Der Maas aller Dinge

Tagesschau übernimmt AA-Grammatik

Autor: U. Gellermann
Datum: 23. April 2018

"Herr Doktor, Herr Doktor!" Atemlos kommt einer der Tagesschau-Redakteure in das Büro von Doktor Gniffke, dem Redakteur von ARD-aktuell. "Herr Doktor, gerade haben wir aus dem AA, dem Auswärtigen Amt eine interne Nachricht, nur für uns bestimmt bekommen. Da steht, dass wir dem nächst bei den Meldungen über Herrn D. Maas, den Außenminister, immer den Zusatz 'Der Maas aller Dinge" verwenden sollen, möglichst als Überschrift. Das ist doch grammatikalisch falsch. Es muss doch heißen 'Das Maß aller Dinge.'

Ernst und bedächtig schaut Dr. Kai Gniffke über den Rand seiner Kassenbrille: "Erstens ist der Herr Außenminister nicht sächlich da kann es schon mal nicht DAS Mass heißen. Und zweitens irrt das Amt für Auswärtiges nie, also auch nicht grammatikalisch. So bleiben wir schön dabei: Unser Heiko ist DER Maas aller Dinge.!" Niedergeschlagen aber eines Schlechteren belehrt verlässt der Redakteur den Tagesschau-Macher. Da geht es ihm wie der Zuschauern, jeden Abend und auch zu anderen Zeiten.


Opportune Zeugen und Maas als bester Außenminister aller Zeiten (BAaZ)
von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-diplomatie-107.html

Die informationelle Arbeit der Redaktion ARD-aktuell (Tagesschau, Tagesthemen usw. und die Angebote im Internet) ist gesetzlich in einem Staatsvertrag geregelt. Demgemäß ist ARD-aktuell verpflichtet, "objektiv" "unparteiisch" und orientiert an den Grundsätzen der "Meinungsvielfalt" zu berichten. Die Onlineangebote sollen den Rundfunkteilnehmern über die TV-Sendungen hinaus "hochwertige Inhalte" zur zeitsouveränen Nutzung und ohne zusätzliche Kosten bieten.
Der kritische Blick auf Tagesschau.de zeigt, dass diese gesetzlichen Vorgaben den "Qualitätsjournalisten" völlig gleichgültig sind. Sie machen auch in den Internet-Darbietungen nur das, was sie können: Hofberichterstattung. Chefredakteur Dr. Kai Gniffkes Qualitätsjournalisten-Truppe übt sich in Distanzlosigkeit zur Bundesregierung.

Am 17. April 2018 präsentierte die Redaktion einen Artikel mit dem Titel "Was kann Deutschland in Syrien bewegen". Das Konstrukt enthält keinen einzigen Gedanken, der von ARD-aktuell eigenständig entwickelt wurde. Es ist die bloße Aneinanderreihung von "Experten"-Statements. Auf diese Weise sollen Fachlichkeit behauptet sowie der Anschein von Objektivität und Vielfalt vermittelt werden. Zu Wort kommen Guido Steinberg, Stefan Meister, Kerstin Helberg und Reinhard Krumm. Wahrlich eine eindrucksvolle Riege von Wissenschaftlern.

Steinberg ist Meinungsmacher und Berater in der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Diese “Denkfabrik” der Bundesregierung wird nahezu ausschließlich aus Steuermitteln finanziert, und gut drei Viertel ihres wissenschaftlichen Personals sind sogenannte Transatlantiker. Ganz gewiss keine neutralen Gutachter, sondern Transporteure von Auftragsbotschaften. Bereits 2011 plante Steinberg "The Day After" für Syrien und unterstützte Terroristen, die Assad beseitigen wollten.

Stefan Meister gehört zum Think Tank "Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik", gegründet von den Altnazis und Arisierungsgewinnlern Abs und Pferdmenges, engsten Beratern Konrad Adenauers.

Kerstin Helberg ist Unterstützerin der gewaltaffinen Regime-Change-Initiative „Adopt a Revolution“, die vom Ausland aus den bewaffneten Kampf gegen die syrische Regierung begleitet.
Von ihrem Mitglied R. Krumm einmal abgesehen handelt es sich also um eine Experten-Gruppe, die bekannt ist für ihr politisches Hardcore-Profil: Stramm gegen Russland und Syrien, immer bereit, für militärische Einmischung zu werben. Nicht zum ersten Mal bietet ARD-aktuell diesen einseitigen Meinungsmachern ein Forum. Dem Publikum wird damit nicht Aufklärung geboten, sondern es wird einer Art intellektueller Vergewaltigung unterworfen.
Die auf tagesschau.de im Artikel “Was kann Deutschland in Syrien bewegen?” angewandte Methodik ist vom Medienwissenschaftler Lutz M. Hagen bereits 1992 als miese Manipualtion entlarvt worden: Mit dem Ausdruck „opportune Zeugen“ bezeichnet er die gezielt einseitige Auswahl und Zusammenstellung von Einschätzungen/Meinungen Dritter zu einem Informationskomplex. Medienbeiträge werden damit zu Trägern von Tendenzen. Der Journalist muss bei dieser Verfahrensweise sich selbst bzw. seine eigenen Einschätzungen gar nicht mehr preisgeben, er muss nicht selbst Position beziehen, sondern lässt das die ausgesuchten Experten für sich erledigen. Genau das ist im vorliegenden Beitrag passiert. Dr. Gniffke führt sich nicht offen als “his masters voice” auf, er übt regierungsfrommen Konformismus, indem er es regierungsnahen "Experten" überlässt, Meinungen zu verkünden, die ganz auf seiner und Berlins russenfeindlicher Redaktionslinie liegen.

Offensichtlich ist das Ziel dieses Beitrags, Heiko Maas ins positive Rampenlicht zu stellen. Die tagesschau -de-Kundschaft soll den Eindruck gewinnen, dass es sich beim neuen Außenminister um etwas ganz Besonderes handelt. Zitat: "Er hat keinen persönlichen Russlandbezug und ist ganz anders als Frank-Walter Steinmeier historisch und auch emotional nicht an die alte Ostpolitik des Ausgleichs mit Russland gebunden." Maas sei stattdessen stark geprägt durch Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und durch Menschenrechtsfragen." (Ob der Bundespräsident nun endlich einsieht, dass er ein ungenügendes Rechtsstaatsverhältnis hat und tumb in Menschenrechtsfragen ist?)

Das Lob über sein Agieren beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg wirkt wie blanker Personenkult, und zwar schon weit jenseits der Ekelgrenze. Maas bekommt das Image des agilen “Machers” und erfolgversprechenden Hardliners gegenüber Moskau verpasst. Bei dieser propagandistischen Darstellung geht es nicht ab ohne Verdrängung wesentlicher Fakten und dem Ignorieren von Sinnzusammenhängen.

Ganz abgesehen von einer grundsätzlichen Überlegung: Maas hat sich bereits als Justizminister als reichlich inkompetent, dafür aber umso geltungssüchtiger erwiesen. Seine vermeintliche Großtat in diesem Amt, das zensurverdächtige Netzwerk-Gesetz, ist wahrscheinlich verfassungswidrig und liegt zur Prüfung in Karlsruhe. Als Novize im Außenamt erweist er sich nun nicht als kluger Politiker, der erst einmal lernt und aufnimmt, sondern als einer, der schon seit seinem ersten Amtstag die Klappe aufreißt bis hinter die Ohren. Ein Typ, der vor Kraft nicht laufen kann. Zum Beispiel meinte er, der Raketenangriff der USA, Frankreichs und Großbritanniens auf Syrien sei gerechtfertigt und angemessen, die drei Angreifer hätten zu diesem Mittel greifen müssen, weil Russland den Weltsicherheitsrat “blockiert”. Reicht das nicht als Nachweis für ein vollkommen verrottetes Verständnis von Rechtsstaatlichkeit und Völkerrecht?

Mit seinen Sprüchen und seiner unglaublichen Überheblichkeit, stand Maas beim Außenministertreffen in Luxemburg jedoch in bis ganz auf die Schuhe heruntergelassenen Hosen da: Die Mehrheit seiner EU-Kollegen lehnte es ab, den Amerikanern, Briten und Franzosen einen Persilschein für ihre Völkerrechtsverletzung auszustellen. Maas versagte auf ganzer Linie und spielt im Chor der Europäer allenfalls eine Statistenrolle. Eine grottenschlechte.
https://www.heise.de/tp/features/Der-Militaerschlag-spaltet-die-EU-4025369.html
Was machte ARD-aktuell aus dieser außenpolitischen Pleite auf zwei kurzen Beinen? Die Redaktion entblödete sich nicht, diese diplomatische Null als eine Art Außenamts-Messias zu vermarkten und die Information über das Maas-Versagen auszublenden. ARD-aktuell betreibt Desinformation, Manipulation und Hofberichterstattung. Das Gegenteil von "hochwertiger" Information, wie sie im Staatsvertrag vorgeschrieben ist.
„Eine Halbwahrheit ist eine ganze Lüge.“ (Jüdisches Sprichwort).


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 25. April 2018 schrieb Friedhelm Klinkhammer / Volker Bräutigam:

Lieber Herr Kohle,

Eine Kapitulation wurde nicht erklärt und ist auch nicht beabsichtigt. Nur ein Strategiewechsel. Wir üben weiter öffentliche Kritik an ARD-aktuell-Angeboten. Wer diese Kritik übernehmen und in Form einer Programmbeschwerde einreichen will, kann das jederzeit tun. Wie es geht und wer die Adressaten dafür sind, müsste inzwischen bekannt sein.

Wir haben mehr als 400 Programmbeschwerden an die Rundfunkräte gerichtet, zumeist an die des NDR. Jede dieser Beschwerden war zugleich eine Einladung ans Publikum, sich entweder anzuschließen oder selbst aktiv zu werden. Da sie aber fast ausschließlich von uns kamen, lag bald das Missverständnis nahe, es handle sich lediglich um eine persönliche Angelegenheit zweier ehemaliger NDR-Beschäftigter. Entsprechend marginal war der Umgang des Senders mit unseren Beschwerden.
Wir haben lange überlegt, aber dem überwältigenden Eindruck konnten wir uns nicht länger entziehen, dass unsere Aktivitäten auch einen kontraproduktiven Zug hatten: Stellvertreteraktion. Eben weil wir sie verfasst und veröffentlicht hatten, empfanden viele Leser das als Entlastung von dem Anspruch an sich selbst, Widerspruch gegen die gezielte Mangelhaftigkeit der Informationsangebote einzulegen.
Sie kommen selbst zu diesem Schluss: „Wir hätten den Widerstand ausdehnen müssen....“

Nun, dazu besteht immer noch Gelegenheit. Wenn unsere Programmkritiken dazu genutzt werden, sie in Beschwerdeform beim zuständigen Rundfunkrat vorzulegen, wäre das ein Fortschritt. Noch besser wäre natürlich, das Publikum würde sich eigenständig aktiv und kritisch mit dem Angebot von ARD-aktuell auseinandersetzen, es gäbe fast täglich reichlich Anlässe dafür.


NB: Ihre Zuschrift, lieber Herr Kohle, steht unter unserer Programmkritik mit dem Titel
Opportune Zeugen und Maas als bester Außenminister aller Zeiten (BAaZ). Dass unsere Namen darunter fehlen, ist nur versehentlich passiert. Der Text kann jederzeit von jedermann zu Beschwerdezwecken beim Rundfunkrat verwendet werden.


Am 24. April 2018 schrieb Michael Kohle:

Mir geht es wie Götz Heinrich. Jetzt wo sie nicht mehr da sind, fehlen sie mir nicht nur die Programmbeschwerden, sondern bin erschüttert über die totale Kapitulation.

Anstatt den Widerstand einzustellen, hätten wir ihn ausdehnen müssen. Da hätte ja nicht unter jeder Beschwerde K&B oder MM stehen müssen. Nehme an, es gäbe viele, die ihren guten Namen als Absenderadresse spendieren würden.

Bezweifle zwar, dass das Beispiel von Jericho I mit den Pauken und Posaunen bei dem fiesen System Jericho II was nutzt. Aber diese Dummtröten vom Rundfunkrat aus der Verantwortung entwischen zu lassen, stetig ihre Inkompetenz beweisen zu müssen, das kann doch auch nicht die Lösung sein.

Also K&B, bitte bitte, zurück ans Reissbrett! Und mein alter Gedanke steht immer noch ignoriert im Raume. Es gibt einen Bund der Steuerzahler, einen Verrband für Bahnnutzer, mindestens einen für jeden anderen, überflüssigen Hafenkäs. Aber einen für die gedemütigten ÖR-Gebührenzahler, den gibt es nicht. Sowas, aber auch!


Am 24. April 2018 schrieb Hella-Maria Schier:

Man sollte mal eine Umfrage machen: Guten Tag, wie wichtig ist es Ihnen und Ihrer Familie in Syrien "etwas zu bewegen", welches persönliche Interesse haben Sie daran, dass Assad beseitigt wird und würden Sie dafür auch Ihr Leben und das Ihrer Kinder riskieren falls der Konflikt eskaliert, und natürlich sich um die entstehenden Flüchtlingsströme kümmern wollen ? Überlegen Sie genau. Was haben Sie mit Assad zu tun? Ist Ihnen schon aufgefallen, dass andere Unrechtsregime, die aber dem Westen nützen, nicht bekämpft werden? Meinen Sie, das aussenpolitische Handeln unserer Rwgierung geschieht zu Ihrem Nutzen?"
Man braucht gar nicht altruistisch zu sein, jeder Funken von gesunden Überlebenswillen muss einem Deutschen und anderen Europäer, der noch alle Tassen im Schrank hat, von der Kriegspolitik des Westens abhalten.
Wenn ich die Leserkommentare lese, sogar beim Springerblatt "Die Welt, lese ich fast nur Äusserungen gegen den Krieg.
Die Regierung kümmerts nicht.Sie spielt im Verein mit den transatlantischen Medien unbekümmert mit unseren Leben - darf sie das?? Nein! Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, eine Beleidigung der Demokratie. Sie hat geschworen zum Wohle des deutschen Volkes zu handeln und sein Leib und Leben zu schützen. Und das verträgt sich ganz prima damit, das Leben und die Heimat der Syrer zu schützen. Das verlogene heuchlerische Gutmenschentum der westlichen Werteverteidiger hingegen nicht. Die Werte sind durchaus real. Aber man sollte mal einen genaueren Blick auf sie werfen, dann wird sich die Romantik schnell verflüchtigen


Am 23. April 2018 schrieb Lutz Jahoda:

Auch in gut geschneiderten Maßanzügen,
bleiben Halbwahrheiten ganze Lügen.


Am 23. April 2018 schrieb Götz Heinrich:

Ich vermisse die Programmbeschwerden. Sie haben war nichts genutzt, waren aber immerhin eine Geste des Widerstandes. Zumindest hätten sie als Fanal in einer Aktion münden können.

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