ARD-Gniffke: Wer Antisemit ist, bestimme ich!

Die Ukraine ist ein Bollwerk gegen Russland

Autor: U. Gellermann
Datum: 06. Oktober 2016

"Herr Doktor Gniffke, Herr Doktor Gniffke,“ hechelte der neue Volontär hinter dem Chef von ARD-aktuell hinterher. „Herr Doktor Gniffke, ich hab hier einen dicken Fall von Antisemitismus!“ Gniffke: „Ach, ja, wer hat den denn bemerkt?“ - Volontär: „Der israelische Parlamentspräsident, Reuven Rivlin.“ - Dr. Gniffke: „Dann auf den Redaktionstisch damit. Was war denn da los?“ - Volontär: „Der ukrainische Parlamentsabgeordnete Oleg Ljaschko verlangte von Rivlin eine Entschuldigung für seine Äußerung, unter den Ukrainern hätte es damals viele Nazi-Mithelfer gegeben.“ - Dr. Gniffke: „Ach so, nein, das ist keine Meldung.“

Volontär: „Aber dieser Ljaschko ist Mitbegründer des ukrainischen Nazi-Kampfverbandes Asow. Und außerdem nennt ihn Amnesty International einen Folterer, und er hat sogar gegen ein TV-Team körperliche Gewalt angewandt, also da müssten wir doch schon aus Solidarität . . .“ - Dr. Gniffke: „Nun hören Sie mal gut zu, junger Mann, da können Sie was lernen: Die Ukraine ist ein Bollwerk gegen Russland. Die zu kritisieren schwächt die NATO. Und was ist die NATO? Das Bündnis der Freiheit. Klar? - Volontär: „Aber der Mann ist ein übler Antisemit.“ - Dr. Gniffke: „Wer Antisemit ist, bestimme ich!“

Programmbeschwerde zum Thema Babij Jar
http://www.tagesschau.de/ausland/kiew-gedenken-gauck-101.html

Werte Rundfunkräte, werter Intendant,

laut Programmrichtlinien des Rundfunkstaatsvertrages ist der NDR verpflichtet, umfassend und objektiv über wichtige Ereignisse zu berichten, und zwar so, dass dem Publikum eine Einordnung der Nachricht ermöglicht wird. Dieser Voraussetzungen werden in der Tagesschauberichterstattung nicht erfüllt.
Im Tagesschau-Beitrag über das Massaker in Babij Jar war Gaucks Redebeitrag in einer wichtigen Sequenz zutreffend wiedergegeben worden. Völlig "daneben" waren dann aber die Ausführungen der Reporterin: Gaucks Auftritt sei eine "starke Geste" gewesen. "Erstmals wird somit im Rahmen der europäischen Familie des Massakers von Babij Jar gedacht als Teil der europäischen Geschichte".
Es war keine "starke Geste", sondern eine selbstverständliche Pflicht des deutschen Bundespräsidenten, zum 75. Mord-Jahrestag den Ort deutscher Barberei an sowjetischen Juden aufzusuchen. Die von ARD-aktuell gewählte Sprache verrät die altbekannte Neigung deutscher Medienberichterstattung, beim Umgang mit deutschen Nazi-Verbrechen zu marginalisieren, indem zum Beispiel, wie im kritisierten Fall, ein selbstverständliches Bekenntnis zu deutscher Schuld und normale Geste des Anstands als "stark" überhöht wird. Das Massaker als "Teil der europäischen Geschichte" zu bewerten, ist an Dreistigkeit und Geschichtsklitterei kaum noch zu toppen, es ist eine Verhöhnung aller europäischen Opfer, die der deutschen Vernichtungsmaschinerie preisgegeben waren.
Zu beanstanden ist auch, dass mit keinem Wort auf die aktuellen faschistischen Tendenzen in der ukrainischen Gesellschaft eingegangen wurde. Im April d.J. hatten wir darauf hingewiesen, dass der ukrainische Parlamentspräsident Andrij Parubij ein berüchtigter ukrainischer Rechtsradikaler ist. Dass er zur Kiew-Entourage von Präsident Gauck gehörte, fand in der Berichterstattung keinerlei Erwähnung. Das zeigt, wie ungenügend und oberflächlich der von Berlin verordnete, exportverbessernde deutsche "Antifaschismus" in deutschen Redaktionstuben tatsächlich praktiziert wird. Bezeichnend dafür auch: Selbst, als in den Tagesschau-Foren Zuschauer darauf hinwiesen, dass in Kiew eine Straße nach dem ukrainischen Nazi-Kollaborateur Bandera benannt ist und dies auch hätte berichtet werden müssen, reagierte ARD-aktuell nicht. Ein Zeichen dafür, dass die Beschreibung der aktuellen rechtsextremistischen und faschistischen Tendenzen in der Ukraine unerwünscht ist und absichtlich vermieden wird.
Auch andere Informationen fehlten: Der israelische Präsident Reuven Rivlin hatte am 28.9.16 im ukrainischen Parlament eine Rede gehalten und daran erinnert, dass etwa 1,5 Millionen Juden auf dem Territorium der heutigen Ukraine getötet worden seien. Dabei seien viele Ukrainer Mithelfer der Nazis gewesen, und zwar vor allem OUN-Kämpfer. Die Vizevorsitzende der Obersten Rada, Irina Geraschtschenko, nannte Rivlins Äußerungen unangebracht. Der Parlamentsabgeordnete Oleg Ljaschko verlangte von Rivlin gar eine Entschuldigung für seine Äußerung, unter den Ukrainern hätte es viele Nazi-Mithelfer gegeben.
Dass ARD-aktuell erneut über die besorgniserregenden rechtsextremen und faschistischen Strukturen und Tendenzen der Ukraine schweigt und wichtige Informationen sogar bei einem so wichtigen Erinnerungstag wie Babij Jar unterdrückt, passt zum Konzept des "Flaggschiffs". Bezogen auf Deutschland und deutsche Verhältnisse tut man so, als sei man gegen Rechtsextremismus. Beim Blick auf die Ukraine sind Schweigen und Verharmlosung angesagt. Eine Heuchelei, die in den Programmrichtlinien nicht vorgesehen ist.

F. Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 08. Oktober 2016 schrieb Peter Schönfelder:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

durch die nachdenkseiten habe ich die Rationalgalerie entdeckt. Für die Veröffentlichung der Programmbeschwerden der Herren Klinkhammer und Co. bin ich sehr dankbar. Dadurch wird einen Nichtakademiker erst bewusst, was einen in den ÖR-Nachrichten entgeht.

Am Donnerstag vor einer Woche wurde auf 3sat wieder einmal auf alternative Medien geschossen und zwar heftig. Das wäre natürlich alles Probaganda und bestimmte Leute aalen sich in ihrer eigenen Welt. Nur der ÖRR hat die Wahrheit und gründliche Recherche gepachtet. Und man vertehe überhaupt nicht, warum man Kabarettisten mehr glaubt als den Journalisten.

Nun, eigentlich seit 30.09., habe ich das Gefühl, dass man die heute-show in die transatlantische Welle eindreht. Der Verdacht hat sich gestern erhärtet. Erst das Eintreten auf Trump (sicher berechtigt) ohne auch Frau Clinten zu kritisieren. Und gestern hatte man RT D im Visier.

Höre ich schon Flöhe husten? Die Anstalt auf "Linie" zu bringen, dürfte nicht ganz einfach werden, aber bei der heute-show, dürfte das kein Problem sein?

PS: Die Räuberpistole von Frontal21 am 04.10. habe ich mit Bedacht nicht konsumiert.

Ich bin dankbar für die alternativen Angebote, ob KenFM, Norbe


Am 07. Oktober 2016 schrieb altes Fachbuch:

der umgang mit dem holocaust bleibt ein heißes eisen!!

es gibt meine uneingeschränkte unterstützung, die verbrechen gegen die juden im II.wk zu ächten und den opfern zu gedenken!!
und klinkhammer und bräutigam machen es richtig, darauf hin zu weisen, dass an dieser gedenkveranstaltung etwas falsch war: die teilnahme jetziger nachfahren damaliger täter (ukr. wie deutsche) und die fehlende kritik an der faschisierung des gastgeberlandes!!
und ich erweitere die kritik:
- in babi jar wurden im II.wk nicht nur juden, sondern eben bis zu geschätzten 200.000 menschen ermordet. warum wird dies nicht erwähnt und nur einer opfergruppe gedacht?
- der sowjetunion und der rf werden unterstellt, durch kein gesondertes gedenken an die judenvernichtung antisemitisch gewesen zu sein. waren die kiewer juden keine sowjetbürger?
- dieser gedanke lässt sich fortsetzen, wenn man sich an die ausladung der rf zum jahrestag der befreiung von auschwitz und den boykott zum jahrestag des sieges in moskau erinnert!! die ukraine wird zum vorreiter bei der befreiung der juden und zum begründer echter gedenkenskultur gemacht, und der russe zum antisemit und eroberer. hier wird im erheblichen maße geschichtsfälschung betrieben! und es wird sicher noch schlimmer kommen!!
- in der kritik fehlt völlig die juristische aufarbeitung!! von den mördern wurde (und auch nur im zusammenhang mit anderen massenmorden) eine handvoll täter nach jahrzehnten und nur zu wenig haft verurteilt!! warum fragt den gauck niemand das??
- die isrealis müssen um solche gedanken wissen!! die frage sei also auch erlaubt, warum sie sich dann vor diesen propagandistischen karren spannen lassen?? weil anders herum auch niemand die "siedlungs"politik der isrealis kritisiert?


Am 07. Oktober 2016 schrieb Lutz Jahoda:

FRONTAL 21
Eine Sendereihe, die sich bislang dadurch auszeichnete, dass sogar linksorientierte Bürger Lobendes über die Redaktion sagen konnten. Was allerdings gestern, am Dienstag um 21 Uhr vom ZDF ausgestrahlt wurde, war ganz im Sinne dessen, was derzeit Mode ist und täglich frisch aufgewärmt wird: Putin, der Teufel - USA, die Engel.
ARD-aktuell wird diese Dokumentation bestimmt dem ZDF abkaufen und bestimmt bald in der Prime-Zeit ausstrahlen. Um es mit Erich Kästner zu sagen: "Ja, man kann durchaus so tief sinken, um von dem Kakao, durch den man uns zieht, auch noch zu trinken.


Am 07. Oktober 2016 schrieb Günther Magro:

Aber Herr Gellermann, Sie beschmutzen unsere guten ARD Freunde die ukrainische Regierung OUN. Wissen Sie nicht was OUN heißt, ich kläre Sie mal auf.: O heißt Organistion, U heißt Unschuldig und N heißt Nationalsozialisten, also Organisation unschuldiger Nationalsozialisten. Darum muß die ARD das umgehen und verschweigen, sonst würde es zuviel bekannt, daß die OUN auch an dem Massaker in Babij Jar ( 30.000-40.000 Menschen ) aktiv beteiligt waren und das Massaker von der OUN in der Region Wolhymiens ( 80.000 Polen ). Was die OUN gemacht hat das ist kein Verbrechen, sondern wenn es westliche Freunde machen heißt das Kollateralschaden. Ich hab das Wort Kollateral im Duden gesucht, da stand (lat.) seitlich, das kann nicht stimmen, hab weiter gesucht und hab es endlich gefunden, da stand Nichtmenschen ( Phantome ). Gott sei Dank, dann haben die USA und ihre Verbündeten seit dem ersten Golfkrieg gegen den Irak bis heute nur den Feind bombardiert und Phantome, aber keine Zivilisten, welch saubere Kriege. Somit ist der .... Heil Cäsar Poroschenko und sein ganzer Stab mit der Berichterstattung vom ARD zufrieden und sie können sich voll auf den totalen Krieg gegen Russland konzentrieren, natürlich mit den westlichen Freunden.


Am 06. Oktober 2016 schrieb Bernd Viehbach:

Antisemitismus ist eine Waffe, auch wenn er als moralischer Anspruch verlauft wird. Das wird in dieser Programmbeschwerde brutal deutsch. Wer Antisemit ist, bestimmt der Mainstream.

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