Die CIA ist ein Fake

Dr. Gniffke: Agenten sind keine News

Autor: U. Gellermann
Datum: 16. Februar 2017

Schon wieder ein Volontär in der TAGESSCHAU-Redaktions-Sitzung: „Herr Doktor, Herr Doktor, das ist ja erregend! Der CIA steckte hinter den Söldnern in Syrien. Das muss doch sofort enthüllt werden!“ – Dr. Gniffke, Herr über ARD-aktuell: „Ach Du liebes Volontärchen, der CIA ist eine typische linke Erfindung. Die Agentur soll schon in Kuba hinter Mordanschlägen gesteckt haben, angeblich auch in Nicaragua, war sie nicht sogar, nach Meinung der Linken, in die Ermordung J. F. Kennedys verwickelt? Alles nur Verschwörungstheorie. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es die CIA gar nicht gibt, also gibt es auch keine News darüber.“ Lähmendes Entsetzen in der Konferenz. Alle wissen: Auch dieser Volontär wir das Volontariat nicht überleben. Und doch meldet sich der junge Mann mutig: „Aber die TAGESSCHAU-Suchmaschine gibt 369 Treffer im Ergebnis der Eingabe „CIA“. Der Volontär wurde nie wieder gesehen.

Programmbeschwerde
Einseitige Zitatpraxis bei ARD-aktuell:
BILD ja, FT nein /
FT „enthüllt“: CIA der Drahtzieher des Syrien-Krieges
 
Sehr geehrte NDR-Rundfunkräte,

es ist Ihnen mutmaßlich nie unangenehm aufgefallen, wie häufig sich die ARD-aktuell-Redaktion ausschließlich auf das übelste Boulevard-Blatt der Republik beruft, die BILD-Zeitung, wenn dieses Schmierblatt eine vermeintlich „interessante“ Information liefert. BILD wird in Tagesschau, Tagesthemen usw. schamlos als Quelle genutzt und zitiert, was das Zeug hält. Belege gibt die Suchmaschine des „Ersten Deutschen Fernsehens“ kübelweise her, wahllos herausgegriffene Beispiele hier:

https://www.tagesschau.de/inland/fluechtlingszahlen-119.html
https://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr-353.html
https://www.tagesschau.de/inland/hartz-131.html
https://www.tagesschau.de/inland/gauck-385.html

Bemerkenswert ist die Zitierfreudigkeit deshalb, weil es sich jeweils um Informationen handelt, die sich ARD-aktuell jederzeit auch selbst hätte beschaffen und die sie vernünftig hätte vertiefen können, wenn denn die Herrschaften Redakteure noch einen Rest an Selbstachtung sowie ein Gespür für journalistische Eigenständigkeit hätten und außerdem wüssten, wie man ein Telefon bedient.
Auch die Financial Times, fraglos eine wesentlich seriösere Quelle als das Springer-Drecksblatt, gilt der ARD-aktuell gelegentlich als zitierfähig, wenn auch seltener. Und nur dann, wenn die FT nicht das Narrativ der Westlichen Wertegemeinschaft WWG infrage stellt, beispielsweise die Propaganda über den angeblichen „Bürgerkrieg“ der syrischen „Rebellen“ gegen „Machthaber“ Assad. An derart widerwärtiger Legendenbildung hatte sich ARD-aktuell schließlich mit Fleiß und Hartnäckigkeit beteiligt und tut es noch heute, trotz aller Proteste und Beschwerden und Aufforderungen zur Kurskorrektur. Am Wochenende 10.2.17 aber brachte die Financial Times das WWG-Lügengebäude zum Einsturz:
FT enthüllt: die CIA war der Drahtzieher hinter den Söldnern in Syrien. Quelle: https://www.ft.com/content/791ad3bc-ecfc-11e6-930f-061b01e23655
Eine Übersetzung des vollständigen Artikels findet sich hier:
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/02/12/ft-enthuellt-cia-war-drahtzieher-hinter-soeldnern-in-syrien
Kernaussagen:
Das Gerede von „Rebellen“ ist eine Ansammlung von fake news. In Syrien kämpfen Söldner und Terroristen, die von den Geheimdiensten der WWG gesteuert werden. Die Söldner werden von den USA mit Geld und mit Waffen ausgestattet. Obamas Syrien-Politik hat zu einer Verselbständigung der US-Geheimdienste geführt. Der „Tiefe Staat“ in den USA hat die Kriegführung übernommen, konfligent zur politischen Führung des Landes. Die Söldnertruppen in Syrien werden seit einiger Zeit unmittelbar von der CIA mit Geld versorgt. Offiziellen Kreisen in den USA ist bewusst, dass die eigene Regierung völkerrechtswidrig handelt, während das Eingreifen der Russischen Föderation völkerrechtlich gedeckt ist.
Keine neuen Erkenntnisse, gewiss nicht. Aber belegt und in einer als seriös wahrgenommenen und weltweit respektierten US-Zeitung publiziert. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten im Umgang mit Schmutzblättern wie der BILD-Zeitung aber verzichtet ARD-aktuell diesmal auf eine Weitergabe der FT-Informationen ans deutsche TV-Publikum. Ein deutlicher Verstoß gegen den Programmauftrag:
"Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale [...] Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. [...] Ziel aller Informationssendungen ist es, sachlich und umfassend zu unterrichten und damit zur selbständigen Urteilsbildung der Burger und Bürgerinnen beizutragen."
Klingt gut, nicht? Falls Sie noch Bedarf an einem Lagebericht aus und über Syrien haben, der mehr Authentizität und Wahrhaftigkeit für sich beanspruchen kann als die ekelhaften Agit-Prop-Reportagen aus dem ARD-Korrespondentenbüro in Kairo oder die Meldungen der ARD-Zentralredaktion in Hamburg, dann lesen Sie bitte das Interview mit dem flämischen Pater Daniël Maes (78): 
‘Die Medienberichterstattung über Syrien ist die größte Lüge unserer Zeit’. Quelle: http://antikrieg.com/aktuell/2017_02_06_diemedienberichterstattung.htm
Chefredakteur Dr. Gniffke wird sich zwar weder von Informationen beirren lassen, die seinen transatlantischen bzw. Berliner Auftragsbotschaften zuwiderlaufen, noch die Ansichten eines Priesters übernehmen, der den ARD-Qualitätsanspruch als Seifenblase erscheinen lässt. Aber Dr. Gniffke ist ein ehrenwerter Journalist.

Sie erlauben diesbezüglich eine Schlussbemerkung. Unsere Beschwerden betreffen von diesem Chefredakteur zu vertretende relativ überschaubare Fälle von Nachrichtenverfälschung bzw. Nachrichtenunterdrückung. Wir argumentieren mit überprüfbaren Fakten und Hinweisen und bedienen uns einer relativ deutlichen Sprache. Für die Zurückweisung der Beschwerden benötigen Sie dennoch üblicherweise mehr als sechs Monate, in Einzelfällen sogar ein ganzes Jahr. Es kostet offenbar einige Mühe, Sie mit der verlogenen Apologetik des Chefredakteurs zu stopfen und uns dann mit der Nachricht aus dem Schreibautomaten zu beglücken: „Nach intensiver Diskussion und sorgfältiger Prüfung des Sachverhalts weist der Rundfunkrat Ihre Programmbeschwerde zurück. Der Rundfunkrat konnte keinen Verstoß gegen die für den NDR geltenden Rechtsvorschriften erkennen.“ Sich dermaßen vom NDR-Management das Rückgrat verbiegen und das selbständige Denken formatieren zu lassen, muss saumäßig wehtun. Das Honorar für Ihre aufopferungsvolle Rolle ist demnach Schmerzensgeld? Dann lassen Sie aber den NDR billig davonkommen.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. Februar 2017 schrieb Michael Kohle:

Ob Dr. Gniffke schon den Auftrag an die Elphi gegeben hat, für den Großdeutschen Rundfunk die Préludes von Liszt neu einzuüben? Insbesondere jene 50 Sekunden, hier im folgenden Link von 2:10 bis 3:00?Würden sich doch gut machen, diese Töne vor jeder Nachrichtensendung demnächst!

https://www.youtube.com/watch?v=zDEem_aEttE


Am 16. Februar 2017 schrieb Michael Riecke:

Ich bin Hörer von WDR 5. Ein Sender der für sich in Anspruch nimmt, eine eher anspruchsvolle Hörerschaft zu bedienen. In der letzten Zeit wird immer häufiger in den Nachrichten die Bild Zeitung als Quelle genannt. Nach meiner subjektiven Wahrnehmung ein Vorgang, den es in den letzten 5-10 Jahren so nicht gegeben hat. Kann es sein das dies mit der Intendanz von H. Tom Buro oder "neuen" Hörfunk Chefin Fr. Valerie Weber von Antenne Bayern zusammen hängt?


Am 16. Februar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

ZUR CAUSA FAKE
EIN FAKE-VERFECHTER IN ERKLÄRUNGSNÖTEN
(im Duktus leichten Irreseins vorzutragen)

Die Apologetik
zur neuen Ästhetik
der Umdeutungskünste
im Rahmen der Dünste
zwischen Wahrheit und Lüge,
perfekter Intrige,
ist eine Schimäre
der kreuz und der quere
zu errichten -
man könnte auch sagen: kunstvoll erdichten,
was, wenn es fertig ist, unumstößlich,
sozusagen unauflöslich
Bestand haben sollte in Gefechten
zwischen Falschem oder Echtem,
was am Schluss von Fernsehrunden dann
alles oder nichts bedeuten kann.
Nichts wie schnurz.
Es geht auch kurz:
Ein Fake
ist wie ein Veganer-Steak,
das man als Steak isst,
obwohl es ein Fake ist.

Anmerkung des Autors:
Das Kriminelle an diesem jüngsten Trick der Volksverdummung ist: Die Wahrheit zur Falschmeldung umzuformatieren.


Am 16. Februar 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

Mir klingt es noch in den Ohren aus meinen Kindertagen: "Hier ist der Großdeutsche Rundfunk" ... das Ende war dann ein kleines geteiltes Deutschland!
Aus dem "Großdeutschen" kamen nur Hetze und Lügen ... was heute kommt wage ich hier nicht aufzuschreiben!!!


Am 16. Februar 2017 schrieb Hella-Maria Schier:

Ich fühle mich immer häufiger mit der Frage konfrontiert, ab wann eine negative Äußerung über jemanden oder eine Gruppe als Beleidigung gilt und mich teuer zu stehen kommen kann. Ich weiß es nicht und das könnte böse enden, vor allem gegenüber Mediemmachern und vor allem wenn sie Kriegstreiberei betreiben.Muss ich wirklich Gebühren für etwas zahlen, dass meine körperliche Unversehrtheit bedroht??


Am 16. Februar 2017 schrieb marie becker:


FT enthüllt: die CIA war der Drahtzieher hinter den Söldnern in Syrien. Quelle: https://www.ft.com/content/791ad3bc-ecfc-11e6-930f-061b01e23655
Eine Übersetzung des vollständigen Artikels findet sich hier:
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/02/12/ft-enthuellt-cia-war-drahtzieher-hinter-soeldnern-in-syrien"

schon vor langer Zeit wies Alain Gresh in der "Le Monde Diplomatique" auf diesen Sachverhalt hin.


Am 16. Februar 2017 schrieb Engelbert Volks:

Die Lektüre der Programmbeschwerden gibt mir immer wieder Motivation, mich mit den politischen Sendungen der ÖR auseinanderzusetzen. Und da gibt es enorm viel zu tun, insbesondere auch beim DLF, beimWDR oder auch bei Phoenix. Man könnte täglich mehrere zorngetränkte Beschwerden oder Kommentare schreiben.
Hierzu im Folgenden ein Beispiel bezüglich der gestrigen DLF-Sendung "Zur Diskussion" um 19.15 Uhr zum Thema Ukraine.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich höre im DLF gerade die Sendung "Zur Diskussion" über die Ukraine und fühle mich intellektuell beleidigt.
Wenn eine "Diskussion" u.a. Dadurch gekennzeichnet ist, dass unterschiedliche, vielleicht sogar gegensätzlich Meinungen argumentativ ausgetragen werden, ist Ihre Sendung keine Diskussion, sondern eine PR-Veranstaltung, denn alle vier Diskutanten sind vollständig einer Meinung: Russland ist der Aggressor, die Sanktionen müssen bleiben, der Westen muss der Regierung in Kiew helfen. Dies war bei der Auswahl der Diskussionsteilnehmer auch nicht anders zu erwarten.
Daher sollten Sie im DLF-Programm dringend den Titel ändern, damit Hörer wie ich, die noch ein wenig Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien haben, nicht auf eine solche Täuschung hereinfallen müssen.
Ich kann mir hier keine Meinung aus verschiedenen Argumenten bilden, sondern soll offensichtlich von Ihnen eine Meinung gebildet bekommen!
Darüber, ob derart unsägliche Sendungen Ihrem Programmauftrag entsprechen, mögen Sie selbst nachdenken oder ggfs. "diskutieren".


Am 16. Februar 2017 schrieb Jörg Janßen:

"[...] Der Rundfunkrat konnte keinen Verstoß (...) erkennen.?

Auch Juristen in den Staatsanwaltschaften und Gerichten "erkennen" vielerlei Offensichtlichkeiten nicht.

Die Unfähigkeit etwas nicht zu "erkennen" scheint eine - in diesen Kreisen weit verbreitete - kognitive Dissonanz zu sein, welche allerdings arbeitsmedizinisch gesehen nicht zur Frühpensionierung ausreicht.

Wollen wir dennoch für alle hiervon Betroffenen inständig hoffen, dass sie schnellstmöglich die Zeichen der Zeit "erkennen" mögen und sich behandeln lassen - gern auch homöopathisch.


Am 16. Februar 2017 schrieb Andreas Schell:

Lustig: eine lokale Band widmete kürzlich gegen Ende einer Kleinveranstaltung explizit den GEZ-finanzierten Sendeanstalten den "Jailhouse Rock" von Elvis Presley. Ein schönes Happy End, die Bagage einfach einzusperren... So gute Songs in so treffendem Zusammenhang hört man freilich selten im Mainstream, und falls doch, achtet kaum jemand auf Titel oder Text.


Am 16. Februar 2017 schrieb altes Fachbuch:

wenn ich den hier zitierten sendeauftrag mit den inhalten der springer-stiftung vergleiche (http://www.friedespringerstiftung.de/foerder.htm), dann dürfte KEIN blatt dieser mediengruppe als quelle genutzt werden!!
allerdings sitzt auch der herr sauer im vorstand:) regierungsnähe auf niveau von körpertemeratur!!
und der chef des entsorgers alba ist auch dabei, wegen der selbstkritik!!

der ndr und mdr "verbieten" werbespots für eine soz. tageszeitung (junge welt), weil im hintergrund als musik "die kleine friedenstaube" läuft, und parolen wie nie wieder krieg, nie wieder faschismus ertönen! verboten wird nichts, ABER es ist eben nicht erlaubt, politische botschaften im werbeblock auszustrahlen. die bundeswehr wirbt dagegen völlig unpolitisch:) und beide sätze beinhalten riesige unterschiede, und machen gleichzeitig die uns einigende demokratie aus;), die bis zum hindukusch verteidigt werden muss!


Am 16. Februar 2017 schrieb Petra Schneider:

ARD-aktuell wird jetzt ins Umdenken geraten. Aber wo denken Sie denn hin?

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