Bundeswehr kann keine Verbrechen

ARD: Verteidigungsministerium erklärt nix

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. April 2017

Die Wahrheit ist so einfach für die TAGESSCHAU: Nach einem Kriegsverbrechen in Syrien erklärt die Bundeswehr, sie wäre es nicht gewesen. Und weil man in der Redaktion – spätestens seit die deutsche Armee harmlose afghanische Sprit-Diebe zu gefährlichen Taliban erklärt hat – glauben möchte, dass die Bundeswehr nie lügt, glaubt die TAGESSCHAU auch diese Erklärungen der Bundeswehr. Und wenn der pure Glauben nicht hilft, dann gibt es ja noch die reine Geheimhaltung. – Dr. Gniffke kommt aus der katholischen Eifel. Dort war der Bibel-Vers 1.Korinther 13:13 geläufig: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe.“ Und so wird der Spruch für die ARD übersetzt: Wir glauben den Erklärungen der Bundeswehr, wir hoffen, dass die wirkliche Wahrheit nicht rauskommt, wir lieben die Bundesregierung, die nur die Luft schlagen lässt, wenn sie Daten für Luftschläge liefert. Amen.

Programmbeschwerde:
Manipulieren und marginalisieren
ARD-aktuell über ein Kriegsverbrechen
unter wahrscheinlicher Mitwirkung der Bundeswehr
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-5131.html

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte,

In der Nacht vom 21.3. auf den 22.3. haben Kampfflugzeuge der „westlichen Koalition gegen den IS“ nahe der syrischen Stadt Rakka ein Schulgebäude bombardiert und dabei mindestens 33 Zivilisten umgebracht. An dem Kriegsverbrechen war die deutsche Bundeswehr zumindest mittelbar beteiligt. ARD-aktuell hat über das Bombardement zunächst jedoch überhaupt nicht berichtet. Unsere Programmbeschwerde dagegen blieb ohne Antwort. Eine versteckte Reaktion im Programm erfolgte erst eine Woche später, am 29. März, aufgrund der nicht mehr ignorablen Informationen über die Rolle der Bundeswehr. Mit aktueller und vor allem umfassender sachlicher Berichterstattung, wie im Staatsvertrag vorgegeben, hat diese redaktionelle Minusleistung nichts mehr gemein.

Die ohnehin zeitlich verspätete Meldung holte ARD-aktuell trotz ihrer Brisanz und ihres politischen Gewichts in denkbar unauffälliger Weise und lapidar nach: nicht in der Hauptausgabe der Tagesschau, (da hätten es an diesem Tag 4,9 Mio Zuschauer mitbekommen) sondern unter den Kurzmeldungen gegen Ende der Tagesthemen (nur mehr 2,2 Mio Zuschauer), versteckt zwischen einer Nachricht über den Kabinettsbeschluss für ein Korruptionsregister und der Mitteilung über die geplatzte Börsenfusion London-Frankfurt. Wortlaut dieses 30-Sekunden dauernden, niederträchtig auf marginal getrimmten Beitrags über ein schweres Kriegsverbrechen:

22’52“ - 23’22

„Die Bundeswehr soll nach Informationen von NDR und WDR an einem Luftschlag in Syrien beteiligt gewesen sein. Sie lieferte offenbar Aufklärungsfotos. Bei dem Angriff der US-geführten Koalition auf ein Schulgebäude waren nach Angaben von Aktivisten vergangene Woche mehr als 30 Zivilisten getötet worden. Das Verteidigungsministerium erklärte gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio, die Bundeswehr sei nicht in die Angriffsplanung involviert gewesen.“ Quelle: s. Betreffzeile

In einem ausführlicheren Beitrag fürs Internet, auf tagesschau.de (keine 0,5Mio Leser) hatte es noch geheißen:

Das Verteidigungsministerium wollte sich zum konkreten Fall nicht äußern und verwies auf Geheimhaltungsgründe. Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/luftangriffe-syrien-aufklaerungsbilder-bundeswehr-101.html

Das Redaktionsverständnis von der angemessenen journalistischen Bewertung der Nachricht über eine wahrscheinliche Mitschuld der Bundeswehr an einem Kriegsverbrechen ist nicht mehr nachvollziehbar. Es ist das Ergebnis regierungshöriger Einseitigkeit, transatlantischer Schlagseite, Fixiertheit auf transatlantisch genormtes Agenturmaterial und ignoranter Verweigerung alternativer Quellennutzung. Schon die verbale Schönfärberei mittels Wortschöpfungen aus der Propaganda-Giftküche wie „Luftschlag“ – für ein Massaker! – ist eine Verhöhnung aller Menschen, die sich über solche Vorfälle noch entsetzen können. Sie hat sich eingebürgert, dank häufiger Verwendung vor allem in den ARD-Nachrichten für ein Millionenpublikum. Auch Telepolis verwendet ihn, setzt aber wenigstens „verheerend“ davor und informiert präziser, ausführlich über die Ereignisse:

„Mehr Verantwortung übernehmen: Bundeswehr an verheerendem Luftschlag beteiligt

[...]. Demnach sollen deutsche Tornados am 19. März 2017 "Aufklärungsbilder" eines Gebäudekomplexes geliefert haben, der in der Nacht vom 21. auf den 22. März bombardiert wurde. [...] eine Zusammenkunft zwischen Vertretern des Bundesverteidigungsministeriums und Bundestagsabgeordneten, die sich heute in geheim tagender Sitzung im Verteidigungsausschuss des Bundestages getroffen haben. [...]“ Quelle:

https://www.heise.de/tp/features/Mehr-Verantwortung-uebernehmen-Bundeswehr-an-verheerendem-Luftschlag-beteiligt-3670436.html

Darüber, dass ARD-aktuell die Nachricht zunächst unterschlug, liegt Ihnen bereits unsere Beschwerde "... und über Syrien auch nichts mehr“ vom 24. März 2017 vor. Darin stellten wir fest:

„[...] Wenn die Schuld der USA überhaupt nicht zu leugnen ist und, wie am 21. März, zum Beispiel in dem Dorf al-Mansour nahe der IS-Hochburg Rakka in Nordsyrien eine Schule getroffen wird [...], dann kommt das gleich gar nicht in der Tagesschau vor. [...] Die Meister der manipulativen Nachrichtenauswahl in Hamburg-Lokstedt berichten nicht über US-Kriegsverbrechen, wenn die nicht eh schon an der Großen Glocke hängen.

Zu ergänzen ist: Über eine wahrscheinliche deutsche Mitwirkung an Kriegsverbrechen im Rahmen dieser „Koalition“ berichtet ARD-aktuell erst nur dann, wenn die Geschichte in Berlin an der Großen Glocke hängt. Aber dann auch nur ordentlich abgepackt in ein MItschuld leugnendes Dementi der mutmaßlichen Täter: „[...]die Bundeswehr sei nicht in die Angriffsplanung involviert gewesen.“

Nein nein, die Bundeswehr hat nur wesentliches Material für die Angriffsplanung geliefert. Und ARD-aktuell hilft lieber dem „Verteidigungs“ministerium beim Händewaschen in Unschuld, als saubere journalistische Arbeit zu leisten. Dass die Luftbilder der Tornados nicht für die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ gebraucht wurden, war allen Beteiligten am Geheimtreffen im Bundestag und den Qualitätsjournalisten im ARD-Hauptststudio klar. Vereint sind hier Komplizen und Mitwisser eines Vorgangs, der als Kriegsverbrechen zu betrachten ist.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. April 2017 schrieb Roman Gärtner:

Ist das nicht der Luftschlag bei dem die Zahl der getöteten Zivilisten zwischen 25 und 400+ schwankt?

Und am Anfang war doch auch nur die Rede von einem Schulgebäude, oder?

Und es wurde von einem Angriff der "westlichen Koalition gegen den IS" geredet.

Auf was ich hinaus will:

Angenommen es wäre ein "Shit happens"-Luftschlag von der "nicht westlichen Koalition gegen den IS" gewesen, hätte man:

1. Die höchste Zahl der zivilen Opfer genannt (auch ohne vertrauenswürdige Informationen und Quellen)
2. Die Zahl der getöteten Kinder genannt (in einer Schule sind nun mal Kinder, ganz egal wie dieses Gebäude genutzt wurde)
3. Den Schuldigen beim Namen genannt (also die Russen oder das Assad Regim)

Wie viele Opfer es jetzt wirklich sind, weiß ich immer noch nicht (genau).
Eigentlich wäre das auch nicht wirklich relevant, denn jeder Zivilist der in so einem schmutzigen Krieg vieler Akteure zu Schaden kommt ist einer zuviel.

Zu dem Schulgebäude wurde erst nachträglich gesagt das es nicht mehr wirklich eine Schule gewesen sein soll.

Und wenn man erst eine Woche später "gezwungen" war davon zu berichten, hätte man doch auch von der Beteiligung der Bundeswehr und der Nation die den Angriff ausgeführt hat berichten...die Infos hätte man in der Zeit bestimmt auftreiben können...wenn die Bösen Zivilisten töten weiß man doch auch schon 5 min. danach jede Einzelheit.

Unsere Medien versuchen also nicht nur durch "Nichtberichterstattung" die Verantwortlichen zu schützen (wenn es die "Guten" sind; also meistens die USA) und die Menschen zu "belügen" und manipulieren, sondern sie versuchen auch in propagansistischer Manier die Stimmung auf einer emotionalen Ebene aufzuheizen.

PS:
Ich hoffe ich habe nicht zu viel durcheinander gebracht, aber ich ertrage diese Hetze und Propaganda in den Medien kaum noch und sauge nicht mehr alles auf was da so abgesondert wird.
Ganz besonders schlimm ist der Sender "phoenix".
Um das aufzuzeigen worauf ich hinauswollte waren völlig korrekte Infos/Zahlen nicht relevant.
Das Muster zieht sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Medien.


Am 04. April 2017 schrieb Michael Riecke:

Da hätten auch Herr Dr. Göbbels und Herr von Schnitzler noch was lernen können. Gut ich weiß, Vergleiche mit der Nazi- Diktatur darf man nicht anstellen. Aber Vergleiche mit der "Ex DDR" sind ja immer angebracht. Gerade wenn es um unliebsame Politiker geht wie Fr. Dr. Wagenknecht und Herrn Dr Gysi geht.


Am 04. April 2017 schrieb Der Linksliberale:

Lieber Lutz Jahoda,

ich bin so ein alter "DDR"-Wichtel, Ihre Musiksendungen / Titel waren nicht meine. Aber ich freue mich so unendlich, Sie hier ab und zu lesen zu dürfen und zu wissen, Ihre politische Haltung ist auch meine. Seien Sie sicher, meinen 5 Kindern (der Älteste ist 39 Jahre und wohnt in Dreseden) habe ich Sie vorgestellt und sie werden Sie ehren, als aufrechten Humanisten. Danke Lutz Jahoda, es ist beruhigend zu wissen, dass es Menschen wie Sie gibt.

Herzlichst grüßt Sie "Der Linksliberale"


Am 03. April 2017 schrieb Lutz Jahoda:

RESÜMEE und DANKADRESSE

Besserung ist wohl kaum zu erwarten.
Dennoch bleibt aufdeckend weiter dran.
In Doktor Gniffkes Nachrichtengarten
keimt allerhand giftg Böses heran.

Gellermann, Klinkhammer, Bräutigam -
Ihr fleißig Investigativen -
rupft und fegt weiter das Unkraut zusamm.
Wir lieben Eure Offensiven.


Am 03. April 2017 schrieb Irene Schermer:

Ich lache immer noch über den Korinther-Vers. Und wir müssen über "die" lachen. Danke für das alternative Erheiterungsprogramm.


Am 03. April 2017 schrieb Karola Schramm:

Sonntags lese ich mit großem Interesse die Rationalgalerie, weil U.Gellermann Themen aufgreift, die im alltäglichen Medienrummel einfach unter den Tisch fallen.
Diese Mail des Dr. Bronners ist in jedem Satz derart verdreht und frech, dass ich mich wundere, wie ein anständiger Mensch überhaupt so auf eine Mail von besorgten und aufmerksamen Bürgern antworten kann. Hat er nicht gutes Benehmen und das Akzeptieren der Meinung anderer gelernt ? Oder ist er gerade wegen dieser unglaublichen, überheblichen Arroganz mit dem Hang zum Verleumden anderer Menschen, in den Rundfunkrat gewählt worden ? Braucht man dort solche Menschen, deren rotzfreche Antworten oder Aussagen denen von Kauder, Merkel, Schäuble u.a., enorm ähneln ? Wie tief ist DE in den letzten Jahren gesunken, dass anders denkende Menschen derartig diffamiert werden ? In Syrien geht es für die Menschen um "Sein oder Nicht-Sein" dem Westen hingegen um Macht und Unterdrückung. Syrien ist ein wunderschönes Land gewesen und jetzt nur noch ein Trümmerhaufen. Kann man, als Mensch mit einem gesunden Menschenverstand eine Politik für gut heißen, die Krieg und Zerstörung sucht ? Mit dieser Mail hat der Rundfunkrat gezeigt wo er steht: Auf der Seite der Bomber und Krieger. Von daher danke ich den Herren Bräutigam und Klinkhammer für ihren unermüdlichen Einsatz für eine wahrheitstreue und faire Berichterstattung, die gerade jetzt so wichtig ist, wie selten zuvor.

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