Bald unser Trump

TAGESSCHAU genießt und schweigt

Autor: U. Gellermann
Datum: 02. März 2017

„Prost Frau Krogmann.“ - „Prost Herr Dr. Gniffke.“ Tief blick die Leiterin der TAGESSCHAU-Redaktion dem Chef von ARD-aktuell in die Augen, meint es aber nicht so: „Ist es nicht schön, dass in Washington langsam der alte Geist einkehrt, Herr Doktor?“ - „Verehrte Frau Krogmann,“ Gniffke hebt sein Glas und meint es auch nicht so, „sie sollten den Herrn im Weißem Haus nicht ‚alten Geist’ nennen. Die Zeiten sind vorbei. Jetzt wird munter aufgerüstet und der Russe atomisiert, jedenfalls im Aufrüstungsbereich. Bald werden wir ihn unseren Trump nennen dürfen“ - Frau Krogmann prostet ihrem Chef zu: „Ich jedenfalls genieße es, wenn die alten Verhältnisse wieder einkehren.“ - Gniffke: „Das ist das Wort: Wir genießen und wir verschweigen.“ Ein leises Kichern akzentuiert das Schweigen. Und wer genau hin hört, dem klingt es in den Ohren, der kichernde Genuss einer Medien-Elite, für die nur eine wirklich schlechte Nachricht eine wirklich gute ist.

Programmbeschwerde Kriegstreiberei

http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-5065.html
 
Sehr geehrte Damen und Herren des NDR-Rundfunkrates,

seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten wird das deutsche Publikum mit allen denkbaren wichtigen und unwichtigen Meldungen traktiert, um den neuen Präsidenten als Russlandfreund, Verrückten, Antidemokraten und Polit-Dilettanten abzumalen.
Dieses nur vorgeblich kritische, tatsächlich jedoch lediglich einseitige und irreführende Berichtsformat entspricht der politischen Linie des von Macht- und Geldverlustängsten gebeutelten US-Establishments um Clinton und Obama sowie vor allem der CIA, das seinen Einfluss massiv beeinträchtigt sieht. Diese Neocons und Kriegstreiber fürchten um ihre Rüstungsgewinne, militärischen Interventionsmöglichkeiten im Nahen Osten und Asien sowie aus dem internationalen, von der CIA bisher kontrollierten Drogenhandel. 
(S.a.https://www.heise.de/tp/features/Koenig-Donald-und-die-Schwarzkasse-der-Meister-3636727.html). 
Als Trump nun verkündete, den US-Militärhaushalt um 10 % (54 MRD US-Dollar) zu Lasten der Zivilgesellschaft zu erhöhen, war es bemerkenswert still im deutschen Mainstream. Keine Anti-Trump-Polemik, keine Anfeindungen, keine kritischen Untertöne bei ARD-aktuell. 
Berichtete Tagesschau.de noch relativ ausführlich über den neuen US-Wahnsinn mit der Trump-Begründung "wieder Kriege gewinnen zu wollen", so verstummte man in der Tagesschau-Hauptausgabe völlig (man berichtet lieber über einen Trainerwechsel in der Bundesliga) und in Tagesthemen begnügten sich die Gniffke-Qualitätsjournalisten mit einer 32-Skunden-Meldung.
Kein Wort darüber, dass die 54 MRD Mehrausgaben nicht weit von dem Betrag entfernt sind, den der große "NATO-Feind" und die "Friedensgefahr" Russland insgesamt in einem ganzen Jahr für Rüstung ausgibt. Nachfragen nach der Rationalität einer solchen Steigerung der Rüstungsausgaben wurden natürlich auch nicht gestellt. Trumpsche Kriegstreiberei soll von den transatlantischen Netz-Werken – zu denen auch der TT-Moderator Zamparoni gehört – kleingeredet werden, denn auf dieser Ebene versteht sich das neue Regime in Washington mit dem Repräsentanten des vorigen, mit dem Clinton-Establishment. 
Wer - wie unsere transatlantisch getrimmte Gniffke-Show - bisher davon ausging, Trump sei ein Putin-Pudel, weil der ihm angeblich bei der Präsidentschaftswahl geholfen habe, hat ersichtlich von Anfang an falsch gelegen. Es war stets klar, dass mit Trump das schon unter Bush und Obama begonnene Wettrüsten weitergehen und das Tempo dabei verschärft würde, ganz unabhängig von eventuellen Absprachen mit Russland zu Syrien oder der Ukraine. Offensichtlich haben die Gniffke-Journalisten das jedoch erst jetzt begriffen und pausieren nun beim Trump-Bashing.
Trump ist ihnen ein ideeller Verbündeter, wenn es nur gemeinsam gegen Moskau und Peking geht. 
Die Verharmlosung und das Kleinreden des neuen US-Rüstungswahnsinns widerspricht der Verpflichtung, mittels „umfassender und sachlicher Information zur selbstständigen Urteilsbildung der Bürger und Bürgerinnen beizutragen“.
 
F. Klinkhammer V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. März 2017 schrieb Hella-Maria Schier:

Auf Ken FM gibt s ein ganz interessantes Zitat von Trump: https://www.youtube.com/watch?v=NN1qVnrUoxw
Bei Stelle 1:05:30 "you think our country is so innocent?".
Es wirkt nicht gespielt, bei allem was man Trump zu Recht vorhält, er ist kein Heuchler, er sagt eigentlich ziemlich genau, was er jeweils auch denkt. Das ist ein wesentlicher Punkt, den seine Wähler an ihm schätzen, die das Geschwafel über Kriege für Demokratie und ideelle westliche Werte leid sind.
Die oben zitierte Aussage Trumps richtet sich dementsprechend nicht etwa gegen Kriege, sondern gegen Doppelmoral, gegen den verlogenen Schönsprech.
Die Wallstreet-Clique der Globalisierer, die im Übrigen auch unsere PR bestimmt, gilt zu recht als verlogen und viele Amerikaner misstrauen ihr in mehr als einer Hinsicht zutiefst. Sie mögen eine klare einfache Ansprache.
Deren (auch ideologische) Inhalte sind bei Trump nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt, was ihn zur Beunruhigung aller Seiten unberechenbar macht.
Egomane Trump könnte auch mit Adenauer sagen "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" , ohne das im Geringsten verrückt zu finden.
"Man soll zu seinen Ansichten stehen, aber nicht darauf sitzen" ist schließlich auch ein Sprichwort - ich weiß nicht mehr von wem. Selbst Angela Merkel erklärte es ja schon für abwegig, zu erwarten, dass Wahlversprechen hinterher auch eingehalten würden.

Kriege werden aus nüchternen Gründen geführt, wenn man Profit- und Machtgier so nennen will. Trump sieht wenig Grund, daraus einen Hehl zu machen, da er dieses Verhalten mehr oder weniger als natürlich empfindet. Es war ja schließlich schon immer so.
Dazu kommt dann als ideelle Grundlage der Patriotismus und der "aufrechte Kampf". "Viel Feind viel Ehr" galt bei uns früher auch mal, man fand nichts Unethisches daran. Hass musste nicht im Spiel sein, Fanatismus schon gar nicht. Für einen Vergleich etwa mit dem frühen Hitler müsste man bei Trump noch ganz andere Seiten sehen.
Als Patriot will Trump, das es den USA, auf die traditionelle Art, wie er sie versteht, gut geht. Wenn Kriege dazu nötig und dienlich sind, ist er dafür, wenn sie eher schädlich sind oder gar das Land gefährden, ist er dagegen - wenn er darf.
In jedem Fall definiert er die USA im Wesentlichen als das geografische Gebiet, auf dem sie sich heute befinden, diesem Land und seinem Erfolgsideal fühlt er sich verbunden, dessen innere und äußere Stabilität und Ansehen in der Welt will er wieder herstellen.
Was immer das für andere Länder bedeutet, ist nicht sein Problem, sondern die Verantwortung von deren Politikern.
Was ihn und seine Anhänger aber abschreckt ist die obskure, übernationale Agenda der Wallstreet-Eliten und ihrer Politiker. Für umfassen die USA sozusagen den ganzen Globus, wie es das internationale Kapital will.
Die Agenda, die damit einhergeht ist in den USA weit bekannter und mehr im Gespräch als bei uns, wo darüber praktisch geschwiegen wird. Verschwörungstheorie - und aus, gilt für Mainstream und Linke. Dass unsere rechten Anti-Globalisierer ihrerseits natürlich keinen Grund sehen, dieses Thema zu meiden, hat diesen Effekt noch verstärkt. So ist, wer sich da über Hintergründe informieren will, weitgehend auf ausländische oder rechtslastige Quellen angewiesen.
Ein Ärgernis - Fakten, die zum Verständnis der Gesamtsituation erforderlich wären, sind unseren Linken irgendwie zu unbehaglich oder zu kompliziert. So bleibt vieles an der Oberfläche und wird nicht richtig analysiert.
All das was mit Plänen zu einer Weltregierung, einer Abschaffung der Kulturen, einer "Brave New World' u.a. als Vorstufe dazu einer Nordamerikanischen Union zu tun hat, wird als "rechte Spinnerei" beiseite geschoben - und so das Thema den Rechten überlassen! Ohne Begründung, denn es gibt viele Quellen!
Dass der Nationalismus auch die Gegenreaktion von rechts sein könnte, kommt so gar nicht in die Betrachtung und eine denkbare und nötige Gegenreaktion von links bleibt aus. Nur bei wenigen Linken wie Oskar Lafontaine, als er letztens mal den Gebrauch des Wortes "weltoffen" kritisierte, merkt man, dass sie sich dieses Problems zumindest ansatzweise bewusst sind. Mit den geplanten übernationalen Konstrukten sollen auch demokratische Verfassungen rechtlich endgültig ausgehebelt werden. Und das Ganze soll uns dann als human und fortschrittlich verkauft werden, a la George Soros Open Society, einschließlich der absoluten Überwachung und Kontrolle des Individuums, die damit einhergehen soll.
Diese Elite fühlt sich nicht den USA als solchen verpflichtet, sondern nur ihren eigenen Machtplänen.
Trump ist sich ebenso wie Putin solcher Zusammenhänge bewusst.
Ursprünglich war er wahrscheinlich wirklich gegen eine weitere Eskalation mit Russland und wollte dort lieber Geschäfte machen (der Iran ist ein anderes Thema), aber er ist sich wohl klar geworden, dass es ihn sein Amt (eher nicht gleich sein Leben, denn das würde zu viele Erinnerungen an Kennedy heraufbeschwören) kosten würde, sich der Rüstungslobbie zu widersetzen. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass auch Hillary Clinton weiter aufgerüstet hätte, schließlich war ursprünglich sie die Lieblingskandidatin der Rüstungsindustrie.

Antwort von U. Gellermann:

Die Verwirrung ist groß: Was Trump „abschreckt“ oder nicht, ist beweisbar noch nicht raus, Beweisbar sind seine Aufrüstungspläne und sein JA zur NATO. Alles andere ist Spekulation.


Am 05. März 2017 schrieb Michael Weiß:

Danke für die notwendige Sensibilisierung. Ich war schon soweit abgestumpft, dass mir die fehlende Kommentierung der Trump' schen Rüstungsinitiative gar nicht auffiel. Und der Satz, dass dem deutschen Mainstream nur schlechte Nachrichten gute sind, beweist sich jedesmal, wenn fast euphorisch das Scheitern eines Waffenstillstandes in Syrien oder der Ostukraine verkündet wird. Man kann wirklich nicht so viel essen, wie man manchmal...


Am 05. März 2017 schrieb Michael Riecke:

Ich weiß, wir dürfen das Putin Fernsehen
(rt deutsch) nicht sehen. Gerade weil der VS und der BND trotz intensiver beobachtung rt deutsch keine "fake news" nachgewisen werden konnte. In der letzten Folge von 451°
wurde auf eine interessante Auslassung über den UNO Hungerbericht hingewiesen. Der Jemen wurde glatt vergessen. Obwohl er an der ersten Stelle in diesem Bericht steht. Vergl. rt deutsch 451° ab min. 14.30.


Am 04. März 2017 schrieb Ernst Blutig:

Ich erfinde jetzt mal einen Gegenbegriff für all die Totschlagbegriffe wie "Fake-News" et al.:

"real existierende Berichterstattung".


Am 02. März 2017 schrieb Roman F:

Vielen Dank für die Antwort!
Ich hatte die Hoffnung das es doch eine Möglichkeit gibt diesen "Fake News"-Irrsinn ein wenig zu bremsen, allerdings ahnte/vermutete ich schon das es nicht möglich ist etwas dagegen zu unternehmen.

Und an der Stelle möchte ich noch etwas zum letzten Teil ihrer Antwort sagen.
Gerade weil es scheinbar möglich ist das selbst der ÖRR jedes Märchen ("Fake News" und Propaganda) in Millionen Haushalte transportieren kann, und diese Möglichkeit gewissenlos/rücksichtslos ausnutzt, ist es extrem wichtig das es Menschen wie sie (Herr Bräutigam, Gellermann, Klinkhammer oder Frau Maren Müller, Wolfgang Lieb und Uwe Krüger u.a.) gibt die diese Märchen aufdecken und in Form von Programmbeschwerden kritisieren (und die Märchenmacher auch damit konfrontieren)...und auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Mein Wunsch und Rat lautet daher: Machen sie weiter!

Wie Sie ja selbst schon gesagt haben, der Medienkonsument wird kritischer, stellt berechtigte (kritische) Fragen, sucht selbst nach (weiteren/fehlenden) Informationen usw. ...und das ist auch gut so.
Mir persönlich geht es mit meiner kritischen Haltung gegenüber den "etablierten Medien" nicht darum generell deren Nachrichten/Beiträge in die "Lügenpresse"-Schublade (ich hätte (und habe) dieses Schlagwort nie benutzt) zu stecken, sondern darum alle relevante Informationen einzufordern die man braucht um sich auch wirklich eine Meinung zu einem Thema zu bilden.
Wenn ich aber immer nur die "halbe Wahrheit" vorgesetzt bekomme, ist das nicht möglich.

Zum Schluss würde ich Sie gerne noch etwas fragen (wenn ich darf und Sie Zeit und Lust haben).

Was halten Sie von der "Fake News-Polizei" Correctiv.org?
Für mich hat sich diese "Institution" für diese (eigentlich wichtige) Aufgabe schon selbst disqualifiziert.
Und das nicht nur wegen der Leute die dort tätig sind oder durch die "Unterstützer", sondern eher weil ich mir sicher bin das man dieses "Instrument" ausnutzen/pervertieren wird.
Ich vermute das man es nutzen wird um kritische Stimmen (Blogger, frei Journalisten, unangenehme Kritiker und ausländische Medien bis hin zu ehemaligen Journalisten, Politiker/Parteien) durch eine "offiziell anerkannte" Organisation noch mehr zu diskreditieren/denunzieren, mit der Hoffnung sie mundtot zu machen bzw. sie als unglaubwürdig abzustempeln.

Was sagen Sie zum Kommentar von Hendrik Zörner (DJV) (im Bezug auf ein Interview von Matthias Platzeck beim Sender RT Deutsch)?

Antwort von U. Gellermann:

Zu „Correctiv“ habe ich eine ähnliche Meinung wie Sie.

Hendrik Zörner ist ein russophober Hans Wurst, der vorgibt Journalist zu sein, aber sein Handwerk zugunsten seiner ideologischen Haltung verrät. Kluge Einzelheiten dazu hat der Kollege Jans Berger von den „Nachdenkseiten“ geschrieben.

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