Bernard-Henri Lévy

Der Untertan in der Ukraine

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. August 2014

Wenn sich der französische Gelegenheits-Philosoph Bernard-Henri Lévy irgendwo aufhält, dann ist der Saal groß und holzvertäfelt, die Vergoldung glänzt und der Gastgeber ist leutselig. So ist es zu lesen. Diesmal dient sich der gelernte Untertan - er war schon bei den Herren François Mitterrand, Édouard Balladur, Nicolas Sarkozy und dem sonderbaren Micheil Saakaschwili in Stellung - dem Herrn Petro Poroshenko an. Der sei ein "Kriegschef wider Willen" schreibt er in der FAZ über den aktuellen ukrainischen Präsidenten und man muss die Zeitung schön gerade halten, damit der Schleim nicht auf den Boden tropft.

Lévy hielt dem Poroshenko schon die feuchte Hand "in den Stunden der Revolution" auf dem Maidan, der habe ihm daraufhin bei seiner Wahlkampftour "das Privileg eingeräumt, einleitend auf Französisch einen Gruß aus Europa auszusprechen." Der Herr Mitterrand hat den Untertan Lévy für seinen Schleim-Einsatz damals mit dem Vorsitz der staatlichen Filmkommission belohnt. Der Premierminister Balladur vergalt Lévys Wahlkampfeinsatz mit dem Aufsichtsratsvorsitz des TV-Senders ARTE Was mag ihm Poroshenko versprochen haben? Sklavenarbeiter aus der Ost-Ukraine? Denn jene Arbeiter, die Lévy aus afrikanischen Ländern für sein ererbtes Unternehmen "Becob" in Kanada einsetzte, stehen wohl nicht mehr zur Verfügung: Die kanadische Regierung bezeichnete deren Arbeitsbedingungen als "sklavenähnlich".

Den Poroshenko trifft Lévy auf dem Weg nach Odessa, wo "im prachtvollen Rahmen der Staatsoper" der Text seines Theaterstücks verlesen wird. Und weil ihm zu Odessa zwar der "Panzerkreuzer Potemkin" einfällt aber nicht die verkohlten Leichen im Gewerkschaftshaus, darf er "schnell zum Wesentlichen" kommen "dem Krieg". Er, Bernard-Henri Lévy, will irgendwie eigenhändig dafür sorgen, dass die Mistral-Hubschrauber-Träger, die ursprünglich von Frankreich nach Russland verkauft werden sollten, nun der Ukraine geliefert werden. Welche Provision Lévy dafür kassieren will - Poroshenko besitzt ja einen TV-Sender, da wird doch sicher ein Aufsichtsrat gebraucht - ist noch nicht bekannt. Dass die vier Hubschrauberträger, voller Raketen, Maschinenkanonen und Panzer, der von Kiew angekündigten Rückeroberung der Krim dienlich wären, ist sicher. Poroshenko findet die Idee Lévys "symbolträchtig" hätte aber gern noch ein paar "hochentwickelte" Waffen mehr.

Damals, als Lévis alter Kumpel Sarkozy in dieser Wahlkampf-Klemme war, hat der gute Freund Bernard-Henri ihm die Idee mit dem Libyen-Krieg eingeblasen. Sarkozy hatte ihn zuvor aus einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rausgehauen, da musste der Philosoph zum Dank in den Wahlkampf eingreifen und dem französischen Präsidenten einen scheinbar populären Krieg verschaffen. Heute, 50.000 Tote und einen kaputten Staat weiter, kümmert sich Lévy rührend um den Ukraine-Kriegs-Herrn: "Mit seinen massiven Schulterpolstern, seinem gotischen Gesicht und der Aura eines lauernden Raubtiers sieht er (Poroshenko) aus wie der junge Tito, als er die jugoslawischen Kommunisten für die Internationalen Brigaden in Spanien rekrutierte". Die Kämpfer gegen den Franco-Faschismus sind tot, sie können sich gegen den Vergleich nicht mehr wehren. Die Faschisten in der Kiewer Regierung leben noch. Doch die letzteren erwähnt Lévy nicht. Um der Toten im spanischen Bürgerkrieg willen, die er mit dem Nazi-Helfer Poroshenko gleichsetzt, sollte man Lévy wegen Leichenschändung verurteilen. An der eigenen Kotze, mit der er das Andenken der Spanien-Kämpfer besudelt hat, soll er ersticken.

Bald wird es sicher ein neues Buch von Lévy geben. Vielleicht so originell wie jenes, mit dem er versuchte den Philosophen Immanuel Kant niederzumachen und ihn als "wütenden Irren des Denkens“ beschimpfte. In diesem Buch bezog sich der Großdenker Lévy auf den Philosophen Jean-Baptiste Botu, der nichts anderes war als eine Erfindung des französischen Satiremagazins "Le Canard enchaîné". Wahrscheinlich wird sich der Ersatz-Philosoph diesmal dem Kultur-Kampf des gotischen Spitzbogens gegen die russisch-orthodoxe Kuppel widmen. Die FAZ wird das Werk begeistert rezensieren, Poroshenko wird all sein Geld in ein Facelifting investieren, um so gotisch wie möglich auszusehen und Lévy kann mit dem Zählen der toten Ostukrainer beginnen, um festzustellen, ob er denn seinen Libyen-Rekord hat überbieten können. Und später, wenn die Trümmer ostukrainischer Städte nicht mehr rauchen und Bernard-Henri Lévy sein Mausoleum bezogen hat, wird man auf der Grabplatte lesen können: Hier liegt ein Untertan. Er war stets zu Diensten. Für ein geringes Geld. Unten rechts, in Bronze gegossen, ist dann die Fußnote zu entdecken: Gestiftet von der dankbaren internationalen Rüstungsindustrie.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 27. August 2014 schrieb Edda Sörensen:

Endlich nimmt mal einer den genauso eitlen wie gefährlichen Möchtegern-Denker BHL wahrlich fachgerecht auseinander. Chapeau Herr Gellermann.
Eine kleine Annekdote möchteich noch hinzufügen, da ich die Ereignisse um den Beginn des Libyen-Krieges genau verfolgt habe:
Die Tinte unter der UN-Resolution war noch nicht trocken, da starteten schon die französichen Piloten durch, um Libyen zu bombardieren. Warum diese Eile an jenem Samstag Nachmittag, den 19. März 2011? Weil Sarkozy unbedingt noch in den Abendnachrichten mit seinem heroischen Militäreinsatz punkten wollte - am nächsten Morgen öffneten nämlich die Wahllokale...


Am 19. August 2014 schrieb curti curti:

Als ich den ersten Absatz zu einem Kommentar über diesen "Philosophen" fertig hatte, ging mir ein Licht auf. Es erinnerte mich zunächst an eine Bezeichnung, die vor kurzem einem blog zu entnehmen war, der die perfide Methodik der Medien erklärte. Die Akteure dieses heuchlerischen Treibens nannte man "spin bitches". Das hat durchaus philosophische Qualitäten, eine Misere derart kompakt auf den Punkt zu bringen.

Man sollte es nicht immer so kurz machen, aber manchmal reichen diese beiden Wörter völlig aus um alles gesagt/geschrieben zu haben!

Diese Gefühl entwickelt sich ganz stark bzgl. dieses "Philosophen". Und nachdem er jetzt auch noch dort verewigt ist wo er hingehört, unter seinen Brüdern und Schwestern im Geiste des Schmocks, kann ich den Kommentar vorzeitig beenden. Applaus an Herrn Gellermann für seine erneute Ziel- und Treffssicherheit!


Am 19. August 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Wieder was Neues dazugelernt, vielen Dank Uli, für die Analyse dieses unangenehmen Zeitgenossen, der nach "oben buckelt" und sich selber wohl viel "Ruhm" davon verspricht. Einer, der große Töne spuckt und selber so zum Kotzen ist.


Am 19. August 2014 schrieb Reyes Carrillo:

@Ingrid Böhm-Duwe

Sehr schöner Kommentar!

Zum zitierten Artikel in der „Welt“ ist vielleicht noch zu sagen, dass dieser von Cora Stephan stammt, einer kafkaesken weiblichen Cohn-Bendit-Verwandlung und ihres Zeichens auch Autorin in Broders „Achse des Guten“. Das von Ihnen gewählte Zitat ist dann im Kontext auch eher als Selbstbeschreibung Lévys zu lesen denn als kluge Beobachtung Stephans, geschweige denn der „Welt“. Das wollte ich doch noch hinzufügen, damit die „Welt“ bitte nicht fälschlich als latent Lévy-kritisch durchgehen möge. Ganz im Gegenteil.


Am 19. August 2014 schrieb Jochen Scholz:

Der FAZ-Feuilletonchef Nils Minkmar hat auch die französische Staatsbürgerschaft, der Großvater war schuld. Da liegt vielleicht das Geheimnis, denn
Bernard-Henri Lévy bekommt immer wieder mal ein Forum in der FAZ.


Am 19. August 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Um den Kommentar von @Anja Schwertfeger aufzugreifen, gebe ich ihr völlig Recht: Ob das Markenzeichen unseres Galeristen Uli Gellermann, das Florett, auch für einen solch grenzwertigen Kotzbrocken wie Monsieur Lévy ausreichte, fragte ich mich auch. Ich persönlich hätte ihm nämlich die Kettensäge an den Hals gewünscht. Inklusive unappetitlicher Inspektionen unter der Gürtellinie Broder’scher Machart. Ja, ich gestehe, ich wollte die brutale Vernichtung lesen, als ich den Namen des diesmaligen Schmock-Protagonisten las! Eine mittelbar persönliche, über zehnjährige intellektuelle Schreckensgeschichte mit dieser unbehaarten Hühnerbrust sollte ein ebenso schreckliches Ende finden.

Stunden später nun habe ich deinen Artikel noch ein zweites und drittes Mal gelesen, lieber Uli – und freue mich nun versöhnt: Das Florett gewinnt doch gegenüber der Kettensäge. Das Florett ist nicht laut und schrill: Es hat aber diesen üblen narzisstischen Modell-Reaktionär mit feinen, exakt geschwungenen Figuren in der Luft zerschnitten und als leere Papierschnipsel von Himmel regnen lassen. Und darum ging es. Danke.


Am 18. August 2014 schrieb Anja Schwerdtfeger:

Im Fall Lévy haben Sie ja das Florett genommen. Obwohl der Mann den Rohrstock verdient hätte. Ein elender "Untertan", der den Intellektuellen spielt und dessen "Esprit" sich um Sabbern um die Macht erschöpft. Danke für die klaren Worte.


Am 18. August 2014 schrieb Jürgen Brauerhoch:

"Dieser Ton, diese Sprache erinnert mich an "Stürmer"-Artikel." (Komm.ZU LEVY ARTIKEL)

Diee Dame muß ja uralt sein, wenn Sie noch Artikel im STÜRMER gelesen hat ...oder total verblödet....
Bin froh, daß Sie a bisserl Licht in die Sache gebracht haben. MERCI


Am 18. August 2014 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Recht bezeichnend und gut beobachtet seitens DIE WELT erscheint eine Aussage, die sie über Lévy traf. Dass seine Erkenntnis/Betrachtungsweise diejenige einer „Öffentlichkeit als ein Schlachtfeld, auf dem nicht die Wahrheit oder auch nur das bessere Argument zählen, sondern gelungene Kampagnen und Manöver” sei. Dass Lévy es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, ist kein Geheimnis. Entlarvend hierbei ist dabei auch die eigentlich urkomische Geschichte seiner Anbindungen an einen fiktiven Philosophen Botu. Und nimmt man dann seine „Kant-Schimpfe“ noch hinzu, dann ist die Frage nicht mehr fern: Wer ist denn nun der wirkliche „Irre“?

Jedenfalls hat er richtigen! Philosophen nichts entgegen zu setzen. Hinsichtlich Qualität. Was also bleibt ihm? Flexibel sein, „Diener vieler Herren“. Von Beruf Vasall oder wie Uli Gellermann ihn bezeichnet „Untertan“. Und da mag Lévy wohl als Hobby Philosoph auf Ovid schwören: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis. Da kann man ihm wohl kaum Stillstand vorwerfen. Viel gibt’s zu tun, denn die Kriegstreiber und Kriegsgewinnler in spe sterben nicht aus.

Lévy würde vortrefflich eine Ergänzung zu Gauck abgeben. Sie könnten sich dann mal Rilkes „Cornet“ vornehmen und in die heutige Zeit transportieren als „lobendes Beispiel“ von zu erfüllender Pflicht. Damit sich dann Deutschland auch „mehr einmischt“.

„Gewalt zieht stets moralisch Minderwertige an“, schrieb Einstein. Und zwar solche „Marketender“ einer Lévy-Art oder eines Heuchler-Pfaffen.


Am 18. August 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Wer höher steigt, als er dies sollte,
kann tiefer fallen, als er wollte.

Dieses Sprichwort hinkt; denn wer möchte schon tiefer als tief fallen wollen. Bernard-Henri Lévy gewiss nicht - dieser emsige Philosophie-Unterhalter mit unbestritten bemerkenswerten Schönheitsmerkmalen, äußerlich betrachtet, vornehmlich von Frauen, doch selbst aus dieser Ecke bereits unbehaglich beschwert. Denn wem, außer dem eitlen Lévy selbst, kann schon ein Satz wie dieser aus dem "Spiegel" des Jahres 2012 gefallen?: "Ein Philosoph hat den Westen in den Krieg geführt!" - Gemeint war der Einsatz Frankreichs in Libyen. "Ein Intellektueller greift in die Weltpolitik ein!", lautete eine andere Schlagzeile. -
Inzwischen turnt der Lakei der Reichen und Schönen auf dem Schlappseil seiner Selbstinszenierung über der Ukraine. Libyen hat er "intellektuell" bereits ins Chaos geführt, die Ukraine ist auf dem besten Wege. Da wird er sich nicht mehr groß anzustrengen brauchen.
Lieber Uli Gellermann, mögen uns Ihre Klarsichtfolien mit erhellenden Anmerkungen noch lange erhalten bleiben!


Am 18. August 2014 schrieb Pat Hall:

Geld regiert die Welt,aber hier stinkt es doch zum Universum !
Alles was an der Ukraine passiert wird immer ekliger.
Was macht man nur mit der Bevölkerung für ein widerliches Spiel ?


Am 18. August 2014 schrieb Renate Willhöft:

Dieser Ton, diese Sprache erinnert mich an "Stürmer"-Artikel.

Antwort von U. Gellermann:

Dankbar wäre ich, wenn Ihnen ein Argument eingefallen wäre.


Am 18. August 2014 schrieb Johannes M. Becker:

...ja, er ist ein widerlicher Kriegstreiber!
"Gelegenheits.Philosoph" - schön!


Am 18. August 2014 schrieb Wolf Gauer:

Diese Laudatio war längst überfällig - en gros et détail !

Respekt und Grüße aus São Paulo


Am 18. August 2014 schrieb Giesela Pietrrzak:

An diesen Ober-Schmock und sein wichtigtuerisches Gehetzte kann ich mich gut vor dem Libyenkrieg erinnern, der Mann fährt bei Kriegen immer zur Hochform auf.

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