ARD: Freie Mitarbeiter sind so frei

Wie man Freiheit mit Freedom übersetzt

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. Februar 2016

Wen gerade kein hauseigener Atlantiker zur Verfügung steht, dann kauft die ARD auf dem freien Markt freie Autoren ein. Diesmal war es Silvia Stöbe. Eine Dame, die Freiheit lieber mit „Freedom“ übersetzt. Mit jener Freiheit, der unmittelbar jene „Democracy“ folgt, deren Praxis so gut im Irak und in Libyen zu beobachten ist und die sich die ARD offensichtlich auch in Syrien vorstellen kann. Damit diese Vorstellung ihren Beifall bei deutschen Zuschauern findet, muss im aktuelle Fall eine sorgsam hergestellte Russo-Phobie herhalten, um von den Irak- und Libyen-Ergebnissen abzulenken. Die Aufgabe der Antlantiker-Entlarvung nehmen erneut die ARD-Kenner Klinkhammer & Bräutigam wahr.

NDR-Rundfunkrat
Rothenbaumchaussee 132
20149 Hamburg
 
Eingabe: "Russische Außenpolitik Die Gabelstrategie des Kreml"
Stand: 13.02.2016 10:40 Uhr
http://www.tagesschau.de/ausland/russland-aussenpolitik-101.html
 
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende Pohl-Laukamp,

wieder einmal ein Beitrag von Silvia Stöber. Sie ist eine freie Autorin, die nach unserer Kenntnis für viele Medien als aktiv fördernde "regime-change“-Prophetin bzw. Vorfeldexpertin der antirussischen Berichterstattung fungiert. Für ihre Arbeit erhielt sie Stipendien der Bosch-Stiftung, des Marion-Gräfin-Dönhoff-Programms sowie der Internationalen Journalisten- Programme, die wiederum in entsprechenden Netzwerken Beziehungen zu russischen Oppositionskreisen pflegen. Offensichtlich transatlatisch gut vernetzt ist Frau Stöber bis hin in den bellizistischen Flügel der Grünen der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Konrad Adenauer Stiftung veranstaltet in Kooperation mit dem Atlantic Council of Georgia in Tiflis jährlich im Mai nicht-öffentliche politische Strategie-Seminare mit hochrangiger Besetzung aus Politik, Militär und Wirtschaft. Auch dort ist Silvia Stöber ständige und begehrte Teilnehmerin. Sie, ihr Umfeld, ihre politischen Aktivitäten und die Art ihrer Vernetzung stellen unserer Ansicht nach unter Beweis, wie wirkungsvoll politisch und speziell kriegspolitisch und militärpolitisch einflussreiche Kreise und der öffentlich-rechtliche, von Beitragszahlern finanzierte Rundfunk kooperieren.
In dem anstößigen Beitrag wird erneut mit falschen, verzerrten und propagandistischen Angaben versucht, den Russen ein "unehrliches und doppeltes Spiel" zu unterstellen. Sie sind beweis- und substanzlos, aber geformt zu einer Sorte „Nachrichten“ aus dem Regal „Gift, Tagesdosis Gesinnungsjournalismus".
Stöber behauptet, Russland nutze die Verhandlungen über einen Waffenstillstand nur, um derweil militärische Gewinne in Syrien festzuschreiben. Das ist parteiischer Journalismus fern allen Bemühens um Neutralität, geschweige denn um Objektivität; vollkommen verzerrend, weil der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ausdrücklich die Fortsetzung des Kampfes gegen die Terrororganisationen IS, al-Kaida, al-Nusra &Co. vorsieht und weil die Westallianz ebenfalls weiterhin den IS bekämpft bzw. die Türken vorgeben, ihn bekämpfen zu wollen und dabei die Kurden in Irak und Syrien bombardieren, es füglich auch dem „Westen“ um „Geländegewinne“ geht. Stöber versucht, als hinterrücks zu diskreditieren, was Russland von Anfang an unmissverständlich erklärte: Waffenruhe ja, aber nicht gegenüber dem IS und dem Al Kaida-Ableger Al Nusra-Front.
Der Westen dagegen hat immer behauptet, gegen den IS zu kämpfen, dabei aber zugelassen, dass es den IS und Al-Nusra-Terroristen fast gelungen wäre, Damaskus zu erobern und damit Lybien-Verhältnisse zu schaffen, mit völlig chaotischen Zuständen für das Land und die Bevölkerung. Stöbers Querverweis auf die Ereignisse im ostukrainischen Debelzewo geht gleich gänzlich daneben. Schon lange vor den Minsker Verhandlungen (12.2.15) hatten die Kämpfe um Debelzewo begonnen, an denen ukrainische Rebellen, aber kein russisches Militär beteiligt waren. Bei den Minsker Verhandlungen wurde für den 15.2.15 eine Waffenruhe vereinbart, die ukranischen Rebellen erklärten sich bereits am 14. 2. 15 einseitig bereit, die Waffen niederzulegen. Poroschenko erklärte seine Bereitschaft zum 15.2.2015, tatsächlich stellte die bei Debelzewo eingekesselte Ukrainische Armee ihre  Kampfhandlungen aber erst zum 19.2.2015 mit ihrer Niederlage ein.
Es ist nichts als eine antirussische Propagandafälschung, wenn Frau Stöber und "Friedensforscher" Zellner im Duett behaupten, aus einer militärisch vorteilhaften Situation hätten die russischen Vertreter in Minsk ein für die Ukraine schwieriges Abkommen ausgehandelt. Das Minsker Abkommen war allein ein Vorteil für die ukrainische Regierung. Ohne den vereinbarten Waffenstillstand wäre der Siegeszug der ukrainischen Rebellen über die militärisch total unterlegene Poroschenko-Armee mit Sicherheit fortgesetzt worden. Diese Binsenwahrheit umzudrehen, passt exakt ins russophobe  Instrumentarium der Tagesschau.
 
Als "Regime-Change-Spezialistin" und "Georgien-Kennerin" dürfte Frau Stöber wissen, dass ihre Behauptungen über die Rolle Russlands im Georgien-Konflikt ebenfalls unzutreffend sind: Begonnen wurden die Kampfhandlungen am 8.8.2008 vom georgischen Militär und nicht etwa von Russland. Beendet wurden die Auseinandersetzungen am 12. August 2008 mit der Entscheidung und Anordnung des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, die Kampfhandlungen in Georgien einseitig einzustellen. Am 15. und 16. 8.2008 unterzeichneten Russland und Georgien einen Friedensplan. Angeheizt worden war der Konflikt durch die USA. Am 10.8.2008 transportierten die US-Streitkräfte im Irak stationierte 2000 georgische Soldaten zur Verstärkung in den Krieg Georgiens gegen Russland.
Der Verlauf dieses militärischen Konflikts um Georgien ist dokumentiert. Der kindische Versuch der antirussischen Geschichtsklitterung seitens der ARD-aktuell ist offensichtlich - ein klarer Verstoß gegen Programmauftrag und Programmrichtlinien des Staatsvertrages.
Um ihre eigene Russlandphobie und antirussische Fehldeuterei zu tarnen, greift Frau Stöber unseriös zu Zitaten von vorgeblichen US-Russlandexperten und vergisst dabei zu erwähnen, dass es die nach amerikanischem Eingeständnis so gut wie gar nicht gibt: Der Mangel an qualifizierten Russland-Experten schade der US-Politik , schrieb kürzlich „The Washington Post“. Die Hauptursache sei die mangelnde Finanzierung der Russland-Studien in staatlichen Institutionen. „Expertin" Hill bildet da keine positive Ausnahme; sie verbreitet gern tiefschüfende Erkenntnisse wie: "Putin steht für einen starken Staat“. Und „Ex steht für einen starken Staat“. Und „Experte“ Frear ist auch nur Mitglied einer Organisation, die vielen abgedankten Politikern wie Herrn Genscher Asyl im Alter bietet. Super Quellen für „objektive“ Nachrichten lässt ARD-aktuell da von der Agitprop-Fachfrau Stöber anzapfen....
 
Mit dem Beitrag werden Russland und Präsident Putin erneut Aggressionsabsichten und Unberechenbarkeit unterstellt, faktenfrei, auf Basis bloßer Vermutungen und unqualifzierter Behauptungen.
Beweisbar, objektivierbar, beschreiben klare Fakten eine gänzlich andere Realität:
Die Rüstungsausgaben der USA betragen jährlich 610 MRD, die der VR China 216 MRD, die Russlands 84 MRD und die Saudi Arabiens 80 MRD Dollar. Die USA unterhalten rund um den Globus 1005 Militärbasen und Stützpunkte. Russland nur 2. Zählen Sie bitte einmal, wieviele Kriege die USA allein im zurückliegenden Jahrzehnt angezettelt haben und wieviel Vergleichbares man Russland oder der VR China vorwerfen könnte. Darüber hört man von Frau Stöber und bei Herrn Gniffke nichts. Propaganda hat halt nichts mit der Realität zu tun, ARD-aktuell hingegen sehr viel mit Schlagseite und Tendenzberichtersattung.
Der Tagesschau.de-Beitrag besteht aus unwahren Behauptungen, speist sich aus dürftigen und einseitigen Informationsquellen, verzerrt die Realität. Er denunziert und spekuliert. Er ist mit den gesetzlich normierten Prinzipien der Nachrichtengestaltung unvereinbar.

Mit höflichem Gruß

F. Klinkhammer + V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 21. Februar 2016 schrieb Jens Bernert:

Verfassungsschutz gegen Kritiker

Marieluise Beck (Die Grünen) im Deutschlandfunkinterview: "Was noch nicht belegt ist und wo ich hoffe, dass der Verfassungsschutz endlich nachhakt, ist die Frage, wer die ominöse `Maren Müllers ständige Publikumskonferenz´ ist, die jede Redaktion bombardiert mit Briefen, Protestbriefen, und so systematisch zu einer gewissen Einschüchterung sogar in den Öffentlich-Rechtlichen führt.".

Verfassungsschutz gegen ARD-ZDF-Kritiker, es ist unfassbar.

Antwort von U. Gellermann:

Das sind die GRÜNEN heute: Spitzel für den Apparat.


Am 20. Februar 2016 schrieb Jürgen Brauerhoch:

Hochgeehrtes Gremium, dieser Beschwerde möchte ich mich anschließen. Ständig bringen Sie NACHRICHT UND MEINUNG

DURCHEINANDER entgegen Ihrem Informationsauftrag, z.B. durch vor-verurteilende Adjektive wie

Die gewaltbereten…Palästinernser etc.

Die islam- (fremden-) feindliche Pegida

Die rechtspopulistische AfD

und so weiter. Sie haben auftragsgemäß über Ereignisse neutral zu berichten nicht mit vorgefertigten Meinungen.

Diese „Sprachregelung“ ist zu verurteilen, wenn auch leider immer mehr üblich.


Am 19. Februar 2016 schrieb Friedemann Wo::

Gerade neu hereingekommen.
http://www.tagesschau.de/inland/kreml-desinformation-bnd-vs-101.html Kommentare zum Artikel nicht erlaubt. Wenn man nach dem Autor googelt stehen interessante Details in der Wikipedia. Mitglied der Atlantikbrücke, Seit Februar 2014 leitet er den neu geschaffenen Rechercheverbund NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Wir zahlen also für US Desinformationen. Ein Skandal.


Am 18. Februar 2016 schrieb nora schmitz-gharbi:

Meinungsvielfalt in deutschen Medien ist Geschichte,längst wird im Umgang mit Informationen Objektivität nicht mehr als Maßstab anlegt.
Der politische Einfluss auf die Medien hat die Berichterstattung zu einem einheitliche Brei verkommen lassen : "Im Nachrichtengeschäft geht es um Interessen, nicht um Wahrheit." Einerseits wird versucht Informationen zu liefern und andererseits eine Botschaft zu vermitteln. Der Versuch besteht meist darin, an die Haltung, vielleicht besser die Vorurteile anzuknüpfen, die man der Mehrheit unterstellt. Ein weiterer Grund liegt in den persönlichen Verquickungen zwischen Journalisten und der NATO. Wichtige Journalisten - Herausgeber, Ressortleiter etc. - sitzen in NATO-nahen transatlantischen Thinktanks wie der Atlantikbrücke, The German Marshall-Fund of the United States oder dem Aspen Institute. Hier gibt es offensichtlich Interessenüberschneidungen.

Kriege werden seit mehreren Jahrzehnten wie Produkte vermarktet !

Das Ziel ist es, die Zustimmung der Bürger zu bestimmten Ereignissen (Auslandseinsätze etc.) zu erreichen. Das sagt auch einiges über das Selbstverständnis dieser Medien. Gehandelt wird nach dem Motto: Wir senden und damit hat es sich. Das Vereinfachen komplexer Zusammenhänge und das Emotionalisieren der Dinge haben dasselbe Ziel: Information verkommt zu einer Art Unterhaltung. Der Diskurs über die wichtigen Fragen findet kaum statt.
Erst unterdrücken Politik und Medien Diskussionen, skandalisieren die Ventile wenn diese sich öffnen. Der Markt der Meinungen dominiert in der Politik. Alle halten ihr Fähnchen in den Wind.


Am 18. Februar 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Mir ist es auch ganz unbegreiflich wie sich die Medien so selbst demontieren können, nicht genug damit, reagieren sie auch noch beleidigt und beschimpfen die Konsumenten- ihre Kunden! - wenn sie kritisiert werden. Welches andere wirtschaftliche Unternehmen verhält sich so geschäftsschädigend? Das stärkt dann natürlich den Verdacht, dass sie auf Anweisung von oben handeln.

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