War Merkel eine Frauenfrage?

Neue Fragen. Gute Antworten.

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. März 2011
-----
Buchtitel: Lebenslauf, zweiter Absatz
Buchautor: Hermann Kant
Verlag: Aufbau

Dass sich einer erinnert, an die Zeit vor "dem" Krieg. Der Malzkaffe ist zu riechen in "Lebenslauf, zweiter Absatz", wenn Hermann Kant, mit den Erzählungen in seinem jüngsten Buch die kleinen Leute bedenkt. Es ist der selbe Kant, der grimmig sein kann und von kalter Schärfe, der hier sehr zugeneigt ist und voller Wärme. Dass sich einer erinnert: Weil sich die Zukunft aus der Erinnerung speist, weil wie und woran sich einer erinnert der Maßstab für Haltung ist, wofür und wogegen einer ist. Kant ist in der Erzählung "Krönungstag", der ersten in seinem neuen Band, für ein kleines Glück, das so lange kreiselt, bis es in einer ordentlichen Katastrophe landet, um dann wieder in eine reine, stille Freude zurückverwandelt zu werden. Was auch im Kitsch hätte enden können landet in der Solidarität. Welch ein altmodisches Wort.

Die vorgeblich neuen Wörter klingen doch alle wie Eigenverantwortung und reden über eine Unverantwortlichkeit gegenüber allem, was weiter als drei Zentimeter vom eigenen Bauchnabel entfernt ist. Das ist nicht das Thema des Hermann Kant. Beharrlich wendet er sich den Nachbarn zu, denen, von denen er bis heute annimmt, sie hätten mit ihm zu tun und er mit ihnen. Da kommt dann in der Geschichte "Mitten im kalten Winter" eine wundersame Lovestory heraus, die so ganz nebenbei vom Elektrikerhandwerk erzählt und davon, wie Leben außerhalb der Adelssitze und der Prominentenvillen funktioniert. Kein Wunder, wendet hier der Leser aus dem Westen ein, der Kant ist doch ein DDR-Schriftsteller, die hatten es doch da mit den kleinen Leuten. Wie gut, dass der Westen, der ja jetzt überall herrscht, die kleinen Leute den Jobcentern anvertraut, vor allem aber den trashigen Vorabendsendungen im Fernsehen, in denen sie ausgestellt werden wie die Tiere im Zoo.

So geht es dann weiter in Kants Erzählband, in dem Bronze gefunden wird und auch Gold, in dem manchem auffallen kann, dass er diese oder jene Geschichte bereits kennt, weil sie schon einmal veröffentlicht worden ist. Aber manches ist eben doch neu, wie "Patchwork", eine Erzählung, in der mindestens drei weitere stecken: Eine davon wie der Westen auf den Osten trifft, eine über das Grundgesetz und dann noch die darüber, wie die gelbe Post funktioniert oder auch nicht. Genau diese Story mündet in großen philosophischen Fragen, solchen, die nur vom weisen Narren Kant beantwortet werden können: "War Merkel eine Frauenfrage? Und das Rentenalter eine der Zeit?" - Lieber Herr Kant, man darf darauf hoffen, dass sich in ihren nächsten Büchern die Auflösung dieser Groß-Erkundungen finden wird. Und wahrscheinlich werden es wieder gewöhnliche Menschen sein, denen wir die Antworten dann von den Lippen lesen können. Her mit den nächsten Büchern.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. März 2011 schrieb Hajo Schönberger:

Ihre Kant-Rezension ist eine einzige, dumme Lobhudelei. Besonders diese Stelle regt mich auf: "die (DDR) hatten es doch da mit den kleinen Leuten". Sie hatten keine Reise- und Meinungsfreiheit, die kleinen Leute, und nicht selten auch noch eine schlechte Versorgung!

Kürzlich...

15. Januar 2018

Privat geht vor Staat

Selbstmord der Linkspartei
Artikel lesen

26. Dezember 2017

Yanis Varoufakis: „Die ganze Geschichte"

Ein Blick in den tiefen Staat der Europäischen Union
Artikel lesen

18. Dezember 2017

LINKE gegen LINKE

Zoff um den Zensur-Senator
Artikel lesen

08. Dezember 2017

Rechts-Staat rettet Bürger

Linker Senator muss Babylon freigeben Zensur-Anwalt Klaus Lederer verliert mal wieder
Artikel lesen

01. Dezember 2017

Der Berliner Zensur-Senator

Klaus Lederer bastelt eine Rechtfertigung
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen