ARD: Ein kranker Sender

Radio Vatikan könnte gesundbeten

Autor: U. Gellermann
Datum: 29. Februar 2016

Die ARD leidet an schwerem Nachrichtenausfall: Alles was nicht passt, fällt raus. Die ARD-Beobachtungsstelle Bräutigam & Klinkhammer hat erneut einen solchen Fall von Wahrnehmungstrübung feststellen müssen. Auch wenn die beiden öffentlich-rechtlichen Therapeuten diesmal versuchen, dem Patienten mit echten Nachrichten des „Radio Vatikan“ zu helfen, bleibt ihr Kampf um Gesundung wahrscheinlich aussichtslos. Zumal die akute ARD-Wahrnehmungsstörung immer mit einer schweren Russophobie verbunden ist. Offenkundig kann auch die TV-Maschine den Russen nicht verzeihen, dass die Deutschen im letzten Weltkrieg Millionen Bürger der Sowjetunion umgebracht haben. Das führt eindeutig zu einer Überkompensation: Wenn die Russen damals unschuldige Opfer waren, dann müssen sie heute unbedingt schuldig sein, damit sich die Deutschen besser fühlen können. So denken Doktor Gniffke & Co. - Die ARD-Therapeuten versuchen es diesmal mit Weihrauch. Ob der Patient es ihnen danken wird ist ungewiss.

Programmbeschwerde: ARD-aktuell-Nachrichtenunterdrückung /Lage in Aleppo/Vatikan
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
 
Dr. Gniffkes Standard-Rechtfertigung für tendenziöse, gegen die Regierung Assad und gegen Russland gerichtete Berichterstattung über den Krieg in Syrien – fälschlich: „Bürgerkrieg“, denn der Terror ist von außen ins Land getragen und wird nach wie vor von der Türkei, Israel, Saudi-Arabien und den USA mit Geld, Waffen und Söldnern unterstützt, indirekt auch von der BRD – diese Standard-Schutzbehauptung lautet:
Es gibt keine unabhängige und verlässliche Quelle in diesem Kriegsgebiet, und über eigene Korrespondenten verfügt ARD-aktuell dort nicht. Die Redaktion, so behauptet ihr Chef,  wähle ihre Informationen mit größter Sorgfalt und mit aller gebotenen Vorsicht aus und hebe immer hervor, die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Dass bei dieser Art Sorgfalt stets antirussische und „prowestliche“ Töne durchschlagen, ist so bekannt wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ und das Schönfärben des Terrorismus mit Begriffen wie „gemäßigte Rebellen“.
 
Dr. Gniffke lehnt eben expressis verbis ab, gegenläufige Informationen von russischen Quellen wie RT Deutsch oder sputniknews in der Nachrichtengebung von Tagesschau und Tagesthemen berücksichtigen zu lassen. Begründung: Staatssender. Die qualifiziert Dr. Gniffke damit als per se unglaubwürdig.
 
 Am 13. Februar 2016 bot sich als fraglos glaubwürdige Quelle für informative Lagebeschreibung aus dem umkämpften Aleppo der lateinische Bischof Georges Abou Khazen, OFM, an: 
 
„Der Apostolische Vikar schrieb über die seinerzeit verhandelte mögliche Feuerpause im syrischen Konflikt und die damit verbundenen Hoffnungen unter der Bevölkerung. ‚Für uns wäre dies ein Traum. Leider wissen wir nicht, was die dschihadistischen Gruppen tun. Wir wissen, dass es sich größtenteils um ausländischen Kämpfer handelt: wer hat das Kommando über sie? Wem gehorchen sie? Werden sie sich der Feuerpause anschließen?’.
Der Apostolische Vikar von Aleppo erläutert abschließend die aktuelle Lage: ‚Die syrische Arme ist mit Unterstützung der Russen auf dem Vormarsch und in den befreiten Teilen der Stadt gibt es wieder Wasser und Strom. Die Schulen werden wieder geöffnet. An vielen Orten finden Initiativen der Aussöhnung mit den Syrern statt, die sich den Rebellen angeschlossen hatten. Die kämpfenden Gruppen werden aus dem Ausland kontrolliert und diese leisten weiterhin Widerstand. Unter der Bevölkerung überwiegt unterdessen die Zustimmung zum Vorgehen Russlands.’”
 
Quellen u.a.: 
http://de.radiovaticana.va/news/2016/02/13/syrischer_bischof_christen_begr%C3%BC%C3%9Fen_treffen_papst-kyrill/1208226
http://www.fides.org/de/news/59393-ASIEN_SYRIEN_Bischof_von_Aleppo_begruesst_Treffen_zwischen_Franziskus_und_Kyrill_im_Zeichen_der_gemeinsame_Sorge_um_Christen_im_Nahen_Osten#.Vs6AB7wwfIY
https://www.freitag.de/autoren/mopperkopp/bischof-lobt-russland
http://news.dkp.suhail.uberspace.de/2016/02/syrien-eine-meldung-aus-dem-vatikan/
 
Quelle für diesen Text ist also weder Sputniknews noch Russia Today, sondern Radio Vatikan. Zitiert wird der Bischof von zahlreichen Publikationen, vom oneline-Portal der Deutschen Kommunistischen Partei, den dkp-news, über den „Freitag“ bis hin zur zur Katholischen Nachrichtenagentur „fides“. Vom "ARD-aktuell-Propagandakino" trotzdem kein Wort darüber. Eine Lagebeschreibung wie die des Bischofs passt eben nicht ins transatlantische Agitprop-Schema des Herrn Chefredakteurs Dr. Gniffke.  
 
Falls dem nicht so sein sollte, müssten wir befürchten, dass Herr Gniffke die ursprüngliche Quelle, Radio Vatikan, wegen dessen Eigenart, ein „Staatssender“ zu sein, ebenfalls für nicht glaubwürdig hält. Für Borniertheit gibt es einen Grenzwert, von dem an sie Unterhaltungswert hat.
 
Wie auch immer: Wir fordern den Rundfunkrat auf, eine weitere Verletzung der staatsvertraglichen Verpflichtung zu unabhängiger und vollständiger Nachrichtengestaltung in Tagesschau und Tagesthemen festzustellen.
 
Höflich Grüßen

Volker Breäutigam und Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 01. März 2016 schrieb Friedemann Wo:

https://twitter.com/FriedemannWo/status/701062549928857600 Viel Informationen in 30 Sek.
Ich empfehle jedem sich die Rede vom Vizeminister Joe Biden (Vizepräsident der USA) vor Havard Studenten ab Minute 56 (Beginn der Diskussion) anzusehen. https://www.youtube.com/watch?v=dcKVCtg5dxM Darin schildert Obamas Stellvertreter mehrfach, dass die Allierten in der Region das eigentliche Problem darstellen, und nennt diese auch beim Namen. Sowie die eigentliche Ursache. Zusammenfassung:
https://video.twimg.com/ext_tw_video/702833772396462080/pu/vid/1280x720/UtubOTa4Yxa2nGwC.mp4 In der vollen Rede sagt er dazu noch viel mehr, ...


Am 01. März 2016 schrieb Uschi Peter:

Noch eine Ergänzung aus RT deutsch vom 29.2.16 :
"Heute sind in Kinsabba im Nordosten von Latakia Hilfsgüter verteilt worden. Die Auslieferung der humanitären Hilfe wurde gemeinsam von Russland, den syrischen Behörden und internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond organisiert und wird in Städten und Dörfern in ganz Syrien verteilt. Kinsabba, das die Dörfer in der Provinz Latakia zu Idlib verbindet, ist am 18. Februar vollständig durch syrische Regierungstruppen zurückerobert worden."
Das Video zeigt die Verteilung der Hilfspakete und einen Arzt bei der Untersuchung eines Patienten.
Nun ist man völlig verwirrt!


Am 29. Februar 2016 schrieb Manfred Caesar:

Daß Bräutigam und Klinkhammer sich soviel Mühe machen ist zwar lobenswert erinnert aber fatal an Don Quichotte.
Wenn Sie wirklich etwas bewegen wollen,dann gründen Sie eine Initiative zur Abschaffung der GEZ.Angeblich bezahlen 4 Mio die GEZ Gebühren nicht.Diese armen Teufel haben gegen den mächtigen Staat als Einzelne keinerlei Chancen.Würden sie sich zusammenschließen wären ihre Chancen weitaus größer und vermutlich würden auch viele brave Gebührenzahler aufspringen wenn sie Erfolge sehen.

Antwort von U. Gellermann:

Bräutigam & Klinkhammer verstehen ihre Beschwerden als Lehrstücke.


Am 29. Februar 2016 schrieb Uschi Peter:

"Der Apostolische Vikar von Aleppo erläutert ...: ?Die syrische Arme ist mit Unterstützung der Russen auf dem Vormarsch und in den befreiten Teilen der Stadt gibt es wieder Wasser und Strom. Die Schulen werden wieder geöffnet. ..."
Das kann ja nicht sein, denn folgendes las ich im Teletxt ZDF heute, 29.2.16:
In den belagerten Gebieten Syriens seien tausende Menschen vom Hungertod bedroht, weil die dringend benötigten Hilfsgüter nicht durchgelassen werden. Fast eine halbe Million Menschen seien eingeschlossen. Das meldete Zeid Ra´ad Hussein, der Menschenrechtsbeauftragte der UNO aus Genf.
Das erinnert mich an die Berichte über Nordkorea (und Iran und viele andere Feindstaaten). Dazu ein interessanter Beitrag von Freeman bei ASR.


Am 29. Februar 2016 schrieb Gideon Rugai:

Antwort von U. Gellermann:

Die ARD antwortet immer: Briefe wie vom Formular-Block, schematisch, inhaltsleer. Darum geht es den Autoren aber nicht, sie wollen das Muster enttarnen, mit dem Staatsjournalismus gestrickt wird. Und weil das ZDF nicht besser ist, wird die ARD als Beispiel genommen.

Also ich persönlich würde das geschriebene Antwort-Formfleisch aus der Konserve nur zu gern lesen - Psychopathologie ist eines meiner Hobbies :D


Am 29. Februar 2016 schrieb Lutz Jahoda:

MARZIALE CON FUOCO
(Kriegerisch feurig)

Orchestersoße Wuster, Wuster:
Altbewährtes Soßenmuster
ARD und ZDF,
mit und ohne Gniffke-Chef,
aussortierend frech, verwegen.
Kommt trotzdem was ungelegen,
fliegt die Nachricht - ei der Daus! -
in hohem Bogen sofort raus.

Damit dies bestens funktioniert,
wird wohlwollend gut honoriert.
Orchestersoße Wuster,
so heiligt Geld das Muster!


Am 29. Februar 2016 schrieb Klaus Madersbacher:

Die wohl vom Geheimdienst ihrer Majestät finanzierte "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" steht auf der "richtigen" Seite und ist daher glaubwürdig. Zumindest für diejenigen, für die die Wahrheit keine Rolle spielt, weil ihre Aufgabe in der Verbreitung von Propaganda besteht.
So christlich kann der Heilige Stuhl gar nicht sein, dass seine Botschaften den überwiegend christlichen Herrschaften nicht am Arsch vorbei gehen.


Am 29. Februar 2016 schrieb Marc Berger:

Ich bewundere ja die Menschen, die die ARD-Nachrichten anscheinend Tag für Tag ertragen und sich obendrein noch die Mühe machen, dann jedesmal einen solch umfangreichen Brief zu schreiben. Das muss ja frustrieren!
Gibts denn aber auch gelegentlich mal ne Antwort oder reagiert die ARD nicht mal mehr mit Textbausteinen?
Im Übrigen ist das ZDF nicht besser

Antwort von U. Gellermann:

Die ARD antwortet immer: Briefe wie vom Formular-Block, schematisch, inhaltsleer. Darum geht es den Autoren aber nicht, sie wollen das Muster enttarnen, mit dem Staatsjournalismus gestrickt wird. Und weil das ZDF nicht besser ist, wird die ARD als Beispiel genommen.

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