Die Steigerung von Nix

Gar nix, no News, Zero News

Autor: U. Gellermann
Datum: 28. August 2017

Einmal, vor Jahren oder Jahrzehnten, als Doktor Kai Gniffke, der Chef von ARD-Aktuell mal an einer Journalisten-Schule vorbei kam, wehte ein Satz von schöner Klarheit aus dem Fenster: „Was gestrichen ist, kann nicht durchfallen“ klang es über den Schulhof. Und wenn sonst eher nichts, so blieb dem jungen Gniffke dieser Satz in ewiger Erinnerung. Wenn ich also, dachte der kleine Kai, nichts bringe, kann mich auch keiner kritisieren, genial! Diese wenigen Worten wurden dem Mann zur Lebensmaxime und auch darunter leidet die Tagesschau bis heute. So dauert der Wettbewerb der Redakteure um 15 Minuten mit dem geringsten Nachrichtenwert an. Ich habe heute gar nix zu sagen, ruft der eine tapfer aus. Der andere meint: Ich hab gewonnen, bei mir gab es 15 lange Minuten no, no, no News! Und über allen thront Kai, die Sphinx aus Hamburg-Lokstedt und schweigt dem Zuschauern frech ins Gesicht: Zero News, wer bietet weniger, Zero News, ich kann nie und nimmer durchfallen, Zero News!

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Nichts über die Ukraine, wie üblich

Sehr geehrte  NDR Rundfunkräte, 

die US-Navy hat am 7. August auf ihrer offiziellen Seite bekannt gegeben, dass ihre Bautrupps („Seabees“) damit begonnen haben, hundert Kilometer westlich der nunmehr russischen Halbinsel Krim im ukrainischen Schwarzmeerhafen Ochakiv eine neue Marinebasis aufzubauen und sie mit dem hochgeheimen US-Luftwaffenstützpunkt bei Ochakiv zu verbinden.
Quellen u.a.:
http://www.navy.mil/submit/display.asp?story_id=101829
https://news.usni.org/2017/08/15/u-s-navy-seabees-building-maritime-operations-center-black-sea-coast
http://www.neopresse.com/europa/medienberichte-usa-bauen-militaerstuetzpunkt-in-der-ukraine-nahe-russischer-grenze/
http://www.zerohedge.com/news/2017-08-14/ukraine-hosts-us-military-be-permanently-stationed-its-soil
http://macedoniaonline.eu/content/view/32406/49/
https://life.ru/t/наука/1034331/amierikanskiie_voiennyie_pristupili_k_stroitielstvu_bazy_vms_na_ukrainie

Die neue US-Militärbasis beweist unwiderleglich, dass die USA ihre Truppen für Dekaden in der Ukraine stationieren wollen. Ochakiv ist die US-amerikanische Reaktion auf das Scheitern ihres Versuchs, sich nach dem Maidan-Putsch den russischen Marinestützpunkt Sewastopol auf der Krim anzueignen und Russland noch enger militärisch einzukreisen; hier sind auch wahres Motiv und Ziel der US-Sanktionspolitik gegen Russland zu sehen.
Die  Aktivitäten auf dem benachbarten Luftwaffenstützpunkt Ochakiv stehen im Unterschied zu den Bauarbeiten am Marinehafen unter größter Geheimhaltung. Nur gerade die Koordinaten der Air Base Ochakiv sind greifbar, aber keine Angaben zum Runway, keine Funk-Frequenz, keine Kennung, Adresse, nichts. Satellitenbilder zeigen allerdings am Nordrand Ochakivs eine mehr als 3 km lange, sehr breit ausgebaute Start- und Landepiste.
Der Ausbau der Militärbasis ist fraglos eine scharfe neue Drehung in der Aggressionsspirale. Schließlich verfügen die USA längst weltweit über mehr als 1000 Garnisonen und Stützpunkte. Die Navy-Mitteilung über Ochakiv fand deshalb ein beachtliches Echo im Internet, nicht jedoch in den korporierten westlichen Leit- und Konzernmedien. Die bewegten sich, ARD-aktuell wie immer mittenmang dabei, lieber in der transatlantisch ausgerichteten Schweigespirale.
Das deutsche Interesse, über die Kriegsvorbereitungen in der Ukraine sauber informiert zu werden, müssen wir hier nicht weiter begründen. Dass ARD-aktuell es einfach nicht berücksichtigt und generell kaum noch Nachrichten über die Vorgänge in der Ukraine bringt, stellt einen Verstoß gegen Programmauftrag und Programmrichtlinien des Staatsvertrags dar.

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte,

längst sind Sie angesichts deren Fülle dazu übergegangen, Programmbeschwerden gar nicht mehr eigenständig zu prüfen, gründlich zu beraten und unabhängig darüber zu urteilen, sondern sie einfach als „Anregung“ ans NDR-Management durchzureichen, wo sie dann ohne Verzug im Papierkorb verschwinden. „Dieses Vorgehen ist mit der Rechtsaufsicht des NDR abgestimmt“, ließen Sie uns freimütig wissen. Sie taten damit kund, dass Sie lieber eine Kumpanei mit Behörden eingehen, deren Handeln der öffentlich-rechtliche Rundfunk eigentlich kritisch distanziert überwachen soll, als sich groß Mühe mit den Programmbeschwerden der Zuschauer zu machen. 
Wir gestehen, dass wir es ebenfalls vorzögen, gemütlich im Kreise Gleichgesinnter zu palavern, Spitzentee zu trinken, Kekse zu knabbern und dafür Honorar samt Spesenpauschale einzustreichen, anstatt laufend zu dem begrenzten Vergnügen eingeladen zu werden, auf dem armen Dr. Gniffke herumzuhacken, weil der immerfort Grund dazu gibt. Wir halten ARD-aktuell längst für den Gral des Qualitätsjournalismus, denn in der Tagesschau wird nicht gekocht. Zugegeben, wenn vor den Sportergebnissen brandheiße Informationen über den britischen / dänischen / niederländischen / belgischen / spanischen Monarchenfamilienbesuch gegeben werden oder über die Schwangerschaft sonstiger genetisch wertvoller Leute, dann befallen uns doch mal Zweifel daran. Aber noch werden ja vor dem Wetterbericht keine Rezeptvorschläge gereicht. Das walte der NDR-Rundfunkrat. Das „Flaggschiff der ARD“ bleibt auf Kurs. 

The war must go on...

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer

Das Buch für Doktor Gniffke persönlich
(Sie Autoren signieren auf Wunsch):
http://shop.papyrossa.de/Gellermann-Uli-Klinkhammer-Friedhelm-Braeutigam-Volker-Die-Macht-um-acht


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 29. August 2017 schrieb Günther Mann:

Es hat mich immer schon gewundert, dass täglich auf der Welt genauso viel Wichtiges passiert, wie in die 15 Minuten Tagesschau reinpasst. Dieses Rätsel iat somit gelöst: Kniffge und Co. sieben und priorisieren.
Und gleichzeitig offenbart sich mir die Existenzberechtigung der Royals und anderer genetisch wertvoller Personen: sie dienen dem Auffüllen der 15 Minuten mit menschlichem Vakuum, wenn es in Texas mal nicht regnet.


Am 29. August 2017 schrieb Lutz Jahoda:

BON JOUR, TRISTESSE
Strategiepapier 2017

Abgestimmt mit der Aufsicht des Rechtes,
fest im Drallsog der Schweigespirale,
sammelt im Tropftopf sich nur das Banale
im Sinne des Bundeswahlwunschgefechtes.

Mit Sanftheit und Ruhe ins Wahlgeschehn.
Die Atlantikbrücke eingenebelt.
Einkreisungsthemen kurz ausgehebelt.
Macht Spaß, dennoch heimlich am Kriegsknopf zu drehn.

Das Tagesgeschehen ist einzuöden.
Heiterkeit gerne, und wenn schon Probleme,
dann sicher verwahrt, all das Unbequeme.
So arrangiert sind News für die Blöden.


Am 28. August 2017 schrieb Pat Hall:

Außer dem Insektensterben und den Regenfällen über Texas braucht sich der Bürger weiter keine Gedanken zu machen.
Das Elend kommt etwas später...


Am 28. August 2017 schrieb Otto Bismark:

Bisweilen frage ich mich, wer denn wohl zuerst bemerkt haben mag, daß gegen das Verschweigen eben kein Kraut gewachsen ist. Wie man an dem aktuellen Beitrag erneut deutlich sehen kann, ist dem mit den dafür vorgesehenen Rechtsbehelfen nicht beizukommen. Schlußfolgernd bleibt die Erkenntnis, daß Pressefreiheit nur dann etwas wert ist, wenn freie, d.h. auch von Kapitalinteressen freie Presse überhaupt vorhanden ist. Und da die derzeit fast nur (noch) im Netz existiert, sieht es so aus, als wolle der Innenminister eben diesen Teil der Presse nun an die Kette legen. Der Anfang jedenfalls ist gemacht.

Antwort von U. Gellermann:

Wir denken seit geraumer Zeit darüber nach, wie man auf die scheindemokratische Institution der Rundfunkräte demokratischen Druck ausüben könnte. Immerhin sind diese Räte sowohl eine in den Staatsverträgen festgelegte Kontrolleinrichtung, als auch mit Leuten aus der Gesellschaft besetzt, die eine gewisse öffentliche Rechenschaftspflicht haben. Tine zündende Idee dafür ist uns noch nicht gekommen. Vorschläge werden gern entgegengenommen.


Am 28. August 2017 schrieb Tom Robert:

Ich sehe mir oft auf youtube den Kabarettisten Jimmy Dore an.
In folgendem Video beschreibt er die Misinformationskampagne der amerikanischen Mainstreammedien über den Krieg und die Menschenrechtsverletzungen im Jemen.
https://www.youtube.com/watch?v=VZfYZVR4X2c

Ich verfolge zu wenig die Tagesschau, und die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender, aber ich glaube, dass auch von diesen nicht beschrieben wird, dass Clusterbomben eingesetzt werden und wieviel Kinder auf Grund von Hunger und schlechter medizinischer Versorgung durch die amerikanische Seeblockade sterben.

Wie sehen sie das?

Antwort von U. Gellermann:

Sie haben völlig Recht, das Jemen-Thema wird verschwiegen.

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