...Die Geheimdienste hätten die Quellen nicht genannt...“
 
Die Diskrepanz zwischen dem noch starr antirussischen Hamburger Studio-Text und den flexibleren Äußerungen der Korrespondenten ist auffallend und harmoniestörend. Wir regen an, dass der Rundfunkrat dem Chefredakteur Dr. Gniffke einen Anpassungskurs vermittelt. Dr. Gniffke sollte trainiert werden, bei Nachrichten über Versuche Russlands, aufklärerischen Einfluss auf die US-Wählerschaft oder auf die deutschen Wähler zu nehmen, immer ergänzend auch folgende Fragen aufzuwerfen und zu beantworten:
 
1.In wievielen Fällen haben die USA seit 1947 Einfluss auf ausländische Wahlkämpfe genommen (mit Vergleichszahlen für die Sowjetunion bzw. später Russland)
2.In wievielen Fällen haben die USA außerhalb von regulären Wahlen in anderen Ländern Regierungswechsel erzwungen? (Vergleich mit SU/RU)
3.In wievielen Fällen hatte die US-Politik des „regime change“ keine außen-, sondern rein US-innenpolitische Gründe?
4.In wievielen Fällen verzichteten die USA auf diplomatische und andere „friedliche Druckmittel“ und erzwangen den Regierungswechsel mit einem Krieg?
5.In wievielen Fällen haben die USA ein in Frieden lebendes Land mit einer „Farben-Revolution“ ins Chaos gestürzt und danach dem Diktat des IWF und der Westlichen Werte-Gemeinschaft unterworfen?
6.In wievielen Fällen führte der Regierungswechsel der von den USA kujonierten Länder dort in eine blutige Diktatur?
7.In wievielen der zusammengezählten Fälle darf die Tagesschau für sich in Anspruch nehmen, darüber in deutlich sichtbarem Bemühen um kritische Objektivität berichtet zu haben?
 
Wir betonen, dass wir hier keine „Programmbeschwerde" führen, sondern von unserem staatsvertraglich garantierten Recht Gebrauch machen, uns „mit Eingaben und Anregungen an den Rundfunkrat" zu wenden. Ihr Gremium braucht also kein Umleitungsschild zu ARD-aktuell aufzustellen und Dr. Gniffke keinen Expertensenf für Ihre Würstchen abzusondern.
 
Wir regen hier also weiter an, dass die Tagesschau einmal pro Woche statt Börsennachrichten und Dax-Kurs eine Grafik sendet, die daran erinnert, dass die Sowjetunion die friedliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten ermöglichte, obwohl sie 50 Jahre zuvor von Deutschland verwüstet worden war und dabei 20 Millionen Tote zu beklagen hatte; anschließend soll grafisch dargestellt werden, wieviele Angriffskriege die USA seit 1992 (Ende der Sowjetunion) geführt haben und wieviele Menschen dabei zu Tode kamen. Zu erwägen wäre außerdem ein Preisquizprogramm des NDR, welchen Buhmann die USA als nächsten auswählen werden, falls sie sich tatsächlich von Putin abwenden: wieder nur einen aus der islamischen Welt, oder doch den Xi in Beijing?
 
Wir empfehlen ferner, dass dem Dr. Gniffke neben der Dienstbezeichnung „Hauptabteilungsleiter ARD-aktuell“ der Titel „Flaggschiff-Admiral“ zuerkannt wird. Begründung: Das macht mehr von ihm her.
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. Januar 2017 schrieb Ernst Blutig:

Neue Zeiten für die deutschen Mitglieder der Atlantik-Bücke.
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r
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Ach, da isses! :D


Am 14. Januar 2017 schrieb Alfred Meier:

Ich empfehle eine Umschulung im Bereich Tief- und Kanalbau oder auf dem Bauernhof. Mit Kacke-Schippen kennen sich die Damen und Herren ja schon aus, es ist also keine allzu grosse Umstellung.

Anstonsten schonmal bei google nach "site:tagesschau.de Bild-Zeitung" gesucht? Funktioniert mit "site: NDR.de" auch hervorragend. Da sieht man sehr deutlich aus welcher Richtung der Wind weht bei den RF-beitragsfinanzierten Leitmedien.


Am 14. Januar 2017 schrieb Paulo H. Bruder:

this news did not make it to the tagesschau tonight at 8 pm
http://www.aljazeera.com/news/2017/01/syria-israel-rockets-air-base-170113040217588.html


Am 13. Januar 2017 schrieb Tim Buktu:

Für alle Interessierten gibt es bei youtube ein ein Interview "KenFM im Gespräch mit Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer". Sehr erfrischend, ich kann es nur empfehlen.


Am 12. Januar 2017 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

Verfolge seit langem fasziniert und mit Herzklopfen (um nicht zu
sagen Herzrasen) die unermüdlichen Aufklärung-Bemühungen
betr. der TAGESSCHAU etc., dem etwas wirklich Relevantes (Aufklärendes) entgegenzusetzen. Es wäre jedoch vermessen, hier mitreden zu wollen, denn für Leute wie mich ist es zu komplex, dieses Thema.
Dennoch leuchtet es sogar Laien wie mir ein, daß die Idee nicht nur statthaft, sondern enorm wichtiger wäre:

Nämlich statt der Vermeldung der täglichen Börsenkurse
GRAFIKEN zu veröffentlichen - Grafiken über die 50 Millionen Toten,
für die Deutschland im 2. Weltkrieg verantwortlich ist!
Eine andere Grafik würde die Schande darstellen, wie viele Millionen Menschenleben die USA seit 1992 - nach Ende der Sowjetunion -
stets außerhalb des eigenen Territoriums - auf dem Gewissen haben
- DAS wäre viel viel viel angebracher als alle Börsenkurse der Welt! .....

..... Zumal aktuell wieder schweres amerikanisches Kriegsmaterial
an die Grenze zu Polen geschafft wird - mit Erlaubnis deutscher Speichellecker....
..... müßten da für mein Verständnis beim Deutschen Michel nicht
alle Alarmglocken schrillen ob solcher Provolation !!!!!


Am 12. Januar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

ORDER DER GEBÜHRENZAHLER

Die Umstruktuierung ARD-aktuell,
im Dienst der Zahlenden, möglichst schnell!
Die Zeit ist reif, es gilt zu Erneuern!
Maßnahme eins: Herrn Gniffke zu feuern!


Am 12. Januar 2017 schrieb altes Fachbuch:

wer sich bundespressekonferenzen ansieht, erkennt zwischen staat und ms-medien keinen unterschied mehr!!
und wenn es kein mi6-mitarbeiter war, dann war es ein übergelaufener dopinglabor-chef oder eine reporterin, die vor laufender kamera bei RT kündigt etc....

uns regiert der konjunktiv!!


Am 12. Januar 2017 schrieb Engelbert Volks:

Ich kann mich der Meinung, dass die Korrespondenten sich schneckenmäßig in Richtung Sachlichkeit bewegen nicht anschließen , da ich gestern Abend z.B. Den Kommentar von Hermann Krause im DLF hörte, wozu ich dem Sender folgenden Kommentar schrieb:
Sehr geehrte Damen und Herrn,
es ist sehr schade, dass der Kommentar von Hermann Krause vom gestrigen Abend nur als Audio und nicht in Textform auf Ihrer Internetplattform vorhanden ist, denn es wäre toll, wenn man dieses herausragende Produkt des deutschen Qualitätsjournalismus auch noch mal oder gern auch öfter in Ruhe nachlesen und weiter verbreiten könnte.
Völlig zu Recht und viele viele Menschen guten Willens beruhigend stellt Herr Krause fest, dass die ungeheuerlichen Absichten des nur auf Grund russischer Manipulationen gewählten Präsidenten Trump, das Verhältnis zu Russland und zu Putin zu verbessern, bereits gescheitert sind, bevor Trump offiziell ins Amt kommt.
Wo kämen wir auch hin, wenn die Führungsmacht der westlichen Welt und der westlichen Werte sich freundschaftlich annähern würde einer Regionalmacht, geführt von einem Kriegsverbecher, der aus purer Machtgier nicht nur in Syrien Krankenhäuser und Kinder bombardiert, sondern auch die Krim annektiert und den Krieg im Donbass begonnen hat. Darüber hinaus hat Putin mit seinen superreichen Oligarchen und Geheimdiensthackern die Zentrale der demokratischen Partei in den USA cyberkriegsmäßig angegriffen und den von der ganzen freien Welt herbeigesehnten Wahlsieg von Hillary Clinton verhindert. Da der Ex-KGB-Chef Putin natürlich weiß, dass man im Cyber- wie im richtigen Krieg immer mehrere Optionen haben muss, hat er vorsichtshalber auch den sexuell labilen Donald Trump vor geraumer Zeit von Prostituiertenagentinnen in Moskau verführen und dabei filmen lassen, damit der Russe ihn, wenn er denn mal Präsident werden sollte, mit diesen Videos erpressen kann. Wenn ich mich recht entsinne, hat der Russe Ähnliches vor vielen Jahren auch schon mal bei Franz Josef Strauß versucht, wobei diesem auch noch seine Geldbörse mit Westgeld abhanden gekommen sein soll.
Da ist es doch, und das wird von Herrn Krause ja au h ausdrücklich gelobt, dass es im Kongress noch genügend vernünftige politische Köpfe gibt, die den russlandfreundlichen Plänen Trumps wie auch den Cyberkriegsangriffen des Kreml tapfer Paroli bieten, indem sie die Sanktionen gegen das Reich Putins verschärfen wollen, den Westen gegen die ungeheuerliche Aufrüstung Russland auch militärisch wieder auf Augenhöhe bringen wollen sowie die Ostgrenze der NATO durch Verstärkung der Truppen und des Verteidigungsgeräts wieder gegen die Eroberungsgelüste Putins sichern wollen.
Wichtig wäre allerdings auch, wenn ich das noch anmerken darf, dass die USA als westliche Führungsmacht und unser wichtigster Verbündeter endlich seine viel zu lang andauernde Zurückhaltung auf dem Feld der Hybriden Kriegsführung aufgeben würde und FBI, CIA und vor allem NSA endlich personell und finanziell so ausstatten würde, dass sie russischen Cyberkriegern die Stirn bieten und unsere gemeinsamen westlichen Werte sichern könnten.


Am 12. Januar 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

ZU den sog. Korrespondenten fällt mir nur ein:
"Die Ratten verlassen das sinkende Schiff"
... erst mal ganz laaaagsam und vorsichtig!!!


Am 12. Januar 2017 schrieb Andreas Schell:

Danke für den Beitrag, danke insbesondere für die wirklich schlauen "sieben Fragen". Bitte lauter, für jeden hörbar! Das reinigt die Gehirne all derer, die sich ernsthaft für Zukunft interessieren.

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