Wer sind Springers Erben

Die Frage nach der Medienmacht heute

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. September 2017

Vor gut 50 Jahren löste der Tod von Benno Ohnesorg in der Bundesrepublik eine unvorhergesehene Protestwelle aus. Mit dem Ruf „Enteignet Springer“ verlangte eine erhebliche Zahl von Menschen eine andere Medienwirklichkeit.

Wer sind Springers Erben? Mit dieser Frage wollen wir, ohne
nostalgische Bezüge, an eine frühe Medien-Bewegung anknüpfen
und die heutige Medienwirklichkeit analysieren.

Antworten auf die folgenden Fragen erwarten wir von dem Kabarettisten Arnulf Rating, dem Publizisten Albrecht von Lucke und dem Blogger Uli Gellermann, der die Diskussionsrunde moderiert:
Gibt es heute noch oder wieder Manipulation in den Medien?
Gibt es eine Konzentration an Medienmacht? Ist die Meinungsfreiheit erneut in Gefahr? Existiert eine alternative Medienlandschaft? Sind Fake-News, wie im Medien-Mainstream behauptet, eine Gefahr für die
Bundesrepublik?

Arnulf Rating, geboren 1951 in Mülheim, lebt seit 1972 in Berlin; hat Kabarettgeschichte geschrieben seit 1977 mit den „3 Tornados“, dem „Reichspolterabend“ und dem „Politischen Aschermittwoch“. Neben zahlreichen Kabarettprogrammen ist er Veranstalter von Festivals wie dem internationalen Wortkunstfestival „Maulhelden“ und Revueprogramm wie „Der Blaue Montag“; er ist häufiger Gast in der ZDF – „Anstalt“.

Albrecht von Lucke, geboren 1967 in Ingelheim am Rhein, studierte Rechtswissenschaft und Politologie und lebt seit Oktober 1989 als freier Publizist in Berlin. Er schreibt in diversen Zeitungen (u.a. „Freitag“, „tageszeitung“ und „Vorwärts“) und für Rundfunk und TV und ist Redakteur bei den „Blättern für deutsche und internationale Politik“. 2015 erschien „Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken“.

Uli Gellermann, geboren 1945, in Düsseldorf aufgewachsen, lebt als Journalist und Filmemacher in Berlin. Er hat als Creative Director gearbeitet und verantwortet seit mehr als zehn Jahren die Website rationalgalerie.de. Er ist einer der Autoren des Buches „Die Macht um acht – Der Faktor Tagesschau“.

Erst auf dem Podium dann mit dem Publikum sollen diese Fragen am
Dienstag, 19. September 2017, um 20.30 Uhr
im Berliner Buchhändlerkeller
Carmerstraße 1, 10623 Berlin diskutiert werden

Es kann eng werden.
Plätze können reserviert werden über:
info@buchhaendlerkeller-berlin.de


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 11. September 2017 schrieb Paulo H. Bruder:

Nicht nur Axel Springer hat Erben. Auch der "Bertelsmann" Reinhard Mohn (Random House, Gruner + Jahr, RTL ... ; Bertelsmann-Stiftung).


Am 05. September 2017 schrieb Michael Kohle:

Da gehen wir uns überhaupt nicht einig.

Monopolcharakter? Das ist mir eine zu enge Sicht der Dinge. Selbst die Annahme, dass das einzig Seilschaften des wertegemeinschaftlichen Kapitals sind, dürfte nicht ausschließlich zutreffen. Hinter allem steckt System dahinter.

Warum so blauäugig? Warum so nachsichtig?

Die Fakes kommen ja nicht nur bei Kai, die ausgebufftesten fakes sind doch längst schon bei NYT und WP verwurstet, bei NTV, N24 breitgetreten wie ein Kuhfladen, lange bevor im MoMa oder bei der Macht um Acht für die schlichteren Gemüter in der Mikrowelle aufgewärmt. Die fakes kommen ja nicht nur bei Kai und Claus. Die tauchen auch plötzlich ganz unerwartet auf, immer und immer wieder, obwohl längst widerlegt und entlarvt, irgendwo anders. Auf Arte - ok, auch irgendwie ÖR - aber auch auf Spiegel-Geschichte, auf History-channel und ähnlich Unappetitlichem. So ist mir letzte Woche bspw. der kleineblutüberströmte Bub im Krankenwagen in Aleppo-Ost mehrmals in einer einzigen Sendung auf Arte untergekommen. In einem Film über Misshandlung & Mißbrauch dem es einem sowieso mehr als übel wurde wegen der gehäuften Präsenz von PüschologInnen von Anfang bis Ende. Man entgeht diesem Minotaurus nirgends. Selbst bei Sky, bei den von Werbung erschlagenen angeblich Privaten TV-Ketten auch nicht, ist ein Entrinnen unmöglich.

Wäre der ÖR ein Monopol, dann würden die „Nachrichten“, die „Infos“ und die „breaking news“ nicht überall zeitgleich und dann auch noch fast wortgleich erscheinen. Dann hätte sich Gniffke die Alleinausstrahlungsrechte gesichert, für jeden Unsinn der irgendwo zusammengestrickt wurde. Hat er aber nicht. Statt dessen gibt es Verbünde, wie den investigativen Verbund von SZ, NDR und was weiß ich sonst noch, mit Herrn Mascolo als Sprecher. Die Panamapaters als Ouvertüre für ihn, denn Terror-Experten. Nie vergessen werde ich auch jenen Tag vor ca. drei Jahren, als in meinem Dorfblättchen (Bad.Zeitung, bzw. Holtzbrinck in ganz
Deutschland von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt) von Seite 1 bis Seite5 alle zugeschmiert war mit im NATO-Hauptquartier hergestellten Bildchen und Texten über Russen-Militärjets im Baltikum. Lang ging es nicht und ich durfte die Bildchen und die Texte (von anderen Schmierfinken) fast identisch bei Gniffke zur Kenntnis nehmen.

Und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens eine ähnliche konzertierte Aktion abgeht. Die Anlässe sind kaum noch alle aufzuzählen. Nordkorea, Syrien - mit den Bösewichtattacken auf Assad, seine Fassbomben und Chemiewaffen, Ukraine, Krim-Annektion auf amerikanisch mit x, Russland und Schuft Putin, Frachtkräftemangel, Trump, Trump und noch mal Trump, vorher Hillary und kein Ende. Mutter Immaculata, Sicherheit. Und ich könnte jetzt ohne Ende so weitermachen. Was davon ist daran - bitteschön - monopolistische Transparenz? Warum weiß eine New York Times noch vor dem zuständigen, allgegenwärtigen Innenminister vermelden, dass ein Copilot der Germanwings wegen Depressionen krankgeschrieben war. Gibt das nicht auch irgendwie zu denken. Warum darf ein Olaf Scholz rechtzeitig vor der Wahl cora publico zur besten Sendezeit - direkt nach dem Tatort, wenn alle noch ermattet vor der Glotze hängen - eine Oppositionsführerin als Verschwörungstheoretikerin verunglimpfen, ausgerechnet er mit aktuellem Terrorhintergrund vom Schanzenviertel? Genug, es reicht.

Antwort von U. Gellermann:

Wenn sich die selbe Nachricht (und Nachrichten-Auswahl) der Tagesschau (zum Beispiel) von der BILD-Zeitung über das Insel-Radio Mallorca bis zu den ZDF-Nachrichten wiederfindet, dann muss von einem Monopol gesprochen werden. Denn die vorgebliche Konkurrenz sendet und druckt in den wichtigen Fragen den selben Unsinn.


Am 04. September 2017 schrieb Michael Kohle:

Es geht auch einfacher!

Einfach diesem link folgen, lesen und zu verstehen versuchen, wie bspw. der aktuelle Stand so ist. Und für was denn das SE stehen könnte. Komisch ist es schon, dass da sogar Russland zu dem E (für Europa) gehört.

https://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer_SE


Am 04. September 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Wirklich bedauerlich nicht dabei sein zu können.
Vollen Erfolg, und gutes Gelingen für ein Thema was wirklich passend in die Medienlandschaft gehört.
Gibt es im Anschluss an die Veranstaltung, in der GALERIE die Möglichkeit sich zu äußern ? Natürlich vom Zeitablauf und der Möglichkeiten her gesehen.


Am 04. September 2017 schrieb Manfred Caesar:

Die Frage ist überflüssig.Springer gibt es noch. Die Macht liegt nicht bei Springer sondern dahinter,wie bei allen anderen auch. Diese Macht ist seit 70 Jahren immer die gleiche ,vermutlich schon viel länger.


Am 04. September 2017 schrieb Michael Kohle:

Aber wer hat denn nun das Erbe angetreten, fragt die Überschrift.

Und der Galerist hat meinen ersten Absatz von der Krake, mein Gleichnis vom Mangrovenwald wohl auch nicht verstanden. Schade eigentlich.

Vor fünfzig Jahren war es Axel, der Springer, dessen Enteignung als die "Lösung" propagiert wurde. Was schon damals ein Denkfehler, ein Trugschluss war. Via BILD war jedenfalls damals das Haupt der Verblödung klar definiert. Nein, so einfach machen es einem die Erben von Hugenberg heutzutage nicht mehr. Man bzw. frau hat dazu gelernt. Wer die Erben der Erben sind? Da wurde dafür gesorgt, dass soetwas wie damals nicht mehr passieren kann. Da braucht es nur eine gute Stunde wenn nicht nur ein halbe Aufenthalt in Wikidistan und es wird einem klar, was sich da für ein mykogenes Geflecht zur allfälligen Meinungsbeeinflussung - nicht nur Gewinnmaximierung - zwischenzeitlich eingestellt hat. Einfach mal googeln zu Springer, zu Bertelsmann, zu Funke, zu Holtzbrinck, zu Burda und ein Herauskommen aus dem Staunen ist nicht mehr drin. Alternativ ist auch dem Ariadne-Faden zu bestimmten Nasen der jüngeren Vergangenheit zu folgen sehr hilfreich. Muß ich wirklich darauf hinweisen, dass dieser Moloch Medien - aus Print inkl. Yellow, TV ÖR und "Privat" - ein Hefezopf aus viel Wasser&Mehl und wenig Rosinen - ein engmaschig geführtes Gebilde ist, das sich gegenseitig ernährt und fördert, verwandt, verschwägert und verbandelt, bis hinunter zur primitivsten Arbeits- und Entgeltbeschaffung, z.B. per Besetzung der Stuhlrunden.

Es gibt keinen habhaft zu machenden Erben mehr. Da hat man gelernt. Und würde man doch eines gewahr, würde ihn gar "enteignen" können, den shareholder von miteinander verwobenenen "Gesellschaften", wäre dann irgend etwas besser, wenn das Aktienpaket vom Spiegel von A nach B, von Liz zu Friede oder umgekehrt gewandert wäre. Nicht mal das kann man genau sagen,

Antwort von U. Gellermann:

Die praktischen Erben sind die Öffentlich-Rechtlichen: Von ihrem Monopolcharakter ausgehend und ihrer hohen Fake-Rate, und wir müssen sie uns aneignen.


Am 04. September 2017 schrieb Michael Kohle:

Medienmacht heute?

Enteignet Springer! So hieß es damals vor einem halben Jahrhundert. Damals standen wir am Abgrund, heute sind wir nicht nur einen Schritt sondern etliche weiter. Der point of no return ist da zwangsläufig längst überschritten. Sucht man nach einer passenden Sammelbezeichnung für die heutige Medienwelt, so drängt sich relativ schnell das Ökosystem der Mangroven auf, das als Bauplan für diesen allesfressenden Kraken herhalten mußte. Da gibt es nichts mehr zu enteignen.

Da reicht es sogar anhand eines einzigen Ereignisses die absolute Macht zu belegen, die die Krake gnadenlos auszuüben vermag. Gestern ab das hochgerühmte TV-Duell. Nein, ich habe es mir nicht zugemutet. Habe nur zu Beginn mal reingezappt und dann noch mal kurz gegen Ende.

Allein der Start war unsäglich und unfassbar. Da darf ein Herr Klöppel beginnen, warum eigentlich? Der Anchorman vom total politikfernen TV-Sender RTL als Bertelsmann also Liz Mohn also die Busenfreundin der ewigen Kanzlerin.

Weil es so schön war, seine erste Frage nochmals nahezu im Wortlaut:
Erste Frage geht an sie (Herr Schulz)
Nach ihrer Nominierung ...
in Umfragen ganz ganz oben ...
danach kam der Absturz ...
Liegt es daran,
dass sie den Bürgern noch ziemlich unbekannt sind...
oder liegt es daran, dass sie keine Regierungserfahrung haben...
Was glauben sie, woran liegt es, warum die Bürger ihnen ihr Vertrauen
nicht schenken wollen?

Der Herr Klöppel, der darf das. Dass der Schwachkopf von "Kandidat" auf solch eine offene Injurie auch noch glaubt, antworten zu müssen! Ich hätte mit einem "Was glauben sie denn?" gekontert und er hätte die Lacher der Nation für den Rest des Abends auf seiner Seite gehabt. Aber nein, da heißt es devot zu sein!

Gegen Ende nochmal reingeschaut in das üble Machwerk. Da stürmt in gewohnter Art Strunz, Claus Strunz, angeblich nicht mehr in Diensten von Friede, aber auch nur angeblich. Der gelernte Wadenbeißer vom Dienst! Tritt ins bestellte Fettnäpfchen: die armen Polizisten, was die nicht alles zu erleiden haben bzw. hatten. Wirft den so eingeschleimten Ball gekonnt in Richtung Kanzlerin, als ob die die letzen 12 Jahre in der Antarktis geweilt hätte. Und die edle Frau nimmt die Gelegenheit der offenen Tür gerne war und faselt die nächsten fünf Minuten was über den Polizeistaat, den es jetzt zügigst herzustellen gälte.

Die Frage nach der Medienmacht heute?
Würde meinen wollen, die Antwort ein klares, eindeutiges Ja! Und? Hülfe es was?

Antwort von U. Gellermann:

Aber wer hat denn nun das Erbe angetreten, fragt die Überschrift.


Am 04. September 2017 schrieb Lea Weber :

Bitte reservieren Sie einen Platz für mich!

Antwort von U. Gellermann:

Das geht nur unter dieser Adresse: info@buchhaendlerkeller-berlin.de

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