ARD macht Nonsens-Nachrichten

Dadaismus im Öffentlich-Rechtlichen

Autor: U. Gellermann
Datum: 21. Januar 2016

Früher hatte der gewöhnliche BILD-Zeitungsredakteur seinen Taxifahrer, von dem er angeblich die Volksmeinung bezog. In Wahrheit war es immer nur der Daumen des jeweiligen Redakteurs, aus dem der Mann seine Meinung lutschte. Je nach Grad der Handwäsche war das Ergebnis dann schmutzig oder dreckig. Die TAGESSCHAU ist da viel moderner: Sie hat eine tatsächlich irgendwie existierende Quelle: Die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“. Diese Quelle hat noch nie einen ordentlichen Waschgang erlebt. Gerüchten zufolge soll es in der ARD-Aktuell-Redaktion Daumen geben, die nahrhafter sind, als die obskure „Beobachtungsstelle“. Der Daumen des Chefredakteurs Dr. Gniffke kann es nicht sein. Der ist zum Bohren von Nasen aus Washington vergeben. Und so produziert die ARD Nonsens-Nachrichten, eine neue Form des Dadaismus. Nur nicht so heiter wie die verblichene Kunstform. Das beweisen die unermüdlichen Beobachter der ARD, die Kollegen Bräutigam und Klinkhammer:

Programmbeschwerde wegen Nutzung obskurer Nachrichtenquellen

Eingabe. „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ Dauerquelle für ARD-aktuell /TS 20 Uhr v. 17.01.2016
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-12173.html
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
 
viele Male haben wir vergeblich dagegen argumentiert, dass sich die Redaktion ARD-aktuell auf die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ stützt, oftmals sogar dann, wenn diese die einzige Informationsquelle ist.
 
Neuerdings, so auch in der o.g. Sendung am 17. Januar 2016, relativiert die Redaktion zwar solche Meldungen mit Floskeln wie „Diese Berichte ließen sich bislang nicht von unabhängiger Seite bestätigen,“ doch bewirken derartige Suffixe beim Zuschauer nicht, was sie vorgeblich sollen. Sie wecken keine gravierenden Zweifel an der Richtigkeit der übermittelten Information, sondern geben der ARD-aktuell nur den dünnen Firnis des Bemühens um Objektivität und neutrale Distanz.  Diesen Wirkmechanismus kann Ihnen jeder Kommunikationswissenschaftler darlegen. Wir gehen davon aus, dass er auch der Redaktion ARD-aktuell bekannt ist und sie genau weiß, dass sie mit solchen Floskeln ihrer propagandistischen Arbeit nur einen Tarnanstrich verleiht.

Informationsendungen  müssen nach § 8 des NDR-Staatsvertrages "unabhängig und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen."  Wie das bei der obskuren syrischen Beobachtungsstelle  möglich sein soll, bleibt ein Geheimnis von ARD-aktuell.
 
Hier gilt wohl die Erkenntnis von Noam Chomsky: "Aussenpolitisch dienen die Massenmedien der Politik als Propagandainstrument, um deren Feinderklärungen regelmäßig abzusegnen. Innenpolitisch sind sie das Mittel zur Herstellung von Konsens..."
 
Wir erheben deshalb  Programmbeschwerde gegen die regelmäßige Berufung auf eine so vollkommen unqualitifizierte Nachrichtenquelle seitens der Redaktion ARD-aktuell.
 
Die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ gibt es in London gar nicht mehr, sie hat ihren Sitz in Coventry. Ihr Chef und einziger Beschäftigter ist der Brite Ossama Suleiman. Er ist ein dreimal vorbestrafter Dunkelmann, der im Jahr 2000 aus Syrien nach England übersiedelte, sich den Namen Rami Abdurrahman gab und als „Direktor“ der „Beobachtungsstelle“ firmiert. Der Süddeutschen Zeitung zufolge betreibt er mit seiner Frau einen Kleiderladen und wurde von einer Gruppe, in der er in London für diese ominöse Beobachtungsstelle tätig war, schließlich rausgeworfen; deren Internet-Domain habe Suleiman "geklaut"; 2012  hat sich diese Gruppe aufgelöst.  Suleiman wird mutmaßlich von US-amerikanischen, evtl. auch britischen Geheimdiensten geschmiert.  Er behauptet, zuverlässige Informanten in den syrischen Bürgerkriegsgebieten zu haben, die ihn telefonisch über dortige Ereignisse unterrichten. Die meisten seiner Hinweise und Behauptungen haben sich jedoch entweder als falsch oder als übertrieben oder als allenfalls bedingt zutreffend erwiesen. Es ist fachlich nicht erklärbar, weshalb ARD-aktuell sich permanent auf eine solche Quelle beruft – wenn man nicht unterstellt, dass die Redaktion freiwillig und bewusst nach einer propagandistischen Matrix arbeitet.
Was von Mister Suleiman zu halten ist, haben wir mehrmals vorgetragen: Nichts. Hier ist es nochmals aus anderem Blickwinkel nachlesbar.
 
http://spiegelkabinett-blog.blogspot.de/2016/01/wie-aus-einer-meldung-wahrheit-wird.html
http://www.informationclearinghouse.info/article43964.htm.
 
Für ARD-aktuell sind Moskauer Quellen zwar grundsätzlich irrelevant,  Chefredakteur Dr. Gniffke gibt lieber den Washingtoner Heloten. Aber Sie als Intendant und der NDR-Rundfunkrat sollten noch ein Restinteresse daran haben, journalistischen Anstand und Distanz zu undurchsichtigen Figuren wie Herrn Suleiman und seinen Hintermännern zu wahren. Das Restinteresse  könnte sich in der Rückbesinnung auf eherne ethische Grundsätze im Journalismus ausdrücken:
 
Eine Nachricht, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen und die sich nicht anderweitig bestätigen lässt, ist keine Nachricht.
 
Und was zusätzlich ins Auge fällt: Die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ als Nachrichtenquelle zu akzeptieren, eine offizielle russische  Nachrichtenagentur von vornherein aber per Dr. Gniffke-Diktum zu ignorieren und zu dämonisieren, ist ein überaus klarer Beweis dafür, wie eindeutig ARD-aktuell im Geschäft der Propaganda verstrickt ist.
 
Höflich grüßen
Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer
Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. Februar 2016 schrieb Stefan Heuer:

@ Hans Rebel-Ion:
Völlig richtig! Die Medien sind Maniulationswerkzeuge der Herschenden (also Friede Springer und Liz Mohn; darauf hatte Herr Gellermann schon hingewiesen). Der ultimative Witz an der Sache ist allerdings, dass diese Propagandaschleudern angeblich "staatsfern" sein sollen (was man mittels Durchsetzung der aller Ebenen mit servilen Parteinutten geährleistet) und mittels de-facto-Steuer zwangsfinanziert werden. Hinkefuss Jupp Goebbels hätte seine helle Freude!


Am 04. Februar 2016 schrieb Stefan Heuer:

Im Jahr 2011, der von den USA und EU geplante Krieg in Syrien war gerade dabei, sich hübsch nach Plan zu entwickeln, brachte das ZDF in seiner "Nachrichten"-Sendung "heute" einen Bericht über eine angebliche Massendemonstrationen in Syrien. Angeblich handelte es sich um ein - Zitat - "Internet-Video", zur Verfügung gestellt durch wackeresyrische "Aktivisten". Der superdämlichen Nachsatz, dass man im doitschen Fernsehstudio die Plausibilität und Echtheit solcher Fabrikationen leider nicht gewährleisten könne, wurde erst im späteren Verlauf der Propagandaschlacht an solche Machwerke angeflanscht.

In diesem Video nun sah man eine Menschenmenge, die durch eine Strasse mit weissen Häusern und parkenden Autos zog. Auch ein paar Palmen waren zu sehen. Und sicher hätte man den wackeren ÖR-Bubies aus Mainz auch glauben wollen, dass es sich um Bilder von "Aktivisten" aus Syrien handelte, wäre da nicht dieser fatale Kameraschwenk gewesen... Denn dieser brachte ein Hinweisschild an der Strasse ins Bild, auf dem in Arabisch und in lateinischen Buchstaben zu lesen stand: "Tunis".

Nun sind wir gewiss nicht so nassforsch zu behaupten, jeder deutsche Konsument des ZDF würde wissen, das Tunis in Tunesien liegt. Aber öffentlich-rechtlichen Redakteuren hätte angesichts dieser Information ein leichter Zweifel über die Echtheit der von "Aktivisten" über das Internet zur Verfügung gestellten Bilder über die Hirnrinde schleichen dürfen. Oder bin ich jetzt grundlos naiv?
Damals war ich noch so dumm, mich mit den Handpuppen des Regimes kommunikativ auseinanderzusetzen. Ich schrieb also einen Brief an die Chefredaktion und bat (sic!) um Korrektur. Denn, nicht wahr, unsere Ö-R-Medien sind doch zur Wahrheit verpflichtet. Oder so. Auf eine Antwort, von der erbetenen Korrektur mal ganz zu schweigen, warte ich noch heute...


Am 22. Januar 2016 schrieb Stefan Westermann:

"Der Daumen des Chefredakteurs Dr. Gniffke kann es nicht sein. Der ist zum Bohren von Nasen aus Washington vergeben. "

Tja, das zeigt das es der arme Doktor Gniffke gar nicht leicht hat im Leben denn gleichzeitig zwei US-Körperöffnungen bedienen verlangt doch einiges an "Beherrschung".


Am 22. Januar 2016 schrieb Lutz Jahoda:

SONG ZUR VERSCHLIMMBESSERUNG

Marmor, Stein und Eisen brechen,
jedoch niemals Meldungsschwächen.
Die bewahrt uns pseudoschlau
Doktor Gniffkes "Tagesschau" ::::


Am 21. Januar 2016 schrieb Hans Rebell-Ion:

Alle sog. STAATLICHEN MEDIEN sind KINDER des KAPITALS! Wer das KAPITAL hat bestimmt die "MUSIKE"! ... gleich wie die "STAATSFORM" sich nennt!


Am 21. Januar 2016 schrieb Andreas Krödel:

Wenn die ARD auch Lügen verbreitet, sich an Medienvorschriften sich keineswegs halten muss, wenn "es kann", "vermutlich", "möglich ist.." oder gar "es ist zu befürchten..", dann hat das mit "öffentlich rechtlichen Medien" absolut nichts zu tun, das sind journalistische "Scheingefechte" wider jeglichen Menschenverstand, auf gut deutsch "Massenverblödung", weiter nichts, nur, wir alle müssen per Gesetz die "Gebühr" dafür auch noch bezahlen - irrer, korrupter Lügenmechanismus, typisch für das ganze "System" der Gegenwart an sich!


Am 21. Januar 2016 schrieb Gernot Riedel:

Diese Information ist bei WIKIPEDIA frei zugänglich:

"Unter Kritik geriet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Herbst 2011, als zahlreiche Medien, darunter CNN, eine auf einem Bericht vom SOHR beruhende Falschmeldung verbreiteten, nach der in der Stadt Hama neugeborene Säuglinge in Brutkästen gezielt getötet worden seien, indem das syrische Regime die Stromversorgung des Krankenhauses unterbrochen habe.[5][6] Während CNN als Quelle für seine Falschmeldung die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte angab, zitierte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte auf ihrer Internetseite daraufhin CNN als ihre Quelle."

Wer sich, wie die ARD, nicht scheut, die "Beobachtungsstelle" zu zitieren, macht sich zum Propagandasender.


Am 21. Januar 2016 schrieb Simone Birgersson:

In einer Hinsicht muß ich korrigierend zur Ehrenrettung der Taxifahrer eingreifen. Als ich weiland als Taxifahrerin in Hamburg des nachts unterwegs war, freute ich mich ganz besonders in nassen Winternächten auf den Redaktionsschluß bei der Blödzeitung (damals war Hamburg noch Hauptsitz). Durfte ich doch dann die Herren (ausschließlich) kutschieren. Wie immer brachten sie mir eine druckfrische Ausgabe ihres Machwerks mit. Nun besaß dieses Produkt die idealen Ausmaße und die Dicke um im Fußraum des Beifahrers all den feuchten Dreck zu absorbieren, der mir in den Wagen getragen wurde. Auch die Herren Redakteure stellten tapfer ihre Füsse darauf ab.

Was das unermüdliche Bemühen Volker Bräutigams und Friedhelm Klinkhammers betrifft, kann man nur beschämt sein, feststellen zu müssen, wieviel man in den ÖR Medien an Lügen hinnimmt und sich höchstens regelmäßig darüber ärgert, ohne zu reagieren. In diesem Fall werde ich den Ball aufnehmen und den Deutschlandfunk mit diesen Informationen konfrontieren. Denn der verfährt seit Beginn des Syrien-Konflikts ebenso wie die Tagesschau inklusive identischer Wortwahl in der Nutzung dieser ominösen Beobachtungsstelle als „Quelle".

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