ARD: Totschweigen für den Krieg

Der Türke ist lieb: IS-Öl? Welches Öl?

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. Dezember 2015

Nie würde die ARD Zensur ausüben. Oder? Aber wenn es gar keine Nachricht gibt, wie soll dann das gemeine Tagesschau-Gniffke zensieren? Wenn jetzt aber die Nachricht missliebig ist, da stellt sich das Gniffke noch dümmer als es von Natur aus ist und bringt sie einfach nicht. Der Russe berichtet über irgendwelches Öl, dass der IS über die Türkei verkauft? Das könnte eine journalistische Sensation sein. Sogar in Israel wissen sie davon? Soweit geht die Staatsräson aber nicht! Die unermüdlichen ARD-Enthüller Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer haben wieder zugeschlagen. Die in ihrer Beschwerde erwähnte Nachrichten-Site DEBKA hat ihren Sitz in Israel und wurde vom US-Magazin "Forbes" im Dezember 2001 als "beste Seite des Internets" eingestuft. Aber das Gniffke kann kein Englisch, außer es ist im Kommando-Ton geschrieben.

Betreff: Nachrichtenmanipulation der ARD-aktuell: Moskau-Preko über Ankaras illegale Ölgeschäfte verschwiegen

Belehrende Eingabe gem. §13 NDR-Staatsvertrag
Nachrichtenmanipulation der ARD-aktuell: Moskau-Preko über Ankaras illegale Ölgeschäfte verschwiegen
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
 
In ihren beiden Hauptsendungen Tagesschau und Tagesthemen unterließ die Redaktion ARD-aktuell am 2.12. 15 einen an sich gebotenen Bericht über die Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums in Moskau, auf der der stellvertretende Verteidigungsminister Anatoli Antonow neue Beweise, Dokumente und bisher nie gesehen Videoaufnahmen über die illegalen Öltransporte der IS-Terroristen in die Türkei vorlegte sowie über die Verwicklung der Erdogan-Clans in dieses Geschäft. Am gleichen Tag fand in Berlin die Debatte im Reichstag über die Beteiligung der Bundeswehr an Kampfhandlungen in Syrien statt, auf der u.a. Ministerin v.d. Leyen nachdrücklich behauptete, der BW-Einsatz solle dazu beitragen, dem Islamischen Staat die wirtschaftlichen Grundlagen zu entziehen. 
 
Außer Frage steht mittlerweile, dass die Haupteinnahmequelle des IS im illegalen Ölhandel liegt und dass dieser Handel mit Wissen aller Beteiligten, voran der USA und ihrer NATO-Verbündeten, über die Türkei abgewickelt wird. Statt einer Kriegsbeteiligung – mit 1200 BW-Soldaten, sechs Tornado-Aufklärern, Luftbetank-Flugzeugen und einer Fregatte sowie der Einrichtung einer Operationsbasis ausgerechnet in der Türkei – könnte der Kampf gegen den IS von der Bundesregierung und von der NATO inkl. USA  sehr viel effektiver geführt werden, würden sie das NATO-Mitglied Türkei zwingen, ihren von den UN geächteten illegalen Ölhandel mit dem IS einzustellen und auch die sonstige Unterstützung für den IS zu beenden. Dies nur am Rande; Politik entzieht sich bekanntlich häufig der schlichten Rationalität, und moralischen Ansprüchen entzieht sie sich prinzipiell.
 
Logisch und staatsvertragskonform wäre allerdings gewesen, wenn ARD-aktuell in seinen Hauptsendungen über die Moskauer Pressekonferenz ordnungsgemäß berichtet hätte. Die Bedeutung der dort eingebrachten Informationen war der Redaktion fraglos bekannt, denn im Internet-Auftritt wurde darüber in aller Breite berichtet, mit eigenen Korrespondentenbeiträgen aus Moskau und auch aus Ankara:
https://www.tagesschau.de/ausland/erdogan-207.html
 
(Die transatlantisch konditionierten Verantwortlichen sind sich nicht zu schade, am Schluss des Beitrags diese „Information“ anzufügen: Die Vorwürfe Russlands gegen die Türkei wies die US-Armee (!) zurück. "Das ist grotesk", sagte Armee-Sprecher Steven Warren. "Wir weisen strikt jeden Gedanken daran zurück, dass die Türkei in irgendeiner Weise mit dem IS zusammenarbeitet.“ Selten so gelacht über soviel treuherzig-blöde US-Frechheit. Selten so gelitten unter soviel Rosstäuscherei der ARD-aktuell). 
 
Das internationale Interesse an dem Moskauer Ereignis lässt sich damit belegen, dass z.B. die Israel-nahe Agentur debka-file darüber in Breaking News informierte:
http://www.debka.com/newsupdatepopup/13943/Russian-defense-ministry-claims-proof-of-Turkey-s-oil-trade-with-ISIS
 
Die Hauptausgabe Tagesschau erreichte am 2. Dezember 2015 über seine Sendeplätze Erstes Deutsches Fernsehen, 3sat, einige Dritte Programme und Phoenix insgesamt 8,9 Mio. Zuschauer. 
 
Die Besucherzahl auf dem Blog tagesschau.de betrug hingegen nur vergleichsweise bescheidene ca 400 Tausend in Deutschland.
 
Es kann kein Zweifel sein, dass der Beitrag im Internet kein Ersatz für eine ordnungsgemäße Berichterstattung in den TV-Sendungen ist und auch nicht als Entlastung dafür dienen kann, dass die Berichte in den Nachrichtensendungen unterlassen wurden. Platzmangel in den TV-Sendungen kann ebenfalls nicht zur Begründung angeführt werden, denn es handelte sich schließlich um einen wesentlichen Aspekt des den Tag bestimmenden überragenden Nachrichtenthemas; beide Sendungen enthielten auch viel buntes Allerlei sowie Filme und Interviews, die jederzeit zu kürzen gewesen wären. 
 
Wir verzichten an dieser Stelle auf das erneute Zitieren der rundfunkstaatsvertraglichen Bestimmungen,  denen zufolge ARD einen gesetzlichen Auftrag hat, umfassend und vollständig über das Weltgeschehen zu informieren. Es steht für uns außer Frage, dass dieser Auftrag im vorliegenden Fall wissentlich und willentlich verletzt wurde, in der Absicht, dem westlichen Kriegstreiben in Syrien seine Scheinlegitimität zu belassen, den militärischen Aktionen der Westallianz ihre Scheinwirksamkeit und dem NATO-Partner Türkei sein Schein-Ansehen;  Deutschland hat die Türkei zum Abwürgen der Flüchtlingsflut aus dem Kriegsgebiet gekauft und verfolgt eigene Interessen in Nahost, die nichts mit dem Bekämpfen des Terrorismus zu tun haben. Über die Widerwärtigkeiten der deutschen Außen- und Kriegspolitik sollte sich das TV-Publikum der ARD offenkundig jedoch keine vertieften Gedanken machen. ARD-aktuell erwies sich wieder einmal als williger publizistischer Komplize der Bundesregierung bei deren Versuch, das Einvernehmen der Bevölkerung mit der antirussischen und antisyrischen Kriegspolitik sicherzustellen. 
 
Wir halten fest: ARD-aktuell verletzt in manipulativer Absicht die Programmgrundsätze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
 
Wir bitten um Prüfung und fristgerechte Stellungnahme.
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 10. Dezember 2015 schrieb Wolf Gauer:

Lieber Uli, lieber Volker, lieber Friedhelm Klinkhammer,

ich schlage die sofortige Einführung einer "Gniffke-Skala" vor. Etwa parallel zur Giftigkeitsskala der Pflanzen oder zur nuklearen Verseuchungsskala.
Gniffke-Grade von 1 bis 10, von "leicht verlogen" bis zu "nachweislich totale Unwahrheit".
Damit ließe sich m.E. das journalistische, statistische und auch juristische Handling der öff.-rechtlichen Informationspraxis entscheidend beschleunigen. An die anfallenden Werte könnten Gebührenrabatte, Karnevalspreise, Auswandererberatung, Gruppentherapie oder sonstige sozialverträgliche Maßnahmen gekoppelt werden.
Was meint Ihr?


Am 07. Dezember 2015 schrieb Lutz Jahoda:

IN SCHLICHTEM VOLKSTON
ZU SINGENDES CHORLIED
IM WALZERTAKT

(an passenden Stellen,
dezent unterlegt,
für "Tagesschau"
und "heute-journal" geeignet)

Weglassen,
weglassen,
welch ein Vergnügen!
Weglassen, weglassen.
welch ein Genuss!
Einfach vergessen
ist leichter als Lügen.
Totschweigen schwächt den Verdruss!
Schweigen! Schweigen!
Was nicht erscheint, spart Verdruss!


Am 07. Dezember 2015 schrieb Michael Kohle:

Kann mir die Antwort von Herrn Marmor gut vorstellen. Wieso, wird er von sich geben, wir haben doch einen Tag später ausführlich ( etwa 20 Sekunden lang, der Verf.) von der Moskau-Preko (hat bei mir lange gedauert, bis ich begriff, dass das wohl Pressekonferenz bedeutet). Oder war das bei der Kleber-Konkurrenz, da wo es heißt, auf der zweiten Backe pupt man besser?

Egal! Meine Meinung, dass sich die Herren Bräutigam&Klinkhammer allein darum verdient machen, das Erbe Friedrich Schillers aufrecht zu erhalten und immer wieder ihre Perlen vor die Sau streuen, dürfte zumindest Ulli G. bekannt sein. Dass allenfalls die Jerichostory bemüht werden kann frei nach dem Motto "Marmor, Stein und Eisen bricht" - ach wenn es doch nur hülfe.

Aber die Gelegenheit für mich ist günstig etwas los zu werden, was mir gestern Abend bzw. Nacht gleich mehrmals bei Gniffke&Raffke auf den Seier ging. Seit Längerem beobachte ich seltsame Momente im Staatsfunk. Wie vor und zu Luther´s Zeiten scheint der Ablass wieder fröhliche Urständ zu feiern. Hieß es damals: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt" so gilt es heutzutage in den Staatsmedien - von den Nachrichten bis runter zum primitivsten comedy-Gwerch - pflichtig und zwangsweise mindestens einmal Putin, Assad oder noch besser beide madig zu machen. Mit was, ist dem Programmbeschicker freigestellt. Aber ohne eine Fassbomben-Attacke darf er keinesfalls etwas Gegenteiliges in der Sendung unterbringen.

So auch letzte Nacht. Titel, Thesen, Temperamente! Es gab reichlich Unappetitliches zu berichten. Von der verblichenen Pressefreiheit in Erdogans Reich als Erstes! Da blieb kein Auge trocken, beim Bericht, alles kam auf den Tisch. Sogar dass der Derwisch selbst die - seiner Meinung nach - bösesten Buben zur Strecke brachte. Es durfte auch noch etwas mehr sein - die Frage nämlich, wie die EU in Kenntnis solcher Aktivitäten die Aufnahme der Türkei in den Kreis der werteschützenden Gerechten in Aussicht stellen konnte.

Der dritte Bericht - den zweiten lassen wir jetzt mal noch beiseite - kündete Schlimmes aus Spanien. Die Gesetze für die Volkssicherheit, ein Franco hätte vor 80 Jahren es auch nicht besser hingebracht. Auch hier: die zu schützenden Werte der EU müssen wohl andere sein als die Menschenrechte, als das Recht auf Demonstrations- und Versammlungsfreiheit, als das Recht ... Echt übel jedenfalls, das Ganze. 

Und wie hat es TTT geschafft solche Beiträge in Gniffkes Welt unterzubringen? Geht ganz einfach. Bleibt ja noch der zweite Beitrag!
Putins Reich des Bösen! So oft wie in diesem Streifen hat man schon lange keinen nackten Mann mehr in der ARD erblicken dürfen. Und - man glaubt es kaum - man wurde sogar seiner Hoden angesichtig, und zwar im Zustand wie von diesem gesunden jungen Mann mit bestem Wissen und gewissen drapiert: mit einem Zimmermannsnagel (womöglich vom Berg Golgatha beschafft) schön mittig zwischen die Pflastersteine genagelt. Was für ein Protest! Der völlig entblösste Aufenthalt auf dem Dach eines Hauses - bei diversen Graden unter Null, man vergaß es nicht zu erwähnen, wurde ebenso von der Staatsmacht unterbunden (Schweinerei!) wie der vorherige Akt. Entsetzt war man unisono, dass die Justiz, beauftragt wohl von Vladimir dem Bösen, den heldenhaften Widerstandskämpfer auf seinen Verstand untersuchen ließ. Noch Fragen?

Ach ja, nein, beim ZDF läuft auch nichts anderes ab. Ohne solche Kratzfüße geht es nicht ab. Gestern Abend irgendwo auf einem Spartensender: Pelzig hält sich! Seine letzte Sendung. Und was macht der Kerl? Er lädt auch noch IM Notar zum Abschluss ein. Frechheit aber auch. Da konnte Pelzig in seiner Abschlussrede nur mit einer minutenlangen, kräftigen Eloge gegen Putin höchstwahrscheinlich gerade noch mal sein Leben retten.,

Was lernen wir aus all diesen Geschichten?
Sollte sich im Verlaufe des Sendebeitrages etwas einfinden, dass nicht der transatlantischen Sprachregelung entspricht oder gar dieser zuwider läuft, muss mindestens die rundfunkvertragliche "Ausgewogenheit" hergestellt werden, indem der "Protagonist" Transatlantisches von sich zu geben hat. 



Am 07. Dezember 2015 schrieb Hans Rebell-Ion:

http://marialourdesblog.com/das-geheimnis-der-7-schwestern-die-geschichte-des-weltol-kartells/ ... darüber las ich schon 1979 ein mir vom örtlichen Apotheker geliehenes Buch! ... seitdem kenne ich die wahren Gründe für die Kriege der US-NATO in den arabischen "Öl-Staaten"!


Am 07. Dezember 2015 schrieb Tanja Dengler:

ARD SENDET AUS DEM BUNKER

Meinungsfreiheit? Aber doch nicht, wenn wir in den Krieg ziehen und keinesfalls bei der TAGESSCHAU: Am 04. Dezember 2015 brachte die TAGESSCHAU im Netz zu ihrem Artikel "Syrien-Einsatz der Bundeswehr - 145 Abgeordnete sagten Nein nach nur 16 Kommentaren folgenden Maulkorb: "Sehr geehrte User,
die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen die Kommentarfunktion zu schließen.
Die Moderation"

Da wird nicht lange gefackelt, da lässt man lieber Syrien abfackeln.

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