Rationalgalerie - eine Plattform für Nachdenker und Vorläufer

Rationalgalerie - Leserbriefe aus dem Monat September 2010

Archiv


Leserbriefe

September 2010


Leserbrief vom 06. September 2010
Zum Schmock:
JOSCHKA FISCHER
Blut für Gas - wie gut tut das

Absender: Ria Mendel

Das mit dem Wappen ist doch eine ironische Überhöhung von Ihnen. Das würde Fischer nie machen. Und wahrscheinlich gibt es die von Ihnen erwähnte Wappenrolle gar nicht.


Antwort von U. Gellermann:
Parvenü bleibt Parvenü:

"Schon im Mittelalter wurden Wappen mittels Wappenbrief verliehen. Diese alte Tradition führt der Historische & Kulturelle Förderverein Schloß Alsbach e.V. mit der " Rhein-Main Wappenrolle " fort. Dort haben Sie die Möglichkeit alte aber auch neu gestiftete Wappen von Familien, Vereinen und anderen Körperschaften registrieren zu lassen.

"Das Wappen wird in der Schlosspost veröffentlicht und dient als Beweis und Rechtsgrundlage ( § 12 BGB ) seit welchem Zeitpunkt die Familie ihr Wappen führte. Dem Antragsteller wird ein dekorativer Wappenbrief ausgestellt, der wie schon im Mittelalter die Wappenannahme dokumentiert."

Und zum selbst gucken:

http://www.schloss-alsbach.org/rolle1.htm



Leserbrief vom 06. September 2010
Zur Kritik:
OB DIE MACHT BH TRÄGT?
Neun Monate in der Drecks-Fabrik

Absender: Ingo Raab

Hinter dieser Buchkritik steckt doch die alte, dumme Vergötzung der Arbeiterklasse: "Auf unseren Schultern ruht die Welt. Wir halten das Rad am Laufen." Wenn überhaupt, dann eher wie die Hamster!


Antwort von U. Gellermann:
Auf welchen Schultern stehen denn Sie? Auf denen der Bänker? Da fällt man schneller runter als der Hamster sein Rad dreht.



Leserbrief vom 05. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Willi Hajek

Habe den Artikel sofort ausgedruckt und werde ihn weiterverteilen. Gerade in der Bäckerei hier in Berlin-Schöneberg eine Auseinandersetzung gehabt über die Meinungsfreiheit, die Bild heute einfordert. In eurem Artikel trefft ihr aber genau die Grundlage, von der wir aus die Diskussion führen müssen:

wer schafft denn alltäglich seit Beginn der Industrialisierung einen wensentlichen teil des Reichtums, die Migranten, zuwanderer, die Massen in den Goldminen in Mali und Südafrika, die sans-papiers, die rechtlos auf den Baustellen die Luxuspaläste der Kapitalisten hochziehen - wir müssen versuchen mit allen mitteln diese Seite sichtbar zu machen - die Gesichter der Streikenden 1972 bei Ford und der Frauen bei Pierburg 1973 sind das Gesicht dieser Orientierung und dieses Aufbruchs.

macht oder mach weiter so.

es wird aufmerksam und kritisch gelesen und auch weiterverbreitet.




Leserbrief vom 05. September 2010
Zum Schmock:
JOSCHKA FISCHER
Blut für Gas - wie gut tut das

Absender: Rüdiger Becker

Da ist Ihnen erneut ein trefflicher Draufblick gelungen. Ergänzt sei vielleicht, dass zur demokratischen Genesis des Freundes Israels und aller freiheitlich-demokratischen Friedenskräfte auch jenes Foto gehört, das ihn 1969 auf einem PLO-Kongress in Algier zeigt, bei dem es - die PLO war damals noch weniger auf Ölzweige denn Sprengsätze fokussiert - lt. Spiegel primär um "die Befreiung Palästinas im bewaffneten Kampf" gegangen sei.
Den finalen Slogan des Beitrags würde ich noch etwas präzisieren: "Blut für Gas - das bringt mir was". Zusammenfassung: Rückblickend erweist sich Joseph Fischers Stücklen-Kritik als treffliche Selbstbeschreibung. Wobei ich nicht weiß, ob der damalige Bundestagsvize auch charakterlos war.


Antwort von U. Gellermann:
Danke für das Lob und die Zusatz-Infos. Doch bedarf die Autorin weiterer Ergänzungen: Fischer ist auch Berater für BMW (auch hier macht mehr Gas viel Spaß), er berät für viel Geld Siemens (wahrscheinlich beim AKW-Bau) und natürlich auch den World Jewish Congress (sicher in der von Ihnen angesprochenen Palästinenser-Angelegenheit).



Leserbrief vom 04. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Stefanie Endlich

Der "Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte" ist ein satirisches Highlight. Wenn der Anlass nicht so böse und das Thema nicht so traurig wäre, würde ich aufjauchzen vor Freude.




Leserbrief vom 04. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Tom Grüne

Nun bringt auch in der Rationalgalerie einer die Vertragsarbeiter als postmortale Hilfskanone gegen die DDR in Stellung. Das von Richter bediente Klischee ist so gängig wie falsch. Eine kurze Google-Recherche erschlösse ihm z.B. die zwischenstaatliche (!) Vereinbarung DDR-Vietnam zu diesem Thema. Im Wortlaut. Dort finden sich u.a. die völlige rechtlichen Gleichstellung der Vertragsarbeiter gegenüber ihren deutschen Kollegen, die identische Bezahlung bei gleicher Arbeit sowie ein ganzes Bündel von Festlegungen zur sozialen und kulturellen Einbindung - vom gemeinsamen Theater-Abo, den betrieblichen Sportangeboten über Brigadefeiern bis zum Kunstzirkel, heute alles Utopie - der vereinbart nur befristet zur beruflichen Ausbildung und Arbeit Einreisenden. Die diese staatlich bewußt angestrebte Nicht-Isolation zudem hoch schätzten, wie vielfältige O-Töne auch in Nachwende-Medien belegen. Wenn Hr. Richter auf seine vietnamesischen Nachbarn nicht zugegangen ist, muss er das mit sich abmachen. Aber wo bitte passt da der Vergleich zur Situation von Italienern, Spaniern, Türken im Westen der 60er und 70er Jahre?

Übrigens: Auch der Begriff "Geschäft" des Moderators ist ein Lapsus. Vietnam hatte schlicht Schulden aus regulärem Handel, die DDR hatte einen Arbeitskräftemangel (von wegen "verdeckte Arbeitslosigkeit"). Das wurde für beide Staaten und ihre Bürger vorteilhaft gelöst. Ganz unabhängig von den immensen Solidaritätsleistungen (Warenlieferungen, medizinische Betreuung von Kriegsopfern, Studienplätze etc. etc.), die sowohl von den Bürgern über Spenden als auch seitens des Staates ohne Gegenleistung erbracht wurden.




Leserbrief vom 03. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Richard Zenker

Der von Ihnen erwähnte Herr Oberländer war einer der Unterzeichner des "Heidelberger Manifest" von 1981, das, von einer Reihe staatlich besoldeter Professoren, von der "Übefremdung" handelte:

„Mit großer Sorge beobachten wir die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Zuzug von vielen Millionen von Ausländern und ihren Familien, die Überfremdung unserer Sprache, unserer Kultur und unseres Volkstums. (...) Völker sind (biologisch und kybernetisch) lebende Systeme höherer Ordnung mit voneinander verschiedenen Systemeigenschaften, die genetisch und durch Traditionen weitergegeben werden. Die Integration großer Massen nichtdeutscher Ausländer ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht möglich und führt zu den bekannten ethnischen Katastrophen multikultureller Gesellschaften. Jedes Volk, auch das deutsche Volk, hat ein Naturrecht auf Erhaltung seiner Identität und Eigenart in seinem Wohngebiet. Die Achtung vor anderen Völkern gebietet ihre Erhaltung, nicht aber ihre Einschmelzung"

Dieses rassistische Pamphlete führte nicht zur Entlassung der Professoren während zeitgleich jede mange junge Linke Berufsverbot erhielten. Kanzler in dieser Zeit war Willy Brandt. Villeicht gibt es doch eine besondere sozialdemokratische Tradition in dieser Frage.


Antwort von U. Gellermann:
Im Fall des "Heidelberger Manifest" wie im Falle Sarrazin könnte problemlos ein Paragraph des Strafgesetzbuches angewandt werden:

§ 130 Volksverhetzung StGB

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, daß er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.



Leserbrief vom 02. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Robbie Händler

Das ist erstklassig recherchiert, brillant formuliert und gnadenlos gut: Weiter so!


Antwort von U. Gellermann:
Könnten Sie mich sehen, sähen Sie mich erröten.



Leserbrief vom 02. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Silvio Richter

Wo bleiben die "Vertragsarbeiter" in der DDR? Immerhin hatte die DDR auch so etwas wie "Gastarbeiter". Man sollte das nicht unterschagen.


Antwort von U. Gellermann:
Tatsächlich hat auch die DDR mit ihren ausländischen Arbeitern (Mosambik, Vietnam, etc.) ein Geschäft gemacht. Allerdings war es nicht so profitabel wie das des Westens: Laut Vertrag bekam jeder Angeworbene einen Ausbildungsplatz. Das sollte den Heimatländern helfen. Allerdings war die Isolation der Arbeiter nicht geringer als die in der Bundesrepublik Deutschland.



Leserbrief vom 02. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Karin Moosgruber

Wie haben Sie denn das magyarische Erbgut in Bayern feststellen können?


Antwort von U. Gellermann:
Durch Augenschein.



Leserbrief vom 01. September 2010
Zum Artikel:
DER KLEINE HITLER IM MEDIENLAND
Wie der Altkanzler mal den Sarrazin heilig sprach

Absender: Mark Dreissig

Sarrazin puhlt Fakten zur Bedienung seinser demagogisch-antiislamischen Ressentiments hervor. Nun hat er sich versehentlich auch ansatzweise antisemitisch geäußert - nur DAS wird im nicht vergeben werden. Anti-Islamismus ist schließlich längst gesellschaftsfähig.
Das wahre Problem ist doch aber, dass seine Thesen so viel Rückhalt finden. Auf n-tv und N24 waren die Ergebnisse entsprechender TED-Umfragen eindeutig: 95 Prozent pro TS. Noch Fragen, Leser?




Leserbrief vom 01. September 2010
Zum Artikel:
VON MIGRANTEN UND ASSIMILANTEN
Ein kleiner Streifzug durch die deutsche Migrationsgeschichte

Absender: Werner Wahl

Wut und Zorn sind zwar keine guten Ratgeber aber manchmal sollte man ihnen freien Lauf lassen! Sarazin kligt doch schon irgenwie "emigrantisch" oder ? Wieviel Dummheit enthält eigentlich sein Gen? Richtig ist,so glaube ich,erst als TS das "jüdische Gen" entdeckte war es aus mit "korrekt" und Akzeptanz!!!!