Beschwerden zur TAGESSCHAU

Wer sich beschwert macht nichts verkehrt

Autor: U. Gellermann
Datum: 02. Februar 2017

Der 2. 12. 2016 muss ein wunderbarer Tag im Leben der NDR-Rundfunkräte gewesen sein: Ganze 12 Programmbeschwerden der Herren Bräutigam und Klinkhammer haben sie „Nach intensiver Diskussion und sorgfältiger Prüfung des Sachverhalts“ komplett zurückgewiesen. Um sie dann im Bündel mit immer der selben Begründung „Der Rundfunkrat konnte keinen Verstoß gegen die für den NDR geltenden Rechtsvorschriften feststellen“ an die Beschwerdeführer zurückzusenden. Wie lange werden sie für die Sichtung der Beschwerden gebraucht haben? Zehn Minuten? 30 Minuten? Einen Wimpernschlag? Eher die letzte Zeitspanne. Denn in den Beschwerden waren Themen von der Beratung der G7-Staaten über die Eskalation im syrischen Aleppo bis hin zum Einreiseverbot gegen Michail Gorbatschow in die Ukraine. Da kennt sich der NDR-Rundfunkrat aber sowas von aus. So was behandeln die Damen und Herren doch mal eben mit rechts. Und gefreut haben sie sich bei der Ablehnung sehr: Sie, die sonst im Sender nichts zu sagen haben, auch weil sie nie was sagen, konnten anderen endlich mal die Meinung geigen: „Weist der Rundfunkrat Ihre Programmbeschwerde zurück!“

Der NDR-Rundfunkrat wird, anders als Demokraten glauben mögen, nirgends gewählt. Seine 58 Mitglieder werden „entsandt“. Von den Vertretern der Kirche über solche des Bauernverbandes oder des Verbandes der Opfer des Stalinismus bis hin zu einem Mitglied der Umweltschutzorganisation Robin Wood: Fast alle sind irgendwie vertreten. Und wie sie in ihren Verbänden an diese Funktionen kommen, weiß man nicht. Bei Licht besehen ist die Kontrollinstanz des mächtigen Mediums, das auch die TAGESSCHAU produziert, eher undemokratisch zustande gekommen. Und wer sich den Vorstand des NDR Rundfunkrates ansieht, dem vergeht auch schnell die Annahme, der Rat vertrete eine gesellschaftliche Breite.

Da haben wir Ursula Thümler, die unter „Vorsitzende des Arbeitskreises Medien des Landesfrauenrates Niedersachsen e. V.“ firmiert, aber auf dem Ticket der FDP in den Rat kam. Die Rätin Ute Schildt ist immerhin offen und ehrlich für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Frau Dagmar Pohl-Laukamp segelt unter der Flagge des „Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein“ im Rat, gehört aber seit Jahr und Tag zum Apparat der CDU. Und Uwe Grund war mal für die Gewerkschaft im Gremium, ist aber spätestens als er eine Programmbeschwerde zur Rentenpolitik zurückwies – da wurde in der TAGESSCHAU die pure Regierungs-Position referiert – als gewöhnlicher Sozialdemokrat und Lover der GroKo enttarnt. Das ist doch schön: Die Parteien, die den Intendanten und die Chefredakteure des Senders unter sich auskungeln, besetzen über Tarnorganisationen auch noch den Vorstand des Rundfunkrates. Der versteht sich natürlich als Beschwerden-Abwehr-Organisation und hat längst normierte Abwehr-Briefe entwickelt. Das halten die dort für klug und sind nicht einmal schlau.

Seit rund zwei Jahren fertigen Klinkhammer und Bräutigam nun eine Programmbeschwerde nach der anderen. Komplet alle werden konstant und routiniert abgelehnt. Wer den Nutzen der Beschwerden bezweifelt, ist auf die tauben Räte fixiert. Längst aber haben die Beschwerden, durch ihre Verbreitung über die vielen unterschiedlichen Sites im Netz, zu einer Gegenöffentlichkeit beigetragen. Zu einer Öffentlichkeit unterhalb und neben der ARD. Einer Öffentlichkeit, die den öffentlich-rechtlichen Sendern längst nicht mehr traut. Einer Öffentlichkeit, die an den Manipulationen der Sender die Manipulationen der Herrschaft erkennen kann. Mit Beschwerden aller Art macht man nichts verkehrt.

Das TAGESSCHAU-Buch von
Gellermann/Klinkhammer/Bräutigam
kommt bald:
DIE MACHT UM ACHT
http://shop.papyrossa.de/Gellermann-Uli-Klinkhammer-Friedhelm-Braeutigam-Volker-Die-Macht-um-acht


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 03. Februar 2017 schrieb Anke Zimmermann:

Unsere alternativfaktischen Rundfunkräte, da ist Hopfen und Malz verloren. Prost.

P.S. Ist das Buch auch über Buchhandel käuflich? Möchte die Buchhändlerin meines Vertrauens darauf aufmerksam machen.

Antwort von U. Gellermann:

Das Buch wird im Buchhandel erhältlich sein.


Am 02. Februar 2017 schrieb Bernhard Moser:

Woher weiß ich denn, dass die verehrten Rundfunkräte die Beschwerden überhaupt alle zu sehen bekommen?
Ich würde zu gerne mal Mäuschen spielen, wenn die nach "intensiver Diskussion" die Beschwerden im Dutzenderpack ablehnen. Heben die dann ihre Hände, nicken oder schütteln die ihre Köpfe, reden die wild durcheinander, oder ruft dann die Frau Thümler einfach "und damit Basta"?
Komisch, wenn ich mit anderen diskutiere, bekommt mal der eine recht und das andere Mal der andere. Bei den Rundfunkrat-"Diskussionen" kann man dann ja wirklich nicht von
einer ergebnisoffenen Diskussion sprechen. Ob da, falls einer der Räte mal von den so geheimen Sitzungen was ausplaudern soll, es so läuft wie bei der Mafia?

Antwort von U. Gellermann:

Was wir wissen: Alle Beschwerden liegen den Räten vor. Ob sie die auch lesen? Was wir wissen: Bevor sie den Beschwerdeführern geantwortet haben, haben sie die Beschwerden bis zu neun Monaten liegen lassen. Was wir aus Erfahrung unterstellen müssen: In der Mehrheit sind die Räte gewöhnliche Konformisten, die ein Pöstchen haben.


Am 02. Februar 2017 schrieb Wolfgang Oedingen:

@ Karin Wertmann
Ich möchte ergänzen: im Artikel stehen auch zu viele Konsonanten; von den Vokalen ganz zu schweigen.
Wer von Konsonanten und Vokalen nicht spricht sollte von den Umlauten schweigen.


Am 02. Februar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

ZUR DIALEKTIK DER RUNDFUNKRÄTE

Wer hätte gedacht, dass die Macht um acht,
zu der die Rundfunkratkraft gehört,
gelegentlich auch auf Hegel schwört,
wenn es grad passt. So wär doch gelacht,
nicht frohgemut mit Hegel zu singen,
dialektisch betrachtet und gedreht:
Wer Meinungsmehrheit nicht zu verachten versteht,
wird es nie zu Großem bringen.


Am 02. Februar 2017 schrieb Michael Kohle:

Da war doch was im letztenJahr, oder nicht? Da hat sich das Höchste Gericht - zugegeben, nur leicht verschnupft - über die Beschickung des Rundfunkrates echauffiert und mit aller Höflichkeit darum gebeten, doch um etwas Besserung bemüht zu sein. Was zu erwarten war, man kam der Aufforderung nur widerwillig nach. In etwa so wie bei jener gängigen Beschreibung von Reorganisation. Es tritt einer im November unter den kahlen Baum, mit Krähen gut besetzt und klatscht einmal kräfti in die Hände. Die meisten Krähen flattern - so gut wie nicht verängstigt - kurz hoch. Und schon bald ist der Baum wieder gut besetzt, ein oder zwei von den Krähen fehlen zwar, die anderen sitzen auch alle auf anderen Ästen als vorher, aber sonst?

Wie lange wollen sich die roten Roben Tragenden noch zum Narren machen, am Nasenring herumziehen lassen, auch noch unter vergnüglichen Kichern der üblichen Verdächtigen? Wie lange noch? Haben die überhaupt kein Selbstwertgefühl? Und alles nur, damit ihr Vorturner bei Staatsakten in der ersten Reihe sitzen und hinterher sich an den dargebotenen kleinen Häppchen gütlich tun darf?

Nicht ein, nicht zwei, viele Landesfrauenräte brauchen wir. Allein hier in der Galerie könnten wir doch gut und gerne ein Paar davon beschicken. Ich habe auch schon mal vorsorglich nach dem nächsten Landesnaturschutzbund Ausschau gehalten. Wir müssen uns ja nicht allein auf unsere Mitarbeit im BAD - im Beschwerden-Abwehr-Dienst - beschränken.

Mein Vorschlag mit dem Landesfrauenrat, na gut, da hätte ich wohl früher aufstehen müssen mit. Das war eher ein Stich in ein Hornissennest. Selbst die derzeit wohl arbeitslosen Investigativen Vereinigungen unserer Premiumsmedien, die von den Aktivitäten bzgl. den panama-papers noch ganz ermattet darnieder liegen. wären da bestimmt hoffnungslos überfordert, in diesem Dickicht - eher wohl Mangrovenwald - für etwas Erhellung zu sorgen.

Ausser Bayern, Hessen und Saarland - so jedenfalls Wiki - gibt es solch einen als „überparteilichen und überkonfessionellen Dachverband“ in den Bundesländern überall. Wo sitzt sich Dr. Gniffke den Hintern auf einem gut gepolsterten Stuhl breit? Beim NDR! Zum Zuge kommt allein schon mal immer nur der Landesfrauenrat aus Niedersachsen. Wann jemals wäre jener aus Hamburg, aus Bremen oder Schleswig-Holstein an den Futternapf herangekommen. Der aus Niedersachsen jedenfalls wird wohl reichlich von der Landesregierung gesponsert, völlig überparteilich natürlich. Warum nur? Interessant ist auch die Auflistung der unter dem Dach des Verbandes sich eingefundenen (Kampf-)Einzelverbände und Organisationen. Scheint schon der Dachverband ein einziges Versorgungswerk e.V. für notleidende Frauen aller Art und Herkunft zu sein, die derzeit 65 genannten Organisationseinheiten bürgen dann erstrecht für eine sicherlich gut ausreichende Versorgung mit Drittmitteln für die unterversorgte Frauenschaft in Niedersachsen. Keinesfalls will ich mich ungebührlich über diese ehrenvollen und ehrenwerten Engagements äußern, liest man diese Liste der 65 auf der website des NDS-Landesfrauenverbandes wird man aber schon etwas nachdenklich. Der ein oder andere dumme Gedanke lässt sich dann auch nur sehr schwer abwimmeln.

Die dort aufgeführte Liste des Landesfrauenverbandes Niedersachsen über Gremienbeteiligung ist auch - sagen wir mal - durchaus ausreichend ausgefallen. Die Beschickung der über zwanzig tagesgeldbewehrte Konferenztische stellt sicher eine Herausforderung dar. Auch die Mitgliedschaft am NDR-Rundfunkrat wird mit aufgeführt, ebenso wie die an der landeseigenen Medienanstalt, wie auch am Programmbeitrat Hit Radio Antenne (bloß keine Lücke lassen). Nicht genannt werden allerdings die regelmäßigen wie auch die spontanen Arbeitskreise. Wie z.B. der Arbeitskreis Medien. Von dem ist die NDR-Rundfunkratsvorsitzende Frau Thümler ja Vorsitzende. Thümler, ja genau, jene Dame die wohl auch immer die Beschwerde-Beantwortungs-Formulare für Bräutigam und Klinkhammer unterzeichnet. Sie wird wohl hoffentlich einen Unterschriftsautomaten verwenden können, denn viel Zeit dürfte sie bei all den Funktionen, die sie sonst noch so hat - man(n) stolpert mal schnell darüber bei investigativer Betätigung im Neuland - nicht haben. Obwohl, durch allzu große Aktivität ist dieser Arbeitskreis Medien auch noch nicht gerade aufgefallen, er wird sich wohl allein in der Person der Vorsitzenden manifestieren.

Nein, meine Idee war dann doch nicht so gut. Das lassen wir dann doch mal lieber. Schlimmer noch, wider Erwarten oder nicht - bei meinem kurzen Ausflug in das Leben des Landesfrauenrates in Niedersachsen durfte ich einer machtvollen Demonstration eines mir bis dato völlig unbekannten mykogenen Geflechts fast mafiöser Strukturen begegnen. Ein festes Fundament aus purem undurchlässigem, eisenbewehrtem Beton für unsere Freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Da dringt kein Grundwasser von unten durch.


Am 02. Februar 2017 schrieb Christian Dicke:

Wir haben keine Tagesschau mehr, kein Heute-Journal, keine Tagesthemen. Das gibt es in unserem Fernseher nicht mehr. Das Weglassen relevanter Themen, das Eingrenzen der Berichterstattung auf den ideologischen Rahmen - also weit weg von der Realität - ist inzwischen unerträglich geworden. "Wir" machen alles richtig und befrieden die Welt mit völkerrechtswidrigem Bomben, der EZB, dem IWF und einem Exportüberschuss seit Jahrzehnten. All das wird uns als gut verkauft, als westliche Werte, von denen aber nur die oben genannten restlichen Werte übrig sind.
Politiker-, Staats- und Medienversagen auf ganzer Linie. Die Liste der Peinlichkeiten ist zu lang, um sie aufzuschreiben, es ist zum Weglaufen. Orwell und Göbbels würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie erfahren würden, wie kleingeistig sie seinerzeit waren.


Am 02. Februar 2017 schrieb Josef Wassoc:

Interessanter und informativer Bericht über die mangelnde Demokratie bei den zwangsfinanzierten "Öffentlich-rechtlichen - Sendern", Sender die tatsächlich Sprachrohre der Machthaber sind. Es ist Staatsfernsehen wie in der DDR, wie in China und wie neuerdings in der Türkei.


Am 02. Februar 2017 schrieb Karin Wertmann:

Im Artikel stimmen die Umlaute nicht!

Antwort von U. Gellermann:

Wir arbeiten daran.


Am 02. Februar 2017 schrieb Jens Petersen:

Die Rundfunkräte könnten ein Instrument der demokratischen Kontrolle sein. Aber dazu müssten sie direkt gewählt werden und auch öffentlich Rechenschaft ablegen. Um das zu erreichen, muss die Empörung gegen die Manipulationen der öffentlich-rechtlichen wachsen. Dazu, und der Analyse der Methoden, dienen die Programmbeschwerden. Den Herren Gelllermann/Bräutigam/Klinkhammer dafür meinen Dank. Und auf das Tagesschau-Buch bin ich sehr gespannt.

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