ARD: Türken gut, Russen böse

Propaganda-Sender für die NATO

Autor: U. Gellermann
Datum: 26. November 2015

ARD-aktuell entwickelt sich zunehmend zum Propaganda-Sender für die NATO. Der schwere Konflikt über Syrien, der gefährliche Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch türkische Streitkräfte, belegt durch die u. a. Programm-Beschwerde der ARD-Experten Bräutigam und Klinkhammer, ist dem Sender Anlass zu einer unjournalistischen Parteilichkeit. Der NATO-Partner Türkei, der in der Vergangenheit den "Islamischen Staat" unterstützte, wird als unschuldig, als "gut" dargestellt. Russland, dessen Luftwaffe mit der Billigung der syrischen Regierung Terroristen bekämpft, erscheint durch die subjektivistische Wortwahl der ARD als Aggressor, als "böse". Dass mit dieser Einseitigkeit Kriegsgefahren angeheizt werden, nimmt die ARD offenkundig billigend in Kauf.

Programmbeschwerde : Türkische Aggression/Flugzeugabschuss

ARD-aktuell, 24.11.2015, Tagesschau 20 Uhr http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-11309.html
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
 
wegen abermaliger Verstöße gegen Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrags resp. des Staatsvertrags über den Norddeutschen Rundfunk erheben wir Programmbeschwerde.
 
Im o.g. Bericht über türkische Kampfjets, die im syrisch-türkischen Grenzgebiet ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen haben, liegen nicht nur Verletzungen journalistischer Anstandsregeln vor, sondern auch die Verpflichtung zur Sachlichkeit, zum Bemühen um Objektivität und zur Unabhängigkeit; der gesamte Beitrag setzt die unselige russophobe - oft dümmliche - Berichterstattung fort, die wir seit Jahren von unkundigen  ARD-aktuell-Journalisten kennen.
 
Transkription:
 
(Sprecher Jens Riewa) Der Abschuss eines russischen Kampfjets an der türkisch-syrischen Grenze sorgt für Spannungen zwischen Moskau und Ankara. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an dem Zwischenfall. Nun besteht die Sorge, dass das Bündnis im Kampf gegen den IS Risse bekommen könnte. Bundesaußenminister Steinmeier warnte zudem vor einem Scheitern der internationalen Friedensgespräche für Syrien.
(Bericht Martin Weis): Die türkische Darstellung des Abschusses: Um 9.20 Uhr dringt ein russisches Kampfflugzeug in den türkischen Luftraum ein. Dann warnt die türkische Luftwaffe den Eindringling zehnmal. Kurze Zeit später wird er abgeschossen. Auf einer Karte,, die der Generalstab veröffentlicht, soll zu erkennen sein, wo die Luftraumverletzung stattgefunden hat. Moskau streitet das ab.
 
Weggelassen wird der russische Vorwurf, das Flugzeug sei im syrischen Luftraum und damit illegal abgeschossen worden. Zahlreiche objektivierbare Indizien sprachen von Anbeginn gegen die türkische Darstellung, u.a. landeten die Piloten und die Trümmerteile der russischen Maschine weit auf syrischem Gebiet.
 
(S.u.a. dazu Generalinspekteur a.D. der Bundeswehr, Harald Kujat, wir zitieren ihn im Folgenden noch).
 
Die beiden Piloten werden mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug katapultiert. Vom Boden aus beschießen turkmenische Rebellen die vermeintlich Geretteten.
 
Hier fehlt der Hinweis, dass es sich möglicherweise um ein Kriegsverbrechen irregulärer Truppen – Terroristen – handelt.
 
Sie präsentieren Teile der Ausrüstung und behaupten, beide getötet zu haben. Türkische Medien berichten hingegen, die Piloten seien noch am Leben. Bei dem abgeschossenen Jet handelt es sich um einen russischen Jagdbomber vom Typ SU24 wie ihn sowohl die russischen als auch die syrischen Streitkräfte einsetzen. Es ist nicht der erste Zwischenfall im syrisch-türkischen Grenzgebiet, aber ein sehr ernster. Präsident Erdogan verteidigte den Abschuss:
‚Jeder muss das Recht der Türkei respektieren, seine Grenzen zu schützen. Ich unterstütze die Oppositionskräfte in Syrien, und dort ist noch kein IS-Gebiet: Da leben Turkmenen, unsere Brüder.’
Der Zwischenfall ereignete sich in einem Gebiet in dem eine turkmenische Minderheit lebt, die ebenfalls gegen Syriens Machthaber Assad kämpft. Die Türkei sieht sich als deren Schutzmacht an, während Russland sie als Terroristen bezeichnet und immer wieder bombardiert hat.
 
An dieser Stelle spätestens wäre es nach ausführliche Beschreibung des Vorgangs aus türkischem Blickwinkel und nach dem Statement des türkischen Präsidenten Erdogan geboten gewesen, nun endlich auch den russischen Präsidenten Putin zu Wort kommen zu lassen.
 
Stattdessen in Tagesschau-typischer NATO-Hofberichterstattung:
 
(Sprecher im Studio):  Die NATO hat sich auf einer Sondersitzung mit dem Abschuss des russischen Kampfjets befasst. Generalsekretär Stoltenberg rief anschließend beide Seiten zu Besonnenheit auf. Gleichzeitig erklärte er, die NATO folge der Darstellung Ankaras, dass der russische Kampfjet den türkischen Luftraum verletzt habe.  

Erst nach diesem parteiischen Einschub wird dem russischen Präsidenten Putin das Wort gegeben. Allerdings wird nicht sein Wortlaut über den Hergang des Abschusses wiedergegeben, sondern  er wird nur mit einem lapidaren „er kritisierte“ und einem anschließenden „er drohte“ angetextet:
 
(Sprecher im Studiio): Russlands Präsident Putin kritisierte den Abschuss des Flugzeugs. Er drohte mit Konsequenzen für das russisch-türkische Verhältnis.
 
(Bericht Udo Lielischkies): Das russische Fernsehen berichtete heute fast pausenlos über den Abschuss. Für die Zuschauer wohl eine schockierende Wende, denn bisher sahen sie fast ausschließlich Bilder eines erfolgreichen klinisch-präzise ausgeführten Anti-Terror-Kampfes. Entsprechend scharf dann auch Präsident Putins erste Reaktion.
 
Der heutige Verlust ist ein Dolchstoß in den Rücken durch die Komplizen der Terroristen. Der tragische Vorfall wird eins-zu-eins-Auswirkungen auf die russisch-türkischen Beziehungen haben’.
Außenminister Lawrow verkündete denn auch gleich  nach Putins Auslassungen die erste Konsequenz. ‚Es wurde beschlossen, dass für morgen in Istanbul geplante Treffen der Außenminister der Türkei und Russlands abzusagen.’ Doch stellt der russische Präsident nun auch die von ihm angestrebte Anti-Terror-Koalition infrage? Eher nicht: ‚Natürlich  bauen wir darauf, dass die internationale Gemeinschaft die Kraft findet, sich im Kampf gegen den gemeinsamen Feind zusammenzufinden. Und auf die aktive Teilnahme aller Länder dieser Region bei diesem Kampf. Trotz manch scharfer Worte vor allem wohl für das heimische Publikum: Vladimir Putins strategisches Ziel bleibt wohl, respektierter Partner einer großen Anti-Terror-Koalition zu werden. Endlich aus der Rolle des Buhmanns und Aggressors in der Ukraine herauszukommen.
 
Der Redaktion ARD-aktuell ist im Bezug auf diese übliche Gehässigkeit nicht nur bloße Fahrlässigkeit vorzuwerfen. Das bezieht sich bereits auf die verächtliche Wortwahl („Auslassungen“ für eine Präsidentenansprache).
 
Die Zusammenhänge und Hintergründe dieses fragwürdigen Flugzeugabschusses können zwar im Rahmen einer TV-Nachrichtensendung nicht dargestellt werden, berücksichtigt werden müssen sie aber sehr wohl. Das hätte schon mit einer Abwägung beginnen müssen, ob von einem Abschuss "an der türkisch-syrischen Grenze“ zu berichten war oder nicht zutreffender von einem Abschuss „im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei“ – der Ton macht bekanntlich die Musik.
 
Außerdem: Seit langem ist die zwielichtige Rolle der Türkei im Kampf gegen den Terrorismus bekannt, Präsident Erdogan bekennt selbst seine Parteilichkeit im hier zitierten O-Ton. Bekannt ist, dass die Türkei den IS-Terroristen Rückzugsräume auf eigenem Gebiet öffnete, deren Kämpfer mit Waffen versorgte; bekannt ist auch, dass Ankara gemeinsam mit den USA den IS vor geplanten Luftangriffen der westlichen Kriegskoalition in Syrien warnte. S.u.a.
 
http://freebeacon.com/national-security/us-pilots-confirm-obama-admin-blocks-75-percent-of-isis-strikes/
 
Darüber hinaus gehört es zum Basiswissen über den IS-Terrorismus, dass der Erdogan-Clan tief verstrickt ist in die Ölgeschäften des „islamischen Staates“; ein Sohn Erdogans unterhält als Reeder direkte Kontakte mit IS-Terroristen und ist ein Hauptnutznießer des von den UN geächteten ausgedehnten IS-Ölschmuggels. s.u.a.
 
http://awdnews.com/top-news/turkish-president’s-daughter-heads-a-covert-medical-corps-to-help-isis-injured-members,-reveals-a-disgruntled-nurse 
 
Die politische Interessenlage Erdogans ist ebenfalls bekannt: Islamisierung der türkischen Gesellschaft,  Ausdehnung des türkischen Machtbereichs nach Syrien hinein und der Versuch, zu diesem Zweck die NATO in einen Krieg mit Syrien zu involvieren.
 
Bereits lange vor der Tagesschau-Sendung hätte eine des Recherchierens kundige und um sachliche Darstellung bemühte Redaktion alle für einen sauberen Bericht notwendigen Erkenntnisse gewinnen können. Der mit der ARD-aktuell-Redaktion im Wettbewerb um die stärkste antirussische Schlagseite sendende Deutschlandfunk demonstrierte in diesem Fall ausnahmsweise einmal, wie man sich die Jacke einigermaßen sauber halten kann, indem er den vormaligen Luftwaffenoffizier, NATO-Generalstäbler und schließlich Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, befragte: 
 
http://www.deutschlandradiokultur.de/es-gibt-erklaerungsbedarf-kujat-kritisiert-tuerkei-nach.1008.de.mhtml?dram:article_id=337805
 
Kujat kritisiert Türkei nach Kampfjet-Abschuss
(Generalinspekteur a.D. Harald Kujat im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting)
 
Der russische Kampfjet, der am Dienstagvormittag im syrisch-türkischen Grenzgebiet abgeschossen wurde, soll zuvor in den türkischen Luftraum eingedrungen sein. Harald Kujat bezweifelt das: "Es gibt hier durchaus Erklärungsbedarf."
Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets an der syrisch-türkischen Grenze hat der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat Zweifel an der türkischen Darstellung geäußert, das russische Flugzeug sei wiederholt in den türkischen Luftraum eingedrungen.
 
"Wenn die russischen Piloten die syrisch-türkische Grenze überflogen haben und danach fünf Minuten lang zehnmal gewarnt worden, dann wären sie also mindestens vierzig, fünfzig, wenn nicht mehr Kilometer in den türkischen Luftraum eingedrungen. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Es gibt also hier durchaus Erklärungsbedarf."
 
Kritik an der Türkei:
 
Überhaupt habe die Türkei bisher keine positive Rolle im Syrien-Konflikt gespielt, kritisiert der frühere Luftwaffengeneral. So habe sie die Grenzen nach Syrien immer offen gehalten, sodass sowohl europäische IS-Kämpfer als auch Waffen und Material ins Land gelangen konnten.
 
"Wir sehen auch bisher nicht, dass die Türkei sich an die Verabredung hält, die sie mit der Europäischen Union getroffen hat, nämlich den Strom der Flüchtlinge nach Europa zumindest zu kanalisieren, zu begrenzen. Das ist alles nicht besonders hilfreich."
 
Lob für Russland
 
Was die russische Rolle angeht, sagt Kujat, er habe nicht den Eindruck, dass Russland an einer Eskalation interessiert sei. Durch die militärische Unterstützung der syrischen Armee und mit dem politischen Prozess, der gleichzeitig eingeleitet worden sei, habe Russland eine Tür zur Lösung des Syrien-Konflikts geöffnet. "Das ist im Augenblick die einzige Option, die wir haben: den Druck weiter zu verstärken auf IS und gleichzeitig parallel dazu an einer politischen Lösung arbeiten."
 
Entsprechend wirbt der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr für eine stärkere Zusammenarbeit mit Russland: Vielleicht sollten sich die Verbündeten einmal überlegen, ob man nicht Russland und den NATO-Russland-Rat stärker einbinden solle: "Es ist wirklich überlegenswert, ob man nicht zurückkehren sollte auf die Straße der Vernunft und auf die Straße des beiderseitigen Zusammenarbeitens, um diese Krise zu lösen."
 
Die britische Tageszeitung The Guardian brachte es noch am gleichen Tag auf den Punkt:
 
http://www.theguardian.com/world/2015/nov/24/shooting-down-of-russian-jet-how-the-day-unfolded
Turkey shoots down a Russian plane on terrorists fighting mission, when it crosses the Turkish airspace (allegedly!) for a few seconds, whilst the US kindly warns the terrorists 45 minutes in advance by dropping leaflets and advising them to "please kindly leave, we are about to bomb your trucks". This is NATO in action.
 
Und selbst der deutsche Kommerzsender n-tv berichtet, was Sache war:
http://www.n-tv.de/politik/Spezialeinheit-rettet-russischen-Piloten-article16430521.html
„(...) Nach Einschätzung des US-Militärs, das die Region auch mittels elektronischer Fernaufklärung intensiv überwacht, wurde der russische Jagdbomber tatsächlich innerhalb des syrischen Luftraums getroffen. Die Maschine habe sich zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum befunden, sei dort aber nicht abgeschossen worden, hieß es aus Washington. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Jets.(...)“
 
Was man mindestens hätte erwarten können: ARD-aktuell-Chefredakeur Gniffke hätte seine Mannschaft zumindest anhalten müssen, der Stimme ihres Herrn zu lauschen (Washington D.C., The White House, resp. Pentagon). Wenn selbst die US-Army von einem türkischen Übergriff ausgeht, wäre ein Verzicht auf soviel Schlagseite wie im Tagesschau-Beitrag möglich gewesen.
 
Ohne jeden Zweifel und ganz unabhängig von ihrer faktenleugnenden und hintergrundlosen Nachrichtenpräsentation hätte der unverhüllte Putin-Hass im Lielischkies-Bericht von der Redaktion weggeschnitten werden müssen,da er mit der Realität nicht in Einklang zu bringen ist, er ist vielmehr der unkontrollierte Erguss eines Russenhassers:
 
"Trotz manch scharfer Worte vor allem wohl für das heimische Publikum: Vladimir Putins strategisches Ziel bleibt wohl, respektierter Partner einer großen Anti-Terror-Koalition zu werden. Endlich aus der Rolle des Buhmanns und Aggressors in der Ukraine herauszukommen."
 
Es kommt uns schon fast komisch vor, Sie erneut darauf hinweisen zu müssen, wozu ARD-aktuell gesetzlich verpflichtet, was Sie aber trotz der unmissverständlichen Formulierung offenkundig nicht zu begreifen scheinen, vom Redakteur bis zum Rundfunkrat:
"In Berichten und in Beiträgen, in denen sowohl berichtet als auch gewertet wird, dürfen keine Tatbestände unterdrückt werden, die zur Urteilsbildung nötig sind. Alle Beiträge haben den Grundsätzen journalistischer Sorgfalt und Fairness und ihrer Gesamtheit der Vielfalt der Meinungen zu entsprechen. Berichterstattung und Informationssendungen haben den anerkannten journalistschen Grundsätzen, auch beim Einsatz virtueller Elemente, zu entsprechen. Sie müssen unabhängig und sachlich sein. Zur journalistischen Sorgfalt gehört, dass Tatsachenbehauptungen überprüft werden; Vermutungen sind als solche zu kennzeichnen."
Den offenkundigen Verstoß gegen diesen Grundsatz werden Sie natürlich wieder leugnen, nicht aus Überzeugung, sondern erfahrungsgemäß aus einer Mischung von Ignoranz, Eitelkeit und fehlender Kompetenz. Es ist  schade, dass die Zuschauer es auszubaden haben.
 
Wir bitten dennoch um Prüfung.
 
Bestmögliche Grüße
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
 
 


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 29. November 2015 schrieb antares56:

Im "Neuen Deutschland", der selbsternannten "sozialistischen Tageszeitung" werden neuerdings sogar die Kommentare von Kommentatoren gefälscht wenn sie denn einen Freund des ND "beleidigen"! An objektiver Berichterstattung zum Abschuss der Su-24 ist dort niemand interessiert - wie schon bei MH 017!
Das ND ist eingekehrt in den Kreis der MSM!
Und man will den Leuten dort vormachen man wäre "links", ganz im Gegenteil, man findet die Putschisten in der Ukraine gut und hat auch nichts gegen Erdogan, einen psychopathischen Gangster im Sinne des Kapitals - hauptsache es geht gegen Rusland! Da wird sogar eine Merkel gelobt!


Am 27. November 2015 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

Für einen absoluten Machtmenschen wie Erdogan läuft es seit geraumer Zeit
wie geschmiert - dank einseitiger ARD-Berichterstattung hat gewinnt seine Herrlichkeit Oberwasser wie nie, obwohl er, wie jeder weiß, durch illegale Öl-
und andere Geschäfte viel Dreck am Stecken hat. Verkehrte Welt - so viel Schützenhilfe für einen ausgemachten Demokratiegegner!

Das blutige Attentat auf die Erdogan-Kritiker mit vielen Toten z.B. kurz vor seiner Wiederwahl wird so wohl kaum aufgeklärt werden!
Ein vermeidbares und denkbar falsches Signal im ungünstigsten Moment
war m. E. der Bittsteller-Besuch von A. Merkel in der Türkei kurz vor der Wahl -
wo Erdogan die Gelegenheit am Schopfe packte, die dt. Bundeskanzlerin
endlich einmal vorzuführen .. . . schuldbewußt sprang sie von ihrem goldenen Stühlchen auf, wo sie es sich schon bequem gemacht hatte, um dem wartenden Gastgeber brav das Pfötchen zu reichen . . .
wieviel Triumph und Genugtuung war daraufhin in seinem Gesicht zu lesen.
Wieviele zusätzliche Stimmen mag ihm das eingebracht haben!

Man glaubt es kaum: aber Ami-Militärs hätten - so hieß es bei dem Propagandasender für die NATO - ARD aktuell - auch fast sofort die Version des türkischen NATO-Partners bestätigt - die russische sei "behauptet"!
Und wenn die Amis das sagen . . . .!
Man fragt sich, ob unter soviel öffentlich-rechtlich-einseitiger Berichterstattung jemals die Wahrheit ans Licht kommt?


Am 27. November 2015 schrieb Simone Birgersson:

Ich kann nur betonen, wie dankbar ich den beiden Autoren des Schreibens bin, dass sie sich der Mühe unterziehen und den Zeitaufwand betreiben, die es bedeutet, sich dieser gezielt einseitigen Berichterstattung, um nicht zu sagen Propaganda, der Tagesschau auszusetzen. Ich kann mir das schon lange nicht mehr antun, sehe aber ein, dass es notwendig ist.
Mich selbst betrifft das Thema eher im Hinblick auf das Radio sprich Deutschlandfunk, bei dem ich ähnliche Verzerrungen der Tatsachenberichte feststellen konnte. Das zieht sich bis in den Tonfall und die Betonung selbst bei ihrer Presseschau hinein. In diesem konkreten Zusammenhang hätte ich gern mal den sogenannten Sicherheitsexperten des DLF, Rolf Clement, gefragt, ob er nach dem Abschuß der russischen Maschine nun zufrieden ist, nachdem er vor einem guten Jahr (29.10.2014) im Falle der russischen ?Kampfbomber?, die am Rande der Natoländer unterwegs waren, eine solche Möglichkeit in Aussicht gestellt hat (O-Ton Clement damals: ?... gehe ich davon aus, dass sich die Nato sehr ernsthaft überlegt, ob sie die nicht abschiessen muß?). Auch hier wurden Luftraumverletzungen behauptet, welche die Nato selbst so nicht erwähnt hatte.
Vielleicht hat sich Erdogan ja überlegt, das sei eine gute Idee jetzt, nachdem alle seine Bemühungen, die Nato in einen Bündnisfall mit Syrien hineinzuziehen nicht gefruchtet haben. Bis auf die Aufstellung von Raketenabwehrgeschützen nichts erreicht. Und nun droht noch der Anti-IS-Bündnisfall des Westens mit Russland ohne gleichzeitige Abschaffung Assads, wo es doch schon die indirekte Kooperation der USA mit der YPG geschafft hat, den IS in diesen Abschnitten zurückzudrängen. Trotz der Druckmittel, die Erdogan gegenüber seinen Nato-Komplizen wie USA und Deutschland in der Hand hat, war für ihn die höchste Alarmstufe erreicht vor dem Besuch von Hollande bei Putin.
Auch eine Frage von Bedeutung für die der Neutralität verpflichteten Medien wäre diejenige nach dem türkischen ?Hoheitsgebiet?, denn das wurde ja vor 2 Jahren ca. ohne internationale Verrechtlichung einfach in syrisches Staatsgebiet ?erweitert?. Spielte sich die Angelegenheit innerhalb dieser Zone ab? Für mich lassen einige Bemerkungen Erdogans das so vermuten.

Dass auch ?geschäftliche Interessen? der Familie Erdogan dabei ein Faktor waren ist nicht auszuschließen. Aber er selbst agiert wohl in erster Linie aus regionalstrategischen Gründen im kleinen wie die USA aus geostrategischen im großen Maßstab und betreibt das Spiel mit den bösen Jungs unter der Annahme, ihrer später wieder Herr werden zu können. Und dabei verfangen sie sich langsam alle, im Kleinen wie im Großen, selbst in den Fangstricken, die sie für die anderen ausgelegt haben.
Nie hat das berühmte Gedicht Goethes vom Zauberlehrling eine derart bestechende Bewahrheitung erlebt:
...Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!
Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Nur ein Zaubermeister ist hier nicht in Sicht.

Zur Rolle der Türkei in diesem Labyrinth aus Öl und Blut und Macht und Gewalt ist aktuell und sehr erhellend auch noch der Artikel von Nafeez Shamir (engl.): NATO is harbouring the Islamic State
https://medium.com/insurge-intelligence/europe-is-harbouring-the-islamic-state-s-backers-d24db3a24a40#.8smdr8f0v

So, ich hoffe, das war nicht zu lang. Ich wollte zum obigen wie zu den meisten Artikeln auf Uli Gellermanns Seite eigentlich nur sagen: bitte weiter so!


Am 26. November 2015 schrieb Kostas Kipuros:

Noch eine kleine Ergänzung: Im Jahr 2012 wurde ein türkisches Kampfflugzeug von syrischen Regierungstruppen vor der Küste Syriens abgeschossen. Damals waren es die Türken, die sagten, sie hätten den Luftraum des Nachbarlandes nicht verletzt, wohingegen Damaskus behauptete, dies sei unzutreffend. Damals sagte Recep Erdogan Tayiip laut BBC: "Eine kurzzeitige Grenzverletzung kann kein Vorwand für einen Angriff sein."
Nachzulesen auf der Online-Ausgabe der norwegischen Zeitung „Aftenposten" in einem Beitrag von Oberstleutnant Geir Ødegaard, Dozent am National Defence College, der in einem Beitrag der türkischen Seite einen geplanten und von höherer Stelle abgesegneten Abschuss des russischen Kampfjets unterstellt.
http://www.aftenposten.no/nyheter/uriks/--Tyrkere-ma-ha-bestemt-seg-pa-forhand-for-a-skyte-8258325.html
Übersetzung des Beitrags http://www.russland.ru/die-norwegische-aftenposten-unnormal-und-starke-reaktion/


Am 26. November 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Ergänzend zu meinem Hinweis auf den Zero Hedge-Beitrag, der von den Geschäften Erbil Erdogans, des Sohnes des türkischen Präsidenten, im Geschäft der Hehlerei von gestohlenem syrischem Erdöl hinweist (siehe weiter unten mit Link zu Quellen), kommt gerade folgende Nachricht:
Erdogans Schwiegersohn wird neuer Energie-Minister in der Türkei.
Das paßt doch!
Link zur Nachricht:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/26/erdogans-schwiegersohn-wird-tuerkischer-energieminister/

Antwort von U. Gellermann:

Herzlichen Dank für die Ergänzung. Wenn so viel Geld auf dem Spiel steht, dann haben die russischen Piloten eben Pech gehabt


Am 26. November 2015 schrieb Stefan Westermann:

Laut Jürgen Rose, ehem. OLT der Bw - hat 2003 anläßlich der deutschen Unterstützung des US-Angriffskrieges gegen den Irak den Gehorsam verweigert, sind diese Angriffe durch das Völkerrecht gedeckt. Hier:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20880

Bezüglich der griechischen Luftraumverletzung durch die Türkei hab ich folgendes gefunden:
http://greece.greekreporter.com/tag/greek-airspace/
http://www.politico.eu/article/turkey-buzzes-weakened-greece-military-airspace/

Antwort von U. Gellermann:

Woher Jürgen Rose (den ich als Militär-Experten, weniger als Völkerrechtler kenne) seine Volte hernimmt weiß ich nicht. Schließlich kommt der IS aus dem Irak, dort hat er sich gegründet, von dort aus hat er Syrien überfallen und nicht umgekehrt.


Am 26. November 2015 schrieb gerim hagenmuel:

Taj, wo geht die Zeit ein? Erdogan, blind geworden vor Machtgier und Neid , so scheint es zu sein. Ein willkomener Vassals geichdenender uebergeordneter Moechte. "Invidia, unde sitis"? Neid von wo Bis du. In dem Gravurteller T49 aus 1835 wird eindrucksvoll dargestellt, wie Neid die Jahrhunderte im Ringen um Macht die Menschenwillkuer gesteuert hat. Kriege , Hunger, Tod und Hoffnungslosigkeit das Kausalprinzip dieses Karakters. Wann wird die Menschenwelt vernuenftig? Der Islam, eine humane Soziallehre, das Christentum das selbe.
Armenian Leute wurden 1915 abgeschlachtet, die US Politik schlachtet nach roemischem Muster genau so ab. Russland auch? Es wird Zeit, die Wahrheit zu erkennen, wollen wir eine Zukunft in Frieden und Voelkerverstaendigung. Die Hardliner aller Schattierungen haben darin keinen Platz .


Am 26. November 2015 schrieb Stefan Westermann:

@Kostas Kipuros
"1306 Verletzungen des griechischen Luftraums durch 101 türkische Militärflugzeuge "

das versteh ich nicht. Ich dachte ein einzelner Einflug eines Militärflugzeuges wäre EINE einzelne Verletzung. Die Zahlen würden nahelegen das ein einzelnes Flugzeug den Luftraum mehrfach verletzt. Ist das so?

Ein Luftkampf zwischen griechischen und türkischen Maschinen? Das wäre ja direkte Kriegshandlungen zwischen Verbündeten.

Laut Jürgen Rose, leider finde ich den Link nicht mehr, sind die Luftangriffe der USA / GB / Frankreich gegen IS in Syrien durchaus mit der UN-Charta vereinbar. Als Verteidigungshilfe des Iraks.

Antwort von U. Gellermann:

Ganz sicher sind die US-Flüge im syrischen Luftraum völkerrechtswidrig.
Laut Wikileaks (und meiner Erinnerung) verletzt die Türkei den griechischen Luftraum dauernd: https://wikileaks.org/plusd/cables/05ATHENS1505_a.html#efmAlIAod


Am 26. November 2015 schrieb Hans Rebell-Ion:

Die deutschen "MEDIEN" sollte man - trotz RUNDFUNK-Zwangs-Steuer - meiden!
Hier eine russische ALTERNATIVE --> http://de.sputniknews.com


Am 26. November 2015 schrieb Benny Thomas Olieni:

Danke für die Feinarbeit dieser Analyse der ARD-Propaganda!

Zum Hintergrund der Haltung der Atlantik-Brücke-ARD in diesem Fall:

Die russische Armee hat seit Beginn ihres Einsatzes (der völkerrechts-gerecht auf Wunsch der Regierung Syriens geschieht) etwa eintausend Tanklastwagen zerstört, die den gigantischen Schmuggel des vom IS gestohlenen Öls bewerkstelligten. Damit fiel einerseits eine wesentliche Einnahmequelle des IS aus - andererseits eine enorme Fianzquelle für die Hehler.
Umfangreiche Recherchen, wer diese Hehler sind, lassen laut einem Bericht heute auf Zero Hedge immer wieder einen Namen im Visier erscheinen: Erbil Erdogan, Sohn des türkischen Präsidenten.
Link zu einem englischsprachigen Text hierzu:
http://www.zerohedge.com/news/2015-11-25/meet-man-who-funds-isis-bilal-erdogan-son-turkeys-president
Kennt man einen Hehler, so bleibt noch die Frage: Wer sind seine Kunden?


Am 26. November 2015 schrieb Michael Kohle:

Habe - so vermute ich - schon mal darauf hingewiesen, vor wenigen Tagen. Die Herren Bräutigam und Klinkhammer "machen" es dem Herrn Intendanten Marmor verdammt leicht, zu leicht, ihre Programmbeschwerden abzubügeln. Mit ihren detaillierten Ausführungen in Form einer "Gegendarstellung" erreichen sie bei dieser "Zielperson" nichts. Damit wird dem Herrn die Möglichkeit geboten, mit einer einzigen Handbewegung - dem Wegwischen - die Angelegenheit zu beenden.
Viel bedeutsamer, viel wichtiger wäre doch die Frage an den Herrn, auf Basis welcher Argumente er "glaubt", davon ausgehen zu können, dass solcherlei "Berichterstattung" sich im Rahmen der Gesetze und des Rundfunkvertrages bewegen. Da kommen dann nämlich noch ganz andere "Tatbestände" aufs tapet, sollte er nicht klar widerlegen können, dass die "Berichterstattung" der ihm unterstellten Anstalt diesen Vorgaben nicht entspricht. Der Herr wird auch ahnen, um welche es sich handeln würde.


Am 26. November 2015 schrieb Kostas Kipuros:

Hab´ mal in meinem Archiv nachgeschaut und folgendes gefunden: Seit Januar 2015 bis August hat der griechische Generalstab 1306 Verletzungen des griechischen Luftraums durch 101 türkische Militärflugzeuge gezählt. Umgekehrt fliegen griechische Flugzeuge auch über türkisches Territorium - ohne dass Ankara den "roten Knopf" gedrückt hätte. "Business Inside" berichtete am 16. Juli 2015 über einem Luftkampf zwischen griechischen und türkischen Kampfjets über der Ägäis, nachdem eine Formation der türkischen Luftstreitkräfte 20 Mal den griechischen Luftraum verletzte. Im vergangenen Jahr gab es 2224 Luftraum-Verletzungen griechischen Hoheitsgebiets durch die Türkei. Hätte Griechenland auf adäquate Weise reagiert wie die Türkei im jüngsten Fall, dann hätte sich die Nato vermutlich militärisch selbst zerlegt. Ergo: Das Argument der türkischen Regierung, Russland hätte sich den Abschuss des Jets selber zuzuschreiben, ist schlicht gelogen.
Was inzwischen Allgemeinwissen ist: Die Türkei hat mehrfach massiv irakisches Territorium verletzt und kurdische Stellungen bombardiert sowie mehrfach syrische Hoheitsrechte verletzt. In keinem von mir verfolgten ARD-Kommentar oder -Bericht waren diese Fakten zu vernehmen. So definiert sich Einseitigkeit.


Am 26. November 2015 schrieb Hella-Maria Schier:

Was ich vor allem überhaupt nicht verstehe, ist die offenbar völlige Unkenntnis des Gefahrenpotenzials, das darin liegt den Konflikt mit einer Atommacht anzuheizen .haben diese Presseleute alle Zweitwohnungen in Südamerika für sich und Familie besorgt? Über Angela Merkel habe ich ein derartiges Gerücht gehört.


Am 26. November 2015 schrieb Rita Hammesfahr:

Man stelle sich vor, was ARD-aktuell in Tagesschau, Tagesthemen und allen sonstigen Sendeformaten für ein Feuerwerk abziehen würde, hätte nicht ein türkisches Flugzeug eine russische Maschine abgeschossen, sondern umgekehrt: ein russischer Kampfjet hätte einen Türken über Syrien vom Himmel geholt.... Es hätten sich die Sondersendungen überschlagen. Die wüsten Falschdarstellungen auch. Garantiert hätte die Tagesschau nicht darauf hingewiesen, dass in dem Fall der Abschuss sogar legal gewesen sein könnte, weil Russland legal über Syrien Kampfhandlungen ausführt, die Türkei hingegen nicht...

Kürzlich...

28. Juni 2016

Die ARD-Omerta

TAGESSCHAU beschweigt Syrien-Einsatz des KSK
Artikel lesen

23. Juni 2016

Mitleid mit Golineh Atai

Nur keine Gnade den Russen!
Artikel lesen

20. Juni 2016

TAGESSCHAU: Wie Sie sehen, hören Sie nichts

Dr. Gniffkes Quantensprung: No News - No Picture in the TV!
Artikel lesen

16. Juni 2016

TAGESSCHAU: „Rebellen“ gut, Assad böse

Wie ein Krieg ins Sende-Schema eingepasst wird
Artikel lesen

13. Juni 2016

Der Terror ist immer und überall

TAGESSCHAU: Und gibt es mal keinen, dann machen wir einen
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen