Das Versagen der JUNGEN WELT

Aufforderung zu einem offenen Gespräch

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. September 2015

Die JUNGE WELT ist eine wichtige linke Zeitung. Nicht wenige ihrer Autoren sind für die linke Öffentlichkeit unverzichtbar. Bei anderen wiederum muss die Frage gestellt werden, was denn für sie links ist. Die Autorin Christel Buchinger* hat diese und andere Fragen in einem Essay fomuliert, der über den JUNGE WELT-Komplex hinausgeht. Leider gab es auf ihren Text von der JUNGEN WELT keine Resonanz. Wie die Zeitung auch einer ganzen Reihe anderer Leser keine Möglichkeit zur Diskussion gab und gibt.

Die RATIONALGALERIE will der notwendigen Debatte Raum verschaffen. Wenn das in der Rubrik SCHMOCK geschieht, dann zum einen, weil die Site technisch nicht sonderlich gelenk ist und keinen anderen Platz bietet. Zum anderen, weil manche Artikel der JW in den letzten Monaten tatsächlich ziemlich verschmockt waren.

Über eine Beteiligung an der Debatte würde ich mich sehr freuen. Und natürlich auch, wenn Kolleginnen und Kollegen der JUNGEN WELT ihre Meinung äußern wollten. 

Uli Gellermann

DER TEXT VON CHRISTEL BUCHINGER

Ich habe die Junge Welt gekündigt, weil sie ausgerechnet an Brennpunkten der politischen Entwicklung versagt, wo es gerade heute bedeutsam ist, genau hinzuschauen, in die Tiefe zu gehen, zu recherchieren, zu diskutieren, zu fragen. Ich spreche damit neben der Berichterstattung zu Griechenland, das völlige Versagen beim Thema Geschlechterverhältnisse an, vor allem aber den "Friedenswinter". Ich will den Umgang mit dem Friedenswinter, respektive mit den Montagsmahnwachen, kritisch beleuchten, wissend, dass die Junge Welt auch diese Meinungsäußerung dazu nicht ernst nehmen wird. Wer Rainer Rupp dermaßen abblitzen lässt (1), schert sich um die Meinung einer ehemaligen Leserin nicht.

Bei Friedenswinter und Montagsmahnwachen deutete sich eine neue Entwicklung an, Bewegung und Aufruhr entstanden, ohne dass, wie es traditionell der Fall ist, die Linke ihre Finger im Spiel hatte. Im Gegenteil: die Bewegungen entstanden gerade auf diese Art und Weise, weil die Linke sich vor entscheidenden Auseinandersetzungen und Zuspitzungen drückt, den Kampf um Gegenhegemonie zum Neoliberalismus und zur Kriegstreiberei geradezu verweigert. Das betrifft die ganze Linke, nicht nur die gleichnamige Partei. An dem Eindruck, dass der Kampf um Gegenhegemonie verweigert wird, ändern auch die aufgeblasenen Backen von Monty Schädel und anderen Helden nichts. Weil ein Vorwurf und eine Begründung, warum man sich von den Veranstaltungen fernhalten muss, der auch von der Jungen Welt wiedergegeben wird, jener ist, unter den Demonstranten und Aktivisten des Friedenswinters und der Montagsmahnwachen befänden sich Verschwörungstheoretiker, beginne ich mit einer Verschwörungstheorie.

1. Verschwörungstheorie im Selbstversuch

Größeren Katastrophen gehen oft Vorwarnungen voraus. Kleine Erdbeben kündigen große an, der Vulkan spuckt und raucht, bevor er ausbricht. Und so waren die Herrschenden gewarnt. Der erste Warnschuss hieß Stuttgart 21.
Viele Menschen aus Stuttgart und Umgebung engagierten sich gegen dieses Bahnprojekt, gingen auf die Straße, zogen nach Berlin, dachten sich phantasievolle Aktionen aus, gingen so weit, neue Aktionen des zivilen Ungehorsams zu erproben, zum Beispiel Bäume zu besetzen. Der Protest strahlte in das ganze Land aus. Er traf tief und breit in die Gesellschaft, erfasste viele Menschen, auch weit über die Region hinaus. Die Kritik war fundiert, sie berührte in Einzelfällen gar das Gesellschaftssystem als ganzes. Und der Prostest ist immer noch nicht zu Ende, kann jederzeit wieder ausbrechen, die Aktivisten sind noch nicht geschlagen. (2)

Dann kamen die Montagsmahnwachen. Der Protest entzündete sich an der Ukraine-Krise. Hier ging es nicht nur um einen Bahnhof.
Die Herrschenden sahen sich einer neuen Gegnerin gegenüber. Aus dem Nichts war eine Bewegung aufgetaucht, die üblichen Verdächtigen, Linke, Friedensgruppen waren nicht beteiligt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren ähnlich empört wie die in Stuttgart, der Initiator politisch ein unbeschriebenes Blatt. Und es kam noch schlimmer: ohne organisatorischen Rückhalt durch gewachsene Strukturen, Parteien, Gewerkschaften breitete sich die Bewegung über das ganze Land aus. Es kamen einfach Leute aus allen Löchern, versammelten sich und protestierten. Zum Höhepunkt waren jeden Montag mehrere tausend Demonstranten auf den Beinen. Ähnlich wie bei den Occupy-Protesten durfte jede reden, die wollte. Und sie redeten. Gutes und Krauses. Unbekannte und Promis waren da. Auffallend viele Frauen gingen einfach ans offene Mikro und redeten los, was sie dachten und was sie erlebt hatten.
Man kann sich den Unmut vorstellen, den diese Friedensinitiative bei den Mächtigen, den Kriegstreibern, den Oligarchen, den Rüstungsgewinnlern und ihren Bütteln in Politik und Medien hervorrief. Die schöne Farbenrevolution, der Menschenrechtsaufstand wurden desavouiert. Der gut und von langer Hand vorbereitete Regimechange, das Herausbrechen der Ukraine aus dem Einfluss Moskaus war öffentliches Thema und wurde ungestüm kritisiert. Offen wurde gemacht, dass es um Krieg und Frieden ging, und das bunte Völkchen, das, wie sagt man doch gleich, aus der Mitte der Gesellschaft kam, verweigerte offen die Gefolgschaft. Dabei war alles so schön vorbereitet. Nicht dass die Herrschenden fürchten müssten, wirklich einen Fight zu verlieren, aber der Angriff ging auf den Kernbereich der Macht, aufs Ganze.
Die Herrschaft der staatsmonopolistischen Oligarchie ist selbstverständlich noch nicht angefochten, alle Herrschaftsinstrumente sind fest in ihrer Hand, sie sind waffenstarrend, sie bauen ihre Geheimdienste aus, die Polizei wird paramilitärisch aufgerüstet. Aber sie spüren, dass ihre Hegemonie, ihre Herrschaft über das Bewusstsein der Menschen, in Frage gestellt wird. Die logische Reaktion war, die Medienwalze in Bewegung zu setzen. Da kam Jutta Ditfurts Aufschlag gerade recht: da versammeln sich Antisemiten, glühende sogar, Verschwörungstheoretiker und Querfront-Anhänger und tarnen sich als Friedensbewegung! Damit gab sie die Stichworte für die Medien. Alle (fast alle) plapperten nach, kaum jemand bemühte sich hin und befragte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder die Organisatoren, recherchierte und bewertete aufgrund von Kenntnis. Das Foto eines Nazis, der ohne Fahne oder Umhängeschild in der Menge stand, reichte. Ein Shitstorm der Medien brach los.
Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wiederum führte das zu neuer Erkenntnis der Manipulationsmacht der Medien. Viele Linke aber verjagte er gänzlich in die Mauselöcher. Um Gottes Willen nicht wieder Anlass für den Vorwurf des Anitsemitismus geben!
Ob Ditfurth wusste, wessen Geschäft sie da betrieb?
Weiter ging’s: Die Mahnwachen sind von der NPD initiiert, werden von ihr als Friedensbewegung 2.0 bezeichnet. Praktischerweise tauchte Elsässer als Redner auf, der Querfrontler, der mit Ultrarechten paktierte, dem die Nähe zu Nazis nichts ausmacht. Über Mährholz wurde enthüllt, dass er dereinst einer merkwürdigen Journalistenvereinigung angehörte, die von einem deutschnationalen Burschenschaftler gegründet worden war. Und Ken Jebsen wurde beim Rundfunk gefeuert, weil man ihm Antisemitismus vorwarf. Der Vorwerfende war damals Henryk Broder.
Antisemiten, Nähe zu Nazis, das ist normalerweise ein politisches Todesurteil. Aber die Bewegung gab nicht klein bei. Die Vorwürfe wurden zurückgewiesen, entkräftet, relativiert. Die Bewegung ging weiter, wurde größer. Die Hatz auch. Da blieben noch zwei scharfe Waffen für die Obrigkeit. Erstens die Spaltung und zweitens …
Zum ersten Punkt, der Spaltung wollen wir später kommen. Beginnen wir mit der zweiten Waffe: die Gründung einer neuen Bewegung, die geeignet ist, alle weiteren Bewegungen dieser Art zu diskreditieren und ganz nebenbei die vorhandene Wut der Menschen auf die Verhältnisse auf AusländerInnen und Muslime umzuleiten.
Man nehme: eine geklaute Idee (Mahnwachen) oder eine Idee, die im ersten Anlauf schief ging (Hogesa), ein paar V-Leute, Staatsknete, ein Thema (Angst vor Islamisten), lasse aber auch andere Themen zu, z.B. Kritik an den Medien.
Man suche sich einen Ort aus, am besten im Osten Deutschlands, dort ist die rechte Szene stark.
Über die sozialen Netzwerke wird der Aufruf lanciert. Erste Aufmärsche werden von der Presse hochgeschrieben, das ganze von Rundfunk und Fernsehen mit einer Mischung aus Grusel und Neugier übergossen. Immer mehr Demonstranten nahmen teil, tausende waren es schnell, die Zahl Zehntausend wurde überschritten. Es gibt genügend Unzufriedene. In anderen Städten ging´s weiter: wiederum ein paar V-Leute, Geld, Medienrummel. Die Vorwürfe von Medien und Politik waren die gleichen wie bei den Montagsmahnwachen: Rechtsradikale und Antisemiten, Rassisten und Fremdenhasser. Da die Nazis zu den Demos mobilisierten, war das stimmig. Was die Masse der Demonstrierenden wollte oder dachte, wer wusste das? Angereichert wurde noch durch Todesdrohungen durch Antideutsche gegen den sog. Initiator Bachmann.
Und dann der Knaller: Bachmann, einer der Strippenzieher erschien im Internet als Hitlerimitator und verbreitete auf seinem Facebook-Account bösartige, rassistische Sprüche gegen Flüchtlinge. Beweis erbracht. Beweis organisiert. Die Demonstranten wurden weniger, die Nazis übernahmen und bekräftigten damit den „Beweis“. Bachmann trat erst zurück, kam dann wieder.
Im Folgenden wurden Montagsmahnwachen mit Pegida und seinen Ablegern konsequent in einen Topf geworfen. Das war’s.
Das alles wäre leicht durchschaubar gewesen, wenn es nicht die Flankierung von links gegeben hätte. Sie verlieh dem Schmierentheater Glaubwürdigkeit. Wenn Bildzeitung, Welt, Zeit, Linke und Friedensaktivisten das gleiche sagen, muss es ja stimmen. Den Friedenswinter diskreditieren mittels Montagsmahnwachen, das kann nur die Linke selber leisten. Deshalb kommen wir jetzt zur ersten oben genannten Waffe, der Spaltung.
Auch hier stand am Beginn Jutta Ditfurth. Sie gilt als Linke. Ihr Angriff galt vordergründig Jürgen Elsässer. Sie zielte auf Elsässer, aber sie meinte die Friedensdemonstrantinnen und -demonstranten. Jürgen Elsässer hat seine politische Karriere ganz links begonnen, beim Kommunistischen Bund, er publizierte bei der linken Tageszeitung Junge Welt. Inzwischen ist sein Markenzeichen die Vermischung von linken und rechten Positionen. Er ist ein Rechter, aber kein Nazi. Ihn als „glühenden Antisemiten“ zu bezeichnen, war völlig überzogen. Wer es dennoch tut, will nicht kritisieren, sondern eine Kampagne eröffnen. Und das war dann auch der Fall. An ihr beteiligten sich Antideutsche, die sich selber als links bezeichnen, aber kaum dieser politischen Seite zugerechnet werden können, es beteiligten sich aber auch Linke aus der Partei DIE LINKE und aus der Friedensbewegung; es beteiligten sich ebenso linke Presseorgane wie das Neue Deutschland, die Junge Welt oder die linksliberale Wochenzeitung Freitag sowie die Zeitschrift konkret. In Facebook und in Blogs waren der Shitstorm kaum noch zu überschauen. Ein Grundmuster war das „In einen Topf werfen“. Pegida und Montagsmahnwachen, Elsässer und Jebsen, Pegida und Friedenswinter. Ein anderes war der Angriff auf alle, die es wagten, die Vorwürfe zu relativieren oder gar sich an den Montagsmahnwachen zu beteiligen. Die Jungle World schrieb: „Na, von wem ist hier die Rede? Vom Pegida-Mob oder vom Mahnwachen/Friedenswinter-Mob? Von beiden! So groß ist der Unterschied nicht. Der Friedenswinter ist Pegida für Linke und Pegida die Mahnwachenbewegung für Rechte.“ Die Partei DIE LINKE fasste schnellstens Unvereinbarkeitsbeschlüsse wie seinerzeit die alte Tante SPD: Wo Montagsmahnwachen drin sind, wird von der Partei nicht finanziell unterstützt. Einzelne Linke, die sich über den Bannfluch hinwegsetzten, waren Angriffen ausgesetzt. Es traf zum Beispiel Prinz Chaos II., Pedram Shahyar, Dieter Dehm und Heike Hänsel, die bei den Mahnwachen auftauchen, sowie Friedensaktivisten wie Reiner Braun, der das Gespräch und die Zusammenarbeit suchte. Wer sich den Montagsmahnwachen, und sei es auch nur interessiert, näherte, wurde sofort angegriffen. Viele zogen den Schwanz ein. Die Unvereinbarkeitsbeschlüsse von diversen Friedensinitiativen folgten.
Nun war es ein Leichtes den Friedenswinter in aller Gemütsruhe ebenfalls fertig zu machen. Das schafften Linke ganz allein. Da mussten die Medien gar nichts mehr tun. Die ersten Erklärungen zur Nichtteilnahme am Friedenswinter von VVN bis DKP verhallten medial, aber nach innen hatten sie Wirkung. Auch Tobias Pflügers Distanzierung war sicher wirksam. Im Ergebnis war die alte , linke Friedensszene gespalten, der Friedenswinter konnte nicht die notwendige Kraft entfalten. Das Spiel der Herrschenden war aufgegangen.

2. Verschwörungen

In Deutschland ist „Verschwörungstheoretiker“ ein Schimpfwort. Warum ist das so? Und warum greift sogar die Linke auf diese Bezeichnung zurück? Auch unter Linken ist doch bekannt, dass es Verschwörungen gab und gibt. Große Verschwörungen, wie diejenige, Hitler an die Macht zu bringen. Den Tonkin-Zwischenfall, den die USA-Regierung erfand, um den Vietnamkrieg zu beginnen. Es waren Linke, die große Verschwörungen enthüllten. Die Enthüllungen um Gladio und die Stay Behind-Truppen der NATO haben Verschwörungen gegen die Nachkriegsdemokratien in schwindelerregendem Ausmaß gezeigt. Putsche und Putschversuche in Herzen Europas waren die Taten dieser Gladios. Hätten wir das in den Siebzigern behauptet, was wäre passiert?
Verschwörungstheorien gibt es, weil es Verschwörungen gibt. Viele Verschwörungstheorien wurden im Laufe der Zeit bestätigt. Dass Terror und Staat vom gemeinsamen Teller essen und gemeinsam Leichen im Keller haben, vermutete Hannes Wader in den Siebzigern. Wer hat darüber gelacht oder den Kopf geschüttelt? Spätestens seit 9/11 versuchen die Herrschenden und ihre Medien, jene Menschen zu verleumden, lächerlich zu machen, die der viel lächerlicheren offiziellen Erklärung zu den Anschlägen eigene Recherchen entgegenstellen. Sie nennen sie Verschwörungstheoretiker.


3. Zweiter Selbstversuch einer Verschwörungstheorie

Etwas, was in Demokratien oder aufgrund des Völkerrechts nicht durchsetzbar ist, aber gewollt von Mächtigen, wird heimlich durchgezogen. Das nennt man eine Verschwörung. Es wird dazu eine Geschichte fabriziert, das ist die dazugehörige Verschwörungstheorie der Herrschenden. Das Problem an Verschwörungen ist, dass sie früher oder später auffliegen. Dann wird die bisher in Umlauf gebrachte Story, die alle Medien nachgebetet haben, in Frage gestellt und investigative Journalisten zum Beispiel arbeiten an einer neuen Geschichte. Diese werden nun von den Medien, von interessierten Kreisen, von Geheimdiensten, die in die Verschwörung verwickelt waren, ironischerweise als Verschwörungstheoretiker beschimpft. Und damit das V-Wort auch ein Schimpfwort ist oder wird, beteiligen sich die „Dienste“ im Auftrag der Oberen an der Produktion von Verschwörungstheorien, verrückten und absurden oder glaubwürdigen. Beide Sorten kann man gut brauchen. Die glaubwürdigen, damit viele kritische Menschen, die den Oberen nicht mehr alles glauben, sich damit beschäftigen und verwirrt werden, wenn die Unglaubwürdigkeit der Theorien nachgewiesen wird und absurden, damit man dann die Verschwörungstheoretiker öffentlich und medienwirksam lächerlich machen kann.
Ich glaube also, dass die Geheimdienste des Westens und ihre Beauftragten das Internet mit Verschwörungstheorien überschwemmen, um die wirklichen Verschwörungen unsichtbar zu machen. Darauf fallen viele rein. Auch Linke. Auch die Junge Welt.

4. Noch einmal zu den Montagsmahnwachen

Es waren ganz normale Menschen, mehrheitlich Männer. Das zeigen die Videos, die es in großer Zahl im Internet über die Montagsdemonstrationen, die sich Mahnwachen nannten, gibt. Es war der Durchschnittsbürger, der da hinging. Auch ein paar alternativ aussehende, buntere, langhaarige, auffälligen Schmuck tragende. Was sie dachten und sagten, dachten und sagten viele. Sie hatten die Nase voll. Sie wollten von den arroganten Medienfuzzis und deren Brötchengebern, den Medienmogulinnen und -moguln nicht mehr belogen werden. Sie wussten folglich, dass sie belogen wurden. Sie wussten, dass die Lüge vor allem Urständ feiert, wenn es um Krieg geht.
Sie informierten sich im Internet und vieles durchschauten sie, wenn auch nicht alles. Aber das ist kein Wunder. Wer durchschaut schon alles. Sie sahen, dass aus Putin ein Monster gemacht wurde, obwohl er sich im Ukraine-Konflikt ganz rational verhält, rationaler verhält sich kaum ein westlicher Regierungschef. Sie sahen, dass da ein Putsch stattgefunden hatte, der aber vom Westen gutgeheißen wurde. Sie sahen, dass dieser Putsch weitgehend von außen gesteuert worden war, von den Regierungen, den Stiftungen, den Geheimdiensten, dem Establishment der USA und Europas.
Sie merkten, dass die Kriegsgefahr, die in den letzten Jahrzehnten immer nur Asien und Afrika betraf, nun näherrückte. Sie wollten keinen Krieg, sie hielten Krieg für Irrsinn und sie hatten begriffen, dass die Medien und die Politik für die Propagierung dieses Irrsinns verantwortlich sind. Mehr noch: Sie erkannten, dass die Kriege nicht nur mit dem Rohstoffhunger des Westens zu tun haben, sondern mit seinem Wirtschaftssystem überhaupt, dem Kapitalismus.
Sie fingen an zu begreifen. Daran trägt die FED (3) die Schuld, sagten einige. Die FED steht für das Bankensystem. Occupy nannte das Kürzel für das Finanzkapital „Wallstreet“. Mit Lenin wissen wir, dass das Finanzkapital die Verschmelzung von Bank- und Industriekapital ist, unter der Hegemonie der Banken. Die Verquickung amerikanischen Kapitals mit Hitler und dem deutschen Faschismus ist mittlerweile gut dokumentiert, siehe z.B. „Kein Blitzkrieg ohne USA – Nicht nur die deutsche, auch die herrschende Klasse der Vereinigten Staaten liebte Hitler und verlängerte profitträchtig den Zweiten Weltkrieg“ von Werner Rügemer (4). Die Mahnwachler, die anfingen zu begreifen waren auf der richtigen Spur. Was taten Linke? Gingen sie hin und diskutierten mit? Nein! Sie mäkelten herum, dass nur die FED genannt wurde, nannten das strukturellen Antisemitismus, angeblich, weil dort viele in den Chefetagen Juden seien. Das wisse man im Prinzip und würde Kritik an der FED nutzen, um die Juden zu treffen. Die meisten MahnwachlerInnen hatten bis dahin wahrscheinlich keinen Gedanken darauf verwandt, dass in der FED vielleicht Juden sitzen.
Es gab unter all den Rednerinnen und Rednern, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch ganz absonderliches Gedankengut. Wie im Querschnitt der Gesellschaft auch. Allerlei Mythologisches, Spirituelles und Verschwörungstheoretisches. Wobei weder Mythologie noch Spiritualität oder Verschwörungstheorien per se absonderlich sind. Mythologien sind für das Begreifen der menschlichen Geschichte und der Ideengeschichte wichtig, Spiritualität ist für viele Menschen ein zentraler Lebensinhalt und Theorien zu Verschwörungen sind notwendig, weil es Verschwörungen gibt. Wie sich zuletzt in der Ukraine zeigte.
Warum wurden die Herrschenden nun so nervös? Ganz einfach: Als die Occupy-Bewegung über den Globus rollte, waren das viele, aber es waren die üblichen Verdächtigen. Es waren Jugendliche, junge Menschen, Linke und Alternative. Leicht marginalisierbare Leute, die man nur in ein paar gewalttätige Auseinandersetzungen verwickeln musste, und schon war der gute Ruf hin.
Occupy hatte eine eigene Kultur entwickelt. Jeder Anwesende durfte reden. Man wollte Basisdemokratie, keine Hierarchien und keine Gurus. Das Links-Rechts-Schema wurde zunehmend in Frage gestellt oder ganz abgelehnt. Herkömmliche Politik und Politiker hatten bei ihnen verspielt. Und genau diese Kultur übernahmen die Montagsmahnwachen. Occupy war bei den Normalen und Durchschnittlichen angekommen. Und nun wurde es für die dauerhafte Hegemonie der Herrschenden eng.
Und noch etwas war anders. Es waren keine Demos, die Forderungen an die Politik stellten. Es waren Versammlungen, die Leute zusammen brachten, die selber etwas ändern wollten und überlegten, wie das gehen kann.
Klaus-Peter Kurch, ein kluger Linker, der den Opablog betreibt, beschreibt, was ich nur aus der Ferne über youtube sehen konnte, sehr schön: „Ganz ähnlich erlebe ich die Situation wöchentlich auf den Montagsmahnwachen. Außerhalb gewohnter Bahnen bewegen sich Informationen zwischen den Menschen, und zugleich sind die Menschen begierig, sich mit Informationen, auch “unüblichen”, auseinanderzusetzen. Das ist ein breiter Fluss, der auch trübe Bestandteile mit sich führt. Vieles passiert doppelt und dreifach, Informationen behindern sich gegenseitig, manchmal macht sich Abstruses breit. Doch ich glaube, dass das Äußerlichkeiten sind. Das Beständige, Innere, das sich auszuprägen scheint, ist ein Prozess komplexer Informationsverarbeitung zu Kernfragen, Grundfragen, Lebensfragen der Menschen durch die eigene Initiative der Menschen. Sie sind spontan und Viele durchaus aufmüpfig in den direkten wechselseitigen Austausch gegangen. Für die modernen Götterorakel, “Massenmedien” genannt, diese “Medien” die statt Mittler zwischen den Menschen und der Welt zu sein, in Wahrheit eher Irrgartenspiegel sind, für die wird der Platz plötzlich knapp. Da geschieht, allem Anschein nach, etwas Enormes.“ Schön gesagt und gut gesagt!
Aber nur wenige Linke reagierten wie Klaus-Peter Kurch und sahen sich das ganze selber an. Zeitungs- und Blogseiten wurden vollgeschrieben von Linken, die nie persönlich bei einer Montagsmahnwache waren oder mit einem Teilnehmer oder einer Teilnehmerin gesprochen hatten.

5. Junge Welt drückt sich und entlarvt die Lüge nicht

Am 11. Oktober gelang überraschend der Schulterschluss, als Vertreterinnen und Vertreter der Montagsmahnwachen an der Aktionskonferenz der Kooperation für den Frieden in Hannover teilnahmen. Alte und neue Friedensbewegung redeten miteinander. Bis dahin war der Weg steinig. Einzelne Linke und ProtagonistInnen der traditionellen Friedensbewegung, die sich bei den Montagsdemonstrationen blicken ließen, dort gar redeten, wurden bezichtigt, Nazis auf den Leim zu gehen, Querfrontpolitik zu unterstützen, mindestens ernteten sie Kopfschütteln.
Die Wellen im linken Lager schlugen zeitweise hoch. In einer solchen Situation käme einer linken Tageszeitung wie der Jungen Welt die Rolle zu, analysierend, klärend, kommunizierend einzugreifen. Bezeichnet sich die Junge Welt doch selbst als eine Zeitung, die die Wahrheit sagt, wo andere lügen. Und diese Lügen dienen ja nicht selten der Hetze. Gegen Putin, gegen Russland, gegen die Armen, gegen Roma, gegen Muslime. Dienen auch der Kriegsvorbereitung. Der Feindbildproduktion. Und wenn die Junge Welt den Anspruch formuliert, dort die Wahrheit zu sagen, wo andere lügen, muss sie das dann nicht überall tun, wenn sie glaubwürdig sein will? Muss sie die Wahrheit nicht in allen Fragen suchen? Auch wenn es wehtut? Die TeilnehmerInnen der Montagsmahnwachen hatten im Übrigen einen ähnlichen Anspruch, nämlich die Mauer der Desinformation zu durchbrechen. Eigentlich also ein positiver Grund hin zu gehen.
Als allerdings die „Qualitätsmedien“ die Montagsmahnwachen eine Versammlung, von Spinnern, Neu-Rechten, Antisemiten und Verschwörungstheoretikern nannten, mischte die Junge Welt in diesem Chor mit. Die seltene Übereinstimmung, kam ihr nicht komisch vor. Was tat der zuständige Redakteur der Jungen Welt, Sebastian Carlens? Er gab die ganzen Vorwürfe von Ditfurth und den Mainstreammedien kritiklos und ohne den Aufwand von zusätzlicher Recherche weiter. Das war bequem vom Sessel in der Redaktion aus zu erledigen. Die Junge Welt, sonst Dokumentaristin noch des winzigsten Autonomenaufmarschs, ansässig in Berlin, große Reisekosten waren also kaum zu erwarten, hat noch nicht einmal verdeckte Aufklärer zu den Demos geschickt. Um die Ecke zum Brandenburger Tor zu gehen, war zu viel verlangt? Oder wollte man, da das Label des Antisemitismus schon angeheftet war, dort nicht gesehen werden? Ich halte das für einen möglichen Beweggrund für das Nichtdahinbewegen. Es ist natürlich feige.
Auch nachdem einige Linke neugierig geworden waren, aber auch besorgt und Kontakte aufnahmen, dort sprachen, auch in anderen Städten sprachen, änderte Sebastian Carlens seine Haltung nicht. Haben also die Leserinnen und Leser der Jungen Welt keinen Anspruch, diesbezüglich informiert zu werden?
Die Medien griffen sich einzelne Personen heraus. Die Junge Welt folgt ihnen.
Die Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Ulla Jelpke, die ich ansonsten schätze, verging sich an Ken Jebsen. Mit einer hanebüchenen „Beweiskette“ will sie ihn des Antisemitismus überführen:
„Mit dabei ist auch der frühere RBB-Moderator Ken Jebsen (…) Jebsen musste den RBB nach bis heute nicht ganz aufgeklärten Antisemitismus-Vorwürfen verlassen. Ob diese zutreffen, kann dahingestellt bleiben – in jedem Fall vertritt der Mann Positionen, die eine antisemitische Interpretation nahelegen. So weist er bezüglich der Schuld am Zweiten Weltkrieg auf seiner Homepage darauf hin, dass »Firmen wie Shell, die damals zu 40 Prozent in jüdischem Besitz waren, 40 Millionen Reichsmark an die NSDAP spendeten«“.
Die Vorwürfe sind also nicht ganz aufgeklärt, ihre Klärung kann aber unterbleiben? Jelpke weiß natürlich um die Finanzierung der Nazis durch amerikanisches Monopolkapital und auch um deren Sympathien für den Faschismus. Sie weiß natürlich um den Aberwitz, dass mit dieser Finanzierung auch Juden den deutschen Faschismus unterstützten, weil Kapital keine nationalen, religiösen oder kulturellen Grenzen kennt, wenn es um Profit und Herrschaft geht. Auch kein eigenes Volk.
Weiter schrieb sie:
„Medienvertreter, die kritisch über ihn berichten, fordert er auf: »Würdet ihr klassisches Pay-TV anbieten, könnte man euch schon kommenden Monat keine Löhne mehr zahlen. Oder muss man sagen, fiele der Judaslohn weg.«“
Ist – Teufel nochmal – die Benutzung des Begriffs Judaslohn Beweis einer antisemitischen Gesinnung? Und dann kommt es ganz bizarr:
„Da Jebsen zudem unaufhörlich vom »Fed-Imperium« spricht, kann man das nur als Unterstellung lesen, die Medien seien jüdisch kontrolliert, um im Auftrag der (jüdischen) Federal Reserve die Welt unter Kontrolle (des Judentums) zu behalten.“
Kann man das? Ich meine nein. Auch nur wenig genaueres Hinsehen, hätte den Aberwitz dieser „Beweiskette“ gezeigt. Ginge sie noch einen Schritt weiter, sie landete bei den Antideutschen, für die Kapitalismuskritik und Kritik am US-Imperialismus „strukturell antisemitisch“ sind.
Nachdem Ulla Jelpke sich mit den Montagsmahnwachen auseinandergesetzt hatte, nicht ohne die Vorwürfe ihrerseits ungeprüft zu wiederholen, aber immerhin mit dem Ziel, jetzt eine linke Debatte zu beginnen, schob die Junge Welt einen Artikel aus der Feder von Peter Strutinsky nach, in dem dieser ohne einen einzigen Beleg behauptete, die neue Friedensbewegung sei von der NPD ins Leben gerufen. Auf welche Erkenntnisse stützte er sich dabei? Wer sind seine Zeugen? War er da? Hat er mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen? Er führte keinerlei Belege an. Er ist Wissenschaftler. Er weiß, was er tut, wenn er etwas behauptet, ohne es zu belegen. Der Artikel strotzte von Unterstellungen und von verletzter Eitelkeit des Autors. Traute sich da eine Friedensinitiative auf die Straße, ohne die Erlaubnis der erlauchten etablierten Friedensbewegung zu erbitten!
Der Geschäftsführer der Genossenschaft Junge Welt, Dieter Koschmieder, konnte ebenso nicht an sich halten, diese neuen Friedensinitiative zu verteufeln.
Auch er arbeitete sich an Ken Jebsen ab und warf ihn mal schnell in einen Topf mit Jürgen Elsässer und Pegida. Ist das gut recherchiert? Ist das die Wahrheit? Jebsen wird mit den anderen o.g. Verdächtigen vorgeworfen, er rede dafür, das gute nationale Kapital gegen das böse ausländische verteidigen, mittels christlichem Glauben die islamische Verrohung zu bekämpfen, abendländische Werte zu vertreten und nicht links oder rechts und oben und unten zu sehen sondern nur das deutsche Volk, zu fragen, wer uns vor Fremden schütze usw. Das ist infam!
Wieder die Frage: Wo sind dafür die Belege, wo ist der Beleg für auch nur einen der Punkte? Gibt es Zitate? All das gibt es nicht. Es bleibt dabei: Jede einzelne Behauptung ist üble Verleumdung. Dass er auf das Feindbild der Mainstreammedien reinfällt, wäre noch die freundlichste Unterstellung. Es könnte auch sein, dass er einen alten, miesen, kleinen Meinungsmachertrick anwendet, nämlich einen Unliebsamen in den Sack mit anderen Wüstlingen stecken, Beschuldigungen zu nennen, die auf die anderen zutreffen und dann draufzuschlagen.
Danach war wieder Funkstille bei der JW. Dabei wäre eine Analyse der Bewegung notwendig und hilfreich gewesen und für die Junge Welt auch nicht so sehr aufwändig. Am anderen Ende der Republik sitzend war es mir zumindest möglich, über die von den Versammlungen eingestellten Videos einen guten Eindruck davon zu erlangen, was sich dort abspielte. Natürlich waren da seltsame Gestalten dabei. Aber war das in den Achtzigern bei der damaligen Friedensbewegung nicht auch so? Wenn wir das damals abgeblasen hätten wegen der Esoteriker, der Spinner, der Rechten, hätte es eine große Friedensbewegung nicht gegeben. Da waren Generäle dabei. Mechtersheimer war eine zentrale Person in der Bewegung. Hat er sich wirklich erst danach als einer vom rechten Rand erwiesen?
Zurück zu den Mahnwachen. Ein soziologischer Schnelltest erbrachte kurz darauf, dass das ganze Geunke von der Nazi-Friedensbewegung wohl Quatsch war. Die Mehrheit der TeilnehmerInnen verortete sich eher links. Das wurde von der Jungen Welt etwas pikiert zur Kenntnis genommen, aber Konsequenzen wurden keine gezogen.
Zweidrittel bis dreiviertel der Deutschen sind gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr und für eine friedliche Politik. Da sind die nicht deutschen Menschen, die bei uns leben, noch gar nicht gerechnet. Die Junge Welt und andere Linke räsonierten jahrelang darüber, dass diese Friedensfreunde sich leider, leider nicht mobilisieren ließen. Das war offenbar Quatsch. Der Linken und der linken Friedensbewegung gelang es nicht, diese Leute zu mobilisieren. Dass sie mobilisierbar waren, haben die Montagsmahnwachen gezeigt. Offenbar waren einige Leute darüber so beleidigt, dass sie lieber in den Chor der Medien einfielen, als sich freuen zu können, dass es Bewegung gibt und dass man reden kann. Nein. Selbst die Junge Welt sprach von „Wutbürgern“. Geht’s noch?
Wich die Skepsis, als TeilnehmerInnen der Montagsmahnwachen und Teile der Friedensbewegung zum Friedenswinter mobilisierten? Machte der verantwortliche Redakteur Sebastian Carlens sich kundig? Wieder nicht! In der Schmollecke in der Redaktionsstube saß er und produzierte ein „manipulatives Traktat“ (Rainer Rupp) und nannte es „Formierte Gegenaufklärung“. Rupps Bezeichnung „manipulativ“ trifft das Wesen des Artikels gut. Sein lang geratener Einstieg ins Thema suggeriert marxistische Analyse. Ohne dass er den Leuten der Mahnwachen etwas konkretes nachsagen kann, außer dass sie die Fed verantwortlich machen für die Kriegsgefahr, spannt er einen suggestiven Bogen vom Friedenswinter über Pegida und Afd zu angeblich „neuen Inflationsheiligen“. Da gehört Elsässer dazu, dessen rechtsradikale Gesinnung wird genutzt, um auch Jebsen zu entlarven, auch diesmal ohne einen konkreten Vorwurf. Der Artikel erschien in der gleichen Ausgabe, wie ein Interview mit Monty Schädel, in dem dieser in der gleichen Art wie Carlens ohne Beweise die Montagsmahnwachenleute zum rechten Rand erklärt. Eine Breitseite der Jungen Welt gegen den Friedenswinter also. Schädel ist Vorsitzender der DFG/VK. Auf seiner Website steht geschrieben, er habe mit anderen Aktivisten zusammen die Proteste gegen den G8-Gipfel in, Heiligendamm organisiert. Hört sich etwas überheblich an. Dass Schädel im besten Falle ein Sempliciotto, im schlechteren Falle ein übler Provokateur ist, zeigt er, wenn er in dem Interview skandalisiert, der Journalist Ken Jebsen teile alle Meinungen seiner Interviewpartner von weit rechts bis weit links. Er findet, die Friedensbewegung solle sich wieder auf ihre bewährten Strukturen stützen und den „Friedenswinter“ beenden. Und das, obwohl er zugibt, in der Ukraine-Frage habe die Friedensbewegung versagt. Er sagt das so dahin, dabei handelt es sich um den für den Frieden in Europa gefährlichsten Konflikt gegenwärtig. Da hat die Friedensbewegung halt mal versagt. Und wenn die Montagsmahnwachen nicht stattgefunden hätten? Dann wäre es bei diesem Versagen geblieben, nicht wahr?
Der Friedenswinter habe mit der Friedensbewegung, wie er sie kenne, nichts zu tun, teilt der Ossi Schädel mit. Ja eben, die alte große, starke, breite Friedensbewegung, in der alle politischen Meinungen und Haltungen außer faschistischen willkommen waren, eine ohne Gesinnungsprüfung für die, die mitmachen wollten, eine die auch Militärs willkommen hieß und Kapitalisten, das kann sich Schädel nicht vorstellen. Weil er sich nicht vorstellen kann, was er nicht selber erlebt hat? Wahrscheinlich kann er nur eine Friedensbewegung gut finden, die ihm selber ein Podium ohne Konkurrenz für seine Selbstdarstellung bietet.
Reiner Rupp, der den Skandal dieser JW-Ausgabe benannte, wurde abgefertigt, seine Aufforderung, eine breite Debatte in der Jungen Welt zu führen, kaltschnäuzig abgelehnt. Dagegen darf ein Leander Sukov einen „Debattenbeitrag“ leisten – in welcher Debatte? And who the hell is Leander Sukov? Doch nicht der mit der angeblich „wuchtigen Sprache“? Und was hat nun ausgerechnet Leander Sukov befähigt, diese Zusammenfassung zu schreiben? Vielleicht eine Auftragsarbeit weil er Geld brauchte. Der Beitrag ist weniger als eine schmalbrüstige Zusammenfassung aller Vorurteile, die in der JW bereits serviert wurden.
Das alles Revue passieren lassend, könnte man auf eine neue Verschwörungstheorie kommen: Die Junge Welt ist vom Gegner gekapert.

6. Zum Schluss

In der Jungen Welt ist der Zustand von Teilen der Linken abgebildet, jener Linken, die sich radikal oder marxistisch oder kommunistisch oder alles gleichzeitig wähnen. Kennzeichnend für diese Linke ist, dass sie gesellschaftlich isoliert ist. Dies führt sie selber gerne auf den noch immer wirkenden Antikommunismus und die Linkenhatz zurück. Aber der Antikommunismus hat viel von seiner Wirkung verloren, nicht nur bei jungen Menschen. Die radikale Linke betreibt vielmehr eine sehr effiziente Selbstisolierung. Sie wirkt nach außen unattraktiv. Attraktivität ist aber Teil der Fähigkeit, eine Gegenhegemonie gegen die neoliberalen Machteliten aufzubauen. Die radikale Linke aber ist abgeschottet von der Gesellschaft, zerstritten, misstrauisch, gibt sich elitär und teilweise rückwärtsgewandt, ist voller Vorurteile und wahrscheinlich durchsetzt von Agenten. Sie bietet reichlich Platz für Selbstdarsteller, Wichtigtuer, Halbgebildete und Looser, die sich durch ihr Dabeisein Bedeutung zu geben versuchen. Die Linke hat kein Charisma und sie findet das noch nicht einmal traurig. Sie sind stattdessen gerne graue Mäuse, Hauptsache, sie haben Recht.
Die Selbstisolation hat Folgen. Von Veränderungen in der Gesellschaft, die sich unter der Oberfläche vollziehen, bekommen sie nichts mit. Sie bemerken nicht, dass die Hegemoniefähigkeit der herrschenden neoliberalen Machteliten schwindet. Dass der gesellschaftliche Konsens brüchig wird. Dass die Menschen anfangen, selber zu denken, dass diese überall spürbare Aufmüpfigkeit Ausdruck von sich ändernden Verhältnissen ist. Es gibt einen Trend zur Selbstermächtigung. Immer mehr Menschen nehmen wahr, dass ihre Interessen, die Interessen der Mehrheit, von den Herrschenden ignoriert werden, was sich auch in sinkenden Wahlbeteiligungen äußert. Die radikale Linke hingegen lässt sich von 70 Prozent Zustimmung für Schäuble und Merkel in Umfragen blenden, obwohl sie um den Schwindel mit Umfragen weiß und übt sich lieber in Publikumsbeschimpfungen, als dass sie ihre Wichtigtuerecke verließe.
Und so hält sie die Gesellschaft auch nicht für würdig, dass sie ihr Vorschläge macht. Sie macht keine Angebote an jene Menschen, deren Misstrauen in den Kapitalismus wächst. Sie formuliert keine Zukunftsinteressen und -forderungen. Wo in der ach so radikalen Linken diskutiert jemand über den Ausweg aus dem Kapitalismus und wie es in Richtung Sozialismus gehen könnte?
Nehmen wir das Beispiel Gesundheitswesen. Lassen wir das Programm der Partei DIE LINKE beiseite, deren Worte zu dem Thema nur verdeutlichen, dass es ihr um die Verschönerung des Kapitalismus geht. Fragen wir, was an radikalen Analysen, solchen, die an die Wurzel gehen, geleistet werden. Wo werden aus der Analyse des Gesundheitssystems Forderungen, Ideen für die Zukunft und für notwendige Kämpfe abgeleitet? Die mehr sind als nur die Verteidigung des Bestehenden? Oder die bessere Bezahlung der dort Arbeitenden? Zum Beispiel, dass aus Krankheit überhaupt kein Profit geschlagen werden darf. Dass deshalb nur gemeinwirtschaftliche Krankenhäuser (außer für Schönheits-OPs) zu dulden sind, private in Gemeineigentum, egal welcher Art, umgewandelt werden müssen. Auch für Reha-Zentren, Alten- und Pflegeheime muss das gelten. Die Versorgung des ländlichen Raums mit Ärzten kann nicht durch PR-Kampagnen, sondern muss durch die Einrichtung öffentlicher Arztpraxen gesichert werden, besser noch: die gute Einrichtung aus dem Sozialismus, die Polykliniken, könnten wiederbelebt werden. Auch Ärzte müssen nicht auf der Krankheit von Menschen und den Beiträgen der Versicherten zu Millionären werden, aber sie müssen auch gut davon leben können, statt sich auf Lebenszeit zu verschulden.
Den größten Profit im Gesundheitswesen macht die Pharmaindustrie. Sie muss enteignet werden. Das ist das dickste Brett. Staatseigentum oder kommunales, gemischtes, Belegschaftseigentum oder Kasseneigentum, der Phantasie muss keine Grenze gesetzt sein. Das alles gehört nicht in Parteiprogramme, sondern in die Diskussion, muss propagiert werden. Aber das würde ja bedeuten, dass man mit Menschen reden muss, die zum Teil noch mit reaktionärem Gedankengut infiziert sind.
Ein weiteres Beispiel: Wo ist die linke Politik für die EU? Wieso wird nicht die Solidarität derer propagiert, die gezwungen sind, vom Verkauf ihrer Arbeitskraft zu leben? Wo wird von dem Gewinn berichtet, wenn man zusammenhält? Und zwar unabhängig davon, ob man nun raus aus der EU will oder drinbleiben oder für die Auflösung ist.
Weil die Menschen in Deutschland keine Zukunftsvorstellungen, keine Kämpfe mit der Linken verbinden, sind einige leichte Opfer für Rattenfänger von rechts, für Pegida, Nazis, Rechtspopulisten, Salafisten, fundamentalistische religiöse Sekten, Männlichkeitswahn und Chauvinismus.
Der Kampf für eine bessere Welt beginnt mit dem Kampf gegen die kulturelle und ideologische Hegemonie des Finanzkapitalismus und das ist der Kampf um die Köpfe und Herzen der Menschen.
„Wenn wir es nicht schaffen, all dies zu thematisieren, wird es die Rechte übernehmen.“ (Oskar Lafontaine)

1 http://www.rationalgalerie.de/schmock/junge-welt.html
2 Wie sich gerade zeigt, erhält die Bewegung gegen Stuttgart 21 erneuten Schwung durch die Ergebnisse der Recherchen eines Journalisten.
3 Federal Reserve Bank; US-amerikanische Notenbank
4 http://www.jungewelt.de/2014/04-28/005.php

* Christel Buchinger, Jahrgang 1954, Dipl. Biologin. Lebt und arbeitet zu Feminismus, Medien und Geschlechterverhältnissen im Saarland.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 07. Oktober 2015 schrieb Flash Flash:

Sehr verehrte Damen und Herren,
letztlich sind Sie TräumerInnen.

Um wirklich etwas zu verändern, bräuchte es ein völlig anderes Wirtschaftssystem, während heutzutage wahrscheinlich 99% der Menschheit den Kapitalismus (bei allem Gemeckere) für weitgehend alternativlos halten.

Übrigens auch die meisten in den früheren und auch heutigen sog. Friedensbewegungen, die meist nur dann aktiv werden, wenn diese sich selbst gefährtet bzw. bedroht wähnen.
(Während denen ansonsten das weitgehend egal ist.)

Deshalb ist es auch kein Wunder, daß der Herausgeber dieses ( ansonsten belanglosen) Blogs Zuflucht ausgerechnet bei der russischen staatlichen Nachrichtenagentur "Sputnik" sucht, deren (Kriegs)Propaganda sich von der "westlichen" kaum unterscheidet - nur umgekehrt.
(Was derzeit an der Syrien-Berichterstattung zu beobachten ist, in der russische Bomben und Raketen die guten und die "westlichen" die schlechten sind.)

Mit freundlichen Grüßen
Flash

PS: Desweiteren sollten Sie Ihre Heuchelei möglichst abstellen, um die LeserInnen nicht zu täuschen.
Wie auch sonst sind auch bei Ihnen nur mehr oder weniger zustimmende Kommentare gefragt, während Sie sich über Kritik keineswegs freuen.


Am 26. September 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Derzeit ist es fraglos das Wichtigste, dass alle Kriegsgegner zusammenfinden, um Handeln zu können. Als Minimalkonsens taugt Frieden und Humanismus. Es geht ja da nicht um das richtige System, falls es das gibt, sondern ums Überleben.
Andererseits ist an intellektueller Aufarbeitung bei den Linken offenbar viel versäumt worden, was zahlreiche Unstimmigkeiten und Widersprüche zeigen. An diesen Stellen können die Rechten einhaken.
Ein Grund sind wohl Berührungsängste, aber ich glaube auch dies:
curti curti schrieb:"P.S. Hab gestern eine Empfehlung gelesen, man solle mit 4-5 Freunden oder Bekannten eine "subversive" Zelle gründen und sich aussprechen wo es drückt. "
Auch dies weist für mich auf etwas hin, dass sich geändert hat seit der Friedensbewegung der 80er, seit früherer Protestkultur überhaupt; während es damals unter Linken von verschiedenen Teilen des Spektrums , sogar unter gemischten Gruppen, zum normalen Alltag gehörte etwa beim Geschirrspül in der WG sich über Politisches auszusprechen und es sogar organisierte Gesprächsgruppen darüber gab, wie wir uns mit der Politik f ü h l e n, scheint natürlicher, offener Austausch heute kaum noch möglich, nicht, weil es verboten wäre, die Leute haben kein Interesse!
Es ist nicht nur, dass wir heute älter sind, denn es nahmen damals auch Ältere teil.
Ich erlebe, dass fast alle Bekannten politischen Themen ausweichen, angeödet abwinken oder einen unbehaglichen Gesichtsausdruck bekommen, wenn ich derzeitig brisante Themen zur Sprache bringe. Ein paar Worte, dann lähmendes Schweigen, das mir das Gefühl gibt, der mieseste Stimmungskiller zu sein.
Dann kommt schließlich "lasst uns über etwas Erfreulicheres reden". Oder.: "es hat keinen Sinn über Politik zu reden, warum soll ich mich runterziehen, es ändert doch nichts" Oder das Thema wird mit abgeklärter Geste beiseite geschoben, politisches Engagement passe nicht mehr in die gegenwärtige Lebensphase.

Kommt es dann doch mal zu einem Austausch und konträre Standpunkte treffen aufeinander, die "drohen" in eine erregte Diskussion zu münden, wiegelt irgendjemand gleich ab, "Hört auf, es hat keinen Sinn sich zu "streiten", sprechen wir über etwas anderes.
Wieder ist man der Böse,der die gebotene Harmonie stört.. Ich weiß, dass wir früher diese Ängste nicht hatten, einmal konnten wir durchaus auch friedlich über Heikles diskutieren, zum Anderen war mal ein bisschen Erregung und Engagement nicht gleich "Streit",sondern konnte, im Gegenteil interessant sein und endete selten destruktiv.
Man ließ solchen Dingen unbekümmerter ihren natürlichen Lauf, statt sofort zu abzuwiegeln.
"Diskussion" hat heute eine negative, aggressive Bedeutung, Philosophieren über Gott und die Welt, über die Zukunft der Welt ebenfalls, das gilt als unproduktive Zeitverschwendung. Unproduktiv!!

Es "bringe" nichts, hört man schon zu Beginn eines jeden solchen Gespräches, und jeder scheint auf die Uhr zu sehen, auch an einem ereignislosen Sonntagnachmittag, an dem für endloses Geplänkel durchaus Zeit ist.
Als wir nicht nur ständig die Sorge hatten, ob es etwas bringt und wie lang es dauert und ob es auch keinen Streit gibt, erlebte man schon mal wie Diskussionsgegner von allein gemeinsame Punkte fanden und beim philosophischen "Herumspintisieren" kam hin und wieder Interessantes heraus.

Antwort von U. Gellermann:

Die mangelnde Breitschaft über Politik zu reden. kann an den vielen Niederlagen liegen: Manche hatten Hoffnungen in eine gewandelte DDR gesetzt, andere sahen ihre Hoffnung in die GRÜNEN zerschellen, auch die Linkspartei mit ihren vielen Fraktionen stimmt nicht gerade hoffnungsfroh. Es braucht Beharrungsvermögen und den klaren Blick auf die Wirklichkeit: Politische Abstinenz mach mitschuldig. Beste Grüße, Uli Gellermann


Am 16. September 2015 schrieb Albrecht Storz:

Der Vollständigkeit halber zu: Am 08. September 2015 schrieb Sigrid Krings diese Information:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27511

"Werner Rügemer antwortet auf die Kritik von Kai Ruhsert an ?Europa im Visier der Supermacht USA?"

Man kann doch wohl dem Herrn Rügemer durchaus das Recht zugestehen, auf Vorwürfe und vermeintliche Widerlegungen seiner Thesen zu antworten. Und diese Antwort sollte dann auch ihren Platz bekommen dürfen.
Woher Frau Krings wohl das Wissen hat, dass Herr Rügemer (der anerkannter Wissenschaftler ist) irrt und Herr Ruhsert (???) es besser weiß, wie aus ihrem Kommentar herausklingt?


Am 08. September 2015 schrieb Sigrid Krings:

Aus gegebenem Anlass möchte ich doch bitten, noch einen Hinweis von mir zu veröffentlichen. Auf den gestrigen Nachdenkseiten (7. Sept.) befindet sich ein Beitrag "Eine Kritik am Vortrag von Werner Rügemer über `Europa im Visier der Supermacht USA´" Von Kai Ruhsert, dort als pdf angehängt. Darin werden die Thesen W. Rügemers über die angeblich massive Verstrickung des amerikanischen Kapitals in das 3. Reich (und sogar in den 1. Weltkrieg) Punkt für Punkt widerlegt, mit reichlich Quellenangaben.
Da sich hier in einigen Kommentaren auch auf Rügemers und ähnliche Thesen berufen wird, kann ich nur empfehlen, die Ausführungen von Herrn Ruhsert zu lesen, bevor hier weiter diskutiert wird.
Es scheint mir fast so, als ob durch das Antisemitismus-Gerede die Leute davon agbehalten werden zu überprüfen, ob gewisse behauptete historische Gegebenheiten überhaupt zutreffen.
 


Am 08. September 2015 schrieb Albrecht Storz:

Sehr geehrter Herr Scholz,

vielen Dank für den Link.

Es ist wirklich bedenklich, dass trotz der wenigstens zweifelhaften Einstufung der Krim-Abspaltung als Annexion in der Öffentlichkeit von Politik und Medien grundsätzlich von einer Annexion gesprochen wird.
Warum das so ist, ist natürlich klar: außer den wachsweichen Märchen vom bösen Putin, den angeblichen Ausdehnungs- oder gar Eroberungsplänen und den schlimmen antihomosexuellen und Pussy-Riot-verfolgenden Russen gibt es nichts handfestes was für die öffentliche Meinung gegen Russland vorgebracht werden könnte. Also konstruiert man einen angeblich, und dazu noch einzigartigen - wie wenn es den Kosovo-Krieg nie gegeben hätte - Vorgang der jüngeren europäischen Geschichte: die behauptete Annexion der Krim durch Russland. Dass den meisten Krim-Bewohnern nichts besseres hat passieren können als unter den Schutz Russlands zu gelangen, scheint im Westen nicht zu interessieren. Oder fänden die Damen und Herren Merkel, Steinmeier, Gabriel, ..., eine "Antiterroroperation" auf der Krim gut?

Das ist alles soweit klar. Was nicht klar ist, ist, dass Leute aus der Friedensbewegung auf dieser fraglichen Position, die Krim- Sezession sei eine Annexion, also ein gewaltsam durchgeführter Landraub, herumreiten. Da frage ich mich dann, wessen Geschäft diese Leute eigentlich betreiben.


Am 08. September 2015 schrieb Jochen Scholz:

Sehr geehrter Herr Storz,

das "Papier von Reinhard Merkel " ist ein Namensartikel im Feuilleton der FAZ vom 7. April 2014:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2


Am 08. September 2015 schrieb Henry Haderer:

Für die Verfassung der JUNGEN WELT ist ihr Schweigen kennzeichnend: In der Debatte der RATIONALGALERIE melden sich JW-Leser und Ex-Leser, aber die Zeitung beteiligt sich nicht. Wahrscheinlich soll das Selbstbewusstsein vortäuschen. In Wahrheit ist es Ignoranz.


Am 07. September 2015 schrieb Karola Schramm:


Wer profitiert denn nun von den - wie ich finde - künstlichen Konflikten, die sich die links ausgerichteten Menschen immer wieder selber machen?
Natürlich die anderen Parteien, vorneweg Merkel mit der CDU.
Kann man nicht toleranter sein, wenn eine sog. linke Zeitung - ganz wie die SPD - in der Mitte mitschwimmen will ?
Man kann sie abbestellen oder austreten. Aber alle SPD-Kritiker, die ich kenne, sind immer noch dabei. 
Macht das Sich-ärgern so einen großen Spaß? und das Gefühl, doch besser zu sein als die da?

Mahnwachen, Montagsdemo und wie sie alle heißen. Fast jedes außerparlamentarische Bündnis, das gegen die derzeitige Politik opponiert, wird von anderen, sog. agents provokateurs, unterlaufen und wenn nicht, sorgen die eigenen Genossen dafür, dass es Krach gibt. Es geht um die Deutungshoheit, die alle haben wollen.

Höre oder sehe ich Jutta Ditfurth, denke ich an eine unverbesserliche Rechthaberin und schalte ab.

Höre oder sehe ich Ken Jebsen, bleibe ich dran und frage mich, wo dieser Mann antisemitisch ist. Er ist kritisch allen Themen gegenüber. Macht ihn das gleich zum sog. Antisemiten? Judenhasser?

Andere finden immer Haare in der Suppe, erst recht, wenn sie den Kopf solange über der Suppenschüssel schütteln, bis ihnen ein Haar ausfällt und in der Suppe schwimmt.

Dabei haben doch alle (Linken), die ein Interesse an Frieden haben, einen gemeinsamen Nenner: nämlich den Frieden, soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Kann man nicht im Interesse dieser Werte, die von den anderen Parteien nicht mehr bedient werden, "fünfe gerade sein lassen ?"

Es kann doch nur im Interesse der anderen Parteien seien, wenn sich "die Linke" derart selbst zermalmt. Sie sollte es nicht tun und andere Meinungen akzeptieren und nicht öffentlichkeitswirksam zertreten, denn das macht potenziellen Wählern nur Angst.


Am 07. September 2015 schrieb Wolfgang Weinländer:

Im Wesentlichen berührt der Artikel das, was auch ich in etwa zur Zeit erlebe. Inhaltlich möchte zum im Artikel Vorgetragenen keine Diskussion anstreben. Mir geht es darum, meine Befindlichkeit, meine Befürchtungen und mein Entsetzen in Bezug auf das auszudrücken, was auch dieser Essay behandelt.
Das Geschehen in der Ukraine ab Ende 2013 löste bei mir zunächst große Sorge aus, die sich zunehmend verstärkte, bis hin zu dem Gedanken: "Diese Wahnsinnigen schrecken selbst vor einem atomaren Weltkrieg nicht zurück!" Die "Wahnsinnigen" sah ich nicht in der russischen Administration am Werke. Es sind für mich diejenigen, die überall auf der Erde, wo sie Einfluss haben, die Welt Stück um Stück lebensunwerter machen zu Gunsten einiger weniger Privilegierter. Jede noch so schlimme Schandtat verbrämen sie mit wohlmeinenden Anmerkungen.
Ich muss anmerken, das, was unter dem Begriff "Mainstreammedien" zu subsumieren ist, konsumiere ich schon lange nicht mehr. Eine Zeit lang machte es noch Spass, in den Kommentaren der Leser rumzustöbern, aber irgendwann ist auch das öde und man lässt es.
Irgendwann im ersten Hj 2014 ist mir dann das Interview von J.D. auf 3sat(?) aufgefallen. Sachlich gab ich Frau D. in vielen Punkten Recht, habe sowohl den politischen Lebensweg von Herrn E. als auch das verfolgt, was K.J. auf yt ausbreitet. Auch Herr Popp ist nicht unbemerkt an mir vorüber gegangen. L. Mährholz war mir zu diesem Zeitpunkt noch gänzlich unbekannt.
Was mich damals sofort sehr erschreckte war, dass J.D. in einem Medium, das den öffentlich - rechtlichen Sendeanstalten zuzurechnen ist, eine vernichtende Kritik an der einzigen Opposition gegen diese Kriegstreiberei und Hetze gegen Russland (Putin) vornimmt, den vielfach schlimmeren Umstand, dass da eine Hegemonialmacht - ich nenne sie jetzt mal sehr vereinfachend: "Westliche Wertegemeinschaft" - brutalst, mit Unterstützung durch faschistische Mordbrennerbanden, versucht, Beute zu machen und die Ausgangsbasis für weitere Plünderungszüge vorbereitet, die sofort viele Menschen in großes Unglück stürzt, etliche tötet, und langfristig massenhaft Leid und Elend erzeugt, überhaupt nicht benennt. Dass da die Eliten der Welt eine gigantische Schlacht gegen den Rest der Welt entfacht haben (ich erinnere an Nordafrika, Nahen Osten, Mittel- und Südamerika, EU, speziell Griechenland), dabei all ihre Ressourcen einsetzen (wie viele Milliarden $ flossen z. B. bisher in eine vollkommen verwahrloste Ukraine?), all ihre Zuträger und Helfer auf allen Gebieten einspannen, das alles scheint es für diese Kritiker der Mahnwachen nicht zu geben. Aber diese Mahnwachenleute erscheinen bei ihnen als das Böse schlechthin, mit denen darf man sich nicht gemein machen. Es erschüttert mich, dass die Mahnwachenleute, die sich gegen das Unerträgliche zu wehren beginnen, von den "Sachwaltern der der Gegenöffentlichkeit" der zu bekämpfende Feind sind.
Psychologisierend, ich weiß, das ist sowohl falsch als auch ungerecht, kommen mir dazu zwei Gedanken.
1. Die Kritiker wissen um die Macht, Brutalität und Skrupellosigkeit der Eliten und können ihre Aggression und Hilflosigkeit einzig durch das Einschlagen auf einen anderen, vermeindlich schwächeren Kritiker, der zudem noch leicht vorführbar ist, denn er hat noch nicht die Professionalität der etablierten, institutionalisierten Gesellschaftskritiker, ausagieren.
2. Ist bereits angedeutet, da vergreift sich jemand an ihren Pfründen. Da betritt jemand ihren Acker, der ihnen so lange Zeit gutes Ein- und Auskommen und Respektabilität im Gesellschaftsgefüge beschert hat. Das geht ja gar nicht, da ist Kampf angesagt.


Am 07. September 2015 schrieb Albrecht Storz:

Zum Text von CHRISTEL BUCHINGER habe ich noch folgendes hinzuzufügen:

Monty Schädel hat den Friedenswinter als Querfront diffamiert meines WIssens kurz vor bzw. im Zusammenhang mit einer Veranstaltung, in der die Zusammenarbeit der "alten" und der neuen Friedensbewegung kritisch beleuchtet werden sollte. Damit hat Monty Schädel seine Privatmeinung der "alten Friedensbewegung" oder zumindest der DFG-VK übergestülpt, das Diskussionsklima bewusst vergiftet. Ein Verhalten, das ihn als "politischer Geschäftsführer" der DFG-VK eigentlich unmöglich macht - aber anscheinend hat diese Organisation keine Selbstheilungskräfte mehr denn mir ist kein lautstarker Protest (geschweige denn: wenigstens eine Diskussion darüber) bekannt. Kein Wunder angesichts einer völlig überalterden Mitgliederstruktur.

Die Berührungsängste der "alten Friedensbewegung" mit der neuen Friedensbewegung in Form der Montagsmahnwachen kann man nicht anders als mit Angst vor Neuem und Altersstrarrsinn begründen. Ich habe es selbst live miterlebt. Die Diskussionen, ob man eine Montagsmahnwache besuchen dürfte waren teils paraonid gefärbt.
Dazu mag (Achtung VT) auch noch eine gezielte Unterwanderung durch anti-aufklärerische Kreise kommen.
In diesen Zusammenhang sehen kann man auch das Auftreten des Journalisten (ua TAZ) Andreas Zumach, der vom DFG-VK als Referent beworben wird, der nach der Krim-Sezession durch die Lande zog und behauptete, Russland habe die Krim völkerrechtswidrig annektiert und er wisse das ganz genau, während ein anerkannter Völkerrechtler wie Prof. Merkel keine Ahnung habe. (Hintergrund war, dass wohl ein Papier in dem Prof. Merkel die Krim-Sezession nicht als völkerrechtswidrige Annexion charakterisierte in friedensbewegten Kreisen zirkulierte. Zumach, Mitglied der DFG-VK, ging gegen diese fundierte Expertise des Völkerrechtlers Merkel gezielt und vor allem auch multiplikativ wirkend auf Vorträgen an.) Zumach war auch einer der ersten "Journalisten" der von einem "hybriden Krieg Russlands gegen die Ukraine" sprach. Man beachte die Übernahme der NATO-Begrifflichkeit. Beweise hat Zumach genau so wenig vorgewiesen wie all die anderen Russland-Verunglimpfer.

Man fragt sich, was in den Köpfen von Leuten (etwa Ditfurth, Schädel, Zumach, ...) vor sich geht, wenn solche angeblich linken Köpfe sich in der Öffentlichkeit für Abschottung, Revisionismus, Unfriede, Spaltung, Völkerfeindschaft, ... stark machen.

Das Gespenst der Querfront existiert. Aber nicht so wie es uns weis gemacht wird. Die Querfront existiert in Form von Agenden die die herrschende Macht, das Kapital, inzwischen in fast jeder Organisation herangezüchtet oder installiert hat, die nur irgendwie ein zivilgesellschaftliches Gegengewicht zur Macht-Elite darstellen könnte. (Parallelen findet man zB in der bekannten Praxis der von V-Leuten durchsetzten NPD und rechten Szene: es ist seit Jahrzehnten üblich, dass man Bewegungen kontrolliert indem man darin scheinbare oder echte willfährige Gefährten sucht, etabliert oder voranstellt. Warum sollte das nur mit rechten Parteien oder Organisationen gemacht werden?)

Man könnte aus den hier diskutierten Vorgängen allerdings die Hoffnung ziehen, dass neue Bewegungen nicht unbedingt der Ansteckungsgefahr durch überalterte, selbstgefällige, systemstützende, pseudofortschrittliche Bewegungen ausgesetzt sind: die alten Bewegungen sind einfach nicht mehr relevant, mögen sie noch soviel "Querfront!" und "Wir haben die einzig wahre Lehre!" schreien.


Am 07. September 2015 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Es wäre schön, Herr Gellermann, wenn Sie meine Antwort auf einige Kommentare hier posten würden.

Zunächst stelle ich die inkriminierten Zeilen, aufgrund dessen behauptet wird, nicht nur vom Betreiber des Blogs, sondern auch von einigen Usern, ich würde Ken Jebsen des Antisemitismus beschuldigen.
Damit wird meines Erachten doch leichtfertig umgegangen, das ist ja fast, als ob man mich als Kinderschänder bezeichnen würde, wenn nicht gar schlimmer. Ich bitte also alle, die betreffenden Zeilen noch einmal zu lesen, diesmal vielleicht etwas genauer und unter Umständen darauf zu antworten. Folgendes hatte ich geschrieben:

"Fest steht, dass sich Ken Jebsen zum Beispiel auf seiner Homepage antisemitisch geäußert hat. Ulla Jelpke hat das mit feinem Gespür bemerkt und das auch gesagt. Wenn man dort nämlich von jüdischen Bankern liest, kann man schon auf die Idee kommen, Ken Jebsen mag Juden nicht, und das nicht, weil sie Banker sind, sondern weil sie Juden sind, wenn in einem kleinen Attribut der Glaube der Banker hervorgehoben wird und nicht ihre verheerende Tätigkeit. Dass ihn Broder als Antisemiten bezeichnet, verwundert deshalb eigentlich nicht, das kam wie erwartet, darüber muss man sich nicht aufhalten. Was aber Jutta Ditfurth angeht, so hatte sie offensichtlich dasselbe feine Gespür wie Ulla Jelpke, auch wenn sie dies in einem bundesdeutschen Medium, dem Fernsehen, öffentlich machte, was ihr angekreidet wird. Man lässt auch einen Elsässer mit seinen Parolen, der jetzt übrigens bei den Nazis gelandet ist, nicht ohne eigenen Schaden an seiner Person auf einer Demo von Friedensbewegten auftreten. Ich will Ken Jebsen den guten Willen ja nicht absprechen, aber irgendwie schillert er mir zu sehr, irgendwas scheint nicht zu stimmen."

Dazu wäre folgendes zu sagen:

1. Ich habe niemals behauptet, Jebsen sei Antisemit. Ich habe lediglich geschrieben, dass er sich auf seiner Homepage antisemitisch geäußert habe. Ich bitte diesen feinen Unterschied zu bemerken.
Hierbei beziehe ich mich auf die Aussage von Ulla Jelpke, die von Buchinger zitiert wird. Jelpkes Zitat gebe ich im folgenden indirekt wieder. Das ist leicht aus dem Kontext zu erkennen, und nur wer es nicht erkennen will, vielmehr seinen Testosteronschub auf diese Weise loswerden will, kann dies missverstehen. Und wenn ich schreibe "man könnte auf die Idee kommen, dass ...", dann ist dieses meine Meinung, alles andere ist Wiedergabe anderer Meinung, die die Autorin Buchinger in ihrem Beitrag zitiert. Hier wird das vom Blogbetreiber exerziert, was die Autorin Buchinger in ihrem Beitrag den Linken ankreidet, zwar mit anderen Worten, aber in diesem Sinne: Es werden Hexenprozesse unter Linken veranstaltet.

2. Ich erwarte eine klärende Antwort der Autorin Buchinger auf das von mir angeführte Zitat aus Punkt 6., in der sie von einem anscheinend unbeteiligten, besorgten Standpunkt wie vom Podest herab die bisherigen linken Aktivitäten in Bausch und Bogen herabwürdigt. Dass sie lange nicht ausreichen, das wissen wir alle. Und wir wissen oder ahnen es zumindest, woran das liegt: dass es nämlich keine Kraft gibt, die die einzelnen Aktivitäten bündelt und in die richtige Richtung leitet. Und das kann nur eine marxistisch-leninistische Partei sein. Alles andere führt auf Abwege und ist zum Scheitern verurteilt.

3. Es ist eine ganz alte Methode, der sich
auch dieser Blogbetreiber befleißigt, Zitate aus dem Kontext zu reißen und auf dieser Grundlage ein Vernichtungsurteil zu sprechen und kraft seiner Wassersuppe andere User damit zu beeinflussen und zu falschen Schlussfolgerungen zu führen.

Wir haben hinter den Kulissen miteinander korrespondiert, Herr Gellermann lehnt es ab, diese Mail-Korrespondenz zu veröffentlichen, die meinerseits vieles in anderem Licht darstellt und einen Einblick gibt, in welcher Art und Weise der Blogbetreiber sich eine "offene Diskussion"
vorstellt.

Antwort von U. Gellermann:

Auch diesen „feinen“ Unterschied können Sie nicht belegen. Wer anderen antisemitische Äußerungen anhängt ohne sie zu beweisen, der diffamiert und macht sich mit der BILD-ZEIT-TAZ-Koalition gemein.- In der RATIONALGALERIE finden Diskussionen nur vor den Kulissen statt. Private Mails bleiben privat.


Am 06. September 2015 schrieb Manfred Ebel:

Lieber Herr Nippe,
was meinen Sie mit linker Mixtur? Dem Wortsinn nach wollte ich das ablehnen. Zwar gelten ja noch heute sinnverwischend auch die SPD-Oberen in der parlamentarischen Fraktion als Linke, was sie aber doch definitiv und selbstbenannt nicht sind.
Die Mixtur halte ich für die Friedensbewegung für notwendig und gerade so hatte ich auch Frau Buchinger verstanden. In der breiten Volksbewegung für Frieden und Völkerverständigung möchte ich aber als Marxist/Leninist erkennbar sein.
Gerade marxistisch-leninistische Philosophie und Ökonomie geben mir eine sichere Orientierung und Urteilsfähigkeit. Eher bedauere ich, immernoch zu wenig zu wissen. Und ich bedauere, dass sich Teile der LINKEn vom M/L abwendet. Auch das hatte ich bei Frau Buchinger als Kritik verstanden und stimme dem zu. Unlare Begriffe - unklare Inhalte - unklares Tun.


Am 06. September 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Der Punkt in der Analyse von Frau Buchinger, auf den ich eingegangen bin, ist mir wichtig, weil ich daran seit fast 40 Jahren arbeite, und weil ich als Mit-Denkender und Mit-Arbeitender an und in der Ökologie-Bewegung sehr genau studieren konnte, wie Wandel des ebensfeindlich Sklerotisierten praktisch möglich werden kann. ((Heute kaufen etwa 20% der Bevölkerung einen Teil ihrer Lebensmittel aus ökologischem Anbau (1977 waren es weniger als 1 Promille), ein nennenswerter Teil der Anbaufläche "lebt" und ist nicht durch seinen Landwirt oder Gärtner mit chemischen Düngern, Spritzgiften etc. geschädigt - in Österreich und der Schweiz sind das schon deutlich über 10% der landwirtschaftlichen Fläche, in Deutschland etwas weniger... - Das haben wir durch Nachdenken in Gruppen und dann durch HANDELN nach diesen Erkenntnissen initiiert - und als der Marktanteil bei 3% lag, haben Rewe und später Aldi und andere gemerkt, daß das keine Mode sondern ein Bewußtseins-Trend ist. So sind sie zu Multiplikatoren für die Verbreitung der Produkte aus kontrolliert ökologischem Landbau geworden, den jetzt, nach 40 Jahren Arbeit aus kleinsten Anfängen, jede(r) kennt - wenn ihn auch noch lange nicht jede(r) verstanden hat.
Ähnliches läßt sich von dem überwältigenden Erfolg der dezentralen Energie-"Erzeugung" sagen...))

Bei den Montagsmahnwachen in meiner Heimatstadt, an denen ich einige Monate lang mitgewirkt habe, habe ich folgendes angeregt, was die Gruppe sogar aufgegriffen und probeweise durchgeführt hat:

1) Megaphon wegpacken, aktives Flugzettel-Anbieten einstellen.

2) Paarweise oder maximal in Dreiergrüppchen auf dem Stadtplatz (Fußgänger-Zone) auf mitgebrachte Hocker setzen und miteinander darüber sprechen, welche Aufgaben man vordringlich ansieht und gemeinsam im Gespräch an Lösungsmöglichkeiten arbeiten. Notizen machen, z.B. von ausgetauschten Infos, Literturtipps, Lösungs-Ideen. ((Also: statt schlau nach außen zu tönen - Substanz im sozialen Miteinander bilden. Einen Weg gehen, der andere aufmerksam werden läßt, niemanden zu diesem Weg nötigen wollen...))

3) Flugzettel zur Arbeit der Gruppe nur solchen Menschen geben, die von sich aus stehen bleiben und fragen, was für eine seltsame Versammlung hier stattfindet. ((Nicht Antworten aufdrängen, wo keine Frage lebt, sich vom Modell "Schule" lösen.))

4) Nach einiger Zeit einen großen Kreis bilden und einander von den Ergebnissen erzählen.

Als die Gruppe dieses Experiment machte, bin ich extra zu Hause geblieben, um nichts zu beeinflussen.

Am nächsten Montag hörte ich, es seien mehr Flugzettel von Menschen mitgenommen worden, als bei der alten "Aufdräng-Methode".  :-)

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Herr Wurzelzwerg hat u.a. das Problem, daß er oft nicht zum Thema das Gesprächspartners / des Textes spricht - sondern daß er auf in ihm selbst auftauchende Bilder / Halluzinationen antwortet, die er seinem Gesprächspartner / dem Text unterschiebt, anscheinend ohne das zu bemerken. Er merkt es nicht, wenn er seinen Gesprächspartner nicht versteht, da er sich in der Rolle des Wissenden gefällt. Er fragt nicht nach, er belehrt.
Auf Propagandaschau, wo er als "Wurzelzwerg" schreibt, geht das so weit, daß er pöbelt und herablassend-arrogant bis aggressiv (als Eingeweihter des Marxismus sich aufspielend) Meinungs-Terror betreibt, Nicht-Linientreue beschimpft, statt zu argumentieren. Von dialektischer Schulung keine Spur feststellbar.

Lustig und `sprechend´ finde ich auch seine Namenswahl. Ein materialistischer "Wurzelzwerg".

Aus meiner Sicht müssen wir mit solchen Störungen leben lernen - wir dürfen aber (so konstruktiv wie uns möglich) reagieren, wenn es sinnvoll erscheint.


Am 05. September 2015 schrieb Thomas Nippe:

Die Einschätzungen des Essays teile ich. Besonders die Einlassung im Hinblick auf eine Isolierung in der gesellschaftlichen Entwicklung. "Links" kann heute nur ein "Mixed" sein, in einer breiten Streuung. Davon ist in der JW sehr wenig zu spüren. letztlich geht es in dem Essay um die Definition dessen, was heute "links" ist.  Alles übrige sind nur Symptombeschreibungen. Und darauf gibt es meiner Ansicht nach nur die Nennung einer "Mixtur", gerade nach 1989/90. Da spiegelt sich aber auch meine eigene Hilflosigkeit zu dieser Frage. Der Begriff wird sich neu bilden müssen. Sicher auch im Rückgriff auf marxistische Philosophie und Ökonomie.


Am 05. September 2015 schrieb Ernst Blutig:

Wie auch hier im Kommentarbereich nachvollziehbar wurde, geht es vielen in der deutschen Linken anscheinend nur um eines: daß die Zukunft einem Recht geben wird. Am besten noch viel rechter als dem/der anderen.
Nun, das tut die Zukunft jetzt schon seit 200 Jahren, nicht wahr? Also auf die nächsten 200 Jahre - mit den üblichen Gegenwartserscheinungen wie weltweite Ausbeutung, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, idiotische Finanzpolitik und hirnlose Personaldebatten.
Die (deutsche) Linke hat ein Problem und das schon seit den Tagen des Vormärz: sie verwechselt Begriffe und Inhalte (und zur Not beides zusammen: mit Personen). Sie überlässt reaktionären Kräften damit die Definitionshoheit über zuviele Themen.

In der grundsätzlichen Sache kann man Buchinger nur Recht geben.


Am 05. September 2015 schrieb Christel Buchinger:

Liebe Marianne Linke,
du schreibst: "Sicher war deren Debatten mit allen Schwächen behaftet, welche die Autorin nennt."
Es waren keine Debatten! Was die JW da betrieb, war platte Propaganda. Schädliche Propaganda!


Am 05. September 2015 schrieb Marianne Linke:

Sicher muss jede/r selbst entscheiden, ob eine Zeitung im Abo gehalten wird oder nicht. Leider stelle ich immer wieder fest, dass Linke unter den Linken nicht nur sehr analytisch scharf denken, sondern eben auch sehr rigoros im Handeln sind. Sie erkennen etwas - Ursachen und deren Wirkung - und bums verlangen sie diese Erkenntnis und das Umsetzen derselben auf der Stelle bei anderen. Bleibt Letzteres aus, machen sie nicht mehr mit. Räumen ihren Platz. Bestenfalls stellen Sie fest, dass auf diese Weise rundum Leere herrscht.
Das finde ich schade. Dieses "Ich gehe" beeindruckt nicht und bessert auch nichts. Im Gegenteil.
Natürlich hatte ich mit dem Friedenswinter und der jW ähnliche Probleme. Sicher war deren Debatten mit allen Schwächen behaftet, welche die Autorin nennt. Aber sollten wir nicht debattieren, wo Debatten lohnen, statt unsere Freundschaft -Sprich das Abo - aufzukündigen? Welches ist der Preis? Wo findet sich eine so klare Alternative (außer in der F.A.Z. natürlich mit entgegengesetzten Vorzeichen).
Lesenswert (und bezeichnend für vieles) jW heute auf dem Antifa-Teil, Seite 2.


Am 05. September 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Ich freue mich sehr über diesen Artikel von Christel Buchinger, er spricht mir aus der Seele. Ich kann es immer kaum begreifen, wie es möglich ist, dass so viele Linke sich von dieser eigentlich leicht durchschaubaren Hetz-Kampagne so beeindrucken und abschrecken lassen. Es ist als ob sie aufhören würden zu denken, wenn die Worte "Verschwörungstheoretiker" und "Antisemit" fallen. Und als Denkblockaden sind die ja auch gedacht: "hier nicht weiter denken, da beginnt die Sünde". Ich hätte nicht gedacht, dass wir in puncto geschichtliche Aufarbeitung noch nicht einmal mit der alten verstaubten "heiligen Inquisition" abgeschlossen haben. Sie müssten wissen, dass man historische Tabus , wie den Holocaust, gut missbrauchen kann, Tabus sind immer eine Schwachstelle, das Gegenteil von wirklicher, auch gerade geistiger, Aufarbeitung. Jeder mit klarem Menschenverstand müsste doch erkennen, dass es ein hirnrissiger Schwachsinn ist, Kritik am internationalen Bankensystem als "antisemitisch" zu bezeichnen, egal ob und wie viele Juden dazu gehören oder nicht - da ja wohl auch Christen dazu gehören, ist die Kritik an der FED dann also auch anti-christlich? Das habe ich aber noch nie gehört... Papst Franziskus würde wohl auch energisch protestieren, schon weil es ihn selbst träfe, er hat ja den Kapitalismus kritisiert. Ist der Papst dann aber nicht "logisch" betrachtet antisemitisch? Eine heikle Frage, wo er doch unfehlbar ist für einen großen Teil der Weltbevölökerung... Wenn Kapitalismus- und USA-Kritik "tendenziell antisemitisch" sind, gälte das ja nun für die ganze Linke, damit wäre sie zugunsten des mainstream mit den Nazis in einem Pott gelandet.
Aber merken die Verfechter derart schräger Thesen nicht, wie sie sich so selbst als Antisemiten outen?
Es gilt als antisemitisch zwischen Geldmacht und Judentum auf Zusammenhänge hinzuweisen - aber genau das tun diese sog. Antideutschen und konservative Juden ja, wenn sie Kritik an Finanzmacht automatisch mit der Kritik am Judentum gleichsetzen. Sie könnten ja auch sagen: diese Finanzmächte gibt es, aber was hat das mit jüdischer Religion oder Abstammung zu tun, auch wenn Juden dazugehören? Jüdische Frisöre gibt es auch. Aber statt sich von diesen Gleichsetzungen zu distanzieren und diese Assoziation so langsam abzubauen, scheinen sie sie durch diese pauschale Antisemitismus-Unterstellung zu bestätigen. So gesehen nützt den Juden die Gleichsetzung von Bankenkritik mit Judenkritik überhaupt nichts, im Gegenteil! Es wirkt, als hätte man wirklich etwas zu verbergen. Dies scheint mir viel eher antisemitisch. Aber wem nützt es dann? Das können nur die Finanzeliten sein (mit Vertreter USA), da es deren kritische Betrachtung tabuisiert, wo der "Verschwörungsspinner" noch nicht genug zieht.
Dazu wird das Schicksal der Juden im 3.Reich missbraucht. Die "Antideutschen" und verwirrten Linken helfen mit. Der Umstand allerdings, dass Israel und jüdische Bürger sich diesen Missbrauch ihrer tragischen Geschichte gefallen lassen, weist wohl auf Abhängigkeiten hin, zumindest ja von den USA, umso mehr, je weniger konsequent ein friedliches Zusammenleben mit der palästinensischen Bevölkerung verfolgt wird.
Und noch ein paar mich verwirrende Widersprüchlichkeiten im Gebrauch des Antisemitismus-Vorwurfs: Es gilt als antisemitisch, die Einmaligkeit des Holocaust zu leugnen, indem man ein anderes Verbrechen damit vergleicht. Das tat aber doch Joschka Fischer, als er das (angebliche)Massaker der Serben so bezeichnete, um die Linken für den Kosovo-Krieg zu gewinnen. Also ist er demnach ein Antisemit?
Hitler selbst ist für manche Rechtsnationalen nie gestorben, für die Kriegspropaganda der Rechts-Internationalen hingegen wird er anscheinend so häufig wiedergeboren, das man mit dem Zählen kaum nachkommt unter den Namen Saddam Hussein, Milosovich, Gaddafi, Putin......die Geschichte des 3. Reichs wird ohne Achtung vor Wahrheit verwendet, wie es gerade nützt, für uns!
Und zu den Vorwürfen an Ken Jebsen: dieser Dieter Koschmieder von der Jungen Welt kann sich seine Videos kaum wirklich angesehen haben, ich habe viele gesehen und nirgendwo ging es gegen das Judentum (geleg. Kritik an Israels Politik setze ich nicht gleich)und schon gar nicht gegen den Islam oder für Pegida! Abendländische Werte, Christentum - Blödsinn, also ich hab nichts dergleichen je von ihm gehört! Hätte er sowas gesagt, müsste er wohl schizophren sein, denn ich erinnere mich an ein engagiertes Jebsen-Video anlässlich Pegida in dem er Pegida verspottet und anklagt. Und er macht sich betont lustig über die angebliche "islamische Gefahr"! Er wirkt wenn, dann schon eher islamfreundlich, immerhin ist er auch Halb-Iraner und dort geboren. Bei "Je suis Charlie", Frankreichs 9/11, war er auch sehr skeptisch, vermutlich zu recht..! Allerdings scheint mir, dass er manchmal gerne etwas provoziert, die zitierte "Judas-Bemerkung" könnte gut ironisch gemeint gewesen sein, weil er weiß, wie seine Gegner das natürlich wieder interpretieren.
Auf die Beteiligung von auch jüdischem Kapital am Holocaust hat meines Wissens schon die Jüdin Hannah Arendt hingewiesen, wofür sie auch kritisiert worden war, aber sie wusste, wie wichtig die Wahrheit ist.


Am 05. September 2015 schrieb Pat Hall:

Mir als Bürger ist das Programm der LINKEN wichtigerals irgendwelche Queruleien in dieser Hinsicht. Es sind nur noch die Worte von Sahrah Wagenknecht & Osker Lafontaine glaubhaft


Am 04. September 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Liebe Frau Buchinger,

danke für dieses ausführliche Durchdenken des Geschehens!

Vieles an Ihren Ausführungen freut mich, besonders diese Zeilen:

"Und noch etwas war anders. Es waren keine Demos, die Forderungen an die Politik stellten. Es waren Versammlungen, die Leute zusammen brachten, die selber etwas ändern wollten und überlegten, wie das gehen kann."

Genau dies halte ich für einen ganz entscheidenden Punkt, der hier trefflich geschildert ist.
Dieser Ansatz, sich untereinander zu informieren und eigene Problemlösungen zu entwickeln, die Laiendarsteller in Berlin also im Grunde zu marginalisieren, der ist für das skerotisierte, festgefahrene Denken in Parteien-Kategorien eine schwer zu verkraftende Entwicklung.
Exakt mit dieser Strategie ist schon mal die Ökologie-Bewegung mit dem Bio-Anbau, der dezentralen Öko-Strom-Erzeugung etc. den damals etablierten Kreisen schwer in die Parade gefahren, wie inzwischen viele unter uns bemerkt haben dürften.

- Ein Wort zu Herrn Wurzelzwerg:
Seine Verunglimpfung von Ken Jebsen halte ich für "unterste Schublade".
Herr Wurzelzwerg scheint Schwächen in der sachlichen Argumentations-Fähigkeit aufzuweisen.
Aggressives, nicht belegtes Schwingen der Anti-Semismus-Keule ist nicht gerade eine Werbung für die Gedanken, die er etwas fanatisiert und rechthaberisch vertritt.


Am 04. September 2015 schrieb Reyes Carrillo:

Zum Schluss meines gestrigen Kommentars schrieb ich noch: „Ich kann mir beim besten Willen niemandem imaginieren, der/die (!) diesem Essay ernsthaft widersprechen wollte. Ohne sich zum Arschloch zu machen.“
Zu der Zeit konnte ich freilich noch nicht wissen, dass ein Herr Wurzelzwerg noch zu seiner Design-Feder aus geschmackvollem Stahlbeton greifen würde…


Am 04. September 2015 schrieb H.C. Hoffer:

Gesendet: Dienstag, 22. April 2014 um 23:29 Uhr
Von: xxxxxxxxxx

An: redaktion@jungewelt.de

Betreff: Falsche Freunde



Hallo Genossinnen und Genossen in der jW-Redaktion !!

Fangt ihr jetzt auch mit der Hetze gegen die Montagsdemos an?



"Die Widrigkeiten einer komplexen Welt werden mit einem schlichten Feindbild erklärt" - ja, die Sache ist ganz einfach: Krieg ist Geschäft - Brecht in Mutter Courage : "Der Krieg ist nix als die Geschäfte und statt mit Käse ist´s mit Blei " - 
Imperialismus-Kritik, dachte ich, ist doch euer /unser Ding - das sag ich als jW-Genossenschaftler und online-Abonnent!


Und die allererste Kritik, bevor ich den und den und den (BRDKapitalismus - PutinKapitalismus - ChinaKapitalismus -Kuba ...) kritisiere, ist die Kritik am US-Imperialismus, an dessen Finanzkapital (FED, Goldman Sachs u.a.m) an den HedgeFonds (BlackRock etc) an der Army/Navy/Airforce , an ihren Söldnern, an ihren 16 Geheimdiensten, an ihren 700 Basen weltweit, an ihren gewesenen und aktuellen, dreckigen, schmutzigen Kriegen ....und dieser US-Imperialismus marschiert voran auf unserem Planeten und exekutiert einen Kapitalismus, der absolut menschenfeindlich ist und immer höhere Leichenberge und weltweites Elend produziert - und das klagt ihr (die jW) an und ihr müsst dabei auch die handelnden Akteure benennen, wenn ihr euch nicht in einer nur pauschalen Anklage verlieren wollt ... und dann kommt ihr auf die US-Finanzkonzerne etc. s.o. zu sprechen !

So, ... und warum wollt ihr jetzt die Leute, die Frieden wollen und soziale Entwicklung und Medien, die sie nicht belügen und in Kriege hineinführen ... warum wollt ihr diese Leute jetzt anpissen?



Natürlich kann mensch dicke Bücher und Analysen verfassen ... und mensch kann es auch ganz einfach und schlicht sagen: MAKE LOVE, NOT WAR ! Also ganz ohne Scheiß: Wenn ihr auch - wie andere ( beim taz-Gesindel nicht anders zu erwarten/ bei attac für mich überraschend und sehr schmerzhaft) - die Antisemitismus- und die Verschwörungstheoretiker-Keule rausholt, dann werd ich
zweimal drüber schlafen .... und dann habt ihr sehr wahrscheinlich einen Genossen/und einen Abonnenten weniger! Es täte mir sehr leid! 


Schaut euch Jebsen an und sagt mir, was daran falsch ist :


http://www.youtube.com/watch?v=1uQslC2ToNc#t=1921 
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Inzwischen raus aus der jW ! 
Es tat und tut mir immer noch weh ....


Am 04. September 2015 schrieb Christel Buchinger:

Zu Herrn Wurzelzwerg möchte ich mich kurz äußern. Wenn Sie schreiben, Ken Jebsen äußere sich auf seiner Website antisemitisch, dann ist bei einem solchen Vorwurf ein Beleg, ein Zitat, ein Link nicht überflüssig. Wenn Ulla Jelpke aber Ihre Zeugin ist, sie konnte kein Zitat bringen. Ihr Umgang mit Jebsens Äußerungen ist übelster Gossenjournalismus, weil unterstellend und verfälschend. Kein Ruhmesblatt für Jelpke.


Am 04. September 2015 schrieb Rainer der Bergwichtel:

Sieht die Autorin nur sich und Berlin?
Oder schaut sie über die Grenzen hinaus.
Hier sind die Teilnehmer unter Führung eines Neonazis und mit entsprechenden Parolen und Fahnen durch die Stadt gezogen.
Da kann man leicht mit den Faschisten in einen Topf geworfen werden.
Und ich glaube es gilt noch, daß Linke keine Diskussionsgrundlage mit Faschisten finden!

Antwort von U. Gellermann:

Die Autorin stützt sich u. a. auf eine Studie der TU, die in sieben verschiedenen Städten erhoben wurde.


Am 04. September 2015 schrieb Torsten Sommerfeld:

@ Sigrid Krings
Sie sagen zurecht, dass Sie für eine große, überparteiliche Friedensbewegung sind, weil das angesichts der gefährlichen Lage gar nicht anders denkbar ist. Doch ist es dann nicht egal, was einzelne Leute denken? Ich habe mir einiges von den BRD-Friedensbewegten der 80er angehört: Die Meinungen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Doch vereinte sie das Ziel (In meiner eigenen Vergangenheit als DDR-Bewegter gab es solchen öffentlichen Pluralismus nicht^^). Es ist doch völlig absurd vorauszusetzen, dass alle einen linken Hintergrund haben, der dann auch noch ein uniformer sein soll! Die aktuellen Meinungsverschiedenheiten z.B. in der LINKEN-Fraktion von zum Euro/Nationalstaat sollten Beispiel genug sein...
Also, mir ist es wurscht, wie jemand denkt, wenn wir diese Friedensbedrohungen abwenden können. (Danke, Wolfgang Breuer, für ihren Beitrag!) Mit einzelnen Positionen kann man sich dann hinterher immer noch auseinander setzen. (Wobei ich befürchte, dass die aktuelle Linke sich dann wieder - unter dem Gelächter des Kapitals - in Grabenkämpfe verwickelt.)

Ich habe den Aufsatz von Frau Buchinger mit großem Interesse gelesen und war doch an einigen Stellen überrascht, wie tief dieser Riss geht. Für mich steht die Frage, was geht in solch Köpfen wie dem von Herrn Schädel vor? Eigenliebe? Verkünder der absoluten Wahrheit? Ich denke, dass eine Debatte mit der Jungen Welt nicht stattfinden wird.
Im übrigen halte ich Ken Jebsen - wenn man schon mal dieses Thema vor der Tastatur hat - für einen tatsächlich Friedensbewegten. Einen Menschen, der versucht die Hintergründe aufzudecken, die die Welt bewegen und kontrollieren. Mit ihm kann man reden...
OT: Da das mein erster Beitrag ist, möchte ich Ihnen, Herr Gellermann, danken, dass es dieses Blog gibt, mit wichtigen Texten und klugen Kommentatoren (Das ist kein Eigenlob^^!).


Am 04. September 2015 schrieb Marie Kenntemich:

Ich hab einen ganzen Tag darauf gewartet, dass ein oder mehrere Redakteure der JUNGEN WELT zur Kritik von Christel Buchinger Stellung beziehen. Vergeblich. Mir scheint, die JW kann oder will nicht debattieren.Das wäre in beiden Fällen ein Armutszeugnis. Denn, wie Uli Gellermann in seinem Vorspann schreibt: "Die JUNGE WELT ist eine wichtige linke Zeitung." Wenn sie sich der Diskussion verweigert, demontiert sie sich selbst.


Am 04. September 2015 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Was will die Autorin mit diesem Beitrag eigentlich? Die Junge Welt zu Fall bringen, Ken Jebsen zum Vorreiter des Friedenskampfes in der BRD machen, oder ist sie einfach nur unzufrieden damit, dass sich die linke, und das heißt auch und vor allem die kommunistische Bewegung der BRD nach der schweren Niederlage noch nicht wieder gefangen hat? Also eine besorgte Bürgerin, die nachts nicht schlafen kann, weil die Welt nicht so ist, wie sie sein könnte?



Zu einem gewissen Teil gehe ich mit den Vorwürfen an die Linke durchaus konform. Die linke Bewegung ist durch ihr scheinbares Dahinsiechen zur Harmlosigkeit und damit fast zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Es fällt schwer, in ihr noch den einstigen Riesen zu erkennen, der 1917 die Welt zu verändern begann. Die kommunistischen Parteien haben sich weitgehend zu revisionistischen und opportunistischen sozialdemokratischen Parteien `gewandelt´, und sie beeinflussen, ob gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst, die gesamte linke Bewegung, nicht nur in der BRD. Wir brauchen uns also nicht zu wundern, dass die deutsche Linke, sofern man sie noch als diese bezeichnen kann, in der Ukraine-Frage nicht aus den Puschen kam und auch sonst kaum in Erscheinung tritt. 



Es gibt viele unorganisierte Leute aus allen Klassen und Schichten der Bevölkerung, die mit der Welt, wie sie heute ist, nicht zufrieden sind, die aber nur sehr unklare Vorstellungen darüber haben, wie sie sein sollte, sie wissen nur: So gefällt sie ihnen nicht. Stuttgart 21 hatte gezeigt, dass es durchaus Widerstandswillen in der Bevölkerung gibt, aber der Verrat durch die Grünen zeigte ihr die Grenzen. 

Auch die Friedensmahnwachen sind ein Beispiel für den Unmut mit der gegenwärtigen politischen Situation, der in der Bevölkerung herrscht. Aber über sie wird kaum noch gesprochen, und wenn, dann nur in Zusammenhang mit einer Querfrontbewegung: Ken Jebsen und sein Freund Elsässer wollten die Querfront der zwanziger Jahre wiederbeleben, wird gesagt, die sich so widerstandslos vom Hitlerfaschismus vereinnahmen ließ. Ken Jebsen ist zum Reibungspunkt geworden, an dem sich die Linke die Zähne abwetzt. Zum Vorwurf wird ihm gemacht, er habe sich antisemitisch geäußert, er habe den Antideutschen (oder wie auch immer) Elsässer bei den Mahnwachen auftreten lassen, sein einziger Feind sei die FED, er negiere aber den deutschen Imperialismus, und für ihn gebe es kein Links und kein Rechts mehr, die Deutschen seien e i n Volk, das nun gemeinsam gegen den Krieg protestieren wolle. Da fällt einem unbewusst, ob man will oder nicht, die Nazi-Volksgemeinschaft ein. 



Fest steht, dass sich Ken Jebsen zum Beispiel auf seiner Homepage antisemitisch geäußert hat. Ulla Jelpke hat das mit feinem Gespür bemerkt und das auch gesagt. Wenn man dort nämlich von jüdischen Bankern liest, kann man schon auf die Idee kommen, Ken Jebsen mag Juden nicht, und das nicht, weil sie Banker sind, sondern weil sie Juden sind, wenn in einem kleinen Attribut der Glaube der Banker hervorgehoben wird und nicht ihre verheerende Tätigkeit. Dass ihn Broder als Antisemiten bezeichnet, verwundert deshalb eigentlich nicht, das kam wie erwartet, darüber muss man sich nicht aufhalten. Was aber Jutta Ditfurth angeht, so hatte sie offensichtlich dasselbe feine Gespür wie Ulla Jelpke, auch wenn sie dies in einem bundesdeutschen Medium, dem Fernsehen, öffentlich machte, was ihr angekreidet wird. Man lässt auch einen Elsässer mit seinen Parolen, der jetzt übrigens bei den Nazis gelandet ist, nicht ohne eigenen Schaden an seiner Person auf einer Demo von Friedensbewegten auftreten. Ich will Ken Jebsen den guten Willen ja nicht absprechen, aber irgendwie schillert er mir zu sehr, irgendwas scheint nicht zu stimmen.



Was die Junge Welt angeht, muss ich der Autorin Recht geben. Auch ich habe mich schon manches Mal gefragt, welcher Teufel die Redakteure da reitet, diesen oder jenen Beitrag zu veröffentlichen. Das ist aber keine neue Erscheinung, das kenne ich, seit ich die Junge Welt lese. In Leserbriefen wird die Junge Welt dann schon mal korrigiert, es wäre schön, wenn sich daraus eine Diskussion entwickeln würde, auch sie würde zur Klärung innerhalb der Linken beitragen können. Nichts zu mäkeln gab es für mich aber bei der Griechenland-Berichterstattung, ganz im Gegensatz zum Neuen Deutschland, wo ständig der Gysi als Grandväterchen herauskuckte. Nicht ganz vergessen habe ich auch den Boykott-Aufruf der Linkspartei (war das 2011?) gegen die Junge Welt. Es wäre verheerend, wenn wir die Junge Welt nicht mehr hätten oder wenn sie sich so verändern würde, dass sie sich von den Mainstream-Medien nicht mehr unterschiede.



Jetzt aber geht es für uns Linke erst einmal darum, das Schlimmste zu verhindern, einen europäischen Krieg. Da wird jede Stimme gebraucht, da ist es jetzt nicht wichtig, ob einer bloß seiner Wut Ausdruck gibt oder seinen esoterischen Fimmel pflegt oder gar die EU für eine Organisation des friedlich gewordenen Monopolkapitals hält. Wichtig ist nur, dass er 
protestiert, seinem Willen Ausdruck gibt, nicht für die Interessen des Kapitals Leib und Leben zu opfern. Und trotzdem: Die ganze Friedensbewegtheit taugt nichts ohne konsequenten Antifaschismus.



Zum Schluss hätte ich noch eine Frage an die Autorin:

Wie meinen Sie denn das Folgende:

Zitat:
"In der Jungen Welt ist der Zustand von Teilen der Linken abgebildet, jener Linken, die sich radikal oder marxistisch oder kommunistisch oder alles gleichzeitig wähnen. Kennzeichnend für diese Linke ist, dass sie gesellschaftlich isoliert ist. Dies führt sie selber gerne auf den noch immer wirkenden Antikommunismus und die Linkenhatz zurück. Aber der Antikommunismus hat viel von seiner Wirkung verloren, nicht nur bei jungen Menschen. Die radikale Linke betreibt vielmehr eine sehr effiziente Selbstisolierung. Sie wirkt nach außen unattraktiv. Attraktivität ist aber Teil der Fähigkeit, eine Gegenhegemonie gegen die neoliberalen Machteliten aufzubauen. Die radikale Linke aber ist abgeschottet von der Gesellschaft, zerstritten, misstrauisch, gibt sich elitär und teilweise rückwärtsgewandt, ist voller Vorurteile und wahrscheinlich durchsetzt von Agenten. Sie bietet reichlich Platz für Selbstdarsteller, Wichtigtuer, Halbgebildete und Looser, die sich durch ihr Dabeisein Bedeutung zu geben versuchen. Die Linke hat kein Charisma und sie findet das noch nicht einmal traurig. Sie sind stattdessen gerne graue Mäuse, Hauptsache, sie haben Recht."




Ich will ja Ihrer Antwort nicht vorgreifen, aber diese Zeilen könnten auch in der Mainstreampresse erschienen sein; sie erinnern mich auch fatal an bekannte Beschimpfungen, sogar von sogenannten Linken, mit denen beispielsweise die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) belegt wurde, weil sie sich nicht an der rückgratlosen sozialdemokratischen Syriza-Regierung beteiligte. Das aber nicht, weil sie "verrostete Vorstellungen von Revolution" hatte (s. Occupy), sondern weil sie als marxistisch-leninistische Partei sich nicht zu bürgerlichen Abenteuern hinreißen lässt, die am Ende das griechische Volk bezahlen wird, und weil sie nicht an Regierungsposten und Parlamentarismus interessiert ist, sondern ihren Platz zum Kämpfen mitten im griechischen Volk sieht. Und weil sie niemals das Ziel wahre Volksherrschaft im Sozialismus aufgegeben hat. Und das ist es, was ihr von so manch einem heutigen Linken nicht verziehen wird. Wenn die KKE gegenwärtig auch nicht allen Griechen als `attraktiv´ erscheint, was sich dann in Wählerprozenten auszahlen könnte, so wird ihr doch die Zukunft Recht geben. Und das, Sie werden mir sicher zustimmen, zeichnet sich allzu deutlich bereits jetzt ab.

Antwort von U. Gellermann:

Wie die ganze miese Medienfront auch behaupten Sie, Ken Jebsen sei Antisemit. Aber, wie alle anderen auch: Sie belegen nichts. Kein wörtliches Zitat, nur Meinung. Wer derart in das bürgerliche Horn tutet, sollte sich besser aus einer ernsthaften linken Debatte raushalten.


Am 04. September 2015 schrieb Sigrid Krings:

Diese Debatte ödet mich an, und zwar von beiden Seiten. Glaubt vielleicht jemand, dass man durch solche Schlammschlachten Anhänger für die Friedensbewegung gewinnt? Ich respektiere den Standpunkt von Junge Welt, sich auf diese Auseinandersetzung nicht einzulassen - nur hätten sie dann auch so konsequent sein sollen und besagte Artikel von Bratanovic usw. auch nicht veröffentlichen sollen. Junge Welt ist eine Tageszeitung, die aktuell zu berichten hat und nicht das Sprachrohr für Auseinandersetzungen in der Friedensbewegung. Die politischen Hintergründe über die Kriegs- und Krisengebiete liefert die Zeitung, das ist ihre Aufgabe, und die Berichterstattung über die Ukraine und Russland z.B. war ausgezeichnet, und das sage ich auch als Kenner der französischen Presse. Es ist die Aufgabe der Friedensbewegung, diese Informationen in Handlung umzusetzen.
Nun zu einigen Details. Ich will weder bestimmte Personen noch Gruppierungen
ausgrenzen, sondern bin für eine große, überparteiliche Friedensbwegung. Etwas anderes ist aufgrund der Gefährlichkeit der aktuellen Situation gar nicht denkbar. Aber muss ich deswegen alles gut finden, was manche Leute äußern? Wenn es z.B. heißt, an allen Kriegen sei die FED schuld und amerikanisches Kapital hätte ja auch schon die Nazis mit finanziert - was soll das denn heißen?! Es waren die Deutschen, die die NSDAP gewählt haben, nicht die Amerikaner!
Die Europäer haben es mehrfach geschafft, sich ohne Zutun der Amerikaner in Kriege zu verstricken. Auch in der Ukraine sind sie keine Opfer, sondern Akteure.
Ein weiteres Beispiel für Äußerungen, die ich nicht gut finde, sind gewisse Assoziierungen Israels mit dem NS-Staat, das halte ich historisch und juristisch für unzulässig. Außerdem ist es für einen Friedensprozess, auf den man ja immer noch hofft, kontraproduktiv..
Das sind nur einige Beispiele für eine Art von Polemik, die da offenbar in Teilen der Friedensbewegung hingenommen wird- aber das soll jeder für sich selbst entscheiden. Ebenso muss man aber auch das Recht haben, derartige Äußerungen zu kritisieren oder abzulehnen, so etwas nennt man demokratisch. Es ist ein Trauerspiel, wenn einem dann unterstellt wird, man wolle "ausgrenzen" oder wenn man dann in eine bestimmte Ecke gestellt wird.


Am 03. September 2015 schrieb Wolfgang Breuer:

Sorry, der Text von Christel Buchinger hat neben der Länge noch einen weiteren Haken: Er ist sehr rückwärtsgewandt. Wie auch Teile der Diskussion auf der RG. Da diskutieren wir über echte und unechte Friedensbewegung, während die USA Tarnkappen-Bomber an die Grenze zu Russland verlegen, von Deutschland aus gesteuerte Drohnen Menschen töten und uns die immer größere Zahl an Flüchtlingen mit all jenen Kriegen konfrontiert, die im Namen der NATO-Freiheit angezettelt wurden. Haben wir die Zeit für eine solche Rückwärts-Diskussion? Oder wäre es nicht viel sinnvoller, jetzt alle Kräfte zu bündeln, die dem aktuellen Kriegswahn eine Absage erteilen wollen? Wo ist ein bewegender Appell, der dem Friedenswunsch unserer Bevölkerung entspricht, der wirklich breite Schichten mobilisiert? Der unsere Regierung unter Druck setzt, sich allen aggressiven Ideen vor allem der USA zu widersetzen, denn der nächste Krieg dürfte in unserer Nähe und nicht in Texas oder Wisconsin stattfinden. Wie wäre es, die Friedensbewegung würde etwas von den Campact- und Stoppt TTIP-Kampagnen lernen? Und die jw würde als wichtige linke Tageszeitung eine solche Friedensbewegung mit organisieren, ermutigende Beispiele und Aktionen vermitteln, dem Widerstand mehr Raum als der internen Debatte einräumen? Ich lese weiter die jw, mal sehen, ob sich was bewegt. Wir sollten uns allerdings sehr rasch für den Frieden bewegen.


Am 03. September 2015 schrieb Jochen Scholz :

Inhaltlich ist dem Essay von Christel Buchinger und dem von der jw nicht veröffentlichten Leserbrief von Klaus Hartmann (Freidenker-Verband)

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21984

nichts mehr hinzuzufügen.

Wenn sich eine für das linke politische Spektrum so wichtige Zeitung offensichtlich entschlossen hat, in der wichtigsten politischen Frage - der von Krieg und Frieden, entgegen ihres Mottos "Sie lügen wie gedruckt - wir drucken, wie sie lügen" - genau diese Lügen ebenfalls zu drucken, gibt es nur ein adäquates Mittel, sie daran zu hindern, nämlich die Folterwerkzeuge auszupacken. Das versteht dann auch ein Geschäftsführer: Thomas Immanuel Steinberg hat mit der Kündigung seines Genossenschaftsanteils das Zeichen gesetzt, dem alle folgen sollten, die den objektiv antideutschen Kurs des Blattes in dieser Fage nicht hinnehmen wollen. Also: auch nicht mehr kaufen, nicht mehr abonnieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob hier seitens der Okkupanten Ideologie, Dummheit oder Unterwanderung vorliegt. Aus dem Folgenden möge jedermann seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen: Ken Jebsen wurde der Zugang zur Rosa-Luxemburg-Konferenz verwehrt. In den Monaten zuvor hatte er drei Telefoninterviews mit Willy Wimmer veröffentlicht, der Gast bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz war. So etwas nennt man kognitive Dissonanz, mit Wohlwollen jedenfalls.


Am 03. September 2015 schrieb Edith Gärtner:

@ Thomas Movtchaniouk

Es gibt zu den Montagsmahnwachen mehr als den Augenschein. Schon vor Wochen hat die Rationalgalerie eine Studie der TU "Eine Befragung von Teilnehmer/innen der
„Montagsmahnwachen für den Frieden“ zitiert und zum Versand angeboten. Der Studie kann man entnehmen, dass die Mehrheit der Wachen-Teilnhemer links wählen und der Anteil vom Rechten sehr klein ist. Ausser Gellermann hat offenkundig keiner die Studie publiziert und sich mit ihr beschäftigt. Das ist ein Armutszeugnis. Nicht nur für die JW. Auch für die Linkspartei. Dass die TU-Umfrage im Mainstream keine Rolle spielt ist normal: Man hätte ja Erkenntnisse gewinnen können. Wie schrecklich.


Am 03. September 2015 schrieb Frank Burkhard:

Dem Text von Christel Buchinger stimme ich in vielen Punkten zu, wenngleich ich (vielleicht aus Verliebtheit) Jutta Ditfurth anders einschätze (sie weiß, was sie tut, und hat noch etwas in der Hinterhand).
Problematisch erscheint mir, wie der Text in der Rationalgalerie präsentiert wird. Ist er anderswo bereits erschienen? War es ein öffentlicher oder ein interner Brief an die junge Welt? Ist er datiert?
Über das ganz klar auf den Punkt gesetzte Gedicht von Lutz Jahoda habe ich mich gefreut. Spätestens seit seinem Buch „up & down“ weiß ich, was für ein kenntnisreicher Historiker der Geschichte des 20. Jahrhunderts er ist!

Antwort von U. Gellermann:

Frau Buchinger hat Ihr Essay der JW vor Wochen geschickt. Veröffentlicht wurde er nicht. Sie bekam bisher auch keine Antwort.


Am 03. September 2015 schrieb Thomas Movtchaniouk:

Ich möchte, mit Verlaub, hierzu gerne zitieren, was ich selber im Mai 2014 zu diesem Thema geschrieben habe:

"Wir undogmatischen Linken und die Montagsdemos
Sonntag, 11. Mai 2014, 22:07

Dass die Protagonisten der „neuen Friedensbewegung“ und der allwöchentlichen Mahnwachen in Berlin teilweise (sehr zurückhaltend ausgedrückt) fragwürdige Gestalten sind – geschenkt. Tatsache ist aber, dass viele der Leute, die dort auf die Straße gehen und sich für Frieden und Gerechtigkeit, gegen Unterdrückung und Ausbeutung starkmachen wollen, eigentlich unsere natürlichen Verbündeten sind. Die dargebotenen Analysen mögen unterkomplex und irreführend sein, und daran zu glauben, naiv; aber dürfen wir Linken es uns leisten, einen solchen (oft noch un- oder fehlartikulierten) Protest gegen das System selbstherrlich rechts liegen zu lassen?

Nein, ich meine, wir sollten dort hingehen, wo ja angeblich ein offenes Forum besteht, uns das Mikro schnappen und über die Zusammenhänge des Kapitalismus aufklären – denn sonst landen viele derjenigen, die dort von uns alleingelassen ihre Wut demonstrieren, am Ende tatsächlich bei den ganz Rechten, und das können wir nicht wollen.

Nicht Aus- und Abgrenzung werden uns weiterhelfen, sondern die Leute da abzuholen, wo sie nun einmal stehen, um sie durch gutes Zureden auf einen besseren Weg zu bringen. Das mag möglicherweise wiederum arrogant klingen – aber kluge Köpfe wie z.B. Jutta Ditfurth hätten doch durchaus das Zeug, die Leute zu überzeugen, wenn sie nur genügend Geduld aufbrächten."
http://misanthrope.blogger.de/stories/2401873/

Aber auch dieses (Belege finden sich als Verlinkungen im Original-Text):

"Unerfreuliches bei/über Montagsdemos
Samstag, 10. Mai 2014, 16:04

Wozu braucht eigentlich eine Bewegung, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und "Selberdenken" einsetzt, solche andauernd und immer wieder redenden "Vordenker"?
Lars Mährholz behauptet, die US-Notenbank FED sei für alle Kriege der letzten 100 Jahre (also u.a. auch den Zweiten Weltkrieg) verantwortlich.
Andreas Popp beruft sich in seinem "Plan B" u.a. und v.a. auf den antisemitischen Nazi-Theoretiker Gottfried Feder.
Jürgen Elsässer ist ein berüchtigter Rechtspopulist und Querfrontler, der sich aktuell von der AfD feiern lässt.
Moustafa Kashefi - Künstler(?)name Ken Jebsen - spricht neuerdings unverhohlen gegen die Demokratie und für "biologische Prägungen" - und feuert schwere Breitseiten gegen die Linken ab, denen (ausgerechnet) er Kadergehorsam vorwirft und dass sie die persönliche Meinungsfreiheit ersticken würden...
Und das Publikum? Als ich kürzlich einen kritischen Demo-Bericht bei Fratzbuch weiterverteilte, bekam ich zuerst wie üblich zur Antwort, dies sei "Lügenpresse" bzw. "billige Propaganda", bis es dann auch ganz schnell hieß, es ginge um bzw. gegen "das jüdische Großkapital, dass uns dabei ist zu versklaven"...
Trotzdem bleibe ich dabei: wir Linken sollten die Veranstaltungen dieser "neuen Friedensbewegung" nicht boykottieren, sondern selber lautstark mit auf die Straße gehen und den berechtigten Protest nicht solchen selbsternannten (und anscheinend charismatischen) dubiosen (Wort-)Führern alleine überlassen."
http://misanthrope.blogger.de/stories/2401443/


Am 03. September 2015 schrieb Harry Popow:


Auch ich bedanke mich bei Christel Buchinger und bei Ulli Gellermann, diesen Beitrag veröffentlicht zu haben. Welch eine Mühe verwendet sie darauf, die widerstreitenden Gemüter auseinander zu halten, für mehr Klarheit in Haltungsfragen zu sorgen. Trotzdem: Wer sieht da noch durch bei dieser angeblichen ?Meinungsvielfalt?? Das eigentliche Dilemma liegt doch darin, dass sich die Machtelite die Hände reibt. Mögen sich die Leute im Sinne der Verteidigung des Pluralismus ruhig streiten, desto unglaublich schwerer haben es die, die sich zu einem WIR zusammentun wollen. Und sie scheinen Erfolg zu haben. Wie kann es da u.a. passieren, dass die hauseigenen bürgerlichen Medien sich wie ein Schweigekartell verbarrikadieren ? in einigen Fällen auch die junge Welt - ,wenn es darum geht, die Ursachen von Kriegen und Flüchtlingsströmen glasklar zu benennen? Das betrifft auch die Scheu, linksgerichtete Rezensionen zu solchen Büchern wie "Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet", Autor Michael Lüders zu veröffentlichen. Man bekommt nicht einmal eine Antwort. Die Sorge geht um, dass selbst stark links ausgerichtete Blätter im Chor der Zahnlosen mitmischen wollen?


Am 03. September 2015 schrieb Detlev Matthias Daniel:

Also mir wurde bei der Lektüre nicht die Zeit, sondern nur die Nacht lang. Nebenbei an Frau Carillo: Daß ausgerechnet Sie die Länge beklagen ?! Allerdings braucht es eine Zeit, nicht nur das zu lesen, sondern auch das zu verdauen. Zwischen den Zeilen findet man dann eine Antwort, die die Autorin gar nicht beabsichtigte: Was, wenn die sich emanzipierende Mehrheit der Menschen den patinierten linken Ideen nicht folgen will? ... ? Was, wenn die ihre eigenen Ideen entwickeln und ausprobieren wollen?


Am 03. September 2015 schrieb Manfred Ebel:

Von zweien ist ein Grundmuster eines Gesprächs die Heuristik.
Das andere Grundmuster ist das der Debatte (nieder- oder zer-schlagen).

Ersteres ist das typische für suchende, wissenwollende, aufgeschlossene, vertrauende, freie Gesprächs`partner´. Gesellschaftspolitisch sind das die Massen.
Zweiteres ist das der Konkurrenz, des Verkaufenmüssens, des Neids, des kriegerischen Sich-Behauptens - mithin die Wahl der Wenigen, der unfreien Unterdrücker, das Diktat von `Oben´ nach `Unten´.


Ersteres ist Verständnis, das zu erarbeiten seine Zeit dauert. Zweites ist ist in seiner kürzesten Form der Befehl.

Buchingers Artikel belegt eindringlich, dass in unserer Gesellschft fast ausschließlich debattiert wird und selbst die für die Befreiung der Massen von Knechtschaft einzig mögliche Avantgarde den tugendhaften Pfad der Aufklärung, des partnerschaftlichen Gesprächs zu beachtlichen Teilen verlassen hat - personell und inhaltlich.

Ja, vor allem getrauen sich die, die sich für die Aufgeklärtesten halten, nicht mehr Erstrebenswertes zu formulieren. Historische Mission? Fehlanzeige! Wesen und Erscheinungen werden nicht analysiert und demgemäß Strategie und Taktik nicht folgerichtig und schlüssig ermittelt. Statt dessen "... es ihr um die Verschönerung des Kapitalismus geht." (... und des eigenen persönlichen behaglichen Platzes darin!) Es dominieren Argumente des "wo gegen", nicht die "wo für". Wenn wenigstens die "wo gegen" klar wären, fiele die Entscheidung leicht, mit wem man (meinetwegen zeitweilig) zusammengeht. Wichtiger als die Friedenssicherung ist bedauerlicherweise derzeit der gute Ruf. "Guter Ruf"? - bei wem? Das ist ein Erfolg imperialistischer Indoktrination. Linke! Ihr könnt im Kapitalismus nur unter den Massen einen guten Ruf haben. Loben Euch Kapitalisten, habt ihr Fehler begangen.

Wer als marxistischer Linker den Sturz des Kapitalismus aufgibt, ist gar kein Linker mehr. Daran ändert auch das nunmehr überrangige, lebensnotwendige Ziel der Friedenssicherung nichts. Ganz im Gegenteil bestätigen sich in diesem Kampf alle historischen Lehren und die Wahrheit des M/L.


Alles Unbill, alle Not, die es heute weltweit gibt, sind aus dem Wesen des Kapitalismus entstanden.
Aufgabe der m/l LINKEN ist nicht Selbstverteidigung gegen Windmühlenflügel.
Wirklich Linke Positionen sind für die Massen klar, charmant, attraktiv.
@ cc, die `subversiven Zellen´ gibt es.


Am 03. September 2015 schrieb Silke Hauptkorn:

Vielen Dank für diese Veröffentlichung, vor allem aber einen riesengroßen Dank an die Autorin Christel Buchinger!

Es trifft - für mich - den Nagel der Zeit dermaßen auf den Kopf, dass nur noch eins zu sagen bleibt: BRAVO und DANKE!

Ein Aufruf für den Herbst des Widerstands!


Am 03. September 2015 schrieb Thomas Immanuel Steinberg:

Die junge Welt als Veranstalter der Rosa-Luxemburg-Konferenz in der Berliner Urania im Januar 2015 hat Ken Jebsen Hausverbot erteilt. Die an Abstrusität nicht zu überbietende Begründung dafür lieferte der Verlagsleiter des 8.-Mai-Verlags, Peter Borak: Jebsen nutze junge-Welt-Veranstaltungen für das Abwerben von Interviewpartnern. Hinter Verbot, Begründung und Verlagsleiter steht Dietmar Koschmieder, dem der Verlag zu 48% gehört. Er sorgt mit seiner Minderheitsbeteiligung dafür, dass Menschen wie Sebastian Carlens der jungen Welt den Ast absägen, auf dem sie sitzt. Gegen Koschmieder werden sich Redaktion, freie Mitarbeiter und Genossenschaft nicht durchsetzen können. Ich habe daher meine Mitgliedschaft gekündigt.


Am 03. September 2015 schrieb Lutz Jahoda:

Aufruf zur Mäßigung

Träumele, Träumele,
schüttelt das Bäumele!
Die Guten ist Töpfchen,
die Schlechten ins Kröpfchen!
Knapp hundert Jahre
zurückgeblickt:
daran ist Deutschland
schon eimal erstickt.


Am 03. September 2015 schrieb Jürgen Heiducoff::

Danke Christel Buchinger, danke Uli Gellermann für diese Veröffentlichung !!!
Eine qualifizierte Auseinandersetzung mit der Mahnwachenbewegung, dem Friedenswinter etc. wäre geboten gewesen. Meines Erachtens ist es dazu noch nicht zu spät. Statt dessen wurden viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit vergeben. Vieles spricht für eine unbewusste Zuarbeit in Richtung der Gewinnler einer Militarisierung und des Schürens von Krisen und Kriegen.
Unverantwortlich ist diese Diffamierung einer sozialen Bewegung bereits in ihren Ansätzen. Noch schlimmer, wenn daran auch das selbst zerstrittene linke Spektrum beteiligt ist.
Das Resultat heute ist eine Spaltung und Dezimierung der Friedensbewegung und dies in einer Situation, wo die Kriegsgefahr höher denn je ist. In ihrem jetzigen Zustand wird leider die Friedensbewegung nicht mehr der Bezeichnung einer soziale Bewegung gerecht. Cui bono?
Unbelegte Schuldzuweisungen statt Argumentation auf gleicher Augenhöhe sind methodisch und inhaltlich inakzeptabel. Kann es sein, dass sich einige Führungskräfte der traditionellen (überalterten) Friedensbewegung in ihrer Eitelkeit verletzt sahen?
Karl Marx erkannte: "Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift."
Diese Erkenntnis resultiert aus der Geschichte der Menschheit. Sie bestätigt sich auch immer wieder in der Gegenwart. Und die Idee eines spontanen Protestes gegen Kriege in der Ukraine und auf dieser Welt ist es wert, den Menschen öffentlich präsentiert zu werden. Das ist das Verdienst der Montagsmahnwachen.
Spontan und zufällig, wie viele gesellschaftliche Ereignisse entstanden diese Montagsmahnwachen für den Frieden. Dank der technischen Möglichkeiten der modernen Informationstechnologie und Vernetzung breiteten sie sich über das ganze Land aus. Menschen aus der Mitte der Gesellschaft nehmen teil. Sie einte die Sorge um den Frieden. Und sie waren und sind durchdrungen von Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit.
Besonders das offene Mikrofon kam bei den Leuten gut an. Sie fühlten sich einbezogen und nicht bevormundet.
Humanitäre Ideen wie die Ablehnung des Hasses als Triebkraft in der gesellschaftlichen Praxis sind gar nicht hoch genug zu bewerten.
Auch der Verzicht auf Appelle an die Politik und stattdessen die Aufforderung, dass sich die Menschen, alle Anwesenden zunächst selbst in Richtung friedlichen Umganges miteinander ändern müssten, sind neue Ansätze.
Sie sind es wert, weiter diskutiert und verfolgt zu werden.
Das wünsche ich mir!!!
Nicht nur die JW hat versagt, sondern mit ihr große Teile des linken Spektrums unserer Gesellschaft. Dennoch unverzeihlich für die JW. Dutzende meiner Manuskripte, auch zu Problemen der Friedensbewegung, sind von der Redaktion JW ignoriert worden - ohne Kommentar. Schade für ein Medium, das sich die Verbreitung der WAHRHEIT auf die Fahnen geschrieben hat. Doch ich bin nicht pessimistisch und glaube an die Vernunft. Es ist nie zuspät!


Am 03. September 2015 schrieb Greta Vandergert:

In diesem Artikel kann ich alles unterschreiben. Bis auf die Schluss-Apotheke und ihre Forderungen. Zwar halte ich auch die für richtig, aber natürlich gäbe es noch ein gutes Dutzend mehr, die man aufführen könnte. Kurz: Die Redaktion hätte diese Passage streichen können. Manchmal ist weniger einfach mehr.


Am 03. September 2015 schrieb Reyes Carrillo:

„Ja, seid ihr irre?“ – Dies die erste Reaktion allein auf die mörderische Länge des Artikels, ok, des Essays. Wahrscheinlich – einsamer - Rationalgalerie-Rekord. In mir generiert ein solcher Monsterartikel, ich bleibe bei Artikel, automatisch Unwillen und Abwehr angesichts der Wortflut, die jeden Tag gelesen und verarbeitet werden will – und ganz generell darüber, dass jemand meint, sich derart auskotzen zu müssen. „Wohl das Klo besetzt, hä?“, hetzt es da in mir. Und lese ich dann klassische Links-Hülsen wie die von der „Gegenhegemonie gegen die neoliberalen Machteliten“ (würg; so erforderlich diese auch ist), dann werde ich noch lustloser. Die Rationalgalerie lese ich ja (u.a.) auch deshalb so gerne, weil sie weitestgehend auf Links-Sprech verzichtet – und gerade dadurch unglaublich links, vor allem „attraktiv links“ ist! Auch der, dankenswerter Weise nur zart anklingende Gender-Sprech ist nicht mein Ding. Noch was? Selbstverständlich. Wer demonstrativ hinterm Doppelpunkt klein schreibt, der hat bei mir eh verschissen. Ist doch wahr!
Ach ja, und den islamophoben und homophoben Demagogen Jürgen Elsässer irgendwie zu einem bloßen „Rechten“ zu verzwergen ist im Kontext des Artikels und seines Anliegens zwar nachvollziehbar und meinetwegen formal richtig, aber trotzdem ärgerlich. Dass ganz grundsätzlich (in diesem Artikel verschmerzbare) Ausblendungen und/oder Relativierungen und/oder Marginalisierungen geradezu unvermeidlich zu den Abfallprodukten einer starken Meinung gehören, ist natürlich eine Binse.

Äh, habe ich eigentlich schon erwähnt, dass dies ein ganz großartiges Essay zur Lage dieses Landes (ja, nebenbei der ganzen Weltlage) und seiner unglaublich doofen, also total bescheuerten Linken ist? Dann ist das dringendst an dieser Stelle nachzuholen! Jede mögliche Kritik sackt dagegen freilich schamesrot zu Boden. Was Psychologieprofessor Rainer Mausfeld in einer Mail an Anbrecht Müller schreibt, seziert dieses Essay bravourös bis tief in die osteoporösen, linken Knochen! Mausfeld: „Die deutschen Linken haben ja seit je eine besondere Neigung, einen „Narzissmus der kleinen Differenzen“ (Freud) zu pflegen und einen Großteil ihrer Energie auf Ausgrenzungs- und Abgrenzungsarbeit zu verwenden – eine recht erfolgreiche Selbst-Zersetzungsarbeit, die den Eliten ermöglicht, sich behaglich in einen Narzissmus der großen Differenzen zum Rest der Bevölkerung einzurichten.“

Diese kluge, weit gefächerte und vielschichtige, in die Kritik an der jungen Welt verkleidete Abrechnung mit großen Teilen der Linken ist ein Labsal für jeden, pardòn für jede an linker Einfalt verzweifelnde Seele! Als eine, die wegen derselben Sache auch vor der Kündigung ihres junge Welt-Abonnements stand (es aber aus kühlem, egoistischen Kalkül dennoch behielt), kann ich jeden Vorwurf der Autorin an diese Adresse bis zum letzten Komma unterschreiben. Unglaublich, was sich diese Betonmischer aus jener Redaktion da leisteten und leisten! Der Blick auf das, was Linke und linke Politik überhaupt zu leisten, aber vor allem auch nicht zu leisten hat, ist analytisch hervorragend und ist es allemal wert, diese vielen Zeilen zu lesen! Vielen Dank deshalb an die Autorin dafür, dass sie mit ihrer Wut nicht aufs Klo gegangen, sondern diese ausgezeichnete, äußerst produktive und konstruktive Lektüre verfasst hat!

Eine Debatte soll dieser Beitrag auslösen? Welche Debatte? Ich kann mir beim besten Willen niemandem imaginieren, der/die (!) diesem Essay ernsthaft widersprechen wollte. Ohne sich zum Arschloch zu machen. Andererseits: Vielleicht traut sich ja wirklich ein junger (Hinter-)Weltler aus seiner Sekten-Ecke, also einer/e von denen, die einfach nicht schnallen, dass freilich sie die - linken - Sekten-Gurus geben und nicht die Jebsens und Mährhölzer und…?


Am 03. September 2015 schrieb La Gioconda:

Ich greife mal aus dieser durchgängig zutreffenden Kritik an der/den Linken eine Frage heraus:

"Ob Ditfurth wusste, wessen Geschäft sie da betrieb?"

Ich halte Jutta Ditfurth für eine hochintelligente Frau und allein schon deshalb muss sie wissen, wessen Geschäft sie betrieb und betreibt. Sie wird das billigend in Kauf nehmen, weil es ihrem Ego nützt. 


Jutta Ditfurth kämpfte einst vehement gegen das Establishment und die Eliten und - um es wirklich jedem zu beweisen - eliminierte gar das ererbte Adelsprädikat. Das Problem ist nur, dass sie strukturell im höchsten Maße elitär ist und dies nie ablegen konnte. Sie fühlt sich als radikal-oppositionelle, intellektuelle Elite und wenn sich in ihrem politischen Dunstkreis eine (Massen-)Bewegung bildet, läuten bei ihr alle Alarmglocken. Sobald ihre politischen Positionen in der Masse ankommen, ist ihr Elitestatus in Gefahr. Da wird dann auch mit allen unlauteren Mitteln auf Personen losgegangen, ein alberner Prozess geführt, für den sie gar kein Geld hat und deshalb regelmäßig Bettelbriefe rundmailt.


Mir jedenfalls stellt es sich so dar. Ihr Alleinvertretungsanspruch der linken und friedenspolitischen Opposition im Lande hat - übrigens zunächst auch bei mir - die Berührungsängste mit den Mahnwachen bestärkt. Wie sie den unbedarften Mährholz fertig zu machen versucht, der tatsächlich aus dem Nichts eine ansehnliche Anzahl von friedensbewegten Leuten mobilisieren konnte, ist nachgerade lächerlich. 


Sie lässt sich von den Medien, die sie ja sonst nicht gerade hofieren, als Kronzeugin gegen die Mahnwachen missbrauchen. Um letztlich zu verkünden: L´opposition, c´est moi.



Am 03. September 2015 schrieb curti curti:

Die von Christel Buchinger zutreffend beschriebene Misere hat auch ihr Gutes - es zeigt sich unverblümt wer wo steht. Diese Offenbarung geht über die "junge Welt" weit hinaus!

Was es jetzt braucht sind freimütige Geister die Farbe bekennen und sich nicht von Schmierentheater beirren oder verunsichern lassen. Ausgeartete Zöpfe abschneiden ist das Gebot der Stunde.

Es bedarf weder der gegenwärtigen "JUNGEN WELT", noch "DIE LINKE" (eigentlich ist der Name bereits eine Anmaßung), geschweige denn Jutta Ditfurth, um zu wissen wo das Herz schlägt, das Gewissen verortet ist und wie der Verstand das umsetzen sollte.

P.S. Hab gestern eine Empfehlung gelesen, man solle mit 4-5 Freunden oder Bekannten eine "subversive" Zelle gründen und sich aussprechen wo es drückt. In einem Buch von Daniela Dahn las ich letztes Jahr von "runden Tischen", die es in der DDR gab und an denen gesellschaftlicher Querschnitt beteiligt war. Denke, so kommt man viel, viel weiter als mit "pseudolinken Bremsklötzen"!


Am 03. September 2015 schrieb Lisa Aumüller:

Die Streitereien in der Linken sind selten produktiv. Eher sind sie vergiftet, durch die Wortwahl und ihre Abgrenzungsbemühungen. Anders der Essay von Frau Buchinger. Hier geht es darum, die Linke wieder handlungsfähig zu machen. Denn sie hat sich durch die von Buchinger geschilderte Kampagne gegen die Mahnwachen paralysieren lassen. Ausgerechnet während der Ukraine-Krise. Es ist an der Zeit aus der Analyse des letzten Jahres nach vorne zu orientieren. Und die JUNGE WELT könnte daran mithelfen, wenn sie eine offen Diskussion zulassen würde.


Am 03. September 2015 schrieb Hans Ion:

Denk ich an Deutschlands LINKE in der Nacht, dann bin ich um den Schaf gebracht!

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