Cyber-Bombe nur zur Abwehr

TAGESSCHAU spielt runter und falsch

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. März 2017

Am Telefon Dr. Gniffke, Chef von ARD-aktuell: „Das Kanzleramt? Wieso das Kanzleramt?“ - NN: „Herr Doktor, das ist der Vorwarn-Anruf. Bald platzt die Bombe, diese Saubande von WikiLeaks hat rausgefunden, dass die CIA alles wissen kann, alles weiß, auch die intimsten Regungen können die ausspionieren. Kommt jeden Moment über die Agenturen!“ - Gniffke: „Intime Regungen? Hab ich keine, ich bin immer offiziell.“ - NN: "Mann, Gniffke, die Nachricht ist eine echte Cyber-Bombe, unterdrücken können wir die nicht, die muss runtergespielt werden. Ist das klar?“ - Gniffke: „Runterspielen? Ich bin der Meister des Runterspielens. Alles eine Frage des Wordings. Da melden wir einfach eine „Abwehraktion“. - NN: „Was denn für eine Abwehraktion?“ - Gniffke: „Ist doch egal. Das Wort 'Abwehraktion' setzt die CIA schon mal ins Recht: Die arme Agentur kann einfach nicht anders. Die Freiheit des Westens ist doch immer und überall von Feinden bedroht, jedenfalls erwecken wir in der TAGESSCHAU seit Jahr und Tag den Eindruck (kichert). Und diese Feinde wehrt unsere CIA nur ab. So isses und so werden wir es melden!“ - NN: „Genial Gniffke, hilft das auch gegen Grippe?“ - Beiden lachen hysterisch und brechen ins gemeinsame Singen aus: "Wir spielen munter, immer runter, wir spielen falsch, so lang es geht, weil uns der Sinn nach steht, so lang es geht!"

Programmbeschwerde:
Abhörskandal „unterbelichtet“ 

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-18689.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-5083.html
 
Sehr geehrte Damen und Herren Rundfunkräte des NDR,

das Informationsangebot der ARD-aktuell vom 07. März 2017 wirft ein weiteres Mal die Frage auf, nach welchen Maßstaben diese Redaktion eigentlich arbeitet, nach welchen Kriterien sie Nachrichten gewichtet. War der Fall Yücel für die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau am 28.02. noch die alles überragende Hauptnachricht des Tages, so schafften es die WikiLeaks-Enthüllungen über die CIA-Hacker-Zentrale in Frankfurt am 07. März in der 20-Uhr-TS nur auf einen Platz im Schlussviertel der Sendung, und in den Tagesthemen ins letzte Drittel. Man fasst es einfach nicht.
Wovon reden wir hier? WikiLeaks präsentiert Dokumente zum Beleg, dass nicht nur der US-Geheimdienst NSA die deutschen Telefon- und Computernetze und damit uns alle ausspäht, sondern dass auch die CIA das macht, und zwar noch viel weitergehend als die NSA; dass die CIA praktisch die gesamte Republik ausspioniert, sogar private Gespräche in unseren Wohnungen mithört und in Frankfurt eine Zentrale unterhält mit zahllosen Agenten, die von hier aus die halbe Welt überwachen. Und ARD-aktuell bringt das in hanebüchen dürftiger Verpackung erst bei Minute 11.04 in der Tagesschau und bei Minute 20.23 in den Tagesthemen!
Keine Frage, Svea Eckerts informative Reportage ist faktenorientierter, sauberer Journalismus. Sie legt umfassend und präzise dar, was zum fraglichen Zeitpunkt über die CIA-Aktivitäten bekannt war. Der Mangel, über den wir hier Beschwerde führen, liegt in der redaktionellen Einordnung und Gewichtung des unser gesamtes Gemeinwesen beschädigenden Vorgangs. Der Bericht taucht erst nach dieser Themenreihe auf: /Ungarn will Asylbewerber systematisch in Containerdörfern einsperren/, EU-Staaten müssen keine humanitären Visa an Flüchtlinge vergeben,/ Terrorprozess gegen "Gruppe Freital“,/  Bischöfe für scharfe Grenze zu Populisten,/ Türkischer Außenminister in Hamburg,/ Irakische Streitkräfte erobern Regierungsgebäude in Mossul zurück./ Dann heißt es im Studio-Text:
„Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat umfangreiche Dokumente über angebliche Aktivitäten des US-Auslandsgeheimdienstes CIA veröffentlicht. Demnach ist eine wichtige Ausgangsbasis das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten in Frankfurt. US-Agenten organisieren den Angaben zufolge von dort aus Abwehraktionen in Europa, Afrika und im Nahen Osten. Es gehe insbesondere um Spionage mittels Hacker-Angriffen.“ Quelle: s. Betreff
Die nachrangige Positionierung dieser Meldung und ihre lapidare Formulierung zeigen, wie sehr es der transatlantisch abgerichteten ARD-aktuell-Redaktion widerstrebt, USA-kritisch zu informieren. Eindeutig subversive Handlungen von US-Agenten werden als „Abwehraktionen“ (!) bezeichnet, obwohl es sich fraglos um hochaggressive Akte handelt. Eindeutig erweist sich die Aufregung über angebliche russische Beeinflussungsoperationen und Hacks russischer Gruppen, die mit Geheimdiensten zusammenarbeiten, als gekünstelt, als politisch motivierte Schwadronage, als Steinwürfe im Glashaus. Eindeutig verletzen die USA mal wieder internationales und deutsches Recht, ohne dass das in dem Text angesprochen würde. Eindeutig erweist sich die deutsche Regierung als unfähig, fundamentale Rechte unseres Staates und seiner Bürger zu schützen, und auch das wird hier mit keinem Wort angemerkt. Wie schon beim NSA-Skandal bleibt Berlin untätig, selbst fürs Minimum diplomatischer Reaktion langt es nicht, etliche mutmaßliche CIA-Agenten des Landes zu verweisen, und ARD-aktuell spricht auch das nicht an. Während die Redaktion sonst, wenn’s gegen „den Russen“ geht, mit ihrem „...mutmaßlich hat Putin...“ immer vorneweg dabei ist, unterlässt ARD-aktuell hier die naheliegende Mutmaßung, dass das Bundeskanzleramt längst über die CIA-Schweinerei in Frankfurt informiert war. Die Redaktion lässt sich mit dem Hinweis abspeisen, die Regierung lehne eine Stellungnahme ab. Entsprechend bietet ARD-aktuell auch keine nennenswerte Folgeberichterstattung zu einem Skandal an, der die gesamte Republik erschüttern müsste. Sie hält das Thema CIA-Spionage absichtlich nicht auf der Tagesordnung. Schoßhund-Verhalten, klassisch. Und weit neben der Spur, die vom Programmauftrag und den Programmrichtlinien des Rundfunkstaatsvertrags vorgegeben wird.
Dass sich der kritische Zuschauer angesichts solcher Berichterstattung in einen Schlafwagen versetzt wähnt, ist zu erheblichen Teilen auf die verpennte Form zurückzuführen, in der ARD-aktuell wie all die anderen korporierten Mainstreamer über die CIA-Drecksarbeit in Deutschland berichtet.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 15. März 2017 schrieb Daniel Aschenberg:

Hallo, dieser Link zur Info:

http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-kriegsverbrechen-101.html

Soweit ich klären konnte, entbehrt der Bericht der behaupteten Grundlage (Nachweis von zwei Kriegsverbrechen durch "UN-Untersuchungskommission"). Könnte ein Thema für die nächste Programmbeschwerde sein...


Am 14. März 2017 schrieb Otto Bismark:

Respekt und Dank für die unermüdliche Arbeit, mit welcher dieser stromlinienförmige "Journalismus" angeprangert wird. Wichtig wäre aber auch, die Reaktionen darauf hier darzustellen. Ich gehe ja sicher nicht fehl in der Annahme, daß auch diese Programmbeschwerde nicht zu angemessenen Reaktionen führen wird, insbesondere nicht zu Änderungen in der Art und Weise dieser "Berichterstattung" in den öffentliche-rechtlichen Sendern!


Am 14. März 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Es ist wirklich an der Zeit, ihnen, den Herren Gellermann,Klinkhammer und Bräutigam für ihren unermüdlichen Einsatz, uns Leser, mehr als zu informieren, zu danken.
Der Veranstaltung am 28.3. 17 im Buchhändlerkeller wünsche ich ein interessiertes Publikum, und dass es ein erfolgreicher Abend werden wird.


Am 14. März 2017 schrieb Lutz Jahoda:

SONG DER ALGORITHMIKER
(zur Vertonung freigegeben)

Das ist der Song der Algorithmic-Group,
Algorithmic-Group, Algorithmic-Group.
Er verleiht den Schlapphutleuten neuen Mut.
Nur der Welt tut das nicht gut!

Holy moly! Holy moly!
Das ist der Welten Lauf!
Holy moly! Holy moly!
Wer hält den Wahnsinn auf?

Falls der NSA etwas verloren geht,
verloren geht, verlorengeht,
mag´s die CIA am liebsten zwiegenäht,
damit die Überwachung steht.
Eure Sicherheit bei Tag und in der Nacht,
in der Nacht, in der Nacht,
wird von unsren Diensten peinlich überwacht,
auch wenn es kaum Freude
macht!

Holy moly! Holy moly!
Das ist der Welten Lauf!
Holy moly! Holy moly!
Wer hält den Wahnsinn auf?


Am 13. März 2017 schrieb Michael Kohle:

Da war doch was! Haben anscheinend alle schon wieder vergessen. Vor gerade mal neun Monaten kündete der nordatlantische Friedensengel von einer neuen, zusätzlichen Bedrohung, deren Bekämpfung dringend angeraten sei.

Um nicht gleich wieder als Verschwörungstheoretiker geschmäht zu werden, zitiere ich hierzu wohl besser das Zentralblatt der Atlantikbrücke, die ZEIT:

Cyberwar
:
Nato erklärt virtuellen Raum zum Kriegsgebiet

Land, Luft, See, Internet: Für das Militärbündnis ist der Cyberspace jetzt offizielles Operationsgebiet. Virtuelle Angriffe können den Bündnisfall auslösen.
:
Wenn man bedenkt, was alles in den Monaten seither so an- und ausgebrütet wurde und dann auch noch passiert ist, kommt man doch gehörig ins Grübeln.

Ein weiteres Zitat aus dem Beitrag vom 15.6.16 sei erlaubt:

Cyberabwehr müsse deswegen "Teil unserer kollektiven Verteidigung" sein. Das Bündnis müsse seine Abwehr in diesem Bereich stärken, denn Hackerangriffe könnten großen Schaden anrichten. Die Nato-Cyberabwehr sei nicht gegen eine bestimmte Quelle oder Nation gerichtet, sagte Stoltenberg. China und Russland werde zwar immer wieder vorgeworfen, mithilfe von Hackern in Datensysteme westlicher Regierungen und Unternehmen einzudringen. Dies zu beweisen, sei aber häufig schwierig.
Wichtig sei für die Nato, die Quelle für Angriffe aus dem Netz zu identifizieren, sagte Stoltenberg. Diplomaten zufolge bedeutet die Entscheidung konkret, dass die Cyberabwehr nun in alle militärischen und strategischen Planungen des Bündnisses einbezogen wird.
:
Zwischen diesen Zeilen gelesen drängt sich doch der Eindruck auf, dass da fünf Monate vor Hillary's erwarteter Inauguration die Voraussetzungen geschaffen werden sollten um ein zügiges Voranschreiten sicherzustellen.

Dumm gelaufen. Die Ausrufung des Bündnisfalles wegen der verunglückten Präsidentenwahl?. Da war die Muffe dann doch zu groß. Und dann kommt auch noch Wikileaks und legt die ganzen diesbezüglich ausgedachten Schweinereien auf den Tisch. Gniffke&Co. geben zwar ihr Bestes davon abzulenken, ob es allerdings viel helfen wird ist die große Frage. Wir werden es erfahren, was die russischen oder sonstigen Cyber-Hacker bis zum September so zu leisten vermögen. Wir wissen ja jetzt auf was wir zu achten haben.


Am 13. März 2017 schrieb Gert Schneider:

Mal wieder eine klasse Leistung vom Team Bräutigam-Klinkhammer-Gellermann! Sie sind die Anstalt zur Überwachung der Anstalt. Das ist sicher mühsam, aber es ist verdienstvoll, danke.

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