ARD vergoldet Nachrichten

Ein Wochenend-Seminar der Tagesschau

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. Juni 2017

"Reden“ so beginnt Doktor Gniffke, der Chef von ARD-aktuell seine Rede zum Thema „Nix oder Garnix, der Journalist zwischen Skylla und Charybdis“, gilt dem gewöhnlichen Journalisten als eine Tugend. Dass diese ständige Rederei auch in Geschwätzigkeit ausarten kann, ist deutlich bei unserer Ukraine-Berichterstattung zu sehen. Hatten wir doch über Jahre die Ukraine als prima Partner des freien Westens gepriesen und ihr eine lichte Zukunft an der Seite des IWF und der EU ausgemalt. Und nun? Nun lauert in der Ukraine einerseits die Staatspleite und andererseits der Schwarzerde-Raubzug durch westliche Agrarkonzerne. Nix mit Licht, garnix mit Zukunft. Deshalb sagt der ungewöhnliche Journalist von der Tagesschau? Richtig: Nix. Denn für uns ist Schweigen im Zweifelsfall Gold. Sollen doch die russischen Staatssender ihre Nachrichten Versilbern, wir schweigen eisern, so isser, der Deutsche und so ist auch die ARD!“


Programmbeschwerde zur Ukraine-Berichterstattung

Sehr geehrter Herr Intendant Marmor,
 
das Thema Ukraine betreffend, übermittelt Dr. Gniffke dem deutschen Publikum grundsätzlich frohe Botschaften, auf dass seine Kanzlerin wegen ihrer verfehlten Politik nicht in Misskredit gerate. Der deutsche Michel soll ruhigen Gewissens und in der Überzeugung schlafen gehen, dass der Maidan ein prächtiger Demokratischer Aufbruch war, ein Leuchtfeuer für die Menschenrechte.

Die zu 90% üblen Ukraine-Informationen ignoriert Dr. Gniffke hingegen, im krassen Gegensatz zur ausufernd kritischen, oft läppischen Trump-Berichterstattung. Dass es jetzt Visa-Freiheit für die Ukrainer gibt, vermeldet seine ARD-aktuell zwar ganz am Rande. Dass die Ukrainer davon nicht viel haben – für Pässe fehlen derzeit biometrische Fotos – kommt in den Qualitätsnachrichten allerdings nicht vor, die dieses Prachtexemplar von Chefredakteur zu verantworten hat. Weit schlimmer jedoch ist das Unterdrücken aller grundlegenden Informationen, die zeigen, in welch empörendem Ausmaß die „Maidaner" beim Putsch 2014 vom Westen mit leeren Versprechen geleimt und nunmehr für ihre Ahnungslosigkeit und Gutgläubigkeit abgestraft werden. Beispiel: Obwohl die Arbeitslosenquote auf über 10 % gestiegen ist, verlangt die „Westliche Wertegemeinschaft“ über ihren Internationalen Währungsfonds, dass ein höheres Rentenalter eingeführt wird. Es liegt derzeit bei 60 m/ 57 f bei einer Minirente von 50€ pro Monat.... 

Der Regierungschef der Ukraine, Volodymyr Groysman, droht mit Rücktritt, sollten die Pensionszahlungen in dem osteuropäischen Land nicht im Zuge einer Rentenreform ab dem 1. Oktober 2017 erhöht werden. Bei dem Rentenalter will der Premierminister keinerlei Veränderungen. 

Kein Wort davon in ARD-aktuell. ...  
Der Internationale Währungsfonds besteht außerdem auf einer Bodenreform. Mit ihr soll der Markt für den Verkauf staatlicher und privater Ackerflächen an ausländische Investoren geöffnet werden, der internationale Raubzug auf die ebenso wertvolle wie begehrte Schwarze Erde der Ukraine würde entfesselt. Im Klartext: Es geht um den wirtschaftlichen Ausverkauf der Ukraine. Der IWF droht: Entweder gebt Ihr Euer Tafelsilber, oder Ihr bekommt keine Kredite (8,6 MRD stehen an) und geht in die Staatspleite. 
 
Kein Wort davon in ARD-aktuell. ... Der AgitProp-Laden ist wahrhaftig vorzüglich als Nachrichtenredaktion getarnt.
 
Wir sind der Überzeugung, dass es zwingend erforderlich war, die genannten Informationen den deutschen Fernsehzuschauern zu vermitteln. Es hätte längst kenntlich gemacht werden müssen, um was es der „Westlichen Wertegemeinschaft“ im Ukraine-Konflikt tatsächlich geht: Um die vollständige Ausplünderung eines Staates mit wertvollen Ressourcen unter Mithilfe korrupter Oligarchen, um die Destabilisierung und Untewerfung eines weiteren Staates (die vormalige US-Sicherheitsbraterin Condoleezza Rice: „creative chaos“) unmittelbar an der Grenze zu Russland.

ARD-aktuell ist zwar verpflichtet, „umfassend“ zu informieren und den Bürgern die „Einordnung“ der Informationen zu ermöglichen. In der Berichterstattung über die Ukraine demonstriert ARD-aktuell seine Pflichtvergessenheit aber in nicht mehr überbietbarer Weise. 
 
F. Klinkhammer  V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. Juni 2017 schrieb Heinz Greiner:

DIE MACHT UM ACHT
bei TELEPOLIS:

https://www.heise.de/tp/features/Es-handelt-sich-um-Missbrauch-der-Deutungshoheit-3741117.html

prima Interview , das erklärt , warum ich seit längerer Zeit weder Tageschau noch Tagesthemen , die entsprechenden ZDF Sendungen ,auch nicht mehr ansehe .
Talk Shows ohnehin nicht mehr .
Ich weiß nicht aus welchen Regionen Sie kommen . Vermutlich nicht aus Süddeutschland .
Sonst hätten Sie die täglichen Sprachlumpereien auch noch anführen können , die entschwundenen Konjunktive .
Nicht einmal den SWR im Hörfunk tu ich mir noch an . Die belehrenden Nachrichtensendungen , das Erklären im Sinne der Herrschenden für Lieschen Müller , selbst in den Unterhaltungssendungen . Hinzu die eitlen " Experten ", Professoren meist , die sich für besonders klug dünken , im Sinne der Sache eher als Huren durch


Am 13. Juni 2017 schrieb Michael Riecke:

Die Ukraine Berichterstattung ist in unseren ÖR Medien noch nicht einmal kritisch geschweige negativ. Hier ist eine Mauer des Schweigens aufgebaut worden wie bei der Maffia. Wie leben zum Beispiel normale Arbeitnehmer, Rentner und die 10% Arbeitslosen in der "freien" West- Ukraine?. Einzig im DLV gab es im Feb. 2017 einen kurzen Beitrag
über " 3 Jahre nach dem Maidan". Dort wurde als einziger Erfolg die Unabhangigkeit vom russischen Ergas
erwähnt. Allerdings mit einem erhöhten Preis von ca. 30%. Die extreme Inflation
usw. wurden nicht erwähnt. Soweit zu der "objektiven" Ukraine Berichterstattung im ÖR Rundfunk.


Am 12. Juni 2017 schrieb Gert Venekamp:

Ihr müsst mal was für Euer Buch tun: Im Amazon-Ranking seid Ihr runter auf Platz drei! Das könnt ihr doch der Tagesschau nicht antun.

Antwort von U. Gellermann:

Wir hoffen auf folgenden Schlagzeile: "Doktor Gniffke: Harakiri nach Lektüre von Die Macht um Acht"


Am 12. Juni 2017 schrieb Rainer Hahn :

Die Kooperation Gellermann-Klinkhammer-Bräutigam ist beharrlich und ebenso klug wie witzig. So geht Medienkritik, danke!

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