Wir haben erst angefangen

Die Bewegung gegen den Krieg: Auf der Straße!

Autor: U. Gellermann
Datum: 05. Dezember 2015

Die Friedensbewegung ist nicht neu. Und doch muss sie sich neu aufstellen: In einer gefährlichen Lage, mitten in einem internationalen Krieg, der in Syrien längst begonnen hat und droht, die ganze Welt zu erfassen. Ja, es waren 6.000 Menschen in Madrid, 5.000 in London, 3.000 in Berlin und Viele in vielen anderen deutschen Städten, die auf der Straße den Mächtigen den zivilen Krieg gegen den Krieg erklärt haben. Und sie haben das unter einem Trommelfeuer aus Kriegspropaganda getan. Sie haben ihre Wut in den Mut gewandelt, in die Überwindung, die es immer kostet, anders zu sein als die Anderen, die zu Hause bleiben. Sie haben das in der Gewissheit getan, dass sie die wahre Mehrheit sind. Nicht die Minderheit der Kriegsprofiteure, nicht die Minderheit der Parlamentsbürokraten, der unverantwortlichen Verantwortlichen in den Regierungen wird das Recht der Menschen auf Leben verteidigen. Wir haben erst angefangen. Wir wissen, dass wir mehr werden müssen. Um den Kriegs-Terroristen in den Arm zu fallen.

BERLIN, Uli Gellermann

Langsam nur wurden es mehr am Brandenburger Tor. Und dunkel war es, so wie die Winter in Berlin sind. Keine gute Zeit Gesicht zu zeigen. Viele selbst gemalte Plakate waren zu lesen. Das Volk der Dichter wusste, wo der Feind des Friedens sein Zuhause hat: Die Texte handelten von den USA, von den deutschen Regierungsbänken und der Waffenindustrie, und das Wort NEIN war häufig zu sehen. Überpünktlich, als müsse man deutsche Tugenden beweisen, begann das Reden auf der Bühne: Frontalunterricht wie immer, auch disziplinierte Erwachsene quittieren das häufig mit Langeweile. Doch als die Wagenknecht zu sprechen begann, ohne Zettel, mit einem klaren Konzept im Kopf, als die schlanke aufrechte Frau aussprach, was alle dachten: Krieg ist Terror, der nur neuen Terror hervorbringt, da brandete Beifall auf. Hätte sie unter den Dreitausend gestanden, die Menschen hätten sie genommen und hochgeworfen. Es gab dann noch einen zweiten Redner der Linkspartei, als müsse die Partei, deren Vertreter sonst lieber in warmen Parlamenten sitzen als als auf zugigen Straßen zu stehen, ihre Mängel zerreden. Manche hatten gehofft, dass einer von den GRÜNEN geredet hätte, sie wurden enttäuscht. – Alte Freunde trafen sich auf der Kundgebung, neue Freundschaften wurden geschlossen: Wir kommen wieder!

MÜNCHEN, Wolfgang Blaschka

Auch in München fand am 3. Dezember eine spontan organisierte Kundgebung gegen die deutsche Kriegsbeteiligung am Syrienkrieg statt. Mehr als 200 Menschen fanden sich auf dem Max-Joseph-Platz zusammen, um gegen das grundgesetz- und völkerrechtswidrige Vorhaben der Bundesregierung zu protestieren. Es sprachen Walter Listl für das Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus, Sabine Scherbaum von der Feministischen Partei DIE FRAUEN, Franz Iberl für das Münchner Friedensbündnis und die darin aktive Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung (BIFA), Eva Schreiber für DIE LINKE, Hans Georg Klee für den Münchner Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes, Julika vom Kraillinger Forum und Brigitte Obermayer von der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Unterstützt wurde die Antikriegs-Aktion von der DFG/VK, der Friedensinitiative Bad Tölz / Wolfratshausen, von der "Friedensparade" und von der Humanistischen Union Südbayern. Die Lokalpresse trug zur kurzfristigen Mobilisierung keine Zeile bei. Musikalischer Support kam von Sascha Stüben, einem Rapper mit dem programmatischen Künstlernamen "Exit". Ach, würde sich doch nur ein Ausweg finden lassen aus der medialen Unkultur der herrschenden Kriegslogik!

HAMBURG, Wolfgang Breuer

Nein zu deutschem Militär in Syrien und Ja zu einer politischen Lösung sagten am Donnerstagabend rund 300 Menschen vor dem Hamburger Hauptbahnhof. Auf einer Kundgebung des Hamburger Forums für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung betonte Detlef Mielke von der DFG-VK, mit den sogenannten „Aufklärungs“-Tornados werde der Bombenterror auch gegen die Zivilbevölkerung in Syrien verstärkt. Pastor i. R. Sönke Wandschneider forderte von der Bundesregierung, Druck auf die Türkei, Saudi-Arabien und Qatar auszuüben, jegliche Unterstützung der Terrormilizen einzustellen. Die Trauer um die Opfer von Terror dürfe nicht instrumentalisiert werden, sagte Silke Mahlau von Attac, nicht für neue Überwachungsapparate, nicht für Kriege.

STUTTGART, Roland Blach

Bis zu 200 Menschen beteiligten sich am Mittwoch, 2. Dezember, an der Demonstration „Nicht in meinem Namen. Kein deutscher Militäreinsatz in Syrien“. Unterstützt von einer lautstarken Trommelgruppe zogen die Friedensaktivisten vom Bahnhof in Bad Cannstatt zur evangelischen Lutherkirche. Mit der medialen Präsenz auch im Fernsehen sollten zum einen so viele Abgeordnete davon überzeugt werden, bei der Bundestagabstimmung mit Nein zu stimmen und sich für eine politische Gesamtlösung einzusetzen – ohne Militär.
Vor der Kirche wurde mit zwei tollen Redebeiträgen auch gegen das dort stattfindende Adventskonzert der Bundeswehr und die damit einhergehende Werbung für das Militär protestiert. Dabei wurde die veränderte Rolle der Bundeswehr, von einer Verteidigungs- hin zu einer Interventionsarmee problematisiert.

DORTMUND, Ulli Sander

Das deutsche Kabinett der NATO und der Rüstungsindustrie hat am 1. Dezember 2015 einen neuen Kriegseinsatz der Bundeswehr beschlossen und will diese verfassungs- und völkerrechtswidrige Beteiligung am Krieg in Syrien im Schnellverfahren durch den Bundestag peitschen. Für Nachdenken und Suche nach anderen Lösungen nimmt die Regierung sich keine Zeit. Das erinnert an "Notstands"verfahren - auch daran sollen die Menschen im Land sich gewöhnen. Das Dortmunder Friedensforum hat daher an drei Tagen bis zum Donnerstag zum Zweck des Widerspruchs die Friedenskräfte auf die Straße gerufen. Es ergaben sich zwar keine großen Kundgebungen, nur größere Infostände, aber die Flugblätter wurden gern angenommen. An die Vorbeiziehenden an der Katharinentreppe am Dortmunder Hauptbahnhof wurden kleine Ansprachen gehalten. Die Proteste sollen fortgesetzt werden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 14. Dezember 2015 schrieb Hella-Maria Schierhella:

Und schon wieder ist es zu einem russisch-türkischen militärischen Zwischenfall gekommen, diesmal im Mittelmeer. Da kann einen wirklich gruseln.. Wie lange geht so etwas gut, schon da offenbar weiterhin keinerlei Entspannung mit Russland angestrebt wird. Es ist schon bizarr, das alles jetzt noch mit der "völkerechtswidrigen Annektion der Krim" begründen zu wollen, während wir gerade ohne UN-Mandat völkerrechtswidrig in Syrien Krieg führen.
Aber ich verstehe meine Mitbürger nicht.
Sie stecken das relativ gleichgültig weg.
ich war auch in Berlin gegen TTIP, was natürlich wichtig und richtig war.
Auch diese Bewegung wird von den Medien diffamiert, aber das hat die Demonstranten nicht abgehalten.
Militärische Spannungen mit Russland jedoch...och...wenns weiter nichts ist.
Wo es tatsächlich ums eigene Überleben geht, scheint es den Leuten ziemlich egal zu sein. Auch Bomben auf Syrer im eigenen Land rufen weniger Leute auf die Straße , als Flüchtlingsdiskriminierung bei uns und die drohende Klimakatastrophe wird weit ernster genommen, als die Gefahr eines nuklearen Krieges. Ich würde das umgekehrt betrachten. und kann mir auch eher vorstellen die Klimakatastrophe zu überleben als einen Atomkrieg.
Enttäuscht war ich über "Die Anstalt"wobei ich allerdings den Anfang verpasst hatte.
Es setzte mal wieder eine Moralpredigt gegen die Bürger. Von wegen der Flüchtlinge.
Ich schätze, das ist nicht sehr riskant, dabei hat man Medien und Regierung hinter sich. Gegen über rechten Gewalttätern sehe ich das natürlich ein, aber das man das Schimpfetikett "besorgter Bürger" angehängt bekommt, wenn man überhaupt nur FRagen stellt und einem fremdenfeindliche Motive pauschal unterstellt werden, wenn man mal wissen will, was mit "ohne Obergrenze" nun eigentlich gemeint ist, ob ich also z.B. auch 100 Millionen noch strahlend um den Hals fallen und Tschaka rufen müsste, mit absoluter Überzeugung, dass dies sicher nur die alleredelsten Individuen sind und ungeachtet dessen, dass mir das schlicht zu viele Menschen wären, egal welcher Nation.
Ich bin eben nicht genug von Liebe durchflutet, das wirds sein.
Zudem scheinen mir manche geradezu zu wünschen, dass Syrien entvölkert und zerstört wird. Und hier habe ich ein paar Zitate von grünen Politikern gefunden, dei mir recht seltsam vorkommen:
"Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr und das finde ich einfach großartig" Jürgen Trittin

"Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land" Bündnis90 Die Grünen"
Zu diesem Anteil gehöre ja auch ich.
"Deutschland verschwindet jeden Tag immer mehr und das finde ich einfach großartig" Jürgen Trittin
. Es gibt noch mehr davon, bestens geeignet auch "besorgte" Durchschnittsbürger zu "Wutbürgern" und dann zu Rechten zu machen. Um es noch mehr zu verdeutlichen, ersetze man in den Zitaten mal Deutschland durch Frankreich, England, Irland,Italien, Lettland oder Katalonien oder jedes beliebige Land.
In keinem Land wäre so etwas vorstellbar.
Und dazu dies:
"Die Welt (ist)... heute komplizierter und darauf vorbereitet, auf eine Weltregierung hinzumarschieren. Die übernationale Souveränität einer geistigen Elite und der Weltbankiers ist bestimmt der nationalen Selbstbestimmung, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten praktiziert worden ist, überlegen" David Rockefeller
https://www.youtube.com/watch?v=begxy3ZTqPU
"Die Bourgeoisie hat durch die Exploitation des Weltmarktes die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet." (Marx)
"... Niederreißung der nationalen Schranken, Herausbildung der internationalen Einheit des Kapitals, des wirtschaftlichen Lebens überhaupt, der Politik, der Wissenschaft usw." (Lenin über die Spätphase des Kapitalismus )
Sollte man gegen diese Schöne Neue Welt ohne Bindungen (, noch nicht einmal Partnerschaften, Huxley-Roman) und Vielfalt Einwände haben, ist man vermutlich "völkisch", was heißt, was zu verurteilen ist. Weil Kulturen nämlich auch eine Kraft sind und Zusammenhalt schaffen, wohingegen nichts so leicht zu kontrollieren, manipulieren und zu beherrschen ist, wie vereinzelte, entwurzelte und den eigenen Bedürfnissen entfremdete Individuen.
"Ich bin der Markt, dein Gott und du sollst keine anderen Götter haben neben mir" funktioniert nur, wenn alle anderen Götter entmachtet sind.
.Warum sollte der industriell militärische Apparat seine auflösende Destabilisierungspolitik nur in anderen Ländern betreiben?
Ich kann jedenfalls nicht übersehen, dass rechtspopulistische Tendenzen sich auch als logische Folge solcher geopolitischer Auf
lösungsabsichten erklären lassen.


Am 08. Dezember 2015 schrieb Jürgen Lindner::

Rede von Sahra Wagenknecht in der Bundestagsdebatte am 04.12.2015 über den Syrien-Einsatz der Bundeswehr

http://politikimfadenkreuz.blogspot.de/2015/12/rede-von-sahra-wagenknecht-in-der.html


Am 07. Dezember 2015 schrieb Rudolph Bauer:

BREMEN ... am 3. Dezember 2015 - siehe: http://www.bremerfriedensforum.de/581/aktuelles/protest-mahnwache-in-bremen-keine-deutschen-soldaten-nach-syrien/


Am 07. Dezember 2015 schrieb Peter Lind:

Liebe Leute, es genügt einfach nicht freitags die heute-show einzuschalten und sich frenetisch auf die Schenkel zu klopfen. Womit ich nichts gegen die heute-show, noch weniger gegen die "Anstalt" gesagt haben will. Im Gegenteil! Aber es reicht nicht.
Zum weiteren müssen sich die sehr lobenswerten 250 000 Demonstranten gegen TTIP und CETA darüber im Klaren werden, daß die Förderer der Freihandelsabkommen die selben sind, die auch die Befürworter der Nah-Mittel-Ost- und sonstiger Kriege sind, weil: es geht immer nur um Profit! Ergo: auch sie müssen beim nächsten Antikriegsprotest dabei sein.


Am 07. Dezember 2015 schrieb Olaf Tessmann:

Hier zu "STUTTGART, Roland Blach" ein interessanter link:

http://musiker-gegen-militaermusik.jimdo.com/startseite/konzerte-in-kirchen/


Am 06. Dezember 2015 schrieb Jürgen Heiducoff:

Besorgniserregend ist das Tempo, mit dem der Entschluss, Deutschland am Krieg in Syrien zu beteiligen, am Volk vorbei durchgepeitscht wurde. Die Kriegskasse, auch Verteidigungshaushalt genannt, wird in Erwartung neuer Kriegseinsätze für 2016 um 1,32 Milliarden auf 34,3 Milliarden erhöht. Das Deutsche Heer beklagt sich seit Jahren unterfinanziert zu sein. Ein verheerender Gedanke, sollten auch noch Teile des Heeres in Syrien zum Einsatz kommen. Die breit angelegte Ausbildung der letzten Monate vom Kampf der verbundenen Waffen, über Aufstandsbekämpfung bis hin zum Kampf im urbanen Raum lässt nichts Gutes erwarten. Übrigens, Häuserkampf zu üben, kann auch auf einen Einsatz im Inneren hinweisen.


Am 06. Dezember 2015 schrieb Ernst Gebereit:

Zu den 6.000 in Madrid waren es weitere 3.500 in Barcelona. Die Zahlen aus Berlin, aus Deutschland sind vergleichbar erbärmlich.

Antwort von U. Gellermann:

Da ist was dran. Sie sollten das Ihren Freunden, Nachbarn und Kollegen sagen.


Am 06. Dezember 2015 schrieb Manfred Ebel:

Schade ist, dass die Wagenknecht nicht den willkürlichen Behauptungen entgegentritt, die Russen hätten unschuldige Zivilopfer zu verantworten. Es ist schon grotesk, wie schnell Lügen der bourgeoisen und kleinbürgerlichen Meinungsmacher trotz der kurzen Beine laufen können und willig kolportiert werden. Es ist wie die "Annektion der Krim" und der ewig und prinzipiell schuldigen Russen.
Vergessen will ich die Unterlassungssünde der Zurückweisung nicht, konzentriere mich aber auf das jetzt Wichtigere - den Zusammenschluss aller Friedenskräfte.

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