Der Russe als solcher ist ein Oligarch

Der US-Amerikaner ist einfach nur reich

Autor: U. Gellermann
Datum: 01. Februar 2016

Sie haben schon lange nicht mehr gelacht? Das lässt sich ändern. Lesen Sie einfach den § 5 des NDR-Statsvertrages, der mit „Programmauftrag“ überschrieben ist: „Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.“ Das irre Gelächterwort ist „objektiv“ (unvoreingenommen, nicht von Gefühlen und Vorurteilen bestimmt). Die unermüdliche ARD-Beobachtungsstelle BRÄUTIGAM & KLINKHAMMER hat am Beispiel der TAGESSCHAU-Verarbeitung einer Oxfam-Studie über Superreiche erneut die „Objektivität“ der Nachrichtensendung als Täuschung entlarvt. Und während der Volksmund behauptet, Lachen sei gesund, bleibt einem bei der TAGESSCHAU das Lachen im Halse stecken.

Programmbeschwerde: Tagesschau-Propaganda mittels Wortwahl 62 Milliardäre
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/oxfam-studie-101.html
 
Sehr geehrter Herr Marmor,

wir waren perplex, als wir in der neuesten Ausgabe der NDR-Mitarbeiter-Zeitschrift "Wir im NDR" in dem Gastbeitrag von Brigitte Baetz  "Ein Plädoyer für Qualität" lesen durften:
"....Das Vertrauen in die Medien muss wieder hergestellt werden. Das heißt. dass mehr denn je auf Qualität - im Journalismus und in den Unterhaltungsformaten - gesetzt werden muss. Es muss recherchiert und eingeordnet werden statt nur der offiziellen Agenda der Politik zu folgen. Es braucht mehr nachhaltige Dokumentationen statt der reißerischen Anhäufung von Details schlimmer Ereignisse..."
Das hätte tatsächlich fast von uns sein können. 
Der ARD-aktuell-Alltag ist von den Baetz-Erkenntnissen ja auch noch gänzlich unbelastet:
Das Internet-Produkt der Hauptabteilung ARD-aktuell, „tagesschau.de" vom 18.01. 2016, veranlasst uns entsprechend zu einer weiteren Programmbeschwerde.
Natürlich ist es auch aus unser Sicht völlig korrekt, über die katastrophale Anhäufung privaten Vermögens einiger Super-Milliardäre zu Lasten - der oft hungernden - Weltbevölkerung zu berichten. Aber wie das so häufig bei ARD-aktuell geschieht, mit reißerischem Effekt, Unsachlichkeit, Irreführung, falschen Informationen und propagandistischer Tendenz, "ohne Einordnung und reißerisch“(B. Baetz).
Bitte richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den ersten Satz im Absatz gleich nach dem Vorspann:
„Oligarchen, Ölscheichs und Milliardenerben:" (...)
Es wird der Eindruck erweckt, als bildeten diese drei Personengruppen das Gros der Superreichen, das ist aber sachlich  falsch, weil sie nur eine Minderheit darstellen. Mit keiner Silbe erwähnt ARD-aktuell, dass zwei Drittel der Super-Milliardäre aus den USA kommen.
 Typen wie Bill Gates, Warren Buffett, die Kochs, Waltons, Mark Zuckerberg, George Soros und die Mehrheit der anderen Superreichen auf dieser Liste sind weder Milliardenerben noch Ölscheichs. Sie haben ihre Vermögen selbst zusamengerafft.
Irreführend – und damit verlassen wir den Kritikpunkt der Falschberichterstattung und werfen ARD-aktuell einen weiteren Fall von tendenziöser, manipulativer Berichterstattung vor – ist die Titulierung „Oligarchen“. Der Begriff assoziiert heutzutage in unserem Publikum sofort  „Russen“, denn nur von russischen Oligarchen ist in neuerer Zeit in unseren Mainstream-Medien immer wieder einmal die Rede. Friede Springer oder Liz Mohn als Oligarchinnen abzumalen, würde sich Dr. Gniffkes ARD-aktuell-Truppe sicher nicht getrauen, obwohl der Begriff nicht nur für diese beiden, sondern für gut hundert weitere deutsche Superreiche eine durchaus passende Charakerisierung wäre.
Dass sich unter den 62 von Oxfam zitierten Superreichen gerade mal eine Handvoll Russen und Chinesen befinden, fast zwei Drittel der Gelisteten US-Amerikaner sind und eine gute Dreiviertelmehrheit der Raffkes dem „Westen“ unserer ungerechten Welt entstammt, wird in dem Bericht unterschlagen.
Der propagandistische Zweck der manipulativen Wortwahl ist ersichtlich: Mal wieder Stimmungsmache gegen "den Russen". Gegen Russland. Fein gesponnen ... Ersichtlich ist hier die propagandistische Absicht, weil, wie bereits angemerkt, der ganze Satz zum Verständnis der nachfolgenden Information vollkommen unnötig ist.
Im englischsprachigen Original des Oxfam-Reports ist übrigens das Wort „Oligarch“ nicht zu finden. Auch das abfällig konnotierte „Ölscheich“ nicht, realiter handelte es sich ohnehin nicht um Scheichs, sondern um Emire, Sultane bzw. (Saudi-Arabien) um Könige. Nicht einmal von „Milliardenerben“ ist im Oxfam-Report die Rede.
http://www.oxfam.org.uk/media-centre/press-releases/2016/01/62-people-own-same-as-half-world-says-oxfam-inequality-report-davos-world-economic-forum?intcmp=HPWWLWP_grid_davospr
Unzweifelhaft ist die Absicht der Redaktion, die genannte Personengruppe aus dem bösen Osten und dem kriegerischen Orient in den Vordergrund zu stellen, um - in propagandistischer Extraleistung -  die Mitverantwortlichen für den nach Dollarmilliarden bemessenen Erfolg der viel bedeutenderen westlichen "Wertegemeinschafts- Raffkes" sorgfältig aus dem Blickfeld zu halten: Es sind die politischen Handlanger dieses Geldadels, die mit Auftragsbotschaften abgefüllten Präsidenten, Ministerpräsidenten, Kanzler/Kanzlerin, Finanzminister, deren Steuerpolitik den exzessiven Raubzug der Superreichen erst ermöglichte. Information hat nach dem Verständnis von ARD-aktuell offenbar nichts mit Aufklärung als dienlich zu unabhängiger Meinungsbildung zu tun sondern alles mit einer Wahrung der transatlantisch verbogenen Optik.
Wir betonen es noch einmal: Wir empfinden kein Bedauern, wenn ARD-aktuell den Superreichtum und das von ihm verschuldete Elend der Armen skandalisiert. Wir bedauern nur, dass die Empörung des Publikums absichtlich in eine diffuse Richtung gelenkt wurde.

Wir bitten um Prüfung

Höflich grüßen
F.Klinkhammer & V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. Februar 2016 schrieb Detlef Mitscherling:

Was muss passieren, damit "Die" sich ändern?
Ich weiß es nicht! Doch habe ich immer noch Hoffnung auf politische Veränderung in Deutschland (und Europa). Vielleicht kommt diese auch schon bald, und durch Einflüsse, die zurzeit noch nicht auf unseren Schirmen ist.
Aber ich kann durch die Hoffnung immerhin schon jetzt die Demut in den Gesichtern der Kommentatoren/innen sehen und ich sehe die angestrengte Scheu ihrer Münder, wenn sie morgen genau das Gegenteil von heute erzählen müssen.


Am 01. Februar 2016 schrieb Lutz Jahoda:

Gert Flegelskamp meinen Dank für die ergänzend auffächernde Unterschiedserläuterung zwischen den Reichen Russlands, Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten von Amerika.


Am 01. Februar 2016 schrieb Lutz Jahoda:

"Die Optik, transatlantisch verbogen",
ersetzt elegant das Reizwort Verlogen.
Ob die das in Hamburg zu schätzen wissen?
Ich wette, nein, die bleiben verbissen,
getreu ihrer eingeschliffenen Macke:
Attacke!


Am 01. Februar 2016 schrieb Gert Flegelskamp:

Aber, aber!?
Der Unterschied ist doch offensichtlich. Russische Oligarchen haben ihr Vermögen zusammengerafft, auf Kosten der Bevölkerung. Die westlichen Reichen sind aber im Herzen alle Philanthropen, das weiß ich, seit ARTE dazu eine 4-teilige Doku gebracht, wovon heute noch ein Teil mit dem Titel "Das Milliardenversprechen" auf YouTube (https://www.youtube.com/watch?v=sSEuSMRRwA4) zu finden ist.
Daher weiß ich, die westlichen Reichen sind anders. Sie verschenken ihr Vermögen, so wie Warren Buffet, Bill Gates und andere, die Baronin Rothschild, David Rockefeller, die Bertelsmänner usw.
Um nicht missverstanden zu werden, sie verschenken ihr Vermögen nun nicht an die Leute auf der Straße, die dieses Geld ja ohnehin nur verpulvern würden, sondern an Stiftungen, die sie dann auch selbst leiten. Das spart Steuern, die man dann in wohltätige Unternehmungen stecken kann, statt in unsinnige Sozialtransfers der Staaten. Schauen wir doch nur auf die Bertelsmann-Stiftung. Die tut doch nur Gutes und das weltweit. So stiftet sie Schulen kostenlos Lehrmaterial, das den Schülern hilft, die Welt richtig zu verstehen, so, wie sie politisch korrekt verstanden werden soll. Oder die Rockefeller-Foundation, die in Entwicklungsstaaten intelligente junge Menschen unterstützt, Gentechnik nicht nur zu verstehen, sondern auch aktiv daran mitzuwirken. Oder die Bill und Melinda-Gates-Foundation, die mit breit angelegten Impfkampagnen in der Dritten Welt aktiv ist und natürlich sind es Verschwörungstheorien, die behaupten, in diesen Impfpräparaten könnten sich auch andere und weniger nützliche Substanzen verbergen.
Die Bill und Melinda Gates Foundation hat zusammen mit der Rockefeller Foundation die Errichtung einer Saatgutbank in Spitzbergen (Norwegen), zusammen mit der Monsanto Corporation, der Syngenta-Stiftung und der norwegischen Regierung betrieben, ein Hochsicherheitstrakt. Das könnte sicherlich nützlich sein, wenn das mit der Genmanipulation doch so richtig in die Hose geht. Auch der Ruf von Monsanto, an der vermutlich Gates, Rockefeller und einige andere Aktienpakete besitzen, ist doch bloß eine Folge böser Gerüchte. Sie wollen doch nur das Beste, wobei ich noch nicht ganz verstanden habe, ob von oder für die Allgemeinheit.
Aus dem Fernsehen wissen wir, die westlichen, vor allem die US-Reichen sind allesamt Philanthropen. Das unterscheidet sie von den Oligarchen. Sie haben ihre Vermögen doch nur angehäuft, um denen, die nichts oder wenig haben, zu helfen, z. B. durch Unterstützung der Tafeln. Sie genießen in den USA hohes Ansehen, weil sie so spendenfreudig sind und wen interessiert da noch, wohin die Spenden real fließen und ob der Terminus "Stiftung" nicht vielleicht doch nur ein stiften gehen vor Steuerzahlungen und offizieller Kontrolle ist?
Und das es auch unter den Oligarchen Russlands Gute gibt, beweist doch der Fall Chodorkowski, dessen einziges Verbrechen es doch lediglich war, dass er seine Firma an westliche Konzerne (gegen einen kleinen 9- bis 10-stelligen Obolus) abgeben wollte, weil nur die wissen, wie man mit Geld zum Wohle aller umgeht. Oder habe ich auch da was falsch verstanden??


Am 01. Februar 2016 schrieb Renate Frerichsen:

Richten Sie doch bitte den Herren Klinkhammer und Bräutigam meinen besten Dank aus. Niemand im Netz mach so deutlich, wie die ARD und die TAGESSCHAU manipulieren. Und mit dem großen Öffentlich Rechtlichen Apparat wir die allgemeine Medienmanipulation exemplarisch belegt.

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